llr. 52 Erstes Slaü
175. Jahrgang
Dienstag, 3. März 1925
metzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Dmrf und Verlag: vfiihl'sche Univerfilütz-Vich- und Steinömdcret R. Lanae in Gietzen. Schriftleitung und Gefchäftrftelle: Zchulltra^e 7.
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pokscheckionto: Srantfuh a. M. iitoe.
Der neue Präsident.
Dew brutsche Zeitungleser muh ein Trommelfeuer von Namen über sich ergehen lassen, tvenn er sich ertunbiat, wer als Nachfolger Friedrich Eberts für den Posten des Reichspräsidenten in Betracht kommen soll. Wenn auch der Tod Ebert sehr unerwartet gekommen ist. so war doch die Frage der Nachfolge verschiedentlich erörtert worden, da die Amtszeit des ersten Präsidenten der deutschen Republik am 30. 3unt ablief. Die Auswahl unter den zahlreichen Kan. bi baten wird leichter sein, wenn ein offenes Wort über die Bedingungen gesprochen wird, denen das kommende Reichsoberhaupt zu genügen hat.
Don den Parteien der sogenannten Weimarer Koalition wird die Forderung in den Vordergrund gerückt, dah der neue Präsident e i n überzeugter Republikaner sein müsse. Diese Parteien erklären es für ein Unbing, dah an die Spitze der deutschen Republik ein Mann treten könne, der in einer Monarchie die für daS deutsche Volk geeignetste Staatsform siebt. Man wird dem ent gegen halten können, dah auch die französische Republik nicht immer überzeugte Republikaner zur Präsidentenwürde berufen hat. Kaum zwei Jahre nach dem für Frankreich so beschämenden Zusammenbruch des zweiten Kaiserreiches konnte der Marschall von Napoleon- Gnaden Mac M a b o n das Palais an den Chnmps Elyses beziehen. Da ja doch der neue Reichspräsident den G i d auf die Verfassung des Deutschen Reiches abzulegen hat, ist die Sorge, den Nachfolger Eberts konnte eine gewaltsame monarchische Restauration herbeisühren. nicht viel mehr als ein Vorwand, um eine grohe Zahl geeigneter, rechtsstehender, Kanditaten auszuschlle- hen. Seit den Weimarer Tagen von 1919 ist die Koalition der Sozialdemokraten, der Demokraten und des Zentrums immer mehr zusammengeschrumpft und aus einer erheblichen Mehrk^ll zu einer Minderheit geworden. Es wäre nicht nur nicht „ba« Gegebene", sondern das gerade Gegenteil davon, wenn ein Mann an die Spitze de- Deutschen Reiches berufen würde, dessen Hauptvorzug es wäre, von der Weim-rer Koalition getragen zu sein. Diele Feststellung muh zu bet' Forderung Veranlassung geben, dah der neue Reichspräsident kein bl o- f)er Parteimann sein darf. Wenn es unter den inaktiven deutschen Parteipolitikern einen Mann gäbe, der eine überragende Autorität besähe, so liehe sich ein solcher Mann allenfalls als Kandidat für ganze Schichten und BerusSgruppen unsere- Volkes präsentieren. Die heute in Deutschland lebenden inaktiven Politiker sind fast ausnahmslos so bejahrt, dah man ihnen kaum die für die Führung eines solchen Amtes notwendige geistige und körperliche Spannkraft zutrauen kann, mindestens aber würde die Gefahr bestehen, dah ein siebzig- oder fünfundsiebzigjähriger neuer Reichspräsident vor Ablauf seiner siebenjährigen AmtSperiode sterben würde.
Immer häufiger hört man, daß es toün- schenswert wäre, einen gewissen Turnus in der Berufung von Persönlichkeiten zum höchsten Amte im Reiche eintreten zu lassen und dann auch aus die Dauer innezuhallen. Danach sollte auf den Vertreter der Handarbeiterschoft Fritz Ebert nunmehr ein .Intellektueller" folgen. Gewih gibt es unter den deutschen Künstlern und Gelehrten manchen, dem eS an der nötigen Würde und Sachkenntnis zur Führung des hohen AmteS nicht fehlen würde. Don den hier in Betracht kommenden Persönlichkeiten haben jedoch wenige eine ausreichende politische Schulung genossen. die sie befähigte, sofort die Tragweite aller ihrer Handlungen und Unterlassungen zu erkennen. Das neue Oberhaupt des Deutschen Reiche- würde seinem Daterland keinen Dienst erweisen, wenn es vor aller Welt einen weithin sichtbaren Gdnnkenslug oberhalb und außerhalb der rauhen Wirklichkeit nehmen würde. Was auch denen, welche Friedrich EbertS LebenSanschauungen nicht teilten. Achtung und Anerkennung abgenötigt bat. war die ruhige und nüchterne Art. wie der erste Reich-Präsident die Geschäfte führte.
So muh besonders eindringlich davor gewarnt werden, daß etwa ein Mann mit fanatischer, einseitiger Einstellung etwa zur Frage des Dölkerbundes zum Pazifämus ober zu einer anderen internationalistischen Ideologie zum Reich-Präsidenten und damit zum ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht gemacht würde. Damit ist nicht gesagt, dah eine farblose oder eine in allen Farben schillernde Persönlichkeit der geeignete zweite Präsident fein würde. Mehr aW je muh jedoch das Reichsoberhaupt in den nächsten Jahren alle sich bietenben Gelegenheiten zur Besserung und zur Festigung ber politischen Stellung Deutschlands benutzen tonnen
Tian toirb nach einem Mann Umschau halten müssen, per in ber Uebemahme des höchsten /n Deutschland nicht die Befriedigung persönlichen Ehrgeizes und ebensowenig ein OKit- tel jur Forderung einer engen Partei- und Gesinnnungsgemeinschaft erblickt. De Kandida- ten für Reichspräsidentenposten müssen fo- llbe Kenntnisse unserer außenpolitischen Beziehungen und «ne klare Vorstellung von den wenigen uns verbliebenen weltpolitischen Wirkungs- moglichkeiten besitzen. Eine mechanische Unter- scheidung zwischen „Männern des alten Regimes" und Männern des neuen Regimes" muh als unsachllch und unvernünftig verworfen werden Der neue Reichspräsident muh auf Anerkennung und äußere Ehrung bei Lebzeiten verzichten und sich damit begnügen können, seinem Volk auf dem Weg zur Freiheit ein Stück weiter verhalfen zu haben.
Die Beisetzung des Reichspräsidenten.
Die Berliner Trauerfeier. — Die Trauerparade der Reichswehr. — Dor dem Reichstag. — Die Uederführung nach Heidelberg.
.Berlin. 2. März. (WB.) Die von ber Reichsreaierung und dem Reichstag veranlahten LrauerfeierNchkeiten zu Ehren des verstorbenen Reichspräsidenten bestehen aus einer Trauerfeier, die im Haufe bes Reichspräsibenten ftatt- finbet, fobann einem Trauerzug. ber Gelegenheit zu einer Feier vor dem Reichstagsgebäude gibt unb einem Ab schieb auf bem Potsdamer Bahnhof.
Die Trauerfeier der Reichsregierung findet am Mittwoch, ben 4. März, 3 Uhr nachmittags im Trauerhause statt. Hierbei werben Vertreter ber auslänbischen Regierungen unb bes bidiomatischen Korps anwesenb fein, sowie die Mitglieder der Reichsregierung mit dem Reichskanzler, bet Reichstagspräsibent, die Staats- und Ministerpräsidenten ber Länber. die Staatsrnenister, die stimm führenden Reichs- ratSbevollmächtigten, Vertreter ber Parlamente von Reich, Land und Stabt, bie Spitzen ber Reichs- unb Staatsbehörden, bet Oberbürgermeister von Berlin mit Dertretern des Städte- tages, einzelne Vertreter der wirtschaftlichen Organisationen. der Presse sowie von Kunst unb Wissenschaft, anwesenb fein. Auherbem flnb die Freunde bet Familie Ebert sowie bie Aerzle unb aobere Persönlichkeiten, welche bem Verstorbenen nähergestanben haben, geloben.
Die Trauerfeier beginnt mit dem Trauer- marfch aus bet „®roica von Beethoven, ben das Orchester ber Berliner Staatsoper unter ber Leitung von Erich Kleiber ausführt. Es folgt ein Trauergefang aus bem 16. Jahrhundert, aus bem 75. Psalm, an den sich eine Rebe bes Reichskanzlers Dr. Luther anschlieht. Zuletzt singt ber Chor ber Staats- oper, ben Prof. Rüdel dirigiert, ein Grablieb von Earl Maria v. Weber.
Sobann versammelt sich der Teil des Trauergefolges. dem Zulah zu dieser Feier gegeben werben konnte, im Hose, wohin ber Sarg im einem ohne Ueberbad)ung altarartig ausgestalten Trauerwagen übcrgefüljrt wird.
Ilm 4 illjr erfolgt in ber Wilhelmstraße, deren oberer Teil entsprechen!) abgesondert wirb, eine
Trauerparabe ber Reichswehr.
Die Trauerparabe wirb kommandiert von Generalmajor Siehr, bem Kommandanten von Berlin. Sie besteht aus einer prcuhischen Schwadron unb einem Infanteriebataillon, das aus je einer preußischen, bayrischen, toürttcmbcrgi- schen unb badischen Kompagnie gebildet wirb, einer Küstenwehtkompagnie und einer Batterie. Die Ordnung des Trauerzuges, soweit dies vorher irgend möglich war, ist bis ins einzelne geregelt. Gr wird eröffnet von berittenen Mannschaften ber Schutzpolizei.
Der Wagen mit dem Verstorbenen wird geführt und geleitet von den im Bureau des Reichspräsidenten tätigen Referenten. Ihm folgen die Söhne, Verwandten unb nächsten Freunde des Reichspräsidenten, sowie ber Chef deS Bureaus des Reichspräsidenten Staatssekretär Meißner und Reichstunstwart R e d s I o b. Als Ehrengeleite folgen sodann der Reichskanzler, der Reichstagspräsident, Vertreter fremder Regierungen und Vertreter der deutschen Länder unb des Reichstages.
In der weiteren Gruppe folgen als Vertreter der deutschen Beamtenschaft die Staats- fefretäre, der Präsident des Reichsgerichts. ber Generaldirektor der Reichsbahn, ber Reichsbank- vräsident, Vertreter des ReichSwirtschafüsrates, des Preußischen Landtages sowie ber Oberbürgermeister unb ber Stadtverorbnetenvorsteher von Berlin mit einer Vertretung des Deutschen Stäbtetages.
Ihm schließen sich an einzelne Vertreter wirtschaftlicher Organisationen. Vertreter ber Presse, ber Wissenschaft, Kunst unb Bühne sowie bie übrigen Teilnehmer. Es folgen bann bie Wagen mit ben Damen ber Familie Ebert. Hierauf kommen bie Wagen mit ben in über» wältigenber Fülle gespendeten Kränzen unb Blu- aien. Daran schließen sich bie Gruppen aller Derbänbe unb Organisationen, bie an ber Feier teilzunehrnen gedenken, unb über bie zur Zeit ooch keine vollständige Gruppierung gegeben werden kann, ba immer neue Anmeldungen einlaufen, an.
.Der Tr a u e r j u g geht durch ben oberen Teil ber Wtlhelmstraße, nimmt ben Mittelweg ber Straße unter ben Groben unb geht von ba über ben Pariser Platz durch das Mittelportal des Brandenburger Tores. Dort biegt er nach re<$t$ zur Sommerstraße. Er umschreitet das Reichstagsgebäude auf dem Wege über das Reichstagsufer, von wo er sich zur Rampe der Haupttreppe deS Reichstages am Königsplatz wendet.
Dor bem Reichstagsgebäude hält der Zug.
Hier entbietet der Reichstagspräsident umgeben von ben Abgeordneten des Reichstags und Vertretungen des ReichSwirischallsrc-tS. des Preußischen Landtags und des Stadtparlamentes. dem toten Reichspräsidenten den letzten Gruß der Volksvertretung. Unter den geladenen Gästen des Reichstags befinden sich die Mitglieder des diplomatischen Korps. Der Koßlecksche Bläserkorps wird hier
bei dieselben Weisen spielen, die er in Gegenwart des Reichspräsidenten Ebert bei der Trauerfeier am 3. August vorigen Jahres vorgetragen hat: Zu Anfang Haendels Trauermarsch unb am Ende ..Ich hatt' einen Kameraden". Durch bie Freigabe des Königs Platzes für die Derbäiide unb alle die. die einzeln an der Feier teilnehmen wollen, ist hier Gelegenheit zu einem Abschied- nehmen für viele Tausende gegeben.
Der Zug geht bann durch bie FriebenSallee zur Budapester Straße, entlang den Gärten ber reichseigenen Gebäude. In bem Augenblick, in dem der Wagen mit bem Toten das von einer Ehrenwache flankierte Gartenportal des Hauses des Reichspräsidenten erreicht, hält er auf einige Sekunden. Dann geht der Zug zum
Potsdamer Platz.
Hier wird der Sarg vom Wagen genommen unb auf einem Podest unter dem mittleren Torbogen des PortalvorbaueS aufgestellt. Die Teilnehmer des Zuges gehen dann zum letzten Gruß am Sarg vorbei. Dieser Vorbeimarsch dauert bis gegen Abeird. Unmittelbar vor Abgang bes Zuges, ber den Toten nach Heidelberg überführt, verstummt die Musik. Die Lo omotiven geben ein Signal. Alle Trauergäste entblößen das Haupt. Der Sarg wirb in einen Wagen des Trauerzuges überführt, der den Toten zur letzten Ruhe in seine Vaterstadt leitet.
Der Sonderzug, der von ber Reichs- bahnbireltion Berlin für
die Meberfübrung nach Heidelberg
zur Verfügung gestellt wirb, wirb aus einer Reihe von Salon- und Schlafwagen für die Familie des Reichspräsidenten unb bie an ber Uederführung beteiligten offiziellen Persönlichkeiten bestehen. Der Sarg wirb, ba ein Salon- Leichenwagen nicht mehr vorhanden ist, in einem würdig ausgefchmückten Gepäckwagen untergebracht.
Der Sonderzug verläßt am Mittwochabend 6.33 Uhr Berlin, er wird über Magdeburg, Kreiensen, Bebra, Hanau geführt. In Bebra trifft er 3.55 Uhr morgens ein, fährt 4.15 Uhr weiter unb trifft um 9.30 Uhr in Heibelberg ein. Am Bahnhof ist seitens ber Stadtverwaltung ein entsprechender Empfang in Aussicht genommen. Der Badische Landtag und die höheren Staatsbeamten begeben sich mittels Sonderzuges nach Heidelberg. Acht ©enbarmerie- beamte ber Polizeibirektion Heidelberg werden den Sarg tragen. Ahordnungen der deutschen Parlamente unb Regierungen werden dem Leichenwagen zu Fuß folgen.
Trauerkundgebung des Hessischen Landtages.
Darmstadt, 2. März. (TU.) Der Hessische ßanbiag war vom Präsidenten Adelung für heute nachmittag 4 Uhr telegraphisch zu einer Trauerkundgebung eingeladen worden. Dieser Einladung ha len die Abgeordneten, der Staatspräsident und die Regierung Folge geleistet, mit Ausnahme der Kommunisten und Deutschnationalen. Die Galerien waren dicht beseht. Der Sitzungssaal war mit Lorbeerbäumen geschmückt, der Regierungstisch mit Flor und Lorbeergirlanden bekränzt. Stehend horte das Haus die
Ansprache des Präsidenten Adelung an, der u. a. folgendes auSführte:
../Der Anlaß, der den Hessischen Landtag heute zusammensührt, ist überaus ernst. Der oberste Beamte ber deutschen Republik, ihr erster Reichspräsident, Friebrich Ebert, ist plötzlich ba- hingefchieden, mitten aus der Vollkraft seine- Lebens von einer tückischen Krankheit dahin- gerafft, herausgerissen aus seiner Arbeit. Das schwergeprüfte deutsche Volk steht tieftrauernd an der Bahre des Mannes, der ihm in den Jahren schwersten Leidens und bitterster Trübsal ein sicherer Führer war, der es vermocht hatte, die Stellung des Oberhauptes im neugeformten Staatswesen mit Vertrauen und Hochachtung zu umrahmen. Die Aeuherungen der Wertschätzung und der Verehrung, die vom Ausland kommen, bezeugen deutlich die Größe deS Verlustes. Die auf Frieden und Verständigung gerichtete, zielklare Haltung des Reichspräjidenten hat unend- llch viel dazu beigetragen, daß die Kriegspsychose, die das Leben der Volker vergiftete, allgemach im Schwinden begriffen ist. Friedrich Ebert war ein glühender Patriot, der sein eigenes Doll über alles liebte. Ebert wao der schlichte Mann des Volkes, der sich als Staatsmann von großen Qualitäten erwies.
Jedermann, der das Glück hatte, in persönlichen Verkehr mit ihm zu treten, war. auch wenn er von anderer politischer Grundeinstellung war, bezwungen von der absoluten Grobheit unb von der Reinheit seines Wollens. Ihn leitete vor allem der große demokratische Gedanke: Des Volkes Wille ist oberstes Gesetz. Als Reichspräsident fühlte sich Ebert nur als oberster Diener seines Volles. Die Geschichte wird, losgelöst von Tagesmeinungen und Parteiungen, im Rahmen des großen und ganzen fein Leben und Wirken zu würdigen haben. Seinem Takt und feiner Einsicht ist es zu danken, wenn in stürmischer Zeit das Deutsche Reich nicht zerfiel. Das deutsche
Volk. daS das Andeillen Friedrich EbertS ehrt, ehrt sich damit selbst.
Der Redner teilte dann noch mit, daß er den Angehörigen des Verstorbenen sein Belleid zum Ausdruck gebracht habe. Der Reichsregierung werde Mitteilung von der Trauerkundgebung des hessischen Parlaments gemacht werden. Die Sitzung wurde darauf geschlossen.
An den Deisehungsfeierlichkeiten in Heidelberg werden als Vertreter deS hessischen Landtages die drei Präsidenten Adelung. Ruß und H e l m o 11 tellnehmen. ferner zwanzig Abgeordnete. Der hessische Landtag wird am Grabe deS Reichspräsidenten einen Kranz mit Schüfe in den hessischen Landesfarben niederlegen. mit der Widmung: Dem ersten Reichspräsidenten in dankbarem Gedenken der Landtag des Volk- st a a • t e s Hessen. — Die sozialdemokratische Fraktion wird ebenfalls einen Kranz in den Reichsfarben niederlegen.
Trauer*e1er
des Preußischen Landtages.
Berlin, 2. März. (WB.) Der Preußische Landtag wird nach einem Beschluß des Aellesten- rotes am Dienstagnachmittag 2 Uhr eine Sitzung abhallen, die dem Gedächtnis des Reichspräsidenten gewidmet ist. Die Ansprache wird L a n ö« tagspräsident Bartels halten. DerMitt- woch soll fitzungssrei bleiben. Auf der Tagesordnung der Sitzung am Dienstag nächster Woche steht die Wahl des Ministerpräsidenten.
Trauerseier in Frankfurt.
Frankfurt a. M„ 2. März. (WTB.) Heule nachmittag sand die Trauerfeier des Magistrats »und der Stadtverordneten für den Reichs- Präsidenten in Anwesenheit aller staatlichen und stoischen Behörden sowie der diplomatischen Vertreter in dem Kaifersaal de- Römers statt. Oberbürgermeister Dr. Canbmann gedachte deS Verstorbenen als eines QHanne-8, dessen Werk und dessen Verdienste auch die politischen Gegner hochschätzen müssen. Er habe es verstanden, seine Aufgaben über die Partei hinaus zu losen. Der Magistrat habe beschlossen, den Toten durch eine Gedenktafel in der Paulskirche zu ehren mll der Inschrift: _5>ie Stadt Frankfurt Friedrich Ebert, dem Präsidenten des Deutschen Reiches 1919—1925, zu ehrendem Gedächtnis".
Weitere Beileidskundgebungen.
Berlin, 2. März. (WB.) Reichs ar» beitsminister Dr. Brauns telegraphierte aus Kairo an den Reichskanzler: Mi» Ihnen und den übrigen Mllgkiedern der Reichsregierung weiß ich mich eins in der tiefen Trauer über das unerwartete Hinscheiden des um Volk und Staat in schwersten Zeiten hochverdienten Reichspräsidenten. Aus der Fülle der weiter eingegangenen Deileidskundgebungen sind hervorzuheben Beileidstelegramme des Königs von Spanien, des Königs Fuad von Aegypten, des persischen Ministerpräsidenten Sardar Sepag und des Präsidenten von Peru.
Ferner hat der frühere britische Premier« Minister Macdonald folgendes Telegramm an Frau Ebert gerichtet: „In der Trauer, die ich nicht in Worte fassen kann, über den Tod meines alten Freundes, sende ich, zugleich namens der Parlamentsfraktion der Labourparty. mein herzlichstes Beileid. Nicht allein Deutschland, sondern Europa haben einen weisen und geduldigen Diener verloren."
Der russische Volkskommissar Tschitscherin sandte an den Außenminister Dr. Strese- mann folgendes Telegramm aus TifliS: „Tief betroffen durch die traurige Nachricht von dem Hinscheiden des Reichspräsidenten Ebert, drücke ich Ihnen mein tiefstes Beileid aus und bitte Sie, es der Familie des Reichspräsidenten auszudrücken."
Ferner ging dem Reichskanzler folgendes Telegramm des Kaisers von Japan zu: Nachdem ich soeben mit lebhafter Trauer die Nachricht vom Tode Seiner Exzellenz, des Reichspräsidenten, erfahren habe, beeile ich mich. Eurer Exzellenz mein aufrichtigstes Beileid zu über- Mitteln.
Der Präsident der Tschechoslowakei M a f a • rhk hat folgende Depesche gesandt: Tief erschüttert von der Nachricht vom Ableben des Präsidenten Ebert spreche ich Eurer Exzellenz mein aufrichtiges Belleid aus.
Der estländische Ministerpräsident hat telegraphiert: Empfangen Eure Exzellenz d n Ausdruck meiner tiefempfundenen Anteilnahme anläßlich des vorzeitigen Hinscheidens des Reichspräsidenten.
Dom schwedischen Ministerpräsidenten ist folgendes Telegramn eingegangen: A:läh ich des Ablebens des Reichspräsidenten beehre ich mich, namens der schwedischen Regierung Ihnen die tiefgefühlte Teilnahme der Regierung zum Ausdruck zu bringen.


