Ausgabe 
3.3.1925
 
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Str litauische Staatspräsident hat fol- geuve Depesche an den LeichÄanzler gerichtet: Lies erschüttert durch die schmerzliche Nachricht zum Wleben unseres großen Freundes, des Reichspräsidenten, bitte ich Eure Exzellenz, mein und des litauischen Dolles tiefstes Beileid ent» Segennehmen zu wollen.

Auch aus Südamerika gingen gestern im Bureau des Reichspräsidenten zahlreiche Bei- leidskundgebungen ein. Der Präsident der Republik Argentinien telegraphierte: 3m (Hamen des Dolles und der Regierung von Argentinien und in meinem eigenen (Hamen fpvoche ich meine tiefgefühlte Teilnahme für den unersetzlichen Derlust, den die befreundete deutsche Ration durch das Hinscheiden des Reichspräsi­denten getroffen hat, aus.

Das Telegramm der brasil ia n i f che n Regierung lautet: Brasilien und feine Re­gierung haben mit tiefem Schmerz die Rachricht vom Tode des Präsidenten der deutschen Repu­blik vernommen. Die Regierung und das Doll Brasiliens übermitteln der deutschen Regierung und dem deutschen Doll den Ausdruck ihrer tief­gefühlten Teilnahme.

Der Präsident der Republ ik Uru­guay sandte folgendes Telegramm: Schmerzlich bewegt duvch die Trauerkunde von dem Ableben des Reichspräsidenten entbiete ich Euerer Ex­zellenz de^ Ausdruck meines herzlichsten Beileids.

Anläßlich des Todes des Reichspräsidenten ordnete die mexikanische Regierung an, Latz zum Zeichen der Anteilnahme Mexikos an der Rationaltra uer der befreundeten deut­schen Ration alle Regierungsgebäude drei Lage Tang die FlaggenaufHalbmast setzen. Die deutsche Kvlvme in Mexiko bereitet eine Trauer­feier zum Gedächtnis für den verstorbenen Reichs­präsidenten vor. An den Reichskanzler wurde ein Beileidstelegramm gesandt.

Der Republikanischer Lehrerbund Dorort Gießen hat folgendes Telegramm an Frau Reichspräsident Ebert gesandt: Der Republikanische Lehrerbuird. Vorort Gießen, teilt die tiefe Trauer um den Heimgegangenen Reicks- Präsidenten. Untere besondere Aufgabe erblic­ken wir darin, den Führer und Staatsmann und vornehmen Menschen Friedrich Ebert, den ersten Präsidenten der Republik, stets der deut­schen Jugend als Vorbild vor Augen zu stellen, gez. Hüter, gez. Huf.

König Georg von England hat an Frau Ebert und an die Reichsregrerung ebenfalls Beileidstelegramme gesandt.

Wahlvorbereitungen.

Berlin, 3. März. (WTB.) Mehrere (Blätter beschäftigen sich mit der Frage der Reu­wahl des Reichspräsidenten. DerLokalanz." und dieVoss. Ztg." treten lebhaft dafür ein. Daß die technischen Wahlvorbereitungen so beschleunigt werden, daß der erste W a h l- gangbereiiüam2 9. März und der zweite, falls ein solcher notwendig werden sollte, am 26. April stattfinden solle. 3n einem Bericht der »Voss. Ztg." heißt es. daß der demokratische Abg. Koch auf der demokratischen Tagung am Sonntag dafür eingetreten sei, daß sich die republikanischen Parteien möglichst schon für den ersten Wahlgang auf einer gemeinsamen Kandidatur einigen sollten. Auch der Vorwärts" erllärt es für selbstverständlich, daß die republikanischen Parteien möglichst geschlossen auftreten. Die Entscheidung werde in kürzester Zeit fallen DemLokalanz." zufolge sind auch lm schwarz-weiß-roten Lager Bestrebungen im Gange, eine Einigung über einen ©am» melk-andidaten herbeizusühren. Das Blatt glaubt, die Aussichten auf eine gemeinsame schtLarz-weiß-rote Kandidatur g ü n st i g zu be­urteilen.

7 Amerika

und die Nachfolge (Eberts.

Neuhork, 3. März. (TU.) Die (HeunorEer Abendblätter beschäftigen sich eingehend mit der Frage, wer der Rachfolger Eberts Ifjiin wird. Fast alle Blätter sind sich darüber einig, daß Reichskanzler Dr. Luther oder der preußische Ministerpräsident Dr. Marx als Kandidaten hauptsächlich in Frage kommen. Mscn ist sich darüber einig, daß die republikanische Staats­form in Deutschland soweit gefestigt ist, daß eine Kandidatur des ehemaligen Kron­prinzen oder eine Wiederaufrichtung der Mo­narchie überhaupt nicht in Frage kommt. Der Tod des Reichspräsidenten Ebert habe keine Erschütterung des politischen Lebens in Deutsch­land im Gefolge. Es werde säurch sein Hin- scheiden feine Staatskrise herbeig >sührt werden. Don verschiedenen Zeitungen wird hervorgehoben, daß Reichskanzler Dr. Luther über außerordentliche Fähigkeiten verfüge und daß Deutschland ihm seine Rettung aus dem völligen wirtschaftlichen und finanziellen Zusam­menbruch zu verdanken habe. Zwar versuchen einige Hetzblätter, darauf hinzuweisen, daß das fleqentoärtigc Reichskabinett eine G^ahr für die Alliierten bedeute, jedoch glaubt der überwiegende Teil Tier amerikanischen Presse, daß Deutschland das Dawesobiommen erfüllen werde.

Eine Friedrlch-EderL-Strftung.

Berlin, 2. März. (TU.) Wie derVor­wärts" meldet, hat der Sozialdemokra­tische Parteivorstand beschlossen, eine Frieorich-Ebert-Stistung im Sinne der Lebens­arbeit des Entschlafenen $u errichten. Der Par- teivvrstand bittet im Einverständnis mit der Familie, von Kranzspenden und von der Ent­sendung von Deputationen abzusehen und die dafür vorgesehenen Beträge der Stiftung zu- zuführen.

Der Ausschluß von Papen und Lönnartz zurückgenommen?

Berlin, 3. März. Wie derBörsen­zeitung" aus parlamentarischen Kreisen gemeldet wird, soll die Fraktion der Zentrums- Partei des preußischen Landtags beschlossen haben, den Ausschluß der Abg. von Popen und Lönnartz zurückzunehmen Dieser sehr be­deutsame Entschluß, der eine Folge der großen Erregung der landwirtschaftlichen Zentrumskreise Westdeutschlands sein dürfte, sott auf die Vermittlung des Ministerprä- sidonten Marx zurückzuführen fein.

Um den Dor^tz in der Saarregierung.

London. 3. März. (TU.) Ehamberlain Wurde tm Unterhaus gefragt, ob er auf der Döllerbundstagung für einen neutralen

Vorsitzenden in der Saarregierung an Stelle des Franzosen Raoult ein» treten werde. Er entgegnete, daß er unter den jetzigen Verhältnissen im Interesse aller Betei­ligten gegen einen Wechsel im Vorsitz der Regierungskommission sei.

Der Finanzausgleich.

Der Entwurf

des Reichsfinanztnin stcriums.

Berlin. 2. März. (TU.) Heute ist der Entwurf eines Gese:>es zur Reuregelung des Finanzausgleichs zwischen Reich, Landern und Gemeinden veröffentlicht to r en. Von amt­lich e r S e i t e wir., hierzu folgendes auSgcfübct:

Das Finanzausgleichsgesetz in feiner Be­kanntmachung vom 23. Iunt 1923 und die Be­stimmungen der 3. Steuernotvcrordnung treten mit dem 31. März 1925 außer Kraft. Die Grundgedanken des Finanzausgleiches zwisch.n Reich, Ländern und Gemeinden, wie er au3 der Reformgesetzgebung 1919 bis 1920 hervorg--g ngen ist, haben sich als richtig erwiesen. Das Wesent­liche des vorliegenden Entwurfes ist. daß er das geltende § inanzausgleichst) st em aufrecht erhält. Der Entwurf bringt Aen- berungen der bisherigen Ordnung nach folgen­den Richtungen:

1. Die 2. Steuernotverordnung hat das Reich auf 10 v. H. des Aufkommens aus der Ein­kommensteuer und der Körperschaftssteuer be­schränkt. Das Reich erhöht diesen Anteil auf 25 v. H, des Aufkommens. Als Ausgleich für die um 15 Proz.nt gesenkte Beteiligung der Länder an der Einkommen- und Körperschafts­steuer gewährt der Entwurf ihnen im Rech­nungsjahr 1925 eine Beteiligung an der Umfaß ft euer von 30 v. H. des Auf­kommens. Vom 1. April 1926 ab fallen die Länder wie bisher 20 v. H. des Umsahsteuer- aufkommens erhalten. Unter Zugrundelegung der Anteilverhältnisse der 3. Steuernotverordnung würde auf die Länder an Überweisungen aus dem Elnlommensteueraufkommen, Körpeaschafts- steueraustömmen und Umsahsteueraulommen im Rechnungsjahre 1925 schätzungsweise 2 100 Mill. Mark entfallen. Rach dem Entwurf werden es schähungsweife 1 920 Mill. Mark fein.

2. Unter Zurückstellung schwerer finanz- und steuerpolitischer Bedenken nimmt der Entwurf vom j. April 1926 ab ein Zuschlagsrecht der Länder und Gemeinden zur Einkommen­steuer und zur Körperschafts st euer in Aussicht.

3. Die im Entwurf enthaltenen Bestimmungen für Aenderung der Vorschriften über den Geld- entwertungsausgleich bei bebauten Grundstücken «Hauszinssteuer) sollen den Ländern das Aufkommen aus die cr Sleuerauell-e, auf das sie unbedingt angewiesen find, sichern und ertragsreicher gestalte,-. Der Entwurf gibt die für die Steuer bisher vorgesehene Befristung der Geltungsdauer auf. ohne damit der Frage vorzugreifen, in welcher Form die Besteuerung endgültig aufrechterhalten werden fo'l. 3m übri­gen . enthält er drei wesentliche Neuerungen:

Er sieht neben der Mindestgrenze von 10 v. H. dL Steueraufkommens eine Höchstgrenze von 10 v. H der Friedensmiete für einen Teil der Hauszinssteuer vor, der zur Förderung der Neubautätigkeit zu verwenden ist, um nicht die Mittel, die die gesamte Last für die Staatswirtschaft von Reich, Lindem und Ge­meinden tragen sollen, für einen, wenn auch wichtigen Sonderzweck, zu stark zu verkürzen. Gr setzt ferner sürdie Erreichung dervollen F r i ede ns m i e t e in allen Ländern einen spätesten Termin auf den 1. April 1926 fest, damit die Länder genügend Spielraum für die Ausnutzung der Hauszinssteuer erhalten. Schließ­lich vereinfacht er die jetzigen Vorschriften über die Milderung der Steuer durch Abzug der Zinsen für aufgewertete Hypotheken und durch Berücksichtigung des Eigenkapitals. In Zukunft soll der Grundstückseigentümer für sein Eigenkapital wie ein Hypo­thek engläubiger behandelt und ihm hierfür die nach den allgemeinen Grundsätzen über die Aufwertung einem Hypothekengläubiger zustehende Verzinsung gewährt werden. Da­neben bleiben die Sondervorschristen für Grund­stücke, die am 1. Juni 1914 unbelastet oder nur bis zu 20 v. H. des Gesamtwertes belastet waren, bestehen.

Erhöhung der Bier- und Tabaksteuern.

Berlin, 2. März. (WB.) Die Erhöhung der Bier- unh Tabaksteuer hat sich angesichts des dringenden Finanzbedarfs des Reiches als notwendig erwiesen. Wenn auch die Einnahmen des Deiches im Laufe des Rechnungsjahres 1924 sich günstig entwickelten und für die nächsten Monate noch mit dem Bedarf deckenden Steuer­eingängen gerechnet werden kann, so darf doch daraus nicht der Schluß gezogen werden, daß die Finanzlage des Reiches als gesichert zu be­trachten fei. Die Berechnungen, die im Reichs­finanzministerium aufgestellt wurden, lassen viel­mehr Har erkennen, daß, wenn nicht schon früher, so jedenfalls im Rechnungsjahr 1926, selbst bei äußerster Drosselung der Ausgaben, die Ba­lancierung des Haushalts mit den jetzigen Einnahmen nicht möglich sein wird. Die Schwierigkeiten wachsen von Jahr zu Jahr und können nur beseitigt werden, wenn die Einnahmequellen des Reichs restlos aus- geschöpft werden.

Die Besitz st euern bieten hierzu ein ge­eignetes Objekt nicht mehr, und zwar um so weniger, nachdem es erforderlich wurde, aus der aus Rotverhältnissen erwahsenen lieber» fpannung der steuerlichen Belastung herauszu- kommen.

Es bleibt nur übrig, auf die in den Ver­brauchssteuern liegenden Reserven zurück-- zugreifen.

Aber auch hier sind Grenzen gezogen insoweit, als die Reichsregierung es nicht für angängig erachten kann, den notwendigen Bedarf (z. D. Salz und Zucker) einer Höherbelastung zu unterwerfen, ganz abgesehen davon, daß sehr erhebliche Mehreinnahmen aus diesen Quellen nicht zu erwarten stünden. Dagegen erscheint zur Deckung des Finanzbedarfs die steuer­liche Heranziehung des Verbrauchs von Genußmitteln, wie Bier und Tibak, die nach der auch vom Reichstag anerEannteit/ Begriffsunterscheidung zum entbehrlichen Ver­brauch zu rechnen sind, vertretbar and geeignet. Mehreinnahmen in den erforderlichen Ausmaß zu schaffen

Der Entwurf sieht für Bier eine Ver­doppelung der Steuersätze vor. Für Tabak sollen die Steuersätze bei Zigarren und Pfeifentabak von 20 aus 25 Proz., Zigaretten und feingeschnittenem Tabak von 40 auf 50 Pro­zent, Kautabak von 5 auf 10 Proz., Schnupftabak von 10 auf 15 Proz. des Kleinverkaufspreises heraufgesetzt werden.

Daneben wird, um den Zo11schuh für den im Inlande gibauten Tabak zu verstärken, eine Erhöhung des zur Zeit für unbearbeitete Tabakblätter geltenden Zollsatzes von 30 auf 80 Rm. vorgefchlagen.

Der Sch ußberichr.

Prüfung bcx? (Gutachtens durch den Botsciivfterrat.

Paris, 3. März. (TA.) Der Dotschafter- rat trat heute Dienstag um 10 Abr vormittags zur Prüfung der Denkfchrtft des in­teralliierten Militarkomitees zu­sammen. Ser S hung wohnte Ma schall Foch bei, der persönlich die Schlußfolgerungen seines Gutach.en i entwickelte. Der Dvtscka tellvnfe enz liegen der Generalbericht und ba^ in ge- dräntter Kürze die wichtigsten Feststellungen des Gene>alb.-ttcht3 toiebetgebei be Gutachten vor. Marschall Foch hatte gestern vormittag eine lange Unterredung mit Herriot, dem er ein Exemplar des Gutachtens überreichte.

Sie Morgenblätter rechnen bestimmt damit, daß die D o t s ch a f t e r k o n f e r e n z im Ver­lause ihrer heutigen Sitzung es zunächst einr.al dabei bewenden lassen wird, von dem inter- allliertcn M litärkom tee sich weitere ergän­zende Auskünfte zu erbitten und sich als­dann vertagen wird. Die militärischen Sach­verständigen sagt derMaiin" haben sich eng im Rahmen ihrer Befugnisse gehalten, um n.cht politischen Erwägungen der Botschafter vor­greisen zu wollen. Aus der geschickten Anord­nung des Berichtes und der logischen Aufein­anderfolge der einzelnen darin aufgestelltrn Tat­sachen ergibt sich ein genaues Bild über die militärischen Vergehen des Deutschen Reiches. Der 16 Seiten umfassende Bericht enthält zahl­reiche Photographien und stellt fest, mit w e 1 - cher Hartnäckigkeit General v: Seeckt die militärische Ausbildung betrie­ben hat. Nichts sei dem methodischen Vorgehen des Oberkommand'.erenden er.t'angen, weder d i e ständig erneuerten Manns chafts- beftänbe der Reichswehr noch die zahl­losen militärischen Geheimorgani­sationen noch die H e r st e l l u n g des R ü st u n g s m a t e r i a l s, die v. Seeckt mit großer Geschicklichkeit entwickelt hat. Eine der Feststellungen besagt, daß Deutschland Ende 1918 in der Lage war, täglich 100 Kanonen herzu- stcllen, und daß es heute noch täglich 50 Kanonen in' seinen Werkstätten er­zeugen könnte.Daily Mail" zufolge lautet der Schlußsatz des Gutachtens:Es ist festzu- stelen, daß Deutschland seine Polizei st reit- kräftc nicht zu Polizeizwecken, sondern als gut ausgebildete und gut ausgerü­stete Armee bei dem ersten Anlaß verwenden wird." Ein Teil dec Morgenpresse deutet an, daß die Dotschasterkvnserenz im Augenblick aus den verschiedensten Gründen eine Entscheidung zu vertagen wünscht. Die alliierten Mächte wollen vorläufig noch Zelt gewinnen. Immerhin ist der Gang der Ereignisse klar vorgezeichnett und es wird Ende dieses Monats wahrscheinlich in Brüssel eine interalliierte Kon­ferenz einberufen werden. Die Deutschen wer­den erst in der Folge zugelassen. Es wird von fetten der Alliierten in der Note, die sie nach Erreichung eines grundsätzlichen Einvernehmens nach Berlin senden werden, eine ausdrückliche Einladung an Deutsch'and nicht ergehen lassen; ein deutsches Gesuch um nach­trägliche Zulassung würde jedoch nicht ab­gelehnt werden. Der zögernden Haltung der Alliierten liegt offenbar der Wunsch zugrunde, das Problem der deutschen Abrüstung und die damit zusammenhängende Räumung Kölns erst zu lösen, wenn eine Verständigung über die französische Sicherheitsgaran­tie herbeigesührt fein wirb. (Echo de Paris.)

Der Vorsitzende des Obersten Ausschusses für nationale Verteidigung, Boncvurt, teilte gestern am Schlüsse einer Ausschußsihung mit, daß Frankreich in Genf die Forderung auf Entmilitarisierung der Rheinlande offiziell erheben werde mit der Begründung, daß dies die einzig wirksame Garantie für Frankreichs Sicherheit sei.

Um b:e Veröffentlichung.

London, 3. März. (Wolff. Funkspruch.) Ein Sonder Korrespondent derWestminster Gazette" schreibt, die Kommentare von Foch liegen dem Foreign Office nur in der nichtamtlichen Form vor. Die amtliche Auffassung sei einer Veröffent­lichung des Berichtes und der Kommentare ab­geneigt und zwar aus folgenden Gründen. Der Bericht fei außerordentlich lang, sehr tech­nischer Natur und in seinen Einzelheiten wesent­lich eine Sache für Militär-Sachkundige. In amtlichen Kreisen werde der Gedanke ausgespro­chen. daß es keinen nützlichen Zweck haben würde, eine Menge verwickelter Angelegenh i'en zu ver­öffentlichen, die nur von Technikern be­griffen würden. Trotzdem werde aber viel­leicht die Veröffentlichung beschlossen werden. Daily News" sagt, wenn nach der Behauptung französischer Blätter der Berichtbeweise", baß Deutschland sich effektiv auf einen Rache- Krieg vorbereite, so werde es notwendig sein, den Bericht restlos zu veröffentlichen.

Deutschnat onale Politik in Hessen.

Der Engere Landesvorstand der Deutschnationalen Volkspartei hielt am Sams­tag in Frankfurt eine Sitzung ab. Der Vor­sitzende erstattete Bericht über die Verhand­lungen des Vertretertages in Berlin. Er teilte mit, daß er sich noch einmal persönlich an den Parteivvrsitzenden wegen des spanisch-deut­schen Handelsvertrages gewendet und in seinem Schreiben besonders auch die Staats­notwendigkeit eines Schuhes des Weinbaues im besetzten Gebiet betont h ibc. Im Zusammenhang wurde noch einmal die Aufwertungsfrage eingehend erörtert. Es bestand vollkommene Ei­nigkeit, daß die Lösung dieses Fragenkomplexes nach den Grundsätzen von Treu und Glauben erfolgen müsse, was in einer für die Reichstagsfraktion bestimmten Entschließung zum Ausdruck kam. Gegenstand weiterer Der-

hanoiungen btlveten Den kommenden Partei» t a g berührende Fragen, Fragen, die Presse angehend und solche finanzieller Natur.

2lus aller Welt.

Ein stürmisches Datting-Konzert in Rom.

In dem letzten Konzert des Darmstädter Musikdirektors Michael Balling in Rom be­geisterte sich das Publikum derart, daß es stür­misch die Wiederholung des Trauermarsches aus der Götterdämmerung verlangte. Als dies nicht gewährt wurde, verhinderte es Balling an der Fort ührung des Konzertes, so daß der Musiker den Konzertsaal ver­lass en mußte. Als dann durch ein Mitglied des Orchesters dem Publikum gesagt worden war, daß die Posaunenbläser nicht mehr an­wesend seien und daher der Marsch nicht wieder­holt werden könnnte, beruhigte sich dies, und das Konzert konnte seinen Fortgang nehmen.

Millionendiebstahl eines Chinesen.

Durch Vorspiegelung falscher Tatsachen hat sich ein Chinese von drei verschiedenen niederländischen (Bauten in Weltevreden (Java) 13 Mill. Franken (1,2 Mitt. Gulden) ver­schafft.

SchifsSbrand

Aus Antwerpen wird gemeldet, daß an Bord des amerikanischen DampfersW e st C a st l e", der eine MaCcout-Ladung an Bord hatte, err (B r a n b ausgebrochen ist. Die Flammen biobter auf die umliegenden Schiffe überzugretfen. Rach mehrstündigen Bemühungen gelang eS, das F c u e r auf den eigentlichen Brandherd zu b e= schränken. Der Dampfer ist vollkommen aus­gebrannt.

Weitere Erdbeben in Amerika.

Wie aus Washington gemeldet wird, wurden Erdstöße auch in Cleveland, Cincinnati, Louisdille, Pitsburg, Richmond, Philadelphia, Rewhaven, Montreal und anderen Orten Äa= nadas gespürt.

Schiffszusammenstoß

Ein französisches Torpedoboot kollidierte tm Verlaufe der Flottenmanöver mit einem Unter­seeboot: das Torpedoboot wurde dabei ziemlich stark beschädigt, konnte aber die Fahrt aus eige­ner Kraft fortsehen.

Gutsbrände in Pommern

Aus Mecklenburg und Pommern wird über zahlreiche Brandstiftungen berietet, £> immer größeren Umfang annehmen. Bei Weserburg wurden sechs Scheunen auf einmal in Brand gesteckt. Fünf brannten bis auf die Grundmauern nieder.

Ein spanischer Segler gescheitert.

Aus San Sebastian wird gemeldet, baß der spanische SeglerCizne". der mit eine Kohlenladung von La Coruna nach Bilbao unterwegs war, im Sturm an der spanischen Küste gescheitert ist. Die sechs Mann starke 'Be­satzung ertrank.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 3. März 1925.

Jur Beisetzung

des Reichspräsidenten.

Das Polizeiamt Gießen teilt mit, daß nach Anordnung des Ministeriums des Innern am Deisctzungstage des Herrn Reichspräsidenten jede Art ösfentlicher Musik, sowie sonstige öffentliche Lustbarkeiten einschließlich Schauspielvorstellungen und Lichtbilbvorstellungen verboten sind.

Nach einer Verordnung des preußischen Staatsministeriums gilt für Preußen bet Mittwoch, 4. März, als Deiseyungstag. Rach einer Erläuterung der hessischen amtlichen ©teilen gilt für Hesse n der Donnerstag, 5. März, als Tag der Beisetzung.

Die gemeinsame Trauerseier in den Schulen findet nach einer Bestimmung des Lanbesbil- dungsamtes am Donnerstag statt.

Einziehung von Reichsbanknoten.

Das Reichsbankdirektorium veröffentlicht fol­gende Bekanntmachung über den Aufruf und die Einziehung von Reichsbanknoten:

Auf Grund des ß 3 des Bankgesetzes vom 30. August 1924 (Reichsgesetzblatt Teil II 6. 235) rufen wir alle Reichsbanknoten, deren Ausferti­gungs-Datum vor dem 11. Oktober 1924 liegt, soweit sie nicht bereits aufgerufen sind, hiermit zur Einziehung auf. M i t dem Ab­lauf des 5. Juni 1 925 verlieren die auf gerufenen Roten ihre Eigen­schaft als gesetzliches Zahlungsmit­tel. Die Besitzer dieser Roten können sie noch bis zum 5. Juli 1 925 bei allen Kassen bet Reichsbank in Zahlung geben ober in bem gemäß § 3 Abs. 3 des Dankgesetzes vorgeschriebenen Ver­hältnis, wonach 1 Billion Mark durch eine Reichsmark zu ersehen ist, gegen gesetzliche Zah­lungsmittel umtauschen. Mit diesem Zeitpunkt werden die aufgerufenen Banknoten kraftlos, und es erlischt damit auch die Einlösungs^flicht der Reichsbank. Roten in Abschnitten unter zehn Milliarden Mark sollen nur in Gebinden und in einem durch zehn Milliarden teilbaren Betrage eingereicht werden. Die Gebinde sotten nach den im Geldverkehr üblichen Gebräuchen formiert und gepackt fein.

Gtehener Wochenmarktvreise

am 3. März (Handlerpreise).

Es kosteten auf dem heutigen WvchenrnarV Butter 210, Matte 40, Käse 70, Wirsing 20 Weißkraut 15, Rottraut 20, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 45, Llnter-Kohlrabi 8, Grün­kohl 25. Feldsalat 100, Endivien 100, Tomaten 150, Zwiebeln 20 bis 30. Meerrettich 40 bis 100. Schwarzwurzeln 50 bis 70, Kartoffeln 5. Aepsel 15, Honig 40 Pf. das Pfund. Eier 11, Blumen­kohl 100 bis 150, Salat 50, Lauch 10 bi« 15, Sellerie 20 bis 60 Pf. das Stück.

wertetvoroLy agc.

Zeitweise aufklärend, stärkere nördliche bis östliche Winde, etwas kühler, vorwiegend trocken.

Das über England lagernde Hochdruckgebiet hat an Ausdehnung gewonnen. Aus dem Konti­nent überall steigendes Barometer. Das süd- französische Tiefdruckgebiet dürfte daher keinen besonderen Einfluß gewinnen, so daß zunächst mit beständiger Witterung zu rechnen ist.