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Vie Ruhrentschädigungen.

DcrReichstagsuntersuchungsausschuß.

Berlin. 2. April. (WLB.) 3m Unter» fuchungsausschuh des Reichstages für die Ruhr- enlschädigungen kam der 'Berichterstatter Ab^ Dr. Perlitius (Zentr.) zu dem Schluß, daß das Reich rechtsverbindlich zur Ent­schädigung verpflichtet war. Der zweite Berichterstatter Dr. Hertz (Soz.) behält sich seine Stellungnahme zu den Ausführungen des ersten Berichterstatters vor, bis nach der Re- gienntgderfiäntng. Abg. Perlitius bestätigt aus eine Anfrage des kommunistischen Abg. öto der, daß die Ausführungen Dr. Strefe-- manns, wonach in der Kabinettssihung vom 20. Oktober 1923 sämtliche Minister teil­genommen haben, und wonach mit der Erklärung Dr. Stresemanns, daß das Reich die Verpflich- lung zu sämtlichen Ersatzleistungen anerkenne, alle Mini st er einverstanden waren, nach dem Ausweis der Akten richtig fei. 2lbg. Dr. Hertz bestreitet demgegenüber die Richtigkeit der Darstellung StresemamrS. Mini­sterialdirektor v. Brandt führt aus, die Re­gierung sei von ihrer Verpflichtung zur Ent­schädigung überzeugt gewesen.

Die Micumliefecungen feien nichts anderes als Leistungen zur Erfüllung von Repa­rationsverpflichtungen des Reiches. Aus Grund der ihr von zwei Kabinetten gegebe­nen Zusagen, sei die Schwerindustrie dafür ein- getreten, an Stelle des Reiches die Liefe­rungen zu übernehmen, die daS Reich seinerzeit airs Gründen seiner finanziellen 'Rot nicht habe machen können. Die Micumverträae seien im Einverständnis und im Auftrage des Reiches abgeschlossen und verlän­gert worden. Dabei habe sich die Industrie aus die Zusage der vollen Entschädigung durch das Reich gestützt. Die Regierung habe in­folge der Finanznöte aus dem dßege der Erstat­tung nur sehr allmählich vorgehen können und zwar zuerst im Wege der Steueraufrech­nung bei der Einkommen-, Körperschafts- und Vermögenssteuer und foöcrnn. nachdem auch die Kreditvermittlung sich erschöpft hätte, durch bare Mittel, nämlach die Ausgabe von 193 Millionen Schatzanweisungen wozu die Regie­rung im Haushaltsgesetz von 1924 befugt gewesen sei. Allmählich hätte sich dann die Finanzlage des Reiches gebessert, so daß es nach und nach in steigendem Maße gelungen sei, Abschlags­zahlungen verfügbar zu machen.

Dann fei die Reichstagsauflösung ßclommen. Die Verhandlungen der Großindustrie, seien fortgesetzt, worden. Sie hatten nicht zurück- gestellt werden töroien. Man habe über einzelnef Positionen beraten, wobei dür Regierung ben| Standpunkt pro fiskv eingenommen habe, bis sie schließlich im Wege der Verhandlungen durch Herabsetzung der Forderungen der Industrie auf einem Punkte angelangt sei, der nach pslichtmähigem Ermessen die Ueberzeugung vermittelt habe, es handele sich um eine gewisse Höhe von Forderungen, die rechtlich nicht mehr in Zweifel gezogen werden konnte. Um für das Reich ein möglichst günstiges Ergeb­nis herauszubekommen, habe man sich im De­zember entschlossen, die ganze Sache im Weg « des Vergleiches zu regeln. Das Ergebnis war, daß eine Ermäßigung von 727 auf 556 Millionen erzielt worden rU. Der Vorsitzende, Abg. von Lindeimer-Wildau (D.-Ratl.), stcklte hierauf aus den Akten fest, daß die Kabi- mettssitzung vom 20. Oktober 1923 sich mit dem gesamten von dem Sechserverbande vorgelegten Hragenkvmple? der Ruhrentschädigungen beschäf- rigt hat. An ihr hätten auch die sozial- tzemvkratifchen plti ntft er und der preußische Ministerpräsident teilge= genommen. Hierbei fei zum Ausdruck gekommen, daß das Reich grundsätzlich zu Reparattons-- leistungen bereit sei.

Der Reichsminister des Innern, Soll- mann, und der preußische Ministerpräsident Braun seien mit den Vorschlägen der Berg- wcrksindustrie einverstanden gewesen. In der nächsten Kabinettssitzung vom l.Rovember, an der noch sämtliche Minister des Kabinetts Stresemann teilgenommen hatten, hätte der so­zialdemokratische Reichsminister für den Wieder­aufbau, Robert S ch m i d t. bemängelt, daß er zu den bisherigen Vorbesprechungen nicht zuge­zogen worden sei. Er habe erklärt, daß er daher nicht in der Lage sei, sachlich Stellung zu nehmen. Die sozialdemokratischen Minister, die am 2. Ro- vember demissioniert hätten, hätten ihre Ent­haltung gegenüber den sachlichen Fragen als Stimmenthaltung charakterisiert. Der kom­munistische Abg. Stöcker stellt fest, daß, da in beiden Kabinettsihungen von keiner Seite grundsätzliche Einwendungen erhoben worden seien, völlige Einmütigkeit be­standen habe. Es erfolgt sodann noch eine längere Diskussion über die Art der Derichterslattung, wobei der Abg. Stöcker den Bericht des Mit­berichterstatters Dr. Hertz bemängelt, den ec als inhaltlos bezeichnet. Der Vorsitzende stellt grundsätzlich fest, daß der Ausschuß nur der Er­mittlung der objektiven Wahrheit dienen solle und nicht die Erörterung der Ver- ontwortl.chkeit irgendwelcher politischen Parteien ^rzunehmen habe.

Deutscher Reichstag.

Bekämpfung

der Schund- und Schmutzliteratur.

Berlin, 2. April. Am Regierungstische: Reichs­innenminister Schiele.

Der Ausschuß für Dildungswesen er­sucht die Reichsreigening 1. eine Novelle zum Lichtspielgesetz, ferner Gesetzentwurf zur B e k ä m p f u n g der Schund - und Schmutz­literatur und zum Schutze der Jugend bei öf­fentlichen Schaustellungen und Darbietungen, sowie ein Rcichsbühncngesetz mit möglichster Be- schleuniqung vorzulegen.

2. Filmstreifen für Jugendliche bis zu 18 Jah­re nicht ,zuzulassen, wenn sic im Widerspruch mit dem Erziehungsziel der Reichsversassung stehen, oder wenn sie die bestehende republikanische Reichs- verfaffung herabsetzen.

3. zu erwägen, bei der Verabschiedung des Reichstheatergesetzes den Schutz des geistigen Eigentums der Bünenschriftsteller und Bühnen- fomponiften in Sachen der Radioübermitt­lung der Bühnenstücke zu gewährleisten.

Die Abg. Hensel-Ostpreußen lD.-R.) und Dr. Schreiber (Zentr.) berichten über die Aus- schutzverhandlungev. Dr. Schreiber betont, daß es darum gehe, diese Dinge im Sinne deutschen Wesens, deutschen Geistes und deutscher Sache zu Reich und Länder müßten sich zu einet

großzügigen überparteilichen Kul­turpflege vereinigen und gegen die Zersetzunas- erscheinungen vorgehen. Es sei auch Pflicht der Re­gierung, die Auswüchse des Lichtspiel­wesens zu beseitigen und zu verhindern.

Staatssekretär Schulz teilt mit, daß das Licht­spielgesetz und das Bühnengesetz in Vorbereitung sind.

Aba. Mumm (D.-Ratl.) ruft zur praktischen Arbeit aus. Es müsse fetzt schneller vorwärts gehen als unter den Regierungen der letzten sechs 3abre. Eine ungeheure Scbmutzflut habe sich in dieser Zeit über unser armes Volk ergossen. Die gegenwärtigen Gesetze reichen bei weitem nicht aus. Die Kunst soll nicht etwa bekämpft werden, wohl aber müsse man sich gegen die Zersetzungserscheinun- aen wenden, die mit Kunst nichts zu tun haben.

Abg. Schreck (Soz.) gibt der Polizei den Rat. für Ruhe und Ordnung zu sorgen, sich aber nicht in Fragen des künstlerischen Empfindens einzumisä)en. Die Zensur fei vom liebel

Hessischer Landtag.

Darmstadt, 2. April. (Eigener Bericht.) Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9V2 Uhr. Am Regierungstisch: Staatspräsident Ulrich und Minister Raab.

Präsident Adelung: Meine Damen und Herren, als gestern die Aachricht von dem furchtbarere Unglück bei Veltheim an der Weser hierher gelangte, erschien die Hoffnung nicht unbegründet, daß Don den als vermißt Gemeldeten, noch viele gerettet worden seien. Diese Hoffnung hat sich als eitel erwiesen, im Gegenteil, die Zahl der Opfer ist n o ch g r ö ß e r , als anfangs übersehen werden konnte. 80 An­gehörige der Reichswehr, junge, blühende, hoff­nungsvolle Menschen haben bei einer Uebung den Tod in den Fluten der Weser gefunden. Wir stehen erfchüttertvor diesem schwe­ren Leid, das über so viele Familien und über die Reichswehr so plötzlich hereingebrochen ist. Ich habe der Aeichsrecherung diewärmste Anteilnahme des Hessischen Land­tags zum Ausdruck gebracht mit der Ditte, diese den schwergeprüften Angehörigen über­mitteln zu wollen. Sie. meine Damen und Herren, haben sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben. Ich danke Ihnen.

Das Telegramm an den Reichswehrminister Dr. Geßler, Berlin

hat nachstehenden Wortlaut: Das furchtbare Un­glück, das die Reichswehr beim Weserübergang bei Minden betroffen hat. hat im ganzen Hessen land tiefste Trauer hervorgeru­fen. Ramens des Hessischen Landtags spreche ich Ihnen und der Reichswehr herzliche Teilnahme aus mit der Bitte, den Ange­hörigen der verunglückten Soldaten sowie den betroffenen Truppenteilen herzliches Beileid zu übermitteln. Adelung.

Präsident des Hessischen Landtags.

Das Haus tritt dann in die Tagesord­nung ein.

Zu dem Antrag der Abgeordneten Eberle und Genvsicn zur Einbeziehung derPro- vinz Rheinhessen in die steuerliche Erleichterung für Rotgebiete weist der Abg. Schott (D. Bp.) auf die Erregung hin, die die Richteinbeziehung Rheinhessens in das Rötstandsgebiet hervorgerufen fiat. Die hessische Regierung treffe kein Vorwurf, sondern die Reichsregierung.

Staatspräsident Ulrich erklärt, daß die hessische Regierung alles getan habe, um die Ein­beziehung Rheinhessens in das Rotstandsgebiet zu erreichen, doch sei das nicht gelungen. Ein Beschluß des Hcmfes in dieser Richtung würde für die Regierung eine wertvolle Unterstützung sein bei ihren weiteren Bemühungen.

Ein Antrag wird angenommen, worin die Regierung ersucht wird, erneut Verhand­lungen bei der Reichsregierung vorzunehmen, um die Einbeziehung Rheinhessens in das Rot- standsgebiet zu erreichen.

Ein Antrag der Abg. H e i n st a d t und Geir, über die Gehälter der Beamten in den Gruppen l bis Vl wird nach kurzer Debatte angenommen.

Der Antrag des Abg. Schott über das Zigeunerunwesen auf dem Lande gibt Anlaß zu einer längeren Aussprache. Die Regierung hat eine Mitteilung an den Landtag gelangen lassen, worin zugesagt wird, daß die Polizeiorgane angewiesen sind, schärfer über die Zigeuner zu wachen. Von mehreren Abgeord­neten wird Klage über die Zigeuner geführt. Der Ausschuß beantragt, den Antrag Schott durch die Regierungsantwort für erledigt zu erklären.

Sin Antrag der Abg. Knoll und Hatte­rn er, in dem die Hess. Regierung ersucht wird, eine Aufwertung der Sozialrenten durchzusetzen, entfessell eine längere Debatte. Abg. Dr. R i e p o t h (D. Dp.) greift eine Aeuherung des Abg. Delp auf, daß der Staat 50 Prozent bei den Sozialrenten zuzahlt. Auf dem Lande sei bas anders als in den Städten. Hier würden die erforderlichen Beträge durch die Kreise und die Gemeinden aufgebracht, der Staat leiste dazu nur einen Zuschuß, aber keines­wegs 50 Prozent, sondern ungefähr 35 Prozent. Hiergegen, müsse Einspruch erhoben werden. Der Staat habe auch versprochen, Zuschüsse zu der örtlichen Armenpflege zu leisten, bis jetzt aber das Versprechen nicht gehalten.

Der Ausschußantrag, der dem Antrag Hatte- mer zustimmt, wird angenommen.

Ein Antrag der Abqg. Blank, Weckler und Hoffmann-Darmstadt über die Eröffnung und Fortführung von sogenannten S t r a u ß w iri­sch a f t e n wird nochmals an den Ausschuß zu- rückverwiesen. 'Der Ausschuß hatte sich für eine Verlängerung der Aufrechterhaltung der *5 trau ft» wirtschaft ausgesprochen- der Minister wandte sich dagegen. Ein Antrag der Abgg. Dr. Wer­ner und Gen. über Kartellmißbrauche wird angenommen.

Ein Antrag der Abg. Birnbaum über die Angliederung einer Studien­anstalt an die Höhere Mädchenschule in Gießen wird von der heutigen Tagesord­nung a b g e f e tz 1.

Zu einem Antrag der Abg. Birnbaum, Dr. Keller, Scholz und Geir wegen des Uebergangs der begabten Schüler zur höheren Schule teilt Abg. Dr. Kel- l e r mit, daß der Airsschutz der Ansicht sei, daß Hessen dieselbe Regelung der Frage vornehmen müsse wie das Reich. Gestern habe der Reichstag einen Beschluß hierüber angenom­men. Der Ausschuß beantrage demnach, den vor­liegenden Antrag für erledigt zu erklären. Dies geschieht, nachdem vorher die Vertreter der 1 Linksparteien Erklärungen über ihre grundsätz­

liche Stellungnahme zur Grundschule abgegeben hatten.

Zum Schluß der Sitzung wurde die Wahl eines Untersuchungsausschusses zur Prüfung des Himmelsbach-Skandals vorgenommen. Es werden aus jeder Partei (mit Ausnahme der Kommunisten, die nicht Fraktions­tärke haben) Mitglieder in diesen Ausschuß ge­wählt.

Um 1 Uhr werden die Beratungen abge­brochen: nächste Sitzung Montag 10 Uhr mit der Tagesordnung: Aussprache über die Rede des Finanzmini st ers vom Diens­tag.

Anträge des Hessischen Bauernbundes.

Darmstadt, 2. April. (Eig. 'Der.) Der Hessische Bauernbund hat beim Hess. Landtag nachstehende Anträge eingebracht:

1 Abänderung des Ministerpen- ionsgesetzes. Der Landtag wolle die Re­gierung ersuchen, alsbald eine Regierungsvorlage vorzulegen, in welcher das Mrnist erpensionsgeseh vom 19. Juli 1919 abg«ändert wird, so daß es der chwierigen Finanzlage unseres hessischen Staates angepaßl wird.

2. Vereinfachung des Gesamt- teuerwesens. Es wird beantragt, der Land­tag wolle die Regierung ersuchen, ihren Einfluß bei der Reichst eg Gerung in nachstehendem Sinne geltend zu machen, daß

a) eine Vereinfachung des Gesamtsteuerwesens im Reich sowie bei den Einzelstaaten angestrebt wird:

bl den Einzelstaaten sowie den Genwinden ihre Selbständigkeit im Steuerwesen, ähnlich wie in der Vorkriegszeit wieder zuge- wiesen werde:

c) die von den Steuerbehörden von den Steuerpflichtigen verlangten Steuererklärungen in möglichst einfacher Form gehatten sind, so daß es den Seinen und mittleren Betrieben, welche besonders bei Der Landwirtschaft keine Buch sich rung haben, leichter gemacht wird, diese (SiÜärung abzugcben.

3. Der Landtag wolle beschließen: Zur Be­schaffung von Saatgut, Düngemitteln und anderen Bedarfsgegenständen des landwirt­schaftlichen Betriebes wird erneut ein Kredit von 3 Millionen Mark seitens des hessischen Staates zur Verfügung gestellt. Der Kredit ist in derselben Weise an die kreditbedürftigen Land­wirte zu bringen, wie der Rotstandskredit im Herbste 1924.

4. Der Landtag wolle beschließen: Der Hess. Staat leistet für den Betrieb der Aulopoft- verbindung Feldkrücken" Mücke einen jährlichen Zuschuß in der gleichen Höhe, wie ihn die beteiligten Gemeinden aufzubringen haben. Der Zuschuß der beteiligten Gemeinden wird zur Zeit auf rund 3500 ML. anzuschlagen sein.

5. Der Landtag wolle beschließen: Die Ver­fügung des Minrsteriunrs für Arbeit und Wirt­schaft vom 20. Februar 1925 betr. Arbeits­beginn im Bäckerei ge werbe ist dahm zu andern, daß der Arbeitsbeginn für alle im Bäckereigewerbe Deschäftigteu Weister. Ge­sellen und Lehrlinge von 5 Uhr morgans ab gestattet ist.

6. Der Landtag wolle beschießen: Die Lokal- bauve rwaltung in Hessen ist zu verein­fachen. In erster Änie ist die Z u f a m m e n » legung deS Hoch- und TiefbauwesenS in ein Amt durchzuführen. Soweit eS die Der- hältnifse gestatten, ist außerdem die Zuwei­sung mehrerer Kreise an eine Lokalbau­verwaltung ins Auge zu fasten.

Die Versorgungsanwärter in Hessen.

D a r mst a b t, 2. April. Die Abg. Dingel- bei) (D. Dp.) unb Gen. haben zur Einstellung von Versorgungsanwärtern im Volkstaat Hessen nach­stehenden Antrag im Landtag eingebracht:Wir beantragen, der Landtag wolle beschließen, die Re­gierung zu ersuchen, a) mit aller Kraft dahin zu wirken, daß die Staats- und Gemeinbe- behorben in weit größerem Umfange als bis­her den zivilbien st berechtigten Ange­hörigen ber Wehrmacht Möglichkeit bieten, in Beamten ft eilen einzurücken; b) alsbald eine Zusammenstellung vorzulegen, aus der hervor- ?eht. 1. Wieviel Zioildienstberechtigte feit dem . April 192 in den staatlichen Dienst übernommen worden find, 2. welche Stellungen vom 1. April 1925 den Zivildienftberechtigten zur Verfügung stehen.

Ausstand in Südwest-Afrika.

L on d o n , 3. April. (T. U.)Daily Expreß" meldet aus Kapstadt, daß sich in der früheren deut­schen Kolonie Deutsch-Sübwestafrika die Reho- b o t s empört haben. Die Aufftänbischen sinb mit modernen Feuerwaffen ausgerüstet. Die Behörben haben 150 Kolonisten mit 6 Ma­schinengewehren an Ort und Stelle entsandt. Außer­dem werden alle verfügbaren Truppen zusammen- gezogen, um die Aufftandsbeweaung niederzuwer­fen. Der Führer des aufständischen Stammes hat telegraphisch den Völkerbund um Inter­vention ersucht. Gleichzeitig laufen beunruhi­gende Meldungen aus dem Betschuana-, Basuto- und Swazi-Lande ein.

Kleine politische Nachrichten.

Die Beratungen der Parteien zur Reichs- Präsidentenwahl ergaben keine neuen Ge­sichtspunkte. Die Weimarer Koalitton wird sich voraussichtlich auf Marr als Dräsidentschafts- tandidaten und Otto Braun als preußischen Mi­nisterpräsidenten einigen.

Morning Post" undDaily Herald" drücken ihr Mißfallen darüber aus, daß ein großer Eisenkonzern Westschottlands bei der A. E. G. zwei große Turbinen be­stellt habe und betont die Tatsache, daß die deutschen Forderungen höher gewesen seien, als die einer britischen Firma.

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Am 5. April wird in Bvrdighera die Ver­lobung des belgischen Thronfolgers mit der Prinzessin Mafalda, der zweiten Tochter des italienischen Königspaares, gleich­zeitig mit der Verlobung des Prinzen Hum­bert von Italien mit der Prinzessin Maria Josepha gefeiert werden. Der König und die Königin von England werden an der Feier teilnehmen.

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Die Berliner Stadtverordnetenversammlung hat ht namentlicher Abstimmung einen Antrag

Der öOoiaiDenroTraten gegen Die üttmmen oer Kommunisten, Der Deutschnationalen und eine» Teils Der Vollspartei und der WirtschastSpartei angenommen, der die Umbenennung der Buda­pester- und Sommerstraße in Friedrich Ebert-Straße verlangt.

Aus aller Welt.

Schweres Bauunglück in Leipzig.

Dresden, 2. April. (WTB.) Bon der Presse* stelle der Aktiengesellschaft Sächsische Sßerfe wirt mitgeteilt: Bei dem Bau des Braun kohlen-Groß kraftwerkes in Böhlen bei Leipzig ist heute nachmittag 4 Uhr ein von außen fertiger Schorn ft ein, bei dem die innere Futtermauer bis auf die letzten 40 Meter fertig war, plötzlich e t n g e stürzt. Dabei find zehn S «Hornstein mau­l' e r leicht und einer schwer verletzt. An ber Bergung ber Verunglückten wirb gearbeitet. Die Ursache bes Unglücks ist noch nicht festgestellt. Die Untersuchung ist im Gange.

Zu ber Einsturzkatastrophe erfahren wir noch, baß in ben späten Abendstunden e r ft zwei Schwerverletzte geborgen 'werden tonten. 14 Schornsteinmaurer, die wahrscheinlich getötet worben sinb, befinben sich anscheinenb auf bem Bo­den ber eingestürzten Esse. Um bie Verunglückten zu bergen, werden umfangreiche (Sprengungen in bem unteren Teil bes linken cochornstems, ber einen Durchmesser von neun Meter Hai, notwendig sein.

Vergebliche Derfuche zur Befreiung der Bergleute i« Rewcastle.

London, 3. April. (T. U.) Die Versuche zur Rettung der 37 oder 38 durch ben Wasserem bruch bei Newco ft le abgeschnittenen Berg ( e u t e sind auch gestern ergebnislos verlaufen. Mai' hat Horchapparate angebracht, wie man ft' im Kriege verwendet hat, um festzustellen, ob bi< abaeschnittenen Bergarbeiter noch irgendwelche Lebenszeichen von sich geben. Die Derfuche haben bisher keinen Erfolg gehabt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 3. April 1925.

Neuordnung des höheren Mädchenschulwesens in Hessen.

Von Ostern 1925 tritt in Hessen eine N e u- ordnung des höheren Mädchenschul­wesens in Kraft.

In einer längeren Verfügung bes Landesamts für bas Bilbungswefen werben bie Haupllinien dieser Neuordnung gegeben. Es fei daraus heroor- gehoden. was die Nichtfachmänner interessiert.

Die höhere Mädchenschule, die von setzt ab den Namen Lyzeum führt, wird in Zukunft sechs Klassen haben, d. h. die siebente (seither unterste) Klaffe wird aufgehoben. Die Schülerinnen treten aus der Grundschule in bie Sexta ein unb aus der Untersekunda aus. Die höheren Mädchenschulen mit Stubienanstalten heißen fortan Obe rlyzeum sie Haden also nur 12 Jahrgänge, nicht mehr, wie seither, 13. Die äußere Organisation ber Mädchen schulen ist also derjenigen der Knabenschulen ange­glichen. Mädchen wie Knaben werben bie mittlere Reife nach 6 .Jahren erreichen, bie Reifeprüfung nach 9 Jahren ablegen. Ob bie Serminberung bes Lehrgangs ber Mäbchen um ein Jahr ein Borteil ist. muß erst bie Zukunst kehren. Auf bett ersten Blick hat man den Eindruck, als ob durch Zusam- menbrängung bes Lehrstoffes von sieben auf sechs Jahre ben Mäbchen von jetzt ab mehr zugemutet werben mutz, als seither. Wie sich bie Berhaltnisse in ber Wirklichkeit gestalten, muß sich noch zeigen. Das Frembwort Lyzeum kann man vielleicht be- bauern. Nachdem aber Preußen unb bie übrigen beutschen Staaten diesen Namen gewählt hatten, mußte auch Hessen ihn annehmen.

Die Neuordnung kann felbstverstänblich erst nach unb nach durchgeführt werden. Die Schüle­rinnen, bie Ostern 1924 unb früher eingetreten sind, müssen ben alten siebenjährigen Lehrgang durch­laufen. Erft die Ostern 1925 ein getretenen Schule rinnen können nach ben neuen, auf sechs Jahre be rechneten Plänen unterrichtet werden.

Eine angenehme Folge hat die Neuordnune gehabt. In Hessen gab £=> bei der diesjähriger Osterverfetzung in ber siebenten Klaffe keine sitzen­gebliebenen Schülerinnen. Alle mußten nach bei sechsten Klaffe kommen: wenn auch biejenigen, di« schwach waren, nach der Sexta neuen Stils wan­dern, lo ist das nur ein kleiner Schönheitsfehler, von vielen nicht beachtet. Rach der Sexta sind fi« alle gekommen.

Steuerkalendev für April.

Im Monat April werben bie nachstehenß ge nannten Steuern fällig:

5. April: Lohnsteuer für bie Zeit vom 21. bis 31. 3., einschließlich ber für bie Zeit vom 1. bis 10. 3. bzw. 11. bis 20. 3. noch nicht abgeliefenten Beträge, ahne Rücksicht auf beren Höhe.

10. April: Einkomensteuer-Dorauszahlung, Äör» perschaftssteuer-Dorauszahlung, oorläuf. staatliche Gewerbesteuer für 1925 (60 Proz. ber Einkomme»- fteuervorauszahlung), Umsatzsteuer - Dorauszahlu«^ für Marz bzw. I. Vierteljahr 1925.

15. April: Lohnsteuer für die Zeit vom 1. bis 10. 4., sofern der Gesamtbetrag 50 Rm. übersteigt

18. April: 1. Ziel der Scmberfteuer vom be­bauten Grunbbesitz für 1925. Die Zielbeträge sind die gleichen, wie bei der ©onberfteuer für 1924 Eine besondere Anforderung ergeht nicht.

25. April: Lohnsteuer für bie Zeit vom 1. bis 20. 4., sofern ber Gesamtbetrag für biese Zeit 50 Rm. übersteigt ober mit ben für bie Zett vom 1. bis 10. 4. einbehaltenen unb noch nicht ab- gesührten Beträgen zusamen mehr als 50 Rm. er­gibt.

Mit Ausnahme ber Lohnsteuer gilt für alle Steuerarten bie 7tägige Schonfrist.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag: Stadttheater: 7.30 Uhr ..Die heilige Johanna". __Deutsche Demokratische Partei: 8.30 Uhr Hotel Schütz Generalversammlung. 8 Uhr. Werbe* umzug Der Radfahrer durch die Stadt.

Wettervoraussage.

Zunächst Abkühlung, schwächer bewölkt, zett- weise ausheiternd. tagsüber milde, trocken.

Ausläufer nördlicher Wirbel haben unk Gebiet überquert unb kurze Riederschläge in Form von Schauern verursacht. Vor der Hand besteh' Aussicht für Anhalten des zeitweife heiteren trockenen Wetters, doch sind A'izeichen vorhandeir daß von Rordwesten neue Störungen heranziehen die unser Gebiet jedoch morgen noch nicht er« reichen dürften.

Der Beitrag für die Erwerb-- lofensür sorge beträgt ab 1. April 1 Proz^ des nach den Krankenkaffensätzon bemessen«» Gmtndlohnes,