Ausgabe 
3.11.1925
 
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vnick und Verlag: vruhl'sche Univerfitä1§-Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Sietzen. Zchnftleitimg und Seschästrstelle: Zchulftrahe 7.

Das Kabinett Luther und die Parteien

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Muhr» und Elrahtt'

: 1925.

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:cid) durchzusetzen, bleibt dahingestellt. Gewinnt \e1e Einsicht die Oberhand, dann freilich wird

Die Propheten der wieder einmal bei der Qlrl

iafi dies allein seine Staatsmänner zu einer (ränderten Haltung gegenüber Deutschland ge- iif>rt hat. Ob ihre Einsicht groß genug ist,

, . Sozialdemokraten unter einen solchen Sicherheitsvertrag haben Eng- tanb und Frankreich sehr wenig, was sie wollten,

Annahme von Anzeige« für die lagesnummcT bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,' für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20', mehr. Chefredakteur.

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich:

für Politik und Feuilleton Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein,' für den An­zeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Bietzen.

Die deutschen Krieger­gräber in Frankreich.

Paris, 2. Rov. lWolff.) Auf dem Pariser Friedhof in Bagneux-Montrouge fand heute mit­tag vor den deutschen Kriegergräbern eine Ge­denkfeier statt, an der außer dem deutschen Bot­schafter die Mitglieder und Beamten der Bot­schaft sowie die Mitglieder unb 'Beamten der deutschen Dienststellen in Paris und Vertreter der deutschen Presse teilnahmen. Botschafter v. Hösch hielt eine Rede. Der Botschafter war in der Lage, anzukündigen, daß von nun an die deutschen Soldatengräber nicht nur in Paris, sondern über»

Cßon der Deutschen Volkspartei ist sie ja bekannt, sie steht auf dem Standpunkt, dah vor der Hand irgendwelche Entschei­dungen gar nicht getroffen werden können, weil niemand zu sehen vermag, welche Mehrheiten sich über den 1. Dezember hinaus bilden. Einstweilen ist der negative Ausgang der Verhandlungen über den Sicherheitspakt genau so gut möglich wie der positive, je nachdem aber, wie sich eine Mehrheit zusammenfindet, find naturgemäß auch die Vorbedingungen für die Reubildung einer Regierung ganz verschieden. Deshalb hat es keinen Sinn, heute schon sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was am 1. Dezember wird. Das einzig Vernünftige ist vielmehr, noch solange zuzuwarten, über die zwei bis drei Wochen werden wir ja auch noch hinweg­kommen.

Abe.r das tpoften die Sozialdemokra­ten eben nicht. Sie haben Angst davor, daß die Deutschnattonalen den Sprung über den Graben rückwärts machen, sie haben aber auch Angst davor, daß sie zwar für den Vertrag von Locarno stimmen, dann aber nachher den inner- politischen Kaufpreis nicht erhalten. Unb davor wollen sie sich sichern. Deshalb ihre Drohung, dah sie in diesem Reichstag für den Sicherheits­pakt nicht stimmen, sondern eine Auflösung erzwingen werden, deshalb ihre Drohung, dah sie für den Vertrag nicht stimmen, wenn sie nicht Regierungspartei sind. Sie verlangen als sofortige Barzahlung dafür, dah sie den Locarno-Vertrag annehmen wollen, den Rück­tritt des Kanzlers Dr. Luther, weil damit die Schwenkung des Kurses nach links ausgedrückt werden soll, sind aber dafür bereit, Herrn Dr. Stresemann als Auhen- minister und, wenn es sein muh, auch als Reichs­kanzler zu dulden, vorausgesetzt, dah er ihnen da­für die Ministerposten einräumt, die bisher von den Deutschnationalen beseht waren.

Die Rechnung ist nicht schlecht, sie hat nur den einen Fehler, dah sie nicht aufgeht. Von allen anderen abgesehen sprechen gerade außen» politische Gründe nicht für den Eintritt derSozial- demokraten in die Regierung. DieGermania" behauptet zwar, die Rechtsorientierung unserer inneren Politik hätte die Luther-Regierung toegen des Mißtrauens im Auslande zu großer Be» scheidenheit in ihren Zielen gezwungen. Was einer Regierung Marx, gestützt auf die große Koa» litten, erreichbar gewesen wäre, das mußte einer beargwöhnten Rechtsregierung Oer f a g t bleiben

Kommt es nicht dazu, so wird wiederum die Westmark am meisten darunter zu leiden haben. Es ist darum verständlich, dah die ü b e r e i l i g e Festlegung auf eine Ablehnung des Vertrags seitens der Deutschnotionalen, ohne erst dieRück- wirklingen" abzuwarten, gerade im Rheinland höch­stes Befremden erregt hat. Eine bedingungs­lose Annahmeerklärung heute schon aber lehnt die Bevölkerung am Rhein ebenso ab. Sie will nicht Erleichterungen zum Schaden des Ganzen. Denn der deutschen Rhein­länder höchste Wünsche und Hoffnungen finden in einem Wort ihren zwingendsten Ausdruck, das lautet: Deutschland!

M o^il 6 Akte.

unter ein Schiedsgericht; die Beseitigung der Gefahr einseitigerSanktionen"; die Un­terstellung auch derOrdonnanzen" der Rhein- landkommtssion ebenfalls unter schiedsgerichtliche Entscheidung u. a. in. All das bedeutet viel, aber e s reicht nicht aus, denn gerade auch das Urteil über alle diese Bestimmungen des Vertrages wird letzten Endes davon abhängen, in welchem Geiste und in welcher Meinung sie gehandhabt werden. Wenn man glaubt, auch weiterhin die West­mark des durch Sicherheitsvertrag mit Frankreich verknüpften Deutschlands mit einem Militäuaufwand besetzt halten zu müssen, wie es höchstens einem ausgesprochenen Feind gegenüber in Be­tracht kommen darf; so lange die Eingriffe in bie deutsche Exekution durch ein Heer von Delegierten und Unterdelegierten wie bisher Platz greifen, so langeKriegsgerichte" nach Kriegsbräuchen über deutsche Staatsbürger zu Ge­richt sitzen; so lange man weiterhin so wenig Ach­tung vor der deutschen Kultur zeigt, um trotz der glatten Mißerfolge der vergangenen Jahre immer wieder aufs neue französifchePropaganda am Rhein zu betreiben; so lange Wirtschaft und Schiffahrt sich nicht wirklich frei bewegen können; so lange schließlich noch immer Deutsche in der Haft der Franzosen und Belgier sitzen; so lange hat der neue Geist noch nicht gesiegt.

Daß alles in Betracht Kommende bis genau zum 30. November durchgeführt fein muß, ist nicht unbedingt nötig, ja, vielleicht nicht einmal in allen Punkten möglich. Daß aber auch bis dahin hand­greifliche Anfänge gemacht fein müssen, um auch denjenigen die Zuversicht in ihre Fortführung zu geben, die alle die bösen und bitteren Erfah­rungen des Ruhr- und Nheingebiets in sich ausge­nommen haben, bleibt Voraussetzung für die endgültige Unterzeichnung des Vertrags von Lo­carno. __ ... ......

einte, Streik unb 1925.

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Besatzungsabbau?

London, 3. Aov. (TU.) Schon in den nächsten Tagen sollen im Rheinland wichtige Veränderungen in dem Besatzungsregime stattsin- den. Es soll eine Division französische Be- sahungStruppen aus dem Rheinland abge­schoben werden. Die Interalliierte Rheinland» kommission soll den Auftrag erhallen haben. 32 Distriksdelegierte abzubauen. Es würde nur noch in Mainz, Wiesbaden, Trier, Koblenz und in der Pfalz je ein Distriksdelegier- ter tätig sein.

der Völkischen Fraktion ausführlich über Haltung der bayerischen Regierung zu den _ carnoer Verträgen berichtet habe. Bei der letzten Konferenz der Ministerpräsidenten in Berlin habe die bayerische Regierung durch den Ministerprä- sidenten ihre Ansicht dahin zum Ausdruck brin­gen lassen, daß eine Stellungnahme zu den Ab­machungen erst dann möglich sei, wenn die Rückwirkungen zu erkennen seien und die Zusagen der Alliierten derwirllicht werden. Dis dahin sei die einzig mögliche Haltung: ab- warten. Das fei übrigens auch die Meinung der Reichsregierung, und fast aller Parteien, vielleicht von der Sozialdemokratie abgesehen.

ges Aussehen erlangen werden. Es seien Mittel und Wege gefunden worden, die den Wit­terungsunbilden so stark ausgesetzten Holzkreuze auf den Soldatenfriedhöfen durch steinerne Gedenktafeln zu ersetzen. Er hoffe, daß im nächsten 3cchre die deutschen Gräber bereits im Schmucke der neuen Ausstattung sein werben.

Regierung.

München, 2. Rov. (TU.) DieDayenschs Staatszeitung" teilt heute mit, daß der bayerische Ministerpräsident Dr. Held sowohl ' Führern der Koalitionsparteien wie auch Führern der Sozialdemokratte. Demokratie

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war eben gerade die Unterschrift der Deutschnationalen. Qltan kann vielleicht sogar sagen, daß der Austritt der Deutschnatio­nalen aus der Regierung die Reigung zu einem Sicherheitspatt auf der Gegenseite wesentlich verringert hat.

Aber das nur nebenbei. Es bleibt nun ein­mal auch sonst Tatsache, daß nach den Erfahrun­gen aus der Stresemann-Rc^ierung mit den So­zialdemokraten positive Politik nicht zu machen ist. Die ganze große Koalition bat drei Monate gedauert und ist eigentlich in dieser Zeit aus den Krisen nidjft herausgekommen. -Unö deshalb wird die Deutsche Volkspartei wohl mit den Sozialdemokraten in einzelnen Fällen zusammengehen können, wenn ihre Polittk sich ohnehin deckt, eine Verständigung aber auf ein gemeinsames Regierungsprogramm ist nicht zu machen. Daran muß jeder Versuch zur Rekon­struktion der großen Koalition scheitern. Die Folge eines Rücktritts des Kabinetts Luther wäre daher nur eine wochenlange Kabinettskrise, die uns außenpolitisch verhandlungs­unfähig macht. Wir nehmen d^halb auch an, daß der Kanzler sich mit den Regierungsparteien auf ein Verbleiben im Amte verständigen wird. Sind die Oppositionsparteien damit. nicht einverstanden, dann follen sie die Regierung stürzen, falls sie den erforderlichen Mut dazu aufbnngen.

Die Besprechung beim Reichskanzler.

Zu der Besprechung des Reichskanzlers mit den Fraktionsführern der in feinem Kabinett vertrete­nen Parteien über den Austritt der Deutschnatio­nalen aus dem Reichskabinett teilt dieGerma­nia" mit, daß vom Zentrum an dieser Aus­sprache die Abgeordneten Marx, Zehre.ibach und Stegerwald teilnehmen werden. Laut vossische Zeitung" wird die Deutsche Volks- Partei die Abgeordneten Dr. Scholz, Dr. Cur- lius und Dr. Kemptee und die Bayerische Volkspartei voraussichtlich durch die Abgeord­neten Leicht und Graf Lerchenfeld ver­treten sein.

StresemannüberLocarno

Dresden, 2. Rov. (D. Z.) Reichsminister Dr. Stresemann sprach in Dresden bei dem 3ahresbankett in der Resource über das Thema Wirtschaft und Locarno". Er erllärte, die Ge­sundung der deutschen Wirtschaft kann nicht von Kartellen und Syndikaten, sondern nur aus dem gesunden Wettbewerb des ein­zelnen Wirtschaftlers kommen. Durch die Inflation wurde der Wirtschaft großen Schaden zugefügt und das Betriebskapital ent­zogen. Sie wurde auf fremde Kapitalien an­gewiesen. Rattonales Denken läßt sich mit inter­nationalen Verpflichtungen der Wirtschaft sehr wohl vereinigen. Jedoch viele Milliarden von Kapital sind erforderlich, um die deutsche Wirt­schaft wieder auf ihre alte Höhe zu heben.

Jetzt, wo unsere Diplomatie kein Heer hinter sich hat, müssen die Mittel und Wege unserer Staats ku nst andere sein als "in der alten Zeit. Wenn ich heute deutsche Politik so treiben würde, als ob ich noch eine große Armee hinter mir hatte, würde ich handeln wie ein Kaufmann, I der ein Geschäft nicht umstellt, auch wenn er Millionen verloren hat. Es ist besser, wenn man I

Oktober 1925.

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Die Lage in Syrien.

London, 2. Rov. (TU.) Trotz be1* zuneh­menden Beruhigung innerhalb der Stadt Damas­kus zeigt die allgemeine Lage in Syrien eine weitere Verschlechterung. Viele von der Beschie­ßung "Betroffenen sind zu den Auf ständi­schen übergegangen, die dadurch erhebliche Verstärkungen erhalten haben. Das Dorsehen der Franzosen in Damaskus ist außerordentlich rigo­ros. Die der Stadt aufcrkgte ÖUafe beträgt

mus, teils auch, weil sie

Geschäft wittern, bei dem sie sich des Gewinns halber beteiligen möchten. So wird denn in der ganzen Presse der Linken mit ganz wenigen Ausnahmen einhellig darauf gedrückt, daß das Kabinett Luther-Stresemann lieber heute als morgen zurücktreten soll, um einer Regie­rung der großen Koalition Platz zu machen. Auch das Zentrum, das sich ganz unter der Führung des linken Flügels besindet, schließt sich biefem Kesseltreiben an und last macht den Eindruck, als ob der Kanzler, der bisher eine ruhige Linie verfolgte, etwas müde geworden ist. jedenfalls lauten die Auskünfte, dre man an amtlichen Stellen bekommt, so un­bestimmt und dehnbar, daß sie ebenso gut wie ein halbes Eingeständnis aufgefaßt werden können. Der heutige Dienstag wird darüber die Klärung bringen. Herr Dr. Luther hat die Führer der noch hinter ihm stehenden Regierungsparteien äu ließ gebeten, um mit ihnen die Lage zu be­sprechen. man wird dann sehen, wie die offi­zielle Parteigesinnung ist.

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and? einmal einen Einfall hat und ihn ausführt, als wenn man Jahre hindurch nur darauf wartet, ob Göttin Fortuna einem all das wiedergibt, was man verloren hat. Der Sinn von Locarno ist, durch volitifches Verständnis eine friedliche Ent- Wicklung Europas auf lange Zeit zu sichern. Wenn gesoßt wird, ich hätte aus Krieg verzichtet, so ist das tidjtig. Ich habe das getan aus der nüch­ternen realistischen Einstellung heraus, daß wir kein Knegsinstrument mehr haben. Die A ch t u n g der deutschen Grenzen soll darum international Htgelegt werden, soll unter die Bürgschaft der europäischen Mächte gestellt wer­den. Chamberlain hat mir gesagt: Englands ge­samte Marine und Heeresmacht steht zu Ihrer Ver­fügung, wenn Frankreich Ihre Grenzen über« schreitet. Unser Ziel ist die Einheit des Reiches und das Rheinland zu schützen gegen Angriffe, gegen die es kein deutsches Heer gibt .Kann Europa nicht über die Grenzen der einzelnen Länder hinweg finanziell und wirt- fchofllich Zusammenarbeiten, dann wird es zu- rückgeworfen werden hinter andere Erdteile. Wenn wir aber ein politisch erzogenes Vol? wären, würden wir wissen, daß es nach außen keine Parteien geben darf.

Dr. Stresemann sprach dann am Sonntag auf dem Festbankett anläßlich der Feier des 50- jährigen Bestehens derKönigsberger All­gemeinen Zeitung". Er betonte dabei, daß die Re­gierung von keiner Partei verlangt hätte, ihr Votum abzugeben, ehe die Rückwirkun­gen der Verhandlungen von Locarno sich über« sehen ließen. Locarno wäre der Anfang einer Entwicklung, die Deutschland wieder als gleichberechtigten Faktor in die Welt einführe. Diese ganze Entwicklung werde gestört, wenn die Außenpolitik, von in ner politischen Ge« s i ch t s p u n k t e n beeinflußt, gerade von denjenigen Kreisen verkannt werde, die sich auf eine führende Persönlichkeit wie Bismarck berufen, aber die Stellungnahme ihrer Führer von Mehr­heitsbeschlüssen ad.häin g ig machten. 4

Die Haltung der bayrischen

Auch der Zustand der großen Gräberfelder: in Frankreich seien durch Kommissionen zusammen mit französischen zuständigen Persönlichkeiten ge­prüft worden. Man .sei bei den französischen Stellen auf Verständnis und Entgegenkommen für die deutscherseits ausgesprochenen Wünsche ge­stoßen. Leider werde es aber bei der großen An­zahl der Gräber nicht möglich sein, alle so zu gestalten, wie man es wünschen müsse. Aber er hege die Zuversicht, daß unter Mithilfe der für den Zustand der Gräber verantwortlichen fran­zösischen Regierung ein Zustand geschaffen werden forme, der, wenn er auch nicht als befriedigend, so doch als toürbig bezeichnet werden könne.

Gesallenen-Thrnng in Koblenz.

Koblenz, 3. Rov. (ZU.) Gestern vor­mittag hat der Vorsitzende der Rheinland­kommission, T i r a r d, sowie die Ober- kommissare Englands und Belgiens auf dem deutschen Ehrenfriedhof pracht­volle Kränze mit Schlesien in den Farben ihrer Länder niedergelegt. Auch die französische Garnison hat auf dem Ehrenfriedhof einen Kranz niederlegen lassen. Vorher hat eine Kranz­niederlegung an dem Denkmal der napoleonischen Soldaten stattgesunden.

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertage.

Beilagen:

Gießener Famisienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

Monatr-Sezugrpreir:

2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger­lohn, auch bei Richter- scheinen einzelne.. Nummern infolge höherer (Bemalt Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Ver­lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- sichten. Anzeiger Ziehen.

poftschecttonto: iranffnrt am Main 11686.

sich mit dem Gewicht der in ihr wohnenden . HaJurnottoenbigfeit auch für die weitere Zu- ! Lmft durchsetzen und Deutschland die Möglichkeit } jeben, das, was ein großes Volk zum wirklichen MSLen braucht, zu erreichen, ohne daß Europa Waisis neue in Flammen aufgeht. Freilich sind igt.E an Ruhr und Rhein, so sehr wir von der Notwendigkeit solcher Entwicklung überzeugt sind, ::«cht allzu hoffnungsfreudig gestimmt. t&Tu haben die Gesinnung der anderen während (-ne8 Zeitraumes von 7 Jahren nur zu gut l'iurengelernt. Wir kennen das Maß von Haß mb Vernichtungswillen, der noch bis in die . Mr Zeit sich gegenüber allem, was deutsch ist, . b.iBi getan hat. Will man denen, die dem Ge- ren und den Gewalttaten der Gegenseite per- .iinlich so nahe gestanden haben, wie die Men- jlföcn an Rhein und Ruhr, verübeln, wenn sie «n i I größtem Mißtrauen nach dem Westen Wicken?

Die Räumung der Ganttionsstädte ist wahr- Hilch nicht um unserer schönen Augen willen er» b(@t. Die Richträumung der ersten nördlichen <one wiegt noch schwerer auf der anderen Seite, km ehrliches Frankreich müßte dafür toirf» Ich Verständnis haben. An ihm allein liegt (!. ob jenes Mißtrauen nunmehr beseitigt und Limiählich, zwar wohl niemals zur Liebe, aber dxH zu einer für Rachbarn erträglichen Sttm» marg mcht nur eines äußeren, sondern auch eines inneren Friedens umgewandelt wird. Die 'Wirtschaft im vH e i n i sch-we st f ä l i- 1h-;n Industriegebiet besindet sich, wie jte weiß, in einer außerordentlich schweren Richt zuletzt hängt sie mit dem ungeklärten, niliheren, jede ruhige Entwicklung großen Stiles lbeittträchtigenden Verhältnis zu den 'Di st machten zusammen. Die rheinisch-west- ftclilche Wirtschaft braucht den Frieden nod-will ihn. Aber ein Frieden um jeden Preis ttcigt auch hier nichts, weil er nicht gibt, was ifrt Frieden geben soll.

Ling Neuerliches haben die Rheinlande in all ihm Fahren der Besatzung erfahren; das weiß nur ibtr, der in den Dingen und mit den Menschen M alltäglich lebt. Von einer Erleichterung die- Üfe Druckes ist noch gar wenig zu spüren. Daß mm sich mit allen Fibern des Herzens danach lltotti, liegt auf der Hand.

Die rheinische Bevölkerung war darum arg ! 3bct.offen, als die Llnterhändler von Locarno in :3btfec Beziehung keine bindenden Zusagen, son- iSem nur Versprechungen höchst allge- : Miner Art zurückbrachten. Rach Lage der Dinge 'H rnichts anderes erreichbar gewesen. Die Unter» 'Hinter trifft kein Vorwurf. 3m Gegenteil, ihnen ! HÄhrt, wie die Dinge nun auch ausgehen mögen, itomember und wärmster Dank für ihr Wirken.

E; ist zuzugeben, daß der Vertrag von Locarno 999caÄ auch manches vom besonderen Standpunkt ifr Kheinlande wertvolle Stück enthält: so die öLiellung des Rtzeinlandabkomm.ens

llr. 258 Erstes Blßtiiu 175.Jahrgang Dienstag,3.November 1925

Glchener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Das Rheinland und Locarno.

Don Dr. Otto Most, M. d. R.

Der Streit über die richtige Auslegung der einen ober anderen Bestimmung des Vertrages Don Locarno führt uns nicht viel weiter. 3n der großen Politik ist von jeher weniger der Wort­laut von Paragraphen maßgebend gewesen, als Vielmehr der Geist, in dem sie gehandhaot wurden. Snternationaie Verträge von unbegrenz­ter Dauer hat es noch nie gegeben, selbst wenn iie alsewig" bezeichnet. wurden. Veränderte xiachllvnstellationen haben noch immer auch Aen» >trungen bestehender Verträge dann gebracht, Denn die Zeit dazu reif war. Das Maßgebende PI im Einzelfall, ob der Abschluß eines Ver- :cages und seine Durchführung bis zum Augen­blick seiner Aushebung oder Richtigwerdung ben» jenigen Zielen dient, die für eine nationale Alußenp oli t ik allein maßgebend sind: Siche- rimg der staatlichen Selbstbestimmung, der wirt- ; «chaftlichen Entfaltung und der nationalen Kultur. Sicherung! oder, wenn eines ober das andere ; o&er jedes dieser drei Grundgüter des politischen ttebens verloren gegangen ist, W i e d e r g e w i n- min g!

Der Monat, in den wir soeben eingetreten ! lirb, ist nicht nur national-, sondern welt- i geschichtlich vielleicht der folgenschwerste, den es , u- gegeben hat. 3n ihm soll es sich entscheiden, ob die Außenpolitik der uns gegenüberstehenden Mächte eine Richtung einschlägt, die Deutschland jene Sicherungen gewährt. Wer dem Vertrag t-on Locarno endgültig zustimmt, wird dies nur lu n dürfen, wenn er aus dem Verlauf der kom- nenben Wochen diese Frage guten Gewissens gl«mbt bejahen zu können. Cs ist Sache oer Gegenseite, diese Ueberzeugung dadurch zu Raffen, daß sie aus dem Gesamtkomplex ihrer Maßnahmen, (Srflärungen und bindend formu­lierten Versprechungen erwachsen kann.

Wohin wir in Europa schauen, ist Krise inb Krisen st im m un g, wirtschaftlich sowie ^littsch. Die gleiche Erscheinung hat die gleiche ilcsache. Sie ist nur zu überwinden, wenn die -uropäischen Staaten ihre Kräfte zu wirt- gastlicher Gemeinschaftsarbeit zu- i mmenfaffen, anstatt sie auf der einen [Seite zu knebeln, auf der anderen Seite zweck- c8 zu vergeuden.

Auch Frankreich ist in solchen Röten, aut) nicht als letzter unter den europäischen Staaten. Wir an Ruhr und Rhein find gewiß,

großen Koalition sind I oder von ihr mit größeren Opfern erlauft werden. :beit, teils aus 3dealis- Das ist eben der grundlegende 3rr» e das große politische tum. Don der älnterschrift der S " 1 (in f 7 rh PA n A . .x _ f _ r X ! -X C i r>« i