Nr. (27 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 5. Juni (925
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3m Sportflugzeug um die Peripherie des Deutschen Nundflugs.
Don W. D e b u s.
Man kannte die Welt aus der Vogelperspektive von der Viorblcc bis zum Suezkanal, hatte einst ii blaue» 5)uhcn über den Türmen der alten Hanse- ladi Hamburg, über den Minaretts und Mofcheen itanstantinopels, über den Gärten von Damaskus, jfer dem bMugrau schillernden, in schartige Stein- udnbe eingefaßten Spiegel des Toten Meeres seine Streife gezogen.
Unb hock le nun seit mehr denn sechs Jahren mit gekaperten Flügeln aus dem Horst, hatte, besangen » einem t'eben des Alltags unb der Gewohnheil, ib unb zu halb sinnend, halb sehnend, nach oben gestarrt, wenn wuchtige Kumuluswolken am Hori- yont sich türmten ober unendlich ferne Zirrusstreifen )ie blaue Kuppel gurteten.
Stark, übermächtig war die Sehnsucht emporgeschlagen, als die Ausschreibung des Deutschen tt u n b s l u g s der Deutschen Lportsliegerci, allen fesseln zum Trog, in ungeahntem Umfange die Schwinge» löste.
Wer da mitmachen könnte: Kreuz und quer )urd) alle deutschen Gaue, von der blauen Norb- cc bis zu den schneegekrönten Gipfeln der beut- chen Alpen, vom deutschen Rhein zur deutschen )stmark!
„Ach. daß kein Flügel mich vom Boden )cbt . .
Der Traum wurde zur Wirklichkeit.
Wie es kam? Wie alles Unerwartete, plötzlich, iberraschend. Berufliches Interesse — mein der ,eiliger Berus verknüpft mich eng mit Fragen der Wirtschaft und Sozialpolitik — hatte mich zufällig tad) Saalseld in das Werk der Schokoladenfabrik Mauxion geführt. Beim Durchwandern der aus- ;edehnten Anlagen, an der außer mir noch der lekannte Balloitführer Oberst Dr. o. Abercron teil- tahm, mitten im Stampfen der Maschinen, kamen vir auf den „Deutschen Rundslug" zu sprechen. Ich varf, wie mit einem Balle spielend, ziellos ein iaar Worte hin, über das, was mich seit langem
Roch drei Tagen hockte man in der Kiste, schnupperte den vertrauten, langentbehrten Duft ein. der etwas von Benzin und etwas von verbranntem Del und etwas von dem Cellononstrich der Tragfläche an sich hatte, und der in feiner Gesamtheit
Dem trotzigen Dorposten neu zu erkämpfender Weltstellung Deutschlands, Hamburg, entgegen. Rach Stundenspanne lag sie unter uns, die alte Hansestadt, mit ihrem weiten, villenumsäumten leuchtenden Alster Bassin, ihren grünen Gärten und
Berlin. 'Brandenburger Tor
Motor das Motiv: Luftfahrt tut not! In einem weiten Bogen ausholend biegen wir nach Westen Bremen taucht auf, in 'einer Anlage ähnlich wie Hamburg, nur fehlen die breiten Wasserflächen mit Ausnahme der sich wie ein blaues Band durch Hausergewühl und Marschwiesen hinziel,enden - . ibigtei i nd hinter- läßt barum auf ben ersten Blick einen weniger nachhaltigen Eindruck.
Binnenwärts geht der Flug über Heide unb Jtoor. Oedland. Erinnerungen an „Faust" werben ! wach: „Erschloß' ich Raum vielen Millionen, nicht ] sicher zwar, doch tätig frei zu wohnen, dies Legte wär das höchst' Errungene!"
Aus ber Ferne winkt Münster, ber Lamberti-Kirchturm reckt sich aus. Beim Räherkommen . ßenseite bie h ingenben Käsige, einst windiges Gefängnis der Wiedertäufer, erkennen
Industriegebiet. Fördertürme, gebündelte Schornsteine, lodernde Essen schwarzglänzende Schlackenhalden. Rauchfahnen ziehen, aus Schlünden der Tiefe dampst Brodern der Titanen. Das hohe Lied deutscher Arbeit ringt sich zu uns empor. Dennoch! Und wenn die Welt voll Teufel wär'!
Bergisches Land. Grüne Flächen, baumbestandene Bergkuppen drangen die Fabriken in die Tiese, an die Wasseradern hin, die sich zart um weichgerundete Xiunge legen.
Immer waldiger und bergiger wird das Gelände.
Westerwald und Tauitus werden überflogen. Silbern glänzt ein breites Band, der Rhein! Heute weniger denn je Deutschlands Grenze, wann wieder: Deutschlands Strom?
Dor uns drängt sich, immer stärker, ein zweites Band durch den Dunst, das an das breitere zur Rechten geknüpft scheint. Ein Hausermeer wächst im '.Raum und dehnt sich: Frankfurt a. M„ die alte Krönungsstadt deutscher Kaiser.
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Hamburg, Hasen-
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icroegte, unb — ber Ball würbe aufgefangen. Rach lllimitenspannung — bas den Betrieb in seiner Ge- omtheit durchpulsende, amerikantsch im besten Sinne )cg Wortes anmutende Tempo kam auch hier zum Ausdruck — halte sich bie Orunbform heraus- kristallisiert: „Wir stellen Ihnen unser Flugzeug jur Verfügung: ber Flug kann am Montag beginnen." •___________
Feuer am Nordpol.
Technisch-politischer Roman aus ber Gegenwart.
Bon Karl-August von Laffert.
>6. Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
Vorsitzende ergriff aufs neue das Wort:
„Brüder der Feme! Soeben habt ihr die Betätigung erhalten, daß unserem Bunde schwerste Gefahr drohi. Wenn die deutschen Behörden nicht )on selbst gegen uns einschreiten, so werden sie von 'en Franzosen dazu gezwungen. Diese Nachricht er- stellen wir von einer Stelle, von bet; wir sie am wenigsten erwarteten: vom Reichswehrminister!"
„Er ist ein Demokrat unb Baterlanbcoerräter!" ' rie einer der Versammelten
„Du irrst. Er ist ein ebenso guter und warmer Patriot wie wir, nur seine Hände sind ihm gebun» )en. Hört und urteilt: In unserer letzte Versammlung wurde ein Brief eines unserer ehe- naligen Brüder aus Nova Thule verlesen, der uns lufforberte, ebenfalls borthin ouszuwande^rn. Vor wenigen Tagen war Direktor Nagel, bie Seele bes tanzen Nordlandunternehmens, beim Reichswehr- ninifter, um ihn zu bitten, ber Nordlanbkompagnie ttwa tausend zuverlässige ehemalige Soldaten nam- )aft zu machen Diese Männer sollen den Kern ?iner Schutztruppe für Nova Thule bilden. Gerade !urz vorher war beim Minister bie Anzeige über )as Bestehen ber Heiligen Feme eingelaufen unb lotgebrungcn wollte er ^bereits gegen uns ein- chreiten. Da kam ihm das Angebot von Direktor Nagel sehr gelegen. Er schickte biefen zu unseren obersten Führern mit folgenber Mitteilung: Alle rgendwie bei ber Heiligen Feme kompromittierten Persönlichkeiten erhalten eine Frist von acht Tagen, im Deutschlanb zu oerlasien unb in die Dienste Nova Thules zu treten. Wer später noch im Lande ist, wird ohne Gnade verhaftet. Der Minister selber spielt bei dieser Gelegenheit um Kopf und Kragen, unsere Oberleitung sandte uns heute morgen einen Vertrauensmann zu, ben ich mitbrachte. Er wirb »uch persönlich über das Anerbieten von Direktor Nagel berichten." \
Ein Mann neben dem Vorsitzenden erhob sich
iinii ina, teilte Maske vom Gesicht. „ ......
jene? nicht wiederzugebende Fluidum in sich birgt, das mit dem Begriff des Fliegens so untrennbar verbunden ist.
Und dann sang der Motor sein ehernes, stürmisches Lied, rastlos, immerzu. Trug uns von Magdeburg, dem Ausgangspunkt unseres Fluges, über das bunte Schachbrett der Deutschen Zuckerausstellung hinweg, nordwärts, meerwärts.
„Brüdkr! Im Namen der Oberleitung erkläre ich hiermit den Bund ber Heiligen Feme für auf- gelöst. Die zwingenben Grünbe wißt ihr. Unb nun muß ich euch auch meinen Namen nennen: Ich bin Hermann Matthies aus Hamburg von ber Firma Matthies unb Söhne. Wer von euch bie Absicht hat, weiterhin in Deutschlanb zu bleiben, bem rate ich, sein Inkognito zu wahren. Wer aber, wie ich unb viele anbere, nach Nova Thule ausroanbem will, ber mag bie heilige Maske lüften."
Aufgeregtes Raunen ging burch bie schwarzen Männer, aber niemanb folgte ber Aufforderung.
„Auf welche Weise können wir Deutschland in Nova Thule dienen, und was wird aus unseren Familien?" fragte einer der Männer.
„Direktor Nagel will bas porroiegenb beutsche Unternehmen gegen die Zugriffe der Franzosen verteidigen. Wie er behauptet, sind seine Maßnahmen derart umfassend, daß er sich gegen die Luftflotten der ganzen Welt halten kann, wenn er nur über eine genügende Anzahl zuverlässiger Männer verfügt. Sobald es später bie politischen Verhältnisse erlauben, wirb Nova Thule bem Deutschen Reiche angegliebert. In ber Zwischenzeit kommen aber bie zu erroartenben ungeheuren Gewinne ebenfalls bereits unserem Daterlanbe zugute. Wer sich für 'Nova Thule anwerben läßt, verpflichtet sich auf bi ei Jahre. Ieber erhält sofort ein Hanbgelb von tausend Dollar, das er zur Sicherung des Unterhalts feiner Angehörigen verwenden kann. Die Mitglieder der Schutztruppe empfangen den gleichen Lohn wie die übrigen Arbeiter von Nova Thule, der recht hoch ist. Außerdem bekommen sie bei ihrem Ausscheiden nach drei Jahren nochmals tausend Dollar und für jedes weitere Jahr vierhundert Dollar dazu. Das Anerbieten ist also glänzend. Da die Persönlichkeit bes Direktors Nagel einwandfrei patriotisch ist, so empfiehlt die Oberleitung allen Mitgliedern dringend den Eintritt in bie Dienste von Nova Thule." „Wir machen mit!” schreien etwa fünfzehn Männer unb rissen ihre Masken von ben jugendlich begeisterten Gesichtern.
„$br habt keine Familie." meinte ein anderer, „da könnt ihr euch leicht freimachen!"
„Wann soll es losgehen?" rief einer der Teilnehmer. ~ -r - '
grün durchzogenen Straßenzeilen, mit dem Gewirr der ineinandergeschachtelten Hasenanlagen, in denen unermüdlich hin und herschießende Boote, wuchtig vor Anker liegende Ozeanriesen, tm Mastenwald von Segelschiffen, aufstrebende Gittergerüste von Werften und Docks sich zu einer gewaltigen deut- schen Sinfonie über das Motiv: Seefahrt tut not! vereinigten. Brausend paraphrasiert unser
„Bitte, 'notieren Sie sich genau, was ich Ihnen sage", bat Matthies. „Wer von Ihnen den Kontrakt mit Nova Thule unterschreiben will, der muß sich im Lause der nächsten drei Tage in meinem Bureau, also bei Matthies und Söhne, Hamburg, Fohlentwiete 16, melden. Dort erhält er die tausend Dollar und eine Fahrkarte für den Dampfer „Batavia", der heute in acht Tagen von Hamburg nach Danzig fährt. Pässe sind nicht nötig, Personalausweis genügt. Auch von Bremerhaven und Stettin geht je ein Dampfer mit Angeworbenen nach Danzig. Die Weiterfahrt von dort besorgt die Nordlandkompagnie."
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Fünfter Teil.
1.
Bericht bes Kriegsbepartements.
An ben Präsibenten ber Uniteb States.
Der Nooa-Thule-Dertrag wurde in den Hauptzügen vereinbart und könnte somit dem Senat zur Bestätigung unterbreitet werrden, wenn nicht die Vertreter des Nordlanbstaates die Bedingung der völligen Geheimhaltung gestellt hätten. Dieser Vorbehalt Nova Thules erklärt sich aus der Befürchtung, daß die von uns geforderte Preisgabe des Konstruktionsgeheimnisses der neuen Kampfflieger bekanntwerden könnte, wodurch die Verteidigungsfähigkeit jenes Landes in Frage gestellt würde.
Das Departement macht daher den Vorschlag, außer dem offiziellen Vertrage noch einen besonderen Geheimoertrag abzuschließen, der nur vom Präsidenten der Union und vom Staatssekretär bes Rnegsbepartements zu unterzeichnen wäre. Für biefen Vertrag wirb folgenbe Fassung empfohlen:
„1. In einem vom Senate zu genehmigenben unb demnächst zu veröffentlichenden Abkommen zwischen den United States und Nova Thule verpflichtet sich letzteres, die Hälfte feines gesamten Aktienbestandes der industriellen und montanen Unternehmungen' in Platinia, Petrolea unb 5er- reata einigen noch näher zu bezeichnenden amerikanischen Banken zur Emission zu überlassen.
2. In dem neu zu bildenden Aufsichtsrat ber GeieMait [ollen bie Halile im Direktorium, nun-
In Nordsüdrichtung streifen wir an den Hängen langgegliederter Höhenzüge hin, gleiten auf unsichtbarer Bahn über die im Sommerglanz leuchtende Bergstraße. Darmstadt. Im Westen wächst ver- härmt aus blaugrauem Dunstbrand gotisches Turm- werk: Das Straßburger Münster. Nach Südosten geht nun der Flug, Karlsruhe. Im Süden wiederum ein silbernes glänzendes Band, bestens zwei der Mitglieder, Bürger ber Vereinigten Staaten sein.
3. Das geplante Kraftleitungskabel von Ken- nanlanb bis nach Alaska geht ebenso wie bie lieber- lanbleitungen in Alaska in ben Besitz der United cta:cs über, wird aber an die Gesellschaft auf fünfzig Jahre gegen Abgabe von fünf Prozent des elektrischen Stromes verpachtet.
4. Nova Thule verpflichtet sich, einen feiner neuen Kampfflieger dem Kriegsdepartement zu überlassen.
5. Die United States behalten sich bas Recht vor, nach biesem Modell eine Luftflotte zu bauen, verpflichten sich aber zur völligen Geheimhaltung.
6. Sollte durch die Schuld ber Vereinigten Staaten die Konstruktion des Kampffliegers be- kanntwerden, so verpflichten sich diese, Nova Thule gegen jeden feindlichen Angriff zu schützen."
Dieses sind in großen Zügen Die vereinbarten Bedingungen. Es ist nicht zu leugnen, baß bie Union burch diese Vereinbarung in nicht beabsichtigte politische Verwicklungen hineingezogen werden kann. Doch ist die Gefahr nicht allzu groß, weil schließlich immer ber Kongreß bas letzte Wort mitzusprechen hat.
Die Uebernahrne bes Kraftleitungskabels burch uns war eine Forderung Nova Thules, weil jenes nur auf diese Weise gegen französische Angriffe gesichert schien. Wir erreichten dafür als Gegenleistung den Besitz der Ueberfanbleitungen in Alaska.
Der Ueberlaffung eines ihrer Kampfflieger fetzten die Vertreter von Nova Thule den größten Widerstand entgegen. Für uns aber lag in der Erfüllung dieser Forderung die Vorbedingung jeder weiteren Verhandlung.
Nachdem sich im Kampfe mit dem franzö- suchen Geschwader im vergangenen Herbst bie ungeheure Ueberlegenbeit der neuen Kampfflieger her- ausgestellt hat, gibt es kein Kriegsministerium ber ganzen Well, das nicht mit allen Mitteln ben Versuch machte, sich in den Besitz dieser Konstruktion zu setzen. Bisher gelang es unseres Wissens noch niemand. Immerhin kann das Geheimnis nicht ewig gewahrt bleiben, unb es ist nur eine Frage ber Zeit, daß irgendeine Großmacht mit bem Bau biefer neuen gewaltigen Kriegswerkzeuge beginnt ,
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