Ausgabe 
4.3.1925
 
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gleicher Vxebe unb Eingebung i einem Vaterlands Dient. Möge das deutsche Volk von weiteren Vchicksalschlägcn verschont bleiben, damit der be­gonnene Aufstieg fortschreiten kann, und daß für unser gequältes Land und Volk endlich einmal eine glückliche, sorgenfreie Zeit anbricht.

Aach der Gedächtnisrede vertagt sich der 2onbiag sofort auf Donnerstag 12 Ülhr mittags. Die preußische Kabinetts-

Krisis.

Severing will demissionieren.

Verl in, 3. März. (Wolff.) Der Vorstand ber deurschnationalen Landtagsfrak- -tion beschäftigte sich gestern mit dem neuen Vorschläge von Dr. Marx hinsichtlich der Re­gierungsbildung auf breiter Grundlage. Gr war sich darin einig, das; man ein Kabinett mit Severing nicht billigen könne, daß man vielmehr an dem seiner Zeit in dem Antwort- schreiben auf die Anregung der Bildung eines Kabinetts der Volksgemeinschaft niedergelegten Standpunkt f e st h a l t e n müsse. Auch die D e u t° sche Volkspartei beschäftigte sich in einer zweistündigen Abendsihung mit der politischen Lage. Sie war der Ansicht, daß kein Anlaß' vorliege, gegenwärtig neue Beschlüsse zu fassen.

Der ..Vorwärts teilt mit, daß S e v er i n g aus gesundheitlichen Gründen den Wunsch hegt, von seinem Amte als preußischer Minister des Innern entbunden zu werden. Die Koalition von Zentrum und Demokraten mit Severing als Fachminister noch einmal zum parlamentarischen Kampfe herauszustellen, scheine also nicht mehr möglich zu sein. Das Dlatthält es für wahr­scheinlich. daß die Wahl des Ministerpräsidenten, die für den 10. März vorgesehen war, weiter vertagt werde.

Der Kampf gegen das Deutschtum.

Drosselung des deutsche« Schulunter­richtes in Jugoslawien

und der Tschechoslowakei.

Wien, 4. März ($U.) 3m Rationalrat Krachten großdeutsche Abgeordnete eine dring­liche Anfrag e ein, die sich mit der systemati­schen Drosselung des deutschen Schul­wesens in Jugoslawien besaßt. Die jugo­slawische Regierung habe die Auslösung der obersten vier Schulllassen in Werscheh und der ersten bis Merten Schulklasse der Mittelschulen in Pantschora und in Reu sah verfügt. Bun­deskanzler A a m e k wies daraus hin, daß Oester­reich nicht nur seine aus dem Vertrag von St. Germain herrührenden Pflichten erfüllt habe, sondern sogar ein gutes Stück darüber hinaus- .gegangen sei. Der Bundeskanzler Protest i erte 'dagegen, daß man versuche, die Schließung deut­scher Schulklassen auf vertragswidriges Vorgehen Oesterreichs zurückzuführen. Gr teilte mit, daß der österreichische Geschäftsträger in Belgrad be­auftragt worden sei, gegen derartige Behaup­tungen Verwahrung einzulegen.

Ein Wolff-Telegramm aus Prag besagt, daß nach Feststellung be£ Schulausschusses der deut­schen Selbstverwaltungskorper in der Tschechoslo­wakei in Böhmen, Mähren und Schlesien im gegenwärtigen Schuljahr über 500 deutsche Schulklassen gesperrt wurden. 3n man­chen Bezirken beträgt ber Verlust für das deutsche Schulwesen 14 Prozent der gesamten Klassenzahl. Seit Kriegsende sind im ganzen 20 Prozent der deutschen Lehrerschaft abgebaut worden. Der Schulkampf im Hultschiner Lande äußert sich im Verbot des deutschen Privatunter­richts und des Besuches der benachbarten deut­schen Schulen in Schlesien

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Rücktritt des türkischen Kabinetts.

Angora, 3. März. (Wolff.) Das Kabinett ist -urückgetreten.

Ganz plötzlich kommt aus Angora die Rach- richt von der Demission des türkischen Kabinetts. Sie wirkt um so sensationeller, als die Türkei zur Zeit mitten in der Riederschlagung des sehr ausgedehnten Kurdenauf­standes steckt und der Gedanke nahe liegt, daß sie im Zusammenhang mit den Vorgängen in Kurdistan steht. 3n Wirklichkeit handelt es sich aber bei dem Rücktritt der Regierung Fethi Deys nur um einen Vorgang, der seit lan­gem erwartet wurde. Schon 3 s m e t Pascha, der Vorgänger Fethis, konnte sein Kabinett nicht mehr halten, weil während seiner Amtszeit zahl­reiche prominente Parlamentarier aus der bisher einzigen türkischen Partei, der V o l k s p a r t e i, in die Opposition übergingen. Fethi Bay ver­suchte dann durch zahlreiche Versprechungen mit der oppositionellen Fortschrittlichen Partei fertig zu werden, er erzielt auch am 3. Dezember ein Vertrauensvotum, fein Kabinett stand aber doch auf recht schwachen Füßen.

Die unsichere Basis seiner Regierung war auch im 3anuar Schuld daran, daß der Innen­minister Redjeb Dey auf Verlangen der Oppo­sition seinen Posten verlassen mußte. Der Kampf zwischen Fethi Dey und der Fortschrittlichen Partei, der sich zum Teil auch um religiöse Fragen drehte, spitzte sich schließlich so zu, daß er jetzt mit seinem gesamten Kabinett das Rück- trittsgesuch eingereicht hat. Zu diesem Schritt scheint er sich aber erst entschlossen zu haben, nach­dem die seit Wochen anhaltenden Versuche des Außenministers Schükri Dry, in dem Konflikt mit der Opposition zu vermitteln, fehl geschlagen sind. Wer sein Rachsolger wird, ist zur Zeit noch ungewiß, man glaubt aber, daß Ismet Pascha von neuem die Ministerpräsidentschaft übernehmen wird.

Die Erfolge der Reg^erungs- Iruppen in Kurdistan.

Konstantinopel, 4. Mär?. (£11 j Ein neuer Angriff der Aufständigen auf Diarbekir ist abgewiesen worden. Bei Tschemik-Gözek toutben die Aufständischen nach erbitterten Kämpfen zurückgeworfen. Aus Talu sind die Aufständischen vertrieben worden. Regie­rungsflugzeuge haben wieder mit Erfolg die aufständischen Ortschaften in der Gegend von Gendsch bombardiert. Die Regierung trifft Matz- ncchmen zur Verteidigung von Siwak gegen möa- liche Angriffe der Kurde».

Lin neuer griechisch- türkischer Konflikt.

Konstantinopel. 4. März. (£11.) Die griechische Regierung sucht die durch den Kurden- ausstand geschaffene unsichere innere Lage der Türkei auszunutzen, indem sie die griechische G e i st l i ch k e i t veranlaßt hat, die Verhandlun­gen mit der Angora-Regierung abzubrechen. Die Türkei hatte zur Beilegung des Konflikts um das Patriarchat vier auszutauschenden Erz­bischöfen gestattet, in Konstantinopel zu verbleiben, um an der Patriarchenwahl teil­zunehmen. Unter dem Einfluß von Athen haben die Erzbischöfe den Vorschlag zurückgetoie - s e n und fordern für sich und andere Geistliche eine schriftliche unbefristete Aufent­haltserlaubnis.

Die türkischen Behörden haben darauf An­ordnung gegeben, die griechische Bevölkerung zur Regelung der Patriarchenfrage zu zwingen, um dadurch Athen die Veraillassung zum Krieg zu nehmen. Ferner beschloß die türkische Regierung, den Völkerbundsrat um die Genehmi­gung des Austausches der noch in Kon­stantinopel lebenden 200 000 Griechen gegen eine gleiche Anzahl Türken in Thrazien zu ersuchen, die nach dem Lausanner Vertrag nicht dem Aus­tausch unterliegen. Zur Begründung führen die Türken an. daß die muselmanische Bevöl­kerung von den Griechen schlecht be­handelt werde.

Der Tschekaprozeh.

Leipzig, 3. März. (Wolff.) Die Ver­nehmung des Angeklagten König wird fortgesetzt. Er erklärt, er habe auf alle Pläne und Befehle von Reumann eingehen müssen, da Reumann gegen ihn wegen der Verhaftung Szons Verdacht geschöpft habe, und er nicht das Schicksal teilen wollte, das Wetzel zugedacht war. Er habe aber niemals mit der Polizei in Verbindung gestanden. Mit den Plänen gegen Wetzel und Schlotter sei es ihm nicht ernst gewesen. Er habe aber scheinbar auf die Pläne eingehen müssen. Reumann habe ihm zweimal 20 Mark zur Beschaffung eines Mantels gegeben und da­bei gesagt:Du leistest jetzt Parteiarbeit." Spitzel der Polizei gewesen zu fein, bestreitet König ganz entschieden, ebenso die Behauptung, er habe auf andere politische Gefangene mit Drohungen eingewirkt, um sie zu bestimmten Aussagen zu veranlassen.

Es entwickelt sich eine ausgedehnte Erörte­rung darüber, ob der Angeklagte König ein Spitzel getoef.cn fei. Rechtsanwall Wolff bringt zur Sprache, daß König in dem Protokoll vom 8. Januar 1924 während seiner Schutzhaft bereits mit Bezug auf die Adresse eines Kriminalwachtmeisters in seinem Rotiz- buch sagte, er habe die Adresse notiert. Da er die Absicht gehabt habe, die Kommunistische Partei, soviel er könnte, an- die Polizei zu verraten. (Bewegung.) König fei also cm D e r- ter gewesen. Er habe sich aber dann von der Partei bezahlen lassen. Wenn er darauf die Partei tatsächlich verraten habe, so sei das eine Spitzeltätigkeit ge­wesen.

Rechtsanwalt Dagnato bringt den Fall H e i ° denreich zur Sprache, In dem König das Pro­tokoll aufgesetzt haben soll, das dann die Grund­lage zur Vernehmung Heidenreichs durch den Landgerichtsrat Bühner geworden fein soll. Hierzu erklärt König, Heidenreich habe seine Angaben freiwillig gemacht. Er selbst habe nur auf dessen Bitten diese Angaben niedergeschrieben, da Heidenreich eine sehr schlechte Handschrift gehabt habe. Die Aufzeich­nungen habe Heidenreich selbst zu Bühner ge­bracht.

Kleine politische Nachrichten,

Reichskanzler Dr. Luther richtete an den Präsidenten der Vereinigten Staa­ten folgendes Glückwunschtelegramm: Ramens der Reichsregierung und des deutschen Volkes erlaube ich mir, Ihnen $um Antritt Ihrer neuen Amtsperiode die herzlichsten Glück­wünsche auszusprechen und Damit meine besten Wünsche für die Wohlfahrt des amerikanischen Dolles zu verbinden.

gez. Luther, stellvertretender Reichspräsident.

Rach den bisherigen Untersuchungen neigt die Ansicht der Fachleute über d i e Ursache der Explosion aufMinister Stein" jetzt zu oer Annahme, daß eine zu, schwach ge­ladene Sprengpatrone die paraffinierte Papier­hülse nicht ganz zu vernichten vermochte. Die Papierreste glommen weiter und führten so die Explosion herbei.

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Am 31. Januar wurden zwei ägyptische, Studenten aus einem Zuge heraus verhaftet, da sie im Verdacht standen, den Sirdar ermor­det zu haben. Jetzt gestand einer der Verhafteten ein, den Sirdar ermordet zu haben.

Aus aller Welt.

Erdstürze auf Helgoland.

Helgoland, 4. Lllärz. (WTB. Funkspruch ) An der Ostseite des bedrohten Oberlandes stürz­ten in der Rahe des Kasinos gestern morgen etwa 3000 Kubikmeter Erdmassen in das Meer. Eine neu erbaute Villa ist sehr gefährdet. Der Garten- Pavillon hängt über der Felswand. Ein Reben­haus, das unmittelbar neben der Felswand steht, muß abgebrochen werden. Da der Felsen ver­schiedene Risse auftoeift, sind einige Wege des Oberlandes gesperrt.

Selbstmord eines Mörders.

Aach einer Dlättermeldung aus Hamburg hat sich der in Smyrna geborene Fritz Westfeld, der am 10. Februar vorigen Jahres aus Rache und Eifersucht einen in Hamburg wohnenden Griechen und dessen Verlobte ermordet hatte, in seiner Zelle im Untersuchungsgefängnis er­hängt.

llebcrfall im Zuge.

Aus Ratibor wird gemetbet: In einem aus der Richtung Katwwitz em treff enben Personenzug wurden hinler Charlottengrube in eurem Abtell 3. Klasse ein Gruben st eiger überfal- l e n und mittelst einer A x t zu Boden geschla - gen. Zwei im Rebenabteil fitzende polnische Beamte kamen dem .UeberfalLcnen z u Hilfe. Der Attentäter sprang jedoch aus dem Zuge und entkam. Der ileberf öftere ist feinen schweren Verletzungen erlegen.

Streik bei Doll*

In der Berliner Großmeierei Bolle ist ein Streik ausgebrvchen. Bei den Verband­

lungen zur Beilegung des Streiks wurde ein Vergleichs Vorschlag des Schlichters an­genommen, die Frage, ob der Streck einen Der- trauensbruch dar stelle, einem paritätisch zusam­mengesetzten Schiedsgericht zu unterbreiten. In einer daraus abgehaltenen Versammlung der Streckenden wurde jedoch der Vorschlag mit er­drückender Mehrheit abgelehnt. Der Streik nimmt also feinen Fortgang.

Der falsche Abt.

Vor dem Breslauer Schöffengericht stand der 65jährige Lagerhalter Th ei le aus Webers- Winkel, ein vielfach mit Zuchthaus vorbestrafter Verbrecher. Thelle war im Oktober letzten Jahres im vollen Ornat eines geistlichen Abtes im Kloster der Barmherzigen Brüder erschienen und hatte sich als Abt des Klosters Maria Einsiedeln ein» geführt. Er erzählte, daß er aus München komme. Er sei vor der Einfahrt in Dresden in seinem Bahnabtell überfallen, betäubt und beraubt wor­den. Es solle in Breslau ein Sanatorium er­richtet werden und das Breslauer Kloster sollte die Oberaufsicht übernehmen. Die Kaution von 40 000 Mark sollte entweder das Kloster in Breslau oder ein Bankier, den er in Breslau bereits gewonnen habe, hinterlegen. Der falsche Abt spielte seine Rolle so natürlich, daß ihm der Betrug beinahe gelungen wäre. Der dreiste Betrüger wurde jetzt wegen versuchten Betruges, Ärkunoenfälfchung und Beilegung eines falschen Ramens zu drei Jahren Zuchthaus und einer Woche Haft verurteilt.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 4. März 1925.

Von der Invalidenversicherung.

Die Landesversicherungsanstall ' Hesien in Darmstadt hat auf Grund der Bestimmung des § 1467 R. V. O und mit Genehmigung des Reichsversicherungsamts zum Zwecke der Kon­trolle der rechtzeitigen und vollständigen Ent­richtung der Beiträge zur Invaliden- und Hin­terbliebenenversicherung für ihren Dienstbereich ileberwachungsvorschrisien erlassen, aus denen wir die wichtigsten Bestimmungen nachstehend veröffentlichen:

Mit der lleberwachung der Deitragsleistung sind Kontrollbeamte beauftragt Diese siird be­rechtigt, die Prüfung der Dsitragsentrichtung, angesagt und unangesagt, werktäglich während der üblichen Betriebs- oder Geschäftsstunden in den Wohn- odei Geschäftsräumen durchzuführen. Arbeitgeber und Arb.itnehmer find verpflichtet, jede auf die Beschäftigung bezügliche Auskunft zu geben, bzto. im Falle der Verhinderung durch Dritte geben zu lassen.

Alle Quittungskarten und Ausrechnungsbe- fcheinigungen sind dabei dem llebertoachungs- beamfen auf Verlangen auszuhändigen; ebenso sind alle auf das B si'chä stigungs o er H3ltnis bzgl. Lohn- oder Geschäftsbücher pp. vorzulegen.

Bei evtl, llndurchführbarkcit der lieber» wachüng haben Arbeitgeber und Versicherte dem Llebertoachungsbeamten nach, seiner Bestimmung schriftlich oder mündlich in einem näher zu be­zeichnenden Termin die erforderliche Auskunft zu erteilen. Dabei darf der Termin am Amtssitz der zuständigen Gemeindebchörde, oder an einem dem Wohn- oder Bsichäftigungsort nahegelegenen Ort angeseht werden. Arbeitgeber, die wegen nicht richtiger oder nicht rechtzeitiger Marken- verwendung bestraft sind, und Versicherte, sofern ihre Beitragsleistung Anregrlmähigkeiten zeigt, haben auf Anordnung des Vorstandes der Lan- desversicherungsanstalt Listen nach vorgeschrie­benem Mustes zu führen.

Zur Erfüllung der in den llebertoachungs- vorschsisten enthaltenen Bestimmungen können vom Vorstand der Landesversicherungsanstalt Geldstrafen bis zu 1000 Mark ausgesprochen werden.

VornoLizerr.

Tageska lender für Mittwoch. StadttHeater: ; übt ,,Stein unter.Steinen". Ehemalige Ülnterofsizier-Schülcr. Offiziere, Be­amten und Hoboisten 8 ülhr Versammlung im Postkeller.

V. H. C, Infolge der Beisetzung des Reichspräsidenten wird der für morgen angesagte musikalische Abend um einige Tage verlegt. (Siehe Anzeige.)

Der Reichsbund der abgebau­ten Beamten und Lehrer beruft in un­serem heutigen Anzeigenteil eine Versammlung auf nächsten Samstag nachmittag in den Sing­saal des Realgymnasiums ein. Räheres in der Anzeige.

Der Alpenverein, Sektion Gießen, schreibt uns: Wir machen auch an dieser Stelle noch einmal aufmertfam auf den für Donnerstag angelündigten Vortrag im minevalog.-geolog. In­stitut. Der Redner, Dr. Kühn, ein unternehmender Bergsteiger von großer Ausdauer, will uns jenen großartigen Höhenweg tir den Hohen Tauern führen, der. von der Gießener Hütte ausgehend, über Hochalmspitze, Ankogel, Svnnblick, Groß­glockner bis zum Großvenediger führt.

Xtfciteröüyg uv aftü.

Aufllarend, östliche Winds, kälter, trocken, Rachtfrostgefahr.

Das Hochdruckgebiet hat über Rorddeutsch­lank) etwas an Raum gewonnen, während das Tief über Südfrankreich nach Südvsten vorge­stoßen ist. Das nördliche Fallgebiet hat sich über Skandinavien wieder etwas nach Süden hin erweitert. Auf dem Kontinent überall stei­gendes Barometer läßt eine weitere Ausdehnung des Hochd.Ulkgebietes erwarten. Infolge zuneh- mender Aufklärung und nächllicher Ausstrahlung stellenweise weitere Abkühlung bis unter den Gefrierpunkt.

* Aus Anlaß der Beisetzung des Reichspräsidenten Ebert hat das Hess. Gefanckministerium angeordnet: Als Beisehungs- tag gilt für Hessen Donnerstag, der 5. Marz. Um den Tag als allgemeinen Landestrauertag zu kennzeichnen, sind am Donnerstag alle staat­lichen und kommunalen Bureaus geschlossen. Jede Art öffentlicher Musik, sowie sonstige öffentliche Lustbarkeiten, einschließlich Schauspielvorstellun­gen und Lichtbildvorführungen, sind an diesem Tage verboten. Hinsichtlich der Schulen wird auf die besonderen Verfügungen des Landesamts für das Dildungswesen verwiesen.

* Morgen lein Amtstag in L ich. Dem Kreisamt wird unS mllgetellt: Der auf Donnerstag, 5. d. Mts. anberaumte Amtstag des KreiSancks Gießen in Lich fällt mit Rücksicht aut die an diesem Tage erfolgende Beisetzung de» Reichspräsidenten aus.

**DieVorbereitungenzurReichs- Präsidentenwahl. Der hessische Staats­präsident ersucht die in Betracht fummenben De» Hörden, alle Vorbereitungen zur Reutoahl des Reichspräsidenten sofort in Angriff nehmen zu lassen, insbesondere unverzüglich die Gemeinden anzuweisen, daß die Stimmllsten oder -Karten bis 15., spätestens 18. Rcärz ausleaungsfähig sind. Die Stimmlisten (Karteien) Der letzten Reichstagswahl sind möglichst zu verwenden und lediglich berichtigen und ergänzen zu lassen.

1' Städtische Steuerstundung Das 6. Ziel der städtischen Eonderstsurr vom bebauten Grundbesitz ist mit sofortiger Wirkung gestundet worden. Man bar* wohl damit rechnen, daß die Stundung in einen völligen Erlaß dieses Zieles umgewandelt wird.

<- D j e Allg. Ortskrankenkasse Gießen hält ihre Geschäftsräume morgen ge­schlossen. (Siehe Anzeige.)

** D i e Racheichung der Matze und Gewichte muß bis zum 7. März von den Geschäftsleuten in folgenden Straßen bewirkt werden: Walltorstrahe. Wetzsteingasse, Wetzstein- straße, Lindengasse, Brandgafse, Lcmdgraf-Phi- lipp-Platz, Kanzleiberg, Hundsg-sie, Zozelsga'se, Astertoeg, Schillerstraße, Braugrsse, Steinstraße, Weserstratze, Dammstratze, Ederftraße, Schock- strahe. Marburger Straße, Wiesecker Weg, Ost- anlage. Dis zum 31. Dezember ds. 3s. müssen auch die dem satzweisen Verkauf dienenden Bier­fässer, die nicht das Iahreszeichen 24«,über 25 tragen, ebenso die Wein- und Obstweinfässer ohne die Iahreszeichen 23, 24 oder 25 und alle festfundamentierten Waagen und diejenigen von mehr als 3000 Kilo Trng'raft ohne Iahres­zeichen 23, 24 oder 25 nachgeeicht werden.

Südtoe st deutscher Radioklub. Ortsgruppe Gießen. Die Hauptversamm­lung des Gießener Radioklubs brachte u. a. auch Ergänzungswahlen für den Vorstand. Geheim­rat König, der Gründer und Förderer des Gießener Radioklubs, hatte infolge persönlicher Gründe den ersten Vorsitz im Lause des Winters nicdergelegt. In Anerkennung seiner Verdienste wurde er einstimmig zum Ehrenvorsitzen­den ernannt. An seiner Stelle wurde Dr. Müller vom Physikalischen Institut zum ersten Vorsitzenden gewählt. Den zweiten Vorsitz be­hielt Studienrat Dr. H e u ß e l, Rechner blieb Dankbevollmächtigter G ü n g e r i ch und Schrift­führer wurde ftub. math. et Phys. Francke.

K. D i e Ordensgemeinschaft jung- deutscher Schwesternschaften v:ranstal- tete am Sonntagabend im Saalbau «Sauer einen Vortragsabend. Rach einer kurzen Einleitung der Großmeisterin F.au Studienrat Gebhardt und einigen deklamatorischen und gesanglichen Darbietungen hielt die Hochmeisterin dir Ordens- gemeinschaft, Frl. Hanna Klostermüller- Kassel. einen interessanten Vortrag über ,I u all­deutsche Frauenarbeit". Sie wies zu­nächst darauf hin. daß viele unkrer Urahnen nach verlorenen Kriegen sich mit all:. Kraft da­für eingesetzt Harrn, ihre Volksgenossen aus Rot und Elend herauszuheben, sie zu neuem Geben wachzurufen und ihnen Kraft und Willen zu geben. Auch jetzt brauche unser Vaterland solche Persönlichkeiten, und zwar starke, mutige Männer, aber auch opferfreudige Frauen und Mädchen. Unsere weiblichen Volksgenossen hätten durch den Krieg und seine Folgen seelisch wohl am meisten gelitten, sie seien jetzt auch dazu berufen, in stiller, ernster Arbeit, im Geiste jener großen Dulderin Königin Luise, am Wiederaufbau des Vaterlandes mitzuarbeiten. Alle eignen In­teressen müßten zum Wohle des Vaterlandes zuräickgestellt werden. Die Frau muffe sein die Hüterin der deutschen Seele, der Sit e und der Zucht. Dazu sei aber netto-nbig daß jeder ein­zelne an sich selbst arbeite aus seiner Seele alles Materielle, alles üln sine entferne, denn os könne in unserem Vaterland nid/, eher bsiser werden, bis die Menschheit sich wieder auf sich selbst besinne und zwar nicht nur die Frauen, sondern aud; die Männer, die Deutschlands Seele in den Schmutz gezogen. Es sei schwer, g gen den Strom zu schwimmen, aber Menschen, die innerlich gefestigt sind, würde all: Widerstände Überwinden. Um aber etwas Gröhes zu er­reichen, sei ein Zusammenschluß zur Grmein- schaft unbedingt notwendig, denn Deutschland sei immer nur grob gewesen in der Gemeinschaft. Sie Vortragende erläuterte weite» kurz die Be­strebungen der Ordensgemeinschaft jungdeutfcher Schwesternschaften, die fid) zur Aufgabe g.macht habe, am Wiederaufbau unseres Vaterlandes auf christlicher, deutscher und sozialer Grundlage mitzuarbeiten. Ohne Rücksicht auf Stand und Herkunft müsse jeder sein möglichstes in mate­rieller oder geistiger Hinsicht das Vater­land opfern, um einerseits unseren Gefallenen eine Dankesschuld abzutragen, andernsrits aber auch beizutragen, daß unser Volk sonnigereiH Zellen entgegengesührt wird. Auch das deutsche Volk müsse wieder den Glauben an den Ausstieg des Vaterlandes gewinnen. Reicher Beifall be­lohnte die Vortragende für ihre vortrefflichen Ausführungen. Mit dem Gesang des Deutsch­landlieds sand die Versammlung ihren Abschluß.

**D as blonde H an nele", ein Spiel von Liebe und Intrige, nennt sich der neue Film im Lichtspielhaus Bahnhof­straße, der besonders durch seine Darsteller wertvoll wird: Maria Menti als Hannele und Hans Brausetoetter als ihr Bruder. Die Fabel ist einfach, die Darstellung oft sehr hochwertig Voraus läuft ein amerikanischer älnterhaltungs- film, der oft Lachstürme hervorruft.

Landkreis Gießen.

ft Grünberg, 3. März. 3n der Haupt­versammlung des hiesigen Turnvereins gab der erste Sprecher, Lehrer Wenzel, zu­nächst einen kurzen Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes im abgelaufenen Vereinsjahre. Der Bericht des ersten Turntoarts zählte 73 Turnabende mit 2644 Teilnehmern auf. Der Verein nahm an folgenden turnerischen Ver­anstaltungen teil; Dezirks-Gerätetoeltkainpf in Dietzen, Bezirks-Turnfest in Werdors, Gautum- feft in Biedenkopf, Turngänge fanden drei statt, auherdem beteüigte sich der Verein an der Will- ©tafette; zahlreiche Turner des Vereins wurden bei diesen Wettkämpfen preisgekrönt. Der Bericht des Turntoarts der Damensiege ergab 60 Turn- abende mit 450 Teilnehmerinnen. Die Damen- riege beteiligte sich an dem Hausfrauenturnen in Alsfeld und errang den 7. Sieg. Der Bericht des Turntoarts der Männerriege ergab 23 Turn­stunden mit 146 Teilnehmern. Rach der Rech­nung für 1924 beziffern sich die Einnahmen auf 3239 Mk., die Ausgaben auf 2577 Mk., mithin verbleibt ein Kassenoestand von 662 Mk. Dieser äleberschuß soll zur Deckung der Obligations' steuer Verwendung finden. Dem Rechner wurde