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Ur. 206 Erstes Blatt

175. Zahrgang

Donnerstag, 5. September 1925

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GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Der neue Kurs in der Kommunistischen Partei.

Schon vor einigen Tagen erfuhr man, daß ein Wechsel in der Leitung der Kommunistischen Partei Deutschlands eintreten werde. Der bis­herige weibliche Diktator dec Ä. P. D., die Reichs- tagSaLgeordnelc Elfriede Volke (R u t h Fische r), wird ihren bisherigen Platz an der Spitze der Partei den Genossen Thälmann und Dengel einräumen. Die Exekutive der Kommunisti­schen internationale hat einen offenen Brief von der Länge einer mittleren Broschüre an die Mit­glieder der K. P. D. gesandt, der u. a. auch die Unterschrift der gestürmten Gröhe und ihrer beiden Bachfolger trägt. Diese plötzliche Krise ist um so verwunderlicher, als noch vor wenigen Wochen (vom 12. bis 17. Juli 1925) auf dem 10. Kommunistischen Parteitag in Berlin die un­bedingte Einigkeit der Partei aufs stärkste unter­stricht toorben war. Es ist immer die Taktik der Linksradikalen gewesen, aus» der Not eine Tugend zu machen. Der erwähnte Dries aus Moskau nennt cs einen Vorzug und eine beson­dere Stärke der kommunistischen Bewegung, bat) sie eS vertragen könne, ihre Differenzen urbi et orbi bekanntzugeben. Beben Ruth Fischer wird Mahlow in dem offenen Brief besonders vor- genommen und bewußter Quertreibereien gegen Die Moskauer Internationale bezichtigt

Der Hauptgrund für das Eingreifen der Moskauer Internationale gegenüber dem bis­herigen Regime in derdeutschen Sektion" ist aus einer einzigen Tatsache zu erklären. Rus dem Stagnieren und sogar dem Rückschritt der Partei auf fast allen wichtigen Gebieten. Sonst hätte die Exekutive dec Kommunistischen Internationale bet Ruth Fischer ihren Pessi­mismus nicht so verbach: mit welchem bic De- nossin bas geistige und seelische Biveau der deutschen Parteigesolgschast beurteilte. Cs ist für die Gegner bes Kommunismus praktisch nur von geringem Interesse, persönlichen Gcgcnsät- zen nachzuspüreii Der Erguß der Moskauer Internationale ist lediglich darum bedeutungs­voll, weil er die Richtlinien für die künftige (revidierte) Politik und Taktik deS deutschen Kommunismus enthält. Besonders empfindlich waren bic in ber 3. Internationale vorherr­schenden russischen Genossen gegenüber der an­geblichen »vestlerischen Richtung", die besonders von Mahlow, aber auch von Ruth Fischer in der deutschen kommunistischen Par­tei propagiert wurde. Trotz dec ostentativ zur Schau getragenen Freimütigkeit in der Behand­lung aller Parteifragen gibt es zwei unfehl­bare Instanzen, gegen die sich fein Laien­bruder ungestraft erheben darf: Der Genosse Lenin und die Kommunistische Inter­nationale. Der erwähnte Brief lel)ut es mit Entschiedenheit ab, daß die Beuorientierung der K. P. D. ein Ruck nach rechts fei. 3m Text wird die richtige Mitte laufend in Gegensatz gestellt zu berRechten' und derIHtra-lin- fcn". In Wirklichkeit stellen die neuen Prin­zipien in dec Taktik und in ber sachlichen Politik zweifellos eine Verlagerung nach rechts bar.

Die wesentlichen Gebiete, in denen künftig ein neuer Kurs gesteuert werden soll, sind die Ge­werkschaftsfragen, die Auswahl der Füh­rerschaft. Ton und Art der Propaganda, Behandlung der Jugendbewegung sowie die Werbung unter dem städtischen Kleinbürger- t n m. Derneue Kurs" in der Gewerkschaftspolitik ist nicht neu; er ist nur nach der Meinung der Moskauer Internationale in Deutschland nicht ent­schieden genug befolgt worden. Als wichtigste prob tische Forderung wird die Schaffung eines starken linken Flügels in den Gewerkschaften gefordert. Eng mit dieser Forderung hängt die weitere Forde- rung zusammen, besonders gewerkschaftlich geschulte und erprobte Parteigenossen in führende Stellungen zu berufen. Die Werbung in Gewerkschaftskreifen ist ohne eine Revision des bisher in der kommu­nistischen Propaganda herrschenden geradezu rüpel­haften Tones nicht möglich. Es wird in dem Brief sogar zugegeben, daß an Sch l ä g e r e i e n zwi­schen Kommunisten und Sozialdemokraten die Kommunisten häufig nicht ohne Schuld seien, und daß solche Darbietungen, welche die Masten der Arbeiterschaft dem Kommunismus feindselig zu fhmmen geeignet sind, künftig unterbleiben müßten. Der Moskauer Brief empfiehlt sogar direkt eineinnerparteiliche Demokratisierung". 3n Zu­kunft werden die Bolschewisten mehr Gewicht auf die Quantität als auf die Qualität ihrer Anhänger­schaft legen) nachdem sich das in Rußland erprobte Rezept einer kleinen, aber unbedingt homogenen Partei bei der sozial und kulturell so grundverschie­denen Schichtung des deutschen Volkes als un­brauchbar erwiesen hat.

Die Gegner bes Kommunismus bürsen sich nicht verhehlen, baß bet neue Kurs bic Bewegung nicht ungefährlicher, sondern im Gegenteil c r - heb!ich gefährlicher machen kann. Die Hauptpropaganba soll in bie 'Betri ebe ver­legt worben. In ber Zeit zunehmender Wirt- fchastSschwierigkeiten werben wir also mit einer noch gründlicheren Verhetzung der Arbeitnehmer­schaft zu rechnen haben. Die Unterktriften unter dem Moskauer Brief deuten daraus hin, bah die Krise in der KPD. endgültig beigelegt ist Es wirb sich Herausstellen, ob nicht vielleicht doch aus der persönlichen Anhängerschaft Mahlows und ber Ruth Fischer eine Revolte gegen bas Moskauer Diktat ausbricht. Wahrscheinlicher ist es, dah der deutsche Kommunismus zu einer glat­teren und dafür um f0 gefährlicheren Taktik übergeht. 1 .

Völkerbundsaustakt in Genf.

Die leitenden Männer. Deutschlands Schatten.

® ettf. 2. Sept. (TU.) Die Dollversamm- lang des Völkerbundes im September, zu der 55 Staaten ihre Vertreter entsenden werden, wird in ihrer äußeren Ausmachung keineswegs hinter ber Versammlung vom Herbst 1924 zurückstehen. (Snglaub und Frankreich werden auch in diesem Iahre durch ihre Ministerpräst- denten vertreten fein. Die meisten euro­päischen Staaten entsenden ihre verantwortlichen Außenminister, die auhereuropäjschen Län­der ihre Botschafter und Gefaudten in Öen Zentren Europas.

Besonders interessant ist

die Zusammensetzung der französischen Dele­gation.

Da Franiceich zur Zeit den Vorsitz im Völker­bunds rat führt, wird der französische Mi­nisterpräsident auch die Vollversammlung durch eine Ansprache eröffnen. Pain 1 eve hat aber bereits bekannt gegeben, daß er nur bis zum 11. September in Genf bleiben kann. Bach seiner Abreife wird B r i a n d die Führung der fran­zösischen Delegation übernehmen. Ihm zur Seite stehen Iouvenel, ber Chefrebatteur des Pa­riserMatin" und der bekannte Grohindustrielle und Abgeordnete L 0 u ch e u r. Der Sozialist Paul D 0 n c 0 u r wird nach der Abreise Painleves den vierten Delegiertenposten einnehmen. Als Tor- sitzender der Kammerkommission für die nationale Verteidigung, die Herriot eigen» für ihn schuf, hat er in allen Beratungen deS Völkerbundes über Abrüstungsfragen eine maßgebende Rolle gespielt. Der mahgebende Jurist des Quai bOrfat), Zromagcot, der gleichfalls nach Genf kommen sollte, wird zunächst durch die Be­ratungen der drei Sachverständigen in London über den Sicherheitspakt ferngehalten werden. Die französische Delegation wird durch den Ge­werkschaftler Z 0 u h a u x und den Chef der DolkerbundSabteilung am Quai d'Orsay, den Gra­fen C l a u z e 1, vervollstätidigt. Driand wird per­sönlich von seinem Kabinettschef Arne-Le roy begleitet Frankreich hat somit seine besten Poli­tiker von internationalem Ruf für bie Genfer Verhandlungen ausgewählt.

Die englische Regierung und die Dominions, die getrennt in Genf auftreten, verhandeln und abstimmen, entsenden besonders starke Delega­tionen. England hat den Ministerpräsidenten Baldwin als Führer seiner Abordnung in Aussicht genommen, doch liegt eine offizielle Bestätigung ber Beteiligung Balbwins noch nicht vor. Er wird vermutlich, ebenso wie Painleve. nur einige Tage in Genf bleiben. 3n feiner Ab­wesenheit rückt Chamberlain an feine Stelle. Beben ihm gehören der englischen Delegation an: Lord Cecil. Englands langjähriger Vertreter beim Völkerbund und Vorkämpfer feiner Ideen in England, die Herzogin von Atholl. Mitglied des Hinterhauses und Hntcrftaatafelre- tär, und der Abgeordnete Artur Samuel. Der Jurist des Foreign Office, Cecil Hurst, wird fürs erste, ebenso wie Fromageot. durch die Londoner Verhandlungen zurückgehalten. Die Dominions entsenden neben führenden ört­lichen Politikern ihre Hohen Kommissare in Lon­don ; Indien den Grafen W i l l i n g d 0 n und den Maharadscha von Patiala, der, wie cs einem regierenden indischen Fürsten zukommt, mit 54 Personen Begleitung und 300 Koffern in Genf eingetroffen ist.

Italien,

das den Völkerbundsversammlungen mit skep­tischer Reserve gegenübersteht, hat cs nie für nötig befunden, namhafte Leute in Genf für sich spcechrm zu lassen. Sehr zu unrecht. Denn der italienische Einfluß ist hierdurch auf ein Mindest- mäh beschränkt. Senator S c i a l 0 j a gehört zu dec Garde einst verdienter Politiker, die heute feinen entscheidenden Einfluß mehr besitzen. Spanien hat im Pariser Gesandten Quino- ncs de Leon einen geschickten Diplomaten, ber häufig zum Austrag ber Gegensätze im Schoße des Rates beitrug. Seine franzofenfreundliche Einstellung läßt ihn oft eine deutschfeindliche Haltung einnehmen. Als Berichterstatter in den Danziger Fragen hat er reichlich Gelegenheit ge­habt. dies zu bekunden. Graf Ishii, der als schweigsamster Diplomat in Europa besondere Wertschätzung unter den Alliierten genießt, wird gemeinsam mit Baron Adatci Iapans In­teressen in Genf vertreten

AuS Belgien

kommt ber Außenminister Danbervelde, doch ist bic Regierung klug genug gewesen den frühe­ren Außenminister und geschicktesten Rechtsanwaft Belgiens Paul Hymans mit der dauernden Vertretung in Genf zu beauftragen, da Dan- dervelde gleichzeitig mit Painleve und Baldwin abreifen wird. Hymans darf mit Recht als all- genrirxr Liebling ter Völkerbunds kreise bcz ichnet werden, denen er durch seine juristischen Kennt- nissc mehr als einen wertvollen Dienst geleistet hat. Auch die Tschechoslowaket befindet sich in der angenehmen Lage, in ihrem Außen­minister Dr. Bene sch einen Mann zu besitzen, der in Genf entscheidenden Einfluß ausübt. Er und Hymans sind die stärksten Stützen bet unter französischem Einfluß stehenben Gruppe. Der Ber­ner Gesandte V e v e r k a^ der Pariser Gesandte O s u s k y vervollständigen die tschechoslowakifche

I Delegation. Polens Außenminister Graf S k r z y n s k i gilt als elegantester und .schönster"

I Mann der Völkerbundsversammlungen. Während

des Weltkrieges österreichischer Offizier, erwarb er sich zwei Tapferkeitsmebaillen im Kampfe gegen bic Entente, beten treuester Anhänger er heute ist. Auch in Paris scheint man in bieser Beziehung ein recht kurzes Gebächtnis zu haben.

Schweden

hat für den verstorbenen Sozialisten D r a n - t ing nur schwer einen Ersatz gefunben. Dem schwedischen Außenminister linden ist es bisher nicht gelungen, seinen abweichenden Anschauun­gen der geschlossenen Phalanx des Rates gegen­über Oeltnug zu beschaffen. Fritjof Bansen ist Borwcgens würdiger Repräsentant, ber dänische Gesandte in Berlin Zahle vertritt Dänemark. Aus Estland kommt ber Außen­minister P u sta. aus Cettlan b ber Bach­folger bes verunglückten Ministers Meierowicz. Finnlanb delegiert den Gesandten En keil, Oesterreich den Grasen M e n s d 0 r f, bei Kriegsausbruch Botschafter in London, Ungarn den Grafen App 0 nyi, ber sich durch sein mannhaftes Eintreten für die entrechteten Min­derheiten den Zorn dec letzten Vollversammlung zuzog.

Wir nennen anschließend: fürH 011anb den Ministerpräsidenten van K a r n e b e ck, für bic Schweiz Bundesrat M 011 a, für China seinen römischen Gesandten Tang-tsai-fou, für Rumänien den Außenminister D u c a, für Jugoslawien den Außenminister Bin- t s ch i t s ch und den kroatischen Dauernführec R a- ditsch, für Persien den Prinzen A r f a - eb-Dowleh, für Griechenland den Außenminister R e n t i s, einen homo novus in Genf, nachdem ber frühere griechische Delegierte und namhafte Staats recht lec P 01 i t i s bei bet neuen griechischen Regierung in Ungnabc gefallen ist, und endlich Baron Lehmann, den weihen Pariser Gesandten der Bcgerrepublik Liberia.

Die süd- und mittelamerikanischen Staaten haben ihre Vertreter noch nicht bekanntgegeben. Nur von Brasilien liegt eine Liste vor. Auf Mello Franco, der an ihrer Spitze steht, sind die neuen Bestimmungen des Rates für die Be­handlung dec Minocitätenfrage zurückzufühcen, die es Deutschland im Falle seines Eintrittes unmöglich machen werden, für die Rechte der Minderheiten sich einzusetzen. Der türkische Außenminister Tevfik Ruchdy Bey wird nur an den Rats- sihungen teilnehmen, soweit sie die Mossulfrage be­handeln. Ihren Eintritt in den Völkerbund hat sich die Türkei bis zur Entscheidung in der Mossulfrage vorbehalten. Auf der Genfer Dolloersammlung wer­den außer ihr Deutschland und Rußland, die Vereinigten Staaten von Nordamerika, Mexiko und A r q e n t i n i e n f e h 1 e n. Die '-Ber­einigten Staaten werden einen Beobachter entsenden, doch wird dies vermutlich nicht der Oberst House sein, der zur Zeit in der Schweiz weilt. Auch aus Deutschland wird eine größere Anzahl von unver- antwortlichen Politikern und Völkerbundsfreunden unter Führung des Herrn v. Ger 1 ach erwartet. Halboffizieller Beobachter im Auftrage der Reichs- reaierung wird ber Genfer Generalkonsul Asch - mann sein.

Eröffnung der Ratstagung.

Genf, 2. Sept. (Wolff.) Die 355. Rats­tagung wurde heute vormittag vom französischen Außenminister Brian b ohne jeden Hinweis auf die Wichtigkeit gewisser Punkte der Tagesord­nung eröffnet. Die Vorbesprechungen der Delegationsführer haben dazu geführt, dah die Mossulfrage nicht auf ber Tagcsorbnung der ersten Sitzung des Dölkerbundsrats erscheint. Der Rat genehmigte heute vormittag bebatt los und in rascher Folge die Berichte über bie Vorarbeiten zur Schaffung einer internationalen Ver­sicherung bei Elementarkatastro- phen über bie Entsendung einer Llntersuchungs- kommission in gewisse Opium fabrizierenbe Län­der und über die Maßnahmen zur Abschaf­fung der Sklaverei. Die Frage ber grie­chischen Minberheiten in Konstantinopel würbe auf Antrag bcs Berichterstatters Ishii- Iapan auf die nächste Session am kommenden Dezember vertagt.

Der Licherheitspatt in Genf.

Einigung der alliierten Außenminister

Genf, 2. Sept. (TU.) Obwohl bie Rats­sitzung bes Völkerbundes erst ben Auftakt für die Völkerbundsversammlung, die am 7. Sep­tember beginnt, bildet, haben sich bereits zahl­reiche führende Diplomaten in Genf eingefunden, die an den Sitzungen bes Rats teilnehmen, oder politische Verhandlungen führen. Die Anwesenheit des englischen, französischen und bel­gischen Außenministers gibt der Genfer Zusam­menkunft eine besondere Bedeutung. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß hinter ben Kulissen lebhafteDerhandlungen über den Sicherheitspakt geführt werden. Der heutige Bachmittag ist bereits sitzungsfrei, um ben drei Außenministern Gelegenheit zu geben, sich in aller Ruhe über bie Lage aussprechen zu können. Die aus London eintreffenben Mittei­lungen über bie Beratungen der juristischen Sach­verständigen bildeten hierfür die Grundlage

Heber bie Unterredung zwischen Chamber­lain und Danbervelde, bie etwa eine SHunde bauerte würbe von b c l gi f dj c r Seite im Auftrag Danderveldes folgende haidoffizielle I Mitteilung gemacht: _____

Alle drei Staatsmänner waren sich voll­kommen einig über die Grundlage für den Sicherheitspakt. Den juristischen Sachverständigen in London liegt ein sorgfältig ausgearbeitetes Projekt vor, mit dem auch di« belgische Re­gierung sich in allen Einzelheiten einver­standen erklärt hat. Hieraus bars aber nicht der Schluß gezogen werden, daß Deutschland nun vor vollendete Tatsachen gestellt werden sott, int Gegenteil, Deutschland soll doll« Frei­heit haben, zu dem Projekt Stellung zu nehmen und Gegenvorschläge zu machen. Die Besprechungen der drei Außenminister in Graf werden fortgesetzt werden, sobald neue Rach- richten von den Sachverständigen in London vvrliegen, die ständig da, Fvrtschreiten ihrer Arbeiten berichten.

Obgleich also Deutschland in Genf nicht ver­treten sein wirb, hat man den Eindruck, daß bie wichtigsten Besprechungen des Bundes der Gestaltung ber zukünftigen Be§i c- Hungen her einzelnen Staaten und bcS Volker- bunbes zu Deutschland bienen sollen. Richt mit Unrecht ist behauptet worden, daß bie wich­tigste Vertretung "4n Genf ber Schatten Deutschlanbs ist, ber hinter allen Derhanb- lungen steht. Die Gerüchte wollen nicht ver­stummen, die von einer bevorstehenden Zusam­menkunft Chamberlains mit Strese- m a nn in Lausanne wissen wollen. Die Be­deutung der Losung deS sogenannten deutschen Problems wird von allen Teilnehmern fo stark empfunden, daß hiergegen das Intereste für die Regelung ber M 0 ssul -Streitfrage in ben Hin- tergrunb tritt.

Der internationale Friedenskongreß.

(Sin deutsch.französischer Zwischenfall.

Paris, 2- Sept. <WTB.) Heute vormittag wurde unter dem Vorsitz des UnterrichtSministers be Monzie im großen Amphitheater ber Sor­bonne ber 24. Friedenskongreß eröffnet Am Vor- stanbstisch hatten Platz genommen: Präsident deS Kongresses, R t ch e t von der Akademie ber Wis­senschaften, Le Fotzet, Generalsekretär ber Or* ganisations kommission. ber Vizepräsident des bel­gischen Senats, Lafontaine, ber Rektor der Universität Paris, Appell, der Präsident dec luxemburgischen Kammer. Blum, der Vizepräsi­dent dec bulgarischen Sobranje. W a t a w.Reichs- tagSpräsident L 0 ebc und als Delegierter der englischen Friedensverbände Angel. Bach An­sprachen der Delegierten verschiedener Länder be­grüßte Minister de Monzie die Teilnehmer im Barnen der Regierung, einer Regierung, bie, wie er sagte, alle ihre Gebanlen in ben Dienst des Friedens gestellt habe, und im Barnen eine« Landes, das niemals über die Art und Weise, wie man den Frieden vorbereiten und erhallen könne, im Zweifel gewesen sei. weiter im Barnen eineS Volkes, das von den ältesten Zellen an die Erwägung des Friedens den Vorteilen der Macht vorgezogen habe. < I) Frankreich sei ein Land des Rechts, eine Akademie der Gerechtigkeit, eine Schule für die freie Aussprache, und heiße deshalb ben Kongreß willkommen. Der Friede sei nicht so sehr eine Herzensangelegenheit als vielmehr eine Sache des Intellekts. Alles, was von beni Schul) oder her Initiative ber Regie­rung abhänge, stehe ben eintoanbfrcien Fremben zur Verfügung. Der Franzose forbere nur Achtung vor seinen Toten und Respekt vor den Verträgen.

Als Dertreter der deutschen Delegation auf dem Friedenskongreß haben RcichstagSpräsi- dent Lobe und Reichsmfnfster a. D. Koch die Vertreter der deutschen Presse empfangen.

Koch betonte, daß er nicht als Mitglied ben Friedensvereinigung, der er tatsächlich nicht an» gehöre, sondern auf Grund einer von den fran­zösischen Linksparteien an die Linksparteien deS Deutschen Reiches ergangenen Einladung ge­kommen fei. Er und Frau Lüders find als Vertreter ber Deutschen Demokratischen Partei erschienen, während für die Sozialisten Reichs- tagspräfident Lobe und der Abgeordnete Dr. V c e i t s ch e i d gekommen sind. Der Kongreß werde von den Regierungen Frankreichs und Deutschlands mit Interesse verfolgt. Lobe teilte mit, daß ihm Reichsaußenminister Dr. S t re fe­rn ann einen Bries geschrieben habe, worin ec feiner Hoffnung auf Erfolg des Kongresses Aus­druck gibt. Gleichzeitig 'Kaben die beiden Herren eine authentische Darstellung des bedauerlichen Zwischenfalles, der bei der gestrigen Er­öffnung die deutschen Vertreter betroffen habe. Reichstagspräsident Lobe ist vom Kongreß eingeladen worden, im Anschluß an die Er­öffnung eine Ansprache zu halten, wobei vorausgesetzt wurde, daß Herriot zur Er­öffnung kommen würde. Indessen ist Herriot nicht erschienen.

Als Lobe trotzdem das wort nehmen wollte, wurde ihm von den Franzosen nahe gelegt, feine Ansprache nicht selber vorzutrageu, fon- dern verlesen zu lassen. Das lehnte jedoch Lobe im Einverständnis mit den übrigen Mitgliedern der deutschen Delegation ab.

Die deutschen Vertreter blieben im Saal, aber sie werden es von den weiteren Verpflichtungen mit 1 der Äongreßleimng abhängig machen, ob sie dem