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Paris.

Lobes Rede

Der Präsident von Portugal ist an Diabetis schwer erkrankt. Es hat bereits ein Aerztekonzilium stattgefunden. 2ln dem Aufkom­men des Präsidenten wird gezweifelt.

rückgekehrt. Demnächst beginnen die eigentlichen 5) erb ft Übungen, an denen die ganze Flotte beteiligt ist, unter Leitung des Chefs der Marine- leitung, Admiral Zenker. Die Manöver finden vor Helgoland statt.

Kongreß noch weiter beiwohnen wollen. Darüber wird eine heute statfindende Sitzung der deutschen Delegation entleiben. Gegenüber den Gerüchten, baD der Reichstagspräsident in seiner Rede den An- | u, . u 6 Oesterreichs an Deutschland fordern wollte und daß er dabei die französische Haltung kritisieren wollte, betonte Lobe, daß diese u n r i ch - t i g seien. Seine für den Kongreß ausgearbeitete Rede sei schon vor der Wiener Anschlußkunügebung fcrtiggefteUt gewesen und sie enthalte kein Wort, das den Anschluß Oesterreichs an Deutlck'land be­treffe. Löbe ist gestern nach Schluß der Kongreß. sitzung vom Ministerpräsidenten P a i n l e d 6 emp­fangen worden. Painlevä hat bei seiner Unter­redung mit Loebe der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland sich so entwickeln möge, daß bald auch französische Minister nach Deutschland kommen könnten ebenso wie jetzt deutsche Politiker nach

Die polirische Polizei in Lemberg entdeckte eine terroristische Organisation bet Ukrainer in Galizien. Die Organisation befaßte sich ausschließlich mit her Plünderung von Staatskassen und Amtsgebäuden. Es sind bis seht zehn Personen verhaftet worben, darunter einige Studenten. Das polnische Justiz­ministerium hat für die Untersuchung dieser Affäre eine besondere Kommission ernannt.

Anschluhdebatte im österreichischen Rationalrat.

Oesterreich

fordert sein Selbftbestimmuugsrecht.

Wien, 3. Sept. Bei Beginn der ersten Lesung des österreichischen Dudgetvoranschlags für 1926 üble der sozialdemokratische Führer Dr. Otto Dauer scharse Kritik an der Regie­rungspolitik und legte ein neues Bekenntnis für den Anschluß an Deutschland ab. Hinter dem System von Vorzugszöllen, dos der Auhen- miAifter Mataja in Genf an strebe, verberge sich der Plan jener engeren Verbin­dung Oesterreichs mit den Dachfolge­staaten. durch den Mataja die Scheide­wand zwischen Oe st erreich und Deutschland verschärfen und ver­ewigen wolle. Wir glauben, erklärte Bauer weiter, daß die Regierung vor den Völkerbunds­rat treten und sagen müßte: Wir haben genug von Beratern, Expertisen, Kontrolleuren, Wohl­wollen und Hilfe. Wir brauchen das alles nicht. Wir brauchen von euch nur eins: Gebt uns die Freiheit wieder, die man uns1 jetzt geraubt hat. (Lebhafter Beifall.) Gebt uns, wozu wir im Artikel 88 des Friedensvertrags die formelle Möglichkeit haben: das Selbst­bestimmungsrecht. damit wir uns selbst entscheiden können, ob wir dieses Leben der Dot und Unfreiheit weiterführen oder unsere Zu­kunft innerhalb der großen deutschen Republik, suchen sollen. Die Masse der Christlichsozialen ist ebenso begeistert für den An­schluß an Deutschland wie die Sozialdemokratie. Dur die Regierung ist anderer Meinung. Der großdeutsche Redner Dr. Ham pel verwies au fdie schweren kulturellen und wirtschaftlichen Bedrückungen, die sich die Deutschen in der Tschechoslowakei, in Tirol und Jugo­slawien gerade in letzter Zeit wieder bieten lassen mutzten und ersuchte die Regierung, auf die endliche Einhaltung des vom Völker­bund konstruierten Minderheitenschuh­rechts in Genf zu bringen. Letzten Endes müsse auch dem deutschen Volke so wie den andern Völ­kern sein Selbstbestimmungsrecht zuge- sproche n werden, das für uns fremde Hilfe durch den Anschluß an das Mutterland entbehr­lich machen wird.

Rückgabe der deutschen Schulen in Bessarabien.

B u k a r e st, 3. Sept. Der rumänische Mi- nifterrat hat endgültig beschlossen, die deutschen Schulen in Bessarabien a l s konfessionelle Schulen mit Oeffentlichkeitsrecht anzusehen und die bereits beschlagnahmten Schulgebäude sowie Lehrerwohnungen den deutsch - evangelischen Kirchengemeinden zu belassen. Die Anzahl der als deutsch und konfessionell zu betrachten­den Schulanstalten soll allerdings durch eine Kommission erst näher bestimmt werden. Die ! Verordnung läßt aber doch wenigstens die Hoff- I nung zu, daß das schreiendste Anrecht wieder I gutgemacht und wenigstens ein Teil der

Abd el Krims Friedensbedmgungen.

Ein Besuch im Hauptquartier der Rifkabylcu.

Paris. 3. Sept. (Sil.) Der Sonderbericht- .. statter desMatin" in Tanger ist soeben von inem Besuch im Hauptquartier Abd cl Krims urückgekehrt und berichtet über eine Aussprache mit dem ersten Minister Abd el Krims und mit dem Bruder Abd el Krims. Minister Si Den Ali bestritt, daß Abd el Krim franko-spanische Friedensvorschläge erhalten habe. Rich­tig sei, daß Abd el Krim durch die Zei­tungen von den angeblichen Vorschlägen der beiden Mächte Kenntnis erhalten habe. Später sei aus Algier eine Dote der spanischen Regie­rung angekommen, in der ungefragt wurde, ob spanische Unterhändler die Friedensvvrschläge persönlich unterbreiten könnten. Diese Anfrage blieb jedoch unbeantwortet, da Spanien in der Dote drei wichtige Punkte in Algier f ü r sich verlangt habe.

Im übrigen erklärte sich der Minister zu der Erklärung berechtigt, daß Abd el Krim an keinerlei Friedensverhandlungen denke, solange Spanien und Frankreich nicht die volle Anabhängigkeit des Disgebiets aner­kennen wollten. Wir wollen frei leben und uns selbst regieren. Wir werden bis zum Aeuhersten kämpfen.

Wir werden nicht damit einverstanden fein, daß «unsere Polizei von feiten der Mächte be­aufsichtigt wirb. Wir verlangen von Frankreich, daß die Grenze von Algier nach Guesania zu­rückverlegt wird. Don Spanien fordern wir die Rückverlegung der spanischen Grenze bis nach Melilla. Am Dachmittag wurde der Berichterstatter von dem Bruder Abd el Krims, S i 'M o h a m e d , empfangen, der ihm u. a. | erklärte, daß die Rifkabylen von keiner Macht | unterstützt würden, und daß sie auch zu den Muselmännern Asiens keine Beziehungen unter­hielten. Der Berichterstatter bemerkte auf dem Marsche nach Algier die Gebeine spanischer Sol­daten, mit denen die Straße besät war.

Gescheiterte Landungsversuche in Marokko.

Paris, 2. Sept. (Sil.) Die spanisch-fran­zösische Flotte Hal versucht, an zwei Punkten in der Alhucemas-Bucht Landungs­truppen auszusetzen. Die Ris-Kabylen leisteten aber verzweifelten Widerstand und konnten die Landung a u f h a l t e n. Ab el Krims bisheriges Hauptquartier A j d i r, liegt in der Dahe der Bucht und wird von den Schiffsgeschützen unter Feuer genommen. Die Rif-Kabylen ziehen neue Kräfte bet Scheschauen zusammen, um sich dort vor der Offensive zu sichern.

Kommandowechsel in Syrien.

Paris, 3. Sept. Durch ministerielle Der. fügung ist der Brigadegeneral z. D. G a m o I i n neben dem General S a rrail zum Dbertomman* bierenben der französischen Truppen in der Le­vante ernannt worden. Diese (Ernennung wird von amtlicher Stelle damit erklärt, daß die neuen Er­eignisse in Syrien diesen Wechsel im Ober­befehl nötig gemacht hätten. Gleichzeitig beab­sichtigt die franzöfifche Regierung, bedeutende Der- ftärfungen nach Syrien zu entsenden, um den Entsatz von Sueida vorzunehmen.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident o. Hindenburg hat sich auf Grund einer Einladung des Oberbürger­meisters von Duisburg, Dr. Jarres, bereit er­klärt, im Laufe des Monats September die etaote Duisburg, Düsseldorf und Essen zu be­suchen.

Die in der Ostsee abgehaltenen Verbands- übungen der Flotte sind beendet worden. Die einzelnen Schiffe sind nach Wilhelmshafen zu-

Aus aller Welt.

Aufklärung des angeblichen Mordes im D*3ug BerlinAmsterd am.

Wie die Reichsbahndirektion Hannover zu der Dachricht über den Mord im D-Zug Amster­dam-Berlin mitteilt, ist die angeblich" ermordete und aus dem Zuge geworfene Hausangestellte Lampersbach nicht im Besitze einer Fahrkarte gewesen. Als der Fahrkartenkon­trolleur erschien, verlieh die Lampersbach, die an Verfolgungswahnsinnlitt, das Ab­teil und sprang aus dem Zuge. Geld und Wertsachen wurden bei der Toten aufgefunden. Die Meldungen über einen Raubmord entsprechen nicht den Tatsachen.

Wettervoraussage.

Doch regnerisch und Eilt, bann langsam auf» klärend und etwas wärmer.

Die Ausläufer des nordischen Tiefs sind gegen Mitteldeutschland vorgestvhen und haben das Hoch im Südwesten weiter zurückgedrängt. Es ist zu erwarten, daß das Tief langsam südöstlich toeiterrüdi und dann eine leichte vorübergehende Besserung der Witterung eintrift.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 16,2 Grad C.. Minimum 10,4 Gr. C. Diederschläge: 0,8 Millimeter.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 3. September 1925. f

Sonderzüge zum 116er-Tag.

Anläßlich der Denkmalsweihe ehe­maliger 116er und des 11 6er-Tag es in Gießen werden am Sonntag, 6. Sept., folgende Sonderzüge gefahren:

Strecke GießenGelnhausen.

Svnderzug BüdingenGießen im Plane wie folgt: Büdingen ab 6,50 norm., Büches-Düdelsheim 6,58 vorm., Dleichenbach 7,05 norm., Stockheim 7,16 vorm, Ranstadt 7.24 vorm., Didda 7,37 vorm., Dorsdorf 7,44 vorm.. Ober- widdersheim 7,51 vorm. Trais-Horloff 7,57 vorm, Hungen 8,07 vorm, Langsdorf 8,14 vorm, Lich 8,22 norm., Garbenteich 8,39 norm.. Schiffenberg 8,44 vorm., Gießen an 8,53 vorm.

Svnderzug Gieß en Büdingen: Gießen ab 8,15 Uhr nachm (Anschlüsse in Didda bis Schotten, Stockheim bis Gedern sind gewahrt). Beide Züge halten auf allen Bahnhöfen, wie die übrigen 3üge» und führen 2. bis 4. Klasse.

Strecke GießenFulda.

Vorzug 552 FuldaGießen im Plane des Hauptzuges: Fulda ab 4,58 ilfjt vorm, Gießen an 7,54 Uhr Dorrn.

Vorzug 559 GießenFulda im Plane des Hauptzuges: Gießen ab 8,03 Ahr nachm, Fulda an 10,54 Ahr nachm., mit Anschlußsonderzug in Lauterbach und Gedern. Lauterbach ab 10,20 Ahr nachm. Gedern an 12,08 Uhr Dorrn. Beide Züge halten auf allen Bahnhöfen, wie die Haupt- züge, und führen 2. bis 4. Klasse.

Strecke GießenLondorfGrünberg.

Pz. 2551 (Sonntags) LondorfLollar-Gie- hen wird Don Grünberg über LondorfLol­lar nach Gießen gefahren. Grünberg ab 6,54 älfjr vorm., Beltershain 7,00 älhr Dorrn., Lumda 7,05 älhr Dorrn., Geilshausen 7,12 ilfjr vorm., Oden- Hausen 7,17 ttthr vorm., Londorf 7,29 Uhr vorm und weiter nach Gießen in seinem bisherigen Plane. Gießen an 8,11 llbr vorm

Pz. 2568 (Sonntags) GießenLollarLon­dorf wird von Londorf bis Grünberg durch­geführt. Gießen ab 8,30 Ahr nachm., Londorf ab 9,15 Ahr nachm., Grünberg an 9,45 Ahr nachm. Beide Züge halten auf allen Bahnhöfen und führen 2. bis 4. Klasse.

Strecke GießenFrankfurt a. M.

Pz. 703 Frankfurt aM. Friedberg Frankfurt a. M. ab 6.22 Ahr vorm., Friedberg an 7,24 Uhr vorm. Wird nach Erreichung der Anschlüsse von Darmstadt und dem Odenwald bis Gießen durchgeführt. Friedberg ab 7,39 Ahr vorm, Gießen an 8,18 Ahr Dorrn. Dieser Zug hält auf den Bahnhöfen zwischen Friedberg und I Gießen nicht. , .

Vorzug Deschl. Pz. 770 Gießen-Frank­furt a. M. Gießen ab 8,21 Ahr nachm, Frank­furt a. M. an 9,45 Mr nachm., 2. bis 4. Wagen- na,<<3u allen übrigen Zügen und nach anderen Strecken werden nach Bedarf Vor- un b Dachzüge gefahren, oder bte erforderlichen Zugverstärkungen vorgenommen. Auf die Anschlüsse nach Debenbahnen usw. ist soweit als möglich Rücksicht genommen worden, so daß auch den Festtellnehmern der weit abgelegenen und ungünstig liegenden Orte die Teilnahme an der Feier erleichtert wird.

Auf dem Festplah werden die Gesamtsahr- plane durch Aushang bekanntgegeben. Weitere Auskunft erteilen die betr. Bahnhöfe.

Neue Beiträge für die

AngesteUten-Verstcherung.

Dom 1.September 1925 an sind die Beiträge für d i e Ange ft elltenverficher unger- höht worden. In Zukunft werden Gehälter bis zu 50 Mark mit einem Monatsbeitrag von 2 Mk., solche von 50 bis 100 Mk. mit 4 Mk., von 100 bis 200 Mk. mit 8 Mk., von 200 bis 300 Mk. mit 12 Mk., von 300 bis 400 Mk. mit 16 Mk. und von 400 bis 500 Mk. mit 20 Mk. Monatsbeitrag belastet werden. Wer diese Grenze überschreitet, scheidet erst mit dem Tage des vierten Monats nach diesem I Zeitpunkte aus der Dersicherimgspflicht aus. Jeder

Volks- und Mittelschulen in den größeren Ge° I meinben des Landes der deutschen Kultur erhalten bleiben werden.

Dänische Entdeutschungspolitik.

Flensburg, 2. Sept. (WTB.) Nachdem alle Borbereitungen für das am 6. September auf Knievsberg stattfindende Turn- und S p i e l f e si beendet waren und allein aus Flens­burg 400 Anmeldungen von Turnern und Be­suchern Vorlagen, hat die dänische Regierung ! die Erteilung der Einreiseerlaubnis verweigert. Als Grund dafür wird angegeben, daß die dänische Staatspolizei nicht in der Lage sei, die richtige Kontrolle über diese 400 für einen Tag einreisenden Flensburger vorzunehmen. Im Grenzgebiet herrscht außerordentliche Empö- . r u n g, da man das Vorgehen der dänischen Re­gierung als eine ausgesprochene poli­tische Maßnahme gegen das Deutsch- 1 u m betrachtet. Nach einer weiteren Meldung aus Apenrade hat die dänische Regierung auch die Er­teilung des Paßoisums für eine Anzahl Schüler aus Eutin, die mit ihrem Lehrer einen Ausflug nach Nordfchleswig machen wollten, ohne Angabe von Gründen abgelehnt.

Feldmarschall Hötzendorffs letzte Fahrt.

Wien, 3. Sept. (Z. U.) Wien hat gestern den Feldmarfchall Conrad von Hötzendorff in einer fei­nem Rang und Bedeutung entsprechenden Weise zu Grabe geleitet. Das Aufgebot an Menschen war riesig. Schon von 11 Uhr an begann sich die Um­gebung des ehemaligen Militärkafinos, wo die Leiche des Feldmarschalls aufgebahtt war, mit Menschen zu füllen: ein starkes Polizeiaufgebot umsäumte das Gebäude. 3m Saal befanden sich sämtliche Feldmarschälle und Gene­ralobersten der alten Armee sowie das ganze diplomatische Korps, Mitglieder der Regierung, zahlreiche Mitglieder der gesetz­gebenden Körperschaften und hohe staat- I liche Würdenträger. Bevor der Sarg aufgehoben wurde, hielten der H e e r e s m i n i ft c r und .der frühere K r i e g 5 m i n i ft e r Ärobatin An­sprachen. Vor dem Leichenbegängnis wurden noch Kränze überbracht, darunter einer vom Reichs­präsidenten von Hindenburg mit der Inschrift:3n treuer Kameradschaft" und ein Kranz mit schwarzgelben Schleifen und der Inschrift: Kaiserin Zita dem wackeren Feldmarschall". Dann wurde der Sarg aufgehoben und von Offi­zieren durch ein Truppenfpalier auf die Straße getragen.

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Die Friedensfreunde ohne Unterschied der Na­tion kennen eine teilweise Abrüstung und Abrüstung einzelner Länder nur als Ueber gan gs- stadium zur allgemeinen Abrüstung, die eine selbstverständliche Ergänzung jedes Schieds- g e r i ch t s und Sicherheitspaktes fein muß, und die jenen Abmachungen erst einen Sinn gibt und die Kriegsverhinderung erst aussichtsvoll macht. Als Deutscher darf ich an dieser Stelle wohl einfügen: Unser Land ist technisch bis zu einem Grade ab« gerüstet, der für alle Länder Europas ein Vor­bild fein kann. Wir warten auf eine Erfül­lung der Zusagen im Abschnitt 8 des Frie­densvertrages. Die Einlösung der dort ge­gebenen Versprechungen wird auch jenen anderen Teil der Abrüstung fördern, der nicht min­der wichtig ist, nämlich die moralische Ab­rüstung Nicht nur die Kriegsmittel, sondern auch der 'Kriegswille muß abgebaut werden, wenn die Welt vor neuen Aderlässen geschützt werden soll. Die Beseitigung der Kriegsmittel kann durch das Machtgebot eines Stärkeren erzwungen werden: die Beseitigung des Kriegswillens ist nur möglich durch Entgegenkommen, gegenseitiges Vertrauen und vollkommene Gleichberechtigung der Völker. Die Jahre nach dem Kriege haben es an dieser Gleichberechtigung oft fehlen lassen und dadurch das Tempo der moralischen Abrüstung vermindert. Wird ein Volk von 60 Millionen Menschen mitten in Europa von jeder Gleichberech­tigung ausgeschlossen, so muß darunter die Atmo- sphäre des Vertrauens leiden, der mir alle zur Vollendung des Werkes bedürfen. Ersetzen mir die Idee von der Ueberlegenheit und den Vorrechten einer Nation, welche es auch sei, durch die große Idee der europäischen Gemeinschaft, der auch Iaurds, der große Franzose, gedient hat.

Der Breslauer Gewerkschaftskongreß.

Breslau, 2. Sept. (TU.) Am dritten Ver- handlungstage wandten sich die Kommunisten gegen jedwede wirtschaftliche Demokratie und setz­ten sich für den unbedingten und un - gehindertenKlafsenkampfein, von dem sie sich allein Erfolg versprechen. Der hierbei als Gesinnungsfreund zitterte ehemalige Reichs- wirtschaftsminister Robert Schmidt ver­wahrte sich gegen die Anwürfe. Zunr Punkt der TagesordnungSozialgesetzgebung" fordert eine Entschließung des Bundesvorstandes die

Paris, 2. Sept. (WB.) Die Hauptteile der Rede, die Reichstagspräsident Lobe heute auf dem Friedenskongreß halten wollte, haben folgenden Wortlaut: Das Herz der erklärten Friedensfreunde, die auf diesem Kongreß ver­sammelt sind, die zum Teil ein Leben der Ar­beit hinter sich haben, und deren Haar ergraut ist in diesem edlen, aber mühevollen Wirken, das Herz dieser Männer und Frauen dieser Friedensbewegung schlägt höher bei dem Ge­danken. daß die kühnen Schritte der Staats­männer in lebendige Dähe geruckt haben, was sie lange Zeit als Sbeal einer fernen Zukunft ansehen mußten. BKr suh­len alle: eine neue weltgeschichtliche Epoche tritt ein wenn die alten Rivalitäten begraben und die Grundsätze des künstlichen Gleichgewichts der Kräfte erseht werden durch die große Idee gegen­seitigen Vertrauens und freundlicher ®inguc» derung in eine höhere europäische und Welt- gemeinschaft. Dicht geistige und moralriche Kräfte allein sehen wir in dieser Richtung arbeiten, sondern wirtschaftliche Notwendig- leiten zwingen eine Verständigung und dau­ernden Frieden herbei. Vorüber ist die Zett, wo einzelne Staaten Europas den gewaltigen Konkurrenzkampf der Wirtschaft auf sich nehmen und dabei zu Wohlstand gelangen konnten. Der Krieg und die Dachkriegszeit haben die materiellen Kräfte der Welt stark umgeschichtet.

Dur ein einiges Europa ist in der Lage, seinen Platz in der Welt zu behaupten. Sein Bündnis der Zukunft wird unabweisbar, wenn es N'cht unterliegen will, wenn es als ebenbürtiger Kontinent dieser Erde weiter existieren will.

Eine Zollunion der europäischen Länder aber muh die erste Etappe zur p o l i - tischet Verständigung zu den ver­einigten Staaten Europas sein. Diese politische Verständigung führt näher zu dem Ziel, dem die Friedensfreunde aller Länder zustreben: die Verhütung des Krieges. Es gibt kein nationales Gut. das so hoch wäre, um leichtfertig und verbrecherisch das Leben von Millionen auf das Spiel zu setzen, die ileberlebenben aber für ihr ganzes Leben moralisch und geisttg zu verelen­den und bis in die zarteste Kinderseele jene Grausamkeiten und Schrecken zu tragen, die von dem modernen Kriege untrennbar sind. Jedem Versuch, die Rückkehr der Kriegsschrecken praktisch unmöglich zu machen, stimmen wir, selbst wenn er zunächst Stückwerk bleibt und erst später durch Vollkommeneres reformiert werden kann, zu. Der Schtedsgerichtsgedanke, der jetzt in so erfreulicher UebereinfHmmung von den Staats­männern beider Lander erwogen wird, steht an ' der Wiege der interparlamentarischen Union.

Er steht an der Wiege der Organisation der Friedenssreunde auch in unserem Lande, dessen herrschende Schicht noch 1907 auf der Haager Konferenz ihm ablehnend gegenüberftanb.

Dabei sind wir deutsche Friedensfreunde über, zeugt, daß das obligatorische Schiedsgericht in Tätigkeit treten soll nicht nur in Fällen recht­licher, juristischer und anderer Differenzen zwei­ten Ranges, sondern daß es auch für die soge­nannten politischen Fragen Geltung erlangen soll.

Schaffung eines Arbeitsvertragsgesehes und die Schaffung eines Tarifvertragsgesetzes, weiter die Verwirllichung der Arbeitsgerichte, die Schaf­fung einer A^eitslosenversicherung und die Der- cinhettlichung der Sozialversicherung. Schließlich wird gegen die durch das Schlichtungswesen gegenwärtig geschaffene Beschränkung des Koali­tionsrechtes protesttert. Es werden größere Si­cherungen bei den Verbindlichkeitserklärungen ge­wünscht. ebenso die Beseitigung von Hemmungen bei der Durchführung von Streiks. Die weiblichen Delegierten wenden sich gegen die Kürzung der Mochenhilse. '

Beilegung des Konflikts in der

sächsischen Textilindustrie.

Berlin. 3. Sept. (Wolff). Zn den Ver­handlungen im Reichsarbeitsministerium zur Beilegung des Konflikts in der sächsischen Textil- inöuftrie wurde laut Vorwärts ein verbind­licher Schiedsspruch gefällt, der für alle Attordarbeiter eine Lohnzulage vorsieht. Die streikenden Spinnereiarbeiter nehmen die Arbeit wieder auf. Die Kündigungen seitens der Ar­beitgeber werden zurückgezogen.

Der amerikanische Bergarbeiler- ftreik.

D e u t) o r f. 2 Sept. (Kabeldienst der TU.) Der Streik im amerikanischen Steinkohlen­bergbau beginnt sich bereits auszuwirken. Der K o h l e n D e r f a n b ist praktisch zum Stillstand gekommen. Die Bahnverwaltungen begin­nen bereits, ihre Werkstätten zu schließen und die Arbeiter ihrer Reparaturwerkstätten zu entlassen. Die Bedienungsmannschaften der Frachtzüge werden verringert. Die Prophezeiung, daß mindestens 10 000 Eisenbahnangestellte durch den Kohlenstreik in Mitleidenschaft gezogen wer­den. geht rasch in Erfüllung. Obgleich große Kohlenvorräte vorhanden sind, beginnen die Kohlen preise bereits zu steigen.

Der Kultusetat im preußischen Haupt-Ausschutz.

Berlin, 2. Sept. (TU.) Der Hauptausschuß des Preußischen Landtags nahm heute eine Reihe von Abstimmungen zur allgemeinen Verwaltung des Kultusministeriums vor. Angenommen wurde ein deutschnationaler Antrag, der fordert, daß zur Einführung in den Unterrichtsanstalten nur solche Atlanten und Kartenwerke zugelassen werden, die den Forderungen des Deutschen Geo- graphentages in Breslau entsprechen. Ein weiterer Antrag wünscht mit Beschleunigung die Schaf- ung eines allgemein gültigen Pri­vatschulrechtes. Zur Förderung der völ- chen und kulturellen Belange des Ausland- und Grenzdeutschtums soll eine stärkere Fühlungnahme mit der Reichsregierung angestrebt werden. Angenommen wurde ein demokratischer Antrag, daß veraltete Schulbücher endgül- ng untersagt werden und die Einführung neuer Schulbücher nur gestattet wird, wenn sie selbst den Bedürfnissen einer modernen staatsbürgerlichen Er ziehung entsprechen. Don volksparteilichen An trägen fand ein A..trag Annahme, der für b a c befreite Staatsgebiet Föderklassen wünscht, wenn durch Besetzungsnot geschädigte und fleißige Schüler ohne ihr Verschulden zurückgeblie­ben sind. Ein angenommener Zentrumsantrag for­dert tunlichste Förderung der Rektorats­schulen.