Ausgabe 
3.11.1925
 
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200 syrische Pfund pro Kopf der Bevölkern yg. Das sind in deutschere Gelbe etwa ZOO Mk. Die französischen Qtreilfräfte stützen sich gegenwärtig auf Derwit. Ezra wrd Khirbel el Gyazali. Die Reulegung der Eisenbahn von Deraat nach Basra und Gski Shams wird mit allen Kräften ge­fördert. Die Rekonstruktion dieser Bahre würde die französischen Aufgaben wesentlich erleichtern, ins­besondere die Versorgung mit Wasser. Gerade der Wassermangel ist ein großer wichtiger Fak­tor bei den Operationen. Wie die£imed schreibt, ist es höchst urnvahrscheinlich, daß vor FrühjahrSanfang ein ernsthafter Versuch zum Vormarsch gemacht werden wird. Winterliches Wetter hat begonnen und macht militärische Ope­rationen unmöglich.

Dom marokkanischen Kriegsschauplatz.

London, 2. Rov. (TA..) Die Berichte aus Syrien habm auf die Marokkaner einen einen sehr liefen Eindruck gemacht, insbesondere auf die gebildeten Kreise der Rifleute. Man glaubt, daß die Anhänger Abd el Krims aus diesen Rachrichten Kapital schlagen werden, und daß man vor einer neuem Hochflut antifranzösrscher Propaganda steht. Gleichzeitig wachsen die Befürchtungen wegen der Abreise des Marschalls Lyauthey. Seine Anwesenheit wäre gerade im Interesse der Ein­geborenen in Marokko heute notwendiger denn je. Die Beschießung von Tetuan dauert an. Täglich fallen etwa ein Dutzend Granaten in die Stadt.

painleve und die Sojialiftcn.

Paris, 2. Rov. (TA.) Im heutigen Kabi­nettsrat haben die Minister die Erklärung über daS Finanzprogramm einstimmig geirehmigt. Wie verlautet, wird sie eine ziemlich ausführliche Darstellung der Finanzpläne des KabinetteS ge­ben. Der Stelle scheint besondere Bedeutung lxn- gemessen zu werden, in der die Regierung ihre Absicht zuni Ausdruck bringt, eineerträgliche" Steuer zu erheben. Die Einzelheiten selbst sind in der Regierungserklärung nicht angegeben. Rach dem KabirrettSrat erklärten verschiedene Mini­ster, daß die sozialistische Parteigruppe höchst­wahrscheinlich dem Fincrnzpregramm der Regie­rung zustimmen wird.

Am 6 Ahr empfing Painlevä eine Abord­nung der sozialistischen ParlamentSgruppe, um ihr die endgültigen Ausschlüsse über dos Regie- rungSprcgramm zu erteilen. Die Anterredung dauerte über zwei Strücken. Die sozialistischen Deputierten begaben sich sofort zum sozialisti­schen Rcttionakrat, um ihm über die von Painlevö abgegebenen Erklärungen Mitteilung zu machen. Wie der Presse erklärt wurde, sei die Besprechung freundschaftlich gewesen und habe einen guten Eindruck hinterlassen. Beiderseits sei festgestellt worden, daß eine starke Anstrengung zum Ent­gegenkommen gemacht worden sei.

Jedenfalls aber blieben noch strittig: die Kredite für die militärischen Operationen in Syrien und Marokko, deren Bewilligung den Kammer­abgeordneten durch die Beschlüße des sozialisti­schen Parteitages von Marseille unmöglich ge­macht worden sei.

Die Diskussion erstreckte sich sodann auf sämtliche Punkte der Regierungserklärung, vor allem war die Finanzlage Gegenstand einer Kontroverse zwischen dem Ministerpräsidenten und seinen Be­suchern. PamlevS legte dar, daß die A m o r t i - fierungskasse, die er schaffen wolle, durch eine Sonder st euer gespeist werden solle, eine Art Erhöhung der allgemeinen Steuer auf die Einkommen, die es gestatten würde, in etwa 15 Jahren 6065 Milliarden zu amortisieren. Die sozialistischen Deputierten fanden diese Anregungen äußerst interessant, erklärten jedoch, daß sie nicht völlig der Ansicht der Partei entsprächen.

Während der Diskussion wurden auch verschie­dene Maßnahmen für die Wiederherstellung der Finanzlage besprochen. Man hatte seinerzeit vor­gesehen, eine beträchtliche Anzahl von Bank­noten einzustampfen. Dieser Betrag, der eingestampft werden soll, solle sich auf etwa acht bis neun Milliarden belaufen. Ministerpräsident Painlevs erklärte, daß er ober nicht wisse, ob man dieses Verfahren einschlagen werde, da materielle Schwierigkeiten bestünden, um Unterschlagungen zu vermeiden. PainlevL erklärte zum Schluß, daß er sich als Friedensstifter vorstelle, und daß er damit rechne, daß der Senat ihn als einen sol­chen onnehmen werde.

perfien und die Großmächte.

Zwei Ereignisse, die nicht unmittelbar mit­einander in Verbindung stehen, die aber doch im Zusammenhang betrachtet werden wollen, wenn man für die Entwicklung in Asien daS richttge Verständnis aufbringen will: An dem­selben Tage, an der der russische Kriegskommissar F r u n s e , Trotzkis Rachfolger, gestorben ist, hat die persische Kammer beschlossen, die re­gierende Dynastie abzusehen und den bisherigen Ministerpräsidenten Riza Khan zum Schah von Persien auSzurufen.

Der Tod FrunseS bedeutet für Rußland viel­leicht den Abschluß einer Episode. Frunse war geborener Asiate, seiner geistigen Einstellung nach aber Südrusse. Er hat die Kämpfe an der Südfront gegen Koltschak und Wrän­ge! geführt, er war deshalb em Feind der Ru­mänen , weil er von ihnen Bessarabien wiederhaben wollte, und mehr auf die europäische Revanche eingestellt, weil er genau mußte, daß er ohne einen gleichzeitigen Krieg mit Polen Bessarabien nicht wiederbekommen würde. Durch seinen Tod verschiebt sich das Gleichgewicht zwi­schen den Befürwortern einer eurosÄischen und einer asiatischen Politik innerhalb des Volks- kommissariats zugunsten der Asiaten.

Gerade deshalb sind die Vorgänge in Persien von so großer Bedeutung, sie legali­sieren an sich nur einen bestehenden Zustand. Der Schah Achmed führte seit Jahren ein üppiges Leben in Paris und kümmerte sich um die Vor­gänge seines Landes nur insoweit, als er eine sehr hohe Zivilliste forderte, während Riza Khan als Ministerpräsident und Diktator die Geschäfte führte. Riza kämpft um die Befreiung seines Landes vom europäischen Einfluß, zunächst unter Anlehnung an die Gnakänder. Gr hat das Heer reorganisiert, hat den Verkehr modernisiert und hat auch für eine vernünftige Finanzwirt-- schaft gesorgt, hat eS vor allem verstanden, die Russen aus dem Lande zu halten. Des­wegen putschten die Russen den Schah auf und veranlaßten ihn, nach Persien zurückzukehren. Er gab zwar den Gedanken bald wieder auf, aber

Riza hat die Gelegenheit benutzt, um auch formell den Schah zu beseitigen und sich an dessen Stelle zu setzen.

Die Engländer werden geneigt sein, darin einen Erfolg ihrer Politik sehen. Das ist aber doch nur mit Maßen richtig, denn gerade in letzter Zeit hat die persische Regierung sich bemüht, das amerikanische Kapital für sich au interessieren und sich dadurch aus der ge­fährlichen Grenzsphäre zwischen dem russischen und dem englischen Einflußgebiet zu befreien. Das ist zunächst mißlungen, weil den Amerikanern bas .Geschäft zu riskant war, weil auch die Engländer in Reuyork intrigierten, da sie ameri­kanisches Geld wegen ihrer Desinteressen in Per­sien nicht gerne haben wollen. Jetzt aber, wo Riza freie Hand hat und persönliche Garantien: geben kann, ist doch vielleicht damit zu rechnen, daß die Amerikaner ihm kommen. Jedenfalls wird um den entscheidenden Einfluß in Teheran ein großes Ringen zwischen Rußland, England und Amerika losgehen . Das zwingt auch Deutsch­land, die Vorgänge dort mit großer Aufmerk­samkeit zu verfolgen, denn in Asien ist Politik Geldeinfluß, und die Rückwirkungen einer Um­orientierung Persiens auf die Türkei wie auch auf Indien sind unausbleiblich.

Die chinesische Tarifkonserenz.

London. 3. Rov. (TA.) Die Aussichten der chinesischen Zvlltarifkonferenz. die sich in Anterausschüsse gegliedert hat, werden an zuständiger Stelle neuerdings optimistisch beur­teilt. Feng Du Hsiang und Tschang- t s o l i n haben sich bereit erklärt, alle kriegerischen Aktionen einzustellen und das Ergebnis der Ver­handlungen abzuwarten. Rur W u p e i f u ist auf Störung bedacht, indessen kann er praktisch nichts ausrichten, weil zwischen ihm und seinen Gegnern die Provinz H o n a n liegt. Die Provinz wird von Militärbefehlshabern regiert, die sich zu gleichen Teilen aus beiden Parteien zusammen­sehen. Die Provinz Honan ist deshalb politisch neutral.

Bildungssragen im Preußischen Landtag.

Berlin, 2. Nov. Das Haus erledigt ohne Aussprache die Anfragen und Anträge über Wei- tergewährung der l a n d w i r t s ch a f t - lichcn Kredite sowie über Hingabe staatlicher Kredite an die Städte und Industriegebiete zum Ankauf von Kartoffeln nach den Beschlüssen des Ausschußes.

Hierauf wird die allgemeine Aussprache zum Haushall:

Staatsministerium und Ministerpräsident fortgesetzt.

Abg. Riedel (Dem.) bezeichnet die im Osten durch den Vertrag von Versailles geschaffenen Grenzen als unnatürlich, unwirtschaftlich und unge­recht und führt weiter aus: Die Erwellerung des preußischen Kabinetts ist gewiß wünschenswert, aber nur durch Parteien, die auf dem Boden des heu­tigen Staates stehen. (Zustimmung links.) Daß es nicht möglich ist, die Koalition bis zu den Deutsch­nationalen auszudehnen, zeigt ja wieder die Haltung dieser Partei gerade in der Locarno-Frage. Was wollen die Deutschnationalen denn eigentlich? Wol- len sie ewig mit aller Welt in Unfrieden leben? Man liebt sein Vaterland nicht nur mit Phrasen, sondern auch mit Opfern, auch mit solchen der poli­tischen Ueberzeugung. Das möchten wir den Deutsch- nationalen sagen.

Abg .Dr. K l a m t (Wirtsch. Vgg.) erklärt, die Deutschnationale Partei hätte sich einer gewissen Inkonsequenz schuldig gemacht. Seine Partei wünsche klare Verhältnisse und eine Lösung des Finanzausgleichs im gerechten Sinne. Die Vertei­lung der Kredite, die man dem Mittelstände gab, sei völlig unbefriedigend. Herr Severing habe seinen Freunden versprochen, er wolle den Mittelstand schonen. Seine Partei mache ihre Haltung ihm gegenüber davon abhängig, wie er sein Versprechen erfülle.

Das Gehalt des Ministerpräsidenten wird genehmigt. Die Abstimmung findet am Dienstag statt.

DaS Haus geht über zur zweiten Beratung! des Haushalts für

Kunst, Wlssenschaft und DolkSbildung.

Abg. nig-Swinemünde (S.): Die Schul­politik der preußischen Regierung trägt in der heutigen Zeit politisch, wirtschaftlich und gesell­schaftlich eine schwere Verantwortung. ES ist vom Kultusministerium zu fordern, daß eS dem vierten Stande, den breitesten Schichten der Devölke- rungSmasse, den Zugang zu allen Bildungsstätten vermittelt. Der ReichSschulgefetzentwurf ist ein Zeugnis für die DildungSfeindlichkeit der Rechten. Auch dem künftigen Lehrer will man nicht die erforderliche Vorbildung geben.

Abg. Olze (Dn.) legt die Stellungnahme seiner Fraktion zum Reichsschulgesetz dar. Die Schule müsse von christlichem Geiste durchdrungen sein, aber das unter sozial­demokratischem Einfluß stehende Ministerium gehe über berechtigte Wünsche der Eltern nach positiv christlicher Erziehung der Kinder einfach hinweg. Anverständlich sei dabei die Haltung des Zen­trums. Am der Wahrheit teilten müsse in der Schule über die Frage der Kriegsschuld noch mehr Aufllärung gegeben werden. Das Aniversi- lätsstudium für die Bolksfchullehrer lehne die Deutschnationale Partei ab als unzweckmäßig. Besondere Förderung verdiene auch die musi­kalische Ausbildung. Die Personalpolitik deS Ministers fordere die Kritik scharf heraus.

Abg. Lauscher (Z.) bekämpft die re­ligiöse Spaltung. Wenn derVorwärts" die katholische Presie ungestraft beleidige, so diene das nicht dem Ansehen des deutschen Volkes. Aeber das Reichsschulgesetz scheine eine Verstän­digung möglich, wenn sich die Linke auf den Boden der Gewissensfreiheit stellen wollte. Das Zentrum wolle die Bekenntnisschule niemand aufdrängen, aber die Sozialdemokraten wollten eine Zwangseinheitsschule. Das Zentrum werde auch weiter an der konfessionellen Lehrerbildung festhalten. Die Konfessionsschule sei auch im Be­reich deS höheren Schulwesens das Ideal. Es dürfe nicht länger gezögert werden, an die Losung der Konkordatsfrage heranzutreten.

2ckg. Schwarzhaupt (D. Vp.) wendet sich gegen die Perfonalvolitik deS Ministeriums, die bewußt ten Wünschen der Linken einseitig Rechnung trog» Es scheine, daß man von oben her den Evangelischen bieten zu können glaube, was man den Katholischen gegenüber nicht wage. Der Reichsschulgesehentteurf in feiner gegenwär­tigen Form setzedie Leistungsfähigkeit der Schule bedenklich herab. CS wäre

erfreulich, wenn dieser Entwurf zurückgezo­gen würde. Der Redner wünscht, daß der Gedanke der Errichtung einer simultanen psy­chologischen Akademie in Frankfurt c. M. greifbare Gestalt gewinnt.

Wetterberatung Dienstag.

Parlamentarisches aus Hessen.

Darmstadt, 31. Oft. Der Finanzausschuß des Landtags beriet gestern eine Eingabe des Verbandes der Hochschu lasst st enten, in der im wesentlichen Bezahlung nach Gruppe X der Besoldungsordnung verlangt wird. Nach länge­rer Debatte über allgemeine Besoldungsfragen und die Besoldung der Staalsdienstanwärter wurde be­schlossen, es bei dem bisherigen Zustand zu belassen.

Die d e u t s ch n a t i o n a l e Fraktion hat im Landtag einen Antrag zur Bautätigkeit und Woynungsnot eingebracht, worin die Negierung aufqesördert wird, Verhandlungen an­zuknüpfen zur Aufnahme einer Anleihe, um die allgemeine private Bautätigkeit zu fördern und die Wohnungsnot in Hessen zu beseitigen. Die Mittel der Anleihe sollen privaten Baulustigen mit der Maßgabe zur Verfügung gestellt werden, daß diese ein Viertel des Baukapitals selbst auf­bringen, während drei Viertel desselben vom Staat aus Anleihemitteln gegen Eintragung einer Hypothek an erster Stelle gegeben wer­den. Diese Hypothek soll mit 5 v. H. verzinst und mit 1 v. H. getilgt werden. Der Antrag zählt dann noch eine Reihe von Bedingungen auf, denen sich ein Bauherr unterwerfen muß: auch soll nach diesem Antrag u. a. den Gemeinden die Verpflichtung aus­erlegt werden, Baulustigen Gelände, soweit sich dies im Besitz der Gemeinde befindet, zum Friedens­preise und notwendigenfalls gegen angemessene Teilzahlungen und 5 v. H. Zinsen unter Eintragung des Kaufgeldes als Hypothek an zweiter Stelle zu überlasten.

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Dem Landtag ist eine Eingabe des Landesver­bandes Hessen des Reichsverbandes Deutscher Den­tisten zugegangen, in der verlangt wird, daß die staatlich geprüften Dentisten, wie die Zahnärzte von der Gewerbesteuer befreit werden.

Kunst und Wissenschaft.

50jähriges Doklorjublläum.

In Marburg beging der Vertreter der in­dischen Philologie, Geh. Regierungsrat Professor Dr. G e l d n e r, einer der führenden Gelehrten seiner Wissenschaft, das 50jährige Doktorjubiläum.

Ein fränkisches Grab entdeckt.

In Bergheim a. d. Sieg wurde bei Aus- fchachtungSarbeiten in einer Tiefe von 1,60 Meter ein fränkisches Grab blohgelegt, in dem sich Schädelknochen, ferner ein fränkisches Schwert und ein Dolch befanden.

Aus aller Wett.

Das Grubenunglück auf der Zeche Holland.

Dortmund, 2. Nov. (WB.) Wie das Gru­bensicherheitsamt durch den Amtlichen Preußischen Pressedienst mitteilt, hat die bisherige Untersuchung über die Schlagwetterexplosion auf der ZecheHolland", Schacht I unö II, folgendes er­geben: Kurz vor der Explosion ist in einem tiefer liegenden Flöz eine starke Erderschütte­rung (Gebirgsschlag) erfolgt. Dadurch sind grö­ßere Mengen Schlagwetter aufgetreten und mit dem Wetterstrom in höher liegende Strecken ge­zogen, wo sie sich entzündeten. Die Ursache der Entzündung ist mit Wahrscheinlichkeit dann zu suchen, daß durch den Gebirgsschlag in der elek­trischen Lokomotivförderung Kurzschluß und damit Flammenbildung aufgetreten ist. Die Fortpflanzung der Explosion ist durch das Gesteins­staubverfahren aufgehalten worden, das sich hier­bei vorzüglich bewährt hat.

Der Reichspräsident hat an den Ober- berghauptinann in Dortmund folgendes Tele­gramm gerichtet: Die Nachricht von dem schweren Explosionsunglück auf der SchachtanlageHolland" hat mich tief bewegt. Ich bitte Sie, den Hinter­bliebenen der toten Bergleute den Ausdruck meiner herzlichen Anteilnahme und den Verletzten meine besten Wünsche für ihre Wie­derherstellung zu übermitteln, o. Hindenburg, Reichspräsident.

Verhaftung eines Eisenbahnräubers.

Bei Aßlstedt in der Rähe von Rudolstadt wurde der Eisenbahnräuber festgenommen, der einen Ingenieur der Siemens-Schuckert-Werke in einem Personenzug bei Probstzella ausge­plündert und später einem Ehepaar mit dor- gehaltenem Revolver die Wertsachen ab­genommen hotte. Rach einem Feuerkampf wurde er überwälttgt unb verhaftet. Es handelt sich um einen 30 Jahre altere Kaufmann Schmidt.

Gin gefährlicher Flugzeugpa'sagier.

Von der Direktion der staatlichen Aerolinien in Prag wird ein aufregender Vorfall mitgeteilt, der sich am 31. Oktober auf dem Fluge von Kaschou nach Preßburg ereignete. Auf dem Flugzeug stürzte sich der plötzlich wahnsinnig gewordene Passagier auf den Flugzeugführer und suchte ihn zu würgen. Der Führer verlor aber nicht die Geistesgegenwart, wehrte den Wahn­sinnigen ab und ging au8 200 Meter Höhe auf die Erde nieder. Der Wahnsinnige wurde der Gen­darmerie übergeben, die ihn in eine Irrenanstalt brachte.

Gin Omnibus mit Schulkindern verunglückt.

In Rahunta (Georgia) wurde bei einem Bahnübergang ein mit Schulkindern besetzter Om­nibus von einem Personenzug erfaßt. Sieben Kinder wurden getötet und vierundzwanzig verwundet.

Schweres Anglück auf einem Dampfer.

Ein schweres Anglück ereignete sich im Hafen von Rom an Bord des nach Amerika ab-1 gehenden DampfersBelvedere" vor der Verstauung der Waren im Laderaum. Wie gewöhnlich war daS Schiff mit Changas desinfiziert worden. Zwei Arbeiter öff­neten die Bordtüre, um sich in das Innere zu begeben, stürzten aber mit lautem Aufschrei in den Raum. Der Leiter der Desinfektions- arbeiten sowie der Vorstand des Sanitätsdienstes eilten zur Hilfeleistung herbei, stürzten jedoch auch hinab. Erst jetzt bemerkte man, daß alle vier Personen durch giftige Gase betäubt worden waren. Sie konnten nur a l s Leichen ge­borgen werben.

Explosion in einem Kaufhaus.

Aus unbekannter Ursache explodierten in den Kellerräumen des Berliner Kaufhauses Lindemann in Moabit etwa 150 mit Wasser­stoffgas gefüllte Reklameballons. Sieben Angestellte wurden durch die Stichflammen leicht verletzt.

WeLLervo raussage.

Keine wesentliche Aenderung der herrschenden Witterung.

Wahrend das Hochdruckgebiet sehr langsam in südöstlicher Richtung abgedrängt wird, rückt das Fallgebiet im Westen nur äußerst langsam nach Osten vor. Bei vorwiegend bedeck em Himmel hält die Witterung zunächst an. Das Eintreten feuchter Luftmassen in eine kühlere Oberschicht verursachte gestern starke Regensälle, die stellen­weise auch heute noch fortdauern. In den nächsten Tagen bei mehr westlichen Winden Zunahme der Riederschläge.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 9,5, Minimum 7,2 Grad Celsius. Riederschlage: 4 Millimeter. Heutige Morgentewperatur: 8,4 Grad Celsius.

Aus -er Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 3. Rovern der 1925.

Versuchssender Glehen.

Mit dem 1. Rovember ist in Gießen die Rundfunkbewegung in ein neues Stadium getreten. An diesem Tage sanden nämlich auf Grund der dem Physikalischen Instttut der Landes-Aniversität vom Telegraphentechnischen Reichsamt erteilten Sondererlaubnis die ersten drahtlosen Sendeversuche des neuen Versuchs­senders statt.Der Versuchssender Gießen besitzt das Rufzeichen K k 3, das jedoch nur bei Telegraphieversuchen benutzt werden wird. Bei Telephonieversuchen wird stets der Rame des Senders genannt: Versuchssender Gießen. Die Sendewellenlänge ist vorläusig noch nicht fest­gelegt. Es wird im allgemeinen mit einer Wellenlänge zwischen 200 und 300 Metern gear­beitet werden.

Verglichen mit dem benachbarten Frankfurter Rundfunksender ist unser Gießener Dersuchssender nur ein ganz kleiner Zwerg. Während dort 1500 Watt von der Senderöhre geleistet wer­den, handelt es sich bei uns nut um eine Höchst­leistung von 20 Watt.

Aeber die voraussichtliche Reichweite und Empfangslautstärke lassen sich nur ganz all­gemeine Vermutungen äußern, da die Strah­lungsfähigkeit der Antenne, die Ausnutzung der vorhandenen Energie usw. von den verschieden­sten Amständen abhängt und nur durch zahlreiche Versuche das Optimum erreicht werden kann.

Es war anzunehmen, und die bereits vor­liegenden Empfangsmeldungen betätigen dies, daß die ersten Versuche nod) sehr, sehr verbes­serungsbedürftig sein würden. Das liegt zum Teil an dem provisorischen vorläufigen Aufbau des Senders, zum größten Teil aber an den vorhandenen ganz primittven Einrichtungen, mit denen die Sendeversuche unternommen werden müssen, solange keine Mittel vorhanden sind, um größere Anschaffungen zu machen.

Der Vorsitzende des Gießener Radioklubs, unter dessen Leitung die ersten Versuche statt- fanden, betrachtet es als eine Hauptaufgabe deS Vereins, hier fördernd einzuspringen.

Diesem Zwecke werden in allererster Linie die Winlerveranstaltungxn des Vereins dienen, die demnächst beginnen. Es steht zu hoffen, daß die Gießener Funkfreunde den Versuchen des neuen Senders mit regem Interesse folgen werden. Die Versuche finden vorläufig unregel­mäßig Sonntags in der Zeit von 10 Ahr vor­mittags bis 5 Ahr nachmittags statt.

Empfangsmeldungen mit genauer Angabe des benutzten Empfängers, Antenne und Wohnung des Hörers werden erbeten an die funktechnische Versuchsstation im Physikalischen Institut der Aniversität oder an den Vorsitzenden des (Siebe­ner Radioklubs, Dr. Müller, Seltersweg 59.

Erwünscht sind auch vor allem Angaben über bemerkte Mängel, da nur auf diese Weise, durch Mitarbeit der weitesten Kreise, allmählich eine Höchstleistung erzielt werden kann.

Sobald die Einrichtung des Senders es ge­stattet, wird er in einem öffentlichen Vorträge demonstriert werden. Außerdem wird laufend über alles Wissenswerte, erzielte Reichweiten und dergleichen berichtet. Dr. M.

Reichszentrale fürHeimatdienst.

Die Landes-Abteilung Hessen der Reichszentrale für Heimatdienst hat, nachdem sie bereits in zahlreichen anderen Orten des Hessenlandes gewirkt, nun auch in unserer j Stadt mit ihrer sachpolitischen Bildungsarbeit ein­gesetzt. Sie hat zu diesem Zweck eine politische | Vortragswoche veranstaltet, die gestern abend in der Neuen Aula der Universität ihren Anfang nahm. Bedauerlicherweise blieb der Besuch dieses ersten Abends erheblich hinter den Erwartungen zurück, die man im Hinblick auf das interessante ; Thema und die Persönlichkeit des Redners hegen durfte. Nach kurzen Einleitungsworten des (8e- schäftsführers der Landes-Abteilung Hessen sprach Dr. K. O. Bertling, der Leiter des Amerika- Instituts in Berlin, über das ThemaDeutsch­land u n d A m e r i k a". In fesselnder Weise zeichnete der Redner die Wesenszüge des Denkens und Fühlens der Amerikaner, das Verhältnis zwischen den Führern und der Masse des Volkes, den Einfluß der Kirche, wie der ganzen Er­ziehungsweise auf die Einstellung des Volkes und daraus hervorgehend die amerikanische Betrachtung des Auslandes. Dabei brachte er manche neue Gesichtspunkte zutage, die er zum gründliche" , Durchdenken empfahl. Manches, was man bisher über den Amerikaner gehört und gelesen, 8^ toi mit durch die Hinweise, die der Vortragende gab, ein neues Gesicht und regt zum Denken an. Die Erkenntnisse der Licht- und Schattenseiten toi amerikanischen Volke setzte der Vortragende k»m' in Vergleich zu dem, was wir von uns selbst behaupten und meinen, und zu dem, toaS nun wieder Amerika von uns hält. Auch hierbei schälte der Redner neuartige und sehr bemer> kenstoerte Gesichtspunkte heraus, die geeignet find, manches bisherige Urteil umzuformen. 3" der Gesamtheit betrachtet war der Dortvag, frei blieb von jeglicher parteipolitischen Besuch' tung, ein geistiger Genuß, der die bedeutsame Vortragswoche in würdigster Weise einleitete Hoffentlich finden die übrigen Vortragsabend des Heimatdienstes den Zuspruch der brettesten Devölkerungskreise, denn die politische Aufklärung die bei diesen Veranstaltungen geboten wird, ver­dient zum mindesten ernstlich beachtet zu werden