Montag, 4. Mai 1925
175. Jahrgang
Nr. 103 Erstes Blatt
Das Eisenbahnunglück im Korridor
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vor ihrem Abschluß. Die Operationen der Franzosen
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r u n g erwartet man hier im Osten, daß fic Hände nicht ruhig im Schoß halte!
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2tnnat}me von ÄiijeigcL für die Tagesnummer bis zum Nachmittag oorhe ohnejedeDerbindlichkcu
Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlichZ, auswärts 10 Goldpfennig; für Ne- Klame-Anzeigen v 70 nm Breite 35 Goldpfennig, Ployvorschrist 20" /Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton vr. Friede. 2vllh Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschem; für den Anzeigenteil: HansBeck, sämtlich in Gießen.
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Spanisch-französische Offensive in Marokko.
Madrid, 4. Mai. Die spanischen Unterhändler, die von Primo de Rivera beauftragt worden waren, mit A b d - e l - K r i m Verhandlungen aus-
Eine Kundgebung der Auslanddeutschen.
Berlin, 3. Mai. (WTB.) Heute abend fand Rcichstagsgebäude eine vom Bund der Aus-
Die hier unternommenen Versuche, die Verantwortung für das entschliche Unglück a b z u w ä l - gen, müssen auf das Schärfste zurückgewiesen werden. Diese Versuche sind um so plumper, als ganz offen zugegeben wird, daß dadurch dem Ergebnis der Untersuchung vorgegriffen werden soll. Von polnischer «eite wurde auffallend schnell nach _bem Unglück die Version verbreitet, daß ein verbrecherischer Anschlag vorliege. Demgegenüber wird von Augenzeugen berichtet, daß die Entgleisung des Zuges auf den mangelhaften Zu ft and der Bahnanlagen zurückzuführen ist. Am 22. April ist der Schnellzug Krakau—Warschau und wenige Tage vorher der Schnellzug Koämo—Warschau ent- gleist. Sollen vielleicht auch hierfür Deutsche oer- antmorllich sein? Ein polnisches Blatt stellte damals fest, daß die Entgleisung die Folge des verbrecherischen Leichtsinns und beispielloser Nachlässigkeit der polnischen E i s e n b a h n ve r w a l t u n g war, die die Eisenbahnschwellen verfaulen ließ. Die deutsche Presse würde rc Pflicht gegenüber ic Lessen. lichtest vernachlässigen, wenn sie nicht diese llebei- stände geißeln und eine größere Sicherheit für die hauptsächlich von Deutschen befahrene Strecke fordern würde. Unter diesen Umständen können die Versuche der Polen, die Verantwortung für das Unglück, die unzweifelhaft der polnischen Eisenbahnvermaltung zur Last fällt, den Deutschen in die Schuhe zu schieben, nur als unerhörte Verleumdung bezeichnet werden. Weitere Opfer der Katastrophe.
Danzig, 2. Mai. CSil.) In den Krankenhäusern Dirschau und Stargard sind heute nacht
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Die Korridor-Katastrophe
(Don unserem nach Stargard entsandten th.-Sonderkorrespondenten.) (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
Das deutsch-elsässische Kaliabkommen.
Köln. 2. Mai. lWTD.) Gestern ist Generaldirektor D i h n vom Kalifyndikat in Begleitung zweier weiterer Syndikatsmitglieder nach Paris gereist, um dort die inzwischen zum "Abschluß gebrachten Vereinbarungen ütec das deutsch-elsässische Kaliabk.mmen durch ihre älntrr- schrifl abzulchtießen. Die Ratifllation des Abkommens wird im Beisein des französischen Negierungsvertreters der elsässischen Kaliwerke auf der deutschen Botschaft erfolgen. Der wesentlichste Punkt dieses Abkommens ist die endgültige Verteilung des amerikanischen Absatzes, der in der Relation von 70 zu 30 erfolgt, wobei das deutsche Kali- syndikat sämtliche Lieferungsrückstände der fran- zösischerseits getätigten Abschlüsse mit übernimmt, um auf diese Weise die elsässische KaliindustNe für den französischen Markt zu entlasten.
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Polnische Derfchleierungsversuche.
Warschau, 2. Mai. (WTB.) Zur Entgleisung des Zuges Königsberg—Berlin bei Preußisch- Stargard erklärte der Wojewodc von Thorn, Wachowiak, einem Mitarbeiter des „Kurjer Polski", er fei überzeugt, daß dos Unglück auf ein Bor* brechen non staatsfeindlichen Elemen- t c n zurückzuführen sei, die ein Interesse daran hätten, Polen in Europa zu diskreditieren und zu beweisen, daß die Deutschen sich keiner Durchreise durch den Korridor erfreuen könnten. Die no- tionialdemokrotische „Gazeta Poranna" behauptet, man könne schon vor der Untersuchung getrost sagen, daß dos Verbrechen von denjenigen begangen worden ist, denen es Rußen bringen soll. Die heftige Art, mit der sich die deutsche Presse auf den Vorfall geworfen habe und der fieberhafte Versuch, daraus politisches Kapital zu schla- gen für die korridorfeindliche Politik Deutschlands, müsse zu denken geben.
vier weitere Verletzte gestorben. Vach Angabe des leitenden Arztes des Dirschauer Krankenhauses beträgt die Zahl der Zoten bisher 27, jedoch werden von den Schwerverletzten iwch verschiedene sterben. Der deutsche Generalkonsul in Polen ist noch gestern abend im Dirschauer Krankenhause eingetrofsen, um sich über das Schicksal der Verletzte zu unterrichten. Dagegen ist bisher noch kein Vertreter der polnischen Regierung angekommen, um sich nach dem Befinden der Verwundeten zu erkundigen. Der polnische Eisenbahnminister ist gestern nachmittag nach Besuch der ilnfall- stelle gleich wieder nach Warschau zurückgekchrt.
Uebersührung der Opfer nach Marienburg.
Danzig. 4. Mai. (LU.) Die Leichen des Eisenbahnunglücks im polnischen Korridor wurden in einem Extrazug nach Marienburg gebracht. Zum Empfang waren von der Königsberger Esinbahndirekti»n u. a. erschienen Reichs- bahndirc.tionspräident Mü ler, von der Regierung Regte rüngsprästoent Brauweiler - Marienwerder, von der Staatsanwaltschaft Staatsanwallschaftsrat Lange-Elbing und als Vertreter der Stadt Marienburg Oberbürgermeister P a w c l c i l. Die Todesopfer der Eisenbahnkatastrophe wurden begleitet von Vertretern der polnischen Starostri und des @ircn- bahnamts in Dirschau. Cs fiel allgemein auf, daß die Leichen in schlechtem Z u st a n d ankamen, obgleich bereits 24 Stunden seit der Katastrophe verstrichen waren und somit genügend Zeit vorhanden sein mußte, sich der Loten anzunehmen. Die polnischen Herren fühlten sich deshalb auch veranlaßt, sich immer wieder zu entschuldigen. 3n Marienburg dagegen waren für die Aufnahme der Leichen alle Vorbereitungen getroffen. 27 Särge wurden in aller Elle beschafft. Auch hatte man Kränze besorgt. 3n einem hierzu bereitgestellten Wartesaal wurden die Leichen aufgebahrt. Die noch nicht identifizierten Leichen wurden unter dem Ehrengeleit der Stadtver- treter in das Diakonifsenhaus gebracht und in der Leichenhalle aufgebahrt. Die Stadt Marienburg hat zum Zeichen der Trauer h a l b ni a st geflaggt.
Des Reichspräsidenten Beileid.
Hannnover, 3. Mai. Wie die Telegraphen- linion erfährt, hat Reichspräsident von Hindenburg an die Generaldirektion der Deutschen Reichsbahn-A.-G. folgendes Telegramm gerichtet:
„Schmerzlich bewegt durch die Nachricht von dem furchtbaren Eisenbahnunglück bei Stargard bitte ich, den Angehörigen der Opfer, mein herzlichstes Beileid auszusprechen. v Hindenburg."
Um 12.30 Uhr vormittags startete das Flugzeug des Deutschen Aero-Lloyd in Tempelhof. 3n beruhigend ent Flug geht es über Branden- burg, Pommern, südlich und dann in größerer Höhe über den Korridor, bis nach drei Stunden die alten Türme von Danzig unter uns liegen und kurz darauf der Fuß wieder festen Boden betritt. Die Zeitungen lind voll von de» Katastrophe Am Bahnhof stehen Gruppen von Leuten zusammen, die mit einer seltsamen Mischung von Phlegma unb Erregung debattieren.
Es ist schwierig, mit einer der Autodroschken über die Taxe einig zu werden und nach einiger Geduld rattert dann ein Ford-Wagen durch ein kleines Städtchen und Dörfer die schnurgerade Landstraße immer nach Süden zu. Regen hängt in den Wolken und läßt Feld und Wiesen, die sich in leicht gewelltem Hügel hinziehen, nur wie ans weiter Ferne sehen. Hier und da Bauersleute bei der Arbeit, dann der Danziger Paßbeamte. Drei Minuten darauf halten wir vor dem rotweißen Querbaum. Wieder Fragen, Eintragung des Passes und dann das letzte Stück durch den polnischen Korridor. Rach l1 Stunden taucht Stargard aus, erst der Bahnhof, zwei bis drei Kilometer nach links das Städtchen, ein paar kleine Fabrikschornsteine, ein paar Türme und alte Giebel. Das Städtchen mag 5 bis 6000 Einwohner haben.
Langsam geraten wir in eine Art Völkerwanderung: das Zeichen, daß wir bereits im Bannkreis der Anglücks st elle sind. Roch ein letztes Stück durch einen verworrenen morastigen Weg bis an die knorrigen stumpf- abgelöpften alten Weiden, denen sich in maienhafter Helle ein paar wundervolle Dirken an- schließen und vor und liegt der Bahndamm Da. wo er aus dem dunklen Wald hervorlritt, fällt das Land bis zu 15 Meter ab, und gerade an dieser landschaftlich überwältigenden Stelle ist das Verderben über den Todeszug gekommen. Durch die Stille des langsam nicOer- finkenden Abends muß man noch cm paar Schritte bis zu der Postenkette heruntergehen. die die Menge von dem Unglück zurückhält. Die Katastrophe. die sich hier abgespielt hat. läßt sich im ersten Augenblick gar nicht fassen. Rur ein paar Wagen stehen nc^ch im wirren Durcheinander herum Wie ein zerbrochenes Kinderspielzeug hängen die anderen am Abhang der Böschung. Die Lokomotive hat sich in die Erde bincingegraben. Der Schornstein nach unten. Aus dem Tender rollten Kohlen herab. Der nächste Wagen ist am Boden vollkommen auseinandergerisscn, so daß Decke und Seiteirteile mehrere Meter tiefer liegen als das ■RäöcrgeftclI. Der nächste Wagen hat sich mit feinen Puffern m ihn hineingerannt. Auf einem steht ein Arbeiter, der sich mll einer Art in einer merkwürdigen dunklen Silhouette gegen den Abendhimmel abhebt. Reben einem Baum hat man zufammengeschichtet, was sich an Kleinigkeiten noch im Reisegepäck befand. Da liegen Kissen, ein paar Stöcke, eine alte Puppe, mit der eines der beiden veruirglückten kleinen Mädchen noch bis zum letzten Äugairblick gespiell haben mag, ein Häufchen irdischer Unbedeutsamkellen und gerade darum hier von eigenartigem Eindruck. Die Leute starren es an. drehen sich um und während der Abend immer dichter wird, wendet sich die Völkerwanderung langsam und schwerfällig zurück zur Stadt
3n dem riemcn Hotel an dem winkligen Markt mit seinem Knüppelpflaster sitzt man zusammen und erzählt von dem. was jeder gehört oder gar gesehen haben will. Was alle am meisten bewegt, ist die Frage nach der Ursache. Eine Frage freilich, die bereits start ins Politische hinübergreifl und zweifellos noch ganz und gar politische Bedeutung bekom men wird. Es ist geradezu auffaUenb, mit welcher Promptheit dtepolnischen Behör- den' von einem Attentat sprechen, wie verbissen sie an dieser Version festhalten, obwohl die Untersuchmlg nach ihrer eigenen Angabe noch gar nicht abgeschlossen ist, und ob sie überhaupt ganz einwandfrei zu Ende geführt werden kann, das ist sehr bie «Frage: jedenfalls aber äußerst unsicher im Sinne der polnischen Behauptung, denn erst 10 Stunden nach dem Unglück hat man die Dan- zia er Kriminalpolizei hmzugebeten. ohne daß vorher irgendwelche Absperrung?n durchgeführt worden waren, die verhinderten, daß Hunderte von Menschen sich am Llnglücksort aufhielten.
Tatsache jedenfalls ist zweierlei: zum ersten, daß der Unterbau dieser Strecke in einer Verfassung ist. die eine solche Katastrophe eines Tages geradezu provozieren mußte. Als die Lokomotive aus den Schienen sprang, zerbrachen die Schwellen, die feit fünf Jahren nicht mehr in Ordnung gehalten worden sind. Rach Ansicht der Fachleute hätte es immer noch möglich fein müssen, den Zug. während • die Maschine über die Schwellen sprang, zum Stehen zu bringen. Da die Schwellen aber durchbrachen, verlor die Lokomotive das Uebergewicht und die Katastrophe nahm ihren Qxrlauf.
Das zweite ist dies: Das polnische L o k o - motivpersonal konnte sich durch einen Sprung retten. Die Reisenden waren e Inge s p e r r t und ein größerer Teil von ihnen kam auf diese furchtbare Weife ums Leben.
Die W a g e n s ch l ü s s e l hat während der Fahrt dprch den Korridor der Lokomotivführer. Mit größerer Bedeutsamkeit konnte die Tln- geheuerlichkeit dieses Verkehrszustandes nicht an den Tag treten. Dazu kommt noch, daß während der Fahrt durch den Korridor nicht e i n m a l bie Fenster geöffnet werden dürfen, im Sommer eine stundenlange Qual und verschiedentlich schon der Grund dafür, daß bei Ilnglücks- fällen Hilfe zu spät fam. Riemand weiß, ob sich nicht in Kürze eine neue, vielleicht noch entsetzlichere Katastrophe ereignet. Darum müßte dieses Unglüd ein Menetekel sein, das zum sofortigen Zusammentritt des im Pariser Abkommen vorgesehenen Drei-Parteien- Schiedsgerichts führen muß Unb mehr noch! Die internationale Politik hat, wenn sie die Erbitterung, die man schon jetzt überall art- trifft, nicht noch mehr steigern will, ein dringendes 3ntereffc daran, diese Frage zu einer Lösung zu führen. Von der Reichsregie-
Die französische Antwort auf die deutschen Sicherheitsvorschläge.
London, -l. Wai. (TU.) Wie der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet, hat die englische Regierung die Mitteilung aus Paris erhalten, daß der Quai d'Orsay die Fertig st ellung der Antwortnote auf öic deutschen Sicher» heitsvorfchläge beschleunige. Der Text werde wahrscheinlich den Alliierten früher vorgelegt, als man noch vor Tagen erwartet Habs. Die Annahme, daß gleichzeitig mit der französischen Rote auch von den anderen g l liier t c n Haupt st aaten an Deutschland gleichlautende Roten überreicht würden, sei bisher nicht bestätigt worden. 3n Paris sei die Enttäuschung darüber groß, daß die Botschasler- konferenz in ihrer letzten Sitzung die vor- geschlagene Rote an Deutschland über die Entwaffnungsfrage und die Räumung der Kölner Zone nicht fertiggestellt habe. Man hoffe offenbar in Paris, daß England das zweite Memorandum des Fochkomitees sofort in vollem Umfange annehmen werde.
Der Attentatsprozeh in Sofia.
Sofia. 2. Mai. (T. U.) 3n einer Artillerie- lajerne begann gestern vormittag der Prozeß über die Urheber des Attentats auf die Kathedrale. Der Aerhandlungsort wurde dis zur letzten Stunde geheimgehalten. Presteoertreter wurden nur gegen Ausweiskarten zugelassen. Jeder Anwesende wurde noch Waffen durchsucht. Der Attentatsprozeß richtet sich gegen den Kommunistenführer Friedmann und den Kirchendiener Z a g o r s k y , die dem Re» serveoberst K o e f Unterschlupf gewährt hallen. Die übrigen Angeklagten wurden bisher nicht verhaftet. Nach der Ermittlungen der Polizei war die Der- jchwörung am besten in Varna organisiert, da dort Agenten in allen Tellen der Bevölkerung den Aufstand norbernteten.
Der Kirchendiener Zogorjky legte ein umfassendes Geständnis ab. Danach hatte er 12 000 Lewa als feinen Anteil an der Verschwörung erholten. A b ad j i e f f, der die Erplosionsstoffe in die Kirche brachte, erzählte mir, ’o sagt Zagorsky aus, daß die Kommunistijche Partei in Sofia über 4 0 00 gut bewaffnete Leute verfüge und fofort nach der Explosion in der Kathedrale eine Revolutionsreoierung einsetzen werde. Er schildert dann ausführlich, wie er die Erplosionsstoffe versteckte, und wie ihm versprochen wurde, daß er, I mit einem jugoslawischen Paß versehen, im Falle des Mißlingens des Attentats nach R u h - | land reifen könpe
zunehmen, sind wieder nach Spanien zurück- gekehrt. Die Reise scheint ein Mißerfolg gewesen zu sein. Man spricht von der Aufnahme neuer militärischer Operationen im Gebiet von Alhucemas. Noch der „Chicago Tribüne" stehen blc spanisch-französischen Vorbereitungen zu einer neuen Offensive gegen die Rifleute sogar schon
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Die Gemeindewahlen in Frankreich.
(Grosse (Erfolge des L nkablocks.
Paris. 4. Mai. (TU.) 3800 ©cmclnben haben gestern in Pares und ganz Fran.r ich neue Gemeinberäte gewählt. Dic Wahllokale wu d.n pü llllich um 8 alhr in rgens gc. ff ct. We en b'"* schönen Wetters war der Aad.ang der W o er schon in den ersten Stund'n sehr stark, ließ dann aber nachmittags erhcb.ich nach. 3m allz m.i en war die Wahlbetelligung sehr rege. Unter den Kandidaten befinden sich 251 Abgeordn. e. 53 Senatoren und 2 Minister. Präsident Dou° m er g ue. der int 7. Bezirk seiner WahU'fllcht genügte, war Gegenstand einer großen Kind- gebur.g Man si.ht zahlreiche Stichwahlen voraus, da die Zahl der Ka bibaten bi? b?r vorhandenen Sitze fast um bas Dreifache übersteigt. So sind in den 79 Gemeinden des Seine D.'partc ments für 1968 Sitze 6500 Kandidaten ausgestellt. Eine sehr starke Wahlpropaganda entfalteten bis zum letzten Augenbiik die Kommunisten, die es daraus abg sehen hiben, das reaktionäre Paris mit einem Kreis roter Gemeinden abzuschnüren.
Die bis jetzt vorliegenden Ergebnisse der Ge- meindewahlen lassen deutlich erkennen, daß der allgemein vorausgefagtc neue Ruck nach rechts sich nicht vollzogen Hot.
3n Paris wirb es zahlreiche Stichwahlen geben, was bei der großen Zahl der Kandidaten voraus- zusehen war. 3m großen unb ganzen haben bie rechtsstehenden Parteien, die in der Hauptstadt stets in der Mehrheit waren, neue Gewinne zu verzeichnen. Wie bei der letzten Verfassungs- Wahl sind jedoch nicht bie Pariser, sondern die Ergebnisse der Provinz entscheidend. Soweit sie vorliegen, läßt sich erkennen, daß die L°i n k s- Parteien keine Einbuße erlitten, sondern im Gegenteil in verschiedenen Orten nennenswerte Fortschritte zu verzeichnen haben Die Kommunisten sind überall ins Hintertreffen geraten. Dementsprechend wurden mehr Sozialisten gewählt Die HavaSagentnr teilt mit. daß bet Ausfall der Gemeindewahlen im großen und ganzen bas Ergebnis der V e v fassungswahlen vom 11 Mai 192 4 bestätigt. 3n Paris wurden 32 Kandidaten der Rechtsparteien, 8 Radikale, 5 Sozialisten unb 2 Kommunisten gewählt. 3n 33 Fällen findet Stichwahl statt. Der bisherige Gemeinderat setzte sich aus 54 Vertretern der Rechtsparteien, 18 Sozialisten und 5 Kommunisten zusammen.
Das vollständige Ergebnis der Gemeinde- Wahlen aus der Provinz wird erst in einigen Tagen vorliegen.
Aus den bisher bekanntgewordenen Ergebnissen geht deutlich hervor, daß die Linls)arte!en nicht nur ihre Stellung behauptet haben, sondern auch beträchtliche Fortschritte verzeichnen konnten.
Die Großstädte. Boulogne, Toulon, Orleans, Calais und Poitiers, bie bisher von konservativen Gemeinberäten regiert wurden, finb in bic Hänbe des Mehrheitsblockes über» gegangen. „Dictoire" schreibt, diejenigen, die behauptet hatten, di: G:m:indewahlen würden ein Sieg der Reaktion g g-n bie Politik des Kartells fein, erlebten eine schwere Enttäuschung Rach ber Rückkehr Caillaur' unb der Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten hätte inan gewünscht, bau bie Wähler ihrer Entrüstung Ausdruck gegeben hätten Die Wahrheit gebietet festzustellen, daß dies leider nicht der Fall sei. Auch die übrigen Rechtsblätter äußern sich sehr enttäuscht. „Grc Rouvelle" schreibt, auch die Wahlen vom 3 Mai 1925 bestätigten die Wahlen vom 11. Mai 1924. Millerand unb feine Freunbe müßten sich mit dem ^Irteilsspruch bes Volkes enbgültig als unterlegen bekennen
landdeutschen veranstaltete Kundgebung statt, der u. o. Vertreter der preußischen Staatsmiiusterien sowie der städilchen Behörden, der Präsidien des Reichs- und des Landtages, eine Reihe Reichstagsabgeordneter, Mitglieder des Reichswirlschaftsrats, Vertreter der deutschen Länder und ferner die Gesandte von Oesterreich, Ungarn und Monako beiwohnten. Rach einer Begrüßungsansprache Präsidenten des Bundes der Ausländsdeutschen, der die Bedeutung der Bestrebungen des Bundes hervorhob, sprach Reichstagsabgeordneter Geheimrat Runkel, der ollen Grenz- und Auslanddeutschen Treue gelobte. Professor Kühne mann von der Universität Breslau hielt darauf einen Vortrag, worin er erklärte, ein magischer Kreis des groß- deutschen Gedankens umspanne alle Auslonddeut- schen. Der deutsche Kaufmann, der Techniker und der Wissenschofller seien Pioniere der deutschen Kultur. Jeder Auslanddeutsche bedeute ein Stück deutschen Lebens. Das Großdeutschtum in Nordamerika stelle ein Symbol dar. Die große Katastrophe des Weltkrieges habe olle Auslanddeutschen zu einer einzigen großen Schicksalsgemeinschaft gemocht. Deutschlands Sendung im Ausland fei nicht vorbei. Deutschland habe im Ausland noch eine große Aufgabe zu erfüllen, oein Kampf um die Wahrheit und gegen das entsetzliche Unrecht, das ihm die Well angetan habe, müsse auch vom Stammvaterland unterstützt .jcrben.
Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags.
Beilagen:
GießenerFamilienblLlter Heimat im Bild.
Dlonats>Ee)ngspreii: 2 Goldmark u. 20 Goldpfennig für Träger lohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n | p r c chrAnschlüsse: Schristleüung 112, Verlag undGeschostsslelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerSiehen.
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhefsen
vnllk und Verlag: vriihl'schc llmoerfitülr-vuch- und Stcinöruderei B. Lange in Siehen. Schriftleltnng und Geschästritelle: Schulltratze 7.


