Md
auf
" Hoün, »es Nutz.
rifit3b)'
2. hl ^2. hl.
W.ftf.
»usen 4b: immel.ftL
mmeLKI.
' 329 28 chnittho^ immt3X
-333-46 m.(Bauh.) 513 - 533, 0 Fichten - fBauholzj 0,90Fstin. triht 14b.
XIV. smftämmc «to emftämr «chvßs ftrnftämir? -reiholz) Allhnrßu
1 beide Qj. ollnkirchen rift .Holz, tb bis zum 1925, vor- nzeichnetcn y. cric Dtff-
3uli 1925- atober 1925. werden im
reine
tiaiL Sri
4583 ibtt
>t gelugt' öte ervai. qc Srtitihbft mit frei 905 an br ij. erbciu ir. erleid [RUlFB «ffenbail t in flHf gtbriii!-
intet (BW"
Aii; gelegened. inet- chaus 'M Gartet" c, wovon v hb. möbliert mjeitubtti“ [thnflebote Zelbt'E
W ,g eUnt^T
Ifl.
s s Ubr- 1U^:
rinöbau't- WtdNUNS Ä. ;sci"deru"S ldstvav' |jr, S-LÄ lÄ!
IIIIIJlMB1 iiitfiiS'
Nr 105 Zweiter Blatt
Sozialpolitische Aufgaben des Reichstages.
Don Clara Wende. M. d. R
Deeses Aufgabengebiet ift eins der größten' und ernstesten, das der Reichstag zu bewältigen ))Gt Die jiiieldbullc, die mit Dielen Arbeiten betraut werden, übernehmen damit eine große, verantwortungsvolle Aufgabe. Seitdem man in Deutschland dazu übergegangen ift, alle soziale •^ürforge vom Staat zu verlangen, werben viele sozialpolitische Forderungen nur zu Agitations- AtDcden erhoben, wennschon die Antragsteller ganz genau wissen, das; der Staat unfähig ist. sie zu erfüllen, rein auS Mangel an Mitteln. Böfer 'Dille, mangelndes soziales DerständniS find oft die gelindesten Dorwürfe, die der unglückliche RegierungSvertreter entgegennehmen must. UnD dabei weist jeder einzelne Reichs- togsabgeordnete sehr gut, dah zur Durch- »ührung aller dieser Forderungen nur mit Sachlichkeit und Vernunft gearbei- t c t werden kann. Jede Aeberspannung der möglichen Leistungen wird zu Rückschlägen führen und Schäden verursacheii, die dann in der tiefsten Derbitlernng der Kriegsbeschädigten und Krieger- Hinterbliebenen zum Ausdruck kommen, die die Sozial- und Kleinrentner in stumpfe Verzweiflung treiben, denn nichts ist demoralisierender für cm VoN, als fortgesetzte Enttäuschungen bei lechtlich begründeten und moralisch zu unterstützenden Forderungen. Kranken-, Unfall- und InvaliDeiwerficheiung, Arbeits- und Erwcrbs- lofenfürforg. müssen revidiert und ergänzt, verbessert und weiter auSgebaul werden. Ein ungeheures Gebiet, zu dem umfassende Sachkenntnisse, soziales DerständniS und nüchterne, klare Dernunst gehören, um allen berechtigten Forderungen und Wünschen nachzukommen, allen unberechtigten, übertriebenen Ansprüchen entgegenzutreten und sie auf das gehörige und mögliche Mast ziirückzuschrauben. und dabei die psychologische Grundlage für diese Wünsche nicht zu verkennen. Ganz besonders notwendig ist eS bei den Kriegsbeschädigten und Krieger- hinterbliebenen.
WaS würden unsere Dolen, die den Heldentod für uns alle gestorben sind, wohl sagen, wenn sie, gleichviel ob Mannschaften oder Offiziere, mitunter einen Dlict tun könnten in dos tiefe Elend ihrer Angehörigen, eine Ahnung hatten von Dii grossen Derbitlernng ihrer kriegsbeschä- diglen Kameraden, ilnb woher kommt dieleS iln- glüct? Woher kommt vor allem die Derbitterung? Well die psychologische Grundlage oft auch in den Regierungskreisen, in den verschiedenen Instanzen der Versorgungsämter nid)t erkannt und nicht verstanden wird. Wenn ein Ministerialrat ,m ArbeitSministcrium jammert: .Woher sollen wir nur daS viele Geld nehmen, uni den weitgehenden Forderungen der Kriegsopfer gerecht zu werden?" und in der gleichen Zeit hören und lesen jene Opfer von den Hunderten von Millionen. die an Schieber aller Art aus Reichsgeldern gegeben sind, wenn sie von Riesengehaltern bei her internationalisierten Reichseisenbahn hören, dann ist auch eine zu weitgehende Verärgerung und Derbitterung nur zu begreiflich. Man begegnet ihr vielleicht am lieft en damit, dast man einmal einige Zahlen gibt, die von den tatsächlichen Leistungen des Reiches sprechen, and wenn man sich bemüht, die vorhandenen Härten und Nngerechtigleiten abzustellen und zu mildern. Gleich nad) dem Kriege hotten wir in Deutschland 1537 020 KriegSSbefchädigte und heute find es noch 72t 000. Ein ungeheurer Rückgang in tuns Jahren der glücklicherweise nicht mir aus den Abgang durch Todesfall. sondern durch nach und nach erfolgte Heilung und vielleicht auch teilweiser Absindung beruht Die Kapilalabfindung der SchwerlriegÄeschädigten mustte in der In- flaflon sehr start gedrosselt werden, well es tat» sächlich an Geld fehlte, und weil auch die Dal- sache nicht zu verkennen ist. dast leider vielsach in jenen Zeiten moralischen Tiefstandes, die iln- glücklichen dem Schieber gefinDe! in die Hande sielen und dann Rente und Kapital verloren batten. Wenn im letzten Etat von 25 Millionen Mark 5 Millionen Mark für die Kapitalabfindung eingestellt waren, so zeigt das ein grohes Entgegenkommen der Regierung. Immerhin wird man »erstehen müssen und zugeben, dast das Arbeitsministerium fcgfältig prüft, ehe es sich zu einer Kapitalauszahlung entschlicht, da es, wie eben angedeutet, ja nur im Interesse der Petenten liegt, wenn man ihnen nicht rückhaltlos alles anvertraut, was ihnen noch zustehen kann und ihnen über schwerste Sorgen weghelfen soll. Wenn für etwa 788 000 Mann, die noch durch Rente zu versorgen sind. 905 Millionen nötig find (nach den letzten Anträgen auf Erhöhung), so zeigt diese Zahl auch, einen wie großen Posten die Kriegsbeschädigten im Etat einnehmen. Sei einer durchschnittlichen Erhöhung von nur 10 Proz. bei jeder Rente würde der Ausgabenposten rund eine Milliarde Goldmark betragen und dennoch leder Einzelne nicht viel erhalten. Für die Reichs- finanzcn spielt es aber eine gewaltige Rolle ilnb dennoch muh hier immer wieder helfend und bessernd eingegriffen werden, ob man das am besten durch eine 'Rovelle zum Gesetz macht oder durch Zusätze der bestehenden Gesetze und Dorschriften, ist eine schwer zu entscheidende Frage Ohne jede Debatte muh aber scstgestellt werden, dast daS Reich verpflichtet ist, daS gegebene Versprechen vom „gewissen Dank des Vaterlandes" cmzulösen, und in dieses Bemühen müssen auch die Mveteranen und die wenigen hvchbetagten Witwen der Kriegsteilnehmer auS den Jahren 64 bis 71 mit cinge- schlossen werden
Aber diese Fürsorge darf zu keiner Partei- fache werden. Teint AuSbruch des Krieges »kannte man keine Parteien mehr", auch unter den Kriegsopfern darf es nur Deutsche geben, und für sie müssen sich alle Dent-chen glcich- mähig einsetzen.
Besonderer Sorge bedürfen die Kriegsblinden, deren eS rund noch 3000 gibt, ihnen, denen treue Pflichterfüllung das Licht der Augen nahm, müssen wir innere Sonne und Wärme durch weitestgehende Fürsorge schaffen. Ihr treuester Frcuird. der Führerhund, muh anständige Verpflegung haben, die Pflegepersonen müssen sichergestellt werden, auch in der Heilbehandlung: Dlindenuhren und manches andere Gerät, dessen der Blinde bedarf, müssen erseht oder neu bewilligt werden, wenn seine Mittel dazu nickst ausreichen. Hauptsache wird immer bleiben, die Arbeitsmöglichkeiten der Kriegsbeschädigten sicher
Montag, 4. Mai 1925
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
zu stellen, ihnen wird der Segen der Arbeit, das Bewußtsein. nod) etwas (elften zu können, in mancher Stunde der Derzweislung über verlorene Gesundheit ein kleiner Drost sein. Den Witwen und Waisen, den Kriegerellern muh auch noch manche Derbeflerung und Erleichterung besorgt werden: die größte und beste wäre wohl die. das ganze Versorg ungswesen zu herein- fachen, damit sich her einfache Mann, der nicht Mathematik studiert bat, selber seine Rente berechnen kann: und ein einfacheres Deutsch in den Gesetzen, Damit er sie nicht nur lesen, fanbei n auch ncrflehen und begreifen kann. Hart ist für viele Fälle das Kürzungsverfahren bei Rebenerwerb. Bei einer Einnahme von über 300 Mark kann man die Kürzung der Rente um 10 Prozent schon ertragen, da diese Best imnnrng praktisch sehr wenige betrifft, nur ungefähr 4 Prozent der Beschädigten unt> dann meistens nur solche, deren Einnahme nachweisbar wesentlich höher ist als 300 Mart. Aber schlimm ist die Kürzung bei den Witwen, vielleicht nicht einmal so sehr hinsichtlich des Geldes allein, als hinsichtlich der erneuten Verleitung zur Faulheit. Welchen Reiz soll noch Mehrarbell haben, wenn kein entsprechender Lohn damit verbunden ist ? Was aber die Kriegsopfer wohl ganz besonders verlangen dürfen, ist „der gesetzliche Anspruch" auf die Fürsorge, die nicht zum Almosen werden darf, durch die mehr und mehr cintictcnhc Festlegung auf das Bedürftigkeitsprinzip. Die Renten sind im allgemeinen nicht so hoch, das) der Empfänger nicht unter die Bedürftigen gerechnet werden kann. Dieses Ausfrage» nach schematischen Fragebogen durch oft nicht zartfühlende Beauftragte hat etwas fo Demütigendes. das; feinfühlige Menschen dadurch zur Derzweislung gebracht werden können, lieber auf alleS verzichten, nur um sich nicht wieder dieser seelischen Qual auszuliefern. Darum fort mit diesen „Kannvvrschriften". Wo ein klares Recht, ein erwiesener Anspruch auf Rechte vorhanden ist. soll die Regierung auch dementsprechend verfahren. Wer dem Vaterland sein AlleS und Liebstes geopfert hat, darf nicht bei jeder neuen Rot auch neuen Qualen und Härten ausgesetzt sein Soziale Arbeit gedeiht nur auf dem Boden der Rächstenliebe und die fehlt noch viel im deutschen Baterland: sie kann nicht durch Gesetze geschaffen werden, hier mutz ein neuer Geist mit den Gesetzen wachsen und ihre Ausführung vom toten Buchstaben zur lebendigen Tat führen.
Der Millelweftdeutsche 5tenograpt)enbimb Stolze Schrey hielt am Samstag und Sonntag in Gießen feine diesjährige Bundestagung ab, an der ungefähr 1000 Personen teilnahmen.
Am Eamstagnachmiüag fand zunächst im Saalbau Sauer eine Sitzung des erweiterten Bundesvorstandes stall. Hieran schloß sich die Jahreshauptversammlung. Derbands- gefchästsführer Maus- Berlin berichtete über die Ereignisse des letzten Halbjahres auf dem Gebiete der Stenographie. Rach der Wahl des Iuli-EntwursS zur Reichskurzschrift sei ein Systenckampf von solcher Hestigtell entbrannt, wie ihn die stenographische Geschichte noch nicht auf- zuweisen hatte. Man müffe sich daher immer wieder fragen, ob es sich lohne, diesen Kampf gegen die Einheitsturzschrift zu führen. Die Schule Sto'ze-Schrcy erstrebe nichts sehnlicher. als eine Einheit auf stenographischem Gebiete. Diese Einheit könne aber nur erreicht werden^ wenn ihr ein System zugrunde liege, dem die Schule Stolze- Schrey voll und ganz zustimmen könne. ES müsse dann aber wieder ein Ereignis eintreten, wie im Fahre 1897. als die Verschmelzung von 4 Schulen (Stolze. Schrey, Velten und Merkes) erfolgte Damals habe man sich mit Begeisterung zu der neuen Schriftfonn bekannt Die einmütige Ablehnung der Reichskurzschrift durch die ödjulc Stolze-Schrey sei daraus zurückzuführen. dah man von bei Güte des Systems Stolze-Schrey überzeugt sei. Auch in mah- gebenden Stellen breche sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, datz die Einheitskurzschrift einer Verbesserung bedürfe. Ter Blldungsaus- schutz des Reichstags, der am 3. April I. Zs. eine Uebcrprüfung und eventuelle Aenderung des Einheitssystems gefordert habe, hälle am 29. April erneut die Frage der Einheitskurzschrift behandelt und dabei zum Ausdruck gebrach!. dah fein Beschluß vom 3. April L Sä. endgültig gefaßt fei Weiter habe der Dil° dungsausschutz in seiner Sitzung vom 29. April bas Vorgehen des Reichsministeriiuns deS Innern. das in eigenartiger Weife zu dem Be- kchkutz des Bitdungsausschufles vom 3. April Stellung genommen habe, einer Kritik unterzogen und dieses Vorgehen des Ministeriums als ungewöhnlich bezeichnet. Diese Stellung des Bildungsausschusfes lasse erwarten datz die von allen Sachverständigen, non bedeutenden Schulmännern und WirtschaflSkreisen erhobene 'Forderung nach der Einführung cmcs Kurzschrift- shstemS, das mit Sicherheit in der Praxis verwendet werden könne, als richtig anerkannt wird und daß vielleicht bald der Systemkampf durch die Einführung eines allen Forderungen der Gegenwart entsprechenden Kurzschriftsystems beendet werde. Auf jeden Fall sei die Haltung des BorstandeS des Stenographenverbandes Stolze-Schrey durch die einzelnen Verbände, insbesondere auch durch den Millelwestdeutschen Bund, kräftig unterstützt worden, woraus man ersehen könne, daß Einmütigkell darüber herrscht, dah die Stellungnahme des Derbandeso im Interesse von Schule, Wirtschaft und Verwaltung liege. Die Einheitskurzschrift müsse erst den Rach- weis in der Praxis erbringen, daß sie dem System Stolze-Schrey überlegen, mindestens aber ebenbürtig fei.
Don den übrigen Verhandlungen waren die Berichte der einzelnen Bezirksleiter über die Sätigfeit der Bund es vereine von besonderem Interefle. Bei den vorgenommenen Wahlen wurde der seitherige Vorstand (1. Bundesvorsitzender Lehrer Paul Könitzer. Kassel, 2. Bundesvorsitzender Kaufmann H Konrad, Kassels wiedergewähll.
Als Ort für die nächste Tagung wurde Kassel bestimmt.
Den Abschluß der Hauptversammlung bildete ein gemütliches Zusammensein.
Sonntag vormittag fanden im Kollegien- gebäube der Landesuniversität die Wett- schreiben statt, und zwar wurden durchgeführt ein Sonderwettschreiben des eteno-
graphenvereinS Stolze-Schrey Gießen für alle Bundesmitglieder in der Abteilung von 80 Silben, ein BundeSwettschreiben von 100 biS 300 Silben und höher, sowie ein F e r n - wettschreiben des Verbandes von 120 bis 300 Silben und höher. An den Wettschreiben beteiligten sich ungefähr 650 Personen. Die Teilnehmer boten durchweg gute Leistungen, so dah u. a. auch 55 Arbeiten mit Ehrenpreisen ausgezeichnet werden konnten. Die Bundes- Meisterschaft errang Jobst. Frankfurt am Main-Bornheim (18 Jahre alt). Den Bundes- wanderpreiS erwarb der Verein Sachsenhausen, an zweiter Stelle steht der Verein Stolz?ana. Kassel. DaS Wettschreiben in fremoen Sprachen erstreckte sich auf Englisch, Französisch, Latein, Spanisch, Esperanto und Ido. Mit Ausnahme der Arbellen in Spanisch konnten sämtliche Tellnehmer ausgezeichnet werden. Außer dem Wettschreiben fand auch Wettlssen statt, die Höchstleistungen hierbei betrugen 500 bis 600 Silben pro Minute.
Gegen 12 ilbr mittags fand in der Reuen Aula der Landes-Llniversität eine Fest- Versammlung statt, bei der Llniversitäts- Professor Dr. Merk- Marburg über „W e r d en und Wandlungen der deutschen Kurzschrift" sprach. Der Redner gab zunächst einen geschichtlichen Rückblick auf die Entwicklung der deutschen Kurzschrift. Drei Entwicklungsstufen seien zu verzeichnen: die Lieblraberschrift. die Kammerschrist und die Verkehrsschrift. Die größte ilmträUung vollzog sich vor 100 Jahren durch den llcbergnng von der geometrischen zur graphischen Schriftform. Das sei Gabelsbergers Verdienst. cdjDii bei Gabelsberger und Stolze trat daS Bestreben hervor, das gefühls- und erfab» rungsmähig Erkannte auch wissenschaftlich zu begründen. WaS in dem Satze gipfelte, ähnlichen Lauten auch ähnllche Zeichen zuzuweifen. Die Kurzschrift sollte gewissermaßen die Sprache ab- bilden. Das ift jedoch als Scheinwisfenschaft abgetan. und heute steht uns der Satz höher: Den häufigsten Lauten die einfachsten und deullichsten Zeichen!
Inzwischen ist der Juli-Entwurf durch Den Machtspruch der deutschen Regierung zur Eia- heitsstenographie erhoben worden. Ist nun dieses System in seiner jetzigen Gestalt ein Fortschritt und wird die gewaltige Geistesarbeit, die in den letzten hundert Jahren von bedeutenden Köpsen aus stenographischem Gebiete geleistet worden ist, damll gekrönt? Das ist nicht der Falb Die Cinheitskurzschrift ist em Kompromiß, ein ausgeklügeltes Flickwerk. Sie bedeutet gegenüber Gabelsberger wohl eine Vereinfachung, gegenüber Stolze-Schrey bringt sie aber eine wesentliche Vermehrung des Regelwerks und einen erheblichen Rückschritt in bezug auf Genauigkeit. Schreibsflichtigleit und Deutlichleit. Die Ergebnisse der HäusigteitSuntersuchungcn scheinen für die Verfasser der Einheitskurzschrift nicht vorhanden gewesen zu fein. Der Redner betonte, daß zu Den Daseinsbedingungen eines Volkes die Einhell aus stenographischem Gebiete nicht unbedingt gehöre. Gewiß sei die Einheit ein erstrebenswertes Ziel, aber es Darf keine Einhell um jeden Preis fein. Die Einheit Darf nicht auf Kosten des inneren Wertes und Der inneren Lebenskraft Der Kurzschrift erfolgen. Für das deutsche Volk ist die beste Kurzschrift gut genug, und die Schule Stolze-Schrey handele vollkommen richtig, wenn sie die gegenwärtige Form der Reichslnr-zschrift ablebnc. Mag die künftige Ern- hellskurzschrift kein einziges Zeichen von Stolze- Schrri) erhallen, sie muß aber ein Fortschritt über Stolze-Schrey hinaus darstellen und darf keinesfalls hinter Stolze-Schrey zurückbleiben. Reicher 'Beifall belohnte den Referenten für seine intcreffanten Ausführungen.
Der Gießener Verein wurde in AncrkemWng seiner 30jährigen erfolgreichen Tätigkeit Dom Bund durch ein Ehrendiplom ausgezeichnet, Der Vorsitzende des Vereins, Derwaflndgs-- inspektor Reih, wurde zum Ehrenmitglied des Bezirks Oberlahn ernannt
Am Sonntag nachmittag fand auf der Sie- bigshöhe eine Festfeier. bestehend in Konzert, Preisvertellung. Vorführungen usw. stall. Der Besuch dieser Veranstaltung war <mycr- ordentlich stark.
Den Abschluß der Okranftaltungen bildete eine heute, Montag, unternommene Wagen- fahrt nach Schiffenberg.
Tagung der
Deutschen Röntgen-Gesellschaft.
< LadNauhcim, 2. Mai. Zur 16. Tagung der Deutschen Röntgengefellschaft (Gesellschaft für Röntgenlundc und Strahlenforschung), über deren Eröffnung und Verlauf wir schon ausführlich berichtet haben, sei noch ergänzend mit» geteilt:
Das wissenschaftliche Programm, das man erledigte, war außerordentlich umfangreich. 74 Vorträge und drei größere Themata, über die mehrere Forscher referierten, standen zur Verhandlung. Wie schon kurz mllgeteill, hieß das Thema der ersten Hauptsißung: „Die Eigenbewegunrgen des Magens im R ö n t g e n b i 1 d'. Zmrächft referierte Forffel-^tockholw über die Schleim- hautbewcgungen im Röntgenbild und betrat damit ein Gebiet, das von chm in letzter Zell erst näher erforscht worden ist. Groedel-Bad-Nauheim berfchtet über die Mogenbewegungen im Lichte der Rönlqenstrohlen, ein bisher noch wenig durchfoschtes wissenschastlichcs Gebiet, das aber feit Einführung der sog. Riederschen Röntgenmahlzeit und der Konstruktion von sog. Serien-Apparaten und Röntgen- Kinematographen einer Klärung entgegengeht. Der dritte Referent zu dem pben angegebenen Houpt- thema, A. Fränkel-Berlin, berichtete über die Bewegungsvorgänge im erkrankten Magem 3m Anschluß an diese Referate sprach auf Einladung Kastle-Münchcn über die Bewegungserfchci- nungeii im Zwölffingerdarm. Die sehr rege Aussprache, die sich an die Referate und einige ähnliche Themas behandelnde Vorträge aus dem Gebiete der Röntgendiagnostik anschloß, war Beweis dafür, daß trotz glänzender Forifchrille der Röntgenwiffenfchaft doch noch viel Neuland auf Erschließung und Bearbeitung wartet.
Die zweite wisienfchaflliche Sitzung Halle „Die normale und pathologische Aorta im R ö n t g e n d i l d" jum Berhandlungsgegenstand, und zwar referierte Frick-Berlin über das Bild der normalen Aorta, 2 eneke - Hamburg über das der tranken Aorta. Obwohl es sich hier um ein feit Beginn der Röntgenaera gut erforschtes Gebiet handelt, zeigten die beiden bedeutsamen Referate, daß
auch hier immer noch neue fortschreitende Forschungsergebnisse zu erwarten si^d. Sluf Entladung trug H u be rt - B a d - R a u h e i m einen Bericht über die „Svphilis der Aorta" vor und behandelte damit ein besonders wichtiges Thema. In den meisten Fällen werde das Rönigenbild die dem Arzt befdöuten Erscheinungen der snphilitischen CTr- krankimg der Hauptschlagader ergänzen
Die chronischen Erkrankungen d>r Gelenke im R o n t g c n b i 1 b" war Gegenstand der drillen wisienschaftlichen Hauptsitzung. In einem einleitenden Referat erörterte der Pathologe B e n c r e > Halle das anatomische Bild der verschiedenen Ifrtrontimgsformen, die sehr schwer festzustellen sind. Das klinische Bild schildert A ß in a n n - L e i p z i g. Beide Redner erledigten sich ihres Auftrages mit größtem Geschick-, sie bereiteten meisterhaft zu dem Referat von Kienböck-Wion vor, der auf Grund feiner 25jährigen Erfahrung einen klaren llcbcrblirt über das Räntgenbild der Gelenkerkrantungen bot. EinzelfLlle dieses Gebietes wurden anschttetzend in mehreren kurzen Borträgen behandelt.
Eine weitere Sitzung war ganz ausgefüllt mit diagnosflschen Borlrögen, die viel Znlerestanies boten über den .Nachweis verschiedener Lunaen- criranfungcn, Lebererkrankungen, über neue Me tHoden der Darstellung der Luftwege, über den röntgenologischen Nachweis der Schwangerschaft usw. schäft usw.
Der letzte Berhandluiigstag befafeu.* sich vor- wiegend mit der biologischen Strahlenforschung und der Röntgentherapie, die in zahlreichen kurzen Borträgen und Aussprachen bc- handelt wurden. 'Roch ist die biologische Wirksam- keil der Röntgenstrahlen in Dunkel gehüllt. Aber auch die wichtigsten Borträge des Kongresses zeigten, daß die Zelle des Körpers cis Angriffspunkt in den Hintergrund rückt, daß es offenbar die chemischen Bestandteile des Körpers sind, die das Angriffsobsekt der Röntgenstrahlen darftellen v. Holthusen Hamburg, K r o e tz - Greifswald, Larsen- und Schneider- Frankfurt ". M . Lieber- Inns- brück u. a. gaben dazu bedeutsame Ausführungen. H o l z k n e ch t Wien hielt, wie alljährlich, einen 9krtrag über die Karzinombestrahlung. Eine bewegte Diskussion schloß sich daran an.
Das Gebiet der Röntgentechnik wurde durch Borträge und technische Vorführungen behan beit. Die wichtigsten ‘.Neuerungen beziehen sich auf Vorrichtungen und Apparate, die dazu beitragen, die Arbeit des Arztes durch Einführung exakter Meß- apparate und neuer Heilapparate immer sicherer und für das Publikum gefahrloser zu gefüllten.
Die künstlerisch ungestaltete A u s ft e 11 u n fl in den Badehäusern gab einen guten Ucberblid über Neuerungen der Röntgentechnik.
Zu bemerken wäre noch, daß Prof. Morse- Edinburg, von besten herzlicher Begrüßungsansprache schon in unserem ersten Bericht die Rede gewesen ist, die Teilnehmer on der hiesigen Tagung zum allgemeinen internationalen Rönt gen ton gr eg einglclaöen hat, der in diesem Jahre in London stattfindet. Dieser Kongreß gewinnt dadurch an Bedeutung, daß er der erste nach den langen Kriegsjahren ist, an dem deutsche Gelehrte teilnehmen werden.
Die Pausen der arbeilsrcidjcn Tagung waren ..usgefüllt von Unterhaltungen, die Stadt und Bad boten, sowie von Führungen durch die Badebetriebe Auch die Gießener Universitätsinsti tute und die L u p u s h e i Ist ä 11 c wurden m» Laufe der Woche besichtigt. Alles in allem bedeutet der Kongreß einen nicht zu unterschätzenden Gewinn für unser hessisches Bad. Denn nahezu 800 Aerzte, die Bad-Nauheim kennen und schätzen gelernt, wer den hinausgehen und den Ruf des gastlichen Bades ifnd feiner Heilmittel weiter verbreiten in aller Well
Buntes Allerlei.
Der Fernsehapparat.
lieber die sensationelle Entdeckung des Physikers I. R. Braid berichtet ausführlich die letzte ‘Jhrmmer der englischen wissenschaftlichen Zeitschrift „Disco o e r i)“. Es handelt sich um einen neuen Fernsehapparat, der einen umwälzenden Fortschritt be- beulet. Die bisher bekannten Fernsehapparate gehen meist auf die Idee des Physikers Belin zurück. Der zum erstenmal eine geeignete Methode fand, Photo- graphien und Zeichnungen auf telegraphischem Wege weiterzuleiten. Das unmittelbare Sehen in die Ferne wird also durch die Belinschen Apparate nicht ermöglicht. Die Entdeckung Braids stellt nun nicht eine neue Art Bildertelegrapbie, sondern einen Fern- sehapparat i m buch st üblichen Sinne des Wortes dar. Das Prinzip, das der neuen Erfindung zugrunde liegt, ift ebenso genial wie einfach. Am leick)teften läßt es sich on einem Beispiel erklären.
Rehmen_ wir an, daß eine Filmgesellschaft in Wien eine Schauspielerin, die sich augenblicklich in Paris befindet, zunächst die Dame sehen. Der Pa- rifer Sendeapparat, der den Blick in die Ferne ermöglicht, besteht nun in einer metallenen, senkrecht ausgestellten er^eibe, die sich mit großer Geschwin digkeit um eine horizontale Achse dreht. Die Scheibe dient als Rahmen für zahlreiche kleine Linsen, die darin eingefaßt sind. Die Dame stellt sich nun vor diese Scherbe hin, ihr Gesicht wird durch eine starke elektrische Lichtquelle scharf beleuchtet. Wenn man durch die rhende Scheibe blickt, so würde man nur einzelne Gefichlsteile sehen.Wenn sich die Scheibe in Bewegung setzt und eine gewisse Geschwindigkeit er- reicht hat, so ergänzen sich diese Teilchen zu einem ganzen Bild. Bei jeder Umdrehung der mit großer Geschwindigkeit rotierenden Scheibe bringt ein Licht- strahl durch jede Heine Linse und fällt auf einen transparenten Schirm, der mit einem lichtempfindlichen Stoff imprägniert ift Die Wirkungszeit des Lichtfttahls ist äußerst kurz, denn bevor der Strahl den Schirm erreicht, muß er zunächst sich zwischen zwei Zähnchen eines sich ebenfalls mit großer Geschwindigkeit drehenden Zahnrades den Weg bahnen. Die Unterbrechung des Lichteffektes durch das rotierende Zahnrad erzeugt elektrische Schwingungen, die durch einen der Sende Vorrichtung ähnlichen Empfangsapparat in Wien aufgenommen werden können. Die elektrischen Wellen werden hier banf einer von Braid gefundenen Mechode wieder in Lichtstrahlen umgewandelt, und nachdem die Wellen eine ähnliche mi: Meinen Linsen durchbrochene Scheibe, die sich mit demselben Geschwindigkeitstempo bewegt wie die Pariser Metallscheibe, passiert haben, bringen sie auf einer dunklen Glasplatte die Gesichtszüge der Pariser Filmdiva hervor. Der Braidsche Apparat ift alfo eigentlich eine neue Art von Fernkinomatographie. Frellich steckt er vorläufig noch in den Kinderichuhen und muß zunächst durch eine Reihe von Expcri- menten entsprechend vervollkommnet werden. Die Bilder, die der Apparat hervorbringt, sind wenig ichari, neblig und verschwommen. Immerhin sind sie lebenstreü, und das bedeutet einen nicht zu unter-


