Ausgabe 
3.1.1925
 
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Nr. 2 Erstes Blatt

175. Iahrgang

Samstag, 5. Januar 1925

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GietzenerAnzeiger

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(Eine neue Wettkonferenz.

Der amerikanische Senator William E. Dorah. der den Dorsitz im Auswärtigen Ausschuß des amerikanischen Senats inne hat, hat aus einem Aeujahrsempfang von Journalisten auf die Rot- Wendigkeit einer baldigen Weltwirtschafts- konferenz hingewiesen. Der auch in Deutsch­land viel zitierte Senator hat rundheraus er­klärt, daß sobald wie möglich eine Fixierung der deutschen Reparationsschuld er­folgen müsse, damit das deutsche Dolk zielbewuht an die Abtraaung seiner Verpflichtungen Heran­gehen könne. Es ist nicht nur ein Zeichen klarer Erkenntnis, sondern auch eines besonderen Mutes, wenn Senator Vorah vier Monate nach Inkraft­treten des Dawesplanes fordert, die getroffenen Abmachungen abzuändern und zu erwei- .t cm. Vorah ist ein Gegner der von Frankreich so beliebten diktatorischen Methode, die ja auch in der Frage der Kölner Zone neue Triumphe feiern konnte. Er möchte, daß an der kommenden Weltwirtschaftskonferenz auch Vertreter Deutschlands und Rußlands teilnehmen, weil sonst die zu treffende Losung nicht von De- stand sein könne.

Vorerst ist es noch recht schwer, sich vvrzustel- len, daß der eben wiedergewählte Herr Coo -- lidge und der mindestens doch noch ein Jahr amtierende Staatssekretär Hughes die Sow- jet-Regierung just in dem Augenblick nach Wa­shington einladen könnten, an welchem die Schi­kanierung der Privatwirtschaft und die Propa­gierung der Weltrevolution einen neuen Höhe­punkt erreicht haben. Da aber Anregungen, selbst wenn sie von angesehenen Politikern aus- gehen, viele Monate brauchen, um zur Wirk­lichkeit zu reifen, so wird man die Meinungs­äußerungen keineswegs achselzuckend abtun dür­fen. Die viel erwähnre Rede des Staatssekretärs Hughes in Acw Haven Ende 1922 knüpfte gleichfalls an eine Anregung Dorahs an; sie führte bekanntlich zu der Berufung der internationalen Sachver ständigen, zur Ausarbeitung von Reparationsvorschlägen und zur Londoner Konferenz vom Juli/August 1924. Vielleicht wird es diesmal nicht wieder zwei Jahre dauern, bis aus einer Anregung Wirklichkeit geworden ist. Zu solcher Annahme berechtigt die Tatsache, daß damals vor zwei. Jahren ein grundsätzlia-ör Kurswechsel in der amerikanischen Politik erfolgen muhte, ehe dem Dorahschen Vorschlag stattgegeben werden \ konnte.

Diesmal ist ein Kurswechsel nicht mehr nötig. Anderseits wird es dem amerikanischen Sena­tor nicht so bald gelingen, den Widerstand seines I Volkes gegen die Zulassung von Sow­jet-Vertretern zu einem internationalen Kongreß zu brechen. Wenn auch der Sinowjew- Vrief an die britischen Kommunisten als eine Fälschung und als ein Wahlmanöver entlarvt werden sollte, so steht doch unwiderleglich fest, daß ein erheblicher Teil der Wirren in Polen und auf dem Balkan auf die Umtriebe sowjet- russischer Agenten zurückgesührt werden muß.

In Genfer Völterbundlreisen wird man von den Plänen des Senators Vorah nicht besonders entzückt sein. Schon bei der Ein­berufung des Weltwirtschaftsiongreftes zu G c - n u a (Frühjahr 1922) hieß es, daß dies doch eigentlich eine Sache des Völkerbundes sei. Silan tröstete sich schließlich damit, daß ja ein großer Teil der zu treffenden Vereinbarungen von den zuständigen Dölkerbundsausschüfsen wei­ter bearbeitet und den einzelnen Regierungen zur Stellungnahme vorgelegt werden würden. Zu einer Probe auf dieses Exempe i ist es-nicht gekom­men, da sich die Arbeitsausschüsse des Genueser Wcltwir schastskongresies mit f genanntenA n - ernpfehlungen" begnügten, die säst ohne Ausnahme sang- und klanglos unter den Tisch gefallen sind. Wenn der von Dorah emvfchl.ne W.llwir.schastslongreß eine Reuauf­lage des Eatirspiels von Genua werden soll, so kann allerdings kein ernsthafter Politiker daran ein praktisches Interesse nehmen. Damals _(c£ sind jetzt bald drei Jahre her) ist es den Jn- triguen Poincares gelungen, alle Fragen von den Verhandlungen a u s z u s ch l i e ß c n . die sich aus den Versailler Vertrag im allgemeinen und das Reparationsproblem im besonderen bezogen. Als darauf Amerika die Bedingung stellte, daß das internationale Schulden Problem nicht behandelt werden dürfe, war dem Geauefer Weltkongreß auch die geringste Erfolgsmöglichkeit versperrt.

Senator Vorah hat feine Rcujahrsanregung gewiß nicht aus purem Idealismus gegeben: ihm schwebt augenscheinlich vor. Schwierigkeiten zu beseitigen, die sich zweifellos über kurz oder lang für die ameritanifd): Wirtschaft und die amerikanische Finanz ergeben werden. Deutsch­land wird durch unbegrenzte Reparationstribute zu autzerorde N.ichen Ql.iftrcngungeii aufgepritscht. Die Folge hiervon kann nur eine Beunruhi­gung des Weltmarktes fein. Auf der anderen Seite könnte das Kapital, das crmerik- nische Geldleute nach Deutschland geben, bedroht werden, wenn die europäischen Alliierten nach wie vor ihre politische und militärische lieber» macht gegenüber Deutschland geltend machen dür­fen. Man d-rf annehmen. daß auf eiter etwaigen, nach Washington einzuberufenden Weltwirt­schafts-Konferenz nicht wieder eine Verstümme­lung der Tagesordnung eintreten wird, wie dies vor drei Jahren bei Ausarbeitung des Genueser Verhandlungsplanes geschehen ist. Für alle wirt­schaftspolitisch urteilsfähigen Deulichen steht es außer jedem Zweifel, daß die Abwicklung des Dawes-Programms außeror-

Um die Regierungsbildung.

Der Plan eines überparteilichen Kabinetts.

Reichskanzler Dr. Marx, der das neue Jahr mit verschiedenen Besprechungen mit dem Reichs­präsidenten über die Regierungsbildung einlei­tete, scheint jetzt auf den Gedanken verfallen zu sein, ein überparteiliches Kabinett zu bilden, zumal er endgültig zu der Einsicht gekommen ist, daß vorläufig kein anderer Weg möglich ist. Daß es ihm gelingen wird, ein solches Kabinett zusammenzustellen, darf man wohl als sicher annehmen, eine andere Frage allerdings ist, ob die Parteien des Reichs­tages mit einer solchen Lösung einverstanden fein werden. In. Zentrumskreisen hofft man aber, daß es in absehbarer Zeit möglich sein werde, vom überparteilichen Kabinett wieder zur Ar­beitsgemeinschaft der Mitte zurückzukehren. Sollte Herr Marx tatsächlich dieses Ziel im Auge haben, dann ist es unverständlich, weswegen er erst den Umweg über ein unparteiliches Kabinett wählt, dessen parlamentarische Grundlagen heute noch fein Mensch kennt und von dem man nicht weiß, wie lange es sich wird halten können.

Der letzte Weg.

Widerstand der Flügelparteien.

Berlin, 2. Jan. (TU.) Zu dem Plan eines Überparteilichen Kabinetts bemerkt das Blatt des Reichskanzlers, dieG e r m a n i a: ..Dieses überparteiltche Kabinett mühte natür­lich in feinem Kern dieselbe Zusammen­setzung haben wie die jetzige: denn es ist nicht gut möglich, in diesem Stadium der Regierung die leitenden Persönlichkeiten zu wech­seln. So dürste auch das neue Kabinett wieder unter der Führung von Marx und Strese - mann als Außenminister stehen. Dieses über­parteiliche Kabinett hätte dann auch im Reichs­tage eine, wenn auch schwache parlamen­tarische Basis. Zu seiner Außenpolitik wird es aber unschwer eine große Mehrheit im Reichs­tage finden. Das ist zur Zeit das wesentlichste. Die Rückbildung einer Arbeitsge­meinschaft der Mitte dürfte sich bann im Laufe der Zeit von selbst ergeben.

Die konservative ,K ' eu, t tün g" be merkt dagegen:Dieses überparteiliche Kabinett wird nicht von Dauer fein können. Vor allem aber wird es auf die Unterstützung der Deutschnationalen an getoiefen sein. Ob ihm diese gegeben werden kann, ist äußerst zweifelhaft. Auf ein Regieren mit wechselnder Mehrheit von links oder rechts können sich die Deutschnatio aalen keines­falls einlafien. Vor allem aber ist hierbei die preußische Frage nicht zu vergessen. Ein solches Kabinett im Reich muh die Beseitigung der Scveringloalition in Preußen zur Voraus­setzung haben."

Der ..Vorwärts" nennt den Plan eines überparteilichen Kabinettsverschämter Bürgerblock" und fuhrt aus:Anscheinend ist nicht beabsichtigt, eine Regierung zu bilden, die den bisherigen Kurs festhält, sondern das Streben gehl dahin, den Dürgerblock unter der Maske eines überparteilichen Kabinetts über die

Hintertreppe einzuführen. Daß ein solches Ma­növer von der Sozialdemokratie mit Miß­trauen beobachtet werden und fein Ergeb­nis auf die schärfste Opposition stoßen würde, versteht sich von selbst.

Ein letzter Appell an die Parteien.

Berlin, 3. Jan. ($11.) Amtlich wird mit- geteilt: Unter bim Vorsitz des Reichskanz­lers traten gestern mittag die ReichSmini - st e r zu einer Besprechung über die politische Lage zusammen. Heber das Ergebnis diefer Aussprache hat der Reichskanzler dem Reichspräsiden­ten Bericht erstattet. Daraufhin hat der Reichs­präsident den Reich rkanzler beauftragt, nochmals mit den Führern der Arichstagsfrat- Honen in Verbindung zu treten, sie wegen des Ernstes der politischen Lage unter Vermeidung einer überparteilichen Regierung auf die drin­gende Notwendigkeit der Bildung einer auf einer tragfähigcn parlamentarischen Mehrheit ruh-n^en Recht sreoi^i-im bin,tu» weisen und ihnen etve umgehende Nachprüfung der bisherigen Defchlüfse ihre" Sraltioncn zur Regierungsbildung zu empfehlen.

Kommunistische Nadavpläne.

B e r l i n , 3. Januar. 'Priv Tel) D:r ..Vor­wärts" veröffentlicht ein Rundschreiben der kommunistischen 3 en träte an bi: Be- triebsiäte bei Grvtzb t. e^: und an d e L: ter der lommuniii .sche > Friktoaen der t?r'.saus- schüsse des Allgemeine.! deutfchm Gewe kschas s- bundes, in dem c.ufgeiorbrt wwd, daß d e Be­triebe zur Reichst ags rüffnung Delegatio­nen nach Berlin cn f nden. dir in den Hallen des Reichstages den Ruf nach der Reichs- amnestie erschallen lasen sollen. In v.'rsch e- benen Fabriken von Dresden und Umgegend sammeln die Kommunisten Gelder zu diesem Zweck. DerVorwärts" bemerlt dazu, daß ein noch aj-ö^rree; Spell llelstück als das b»i brr Eröffnungssitzung des letzten Reichstages in­szeniert werden solle.

Wien von Kommunisten geräumt

Wien. 3. Jan. (Wolff.) Hier wurde der kommunistische Reichstagsabgeordnete Iwan Katz wegen Führung eines falschen Passes verhaftet und der Etaatsanwallfchaft übergeben. Katz hielt sich in Wien zur Teilnahme an einer internatio­nalen Konferenz kommunistischer Führer auf. die fine Reorganisation der ö^st erreicht- s ch e n k o m m u n i st i s ch e n Partei zu n Ziele hatte. Außer Kotz befanden sich auch die Reichs­tagsabgeordnete Ruth Fischer und verschiedene andere deutsche und russische Kommunisten in Wien. Auf die Rachricht von der Verhaftung des Kotz haben die nach Wien gekommenen Kommu­nisten die Stadt, teilweise unter Zurücklassung eines Teiles ihres Reisegepäcks, fluchtartig verlassen.

deutlich schwierig und für untere wirtschaft­liche und politische Zukunft gefährlich ist. Darum verdient der Vorschlag Borahs untere warme Unterstützung Es handelt sich hierbei nicht um eine arglistige Abwälzung von über­nommenen Verbindlichkeiten, taubem um die Nennung schwerer internationaler Gefahren.

Der Vertragsbruch.

Nicht vor dem 10. Januar notifiziert, (sine zweite Note.

Paris. 3. Jan. <WB. Funkfpruch.) Havas meldet aus Brüssel: Bei Lieberreichung der Rote an die deutsche Regierung, in der die Richt­räumung der Kölner Zone am 10. Januar noti­fiziert wirb, to-erben die alliierten Regierungen der deutfchen Regierung gleichzeitig zu wissen geben, daß sie später, d. Sy noch Eingang der allgemeinen Berichte der Kontrollkommission eine zweite Rote über bic Entwaffnungs­frage Deutschland überreichen werden. Es wird bestätigt, daß die Absendung der ersten Rote nicht vor dem 10. Januar zu erwarten ist. Es muß nicht nur der von den Botschaftern auf­gesetzte Text geprüft und. wenn notwendig, ver­bessert werden, sondern die in Frage kommen­den Regierungen müssen sich auch übet die Er­klärungen verständigen, die die Gesandten in Berlin bei lleberreichung der Roten abgeben sollen.

Die neuesteEnthüllungssensation der Kontrollkommission.

Derli n, 3. Jan. (Sil.) Der der interalli­ierten Militärlontrolltornmission zugetellke fran­zösische General R o v e wird morgen einen wei­teren Teilbericht an die Dotschafterkon- serenz in Paris absenden, worin er folgende Be­hauptungen aufstellen wird:

1. Die Reichswehr unterhält geheime Re­krutierungsbureaus mit vollständigen Kontrollisten einer geheimen regulären Armee.

2. Die Reichswehr bildet alle drei Mo­nate je 20 000 Mann Zeitfreiwillige d. h. irreguläre schwarze Reichswehrtruppen aus.

Hierzu ist in entschiedener Form festzustel­len: Seit Mai 1921 gibt es keine Zeit- sreiwilligen mehr in Deutschland. Die da­mals für den Grenzschutz notwendig gewesene Einrichtung ist auf die Forderung der Entente hin beseitig wordten.

Frankreichs amerikanische Schuld.

(slcmentclöAnregungen".

Paris, 3. Jan. (Wolff. Funksptuch.) Das Auswärtige Amt veröffentlichte gestern abend ein ©ommunique, in dem die bisher Derbreiteten Rachrichten bezüglich einer Regelung der Schul­denfrage als ungenau und zum Teil un­richtig bezeichnet werden. Frankreich habe keinerlei direkte Vorschläge gemacht. Die vom französischen Botschafter in Amerika überreichte Rote enthalte nur Anregungen und betone ganz besonders die schlechte finanzielle Lage Frankreichs. In den politischen Kreisen der D^reinigten Staaten wird der fran­zösische Vorschlag bei Schuldenregulierung sehr lebhaft erörtert. Die von Elemente! gewünschte Regelung wird hier als durchaus unzurei­chend betrachtet, doch hofft man, daß der Vor­schlag vielleicht eine Derhandlungsbafis bilden könne. In Eenatslreifen wird immer dringender gefordert, daß Frankreich endlich ernsthaft an die Bezahlung seiner Schulden denken müsse.

Die Pariser Morgcnpresse glaubt berichten zu können, daß Finanzminister Elementels Vor­schläge folgendermaßen lauten:

1. Frankreich wird für eine Periode von zehn Jahren ein Moratorium bewilligt, während­dessen die durch den Dawesplan vorgesehenen Zahlungen De utfchlands sich verstärken und die L a st e n, die Frankreich für Pen­sionen und für den Wiederaufbau auszugeben hat, sich verringern.

2. Rach dem Jahre 1935 muh Frankreich seine Schulden bei Amerika in einem Zeit­räume von 80 Jahren, und zwar geteilt in vier Etappen von je 20 Jahren in sich von Etappe zu Etappe steigernden Zahlungen ab - tragen. Als Z i n s sa h schlägt die franzö­sische Regierung einhalb Prozent vor.

Außenpolitische Umschau.

Don Prof. Dr. O. H o e tz s ch. M. d. R.

Frankreich und England find darüber einig, daß die Kölner Zone am 10. Januar nicht geräumt wird. Für Frankreichgenügen" be­reits dieVerfehlungen" Deutschlands, während England sich hinter technischen (fii-üiOcn ver­schanzt, daß infolge der angeblichen deutschen Obstruktion der Schluhbericht nicht hätte voll?n- dig vorgelegt werden können, mit dem die Miill tarkontrolle zu Ende gehen soll. Es ist ein glatter Vertragsbruch! Es ist ein Rüä- fall in die Sanktionspolitik, der das int Jahre 1924 mit dem Dawes-Plan mühsam zu­stande Gebrachte wieder erschüttern muß. Richt Deutschland will sich diesen Verpflichtungen ent = ziehen, sondern bic Alliierten selbst stel­len alles in Frage, wenn sie die Willlür an Stelle des Rechts, die einseitige Auslegung und das Diktat an Stelle der Glcichberech:tgnng und Verständigung sehen. Das wird auch durch die Aeußerungen aus Nordamerika nur bestätigt, die. wie zu erwarten steht, zu eineminoffiziellen Druck" auf die Alliierten führen werden.

Wir wissen, daß hinter den Vorwänden ber Rote klare und reale Gründe d?s Machtvei - ha ltn is scs ?w schen Eng! nb urb F ankreich stehen. V.eileicht der wich ig'tc Vorgang i n an- gelaufenen Jahre ist für Deutichland der Ve - such Englands, daß sein lpnf'._Mt tr.5 K.ibm'tt mit Frankreich eine neue Regelung dec B-ez bungen im Sinne einer W ederbe ebang i?er l c.i ®n tente corbialc zu lande brniei w l . Unstreitig hat das einen großm Zug. M'.iock - und Aegypten, Islam und Buschew s us M 11- tärfontrollc. Räumungsfr ge und S.ch.nheit in e.nem Zuf.mmenhang für Europa Af>en Afrika zu behandeln. Aber wie die V rhan.- (ungen um die Kölner Zone eben zeigm. ? . gebt nicht so schnell! Für den Engländer firiL dies Objekte, die man gegeneinander austau'ch und ausgleichen kann. Für den Franzosm fteöl die europäische Frage, das Derhältn s zu Deuts land. die sogenannte Sicher hettsfragc weitaus im Vordergrund. Hrrriot ist heute in der Lage, daß England das Genfer Prot'ckoll, in Dem Herrtot und Frankreich ihre Sicherheit - forbcrur.gen für befneö gt erklärt m, nicht an* nehmen tt-.Il, et behauptet in Sachen dec Räu­mung. nicht weitere Zu^eständn ffe machen zu können, bevor nicht die ^icherhe tSsrage anb- r-3 geordnet ist. Das ist heute d.e Schwierigk b für England, während es andererseits den Trun ps in der Hand hält, sich auf den Verträgst ft zurückzuziehen und so F ankreich damit zu ich..i- (en, daß seine in der Ruhr steh nd.n Trup .en im Rücken ohne Deckung durch alliierte Truppen wären.

An sich liegt auf der Hand, daß die Vertrags» widrige Besetzung eines Teiles von Deutschland mit dem Dawesplan auf die Dauer nicht zusam- mengeht und paßt, bah nicht durch Richträumung der Kölner Zone eine vertragswidrige Hand hing, nämlich bic Besetzung des Ruhrgebiel ., durch eine neue, eben diesen Bruches des Fri-' densvertrages sanktioniert werden tann, und daß. wenn nicht sehr ernste Folgen daraus entstehen sollen, in kürzester Zeit eine Verständigung, hof­fentlich unter lebhafter inoffizieller nordameri- kanischer Vermittlung, gefunden werden muh.

Marokko, Spanien bas letztere hat sich entschlossen, große Strecken zu räumen. Damit rollt sich die ganze Marokkofrage wieder auf, die Verträge von 1904 und 1912, die Tanger frage, das Verhältnis von England, Frankreich, Spanien und auch Italien im westlichen Mittel meer. Heute Zusammenhänge einer Machtver­teilung, die unmittelbar Deutschland nicht be­rühren, aber für die Deutschland betreffenden Beschlüsse der Kabinette in Paris und London auch von größter Bedeutung sind.

Dabei ist Italien außenpolitisch gelähmt, weil der Faschismus in schwerer Krisis, Mussolini in seiner Stellung bedroht ist. Es zeigt sich hier, wie in Spanien, daß ein Diktator sich auf die Dauer nur wirklich halten kann, wenn er entweder ganz große, den Massen eingehende außenpolitische Erfolge erzielt, oder im Innern jedenfalls in die Augen fallende große Verbesserungen der Lage bringt. Zu beiden sind die Diktatoren in Spanien und Italien nicht in der Lage. Daher die Erschütterung ihrer Stel- lung, dort beschleunigt durch die Marokko-Rie- bcrlage, hier langsam sich vollziehend, beson ders, weil Mussolini ja eine ungewöhnliche Er scheinung ist und bleibt.

Diese Lähmung Italiens in der Außenpolitik macht sich auch nach der Balkanhalbinsel bemerkbar. Das Jahr schließt mit einem neuen Aufstand in Albanien ab. Wichtige Zufam menfünfte der Minister von Jugoftavien und Bulgarien finden statt, eine erste Annäherung zwischen diesen beiden feindlichen Staaten wieder, die ihre Fortsetzung mit der Annäherung zwischen Bulgarien und Rumänien erfährt. Andererseits stehen Jugoslavien und Griechenland und Ru­mänien in enger Verhandlung. Kein Zweifel, daß die Tschechoslowakei, ihr Außenminister Dr. Benesch, über alle diese Vorgänge auf dem Lausenden ist, die uns zunächst verworren und unübersichtlich erscheinen, die aber doch hoffentlich zu einer Ordnung im europäischen Südosten auf dem Wege des Ausgleiches und der Verstän­digung der neuen Staaten, einer engeren Ver­bindung der Staaten untereinander führen. Run. das ist im Interesse des europäischen Friedens zu begrüßen, an sich, weil damit auf der Balkan- halbinsel, dem alten Feuerherd Europas, Ruhe würde, und weil damit diese Staaten her un*