Ausgabe 
2.4.1925
 
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stellt, dramatischen Ausdruck, und zwar in einer Form, die chm einen Platz unter den ganz großen Bühnendichtern anweist.

Wenn der Inquisitor am Schlüsse des Gerichts- aktes erfiört:Es ist eine fürchterliche Sache, ein junges und unschuldiges Geschöpf zermalmt zu sehen zwischen den gewaltigen Kräften: Kirche und Gesetz", so hat er damit den Kern der Vorgänge wiedergegcben.

In dem letzten. Bilde, dem sogenanntenEpi­log", der 25 Jahre nach Johannas Verurteilung spielt, setzt sich unser Äutor in ganz eigenartiger Weise mit den Vorgängen auseinander, die zur Re­habilitierung Johannas führten. Stark ist des Au­tors Zweifel, daß die Menschen mit der Zeit ver­nünftiger würden, und er läßt die Trauererscher- nung seiner Johanna das Stück schließen mit dem Ausbruch: ,£) Gott, der du diese wundervolle Erde geschaffen hast, wie lange wird, es dauern, bis sie bereit sein wird, deine Heiligen zu empfangen, wie lange, o Gott, wie lange?"

Wie schon erwähnt, hat Shaw umfangreiche Studien zu seinem Werke gemacht, und da er ver­sucht, fast alles gefundene Material in oft unwich­tigen Details anzubringen, müssen für die Auf- führung wesentliche Striche gemacht werden, was auch für hier geschehen ist. Im übrigen ist die Spielleitung bemüht, die sieben Bilder in rascher Folge in einfachem aber eindrucksvollem Rahmen zu bringen, so daß eine Spielzeit von 3 Stunden nicht überschritten werden dürfte.

Die Heilige Johanna.

Bernard Shaws Vorwort im Pro­gramm der Ausführ ng des Aew Theatre London. Aus dem Englischen übertragen . von Ehrhard Evers.

Zwanzig Minuten dauert auf der Bühne der Besuch Johannas im Schloß zu Daucouleurs und die Gewinnung seines $>'trn durch sie. In Wahrheit macht sie drei Besuche, bevor sie mit ihm ins reine kam. Das große Wunder, das ihn erschütterte, war die Aachricht von der wchlach! von Herrings. Johanna erfuhr sie durch von Mund zu Mund laufende Gerüchte der Land- bevöllerunq und konnte ihm infolgedessen einige Tage früher von den Ereignissen Mitteilung machen, als seine berittenen Kuriere auf dem offiziellen Wege, lind das war ihm das Wun­der. Die Art des Wunders im Stück ist viel einfacher gefaßt, um langweilige und unnötige Erörterungen zu vermeiden.

Ebenso wurde Johannas zweites Erlebnis zusammenget rängt: Ihr D.s ich in Chinon und die Gewinnung des Dauphin. In Wahrheit wurde Johanna erst nach tagelangem Warten empfangen und nach Poitiers gesandt, um von

Mitgliedern des Clerus geprüft zu werden, be­vor sie mit Ersatzkräften nach Orleans gesch'.ctt wurde. Die Wunder mit dem ertrunkenen Gottes­lästerer und der Drehung des Windes an der Loire sind historisch.

Johannas unbefangenes Geständnis der Ketzerei bei dem Verhör, ihr Widerruf, ihr Rückfall und ihre Hinrichtung dauerten meh­rere Tage. Auf der Bühne dauert es 40 Mi­nuten: doch ist Wesentliches nicht entstellt und nichts weggelassen mit Ausnahme der Vertagun­gen und der für den schließlichen Ausgang un­wichtigen Dinge.

Der Epilog ist keineswegs die Wiedergabe eines realistischen Geschehens, auch nicht einmal eines ins Gedächtnis zurückgerufenen Traumes. Richtsdestoweniger ist er historisch. Ohne ihn wäre das Spiel, lediglich eine sensationelle Ge­schichte von einem Madel, das verbrannt wurde, die die Zuschauer erschreckt und an jedem mensch­lichen Gefühl zweif.lnd, sich selbst überläßt. Die wahre Geschichte der Heiligen Johanna ist eine Geschichte mit einem erhabenen Ende und jede Vorstellung, die diese Tatsache nicht deutlich zu machen wüßte, würde sich an ihrem Andenken versündigen.

Aber diese Aufführung soll angenehmer ver­wirren durch ihren Konflikt mit glaubhaft Er­dichtetem über Johanna als durch die Anwen­dung von Vühnengesehen. In jedem guten, all­gemein zugänglichen Buch, z. D. die bekannten von Mark Twain und Andrew Lang steht, daß Johannas Verhör gefälscht, ihre Richter Schur­ken und die ihr vorgelegten Fragen dazu angetan waren, sie in eine Falle zu locken. Don diesen Schandtaten der Kirche und der Inquisition steht nicht ein Buchstabe in den Akten des Verhörs. Johannas Richter waren ebenso ehrlich wie Jo­hanna selbst, und die Gerechtigkeit nahm unge­hindert chren Lauf. Sie wurde wegen Ketzerei verbrannt, well sie von ihrer inneren Erleuch­tung in eine Stellung getrieben war, die 200 Jahre später dieGe'ellschaft der Freunde" ein­nahm, um deretwillen die Frauen auf Betreiben der Kirche mllle.dlos gestäupt wurden, unb die verbrannt worden wären, hätten sie zur Zeit Jo­hannas gelebt. Das ständige Tragen von Män­nerkleidung ist allein schon ein strafwürdiges Der- qehen. Die Ansicht d^ Hofes, daß chre Gesichte Versuchungen des Teufels wären, war durchaus aufrichtig. Wie alle Kriegsgefangenen wurde Jo­hanna von ihren politischen Gegnern vernommen, statt vor einem unparteiischen internationalen Gerichtshof: aber ein mittelalterlicher katholischer Gerichtshof war wüt unparteiischer als ein heusiger nationaler. Wie stark voreingenommen die Engländer gegen sie waren, kann man aus der possenhaften volkstümlichen Darstellung in dem Spiel von Heinrich VI. im 16. Jahrhundert sehen,

das vermutlich von Shakespeare aufgegriffen wurde, ober es war kein englisches Tribunal, das sie exkommunizierte, und sie würde verbrannt worden sein, auch wenn der hundertjährige Krieg in Frankreich ein rein innerer gewesen wäre. Erst als die Kirche üjr Urteil umstieh und ihre Gesichte und inneren Erleuchtungen für himmlisch erklärte, indem sie sie 1924 heilig sprach, wurde das Urteil von 1431 wirklich umgestoßen. Das kann nicht deutlich genug gesagt werden, daß keine Schurken bei Johannas tragischem Tode die Hand tm Spiele hotten. Sie war völlig unschul­dig, ober chre Verbannung aus der Kirche war eine ehrliche Angelegenheit von Treu und Glau­ben, ihre Hinrichtung folgte unvermeidlich.

Alle die Charaktere in dem Stück sind histo­risch in dem Ausmaße, als sie die Romen von Personen tragen, die in Wahrhell zu Johannas Zeit lebten und mit ihr verbunden waren, wie oben angedeutet. Aber die Lieberlieferung, die wir über sie haben, ist verschieden bei so unter­schiedlich bezeugten Schicksalen, wie jenem von Charles Dunois, Warwick und etwa Chaplin de Stogumber, von dem man nur weih, daß et den Kops verloren hat und Cuchon als Verräter wegen der Annahme von Johannas Widerruf be­zeichnete. Sein Devonshirename ist im Interesse der Handlung so entlehnt. Der engllsche Soldat vertritt den Typ einer in Chren gehaltenen Tradition, wenn nicht eine bestehende Tatsache.

Einige Ausdrücke und Ein fälle des Stückes, besonders bei Johanna, sind historisch, einige von ihnen klingen fast wie moderne Scherze, z. D. ihre Anwendung des Wortesgodons" God damns), um die englischen Soldaten zu bezeich­nen. Ein oder zwei Ausdrücke sind zum Bühnen­gebrauch zurechtgestuht, und es ist ongenommen worden, daß der »nilitärische Jargon b.» Dunois auf derselben Grundlage fuht wie der seines Kameraden, des Duc d'Alen^on, der in dem Stück nicht vorkommt.

Dem romantischer eingestellten Zuschauer muß ich verraten, daß Johanna, obwohl sie Zu- und Abneigung einflößte, keine Liebesaffären Halle. Es steht absolut fest, daß ihre völlige Reutralltät auf diesem Gebiete als Zeichen ihrer göttlichen Sendung in den Reihen ihrer Kame­raden im Heere galt.

Es gibt kein Bild von Johanna von einem Augenzeugen: aber ein Kops, der in Orleans von einem Künstler geschaffen wurde, der sie vermutlich sah. ist so außerordentlich, daß er offenbar ein Porträt ist und noch stärker in seiner Eindringlichkeit und der Modellierung der Gesichtszüge, als ein Idealkopf, so daß er nur als der Kopf einer wahrhaft einzigartigen Frau angesprochen werden kann. Unö es gibt keine andere solche Frau als Johanna,

Donnerstag, 2. AM 1925

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

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Aus der Provinz.

Landkreis Gietzen.

* Beuern. 1. April. Wie in den letzten Jahren. |o fand auch in diesen Tagen wieder die Entlassung der aus der Volksschule zu entlas­senden Schüler. 8 Knaben und 9 Mädchen, in einer ö f j e nJ11 dj c n Feier stall. Kinderchöre, Ge­dichte, von Schülern voraetragen, und Ansprache des Lehrers Rau gaben Der Feier eine weihevolle Stimmung, die tiefen Eindruck auf die Zuhörer arsübte. Eine kleine Schülerkapelle, 4 Zupf- und 1 Streichinstrument, trug zur Verschönerung des Abends bei.

f. Allendorf a. d. Lda.. 1. April. Arn Sonntag veranstalteten die erste und britic Klasse unserer Schule einen Elternabend, der ein voller Erfolg war. Die Schüler erfreuten die Eltern und Freunde der Schule durch Dortäge

Stad*1!

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Vernarb Shaws Heilige Johanna", jur Aufführung am Gießener Stadttheater.

Bon Intendant Hermann Steingoetter.

Dernard Shaws .Heilige Johanna" ge­hört ohne Zweifel zu den merkwürdigsten Werken, die auf dramatischem Gebiete in den letzten Jahren erschienen sind. Shaw behandell die Geschichte der Scanne d'Arc, Die uns allen aus Schillersroman­tischer Tragödie" vertraut ist. DerDeutsche wenn er auch dies Werk Schillers nicht für fein stärkstes hält weiß doch die dichterischen Schönheiten zu schätzen, die es zweifellos enthält. Richt so Shaw. In einem Vorwort zurHeiligen Johann a", das von außerordentlichem Studium der Materie zeugt und säst so lang ist wie das Werk selbst, setzt sich Shaw in nicht weniger wie 41 Kapiteln so ziemlich mit All und Jedem auseinander was zur Scanne d'Arc Beziehungen aufweist. In dem Ka­pitel .Johanna in der Literatur" zeigt er deutlich, daß ihm jede Einstellung zum Schillerschen Werke fehlt, denn er sagt:Schillers Johanna hat nicht einen einzigen Berührungspunkt mit der echten Jo­hanna", um die echte Johanna, nicht um eine dich­terische ist es Shaw zu tun und er hat deshalb jein neuestes Werk durchaus zutrefsendeine dra­matische Chronik" genannt. Von diesem Standpunkt aus lehnt Shaw auch die Behandlung ab. die Shakespeare in Heinrich VI. und Voltaire in seiner berüchtigtenPucelle" der Gestalt derJungfrau von Orleans" zuteil werden ließen. Er jagt jelbst von seinem Drama:Der Roman von Johannas Aufstieg, die Tragödie ihrer Hinrichtung und die Komödie der Versuche der Rachwett, diese Hinrich­tung wieder gutzumachen, sind Sache meines Theaterstückes".

Wie der große Irländer sich mit seinem Thema auseinandersetzt, frappiert und fesselt in höchstem Grade. Ihm ist Johanna geradezu die Verkörperung desgesunden Menschenverstandes" und über die Engländer und Franzosen, mit denen seine Hel­din in Berührung und in Konflikt gerät, gießt er unablässig die volle Schale seines Spottes aus. Ge­radezu köstlich ist es, wie der britische Egoismus an den Pranger gestellt wird. Gegenüber irrigen Darstellungen des Prozesses, der zu Johannas^Ler- urteilung zum Feuertode führte, unternimmt Shaw gewissermaßen eine Ehrenrettung des geistlichen Gerichtshofes, indem er u. a. erklärt,daß das Tribunal nicht nur ehrenhaft und gesetzlich, sondern sogar außerordenllich barmherzig war und viel oe- wisienhafter als es sich irgendein englischer Richter jemals träumen lasten würde in einem politischen Falle, der feine Partei- und Klafsenvarurteile be­rührt." Dieser Ansicht gibt er in dem Gerichtsakt, der zweifellos den Höbsvunkt des Stückes dar-

vhne richtige Organisation müßten sich zusammen« tun, um die mittlere Linie zu finden, auf deren Grundlage gegenseitige Zusammenarbeit möglich wäre. Berücksichtigen wir einmal furz die poli­tischen Gegensätze und Interessen, die Ungarn von Oesterreich, beide von der Tschechoslowakei, diese von Rumänien ufw. trennen. Schon inner­halb der Kleinen Entente waren die Interessen­gegensätze derart scharf ausgeprägt, daß von ge­planten gemeinsamen Schritten Abstand genom­men werden mußte. Hebet verschiedene Fragen, wie z. B. über die Anerkennung Sowjet- ruhlands, hat man sich bis zum heutiger» Tage nicht einigen können. Ist Dr. Benesch wirklich der Ansicht, daß es möglich und durch­führbar wäre, mit einemmal alle jene Staaten unter einen Hut zu bringen, die sich bisher zum Tell bis aufs Mesier bekämpft haben und gerade wirtschaftlich die längste Zeit nur das eine Ziel im Auge hatten, wie sie sich gegenseitig am meisten schaden könnten? Was soll mit bem Heer von Zottwächtern und Organen geschehen, die die Grenzen jener Staaten bisher ängstlich abgesperrl hielten, die nun mit einem Male ge­öffnet werden sollen?

Es ist ein merkwürdiger Plan, den Di Benesch ersonnen hat, um den gewünschte» Er­satz für das erledigte Genfer Protokoll zu finden. Roch ein zweites aber ist es, was durch die Der- wirklichung des Bundes der Rachfolgestaaten er­reicht werden soll. Was Dr. Benesch allen ver­spricht, das ist die ermöglichte Herabsetzung der Effektivbestände der mitteleuro­päischen Armeen, die nach Dr. Benesch automatisch eine bOprozentige "Verminderung der Staatsausgaben der betreffenden S aalen im Ge­folge hätte. Also eine überaus verlockende Aus­sicht auch auf diesem Gebiete. Wäre der Plan nicht so bitterernst, man wäre versucht, an eine Utopie zu glauben! Heute noch eine Reihe von waffenstarrenden Staaten im Herzen Europas, morgen ein abgerüsteter, freundlich nach allen Seiten winkender Staatenbund, in dem man, ohne Dutzende von Sichtvermerken einzuholen, von Bregenz nach Galatz und von Danzig bis Cirk- venitza gelangen könnte. Hätte Deutschland fein anderes Verdienst als das, durch sein bloßes Angebot zum Bürgschaftsvertrag die Anregung zum politischen und wirtschaft­lichen Einverständnis und Zusammenschluß der kleinen Staaten Mittel- und Osteuropas gegeben zu haben, so hätte es bamit schon eine Kulturtat erster Ordnung vollbracht.

Jur Frage der Ablösung öffentlicher Anleihen.

Von Finanzrat Wilhelm Lorenz. Finänz- amtsvorsteher i. R.

Die in dem Entwurf des Gesetzes über die Mlösung öffentlicher Anleihen Mitgenommene Tlnterscheidung zwischen All- uitb Reubesitzern halte ich ganz abgesehen von dem ilmffanbe, daß die Anleihestücke Inhaberpapiere sind, die Rechte aus dem Papiere dem Rechte a n dem Papiere also zu folgen haben für unglück­lich, weil ein einwandfreier Rachweis des Alt- besitzes in sehr vielen Fallen ganz unmöglich ist.

Von dem, der feine Efsickten länger als fünf Jahre hat, tonn nicht verlangt Werden, daß er etwa durch Vorlage von Erwerbs urkunden (Schlußnoten. Bansierrechnungen und bergt.) den Zeitpunkt des Erwerbs nachweist, da er nicht verpflichtet ist. fragliche Urkunden so lange auf­zubewahren.

Auch der feiner Zeit eingeführte sogenannte Depotzwang bietet keinerlei Gewähr für eine er­schöpfende Erfassung des Altbesihes. Wer sich dem 'Depotzwang nicht fügte wer seine in­ländischen Wertpapiere mcht bei einer Dank

lentc, die sich für seine hochfliegenden Pläne längst nicht mehr tragfähig genug erwiesen hat, eineneueStaatenverbindungzu setzen, hie da- ehemals stark befehdete Ungarn in gleicher Weise wie auch Oesterreich mit ein- lchließen sott. Also sämtliche Nachfolgestaaten, wozu noch der eine oder andere Balkanstaat fönte, die mcht nur durch ein mehr oder weniger loses politisches Band verknüpft welchen sollen, sondern durch eine wirtschaftliche An­näherung, die nach dem., was bisher darüber verlautbart wurde, viel weller gehen würde, als die seinerzeit geplante Donaukonföderation. Denn Dr. Benesch plant nichts anderes, als aus diesen Staaten einen gemeinsamen einheit­lichen Wirtschaftskörper zu machen, durch völlige Aufhebung der Zollschranken, Ver­einheitlichung des gesamten Verkehrswesens und eine Reihe anderer Maßnahmen, die, wenn sie auch mir teilweise zur Durchführung gelangen, nichts anderes bebeuien. als die Aufgabe der eigenen selbständigen unb selbstherrlichen Staat­lichkeit

Sehen wir zunächst davon ab. daß ein der- artiger Plan auf den schärfsten Widerstand I t a kienS stoßen müßte, dem zwar der Eintritt in den zu gründenden Bund freigehalten werden soll, das aber als Großmacht schon aus Prestige­rücksichten gezwungen ist, sich dem Bunde der übrigen Großmächte aryuschließen und daher in der neuen ötaatenberemigung, gerade wett sie ihr Hauptgewicht auf die wirtschaftliche Einheit »erlegen will, den gefährlichsten Kon­kurrenten sehen muß. Denken wir nur daran, wie schwer sich ein Zusammenschluß so verschieden gearteter (Elemente, wie sie die Rachfolgestaaten barftelfen, überhaupt verwirklichen läßt, selbst wenn was doch keineswegs erwiesen ist auf allen Seiten der gute Wille vorhanden wäre. Industriestaaten uitb Agrarstaaten, Länder mit einer geordneten Finanzwirtschaft und solche

hinterleche oder sie durch in doppelter Ausferti­gung bei dem zuständigen Finanzamt cingereich­ten Verzeichnissen anmeldere mußte lediglich auf den rechtzeitigen Zinsen bezug verzichten, aber sonst erwuchsen ihm fexneric» Rachteile, und jedenfalls verging er sich auch durch die Unter- lassunH nicht gegen eine gesetzliche Bestimmung.

Vielfach werden es gerade Besitzer von nur ganz kleinen Kapitalvermögen gewesen sein, die sich wegen des geringen Zinsenbezugs nicht auch noch Depotkosten und Kapitaleriragssteuer auf­lasten wollten oder die den so ganz unbeliebten Der lehr mit dem Finanzamt scheuten. Dafür, daß diese Kleinbesitzer auf beit Zins bezug oder den rechtzeitigen ZinLbezug verzichteten, sotten sie nun auch noch durch niedrigere Aufwertung be­straft werden?

Einem oeamögenben Altbesitzer, der nicht mehr im Besitz von Erwerbsurttinden ist und ebenfalls dem Depotzwang auswich, kamt viel­leicht. wenn er tn seiner Steuererklärung für die Veranlagung zur Kriegsabgabe vom Ver- mögenszuwachse, die zu Beginn des Jahres 1920 abzugeben war, die offentlid>cn Anleihen dekla­rierte, der einwandfreie Rachweis bcS Allbesitz cS geschenkt werden. Wie soll aber bei dem kleinen Mann verfahren werden, der keine Dernrögcns- zuwachssteuererklärung tm Jahre 1920 einreichte und der auch zur Abgabe einer solchen Erllärung gar nicht verpflichtet toar?

Don eidesstattlichen Versicherungen halte ich nicht viel. In dieser Beziehung habe ich in meiner langjährigen Tätigkeit im Finanzamts­dienste recht üble Erfahrungen gemacht. Wird auf das Hilfsmittel der eidesstattlichen Erklärung zurückgegriffen, dann wird wieder dem Gewissen­losen der Weizen blühen zum Rachteile des Redlichen und der Gesamtheit des Volkes.

Ich halte die Aufnahme einer allgemeinen, niedrigen Verzinsung der Anleihen für die ein­fachste, billigste und gerechteste Lösung der vor­liegenden so überaus schwierigen Frage. Wenn die Verzinsung niedrig gehalten wird, so ist auch diese Last für Reich, Länder und Städte erträg­lich. Eine ganz gleiche Behandlung der Kriegs­anleihen und Vorkriegsanleihen Halle ich nicht für richtig. Wer Kriegsanleihen zeichnete, mußte sich sagen, daß bei der höheren Verzinsung dieses Papieres auch ein größeres Risiko bei derartigen Velniögensanlage vorhanden ist als bei sonstigen Reichs-, Lände».- und Gemeindeanleihen. Bei der jetzt vorzunehmenden Regelung der Angelegen­heit muß sich der Kriegsanleihebesiher daher auch mit einer geringeren Entschädigung zufrieden geben.

Einigermaßen gerecht und tragbar wäre meiner Ansicht nach eine Verzinsung der Kriegs­

nischen ober serbischen Kollegen über die Gabe verfügt, bei jedem Anlaß einen Plan fix und fertig in bet Tasche zu haben. Dr. Beneschs von ber Prager Presse zweimal abgeleugneter.

Beneschs Plan.

lVAll unterem Prager Mitarbeiter.)

Prag, 30. März.

Die flcinen Staaten Mittel- und Osteuropas fühlen sich in ihrem Dasein unaufhörltch bedroht. Diese Behauptung gttt in erhöhtem Maße für Polen und die Staaten der Kleinen Entente. War es in den erste»: Jahren nach dem Weltkriege Ungarn, das ununterbrochen zu neuen Be- türchtungen, Maßnahmen, diplomattschen Schrit­ten Anstoß gab. so ist es heute zur Abwechslung einmal Deutschland, und zwar, was jeden Wunder nehmen muß, nicht pielleicht deshalb, todl es mit einem Wort oder mit einer Geste die Oberhoheit dieser Staaten angetastet hat, son­dern wett es sich bereit erklärt hat, mit den Großmächten und mit Belgien einen rg - fchaftsvertrag abzuschliehen. der nicht gleich sämtliche übrigen Klein- und Mittelstaaten mit einschließt. Allo wett Deutschland sich mit den Großmächten verständigen will und die Teil­nahme der kleinen Staaten weder m London, noch in Rom ober Brüssel erwünscht ist, sind die kleinen Staaten verschnupft und wollen sich auf eigene Faust selbständig machen.

Die Führung in dieser Bewegung, die darauf hinausläuft, eine neue ©taatenorganifation zu schaffen, die derjenigen des tm Werden be­griffenen neuen Verbände- der vier Großmächte und Belgiens ebenbürtig wäre, hat vorderhand die Tschechoslowakei inne, bereu Auhen-

und Lieder Dann spielten sie noch das Märchen ,Schneewittchen und die sieben Zwerde". Das Stück war sehr gut eingeübt, und «s ist ganz erstaunlich, in welchem Maße die Schulender chren Rotten gerecht mürben. DaS Märchen sand solchen 'Beifall, daß es auf den Wunsch vieler heute abend »roch einmal wiederholt wird.

ri. Lich, 1. April. Die stärkste und umfaf« endste Jugendorganisation unserer otabt, der evangelisch eMädchenkranz, hielt gestern abend im Gemeindcsaal seine Jahresfeier, die zugleich als Frühsingsfeier gestaltet war. In eierlichcr Weife wurde zu Beginn 9 neuen Mädchen das grüne Kreuz, das Abzeichen des großen Ver­bandes der cp. weiblichen Jugend Deutschlands, überreicht. Der Jahresbericht stellle fest, daß im oer- gangencn Jahre die Arbett in der Vereinigung in )en gewohnten, bewährten Bahnen wetterging. Die Mitgliederzahl ist sich gleich geblieben. Im Früh­jahr fand eineFreizeit" des hessischen Verbandes statt, an der 25 Mädchen aus allen Gegenden Heft |ens teilnahmen, die großen Segen mit sich brachte, berauch heute noch zu spüren ist. Eine stattliche Zahl unserer Licher Mädchen besuchte im Herbst das Verbandsfest in Darmstadt, das eine gewaltige Kundgebung der weiblichen Jugend Hesiens war. DerMädchenkranz nahm im vergangenen Jahre an verschiedenen Festen und Veranstaltungen der Ge­meinde teil »md trat auch einmal mit einem wohl- gelungenen Familienabend vor eine weitere Oes- sentlichkeit. Bei Kaffee und Kuchen, Gesang »md Vorträgen, Scherz »md Emst blieb die fröhliche Mädchenschar bis 11 Uhr beisammen.

ri. Niedcrbessingen, 1. April. Die neu angeschafste große Glocke ist angekommen und in unserem altehrwürdigen Kirchturm aufgehängt wor­den. Am ersten Ostertag soll die feierliche Glocken- iveihe stattfinden.

Mrcie Büdingen.

!! Tübingen. 1. April. Rachdem erst vor kurzer Zeit ein außergewöhnlich starkes Wildschwein in der Rahe Büdingens erlegt toor* den war, wurde gestern erneut das Auftre ton mehrerer Wildschweine gemeldet, die schon größeren Schaden angerichtet haben. Ma»» nimmt an. daß die Tiere sich aus dem Spessart Heraufziehen. Hm den in Hirzen­hain beschäftigten Arbeitern von Bleichenbach Büchel. Düdelsheim und Büdingen am Sams­tag die Heimfahrrt von Stockheim zu ermöglichen, hat sich die Dahnverwaltung ent­schlossen. Samstag von Stockheim aus einen Anschluhzug nach Büdingen gehen zu lassen. Die Vorarbeiten für die vom Ge­meinderat beschissene Ausführung der noch nicht L a n a l i 1 i e r t e n Straßen werden zur Zeit in Angriff genommen. Man beabsich­tigt zuerst die Kanallsierung der Düdelsheirner Straße Ebenso dürfte mit dem Ausbau der projektierten Straßen i»T Bälde be­gonnen werden Die Erbauung ber. Einfami­lienhäuser ist vom Gemeinderat sicher gestellt! so wird wenigstens bic größte Wohnungsnot ge* lindert werden

)( Ortenberg, 1. April. Gestern nachmittag hiesien die Vertreter verschiedener Kirchcngcsa.igvcr eine der hiesigen Gegend in Stockheim eine Sitzung ab. Die Vereine schlossen sich zu dem ,.Bezirks­verband der evangelischen Kirchengc< fattgucrcinc im südöstlichen D b c r b e f s e n" zusammen. DemDerband werden voraussichtlich die Kirchengesangoereine in folgenden Gemeinden Der Frühling erzeugt Sommerfprofien!

Diese Tatsache ist vielen, die Reigung zu Sommer- sprosfenbttdung besitzen, unbekannt. Wir raten Ihnen, in der Apotheke weißes Eitalbol-Wachs, 50 oder 25 Gramm, zu kaufen und jetzt schon mit der Behandlung der befallenen Stellen zu beginnen. Sichererhält.: ^Iniv.-Apoth.Zum goldenen Engel".

SamSta«, 4. IV. 8 llbr abtnW, i» Attcm-lokal: Faulstich mit Damit. '*1'

50 et 1862-1912 »w taetel im Aouario«.

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