für ihn sowohl nad) dem (Sang der Kabinetts- sitzung als auch nach Art, wie das Schreiben zustandegekommen sei, kein Zweifel darüber bestanden habe, daß eS sich nicht darum gehandelt habe, eine allgemeine moralische und politische Verpflichtung, sondern eine rechtlich bindende und gegebenenfalls ein flag bare Verpflichtung zu übernehmen. 2tuf Anfragen erklärte der Zeuge weiter. S t i n n e s habe die Meinung geäußert, man müsse das Abkommen derartig abfasfen, daß zum Ausdruck komme, daß das Reich die Verpflichtungen nur unter der Voraussetzung übernehme, daß die Leistungen auf R ep a r a t i o n s k on t o g u t- geschrieben würden. Die Bergindustrie hätte aus daS Schreiben so großen Wert gelegt, weil sie der Meinung gewesen sei. durch die Vorlegung eines solchen rechtlich bindenden Dokumentes würde ihr die Erreichung ausländischen Kredites erleichtert werden.
Reichskanzler Luther wurde über bte Frage gehört, welcher Art die Bindungen gewesen seien, die damals zwischen der ReichSregierung und den Ruh rin düst ri eilen etnqeqangen sind. Hierzu erklärte Dr. Luther: Der Zweck deS damaligen Abkommens war nach den ausdrücklichen von den Vertretern der Sechserkommission geäußerten Wünschen. eine Erklärung der ReichSregierung herbeizuführen. auf Grund deren der Kohlenbergbau sich Kredite beschaffen tonnt.- Was wir damals wollten, heißt in der Sprache der Jurisprudenz „P r iv a t recht l ich e Bindung". Wir haben ohne jeden Zweifel nach Lage der Dinge der anderen Seite den Anspruch geben wollen, der unmittelbar klagbare Rechte erzeugte: denn der Zweci war ja, etwas Diskontfähiges zu schaffen, auf dessen Grundlage man Geld bekommen tonnte. Roch dem Inhalt der damaligen Erörterungen wurde die Möglichkeit gar nicht erwogen, daß die ReichSregierung bei der Wahl cineS anderen R ickstageS diese Versprechung etwa nicht erfüllen iomite. Die Zahlungen sollten nach der Sanierung der Reichsfinanzen erfolgen. Die Abmachung mit den Ruhrindustrlel- len war nicht eine politische in dem Sörne, daß man über die Sache in Wirklichkeit erst später entscheiden wollte, sondern sie war eine Abmachung. die die Grundlage für ein Geldgeschäft darstellen sollte, die ihrer Idee nach die Zurückgewährung von Leistungen bar ft eilen sollte, die die Ruhrindustriellen für daS Reich machten.
AlS nächster Zeuge Wird der Abgeordnete Robert Schmidt vernommen, der in der fraglichen Zeit Minister für den Wiederaufbau war. Auf die Frage deS Abgeordneten Stöcker (Kom.), weshalb die sozialdenwkrati- schen Minister zu den Vorverhandlungen nicht zugezogen worden seien, bekundet Schmidt, daß er an den mündlichen Verhandlungen mit der Sechserkommission nicht teilgenommen Hobe und deshalb in der entscheidenden Kabinettssihung gegen den Abschluß der Abmachungen Einspruch erheben wollte, well er als zuständiger Wiederaufbauminister nicht hinzugezogen worben, sei. Eine Ablehnung wollte er nicht auSsprechen, well er natürlich auch ein Interesse an dem Inganglommen der Industrie hatte. Innenminister Sollmann schloß sich seinem Standpunkt an, daß er und feine sozialdemokratischen Kollegen auch zu den Vorbesprechungen nicht hinzugezogen worden waren, sei ihm nicht ausgefallen, da seine Kollegen mit der Sache nichts zu tun gehabt hätten. Die Frage, ob in der Kabinettssitzung vom I.Rovember von irgendeiner Seite positiv oder negativ davon ge° Lprochen worden sei, daß die Auszahlung von Ansprüchen ohne weitere Prüfung durch den Reichstag vorgenommen werden könnte, sei seines Wissens nicht erörtert worden. Man habe allgemein unter dem Eindruck gestanden, daß sich die Herren noch einige Jahre würden gedulden müssen. — Nächste Sitzung voraussichtlich Donnerstag.
Die Amtseinführung des Reichspräsidenten.
Berlin. 1. Mai. (LU.) Wie der „Verl. Lokalanz." erfährt, findet die Amtseinführung und die Eidesleistung des Reichspräsidenten am Dienstag, dem 12. Mai, 12 Uhr mittags, im Reichstage statt. Der Feldmarschall wird am 1. Mai in Begleitung des Oberstleutnants Feldmann nach Berlin ad- reisen. Bei Eintreffen des Reichspräsidenten am Reichstage zur Eidesleistung wird vor dem Reichstagsgebäude eine Kompagnie deS ReichS- wehr-Jnfanterie-AegimentS Ar. 9 militärische Ehrenbezeugungen erweisen. Auf besonderen Wunsch dcS FeldmarschallS wird hierzu die Traditionskompagnie deS 3 Garde-RegimentS z u Fuß bestimmt werden, deS Regimentes, bei dem er seine militärische Laufbahn begann und die Feldzüge 66 und 70/71 als junger Offizier mitmachte. Rach der feierlichen EideSablrgung wird der Präsident im ReichSpräsidialgebäude durch den Stellvertretenden Reichspräsidenten Dr. SimonS bearüßt werden und dann den Reichskanzler und die Mitglieder deS ReichstabinettS empfangen. Anschließeird gibt der bisherige Stellvertretende Reichspräsident für den neuen Präsidenten und die Mitglieder des 2leichs- kabinetts ein Frühstück, tnoniit die Feierlichkeiten dieses Tages ihren Abschluß finden. Am nächsten Tage finden beim Reichspräsidenten die Empfänge in folgender Reihenfolge statt: Reichstagöpräsivium und Reich ag, Vertreter der preußischen Ministerien, Kommandobehöri.en der Reichswehr. Direktion der Reichsbahn, R e i ch s b a n k d i r c i- torium. Ob.rprä-'.^ium der Provinz Brqv.den- bürg, Oberbü.germemer um) Magistrat der Stadt Berlin und Polizeipräsidium Berlin und .Kommandeur der Schutzpolizei. Am darauffolgenden Tage werden die 6 t a a t s f e 1 r e t ä t c dem Präsidenten vorgestellt werden. An einem Der nächsten Tage darauf wird der Reichspräsident daS in Berlin aßrebmc’rie Diplomaten korps empfangen. Hiermit schließt die ofs- ziclle Veranstaltung der Amtsübernahme durch den neuen Rei. SpräsidenUn
Am 7. Mai wird die Bürgerschaft Hannover. auf Anregung der Vaterländischen Verbände dem Feldmarschall eine große Ehrung in Gestalt eine» Fackelzuges fca.bringen. Wahrscheinlich wiro sch auch ?aS Reich 5 'anne- an dieser Kundgebung beteiligen. Der Rc-chs- Präsident wird sich vorläufig seinen cobn Major von H i n d r n bu r "
vallerieschule in Hannover als persönlichen Ad - ■ utanten zuteilen lassen. DaS geschieht im aRhmen deS Etats deS ReichSwehrministerllunS.
Wie der „Hannoversche Landesdienst" er- ährt, hat Reichspräsident von Hindenburg^sein Erscheine zu den Pferderennen in Hannover am 24. Mai zugesagt. DaS Hauptereig- niS deS TageS trägt den Ratnen des General- feldmarf^rllS. der den Siegern die Preise per- önlich überreichen wirb.
Des Reichspräsidenten Antwort an Dr. Marx.
Hannover, 2. Mai. (SIL) Reichs- Präsident von Hinden bürg richtete an den Reichskanzler a.D. Dr. Marx folgendes Schreiben: .
Hannover, 1. Mau
Sehr verehrter Herr Reichskanzler!
Für Ihr freundliches Schreiben, das Sie am 28. April an mich zu richten die Gute hatten, spreche ich Ihnen meinen verbindlichsten Dank aus. Ich ersehe auö ihm zu meiner Freude, baß Sie auf dem gleichen Standpunkt stehen, den auch ich selbstverständlich im Falle Ihres Sieges kei der Wahl ein- genommen haben würbe. Ihre Wünsche für unser schwer darniederliegendes Vaterland sind die meinigrn. Mönrn sie sich erfüllen durch )’c lbft Io f c , einigende Arbeit all er, denen Deutschland höher steht als die Vartet. v .
Wit der Versicherung meiner besonderen Hochachtung bin ich Ihr ergebener
v. Hindenburg, Generalfeldmarschall.
Englands auswärtige Politik.
Eine Rede Winston Churchills.
London. 1. Mai. (WTB.) In einer bei einer Kundgebung der Primrose Liga in der Albert Hall gehaltenen Rede kam Schatzlanzler Churchill auf die Politik Englands zu sprechen. Diese Politik ist. so führte der Redner auS, zunächst eine Politik für den F rieben draußen in der Welt. Der Weltfriede hängt von einer gewissenhaften Z u s a m in , n - arbeit der beiden größten heutigen Mächtegruppen ab. In der Reuen Welt jenseits des Atlantischen Ozeans hat daS Washingtoner Abkommen G r o ß b r i t a n n i c n , die Vereinigten Staaten und Japan, drei der führenden Seemächte, durch daS Band der Freundschaft verknüpft, das ben Frieden und die Freiheit der Meere reguliert und viele Generationen hindurch aufrecht erhalten werden sollte. In der Alten Welt bemüht sich Chamberlain, die Vereinigung der vier größten Nationen Europas, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien, zu gegenseitigem Schuhe und gegenseitiger Sicherheit
zustande zu bringen. 2lber gerade, wie i>aS Washingtoner Abkommen nicht dadurch erreicht wurde, daß wir DaS alte wertvolle Bündnis mit Japan beiseite warfen, sondern vielmehr dadurch, daß wir unsere Freundschaft mit Japan und unsere Freundschaft für die Vereinigte n Staaten in einer größeren weiteren Gruppierung verschmolzen, so und in berfelBen Weise wird sich unsere Politik in Europa nicht dadurch entwickeln, daß wir unsere Alliierten, die unS Vertrauen geschenkt haben und mit denen wir in burtften Kriegslagen zusammenstanden, beiseite lassen oder dadurch, daß wir alte Freundschaften um neuer Freundschaften willen vernachlässigen, unsere Politik wird vielmehr die Form der Konsolidierung beS im Kriege errungenen Sieges durch die umfassenderen und sichereren Vereinigungen des Friedens ersetzen.
Aaser« Politik in der Welt ist eS, diese beiden Ptzramkd'n auszubauen und zu erhalten, die eine in der neuen Welt, die andere in der allen, auf die be Frieden aller Nationen mit Sicher- j f)dt gegründet werden kann.
(Beifall.) Man steht einer ständigen Ausdehnung umstürzlerischer Bestrebungen gegenüber und einer unaufhörlichen skrupellosen Propaganda. Man stehl einer Bewegung gegenüber, die nicht englischen Ursprungs sei, sondern e/g verknüpft ist mit ausländischen revolutionären Organisa ionen, deren eingestandeneS Ziel der Sturz nicht nur der Einrichtungen deS britischen Reiches, sondern der bestehenden Zivilisation in aller Welt ist. Ich weiß wohl, fuhr der Schatzlanzler fort, daß eS in den Reihen der sozialistischen Partei viele ehrenwerte Männer und Frauen gibt, aber wir klagen sie mit gutem Grund an, daß sie a l s Partei vorsätzlich die große Masse des britischen Volles verdorben hat. Welche Notwendigkeit bestand denn, zum Zwecke der pollstschen Agitation oder beS Fortschritts, große Masten gutwilliger Männer und Frauen zu lehren, b'e lächerlichen Trugschlüsse von Karl Marx im Munde zu führen oder die schmutzige rote Fahne dem Union Jack vorzuziehen?
Deutschland und England.
London, 2. Mai. (TU.) Der Frontwechsel in der Haltung der englischen Presse zur Prä- sidentschaft Hindenburgs. der der am Tage nach der Wahl vorherrschenden Verwirrung folgte, nimmt feinen Fortgang. So schreibt der „Special or", wenn die Politik der Allsterten Deutschland gegenüber weise gewesen wäre und wenn man Deutschland davon übe zeugt hätte, daß seine Interessen in der Fr-fmbschast und in der Zusammenarbeit mit dem übrigen Europa zu suchen sind, so würde man zweifellos nicht so viel Aufhebens davon gemacht haben, welche Person zum deutschen Reichspräsidenten gewählt toer't). Das schlimmste Zeichen l'äme indessen nicht von Deutsch and, sondern von Frankreich, wo ein Teil der Presse crtlärt, daß die Deutschen ihre Unbantbarleit bewiesen hätten und daß das eirrz^ übrigdleBrnde Mittel darin bestehe, Deutschland mit der alten Un> terdrückungSpolitik zu b. handeln. Was bm britische Politik a b.lange, so dürfe sie sich durch di ses Vorgehen um feinen Deut von b : m bisherigen W e g abbringen lassen. England uol. - genau so handeln, als ob Dr. Marr an Stelle Hiudmburgs saß?. England wolle ferner bie Angelegenheit Kölns f o schnei! wie möglich erledi- g n. Deutschlarch wolle in d n Dö ferbun aufge- I nommen werden und an einem internationalen | Palt teilnehmen zur Sicherung der östlichen I Grenze Frankreichs.
Las liberale Parlamentsmitglied Kenworthy erklärte in einer Rede in Hüll, die Außenpolitik der augenblicklichen Regierung sei die Fortsetzung ihrer Vorgängerinnen, nämlich zu versuchen. Frankreich und S e u t f d) = landzusammenzubringen, wenn auch die Methode eine andere sei. Diese Politik fei in Stück egegangen Infolge der ah 1 HindeWn- b u r g S zum Reichspräsidenten. Während die Engländer sie gleichmütig ansähen, seien die Franzosen. Belgier und Polen sehr erregt. Alle Versuche der Befriedung Europas hätten einen ernsten Rückschlag erlitten, aber der Fehler liege wirklich nur bei den Alliierten, und zwar in dem lächerlichen und undurchführbaren Versailler Vertrag, in der Rade l st i ch p o l i t i k der Franzosen, der Verwendung farbiger Truppen im besetzten Gebiet und in dem englischen Vertragsbruch durch die Richträumung KölnS.
Zum Sicherheitspakt.
Frankreich unterstützt polnische (Yrotzmachtarrsprüche.
London, 2. Mai. (Sil.) Der Pariser „Times"-Korrespondent hatte mit Briand eine lln® terrebung über die Außenpolitik deS neuen französischen Kabinetts. In der Garantiepaktfrage äußerte Briand die Ansicht, daß die Antwort auf daS deutsche Sicherungsangebot, wenn sie auch offiziell von französischer Seite zu erfolgen habe, gemeinsam mit der englische n Regierung auS- gearbeitet werden müßte. Eine äleberftürzung sei unerwünscht, da man zunächst einmal die Haltung der deutschen Regierung gegenüber den AbrüstungSforderungcn kennenlernen wolle. Auf die Frage, wie weit der von Herriot entworfene und der englischen TV-jirrung bereits übermittelte Pakt abgeändert werden solle, antwortete Briand, daS lasse sich schwer entscheiden, weil die gesamte auswärtige Politik der französischen Regierung zur Zeit noch nicht endgültig fest gelegt sei. Der deutsche Garantievorschlag bedeute günstigenfalls einen Versuch zur Regelung einer wichtigen, stark lokal begrenzt ep Stage, auch nach der Unterzeichnung eines Paktes bleibe d i e Frage der Sicherheit Zentraleuro paS noch ungelöst weiter bestehen. Von entscheidender Dedeutung sei daS Einvernehmen zwischen Polen und der Tschechoslowakei. Ein Vertreter Polens werde künftig zu sämtlichen Zusammenkünften der kleinen Entente eingeladen werden. Alles bestärke ihn in der Auffassung, daß Polen in Wirklichkeit eine europäische, nur vorübergehend geschwächte Großmacht sei. (!) Wenn Deutschland einen Sitz im Völkerbund erlange, würde Polen ebenfalls den Antrag auf Einräumung eines permanenten SiheS stellen. Die französische Regierung habe nicht nur in Prag und Warschau die Notwendigkeit eines guten Einvernehmens zwischen beiden Ländern betont, sondern Polen angewiesen, mit seinem östlichen Nachbar friedliche Beziehungen zu unterhalten.
Der Aufstand in französisch Marokko.
Paris, 1. Mai. (WTB.) Haoas veröffentlicht eine offenbar offizielle Meldung aus Rabat, in der es heißt, daß die A n gr i f f e der Aufftändi -- f ch e n, die von Landen von Rifleuten unterstützt werden, auf der ganzen französischen Front in Marokko eingesetzt haben, ohne indes die französischen Truppen an ihrer Konzentra- tionsbewegung zu verhidern. Die französischen Verluste während der letzten Tage seien gering, während die Rifleute starke Verluste erlitten hätten. Die i t a- l i e n i s ch'e Regierung soll das französische Kabinett ersucht haben, eine Aussprache über das marokkanische Problem zu eröffnen. Aus Madrid wird mitgeteilt, daß 2000 Kabylen unter dem Kommando des Bruders Abd el Krims die französischen Truppen unerwartet angegriffen haben und die Ortschaft Zania Darkana in Brand steckten, woraus sie sich vor den Gegenangriffen der französischen Abteilungen zurückziehen mußten.
Das gerichtliche Nachspiel zum Kurdenaufstand.
Konstantinopel, 1. Mai. (£1L) Das ÄriegSge ^verjähren gegen den Führer der Kurden ist eröffnet worden. Der Scheich hat fich bisher geweigert, auf gewisse Fragen Auskunft zu geben. Er hat jedoch zugegeben, daß der Aufstand von einer fremden Macht unterstützt worden sei. Rach Abschluß des Verhörs vor dem Kriegsgericht soll der Kurdenführer dem llnabhängigkeitStribunal von Diarbelir übergeben werden. DaS Urteil, das vermutlich auf Erhängen lauten wird, soll auf dem öffentlichen Platz vor dem Gebäude der großen Rationalversammlung in Angora vollzogen werden.
Aus dem Finanzausschuß Ses Hessischen Landtags.
Darmstadt, 30. April. (Priv.-Tel.) Der Finanzausschuß des Landtags behandelte Vie Wohnungsgeldfrage der Beamten. Die Regierung hat darüber iwch keine Vorlage gemacht, sie will erst Fühlung mit den Abgeordnete.: nehmen: vorgesehen ist eine Rege- I lung. ähnlich, wie bei Den Reichsbeamten. Der ! Ausschuß fotzte ssdanu die 'Beratungen über öaS Kapitel „La n de S th eat er" fort: der Antrag Dr. Leuchtgens, der eine Kürzung des Zuschusses auf 120 000 Mk. (statt 464 000 Mk.) Vorsicht, und der Antrag Syittemev, dem Theater nur einen Zuschuß von 350 000 Mi. zuzubilligen, Wurde abgclehnl. Angenommen wurde dagegen ein Antrag des Abg Dr. Werner, wonach ein Unterausschuß eingesetzt werden soll, der unter Hinzuziehung von Sachverständigen und Mit- gliedern der Regierung nochmals die Theater- srage prüft. Do. Ausschuß ging dann dazu über, die Vorlage über die Reuordnung der Lehrerausbildung in Hessen zu beraten. Bekanntlich sind die Lehrerseminar» auf- gehoben worden, dafür werden pidr.grgische Kurs.» singefuhrr. Eine Einigung über diese Angelegenheit konnte noch nichi erzielt werden
Die Brüder Barm
Berlin, 30. April. (WTB ) Die Brüder Julius und Henri Barmat wurden durch einen medizinischen Sachverständigen einer eingehenden Untersuchung auf ihre Haftfähigkeit unterzogen Beide sollen sofort zwecks Beobachtung der Charitee über- I wiefen werden.
Aus aller Welt.
Das Baden-Badener Schachturnier.
Aus dem Internationalen Schachgrohmeister- turnier wurde am Samstag die elfte Runde gespielt. Dr. Tarrasch'Deutschland verlor ein Damen bauernspicl gegen Mieses-Deutschland nach 61 Zügen. Mjechin-Frcmkreich gewann eine Partie mit englischer Eröffnung gegen Särnisch-Deutschland in 52 Zügen. Dr. Tartakower-Oesterreich verlor eine englische Partie gegen Bogoffubow-Ukraine nach 42 Zügen. Die Partie Grünefeld-Oesterreich gegen Marshall-U. S. A. endete nach 26 Zügen unentschieden ; ebenso wurde das Damenbauernspiel Torres- Mexiko mit Roselli-Jtalien nach 21 Zügen remis. Auch Rirnzomitsch-Dänemark konnte gegen Spielmann-Oesterreich nach 25 Zügen nicht mehr als remis erreichen. Abgebrochen wurde die spanische Partie Te Kolste-Holland gegen Thomas-England. Gleichfalls abgebrochen wurde die spanische Partie Aates-England gegen Rubinowitsch-Rußland. Auch die Partie Colles-Belgien gegen Earl-Deutschland mußte abgebrochen werden. Schließlich blieb die Partie Reti-Oesterreich gegen Dr. Treybal-Tschecho- sfowakei unbeendet. Spielfrei war Rubinsteii^Polon.
3n den Schacht gestürzt.
Aus Essen wird gemeldet: Bei Schachlarbeiten auf der Zeche „Graf Bismarck" in Buer-Erle ereignete sich auf der 3. Sohle ein schwerer Unfall. Die Bühne, auf der die Bergleute arbeiteten, brach plötzlich ein, und die Bergleute stürzten in den Schacht ein. Von den abge- stürzten Leuten sind drei schwer und drei leicht verletzt worden.
Flüchtiger Defraudant.
Wit 200 000 Mark flüchtig ist der am 30. September 1890 in Hamburg geborene Handlungsgehilfe Max Blumenthal. Dlumenchal kassierte am 28. April für feine Arbeitgeberin den Betrag von 200 000 Mark. DaS Geld sollte er am 29. morgens auf einer Hamburger Dank einzahlen. Er hat am 29. April um 9L/-> Uhr morgens feine am Grindelhof 33 gelegene Wohnung verlassen und sich, wie festgestellt wurde, einen Auslandspaß am gleichen Tage besorgt. Danach steht fest, daß Blumenthal versucht, inS Ausland zu entkommen. Seine Spur weist zunächst nach Zürich.
Neue Funde beim Massenmörder Denke.
9m Gehöft des Massenmörders Denke in Münsterberg wurden gestern neue Funde gemacht. Es handelt sich um eine Reihe von Schädel k n o ch e n , die Denke nicht allzu lange vor seinem Tode im Acker bei seinem Hause vergraben hat.
Selbstmord im Zuge.
Wie wir hören, wurde am Sonntagabend gegen 12 Uhr in einem Abteil 2. Klasse des von Lehrte in Hannover eintreffenden Zuges die Leiche eines 22jährigen Kaufmanns aus Hannover aufgefunden, der sich, nach dem Untersuchungsbefund, e r f ch o f - f e n hatte, nachdem er zuvor im gleichen Abteil eine mit ihm reisende Dame, anscheinend wegen Streitigkeiten, zu erschießen versuchte, sie aber nur ungefährlich verletzte.
Attentat auf einen Zug.
Wie auS Essen gemeldet wird, wurde auf der Strecke Bottrop—Osterfeld auf einen Personenzug ein Attentat verübt. Auf die Strecke war ein mit Steinen bepackter Rollwagen geschleppt und mit Eisenstein und Sellen verankert worden. Dem Lolonwtrvführee gelang eS, den Zug 20 Meter vor dem Hindernis zum stehen zu bringen. Auf die Ermittlung der Verbrecher ist eine hohe Belohnung ausgesetzt.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 2. Mai 1925.
Steuerkalender für Mar.
Im Monat M a i werden folgende Steuern fällig:
5. Mai: Lohnsteuer für die Zeit vom 21. bis 30. 4. einschließlich der für die Zett vom 1. bis 10. 4. bzw. 11. bis 20. 4. noch nicht abgelieferten Betrage ohne Rücksicht auf deren Höhe.
10. Mai: Einkommen- und Körperschaftssteuer- vorauszahlung für April, vorläufig staatliche (3c werbesteuer für 1925 (60 Proz. der Einkommensteuer- und Körperschaftssteuervorauszahlung), Um. Vorauszahlung für April der auf Voranmeldung zahlenden Einkomernnsteuerpflichtigen, und zwar: 15 Proz, b) örtliche Kirchensteuer für: 1. Gemeinde Gießen ev. 7 Proz. und kathol. 5 Proz., 2. Heuchelheim und Klein-Linden eo. je 10 Proz., 3. Wieseck ev. 7 Proz. der Einkommensteuervorauszahlung.
15. Mat: Lohnsteuer für die Zeit vom 1. bis 10. 5., sofern der Gesamtbetrag 50 Rm. übersteigt, Kirchensteuer der Landwirte und Gehalts- bzw. Lohneinpfänger (Arbeitnehmer) auf Grund der in den nächsten Tagen zur Zustellung kommenden Kirchensteuerbescheide, vorläufige staattichc Grundsteuer für 1925 in Höhe des als 4. Ziel für Rj. 1924 gezahlten Grundfteuerbetrages. Die vorjährigen Steuerbescheide sind bei der Zahlung vorzulegen.
25. Mai: Lohnsteuer für die Zeit vom 11. bis 20. 5., sofern der Gesamtbetrag für gen. Zett oder mit den für die Zeit vom 1. 10. 5. einbehaltenen, noch nicht abgeführten Beträgen zusammen mehr als 50 Rm. beträgt.
Mit Ausnahme der Lohnsteuer können die gen. Steuern noch innerhalb der siebentägigen Schonfrist ohne Zuschläge gezahlt werden.
Din am 19. v. Mts. fällig gewesene vorläufige staatliche Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz für 1925 kann noch bis einschl. 5. Mai ohne Zuschläge entrichtet werden.
Wc!.
Ruhiger, nach kurzer Aufbesserung wieder trüber urrd Regenneigung.
Der nördliche Vo ü'erzug deS KerneS der Rorbfe^Depression hat in unierm Bezirk ungewöhnlich un.uhigeS regnerisches Wetter bei zeitweise starker Windbewegwig verursacht. Wir kommen vor der Hand auf die RüÄeite des Wi"bels, der unter Abschwächung seiies Kernes nach ostwärts zieht. Don Spanien her dringt höherer Druck rach, jedoch wird er für unser Wetter nur vo.ü'.ergehend ma ßgebend fein, da im Raum zwisch ; Island I ckand ein neues Fallaekiet fei'-:
- SOdCSlaltnbtr für Samstag. Bauer scher Gesangverein: 8! 11 jr Vereinst ual
Generalversammlung. — Reichsbund der Zivil- dienstberechtigten: 8.30 Uhr „Stadt Lich" Wo-


