Ausgabe 
3.8.1925
 
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m. 179 Zweiter Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)Montag, 5. August (925

Das 32. Mittelrheinische Kreisturnfest.

Der zweite Tag.

Viehen, 1. August 1925.

3n der Müllerschen Badeanstalt begannen beute früh die Wettkämpfe im Schwim­men, auf dem Festplatze (Trieb) nahmen die Wettkämpfe im Spielen ihren Anfang.

Schwimmen.

Die Dormlltagskämpse.

Der Schauplatz der Schwimmwettkämpfe, die er« freulicherweise im Nahmen des 3 2. M i t t e l r h. Kreisturnfestes einen großen Raum einneh- men, die Müllerfche Badeanftalt, prangt in festlichem Flaggenschmuck. Die einzelnen Kamps, bahnen sind, soweit dies bei den Wasserverhältnissen in Gießen möglich ist, mustergültig hergerichtet. Eins fehlt freilich, die Sonne. Doch lassen sich die sport­begeisterten Jünger des nassen Elements auch dann nicht abhalten, um den Sieg im friedlichen Wett» tompf zu streiten, wenn den meisten der nicht be­sonders zahlreich erschienenen Zuschauer Schwimmen und Springen bei solchem Wetter etwas srostig dünkt. Trotz allem hatte man gerade diesem Teil de» Festes einen stärkeren Besuch gewünscht, oder sollte der schöne Schwimmsport in Gießen noch immer nicht ganz Fuß gefaßt haben?

Die Verschiedenartigkeit der Wettbewerbe läßt eine Abwicklung auf einer einzelnen Bahn nicht zu, es muß deshalb auf sämtlichen Kampfbahnen ge­schwommen bzw. gesprungen werden. Alles in allem zeigen schon die Bormittagswettkämpfe, daß auch im Mittelrheinkreis der Deutschen Turnerschast der Schwimmsport viel Anhänger gefunden hat und in den einzelnen Vereinen eifrig gefördert wird. So sind denn auch die Leistungen durchweg als recht g u t anzusprechen. Die geschwommenen Zeiten mögen etwas von den Strom- und Tempcraturver- hältnissen abhängig sein, heroorzuheben sind die Spring konkurrenzen, die bei den Zu­schauern allgemeinen Anklang finden.

Nachstehend die Ergebnisse der Vormittags-Wett- kämpfe:

Brustschwimmen für Altervturner.

1. C. Teichmann, To. Saarburg 1884, 38z Sek

2. C. Schäffler, To. 1848 Saarbrücken, 38t Sek.

3. Heinr. Klüh, To. Frankfurt a. M. 1860, 39 Sek.

E. Schäffler führt bis kurz vor das Ziel, doch gewinnt Teichmann weiteres Terrain und siegt mit Handschlag vor Schäffler.

Lagenschwimmen für Turnerinnen.

(Oberstufe, 200 Bieter.)

1. M. Angersbach, To. Offenbach a. M., 3^3z Min.

Lagenschwimmen für Turner (Oberstufe, 200 Meter).

1. Heini Fuchs, To. Offenbach a. M., 3,18§ Minuten.

2. Jos. Rostka, Turn-Ges. Trier, 3,35g Min. Lagenschwimmen f. Turner (Mittelstufe. 100 Meter).

1. heinr. Tilly, To. Offenbach a. M., 1,35g Minuten.

hand-über handschwimmen für Allersturner. (Oberstufe, 50 Meter.)

1. heinr. Klüh, To. Frankfurt a. M. 1860, 36z Sek.

Wafserballweitwurs für Turner (Oberstufe).

1. Hans M a t t h a e i, To. Frankfurt a. M. 1860, 16,50 Meter.

2. Karl Kilburg, Tv. Malstadt, 15 Meter.

Wosserballweitwurs für Turner (Mittelstufe).

1. Ferd. Troll, Tgde. höchst a. M., 1847, 13,60 Meter.

Streckentauchen für Altersturner.

1. heinr. Klüh, Tv. Frankfurt a. M. 1860, 40 Meter.

Streckenlauchen für lurncrinnen (Mittelstufe).

1. Grete Braun, Tgde. Darmstadt 1846, 24,80 Meter.

Slreckentauchen für Turner (Oberstufe).

1. W. S ch a d r o w s k y, Tv. Frankfurt a. M. 1860, 42,30 Meter.

Streckentauchen für Turner (Mittelstufe).

1. Fr. Kratz, Tv. Büdingen, 51,10 Meter.

2. Joh. Becker, To. Finthen, 45,30 Meter.

3. Otto Steinbach, Tgde. Sachsenhausen, 40 Meter.

4. 211fr. Böschen, Tv. Eberstadt, 40 Meter. Gaustaffel für Turner (5mal 50 Meter beliebig).

1. Gau Offenbach-Hanau, 3,05 Minuten.

Die Nachmittagskämpfe.

Der Weltergott hatte sich doch erweichen lassen und während der Aachmittagswettkämpfe die Sonne wenigstens nicht ganz hinter den Wolken gehalten. Die Abwicklung der Kämpfe ließ sowohl vom Standpunkt der Zuschauer, als auch vor allem der Wettkämpfer selbst zu wün­schen übrig. Durch allzugroße Lücken in der Reihenfolge der Wettbewerbe tritt gerade bei Deranstaltungen schwimmsportlicher Art leicht eine Ermüdung bei den Zuschauern ein, und ihre Werbekrast, die doch auch hier als außerordent­lich notwendig angesehen werden muß, erleidet dadurch keine geringe Einbuße. Immerhin ist die Leitung des Festes dadurch, daß man sich vorzeitig für die einzelnen Wettkämpfe auf eine bestimmte Zeit festgelegt hatte, für diesen Kebel- stand nicht allein verantwortlich zu machen.

Erfreulicherweise wurde nicht versäumt, auf die Bedeutung des Rettungsschwimmens hinzuweisen und unterstützt durch praktische Dor- führungen im Rettungsschwimmen für die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft zu werben. Höhepunkt« der Veranstaltung waren, was den sportlichen Teil anbelangt, das Turm­springen und das Freistilschwimmen über 100 Meter für Turner. Auch die Mittelrheinstaffel, eine gemischte Staffel (50-Meter- und 100-Meterlauf und 50-Meter und 100-Meterschwimmen) wurde mit besonderem Interesse verfolgt. Sin Wasserballspiel um die Kreiömeisterschaft zwischen T.V. Malftatt und T. D. Offenbach, das Offenbach mit 2:5 Toren gewinnen konnte, gab den Wettkämpfen einen guten Abschluß.

2m Ganzen genommen gaben die Schwimm- wettkämpfe des 32. Mittelrheinifchen

Kreisturnfestes einen Lieberblick über die seither geleistete Arbeit auch auf dem Gebiet des Schwimmens, und es mag mancher in den heimischen Verein zurückkehren mit der Erkennt­nis, aus die schon die alten Turnvater immer wieder hingewiesen haben, daß dasW asser- t urnen" mit an erster Stelle unter den Leibesübungen unserer Jugend ste­hen muß.

Aus den Ergebnissen der RachmittagsweU- kämpse, die auf der 50- bzw. 100-Meter-Dahn im Strom mit Startsprung auSgefochlen wurden, heben wir folgende hervor:

Brust st affel fürTurnerinnen: 4x50-Meler-Mitte)stufe: Turnverein

Gießen 1846 3,47 Min.

Hauptspringen für Turner, Ober­stufe: ,

Wilh. Schadrowsky. Turnverein 1860 Frankfurt a. M. 66 V- Punkte und Willi Schä- f e r, Turnverein Wetzlar 59 Punkte. Freistilstaffel 4x100 Meter. Ober­stufe für Turner:

Turnverein Offenbach 6,13*/» Min.

Turmspringen für Turner. Ober­stufe:

Dil^ Schadrowsky, Frankfurter Turn­verein 1860 50 Punkte. Hans Listmann, Frank­furter Turn- und Fechtklub 47V, Punkte. Hauptspringen für Turnerinnen.

Mittelstufe:

Lina Greif, Turnverein Völklingen 1878 29 Punkte, Leonie Koch, Frankfurter Turnverein 1860 27 Punkte. Gretel Sames, Turngemeinde Friedberg 26 Punkte, Marie G a u f f, Turn- gemeinde Friedberg 26 Punkte '.

Freistilschwimmen für Turner, 100 Meter. Oberstufe.

1. Heini Fuchs, Turnverein Offenbach 1,32V» Minuten.

Freistilschwimmen für Turner, 100 Meter. Mittel stufe.

1. Franz Kannstein, Frankfurter Turn­verein 1860 1,10 Min. 2 Willi Görbing, Turngemeinde Friedberg 1,13V» Min. Brustschwimmen für Turnerinnen,

100 Meter. Oberstufe.

1. Minna Angersbach, Turnverein Offen­bach 1,30 Min.

Brustschwimmen f ü r Turnerinnen, Mittelstufe. 50 Meter.

Lotte Hoffmann, Turngemeinde Darm­stadt 1846 42'/» Sek., S. Habermann, Turn­gemeinde Büdingen 44V» Sek., Grete Braun, Turngemeinde Darmstadt 1846 45V» Sek. Brustschwimmen für Turner, 100 Wir.

1. Ehr. Ziegler, Turnverein Gießen 1846, 1,20V» Tttn.; 2. Ernst Hüter, Turngesellschaft Darmstadt, 1,22'/» Min.: 3. Kurt Gerth, Turn- gemeindc Friedberg, 1,23'/» Min.: 4. Heinr. Ha­bich, Turngesellschaft Darmstadt, 1,23V» Min. Mittel-Rhein-Staffel für Turner­innen, 50- und 100-Meter-Lauf, 50- und 100-Meter-Schwimmen.

1. Turnverein Offenbach, 4,32V»Min. Mittel-Rhein-Staffel für Turner, 50* und 100-Meter-Lauf, 50- und 100-Meter-Schwimmen.

1. Turnverein Offenbach, 3,22V»Min.

Auf dem Trieb nahm die turnerische Arbeit heute morgen ihren Anfang mit den Wettkämpfen im

Turnspiel.

Die Wettspielfelder sind gut hergerichtet, nur war der Boden zu Anfang infolge der vorausge­gangenen heftigen Regengüsse stellenweise zu weich. Die Witterungsoerhältnisse waren für die Spiele sehr günstig. Eine Anerkennung muß auch der Leitung ausgesprochen werden, die die umfang­reiche Arbeit in bestem Einoernhmen mit den sorg- faltig ausgewählten Schiedsrichtern reibungslos er- ledigte. Dem umsichtigen Kreisspielwart Bär (Frankfurt a. TL) standen als Obmänner für die einzelnen Spielarten bewährte Turnspieler zur Seite, und zwar Wagner (Tv. Griesheim a. M.) im Faustball der Männer, Klinger (Eintracht Frankfurt a. TL) im Schlagball, Lehr (Tv. Pfungstadt) im T r o m m e l b a l l und F le inert (Tv. Wiesbaden) für die Turn­spiele der Turnerinnen.

Die Wettspiele erlangten eine erhöhte Bedeutung dadurch, daß sie die

(Endkämpfe um die kreismeislerfchafl darstellen und die Sieger in den einzelnen Ium» spielarten den Mittelrheinkreis bei den Meister- schastsspielen der Deutschen Turnerschaft zu ver­treten haben. Alle Mannschaften, die hier auf dem Plane erscheinen, haben angestrengteste Arbeit hin­ter sich, muhten sie sich doch im Bezirk, Gau und Gauoerband schon die Meisterschaft erringen. So bieten uns die hiesigen Spiele eine 'Auslese aus der großen Zahl der Spielmannschaften des Mittel­rheinkreises. Man durfte so von vornherein erwar­ten, daß sich die in den Kämpfen gezeigten Leistun- gen auf einer beachtenswerten Höhe bewegen, zu- mal auch Deutsche 'M e i st e r im Wettbewerb stehen. Nachdem wir die am heutigen Vormittag ausgetragenen Wettspiele beobachtet haben, müssen mir feststellen, daß ein erheblicher Fortschritt auf dem Gebiete des Turnspiels in unserem Kreise zu verzeichnen ist. Nicht nur sind diesmal alle Gau­verbände durch Meisterschaften vertreten, es muß auch ohne Uebcrtreibung feftgeftellt werden, daß die Leistungen an und für sich und im besonderen auch die Feinheit und Flüssigkeit der Spielweise sich wesentlich gebeffert haben. Die Zuschauer, die sich in den frühen Morgenstunden schon in recht beträchtlicher Zahl eingefunden hatten, verfolgten mit lebhafter Anteilnahme die zum Teil äußerst spannenden Wettkämpfe, die in ihrem ganzen Verlauf Meisterschaftsspiele im besten Sinne des Wortes waren.

Empfang durch die Stadtver­waltung.

Heute vormittag um 21 Uhr veranstaltete die Stadtverwaltung zu Ehren des Kreis- turnf eftes einen Empfang der Kreisleitung

des Mittelrheinlreifes und des Gießener Gejchäfts- führenden Ausschusses. In Verbindung mit diesem Empfang gab die Stadtverwaltung den Leitern und dem Ehrenausschuß des Kreisturnfestes im GasthausHindenburg" ein Frühstück, bei dem Oberbürgermeister Keller in einer launigen An- prache betonte, daß die Stadtverwaltung mit die er Veranstaltung ihrer Freude über die Teran taltung dieses Festes in unserer Stadt Ausdruck geben möchte. Sein besonderer Gruß galt den Fuh. rem des Mittelrheinkreises der Deutschen Turner- schäft, denen er bestes Wohlbehagen in unserer Stadt, vollen Erfolg ihrer Arbeit und die angc- nchmsten (Erinnerungen an das hiesige Turnfest wünschte. Ein begeistert aufgenommencv Hoch auf die mittelrheinischen Käste unserer Stadt schloß tne Ansprache unseres Stadtoberhauptes.

Namens des Mittelrheinkreises und der Kreisleitung antwortete Schulrat Schmuck (Darmstadt), der erste Kreisoertreter des Mittelrheinkreises, mit herzlichen Dankeswor- ten an die Stadt Gießen für die überaus gast­freundliche Aufnahme in Gießen, die ein leuchten des Blatt in der Geschichte des Mittelrheinkreises der Deutschen Turnerschast sein werde. Bei dem Kreisturnfest handle es sich nicht nur darum, die tur­nerische Gewandtheit des Körpers zu zeigen, son­dern es solle bei dieser Gelegenheit auch bekundet werden, daß die Bestrebungen der Deutschen Tur- nerschaft auf die Pflege des deutschen Volkstums und auf die Wiederaufrichtung des gesamten deut­schen Vaterlandes gerichtet feien. Der Redner wünschte, daß das Kreisturnfest in Gießen sich zum Wohle der Deutschen Turnerschast und zur Vermeß- rung des glänzenden Rufes der Turnerstadt Gie­ßen auswirken möge. Sein Hoch galt der Stadt Gießen.

Der zweite Kreisvertreter des Mittelrheinkrei- fes, Kommerzienrat Schill (Osthofen), brachte die allseitige Zufriedenheit der Miitelrheiner bei der Herrichtung des Kreisturnfestes in Gießen zum Ausdruck und wünschte dem 32. Mittelrheinischen Kreisturnfest und der Stadt Gießen einen glänzen- den, in allen Teilen wohlgelungenen Verlaus der Veranstaltung.

Ein gemütliches Beisammensein der Vertreter der Gießener Stadtverwaltung mit den Mitgliedern der Tumfestleitung schloß die anregend verlaufene Veranstaltung.

Der Wettkampf der Heiteren.

o Nachmittags 2 Uhr begann der Neun- kampsderAelterenin zwei Altersklassen und der volkstümliche Dreikampf ber Melie­ren in einer Klasse. Zu dem ersteren hatten sich in der 1. Altersklasse (3845 Jahre) 181 Turner, in der 2. Altersklasse (46 und mehr Jahre) 166 Turner gemeldet, zum Dreikampf lagen 120 Meldungen vor. Der Neunkampf bestand aus je einer Pflicht- und Kürübungen an Reck, Barren und Pferd, einer ebung aus den allgemeinen Freiübungen und zwei volkstümlichen Uebungen, nämlich Kugelstoßen und Laufen über 75 bzw. 50 Tiefer; selbstverständlich waren die Anforderungen an die beiden Alters­klassen in der Schwierigkeit entsprechend abgestuft, 120 Punkte berechtigen zum Sieg. Der Dreikampf umfaßte Hochspringen (ohne Brett) ab 0,90 Meter, Steinstoßen 15 Kg. ab 3,60 Meter und Laufen über 75 Meter; 40 Punkte berechtigen zum Sieg.

Auf den Ruf des Kreiswarts für Tlännertumen Franz Friede- Frankfurt a. M. traten nahezu 500 Wettkämpfer in 27 Riegen an unter dem Ge­sang des aus jungen Tagen her gewohnten Kampf- liebesTurner auf zum Streite . . ." Bei präch­tigem Turnwetter wickelten sich die Wettkämpfe in ruhigen, aber durchaus fröhlichen Formen ab und hatten eine große Zufchauermenge von dem doch immerhin mit allen möglichen Unterhaltungen aus- gestatteten Feftplatz an sich gezogen.

Vierkamps der Turnerinnen.

Lebhafter ging es gegenüber auf der Kampfbahn zu. Dort war unter Leitung des Kreiswartes für das Dolksturnen Eugen Kramb (Kreuznach an der Nahe) reger Betrieb fast in allen Formen der volkstümlichen Uebungen., Neben den Vorkampfen für den morgigen Sonntag wurde hier insbefonbere ber Dierkarnpf ber Turnerinnen im 100-Meter-Lauf, Hochfprung, Weilsprung unb Kugelstoßen ausge­tragen. Das Publikum nahm lebhaften Antell, zumal biefe Uebungen beutlicher ben Charakter des Wett­kampfes zum Ausdruck bringen und sich gleich an Ort und Stelle durch Maß und Zahl die Sieger Her­ausstellen. Das Miterleben der Zuschauer war ge- legentlid) so stark, daß mancher die Absperrungs- schranke über- bzw. unterkletterte in die Kampfbahn hinein; indes war diese Freude gar oft nur von kurzer Dauer, denn ber Orbnungsbienst arbeitete mit energischer Zuvorkommenheit, insbefonbere bann, wenn ber mächtige Mann mit bem weithin tönenden Sprachrohr unter dem ehrlichen, weil schadenfrohen Beifall des ordnungsliebenden Teiles ber Zaungäste ausdrücklich dazu aufforderte. Schöne Leistungen bei spannenden Kampftagen kamen des öfteren heraus:

Dreikampf der Allersturner.

Don den 111 Bewerbern konnten 90 denEichen - kranz erringen, was bei Männern von über 38 Jahren von einer guten körperlichen Rüstigkeit zeugt. Die fünf ersten Sieger kamen sogar über die höchst erreichbare Punktzahl von 60 hinaus. Wir geben nachstehend die ersten Sieger an und außer­dem die Namen der Treisträger aus dem Turngau Hessen: 1. Sieg O. Mühl, To. 1817 Mainz, 72 P.; 2. Fr. Koster, To. Homburg, 71 P.; 3. Hch. Noll, To. 1846 Gießen, 68 P.; 4. H. SUimmer, T. u. Spv. Haina, 67 P.; 5. Th. Haas, To. Glauben­heim, 65 P.; 6. F. Zerfaß, Tog. Kirn, 60 P.; 7. 21. Deringer. Tgde. Befsungen, 58 P.; 8. H. Lück, Tv. Conz-Karchaus, I. Pfasfmann, To. Groß-Zim- mem, I. Dietrich, Tv. Lisdorf, Fritz Brausi, Tv. Seligenstadt, Fritz Kemps, Tv. Weihkirchen, L. Bur- kart, T. u. F. CI. Frankfurt. 56 P.; 9. E. Dorberg, T. B. Wiesbaden, Ph. Diehl, Tv. Saardrücken-Ruß- hütte, 55 P.; 10. A. Gerharz, To. Grenzhausen, A. Resch. Tgde. Franisun. W. Ohl, To. Mainz, 54 P.; 13. H. Lang, Tv. Klein-Linden. 51 P.; 15. K. Frey, To. Lich, 49 P.; 18. R. Soldat, To. Wetzlar, 46 P.; 21. K. Lang, Tv. Alsfeld, 43 P.; 23. E Mar, To. Gießen, 41'P.; 24. H. Schwalb, To. Nidda, 40 P.

Der Vorbereitung der Wettkämpfe galten heute verschiedene

fiampfrldjterfl (jungen.

Um vier Uhr versammelten sich mehrere Hundert Kampfrichter auf der Liebigshöhe um ben Kreisober-

lumwart Freu (Mainz), der herzlich begrüßte und die Kampfrichter, die durch das Vertrauen ihrer Gaue zu dem verantwortungsvollen Amt bestimmt, mahnte, sich bei ihrer Tongkeit nur vom (Bered)- iigkeitsgefühl leiten zu lassen. (Ein herzlicher Gruß des Kreisoberturnwans galt Turnführern aus be­nachbarten Streifen, die als Gaste anwesend waren, so dein ÄrcisDcrtrcter des 10. Kreises, Schuldirektor Weiß Schwetzingen, der ein Sohn Oberhessens ist (Steinberg bei Gießen) unb dem Kreisschristwart bes 10. Kreises Gandenberger-Freiburg i. B. Für ben Ortsausschuß begrüßte Oberrealehrer Paul- Gießen bie Kampfrichter. Daraus tagten zur letzten Vorbereitung für die großen Wettkämpfe, die mor­gen und übermorgen stattsinden. die Kampfrichter aetrennt: die für das Männerturnen unter dem Kreisworl für das Männerturnen Friede-Frankfurt a. TL, die für das Frauenturnen unter dem Kr.is- frauentumroart Poller-Saarbrücken, während der Kreisoberturnwart den Rechnern und Riegenfüh- rern die letzten Weisungen gab.

Festakt im Stadltheater,

Abends um 7 Uhr versammelten sich im Stadt­theater die Kreisleitung des Mittelrheinkreise», der Geschäftsführende Gießener Ausschuß, der Ehren- und der Festausschuß und zahlreiche Vertreter der auswärtigen Turngäste zu einem Festakt, der der Ucbcrgabe des Festes an die Kreis­leitung gewidmet war. Die Veranstaltung er­freute fick; eines überaus starken Besuches; das Stadttheater war in allen Teilen bis auf den letz­ten Platz besetzt.

Die Kapelle des 1. Bails. 15. Jnf.-Regts. unter Leitung von Obermusikmeister L ö b e r eröffnete die Feier mit Richard WagnersEinzug ber Got­ter in Walhall" Hierauf sprach bas Mitglied des Stadttheaters. Karl Juhnke, den nachstehenden, von A. B i n d e w a l d (Gießen) verfaßten Will- kornmengruß:

Treudeutschen Gruß, euch lieben Turnerscharen, Die ihr aus vielen, roeitoerftreuten Gauen Don rechts und links des Rheines heiligen Auen, Auf die wir mehr als je mit heißer Inbrunst schauen. Mach Oberhessens Hauptstadt kommt gefahren.

Zu edlem Wettstreit seid ihr hier erschienen. Laßt hinter euch den dumpfen Druck der läge. Und Deutschlands kummervolle, allbekannte Klage Zerstiebt vor euch wie nächtlich dose Sage, Da es hier hohen Zielen gilt zu dienen.

Aus euch, ihr starken, deutschen Turnerbrüder Ruht unsres Volkes hoffnungvoller Thit: Wir schauen in des Stromes klare Flut Und wissen ihn in heldenhafter Hut, Kein Sturm bricht unsre Eichen je darnieder.

Ihr haltet Wacht in alten deutschen Gauen, Auf euern Schild gelehnt voll guter Zuversicht; So wendet ihr zur Sonne das Gesicht, Und euer Helmschmuck glänzt im Tageslicht, Das froh uns mahnt wie fernes Morgengrauen.

Ringsum erglühn die Burgen an der Lahn, Die Festftadt rüstet sich, euch freudig zu empfangen. Seid uns gegrüßt in eurer Mannheit Prangen, Die ihr geeint mit uns in heiligem Verlangen, Zu folgen unferm großen Führer Jahn.

Nach bem Vortrag von Richarb Wagners gro­ßer Fantasie aus ber OperTannhäuser^ durch die Militärkapelle und dem Gesangsvortrag von Kürt RichterWilhelmus von Naßauen" übergab der Vorsitzende des Gießener Geschäftsführenden Aus­schußes, Lehrer Georg Kling, das Fest mit folgender Ansprache an bie Kreisleitung des Tüttel- rheinkreises:

Tages Arbeit, abends Gäste, Saure Wochen, frohe Feste.

Ja, saure Wochen, hochverehrte Feftversamm- hing, liegen hinter uns, Wochen ber angestrengte­sten Arbeit unb ber eifrigsten Tätigkeit. Als bie Gießener Turnerschaft auf bem letzten ftreisturntag sich zur Uebernahme bes biesjährigen fireisturn- festes bereit erklärte, war sie sich wohl bewußt, welch schwere Aufgabe ihr damit beoorstand. Ader sie hat sich freudig dieser Arbeit unterzogen und hat gesucht, ben an sie gestellten Anforberungen gerecht zu werben, bamit auch ber alte Ruf Gießens als Turnerstadt sich auch diesmal wieder bewahrheite. Wir Gießener freuen uns, daß die Turnerinnen und Turner aus dem Mittelrheinkreise so überaus zahlreich unserer Einladung hierher gefolgt sind, und hoffen, daß sie sich auch in unserer Stadt wohl fühlen. Indem ich nunmehr alle unsere Gäste, be­sonders aber unsere Kreisoertretung namens der Gießener Turnerschaft auf bas herzlichste begrüße, übergebe ich bic weitere Leitung bes Festes an unseren Kreisoertreter, Schulrat Schmuck, mit bem Wunsche, baß sich bas 32. Mittelrheinische Kreisturnfest es wird Heuer zum fünften Male ein Mittelrheinisches Kreisturnfest in Gießen ge­feiert seinen Vorgängern roürbig anschließen unb einen Markstein bilben möge in der Geschichte unseres Mittelrheinkreises!

Hieraus nahm der erste Kreisvertreter des Mit­telrheinkreises, Schulrat E. Schmuck (Darmstadt) das Wort zu einer Ansprache, in ber er zunächst der Gießener yeftleitung und den städtischen und staat­lichen Behörden herzlichen Dank für ihre Vorarbei­ten bzw. Teilnahme aussprach. Er betonte weiter, es sei wünschenswert, daß die Bevölkerung nicht nur zu den Festen der Turner, sondern auch zu ihrer Arbeit auf dem Turnplatz komme, um dort die Turner in ihrem innersten Wirken kennen zu lernen. Die Turner pflegen seit Jahren deutsches Volkstum in deutscher Sprache, deutscher Sitte unb Saterlanbsliebe. Die deutsche Turnerschast verlange von jedem ihrer 'Angehörigen, daß er ein braver unb beutscher Kerl sei. denn bas Deutsch­tum zu pflegen sei höchste Aufgabe der deut­schen Turnerschast. Der Redner ermahnte weiter, unter Hinweis auf die Knechtung unserer deutschen Brüder und Schwestern im feindlichen Ausland, zu aufrechtem bewußten Deutschtum, er warnte davor, sich In 2Iüerroeltsbufelei zu verlieren, unb sortierte, daß jeber es sich zum Grundsatz nehme: Erst kommt mein Vaterland, dann kommt es noch einmal und bann kommt es zum dritten Male. (Stürmischer Beifall.) So hätten es die nderen freien Völkerschaften immer gehalten, unb io müsse es auch bei uns werden, bann würben uie Fesseln springen, die uns heute binben. (Er hoffe, daß biefer Geist sich immer mehr ausbreite, und daß unser Deutschtum sich allen Widerständen au in Trotz durchsetzen werde in der Welt. Zmn Schluß«