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Mittwoch, 2. September 1925
Siegener Anzeiger iSeneral-Anzeiger jürjöber^ejlen)
Brasilianischer Brief.
Bon Dr. Rudolf Paschke.
| Rio, im Lugusi.
Selten Hot m Brasilien em Buch solches Aus- -<nen ercrgi. wie da» de» früheren Präsidenten p 11 a c I o Besson, der von Ende 1919 di» 23 ?iv Geschicke de» brasilianischen Riesenreiches lenkte. 5essoa wnr ein Advokat au» den heißen Rord- 1-aaten des Bundesstaates und noch ziemlich un- tefannt, als er zum Vertreter Brasiliens auf die .Friedenskonferenz" noch Versailles gesandt wurde, um im Schatten der Groszen an der neuen Verkeilung der Welt teilzunehmen. Da sich die Ban- <jbn», die Abgeordneten der Einzelftaaten, damals jid)t über die Präsidentenwahl einigen konnten, . »lachte man e», wie häufig im politischen L'eben, inb wählte ihn, einen Außenseiter, aus den höchsten Posten der Republik. Diese etwas flüchtige i Sahl hatte das Land schwer zu bezahlen. Denn *<o||oa handelte wie ein reich gewordener »Par- lenu und warf mit dem Gelde, das ihm nicht dehnte, nur so um sich. Seinen neuen freunden In Paris nahm er für schweres Geld zum Teil ganz »»brauchbare» Rriegsgeröt In Menge und zu hohen Preisen ab. den belgischen König lud er zum Be s ich nach Rio ein und lief, ihn nut einem anheim-
i Pomp empfangen, zur fteier her brosiliant» ; ßhen Hundertjahrfeier der Befreiung von portu- aiesischer Herrschaft verschlangen Hefte und Au-stel I mg ganz angeheiire Summen. Dem Durchschnitts Lrafiliaiter gefiel der Glanz and die Gastlichkeit war sehr, als aber da» dicke Ende kam und die ,'vlgen sich zeigten, das, der brasilianische Sture i tiefer ging als in den vielen Ländern, die am |- flriege aktiv leilgenommen hatten, da büßte er doch ; non feiner Volkstümlichkeit ein und man war ! Idiliehlid) froh, al» mit dem gegenwärtigen Präsi- | benlen Bernardev ein sparsamerer Geist einzog.
3n seinem Buche „Pela Verdade" (nür l bie Wahrheit) verteidigt der Expräfident sehr kühn L ftinc Regiemng»politik und gibt allen anderen k Schuld an dem verfahrenen Stand der Staat»- | > vianzen. Ihm ist der frühere Flnanzminister Dr. I Sampaio Vidal im offiziellen „Journal do Brasil" - schr energisch entgegengetreten und zeichnete in einer Artikelreihe das Bild einer Persönlichkeit, die einen Rekord an Gewissenlosigkeit ; gegenüber ihren Pflichten als Oberhaupt des ihr cinvertrouten Gemeinwesens aufftellt.
Da ift |ein Nachfolger, Dr. Bernardos, helfen Amtszeit sich auch schon dem Ende zuneigt, tonn am 11. Marz nächsten Jahre» findet die Neu- * i-nahl des Präfidenten statt, doch ein ganz anderer Mann. Ihm kann niemand irgend etwa» Derartiges nadifaaen. Wenn Dr. Bernardes trotzdem |o fiarf angefeinvet wird, und sich die immer wieder rinfe|,enben Militärrevalien auch gegen ihn yrrfönlid) wenden, so ist es deshalb, weil er als rückschrittlich und als Fanatiker einer Stärkung der Einheit und Gewalt des Bundesstaates gilt. Bor allem wird Ihm nicht verziehen, daß er immer »Dieder die Begnadigung einer Anzahl Offiziere, bie im Juli 1922 einen Putsch in Rio in Szene schien, kategorisch ablehnt. Es mag sein, das, er In iiancher S)infid)t etwas Starre» und gerade bei einem Brasilianer wenig Schmiegsames Hai, aber (rin Ziel und Streben ist zweifellos von sittlichem itrnft und staatsmännischer Bedeutung. Mit allen Mitteln arbeitet er daran, noch vor Ende seiner Regierung die D e r f a s s u ng » r e f o r m unter Dach und Hach zu bringen. Die Verfassung von ' 1KR9, in einem gewissen Revoluiionsüberschwang g,schiffen — übrigens eine Revolution, deren Notwendigkeit der Geschichtssorscher vergeblich suchen wird, denn es blieb eigentlich dem Wefen noch alles beim Alten — läsit den Einzelftaaten unb dem einzelnen foviel Freiheiten, daß sie mit Hilfe des Belagerungszustandes fortwährend außer Straft gesetzt werden muß und beispielsweise Ber- narbe» saft nur mit feiner Hilfe regiert hat. Die neue Verfassung soll u.a. den Bundes st aat Gegenüber den Einzelstaaten Härten, Indem er bei Revolutionen in einem Einzelstaate | e 1 b ft • tätig ein greif en kann, wahrend dazu erst tiefer eine Bitte be» betr. 6taal»präfibenten an len Bunbesprösidenten ergehen mußte. Dann sieht los G e | e ß eine Beschränkung der G e - verbefreiheit vor. wogegen sich besonders Rio granbe bo Sui wehrt, unb was tur Elnwan- lerer in den Süben (in den meisten anderen -Staaten besteht ichon etwas Aednlichev) störend ililrken könnte. Ein Ansatz zum modernen Paria- i i e n t a r i » m u » . der in Brasilien nicht besieht, ift, baß in Zukunft die Minister vor dem Kongreß erscheinen sollen, während sie bisher reine Beamte les Präsidenten waren. Don Interesie ist noch, daß »ie durch den Bolschewismus hervorgenisenen B e • fchrän kung der Einwanderer hinsichtlich aufrührerischer und staatsgesährlicher Elemente iiinmehr in der Verfassung verankert werden sollen.
Im ganzen bezeichnet der Entwurf wohl eine Etappe auf dem Wege zum Einheiisstaate. den andere Staaten schon vorher, auch in Südamerika, zuruckgelegt haben Da» wirkt bei ber bisherigen ibealiftisch-sreiheitlichen Verfassung, die indes m ber Hauptsache auf dem Papier stand, da in Wahr beii eine Olichargie den Staat beherrfchte, rück fchrittlich unb eng. aber der wirtschaftliche Fort- fchritt de» Lande» bedingt eine Periode die mit der de» Merkantilismus in Europa verglichen werden kann.
Die tommenbe Präsibentenwahl wirft ihre Schalten bereit» seil längerer Zeit voraus. Erft handelt es sich einmal darum, weicher Staat den Präsidenten stellen wird, sodann müssen innerhalb biefes Staate» die Staatsmänner sich einigen. Die wichtigsten Einzelftaaten sind: S. P a u l o . ber stärkste wirtschaftliche Staat, und Minas ®t • rae», ferner R i o gründe do 5 u l unb B a b i a. Wenn nicht alle» täuscht, scheint diesmal wieder 3. Paulo den Präsidenten "i stellen. Auf die Persönlichkeit des in allen amerikanischen Staaten sehr mächtigen Präsidenten kommt diesmal besonders viel an, da Brasilien im Jahre 1927 eine große amerikanische Anleihe zurück- zahlen muß, die schon zweimal verlängert ist unb bie es allem Anschein nach auch diesmal nicht wird tilgen können. Es gilt bann, die zweifellos be- flehende Zukunft des Landes vor dem Zugriff des großen Bruders im Norden zu reiten
Anfang Juli ift die schon historisch gewordene Zeil für Militärputsche. Diesmal scheint alles, non minimalen Versuchen abgesehen, in Ruhe obgegangen zu fein, während voriges Jahr bekanntlich ber große Aufstand in S. Paulo um diese Zeit los- brach. Trotzdem ist Brasilien von der Revolution noch nicht ganz frei, die allgemeine Mißstimmung rührt au» verschiedenen Ursachen her, die wirtschaft- lichen fprechen stark mit, eigentliche soziale im Sinne Europas nur wenig. Augenblicklich beschrankt sich bie Revolution auf ba» Wilbwestgobict Brasiliens, wo sich, an der Grenze von Matta Grosso und Goyaz — wo bekanntlich die zukünftige Hauptstadt Brasiliens erbaut werden soll — im Diamantsuchergebiet Räuberbanden gebildet unb sich ben vom Süben Heraufgezogenei, Rebellen von der argen tinischen Gren ze angeschlossen haben. Diese Wildnis Hot ihre eigenen Gesetze und ist ein besondere» Gebiet von Abenteurern au» vieler Herren Länder. Ein Brasilianer, der von langer Zett her noch beut- sches Blut in den Abern hat. ein Ingenieur Dr. Marbeck, hat sich bort ein fast unabhängige» Königreich von großer Ausbehnung. aber geringer unb recht zweifelhafter Bevölkerung errichtet. Wie er bazu kommt, mit seinen Leuten, obwohl selbst Beamter ber Regierung, bort Strien zu spielen, ift noch nicht ganz geklärt. Allem Anschein nach will er au» dem Diomanlengeblef Matta Grosse, wo auch wertvolle Kristalle gesunden werben, unb au» Sub-Goyaz einen befonberen Staat im Rahmen bes Bunbes errichten unb f i d) zum Präsibenien machen. Immerhin - sonst herrscht Ruhe, unb biefe Vorgänge berühren das Leben wenig, die Besorgnis, baß mit Beginn ber warmen Zeit, im Oktober, roieber auch in anberen Staaten etwas losgeht, beherrscht aber boch bie Geschäftswelt.
Gin traurige# Kapitel ist das ber Heu- deutschen in Brasilien Allerdings. Viele leben sich hier ein, arbeiten fleißig, vermischen sich mit der früheren deutschen Bevölkerung. und geben keinen Anlaß zur Klage. Sin verhältnismäßig beträchtlicher Teil der Veudeutschen (wie man die nach Kriegsende Herübergekommeneu bezeich- uct) schadet aber dem Deutschtum des Landes. Erst kürzlich klagten die deutschen Ecttharinenser Zeitungen, daß früher in Tanta (Katharina der Satz gegolten hätte: „Der Deutsche ist ein Mensch, der nicht stiehlt und nichto mit den, Gefängnis zu tun hat". Jetzt sei es leider ander«, immer wieder könne man deutsche Flamen in kriminellen Angelegenheiten lesen, und daS Ansehen habe stark gelitten. Bor kurzem fand ein irn 3anuar ds. IkS. in Aio de (Janeiro vorjefom- ntener Mord eine sensationelle Erklärung: zwei junge deutsche Burschen, Voetger unb Herscht. au« besseren deutschen Familien, die erst im ■3ahre 1924 herübergefommen waren, hatten ein Mädchen auf schauderhafte Weise ermordet, in der Absicht, seinen Schmuck zu veräußern und mit dem ErlöS wieder nach Deutschland Aurucf- zufahren. Die psychologische Erklärung, daß Beu- deutsche leichter auf die Dahn de« Verbreche-ns getrieben werden, liegt darin, daß die Aeudeut- scheu, durch Krieg und Aachkriegszeit vielfad) seelisch zermürbt, schlecht erzogen, mit der Ansicht herüHerkommen, hier leichter al« drüben es zu etwaS zu bringen. Dazu haben sie die irrige Meinung, daß der L e b e n « ft a n b a r b in einem Lande, da« nickt am Kriege teilgenommen hat. höher fein müßte, alS in Deutschland. Uber gerade daS trifft nicht zu. der Angeftellte erhält hier
Sd)ad)»(Edie.
Bearbeitet von W Orb ach
Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen. Losungen usw sind *u richten an die Lchachredaktion de« .Gießener Anzeiger«".
Problem Rr. 26.
Don Carl Pater in Wollersdorf.
Weih: 7 Steine Kf 1, Dc2,1^6, Sg4 Bc5, Bc5, Bg3.
Schwarz: 5 Steine Kd4, Bc6, Bd5, Bc6, Be7.
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Weiß.
Matt In drei Zügen.
Partie Nr. Ißt.
Die Eigenart und Tiefe der Opielweisc Qlicm- zowitschs wird au« nachfolgender Partie ersichtlich. in welcher er den großen Rubinstein fiar und sicher zur Strecke bringt.
Gespielt zu Marieubad.
Unregelmäßige Eröffnung. .
Weiß: A. Rubinstein
Schwarz: A Aiemzowitsch
1. d2-d4 1. Sr8-I6
2. Sßl-f3 2. b7-b6
Dieser Zug stammt von Viemzowitsch; er wird noch von Bogoljubow bevorzugt.
Vielleicht ist in dieser Variante die Aufstellung c4. Sc3, Lg5, e4, Ld3, 0-0 usw. bester 3..... 3. c7-c5
4. l.fl -r2 4. Lc8-b7
5. d4xc5 ?
Dies darf man infofein al« Hehler bezeichnen, da Schwarz hierdurch die Möglichkeit erhält, die offene b-Linie für seine Operation-zivecke zu
benutzen.
6. c2-c4
7. b'2 — b3
8. I.cl-b2
9. 0-0
10. Sbl-c3
5. b6xc5
6. al-ffi
7. 1.(8 — g7
8. 0-0
9. Sb8-c6!
10. a7-»5!
Die« droht gelegentlich a5 -a4 mit Schwächung de« weißen Damenflügelfl.
11. Ddl-d2 11. d7-d6
12. 813-el
Der Springer strebt nach dS; besser wäre jedoch Sa4.
12..... 12. Dd8-d7
13. Sel-c2 13. Sc6-b4
14. Sc2-e3 14. Lb7>-g2
15. KglXß2 15. Dd7-b7+
16. f2-f3 Bester wäre, wie die Folge lehrt, Kgl
16 .... 16. Lg7-h6!
Die durch f3 entstandene Schn^che aus e3
wird nun festgenagelt
17. Sc3-dl 17. »5-14
lSiehe 5. und 10 Zug >
18. b3x*4 IH. 1 f8 — e8! ’
19. Lb2-I6 sonst würde e5 mit starkem Druck folgen
19..... 19. e7x<6
20. Kg2-f2
Weiß glaubte stehen, aber 20 .
nebst der Drohung eine prekäre Vage.
21. Dd2xd6
22. Tal-bl
23. K12-K2?
24. Sdlxe3
25. Dd6xc5
26. TU - f2
27. Dc5xf2
28. a2 - »3
20. Df2-e2 30 c4-c5 31. De2xa6
nun genugenb gesichert zu
20. 16 - P>
14 oder Lg7—d4 bringt cfl In
21. Lh6-g7
22. I e7-d4i
23. Ld4xc3
24. Te8xe3
25 Te3xe24-
26. Te2xf2 r
27. Ta8xa4
29. Ta4 -13
30. Dd7 .16
31. Sd4Xa6
unb Schwarz gewann
Cofung des Problem» Kr. 25
Aon R. Dittschke.
1. Sb7-c5, dc5: 2. Db64--|
1. Sb7-c5, Sf4: 2. De3-f-F
1. Sb7-c5, Sb3: 2. Sd34-4-
1. Sb7-c5, Kf4: 2. Dß34 4-
1. Sb7 - c5, h6, 1)5 2. 5g(.-t-4-
aus sonstige Springerzüge entweder De3, oder Sd3+ +
Die Lchachmeisterschast Vom Rhein.
Bad Münster a. Stein (Wolfs 1 Da« Schachturnier um die Meisterschaft vom Rhein findet In der Zelt vom 6 bi« 13. Sept, hier statt. Zugesagt haben alle in Frage kommenden Verbände, und zwar vom Mittel- rheinischen Bund Orbach - Frankfurt a M. und Dleutgen - Mainz, vom Zweckverdand Kölner Schachvereine H o r t e l und Dr. Scha- Piro- Köln, vom Oberrheinlfchen Bund 3ng. M Werner- Mannheim und Huh- Äarlfl- ruhe, vom Psälzifchen Schachbund FleIßner- Ludwigflhasen unb K u d) t i - Speßer, vom Äheinis<h-Westfälisd>en Verband Kenrper - Krefeld und A i p k e - Elberfeld, vom Saarlän- Mfd)en Schachverband Gebhardt- Saarbrücken und Weißgerber -Großosfeln.
Die Narrenkappe.
Splitter unb Sparren vom Aebaktionsttfch.
Stehplatz. Bitte, nicht so nah' an mich ran, auf diesem Platz steht meine Frau, die auch 'n Billett gekauft hat, aber diesen Abend leider verhindert ist!"
„Sie müssen vor dem Frühstück eine Stunde spazieren gehen."
„Das ist unmöglich, Herr Doktor, ich steh« immer erst nach dem Frühstück aus"
•
Lohengrin kommt zur Vorführung. Die Handlung hat ihren biamntl|d)en Höhepunkt erreicht, denn Elsa von Brabant, die treulose Tomate, will von Lohengrin? Famillenoerhältnifsen und Herkunft wissen. Während unter allgemeiner Anteilnahme be» Publikum» Elsa von Brabant wie eine geknickte Lilie bastelst und Lohengrin bereit» auf dem Schwan ab durd) die Mitte verschwindet, ertönt von ber Galerie der Ruf . „.Mensch. Lohengrin, nimm doch bat Mächen uff den Soziussitz mit!"
eben nur soviel, daß er gerade leben kann, aber leben nach den hiesigen Begriffen, nicht nach deutschen. Da« heißt, Kleidung. Vergnüaungen. Ersparnisse machen, fällt wog Die Ernüchterung und die Sehnsucht nach Rückkehr treibt bann dazu, sich auf irgendeine Weise Geld zu vor- schassen, denn „hier kennt mich ja niemand". Vor allem ist davor zu warnen, junge Leute, die schon vorher Beweise eines leichten und unzuverlässigen ®harafterfl gegeben haben, auf gut Glück herüberzuschicken Man muß zur Ehre der brasilianisch n Presse anerkennen, daß diese Fälle bisher nicht von ihr in Deutschland ungünstigem Sinne ausgeschlachtet worden sind, wie seinerzeit die Teilnahme Deutscher am Aufstand in Sao Paulo
Lieberhaupt ist von Deutschseindlichkeit jetzt nicht« zu merken. Die Aachricht vom Sieg H t n- benburg« in der Präsidentenwahl wurde mit offenbarem Wohlwollen für den alten „Gabo de
' ausgenommen Die in Porto Allegro erscheinende brafilianische Zeitschrift ,Ma«<ara" gab eine besondere Hindenburg-Amnmer heroufl, und alle brasilianischen Zeitungen beschäftigten sich mit einem Interview, da« ein 3ngenleuv au« Rio granbe. Dr Octacilio Pereira, in Hannover mit Hindenburg kurz vor feiner Wahl hatte und worin Hindenburg sehr geschickt die Beziehungen Deutschlands zu Brasilien beleuchtete. Wo« der Marschall dort über die Revolutionen sagte, bie nur Kinderkrankheiten eine« gesunden, zukunstflreichen Staates seien, entspricht den Hoffnungen aller brafilianisd-en Patrioten, und Die wirtschaftliche Zusammenarbeit Deutschlands und Brasiliens wird auch In weitesten Kreisen willkommen geheißen. Der liefe Eindruck der Perfönlichkeit de« deutschen Präsidenten wurde überall hervorgehoben Daß Hindenburg der Deutschen in Brasilien in diesem
Karlchen lernt singen.
Von Karl S 1111 n g c r - München
Ich weiß nicht, ob efl schon in weite Krals c gedrungen ist, daß ich in meinen Mußestunden ein DesangSphänvmen bin Wenn ich in meinem Münchener Bierkeller sitze, bann kann die Musik Spielen wa« sie will: ick singe mit. Unb zwar 'inge ich jedesmal „O Tannenbaum, wie grün lind deine BlätterI"
Ich habe Damit schon Da« größte Aussehen erregt unb erst neulich fragte mich ein Herr vom Rebentisch, ob ich vielleicht au« Finsterwalde Id
Ich habe nämlich keine Aatucstimme wie die H^nrpel und andere Grammophonplatten, sondern ich habe ein geschulte« Organ. Lange Zeit habe ich da« gar nicht gewußt, aber da trat mir .stne« Tage« auf der Straße ein Mensch mit seinen sämtlichen Pserdekrästen auf die große Zehe und wie ich auhl schrie, drehte er sich um und sagte: .Mensch, Sie haben Stimme!"
.0 Tannenbaum!" stammelte ich Und er stellte sich vor al« Gefang«prosefsor Tuttikaputti und erbot sich, meine Stimme fachmännisch zu prüfen ,3d) verlange zwar fönst für ba« Prüfen eine hohe Summe, aber Sie sehen so intelligent au«, daß ich glaube, c« lohnt sich auch sol"
Ich ging am nächsten Morgen hin. in aller Frühe, wenn auch die anberen Hähne frühen; er prüfte meine Stimme — efl Dar die einzige Prüfung in meinem Leben, die ich bestanden habe - und versicherte mir: .Sie haben einen hohen Tenor! Aber die Stimme sitzt zu weit hinten!"
Also haben wir die Stimme nach vorn geholt Indem wir immer „ab" gemacht haben, wie wenn einem der Arzt in den Hal« guck' DaS ist die italienische Schule. Dafür zahlte ich bret
Mark die Stunde, denn damals war alle« noch billiger, die Semmel, die Knödel - auch die Ge- sangflknödek Der Professor sand, ich machte riesige Fortschritte und ich sei bald für die Bühne oder sonst eine städtische Anstalt reif, und er lobte mich: ..Zu schade, daß Sic kein Gehör haben sonst sind Sie riesig musikalisch!"
Also er veranstaltete ein Schülerkonzert Da waren die Eltern. Onkel, Tanten und Dienstmädchen der Schuler im Zuschauerraum, sonst niemand Denn efl war ein öffentliches Auftreten Halt, daß ich nicht lüge: ein Musikkritiker war auch da Aber ber ist seitdem verschollen.
Ich batte fabelhaften Erfolg — wir hatten überhaupt alle fabelhaften Erfolg — aber ich ging trotzdem zu einem anderen Lehrer Wett die Stunden bei meinem Professor immer kurzer wurden; die lehte dauerte genau 17 Minuten und 4 Sekunden Unb dabei war da« Im Lenz, wo die Tage angeblich länger werden
Mein neuer Maestro prüfte meine Stimme und erklärte: sie fitzt zu weit vorne! Die Stimme muß durch die Olafe kommen! Sie muß au« der Kehle in da« rechte Aafenlvch und zum linken wieder herau«! Aach dieser Methode hätten auch fcarufo und Beethoven gelungen Unb wer mir gesagt hätte, ich lei ein hoher Tenor, da« sei ein ausgesprochener Idiot gewesen, sondern ich hatte einen fabelhaften Bariton! Mit einer altistifchen Färbung. Und einem Stich in« Hochbramatische.
Diele Ausführungen leuchteten mir ein, unb zwar besonder« die Obemertung. daß ich einen Stich hätte _Ah" machen kannte ich schon, wenn auch zu weit vorn, und deshalb begannen wir gleich mit dem Partienstubium Voten sollte ich bann später Lernen. Zuerst haben wir ben Han- Sachs brangenommen, weil man immer mit dem \ Leichtesten anfangen soll. Aber mein Ton stieg
nicht in die Vase, ich weiß heute noch nicht, was mein Kehlkopf gegen meine Vase hat! Doch es klang trotzdem ganz schön, befonberfl au« der Entfernung, nur eine« war merkwürdig: ob tch den Wahnmonolog begonnen habe ober da- Schusterlied efl ist immer der .Tannenbaum" geworden.
Da ging ich zu einem dritten GZangflmeister Der war mir von seiner Schülerin Eleonore Scheusal empfohlen worden. Eigentlich hieß sie anders — Scheusal ist nur ihr Bühnenname Weil sie einen Buckel hat Ehe sie sich dem Ge- sangsstudium widmete, hatte sie ihren Lehrer gefragt, ob man denn auch mit einem Buckel die Isolde und Ella mm Brabant fingen könne, und er hatte sie beruhigt: .Ein Buckel stört gar nicht, den kann man wrgschminken!"
Also der neue Meister prüfte wieder meine Stimme und stellte fest: ich habe einen tiefen Baß. Aber die Hälfte von dem Baß sitzt zu weit vorn, und die andere Hälfte zu weit hinten. Die Stimme muß au« dem Bauch kommen!
Bauchst Immen müssen die Stunden immer im voraus zahlen Da« habe ich getan, denn ich sah. daß sich mein Lehrer kolossale Mühe mit mir gab Er hatte eine ganz neue Atemtechnik; mit der hätte ich die Töne stundenlang auShalten können, wenn mir nicht die Luft auflgegangen wäre Alle Töne habe ich bei ihm nach dem Klavier fingen gelernt, bloß bat eingestrichene ff nicht — da« „ging" nämlich auf seinem Klavier nicht Unb bald war ich so weit, daß ich bei dem Stiftunafl- sest de« Lehrlings verein« .Portokafsaria" wieder öffentlich auf treten konnte.
Es wirkten da nur erstklassige Künstler mit. Zuerst kam die Kusine von dem ersten Vorstand und blies da« ergreifende Tonstück .Des Löwen Erwachen' auf bä OLarina.
Dann deklamierte der fteltoertretenbe Schriftführer etwa« ganz Veue«: .Der Erlkönig" Drer- viertel Stunden deklamterte er daran, weil et nämlich stotterte Voch nie hat der Vater den Hof mit fo viel Müh und Vot erreicht
Dann kam ich dran mit ber Arle .Halb« Aida", für Baß transponiert Fünf Stlavter- fpieler versuchten der Reihe nach, mich au begleiten Keiner hat « fertig gekriegt. Schließlich sang ich ohne Begleitung ben .Tannenbaum“, und alles war weg Bloß meine Braut blieb da, sah mich seelenvoll an unb hauchte: .Ich Hebe dich dennoch!"
Ich war bann noch bei einer Menge Gesangslehrer Ieder hatte eine eigene Met Hobe, btofil einer verstand gar nicht« ber meinte, ich hätte überhaupt keine Stimme Va, mit dem Stümper habe ich mich natürlich gar nicht Wetter eingelassen - aber fo wa« ist Akademieprvsessor! Die Lehrer haben meine Stimme in meinem ganzei, Körper Herumgetrieben, vd) glaube, augenblicklich sitzt sie in der linken großen Zehe. Ich ziehe jetzt immer den Stiefel bzhn Singen au« Da« MetaÜ in meiner Stimme ist noch da. aber da« Metall in meinem Portemonnaie ist toeg. unb seitdem interessieren sich die Maestri nicht mehr fül meinen Tenorbaritondaß.
ilcbrigen« brauche ich gar keinen DesangS* lehr er mehr - ich gebe nämlich jetzt selbst Gesangsstunden Vach bei Methode tannenbaum. Meine Milchfrau empfiehlt mich überall Mit Ueberzkugung und zwei Prozent Gewinnanteil. Eine Schülerin von mir hat sogar schon «tu Engagement gefunden AI« Souffleuse. IBttf sie so dne kräftige Stimmt hat
Wenn vielleicht jemand latent In s^ch verspürt? ....


