Ausgabe 
2.5.1925
 
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Nr. 162 Erster Blatt

175. Jahrgang

Samstag, 2. Mai 1925

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Beruhigung.

Eine der widerwärtigsten Erscheinungen bei dem verflossenen Präsidentenwahlkompf, waren die hartnäckigen Versuche, die deutschen Wähler mit der Rache des normale feindlichen 'Aus­landes zu schrecken für den Fall, daß Hinden- b ur r a aus dem Stampf als Sieger hervorgehen sollte. Auch wenn dieses Gebaren wirklich der Sorge um die außenpolitische Auswirkung eines Volks­entscheids für Hindenburg entsprungen wäre, so hätte es als erbärmlich und würdelos bezeichnet werden muffen, denn die Art, in der ein großer Teil der Auslandpresse in unsere Präsidentenwahl ein- gegrifefn hat, hätte unter allen Umständen auch von der Presse der Linken zurückgewiesen werden müssen, wenn sie auch nur eine Spur von Gefühl für die nationale Würde gehabt hätte. Stall desien aber wurden die ausländischen Unverschämtheiten den Lesern mit Behagen aufgetischt, mit desto grö­ßerem Behagen, je hanebüchener sie waren, und noch mehr als bas: Den ausländischen Hetzern gegen Deutschland wurde geradezu der Ball zugewvrien, damit sie ihn zu Nutz und Frommen der Wahlagi­tation gegen Hindenburg zurückwerfen sollten.

Wenn führende Linksblätter, die sich besonders hervorgetan haben in dem Bemühen, Hindenburg und den Reichsblock als Anhänger einer chauvinisti­schen Gewaltpolitik gegen das Ausland zu verdäch­tigen, heute, wenige Tage nach der Wahl, er­klären, daß kein vernünftiger Mensch in Deutsch­land icmcls an eine Aenderung unseres außen- polit:|rt,en Kurses unter der neuen Präsidentschaft gedacht habe, so bleibt kaum etwas anderes übrig, als die Annahme, daß es sich bei den Drohungen mit den, v orn des Auslandes lediglich um eine gewissenlose Wahlrnache gehandät hat. Und diese Wahlmache war nicht bloß gewissenlos, sondern sie war auch herzlich dumm, denn für jeden Halbwegs verständigen Menschen lag es ja von vornherein auf der Hand, daß dem Auslande gar nichts anderes übrig bleiben werde, als sich mit einem Votum des deutsche» Volkes für Hindenburg abzufinden und zunächst einmal abzuwar « ten, wie sich die deutsche Politik unter der neuen Präsidentschaft gestalten werde.

Das itt denn in der Tat auch der Grundton der zahllosen Leitartikel, in denen sich bas auslän- bifdK Presse mit dem Siege Hindenburgs bcschäf. tfgt. Wut schnaubte!! eigentlich 'nur die Fran zosen. Diese Wut scheint aber bereits zum größten Teil verflogen zu fein, wenigstens rät Herr Jules Sauerwein, der berüchtigte Redakteur desMa- tin", den Alliierten und vor allem seinen französi- »dien Landsleuten, nach so vielen beklagenswerten ^rriuKicrn endlich vernünftig zu werden und endlich den Deutschen gegenüber eine verständige Haltung einzunehmen. Man müsse sich mit Deutschland oer- ft ä n b i g e n , wenn man keinen Krieg mit ihnen führen woi>e. man müsse sich vor allem mit denen verständigen, die mehr und mehr zur Macht in Deutschland gelangten, und in allererster Linie mit dem Manne, den sie auserwählt hätten. Verstän­digung sei aber nur möglich auf Grund ge­mein iumer Interessen. Wenn diese Berüh­rungspunkte zwischen Deutschland und Frankreich entdeck: seien, bann würben Die Dinge sich von selbst arrancleren, unb Hindenburg werbe der erste sein, sie zu fbrbcrn. Noch vernünftiger aber äußert sich die eng ische Presse, zumal unter dem Ein­druck der ausgezeichneten Rebe Dr. Luthers vor dem Deutschen Handelstag. Sie hebt sicherlich mit Reck»- hervor, daß diese Rebe in vollem Einoer st ändnis mit Hindenburg gehal­ten worden sei, konstatiert mit Genugtuung, daß sie jeden Verdacht, als wolle sich Deutschland nun­mehr einer militaristisch-chauvinistischen Gewalt­politik zuwenden, vollkommen ausschließe, unb be­merkt den Ernst, mit dem Dr. Luther auf den ab­scheulichen Vertragsbruch hingewiesen hat, der mit der Nichrräumung der Kölner Zone von den Alliierten begangen worden ist. Man habe für diesen Ernst in England volles Verständnis, so bemerkt die Times", und in ihrem Leiartikel führt sie' aus, in Dr. Luthers Rede fei eine neue Nuance von Un­geduld zu spüren, insbesondere hinsichllich der Ab­rüstungsfrage und der Frage der Räumung von Köln. Diese Ungeduld sei ein Anzeichen dafür, daß weitere Verzögerungen die Hindernisse für eine Vereinbarung vermehren könnten, was höchst bedauerlich wäre, da England selbst ernste Sorgen habe

Man sieht: festes und entschiedenes Auftreten ist mehr wert, als das demütige Ersterben in Erfüll lungsfeligfeit. Es ist ja nicht zu leugnen, daß die England Kummer und Sorge erregt habe, so er- Dahl Hindenburgs vielerorts enttäuscht hat, und wenn englische Blatter schrieben, daß diese Wahl in klärte sich das zum Teil aus der wüsten Hetze un­serer Linkspresse gegen Hindenburg. Aber nur zum Teil. Wenn man gelesen hat, was dieTimes" im Hinblick auf die Vorgänge in Bulgarien über die Notwendigkeit einer Konsolidierung der europäische n Kultur st aaten auf dem festen Untergrund des nationalen Bewußtseins schrieb: wenn man sich vergegenwärtigt, was das englische Weltblatt über die Rolle sagte, die gerade 2 e u t s ch l a n d im Kampfe gegen die Auslösungs- tenbenzen, wie sie in Bulgarien hervortralen, zu­komme; wenn man sich an bas erinnert, was die Times" unb anbere englische Blätter währenb ber Macbonald-Krise unb nach dem Sturze Macdonalds über die Unmöglichkeit einer soziali­stisch beeinflußten Regierung für einen großen europäischen Kulturstaat schrieben dann hatte man eigentlich erwarten sollen, daß England die Wahl Hindenburgs mit Freuden begrüßen wurde. Nun, die englischen Kümmernisse sind nach der Lutherrede zum Teil verschwunden und auch der Rest wird verschwinden. Man wird in England sehr

Das Eisenbahnunglück im polnischen Korridor.

28 Tote, 12 Schwerverletzte. Der schlechte Zustand der polnischen Strecken. Beileidskundgebungen.

Durch bas schwere Eisenbahnunglück bei Pr.» Stargard werden wieder einmal grell bic im polniichen Eisenbah . betrieb herrschenden Verhält - niss edeleuchtet. Für uns Deutsche ist jedoch die Katastrophe, von der ausschließlich Deichsange­hörige betroffen wurden, die sich auf dem Wege vom abgcschnittenen Ostpreußen und Danzig nach Deutschland befanden, eine neue Veranlassung, gegen das in Versailles geschaffene und in politischer wie wirtschaftlicher Hinsicht höchst widersinnige Gebilde eines Korri­dors quer durch deutsches Gebiet Stellung zu nehmen, um so mehr als die letzten Mo­nate gezeigt haben, daß man auch im Auslande längst eingesehen hat. welcher Fehler durch die Abschnürung Ostprußens begangen wurde, und daß es Deutschlands gutes Recht sei, eine Berich­tigung seiner Ostgrenzen zu verlangen. Daß die Eisenbahnkataslrophe den objektiven Ausländer nur in seiner Ansicht, der Korridor müsse endlich verschwinden, stärken werde, hat die War­schauer Regierung sofort nach dem Be- lanntwerden des Unglücks erkannt, sie hat in» folg'dessen das Gerücht verbreiten lassen, es handele sich hier um einen Anschlag. In Wirk­lichkeit dürften aber die LI r s a ch e n des D-3ug- Anglücks in erster Linie b ei der polnischen Eisenbahnverwaltung selbst zu suchen fein, die .wie allgemein Mannt ist, die Instand­haltung der polnischen Eisenbahnverkehrswege überaus nachlässig handhabt. Auch jetzt soll eine gelockerte Schiene den Zug zur Entglei­sung gebracht haben, was wohl zutreffen dürfte. Wie die polnischen Behörden zu arbeiten vflegen, zeigen auch die Anlagen an der Weichsel, die. so­lange preußische Beamte für den Schutz der Weichselnied-rung verantworlllch waren, sich in einem vorbildlichen Zustand befanden. Heute find die Deiche und Dämme verfallen, einer ernsten Hochwassergefahr find sie nicht mehr gewachsen, so baß auch bann wieder Deutsche unter der polnischen Lotterwirtschaft zu leiden haben wer­ben wenn ftch eines Tag sdie Wa^'.-r ber Weichsel über die deutsche Riederung ergießen. Es ist allerhöchste Zeit, daß der Korridor ver­schwindet und Westpreußen wieder dem Reiche einverleibt wird.

Die Verantwortung.

Berlin. 1. Mai. (TU.) Lieber b\c durch das Cisenbohnunglüa bei Stargard geschaffene Rechtslage, besonders über die Schadenersahan- sprüche erfährt dieTelegraphen-Tlnion" von gut unterrichteter Seite folgendes:

Der Verkehr durch den polnischen Korri­dor ist durch das Pariser Abkommen vom 21. Mai 1921 geregelt. In dem Art. 36 des von Deutschland, Polen und Danzig unter­zeichneten Vertrages heißt es: § 1: Für die Haftung bei Unfällen im Eisenbahnbetriebe sind die Gesetze. Verordnungen und Bestim­mungen maßgebend, die für die Eisenbahn dort Geltung haben, wo sich der .Unfall er­eignet hat Rach § i haftet für die durch schlechten Zustand von Bahnhöfen. Strecken und Lokomotiven entstandenen Unfälle die Verwaltung der die Unterhaltung des betreffenden Bahnhofes, der betreffenden Strecke oder ßofomotiix obliegt Rach § 8 übernimmt die den Betrieb führeirde 'Verwal­tung unbeschadet der bestehenden Rückgriffs­rechte die Haftung gegenüber Personen. Die durch den betreffenden Unfall irgendwelchen Schaden erlitten haben. Wenn über die Haf­tung bei Betriebsunfällen Streitig leiten zwischen den beteiligten E senbahnverwaltungen entstehen, so entscheidet Darüber das in Art. 11 des Abkommens vorgesehene Schiedsge­richt in Danzig, das aus je einem deutschen, einem Danziger und einem polni­schen Schiedsrichter besteht. Den Vorsitz führt der dänische Generalkonsul in Danzig.

Vor der Einfahrt in polnisches Gebiet werden die Ostpreußenzüge von polnischen Zugbeamten übernommen, und Damit trägt die polnische Eifenbahnverwaltung die volle Verantwortung für die betreffenden Unfälle.

Jin vorliegenden Falle muh Polen sowohl dem Reiche gegenüber für den Materialschaden, als auch für die Hinterbliebenen und Vorletzten vollen Schadenersatz leisten. Auch wenn tatsächlich, wie die polnische Staatsbahn­direktion in Danzig behauptet, ein verbrecherischer Anschlag vorliegt, ist die polnische Eisenbahn» verwaltung voll ersatzpflichtig. Die Untersuchung der Schuldfrage liegt vorläufig bei den polnischen Behörden. Falls ein Anschlag vorliegt, ist vor allem zu prüfen, ob das Unglück nicht durch sorgsame Ueberwachung des Eisenbahnoberbaues noch rechtzeitig hätte verhindert werden sonnen. Letzten Endes ist Der Unfall auch auf Die öffent­liche Unsicherheit zurückzuführen, über Die in der polnischen Presse selbst so oft gefiagt wirb.

Ein verbre^erischer Anschlag?

Die Deutsch« Relchsbahngesellschaft teilt mit, daß nach Meinung der polnischen Staatsbahn­direktion in Danzig das Unglück bei Star­gard auf einen verbrecherischen Anschlag zu- rückznführen sei. Rach einer amtlichen Meldung beträgt

die Zahl der Toten 25, die der Schwerver­letzten 12 und die Der Leichtverletzten 6.

Die Reichsbahndireltion Königsberg teilt mit, daß zur Feststellung der Personalien der Verunglückten sofort mit der Rel^Sbahndireftion Danz'g Verbindung ausgenommen und ein Ver­treter nach Danzig geschickt werde.

Der Danziger Polizeipräsident ift von Den polnischen 'Behörden telegraphisch ct- sucht worDen, einen Polizeihund und Kriminalbeamte an Die Unfalls! elle _ zu entsenden und an Der Aufklärung Des Unglücks mitzuwirken. Der Polizeipräsident hat im Ein­vernehmen mit Dem Senat beschlossen, diesem Ersuchen zu entsprechen. In Sachverstän- Digen kreisen stößt Die Annahme, Daß es sich um ein Attentat handele, auf Zweifel.

Drei gerettete Schlafwagenschaffner auS Berlin führen das Unglück auf einen Anschlag zurück. Es sollen in 6em nahen Walde abgelvste Eisen- bahnschienenlaschen ausgefunden worden fein.

Der erste polnische Hilfszug traf zwei Stunden nach der Katastrophe ein. Der polnische Cisenbahnminister tft im Flug­zeug nach Stargard geeilt und nimmt an den gerichtlichen Untersuchungen mit einer Crsenbahn- kommission teil, zu der auch Mitglieder Der Danziger Direktion gehören. An der Unfall­stelle suchen Truppen aus Stargard das Gelände ab. Aus der Stadt sind viele Menschen herbei­geströmt und umlagern die einen entsetzlichen Anblick bietende Unfallstelle in weitem Bogen. Auch Photographen und Kinooperateure arbei­ten Dort

Die Mufröumunrisarbtifen

an der Unglücksstelle dauerten die ganze Nacht an. Sie haben allerdings noch keine großen Fortschritte gemacht, zumal die Zahl der bei den Arbeiten Be­schäftigten verhältnis'näßig gering ist. Das Unglück geschah gerade beim Austritt des Zuges aus einem Wald. In diesem Wald hat die Polizei eine Winde gesunden, unb man vermutet, daß der Ver­brecher sie hier versteckt und sie dazu benutzt hat, die Schienen auseinanderzudrücken. In der deut­schen Bevölkerung hört man immer wieder die For­derung, daß die Ursache des- Unglücks einwandfrei aufgedeckl werden müsse, da namentlich die Reise durch den K o rr i d o r eine Angelegenheit ist, die der Kontrolle der deutschen Regierng gewaltsam entzogen wurde.

Die Strecke Dirschau-Stargard ist gesperrt. Der Verkehr wird durch U m I e 11 u ng ausrecht­erhalten.

Die Toten von Preußisch-Stargard werden nach einer amtlichen Meldung des polnischen Landrats von Stargard nach Marien bu r g überführt. 3m Zuge befanden sich Drei Dia­konissinnen. Die. unverletzt geblieben, sofort hilfsbereit anS Wer kgingm, um den Verletzten zu helfen. Auch hat der Woywode von Po­wer eilen den Landräten von Stargard und

bald zu der Einsicht gelangen, daß der Ausstieg Dcuischlands zu festem nationalen Wollen, dessen Symptom die Wahl Hindenburgs ist, ein Glück bedeutet, nicht bloß für Deutschland, sondern auch für Die übrige Kulturwelt.

Eine besondere Rolle in der Stimmungs­mache des Wahllampfes spielte die geflissentlich wiederhvlle Rachricht. daß die schlimmsten Ka­tastrophen für die Wirtschaft zu er­warten seien, tocim bei einem Sieg Hinden­burgs das Ausland feine ablehnende Haltung durch Verweigerung weiterer Kredit- Hilfe bekunden werde. Heute bereits, also we­nige Tage u a ch der endgültigen Entscheidung, kann man mit absoluter Gewißheit feststellen, daß auch in Den führenden Finanzkreisen des AuslanDes die Präsidentschaft Hindenburg ohne Voreingenommenheit au f ge­nommen ist und das Liebergewicht Der ver­nünftigen öffentlichen Meinung vollstänDig auf Seiten derjenigen Gruppen stehen. Die in Ame­rika. in England und Italien in der Wahl Hin­denburgs eine BeruhigungEuropas, eine Sicherung Der inneren Ordnung

Deutschlands erblickeir. Bemerkenswert ist Dabei, daß in allen diesen Ausland-Stimmen kein Wort des Mißtrauens gegenüber Deutschlands Hal­tung in Der Frage seiner finanziellen und wirt­schaftlichen 'Verpflichtungen laut wird. Im all­gemeinen herrscht durchaus die Ansicht vor, d.ck> die vollzogene Reichspräsidentenwahl in lewer Weise die wirtschafllichen Beziehungen Deutsch­lands zu Amerika oder irgendeinem anderen Lande beeinflusse.

Die belebende Wirkung der starken Regie­rung eines Führers, Dem Die Mehrheft unse­rer Ration begeistert zu folgen bereit ist. Dürfte im höchsten Maße alle fchaffenDen Kräfte an- regen und für die Aufgabe, auf gesunder Grund­lage ein neues wirtschaftliches K r ä fte- zentrum zu schäften, ein freudiger Ansporn fein. Wenn das deutsche Volk im Gefühl der erhöhten Eicherheft die alte Arbeitsfreu­digkeit wiedergewinnt, so wird dieser Eno.g auch in seiner rein materiellen Auswirkung zur Steigerung der Wohlfahrt Der Gesamtheit er­heblich beitragen

I - .

Dirschau anbefohlen, allen deutschen Passagieren sofort Hilfe angedeihen zu lassen, bis sie ihre Refte fortsetzen können.

Die Ursache des Unglücks.

Rach neueren Feststellungen ist die Ursache Der Katastrophe noch nicht aufgeklärt. Die Drei aus Berlin stammenden Schlafwagenschaffner, Die unverletzt geblieben sind, führen das Unglück auf einen Anschlag zurück.

Aber auch für die andere Version, daß das Unglück auf Die mangelhafte Unterhal­tung Der Eisenbahnanlagen durch die Polen zurückzuführen ist. werden eine Reihe von 'Tatsachen gemeldet:

Der Schnellzug D-8 MarienburgBerlin hatte 20 Minuten vor Der Katastrophe die Strecke passiert, ohne daß irgendeine Störung ge­meldet wurde. Da Die Strecke Dirschau- Preußisch-Stardard eine starke Steigung aufweist, kann Der Zug mit höchstens 60°Km.-Geschwindig­keit gefahren fein. Dem deutschen Zugführer, Der den Zug in Konih übernehmen sollte, ver­weigerten Die polnischen Beamten jede Aus­kunft. So scheine es kaum möglich und wenig glaubhaft, in d?r kurzen Zeitspanne von 20 Mi­nuten einen Anschlag vorzubereiten.

Vielmehr seien durch den Vorzug die In den morschen öchwetten fitzenden Bolzen bereits ge­lockert und wären dann durch die schwere Maschine des Unglückszuges in der Kurve gänzlich herauSgebrückt worden.

3mBerliner Tageblatt" erklärt ein aus­ländischer Journalist, der sich in dem Unglückszuge befand, daß die Ursachen der Kata­strophe in einem Gle isde fekt zu suchen fein sollen. Aach einer Aeußerung des Lolomotiv- führers soll der Zustand des Gleises an der Unglücksstette schon seit längerer Zeit Jo schlecht gewesen sein, daß die Züge nur in langsamer Fahrt passieren konnten. Trotz wiederholter Mel­dungen des Führerpersonals der Züge war die In^andsehung der schadhaften Stelle noch nicht erfolgt. Schon am Tage vorher hätten sich pol­nische Lokomotivführer geweigert, die Strecke zu befahren. Der Geistesgegenwart deö Lokomotiv­führers und Heizers deS verunglückten Zuges sei es zu danken, daß die Katastrophe nicht noch schrecklicher wurde. M t großer Geistesgegenwart hätten sie die Feuer gelöscht und so eine Keffel- erplosivn verhütet sowie auch die Heizung ab« gestellt.

Beileidskundyebunqen.

Der StellvertreterdesReichspräsi- d e n t c n sandte an den mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Generaldirektors der Deutschen Reichs­bahngesellschaft beauftragten Staatssekretär Stieler folgendes Telegramm: Mit dem Gefühl tiefen Schmerzes erfahre ich, daß in der vergangenen Nacht der Schnellzug KönigsbergBerlin im pol­nischen Korridor bei Stargard entgleiste, und daß zahlreiche Menschenleben diesem beklagenswerten Unfall zum Opfer fielen. Ich bitte Sie, den Ange­hörigen der Opfer und den Verletzten dieses Un­glücks den Ausdruck meines herzlichen Beileids zu übermitteln. gez. Dr. Simons.

Reichskanzler Dr. Luther bat an Den Ge­neraldirektor Der Deutschen Reichsbahn folgendes Telegramm gefanDt:Die Rachricht von Dem entsetzlichen Cisenbahnunfall, Der Den Schnell­zug Eydtkuhnen-Delin betroffen hat, hat mich aufs schmerzlichste bewegt. Ich bitte Sie, Den Angehörigen Der tödlich Derung ückten und Den Verletzten meine aufrichtigste T nlnahme auSzu- sprechen.

Der preußische Ministerpräsident Braun hat an Den Generaldirektor Der Deutschen Reichs­eisen bahngesellschast folgendes Teleg amm ge­richtet:Ties bewegt von der Rachricht über das schwere Unglüd, Das Den Rachtschnell ug Insterburg-Berlin betroffen hat. bitte ich Sie, Den Angehörigen Der Getöteten sowie Den Ver­letzten mein innigstes Beileid zu übermitteln.

Der polnische Eisenbahnminister Tyszka und Außenminister S k r z h n s k i haben Dem deutschen Eisenbahnmimster bzw. Dem Außen­minister KondolenzDepeschen zugefandt.

Die Ruhrkredite.

Reichskanzler Tr. Luther vor dem Nntersuchunstsausschuft.

Berlin. 1. Mai. (Wolff.) Der Reichs­tagsausschuß zur Ünterfudjung Der RuhrkreDfte begann mit Den Vernehmungen zu Der Frage, ob Das Schreiben Des Reichskanzlers Stresemann vom 1. Rovember 1923 gemäß Dem Kabineftsbeschluh vom gleichen Tag?. D. h. unter Zuziehung eines Ausschusses, in Dem Die Reic^kanzlei, Das Wirtschaftsmini- ftcrium und Das Wiederaufbauministerium vertreten waren, abgefaßt wurde. Dies wird von Dem ersten Zeugen MinisterialDirektor Ritter vom Auswärtigen Amt bestätigt, der hinzufügt, daß das damals in Dieser An­gelegenheit federführende Auswärtige Amt an Der Abfassung des Schreibens beteUigt gewesen sei. Später fei Die Federführung^rn das Wieder­aufbauministerium unb das Reichsfinanunir i Ir­rtum übergegangen. Auf eine Frage Des Zen­trum sabgeordnet en Elfer erklärte der Zeuge, daß