Einzelbild herunterladen

leer -von (Mlen

nach Köln. ii'503D Gießen, jßtatNti-- AUtt WEkl

wagen fahren MMoch

A-Li D V obnel» Saut. 0,^1 L?bn>

1KM urb Qu, >^e>!en. !atl *Ä«; ^fiönig« 9 &l[,*n9

*wn sa *aSOe's«huit

) ff* Ktuu l' N°vember.

iUdjlänbl.iu M- en ob. tauicn w juckt. Saeimlvoi: tianben.

H. Thel«, Fruk- iula-OotW'

Allee 31.______

WSW

wird Aum Laichen und Bügeln g nommen

Aiterlvea 9 W Zwei Last-

khniii

kolossal reßpulver,,Sui. CarJSeibel.

Belobnuna ^AMrast-^ "HcÄ>er

Schäfer­hund Aüde, Farbe scklvart uLaBn. L-M Vere'E

Ä nicht heule

Stad«»* SKA W K!ZH

Zurücki

!l. Uußbaum

, Augenarzt

nedber^, Kaiser. , straße 115. sprachst. 10-1 u. 3-5.

itüdTphTiTeiitiit NuMh

ff Latein, Ericchilch, schickte. Temlch. wch Aulgabenübei- vachung. Schr. An. ,i.c^7la.d.GAnA, Repetitor in Lhcini-

?!ebenlachj gelucki. schr. Ang. u. 08852 in den Eiest. An^ Kurzschrist- Unterricht f. ilnfoiiijet n Reichekurzschrist mb S.'olze-Lchrew Jlrb erteilt »ach bc- vibrier Hetbobc jSuber il in bat lenbifunöen ,t" lordanlaae 19 l

Nr. 257 Zweites Blatt

Hessen und der Reichsschulgesetzentwurf.

Bon Kreisschulrat Fischer.

Zu dem ArtikelHessen und der Reichsschulgesetz- entwurf" in Nr. 243 Ihres Blattes bitte ich Sie, mir folgende Bemerkungen zu gestatten:

1. Ist cs richtig, daß der Referentenentwurf zum Reichsschulgesetz, der seit zwei Monaten die Defenb lichkeit beschäftigt, nichts anderes darstellt als die Ausarbeitung der von der Reichsoerfassunq in Ar- titel 146 gegebenen Richtlinien? Was will Art. 146? Wer die Entstehungsgeschichte dieses Artikels kennt, und wer den Absatz 1 des Artikels auch nur einmal liest, weiß, daß es die grundlegene Absicht des Ge­setzgebers war, zu bestimmen, daß für die Aufnahme eitles Kindes in eine bestimmte Schulenicht das Religionsbekenntnis seiner Eltern maßgebend" sein dürfe. Damit ist verlangt, daß die deutsche Volks­schule alle Bekenntnisse in sich vereinigen, daß also du: Normalschule in Deutschland die

in schafts schule (die Simultanschule) sein soll. Wenn der Art. 146 nur diesen ersten Absatz enthielt, wäre diese Bestimmung ganz eindeutig: für Konfesstonsschulen gäbe es in den deutschen Ländern keinen Roum mehr, und es hätte eines Reichsgesetzes, bas die Angelegenheit für die Länder weiter bindend regelt, nicht bedurft.

Aber in dem Ringen um die fchulpolitifchen Be- stinnnungen in der Reichsoerfassung hot man in Weimar dem grundlegenden ersten Absatz des Ar­tikels 146 einen Abs. 2'angefügt, der bestimmt, daß innerhalb der Gemeinden auf Antrag der Er- ziehunasberechtigten Volksschulen ihres Bekenntnisses oder ihrer Weltanschauung einzurichten" seien, also Bekenntnis- und Weltanschauungsvolksschulen. Man muß dabei beachten, daß der Absatz 2 dem Absatz 1 mitindes" angefügt ist, daß er also eine Ausnahme gegenüber der Bestimmung des Abs. 1 enthält. So stehen also nebeneinander: die vom Bekenntnis un­abhängige Simultanschule (die Regel 'Absatz 1) und die auf Antrag der Erziehungsberechtigten ein­zurichtende Bekenntnisschule (die Ausnahme Ab­satz 2 der Begründung zu dem Entwurf nach, und von der Ausnahme reoen, wenn man nicht zugleich die Regel mit ins Auge faßt. Nun unternimmt es der vorliegende Entwurf, Bestimmungen lediglich zu Abs. 2 des Art. 146 zu bringen. Wie soll es mit dem Regelfall des Abs. 1 gehalten werden? Warum er- streckt sich der Entwurf nicht auf den ganzen Ar­tikel, auf Regel und Ausnahme? Man lese den Ab­satz 2 der Begründung zu de inEntwurf nach, und man wird überrascht fein, zu sehen, was aus der ein­fachen Tatsache des Art. 146 geworden ist. Und nun das Ergebnis? Durch die isolierte Behandlung des Abs. 2 ist dieser Absatz zu etwas ganz Selbständigem geworden. War es die Absicht des Gesetzgebers, als Regelschule die Gemeinschaftsschule vorzuschreiben und daneben als Ausnahme Bekenntnis- und Welt- onschauungsschulen zuzulassen, so ist jetzt nur noch davon die Rede, auf welche Weise die Einrichtung von Bekenntnis- und Weltanschauungsschulen durch­geführt werden soll: aber nirgends ist etwas darüber gesagt, daß es auch möglich sei, Konfessionsschulen in Gemeinschaftsschulen umzuwandeln, d. h. in die Schulform, die die Reichsoerfassung doch eigentlich will und als Normalschule in Abs. 1 deutlich genug fordert. Warum? Aus dem Grunde, der aus"jebe'r Zeile des Entwurfs heraustritt: dem Verfasser ist die Gemeinschaftsschule unsympathisch: sein Ziel ist nichts anderes, als sie durch Einrichtung von Bekenntnis­schulen auszuhöhlen und damit zu Fall zu bringen. Dazu sind die Bestimmungen in dem Entwurf allerdings sehr gut geeignet.In jedem Fall genügt ein Antrag von Erziehungsberechtigten von durch­schnittlich 40 schulpflichtigen Kindern", und in einer Gemeinde muß eine bekenntnismäßige Sonderschule eingerichtet werden (Art. 15 Abs. 3.) Wie muß aber ein Antrag aussehen, durch den in einer Gemeinde mit Bekenntnisschulen die Einrichtung einer Gemein­schaftsschule herbeigeführt werden soll? (Bei den Verhältnissen in vielen deutschen Ländern und bei dem Ziel des Art. 146,1 eine dringende Frage!) Dar­über enthält der Entwurf kein Wort. So ergibt sich, daß der vorliegende Gesetzentwurf die richtunggeben­den Bestimmungen der Reichsverfafsung nicht nur nicht ausführen will, sondern daß er sie genau in ihr Gegenteil verkehrt.

2. Aber wenn man selbst ganz davon absehen wollte, wie der Entwurf mit den klaren Bestimmun­gen der Reichsoerfassung (des Staatsgrundgesetzes!) umspringt, so muß auch darauf hingewiesen werden, was eigentlich für unser Volk und unsere Zukunft auf dem Spiel steht. Die G e in e i n s ch a f t s - schule vereinigt die Schüler aller Bekenntnisse. Die Erteilung des bekenntnismäßigen Religionsunter- Konzert der Madrigäl- Dereinigung Darmstadt.

Gießener Vortrags-Vereinigung.

Zeiten der Bedrängnis lenken den Blick auf Kulturwerte der Vergangenheit, und so hat man sich im letzten Jahrzehnt um die Wiedererweckung der Schätze alter Vokalmusik bemüht. 3n allen größeren Orten erstanden Vereinigungen zur Pflege dieser edlen Kunst.

Die Gießener Vortragsvereinigung hatte den Darmstadter Madrigalchor zu einer Vorführung gewonnen. 3m Gegensatz zu den meistenMadrigal- aufführungen, die vielen Hörern trotz aller Kunst innerlich fremd bleiben, gab der Leiter des Chores, Herr Privatdozent Dr. Voack (Lehrer an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt) eine sachliche Einleitung. Frei von wissenschaft­lichem Ballast, ließ er die Sache durch sich selbst und für sich selbst sprechen und brachte sie mit der ihm eigenen sympathischen Art seines VortragS dem Publikunr menschlich näher. Er zeigte in großen Zügen die Entwicklung der welt­lichen Vokalmusik aus der kirchlichen Kunst und die gegenseitigen Beziehungen beider Gebiete, ging dann im besonderen auf die verschiedenen Stilarten der einzelnen Entwicklungsperioden und die Art ihrer Kunstausübung ein und gab dem Hörer die Einführung am praktischen Beispiel. Die Proben aus den einzelnen Zeitaltern waren mit feinem Verständnis ausgewählt worden, und so bot das Programm eine Reihe köstlicher Perlen. Heinrich IsaaksInnsbruck, ich muß dich lassen", im Original ein Liebeslied, später zum Kirchrnlied umgedichtet mit der gleichen Melodie: 0 Welt, ich muß dich lassen": Schönfelders: ..Von edler Art": Hans Leo Haslers:Feinslieb. du hast mich glangen"; ©. Othmeyr:Das braune Maidelein".

Den Höhepunkt erreichte der Vokalstil in dem Madrigal, wo der Text in der ausdrucksvollen

Gießener Anzeiger lGeneral-Anzeiger für Gberhefsen)

Interpretierung derart erschöpft wird, daß man an den Stil des Expressionismus gemahnt wird. (Ist es nicht bezeichnend, daß gerade die Schaffen­den der Gegenwart sich wieder dem Madrigal zuwenden: das diesjährige Kammermusikfest zu Donaueschingen bot eine reiche Auswahl.) Als Proben: Orlando di Lasso:3d) liebe dich", Landsknechtsständchen", Daniel Friderieis im anakreontischen Stile gehaltenesCupido und das Bienlein": diesinfvnia domestica" des Hühner­hofes: Antonius Scandellus,Die Henne".

Der zweite Teil des Programms verfolgte den Weg des Dokalstiles weiter bis zur Volkslied­bearbeitung der Gegenwart. Die einzelnen Bei­spiele wurden von der Darmstädter Madrigal- Vereinigung stilgemäß durchgeführt in feiner musikalischer Ausarbeitung. Das Publikum war begeistert: es war dankenswert, daß an Stelle von Wiederholungen weitere Proben gegeben wurden: so u., a. Hans Leo Haßlers ,. Liebes­krieg" und Arnold MendelssohnsKlage über die Martinsgans".in

Der Werdegang des Rcclam-Buches.

In der Zeit vom 2. bis 8. November findet in Deutschland, Oesterreich, dem Freistaat Danzig, im Memelgebiet, in den deutschen Buchhandlungen der Schweiz, der Tschechoslowakei, Jugoslawiens, Rumäniens und Polens eine Reclam-Du ch- woche statt. Sie beweist, daß das gute, billige Buch nicht erst durch Duch-Gemeinschaf ten geschaffen zu wer­den braucht, sondern daß wir es schon lange durch Reclams Ilniversal-Bibliothek besitzen. Ohne Prun- len und Preisen, nur durch die beharrliche Stetigkeit eines klaren Wollens hat Reclam zugleich edelste Geistesnahrung für das Volk geschaffen. Llnerhört schien vor nahezu 60 Jahren die Tat. denFaust" I für nur 20 Pfennig in den Handel zu bringen; heute ist die Llniversal-Bibliothek die volkstümlichste Bücher-Reihe der Welt und umfaßt 6500Hummern. Die deutschen Klassiker erlebten Millionen-Auflagen. DieEdda", dieNibelungen",Gudrun" und

ähnliche Werke blieben in der Auslagenzahl kaum zurück. Unter den modernen nordischen Autoren erreichte Ibsen die höchste Absahziffer. Tolstoi sprach in seinen gewaltigen Romanen zu den Deutschen zuerst durch die Universal-Dibliothek. Griechische und römische Klassiker waren und sind heute nirgends vollständiger zu finden als bei Reclam. Zur Dich­tung und Unterhaltung traten immer mehr belehrende Schriften: Philosophie, Raturwiffenschaft, Gesetzes- fammlungen folgten. Aber auch die Seele der Ge- gentoart leuchtet aus derLlniversal-Dibliothek hervor, seit in immer stärkerem Maße den Schriftstellern und Gelehrten der GeaenwartZutrittgewährt worden ist. Alles, was als gesund und kräftig gelten kann, fand Aufnahme. Reben dem Reclam-Heft findet immer mehr das Reclam-Buch unter dem Kenn­wortDer schöne Reclam.Band" Verbrei­tung. Farbenfreudige Pappbände, unter denen man Werke von Thomas Mann. Ricarda Huch, Schnitzler. Stehr, Fleuron, Schönherr; Bartsch, Gagern und vielen anderen modernen Dichtern findet, erfreuen jeden Literaturfreund. Ansprechende Leinenbände in sein abgestimmten Farben, selbst Halb- und Ganz­lederbände sind in derälniversal-Bibliothek zu finden.

Zeitung und Publikuuk.

Eine sächsische Firma hat anläßlich einer Por­zellanwoche bei ihren Käufern feststellen taffen, wo­durch sie zum Kauf angeregt worden sind. Don 482 Personen, die Einkäufe gemacht haben, sind 153 durch Inserate, 118 durch Schaufensterauslagen, 76 durch Bekannte, 46 durch Derkäuferinen. 31 durch Reklamezettel, die auf der Straße verteilt wurden, 30 durch die Ausstellung in den Geschäftsräumen, 12 durch den Chef des Hauses zum Kauf angeregt worden. Danach übertrifft die Zeitungsreklame alle übrigen Deklamearten an Wirksamkeit wesentlich.

Deutsche Dramatiker auf der italienischen Bühne.

In der neuen Saison werden auf italienischen Theatern auch einige moderne deutsche Bühnendichter gespielt werden. Nach einer Meldung der Wochen-

richts in diesen Schulen ist durch die RD. sicherge­stellt (Art. 149). Die Bekenntnisschule aber will schon die sechsjährigen Kinder nach dem Be­kenntnis säuberlich voneinander scheiden; die un­mündigen Kinder sollen also schon in einem Alter täglich auf Fragen hingewiesen werden, die für sie für Jahre hinaus noch gar nicht vorhanden fein soll- ten. Die Wirkung? Diese kleinen Kinder werden schon im frühesten Alter gelehrt, in dem Nachbar­kind, das eine andere Schule besucht, einen anderen Menschen zu sehen als den Kameraden und Volks­genossen. Will man das? Ohne Zweifel, denn nie­mand kann leugnen, daß diese Wirkung kommen muß. Kann man da noch im Zweifel darüber sein, welche Schulform Simultan- oder Konfessions­schule unferm Volke nottut? Ist es nicht genug an der Zerrissenheit unseres Volkes, die uns im öffentlichen und politischen Leben, wohin wir blicken, wie ein Verhängnis unseres Volkes ent­gegentritt? Sollen schon unsere Kleinsten auf diese «achen hingestoßen werden? Wahrlich, wem der Ruf nach Schaffung einer wahren Volksgemein­schaft noch mehr ist als eine Redensart, für den kann es hier nur eine Entscheidung geben. Wer, wie der Verfasser dieser Zeilen, in seiner frühesten Äugend so üble Erfahrungen hat machen müssen, und bann später ha^ sehen dürfen, wie groß die konfesfionelleEntspannung inGemeinden mitSimul- tanschulen erfreulicherweise ist, für den kann kein Zweifel fein: Wer die Hand dazu bietet, die Kinder schon in unseren Schulen konfessionell auseinander- zure^ißen, der versündigt sich an unserem deutschen

3. Und nun Hessen! Hessen besitzt seit fünfzig Jahren mit Ausnahme von einigen wenigen Ge­meinden die Simultanschüle. Das ist ein Gut, um das wir von vielen deutschen Ländern beneidet wer­den, auf das wir stolz sein dürfen, für das wir unfern Vätern aus den 70er Jahren höchsten Dank schulden, das zu erhalten uns aber auch Aufgabe und Gewisfensangelegenheit fein muß. Dieses Gut ist heute bedroht. Bedroht nicht allein durch eine Partei, die sich erst wieder vor drei Tagen mit aller Schärfe gegen die Simultanschule ausgesprochen hat (Entschließung des Zentrumsparteitages vom 26. 10. 1925,Darmstädter Zeitung" vom 27. 10. 1925, S. 918) sondern ganz besonders auch durch den Gesetzentwurf zu Art. 146,2. Zwar enthält Art. 174.2 der Reichsoerfassung eine Schutzbestimmung für die Simultanschulländer. Aber was ist daraus in der Hand des Verfassers des Entwurfes geworden! Man vergleiche den § 31 des Entwurfs, und man wird staunen, zu sehen, was davon übrig geblieben ist.

4. Noch eins: Die Kosten! Es ist rührend, zu sehen, wie in der Begründung zu dem Entwurf der Verfasser um die Schonung der Reichsfinanzen und die Vermeidung von Mehrausgaben bemüht ist (Abs. 3). Aber vermeidet er die Mehrkosten wirk­lich? Glaubt er es selbst? Wenn in Gießen statt einer einzigen großen Schule (wie bisher) fünf oder sechs nebeneinander bestehende Zwergschulen, nach Bekenntnissen getrennt, aufgemacht werden müssen, mit neuen Klassen, die gar nicht vermieden werden können, besonderen Lehrmittelsammlungen, beson­deren Schulleitungen, wohl auch eigenen Schul­gebäuden, bas sollte keine neuen Ausgaben ver­ursachen? Kann man das noch ernst nehmen? Wahrlich, wo man die Frage anfaßt, immer ergibt sich: Es gehört zu den Unbegreiflichkeiten unserer Zeit, daß versucht werden kann, einen solchen Ent­wurf zum Gesetze zu machen. Ich verzichte darauf, zu fragen, wer für diese Arbeit die Verantwortung trägt. Denn daß Herr Geh. Rat Gürich zu Berlin den Entwurf zu einem ganz bestimmten Zweck aus­gearbeitet hak, muß man doch wohl schon annehmen. Aber wir dürfen doch dafür dankbar sein, daß ein freundlicher Zufall den Entwurf zeitig genug ans Licht gebracht hat, und daß die Oefsenllichkeit da­durch Gelegenheit erhalten hat, sich eingehend genug damit zu beschäftigen.

5. Manches andere, was zu der Angelegenheit zu sagen wäre, mag für heute unerörtert bleiben. Für die Öffentlichkeit kann es zunächst nur eine Aufgabe geben: auf der Hut fein. Es droht eine Gefahr. Eine Gefahr für die Schule, aber darüber hinaus auch für unser Volk und seine friedliche Ent­wicklung. Man sagt uns, die Stellungnahme der Parteien lasse hoffen, daß der Entwurf voraussicht­lich nicht Gesetz wird. Ist das schon so sicher? Warum ist dann der Entwurf nicht schon zurückgezogen wor­den? Solange das nicht wie im Jahre 1892 geschehen ist, besteht Veranlassung zur Aufmerksam­keit. Die vorliegende Gefahr muß erkannt werden. Dafür steht zuviel auf dem Spiel, ganz besonders in den Simultanschulländern, in Nassau, Baden und Hessen.

Oberhessen.

3. Pfarrfraucnsreizeit tu Nidda.

Der Oberhessische Ausschuß für Dolksmission veranstalket vom 9. bis 12. No­vember in Nldda feine 3. Pfarrfrauenfrei­zeit. An drei Vormittagen sind biblische Vorträge von Frl. Hardt, der bekannten Dolismisjionarin des Zentralausschufses für Innere Mission, die be­reits vorigen Winter in verschiedenen Städten Hes­sens unter starker Beteiligung gerade der Frauen­welt gesprochen hat. 2lm Dienstag und Mittwoch mittag sind Vorträge über:Die Arbeit der Frau in der Kirche" (Pfarrer Dreves, Vereinsgeist, kicher der Inneren Mission in Darmstadt», undDie Arbeit der Kirche an der Frau" (Derbandssekretärin Frl. H e i n).' Die Gemeinde Nidda stellt durch Ver­mittlung der Geistlichen Freiquartiere zur Ver­fügung.

An die falsche Adresse geraten.

In nächtlicher Stunde wird bei dem Arzt eines kleinen Laadstädtchens, der sich bereits zur Ruhr begeben hatte, etwas unsanft gegen die Haustüre geschlagen. Der Arzt, der ob oiefer Ruhestörung gerade keine besondere Freude emp­findet, erscheint am Fenster und erkundigt sich nach dem Anliegen dessen, der so ungestüm mit dem Peitschenstiel, wie sich herauSstellt, Einlaß begehrt.Herr Doktor. Sie möchten gleich zu einer Entbindung kommen," schallt's ihm von unten entgegen, worauf der vielgeplagte, jedoch pslichtbcflissene Arzt schnell in die ülnauSlprech- lichen schlüpft, die erforderlichen Instrumente zu­sammenpackt und wenige Minuten später mit dem Beten die Fahrt ins nächtliche Dunkel an­tritt. Bald ist man in ein Gespräch verliest. Als der Wagen auf einmal die Richtung nach einem Orte einschlägt, der gar nicht zum Bezirk des gerufenen Arztes gehört, entspinnt sich zwischen diesem und seinem Fuhrmann etwa folgendes Gespräch:Wo geht denn nun eigentlich die Reise hin?"Rach 2t., Herr Dc."Ist denn mein Kellege in P. nicht geholt worden? Das muß ja ein schlimmer Fall sein." Darauf der Fuhrmann:Dös grab net, Herr Doktor! Mei Herr hat e Muck, de de Ferkel net gemach« kann!" Bei dieser nicht gerade erwarteten Ge- sprächswendung soll es auf feiten des Arztes ein etwas erstauntes Gesicht gegeben haben. »Herrgott, Mensch, was wollen Sie dann mit mir. Da kann Ihnen nur mein Kollege von der anderen Fakultät helfen." Der intelligente junge Mann war an diefalscheTür geraten. (Veterinär und Mediziner wohnen nicht allzu weit voneinander.) Was war zu machen. Dem Borstentier konnte nur durch denRichtigen" geholfen werden, der nunmehr auch geholt wurde, nachdem man ben Falschen" wieder nach seiner Behausung zurückgebracht hatte. Der Bauers­mann soll als Besitzer des Schwein es die Zeche bezahlt haben. So geschehen vor einigen Tagen im Vogelsberg.

Landkreis Gictzen.

. Allendorf (Lahn), 1. Rov. Zu der bevorstehenden Gemeinderatswahl sind in unserem Dorfe zwei L i st e n cingereicht. Für die Parteien der Rechten wurde als Spitzen­kandidat der Landwirt Karl Gärth, für die linksstehenden Parteien Rangiermeister Wilhelm Stengel aufgestellt.

o Göbelnrod, 31. Oft. Während bei der letzten Gemeinderatswahl eine Einheits­liste zustande kam, wurde diesmal hierzu kein Versuch unternommen. Der Grund ist wohl in der noch nicht vergessenen Beigeordneten­wahl, die den Ort in zwei Lager spaltete, zu suchen. Es wurde von jeder der beiden Par­teien ein Wahlvorschlag eingereicht. Die eine Liste beginnt mit Gemeinderat Berger, die andere mit Gemeinderat Georg Weber.

Saasen, 31. Oft. Zur Gemeinde­ratswahl war hier ein Einheits-Wahl­vorschlag geplant, was nach der Einigkeit bei Bürgermeister- und Deigeordnetenwahl auch möglich erscheinen mußte. Die Liste war auch schon zusammen, als in letzter Stunde dazu eine Sonderliste der Arbeiter und eine der Bauern eingesandt wurde. So haben wir nun also drei Wahlborschläge, von denen die Dauernliste und die ursprüngliche Ein­heitsliste verbunden sind. An den Starkever­hältnissen der einzelnen Gruppen dürste die Wahl kaum etwas ändern.

o Harbach, 31. Olt. Die bevorstehende Gemeinderatswahl, die ihre Schatten

Montag, 2. November 1925

schon bei der Ausstellung der Wählerliste voraus- geworfen halte, brachte zwei Wahlvor­schläge der beiden Parteien. Der Wahltag wird bei der immer noch schwebenden Bürger- meifterbeffätigung ein Großkampftag erster Ord­nung werde...

: Trais-Horloff, 1. Nov. Die Errich­tung des neuen Pfarrhauses, über die f. Z. berichtet wurde, hat inzwischen gute Fortschritte ge­macht. Die Maurerarbeiten hat Bauunter­nehmer Bürgermeister Dietz aus Utphe übernom­men, die Pläne hat das Kreisbauamt ausgearbeitet. Der Neubau.kommt nicht weit vom alten Haus in unmittelbarer Nähe dcr Kirche zu stehen und ist inzwischen bis zum 1. Stockwerk vorgeschritten. Es wird jedoch nicht möglich sein, wie man anfangs gehofft halle, ihn noch vor Eintritt des Winters fertig zu stellen, da die Zimmerarbeiten, die in Jührden ausgeführt werden, noch nicht so weit gediehen sind. Es zeigt sich aber schon jetzt, daß das Haus eine Zierde des Dorfes werden wird. Nach Fertigstellung des Gebäudes soll das alte Pfarrhaus, das vollständig baufällig ist, auf Ab­bruch versteigert werden. Für die'G e m e i n be­rat s w a h l sind in unserem Dörfchen, das noch nicht 500 Einwohner zählt, vier Wahloor- schlage eingereicht worden. Es erklärt sich dies daraus, daß infolge des Grubenbetriebs zahlreiche Beamte hier ansässig sind. Da nun weder die Arbeiterpartei noch der Bauernbund einen Deam- tenvertreler auf ihre Listen nahmen, haben außer diesen beiden Parteien auch die Beamten sowie die Gewerbetreibenden je einen besonderen Wahlvor­schlag eingereicht, so daß es zu einer lebhaften Wahlagitation kommen dürfte.

> Aus der nördlichen Wetterau, 31. Okt. Zur Warnung mag folgender Vorfall dienen, der sich dieser Tage in einen Dorfe un­serer Gegend abspielte: Ein Bauernsohn kommt mittags vom Acker, dabei folgt ihm ein Fremder auf der Spur. Dieser beobachtet den jungen Mann, wie er dengelegten" Schlüssel nimmt und ausschließt. Er läßt sich noch etwas Anständiges in die Hand drucken und geht bann weiter. Als gegen Abend die Familie nach Hause kommt, merkt sie zu ihrer Ueberraschung, daß der T ü r r i e g e I von innen vorgeschoben ist und eine Leiter am Gangfenster anlehnt. Der fremde Bursche war in ihrer Abwesenheit in das Hans eingedrun- gen, wo er zweifellos nach Geld spurte, ffattc'cber zu seinem Unglück nur verschloßene Türen ge­funden.

Kreis Schotten.

lg. Gedern, 31 .Okt. Automobilisten und Motorradfahrer dürste es interessieren, daß nun­mehr auch in unserem Orte durch Aufstellung

M'M verordnet bei Magen- und Darmkrankheiten, bei Appetitlosig­keit, neurasthenischen Zuständen, Tuberkulose, bei Ne-, Konvaleszenz, nach Operationen, den blutarmen Frauen^ und Mädchen, namentlich in den LntwiclrlungSiahceu^ den Wöchnerinnen und stillenden Müttern dar extrakt­reiche, alkoholarme

-fSiüB'in Mwra»1

'Diejcs neue, voll kommen konkurren;loseDler ist appe­titanregend, gut bekömmlich, reich an Nährstoffen, blutbildend und wird, da von angenehmem Geschmack, gerne, auch dauernd, genommen. Das Hacker-Nähr­bier ist ;u haben in allen durch Schilder und Plakate kenntlich gemachten Apotheken, Lebensmittel- und' Zeinkostgeschäften.Man verlange aurdrücklichHacker- Nährbier, nicht irgend ein Bier, welches nur mit Farb- inalj schwär) gefärbt ist und auch nicht annähernd den gleichen Nährwert hat. Alleinige Herstellerin:Actien- gesellschaft Hackerbräu München, 500 Fahre bestehen­des Brauhaus.

Alleinvertrieb für Gießen u. Umgebung: Firma Georg Hebstrsit.Gießen,Klini!str.21, Fernruf 163.

zeitungDie literarische Welt" will dasTheatrv d'Arte" in Rom, die Bühne Pirandellos, Georg KaisersBrand im Opernhaus" aufführen. Die Truppe Felo Mari will denWettlauf mit dem Schatten" von Wilhelm von Scholz undGabriel Schillings Flucht" von Gerhart Hauptmann spielen. Endlich soll auch dieFlamme" von Hans von Müller, die bereits im Vorjahre einige Aufführun­gen erlebte, wiedergegeben werden.

Die Graber der Apostel Petrus und Paulus feffgesteut.

In einer Würdigung der neuesten Ausgrabungen unter der Kirche von San Sebastiano zu Rom führte der bekannte englische Archäologe Prof. Sayce aus, daß es nunmehr gelungen fei, die Grabstätte der Heiligen Peter und Paul zweifelsfrei festzuftellen. Er teilte mit, daß man in der Kirche, die etwa 2> Kilometer außerhalb des Appifchen Tores liegt und im 4. Jahrhundert von Papst Damaskus zu Ehren der Apostel Peter und Paul gebaut wurde, eine In­schrift in Versen gefunden haben, in der der Papst sein Werk der Nachwelt empfiehlt. Dadurch wird bewiesen, daß die Gebeine der Heiliaen Peter und Paul tatsächlich gegenwärtig unter Dem Hochaltar von St. Peter liegen. Das ist das wichtigste Er­gebnis der Ausgrabungen von San Sebastiano: aber noch vieles andere ist gefunden worden, was für die Frühgeschichte der Christenheit von Interesse ist. So gehörte eines der Gräber einem Freigelasse­nen namens Hermes, und wenn dieser wirklich, wie die Inschrift wahrscheinlich macht, gegen Ende des ersten Jahrhunderts starb, so dürste es der Hermes gewesen sein, den Paulus in seiner Epistel an die Römer erwähnt.L

Die kleinst« ülniversität der QBdf.

Obwohl Island noch nicht 100 000 Einwohner hat, ist in der Hauptstadt Reykjawik eine llni* versität vorhanden, auf der 100 Schüler tmr, 20 Professoren unterrichtet werden. Außer den Naturwissenschaften werden die Fächer aller Fa­kultäten gelehrt.