Ausgabe 
3.12.1925
 
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tDCTtiflen Chancen sahen den Gießener Sturm in einer Hilflosigkeit, die in dessen Klubgeschichte wohl einzig dasteht. 7lur einmal flackerte der Wille zum Erfolg momentan auf, als Jung auf Linksaußen unaufhaltsam durchging und aus unmöglicher Stellung ein feines Tor schob: ein Tropfen auf einen heißen Stein gegenüber den sieben Dachen der Wetzlarer. In dem ange­legten Spiel Hessen 09 Kassel Oste­rode verschenkte Osterode die Punkte kampflos. Stand der Iugend-Fuhballspiele

im (Bau Gietzen-Wetzlar.

o. Lier Wochen sind vergangen, seit an dieser Stelle über den Beginn der Iugendmeisterschasts. spiele berichte! wurde. Manches Bewerbers Meisterschaftshoffnung ist inzwischen in Winde zer- weht, wieder andere haben bereits, wegen Aussichts­losigkeit, die spielerische Tätigkeit ganz eingestellt. Dec Weitergott war der Jugend bis jetzt noch einigermaßen hold, so daß alle Spiele reibungslos hätten unter Dach und Fach gebracht werden kön­nen. Ein Kapitel für sich waren die Schiedsrichter. Anfangs fehlten bie Berufenen fast bei allen Tref­fen, erst am letzten Sonntag war darin eine lobens­werte Besserung eingetreten. Gerade die besten Un­parteiischen sollten es sich zur Pflicht machen, Ju- gendspiele in vorbildlicher Weise zu leiten, in An­betracht dessen, daß nur eine guterzogene Jugend in der Lage ist, späterhin die Lucken in den Reihen der Aktiven auszufüllen.

Die erste Serie nähert sich ihrem Ende. Roch drei Sonntage, und es ist geschafft. Don Bedeutung in der Ligajugendklasse ist nur noch das Zusammen- treffen der bis jetzt unaeschlagencn 1. Jugend 1900 Gießen und V. s. B. Gießen am 6. Dezember.

Die seit der letzten Veröffentlichung ausgetragenen Spiele endeten folgendermaßen: Am 1.11. 190004 Gießen 9:2; ButzbachDillenburg 7:1: 23. (T.F. C. Wetzlar 3:0. Am 8.11. 1900Butzbach 2:1: 04 B. C. kampflos gewonnen, da Wetzlar nicht an­getreten war. Am 15.11. F. C.04 2:1; Dillen­burgB. f. B. Gießen 4:4. Der 22.11. war an­läßlich des Totenfestes in allen Klaffen spielfrei. Am

29.11. traten die Gcaner jeweils zu spät oder über- Haupt nicht an. Es gewannen daher kampflos 1900 gegen F. C.: F. C.Dillenburg und 04 Gießen D. f. B., so daß der Stand der Tabelle heute fol-

gendcr ist:

Spiele gern.

1900 Gießen 1 5 5

F. C. Wetzlar I 5 3

04 Gießen I 4 2

D f. B. Gießen I 3 1

Dillenburg I 5 1

Butzbach I 3 1

D. C. Wetzlar I 5 1

unent.

0

0

0

1

1

0

0

3

2

4

Pkt. 10 6 4 3 3 2 2

verl.

0

2

2

1900 und D. f. B. Gießen besitzen beide eine aus- geglichene Spielweise, und da sich diese Mannschaf­ten auch in der Stärke ziemlich aleichkommen, ist am nächsten Sonntag mit einem spannenden, tech­nisch schönen Spielverlauf zu rechnen.

lieber den jeweiligen Ausgang der Spiele in der ^-Jugendklasse wird ein andermal berichtet werden, wenn die Unterlagen alle amtlich bestätigt sind.

Nachstehend der Stand der Spiele in dieser Klasse nach dem 29.11.:

Spiele

1900 Gießen II 6

Weilburg 1 6

II 4

V. f. B. Gießen II 5

Niedergirmes I 4

Butzbach II 5

3. C. Wetzlar II 4

04 Gießen II 4

gew.

6

4

3

2

1

1

1 0

unent. 0 0 0 0

1 1 0

0

verl. Pkt.

0 12

2 8

1 6

3 4

2 3

3 3

3 2

4 0

Die Spielogg. 04 Gießen ist bis jetzt zu den an- gesetzten Spielen noch nicht angetreten, obwohl sie das Spielermaterial dazu besitzen soll. Satzungs- gemäß muh sie daher nach dreimaligem Nicht- antreten ausscheiden, wenn sie nicht schon vorher freiwillig die Mannschaft zurückgezogen hat.

Turn-Weltkampf n Launsbach.

* Launsbach, 30. Noo. Der gestrige Sonn­tag war für den Turnverein Launsbach (Milglied des Allgemeinen Deutschen Turnerbundes) wieder einmal ein sehr bedeutungsvoller Tag. Es trafen sich die Mannnschaften der Turnvereine R o d- h e i m a. d. B., Waldgirmes und Launs­bach zur Austragung eines Gerätemann- fchaftskampfes. Der Wettkampf begann um 3 Uhr nachmittags vor einer sehr zahlreichen Zu- fchauerschaft. Die Vereine turnten in einer Stärke von je neun Mann. Geturnt wurden an Reck, Barren und Pferd je zwei Kürübungen sowie eine Kürfreiübung. Gewertet wurde von drei Kampf-

Schach-Ecke.

Gearbeitet oon Orbach.

Alle für Me Redaktion bestimmten Mittei­lungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaction des »Gießener Anzeigers".

Problem Nr. 39. Don H. Denecke.

1. Preis im Turnier derConcordia" (eine Schülerschachgesellschaft) in Braunschweig 1881.

h

2

8

8

6

5

« N

Schwarz, a b c <l e

a b c <i e Weiß.

Weiß zieht und setzt in drei Zügen matt. Weiß: 4 Steine. Kd2, Del, Ta2, Ld8.

Schloarz: 6 Steine. Ka4. Ba3, Bb5, Bb7, Bd4, Bd7.

Partie Nr. 30.

Nachstehend geben wir den Verlauf der kurzen und ziemlich eintönig gespielten Remispartie aus der zweiten Runde des großen Moskauer Schach­turniers. gespielt am 11. November 1925.

Schottische Partie.

Weiß: Romanovsli (Rußland). Schwarz: Capablanca (Cuba).

1. c2-e4

1. e7c5

2. Sglf3

3. d2d4

4. Sf3xd4

5. Sbl-c3

6. Sd4xc6

7. Lfl d3

8. e4Xd5

9. 0-0

10. Lcl-g5

11. Ddl-f3

2. Sb8-c6

3. e5xd4

4. Sg8-f6

5. Lf8-b4

6. b7Xc6

7. d7-d5

8. cöXdö

9. 0-0

10. c7tcö

Der Führer der weihen Steine hat sich eine gute Stellung aufgebaut, welcher sogar Capa­blanca nichts anhäoen kann.

11..... 11. Lb4-e7

12. Tfl-el 12. Ta8-b8

13. Tal-bl 13. h7-h6

Diesen Zug kann man insofern als einen Fehler bezeichnen, da er dem Anziehenden durch ein elegantes Figurenopfer gestattet, in wenigen Zügen ein Remis zu erzwingen. Capablanca übersah wahrscheinlich dieses Opfer, sonst hätte er sicher 13. Te8 gezogen.

Daß der junge russische Meister mit einem Remis gegen den Weltmeister zufrieden ist, kann man wohl verstehen, aber man muh es als Schwäche lennzeichnen, wenn er eine solche Kom­bination in einem solch frühen Stadium der Partie, und noch dazu bei besserer Stellung ausführt.

14. Lg5Xh6!? 14. g7xh6

15. Df3-e3

Dies ist der seine Zug, der das Remis sichert.

15..... 15. Le7-d6

16. De3xh6

Das nun durch Dg54- usw. drohende Schach ist nun für Schwarz auf keine Art abzuwenden.

16..... 16. TbS-b4

17. Dh6-g5+ 17. Kg8-h8

18. D>5-h64-

Remis durch ewiges Schach.

Aut 16....., Lh2 folgt natürlich nicht Kh2;,

wegen 17. Sg44-, sondern 17. Kh 1

Auflösung deS Problems Ar. 38 von E. Destburh.

1. Dh4-a4! Ta5 2. Td8++-

1......T bei. 2. Dd7+4-.

1...... Sa3 beL 2. Dc4++.

1....., Sh3 bei. 2. St5++

1...... b2 2. Ddl + 4-

1...... f5 f4 2. De4 + +

1...... g6 2. Sf64- +

AuS bet Schachwelt.

Das Moskauer Schachturnier.

Sensationeller Sieg Torres über Lasker.

3n der 12. Runde brachte es der junge mexikanische Meister fertig, dem bis jetzt unge­schlagenen Ex-Weltmeister eine Niederlage bei­zubringen. Man ersieht hieraus, dah die Nerven Laskers in diesem Turnier auch einmal ansangen, nachzulassen. Cs wäre ein D.ng der Anglaublich­keil, wenn ein Spieler in einem solch stark be­setzten Turnier sämtliche Runden passieren sollte, ohne eine Niederlage zu erleiden. Der Stand des Turniers nach der 13. Runde war folgender: Vogoljubow 9Vs Punkte, 1 Hängepartie, Lasker 9 Punkte, Torre 81/i P., Capablanca 71/« P. (Capablanca scheint wieder in Form kommen zu wollen, Marshalll 7 P., 1 H., Romanovsky, Darta- kower 7 P., Iljin-Genevslh 61/2 P.. 1 H., Grünfeld. Rubinstein 61/« P., Dogatvitschuk 6 P., 1 Sy, ^keti 6 P.. Rabinowitsch P., 1 H., Spielmann 51',- P., Samisch, Werlinsky 5 P., Löwenfisch 4 P., 1 H., Dus-Chotimiriky 4P.. '5a- tes 3/, P., 3 Sy. Gotthilf 3 P.» 1 Sy, Subarew 2V- P-

Amos Durn f.

Dieser Tage starb in London der bekannte englische Schachmeister Amos Durn. Fast 30Jahre war er auf allen Internationalen Sch^chturnieren der ganzen Welt vertreten. Die letzte Zeit seines Lebens verbrachte er in London, wo er als Jour­nalist tätig war. Seine Haupterfolge waren: 1. Preis 1886 zu Nottingham, 1. Preis 1889 zu Amsterdam und 1. Preis 1898 zu Köln. Im Wett­kampf schlug er Owen.

Die Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom Redaktton-ttsch.

Wunder deS Witzes.

Sie müssen sich aber stärkere Driefumschläge anschafsen, mein Lieber," belehrte ein Redakteur einen Schriftsteller,Ihre Sendungen kommen fast alle beschädigt an."

O bitte," lach'er dieser verschmitzt,das liegt nur an den guten Witzen: die Umschläge platzen fast alle vor Lachen."

Das Interview.

Der Liliputaner Fix und der Riese Knox (zwei Meter zwanzig!) sind im Hotel Savoh in London abgestiegen und haben zusälllg zwei nebeneinanderliegende Zimmer erhalten. Ein Re­porter will den Liliputaner Fix besuchen und interviewen und wie es schon das Schicksal wlll, gerät er natürlich in das Zimmer des Riesen Knox. Verdattert steht er vor dem langen Kerl, der oben gar nimmer aufhört, und stottert: Sind Sie-ie sind doch nicht der Lilipu­taner Fix?" »Doch, doch," sagt Knox gemütlich, aber wissen Sie: Zu Hause mach ich mir's bequem . . .

richtern. Das Turnen wickelte sich unter Leitung des Oauturnroarts Schmidt- Launsbach glatt und mustergültig ab. Es wurden durchweg sehr gute Leistungen erzielt. Das Ergebnis des Wettkampfes wurde laufend auf drei Tafeln bekanntgegeben, das die Zuschauer stets in gespannter Aufmerksamkeit hielt. Gegen 7 Uhr war der Wettkampf beendet.

Den 1. Sieg konnte sich die Mannschaft des Turnvereins Launsbad) mit 1440 Punkten sichern. An die 2. Stelle trat Turn - und Sport-

gemeinde R o d h e i m a. d. B. mit 1356 Punk­ten. 3. Sieger wurde Turnverein Wald- g i r m e s mit 1326 Punkten.

Die Höch st punktezahl im gesamten erreich­ten die Turner: 1. August Best-Waldgirmes mit 189 Punkten, 2. Karl Bechthold - Launsbach mit 183 P., 3. Wilh. Müller- Launsbach mit 180 P. Am Reck: 1. Aug. Best- Waldgirmes 51 P., 2. Karl B e ch th o l d - Launsbach 50 P., 3. W. Ferber- Waldgirmes 49 Punkte. Am Barren:

nawrnryca

Pelzmärtel.

Ein Nürnberger Spielzeugroman.

Nach dem Italienischen der Teresah erzählt von Gustav W. Eberlein.

Copyright 1925 bh A. Scherl G. m. b. H., Berlin.

6. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Drittes Kapitel.

Kunigunde, die wunderbare Puppe, bekommt eine Seele, entdeckt ihr mutiges Herz und ruft bas Volk der Spielwaren zu großen Taten auf, wobei der Le'er Karl den Großen, Hans Sachs, den Nußknacker Krachauf, die Gummikahe Fifi und noch eine Reihe anderer bedeutender Per­sönlichkeiten fennemernt, während die bestraften Nürnberger plötz.ich vor leeren Weihnachtstischen stehen.

Kunigunde, die berühmte, mit so großer Durchtriebenheit geraubte und zur rechten Zeit wieder aufgesundene Puppe hatte den ganzen Tag über im Schaufenster verbracht und _ die allgemeine Neugier auf sich gezogen. Halb Nürn­berg strömte an dem Laden vorbei, um sie zu sehen. Mit Genugtuung stellte jedermann fest, daß die schöne Kunigunde keinerlei Schaden er­litten hatte. Ihre Wangen waren frisch und rosig, ihre Haare glänzend und gekämmt, die Falten ihres Kleides und ihres langen Staats­mantels vollkommen in Ordnung. Man merkte gleich, dah die Kinder des Diebes sehr sorg­fältig mit ihr umgegangen waren.

Kunigunde be rachtete die Besucher mit ihren großen, unbeweglichen und ein wenig träume­rischen Glasaugen, sie hörte ihre Bemerkungen und verlor kein Wort von dem, was sie sagten. Wer bis auf den Grund dieser blauen Wunder­augen und damit in die Seele dieser seltsamen Puppe hätte blicken können, würde entdeckt haben, daß viele und große Gedanken durch ihr Köpfchen gingen, ein leichtes, aber regelmäßiges Atmen chre Brust hob und senkte. In der Tat geschah es, dah ein kleines Mädchen zu feinem Schwe­sterchen sagte:Schau sie doch nur einmal genau

an, man meint, sie atme. And doch würde dasselbe scharfsinnige Kind mit offenem Munde dagestanden sein, wenn man ihm gesagt hätte, daß das Herz der Puppe wirklich schlage.

Das Herz Kunigundes klopfte vor Aufregung und Empörung. Sie war ja keine unbeseelte Puppe mehr, sie hatte den mütterlichen Kuh eines Heinen Mädchens auf die Stirne emp­fangen, und nun lebte sie, dachte sie, konnte lachen und weinen, und ihr kleines Herz konnte brechen vor Schmerz, wie das eines Menschen. Es ist dumm, zu glauben, dah die Spielsachen alle unempfindlich seien, weil sie aus Gummi, Porzellan, Holz oder Stoff oder Zinn gemacht sind. Solange sie in Schachteln verschlossen auf den Ladengestellen übereinanderliegen, können sie freilich keine Seele haben, aber wenn sie ein liebes Wort hören, zärtlich behandelt und immer und überall so angesehen werden, als seien sie lebendig, dann werden sie es wirklich. Ist es etwa nicht der Traum eines jeden Kindes, dah seine Puppe, feine Bleisoldaten, feine Watte­schäfchen, seine Hunde und Gummikahen in allen Stücken den wirklichen Kindern, Soldaten, Schäf­chen, Hunden und Katzen gleichen? Drei Feen sind es, die Spielzeugkoniginnen, die diesen Wunsch erfüllen, den Traum des Kindes in Wirklichkeit verwandeln können. Natürlich nur bei solchen Kindern, die ihre Spielsachen wirllich gern haben...

Kunigunde hatte einen wundervollen Abend in Ottos und LieselS Gesellschaft verbracht. Ob­wohl sie vor langen Zeiten Kaiserin gewesen war, erschien ihr Peters ärmliche, aber saubere und helle, von heiterem Lachen erfüllte Woh­nung ihrer Gegenwart nicht unwürdig. Nie­mals hat eine Puppe so liebe Worte zu hören bekommen, nie war ein Dettchen mit größerer Sorgfalt gemacht worden. Otto und Liesel hatten ihre Kopfkissen geopfert, damit Kunigunde be­quem und süß schla e, und wirklich schlief sie bis zum Morgengrauen durch. Das erste, was sie sah, als eS über den schnceglihernden Dächern dämmerte, ira: Liesel, wie sie lautlos auf ft an ö und in Hemd und Strümpfen herbeikam, um sie zu betrachten.Geh wieder ins Bett," flüsterte Kunigunde,du erkältest dich sonst."

Liesel verstand sie und kroch wieder in die Federn, nicht, ohne der Puppe einen Handkuß zuzuwerfen. Oh, dieses süße Aufwachen!

Kunigunde war ganz verzweifelt, als sie Liesel wieder verlassen und in diesen häßlichen Laden zurück mußte, wo alle sie bewunderten, aber niemand sie lieb hatte. Zorn ergriff sie bei dem Gedanken an das Unrecht, das man Liesels Vater angetan hatte. Sie erwog große Dinge, um den armen Peter zu retten. Kaurn konnte sie die Stunde erwarten, wo Abraham den Laden schließen würde und sie sich frei be­wegen konnte.

Das war aber nicht vor acht älhr. Als ihr das Knirschen des Schlüssels im Schloß verriet, dah die letzte Tür geschlossen war und vor ein­einhalb Tagen niemand mehr auf den Gedanken kommen würde, den Laden aufzuinachen, sprang sie mit einem Satz mitten in das Geschäft und rief, fo laut sie konnte:

Kameraden!"

Durch den Laden und das Lager ging eine Bewegung, es war, als ob jemand mit einem kaum wahrnehmbaren Seufzer erwache und im Dunkeln die Augen aufschlüge, indem er sachte, sachte die Lider hob, um ja keinen Lärm zu machen. Ein wenig erstaunt, ein wenig bestürzt, gaben die Spielsachen weiter fein Lebenszeichen von sich.

Kameraden!" rief Kunigunde abermals mit schallender Stimme. Da hörte man rascheln, scharren, flüstern, es waren die Spielsachen, die sich Mut machten, sich vorsichtig rührten und flüsternd berieten. Im Schaufenster räusperte sich Kaiser Karl der Große, um sich bemerkbar zu machen. Hans Sachs griff zur Laute und stimmte kaum hörbar eine kleine Arie an.

Kameraden!" schrie Kunigunde zum dritten­mal, Kelterte entschlossen auf den Tisch und zündele die Lampe an.

Welch ein Anblick! Kein einziges Spielzeug war mehr an feinem Platz. Aufgerüttelt durch jene Stimme, die aus dem Munde einer be­seelten Puppe kam und infolgedessen die Macht hatte, traft der Liebe, dieses wunderbaren Lebens-

1. Aua. Best - Waldgirmes 57 P., 2. Wilh. Mül­ler- Launsbach 55 P., 3. K. B e ch t h o l d - Launs- bad) 54 P. Am Pferd: 1. Aua. Best- Waldgir­mes 55 P., 2. Reinh. f) ö r r Launsbach 54 P., 3. Wilh. Müller- Launsbach 53 Punkte. Frei­übung: 1. Reinh. chörr - Launsbach 30 P., 2. Karl Bechtold- Launsbach 29 P.^3. Herrn. Ratshausen- Launsbach 26 P., Karl Fei­lt n g - Rodheim 26 P., Aug. Best- Waldgirmes 26 Punkte.

Am Abend veranstaltete der Turnverein Launs­bach einen Theaterabend, der in allen Teilen glän­zend verlief. Der geräumige Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Besucher wurden in jeder Hinsicht sehr zufrieden gestellt.

Vom Deutschen Turnfest 1923.

vo. In München hat erst dieser Tage die Schlußsitzung zum Deutschen Turnfest 1923 in München unter Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Küfner stattgefunden. Den Gesamteinnahmen von 15 000 Goldmark standen Ausgaben in Höhe von 11000 Mark gegenüber, so dah ein ilebcr- schuh von gut 4000 Mark erzielt wurde. Weitere interessante Zahlen enthielt der Bericht des Ge­schäftsführers Danach nahmen 250 000 Mitglieder von etwa 9800 deutschen Turnvereinen aktiv an dem Turnfest teil, an dem Festzug rund 300 000 Personen, wobei den Hauptanteil die sächsischen Turner stellten.

Lahnkreis-Handball.

tz. Sie Fortsetzung der Derbanbssp'.ele brachte die erwarteten Ergebnisse. In Giehen erlag S. C. 19 0 0 dem F. C. 05 aus Wetzlar mit 0:2. Wetzlar trat mit nur 10 Mann an, ohne aber das Spiel im geringsten aus der Hand zu geben. 1900 konnte sich nur selten fre-machen. Die beiden Tore schloß O. W a l d s ch rn i d t, da die flachen Bälle Roths alle im Schnee stecken blieben.

Die Gießener (R e i chs w e h r) »Hesse n" gewannen gegen den D. C. W e tz l a r mit 4:11 in Wetzlar. Gießen hatte nach nur wenig überlege­nem Spiel durch besseres Schußverrnögen den Sieg verdient.

Zu erwähnen ist noch: 1. Das Nichtantreten 1900s zum Spiel gegen B. C. Wetzlar am ver­gangenen Sonntag ist auf zu späte Benachrichti­gung seitens des Kre'.SHandballausschusses zurück- zuführen. Das Spiel ist neu angesetzt. 2. Die , Mannschaften zeigen zum Teil noch (was bei der - Neueinführung des Handballspiels bzw. der dauernden Regeländerung nicht zu verwundern ist) große Regelunkenntnis. Da sich inzwischen Sportbehörde und Turnerschaft auf Einheits- regeln geeinigt haben, liegen diese nunmehr end­gültig fest. Eme genaue Regelkunde ist zur Ver­feinerung und weiteren Ausbreitung des Hand­ballspiels sehr notwendig.

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elementes, auch andere zu beseelen, waren die Spielsachen schon unterwegs, um der Ruferin entgegenzueilen. Man sah die Soldaten reihen­weise von den Gestellen heruntersteigen, die Puppen aus den Schachteln springen, die Mario­netten sich abmühen, um auf die Füße zu kommen. Mit Händen und Beinen mußten sie arbeiten, um sich aus dem Gewirr der Fäden und Kulissen der zusammengeleglen Puppentheater zu be­freien. 3m Nu wimmelte der Fußboden von Tieren aller Art, man sah die Pferdchen ihre Wagen ziehen und die Schäferhunde hinter den Herden herlausen und den Gockelhahn inmitten seines Hühnervolkes sich blähen: Kikeriki--

..Da sind wir, da sind wir!"

Alle wollten so laut wie möglich ihr Ein­treffen ankündigen, ihre Anwesenheit bezeugen. Es gab einen Heidenlärm, ein ohrenbetäubendes Gequietsche und Gegacker, dah man sich auf einem Jahrmarkt glaubte. Dann wieder war es wie bei der Parade, denn es marschierten die Blei­soldaten auf. Dollbemannt rückte die Artillerie heran, Batterie auf Batterie, mit Kanonen und Protzen. Schwadron über Schwadron sprengten Husaren, Allanen und Dragoner voraus, dann hieß es: Abgesessen! und voller Erwartung standen Mann und Roß. Cs waren viel schnauz­bärtige Gesellen unter den Soldaten, aber zu ihrer Ehre muh gesagt werden, daß sich alle im Verlauf des Abenteuers, das sich jetzt entwickelle, ritterlich benahmen, wie man es von deutschen Soldaten gewohnt ist.

Eine geschlossene Schar stellten auch die Nuß­knacker. Die Nußknacker stehen bei den Nürn­berger Kindern in besonderem Ansehen. Man benutzt sie natürlich hier wie überall zum Auf- brechen der Baum- und Haselnüsse, aber es sind richtige kleine Männer mit einem sperrangcl- weiten Riesenmaul, die bunte Uniformen mit Aufschlägen, Achse k appen und blitzenden Knöpfen tragen wie die Soldaten. Den Schluß bildete eine lange Reihe von Windmühlen, und über dem ganzen Heer flatterten stolz und kühn tote Regimentsfahnen die Papierdrachen.

(Fortsetzung folgt)