Montag, 2. Februar 1925
1Z5. Jahrgang
Blatt
Jugend und Staat
Reichsminister Dr. Stresemann an die deutsche
IwneNec lijtltei für die Tagesnummer ou zum Nachmittag vorhei ohnejedeDerbmdlichdeit.
Preis für 1 mm höbe für Anzeigen von 27 mm Breite örtltd)8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re» ttlame-Anzeigen o 70mm Breite 35 Goldpsennig. Playvorschrist 20* Aus« schlag. - ‘Derantwortlich für Politik u. gsulOeton; Or. Friedr.Wilh Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: Hans Deck, sämtlich in Dietzen.
akademische Jugend.
in der akademischen Jugend wieder geltend macht. Möge nie der Fachmann völlig siegen übet den Menschen, der nach allgemeiner TU* düng strebt.
Möge man bei dem Rätselraten über den gewaltigen Einfluß jüdischer Kreise auf die Gest all ung deS geistigen Denkens unsere- Volke- sich auch klar baraber sein, dah dieser ßinfluh sich vielfach ergibt aus der Ueberlegenheit. die da- Verbundensein jüdischer Kreise mit den geistigen Strömen der Gegenwart ihnen vor denjenigen gibt, für die daS Leben mit dem Fachwissen und der Erfüllung der Berufspflicht ab- gefchlcssen ist Die Zusammenfassung studentischer Kreise der Deutschen Volkspartei soll nicht bedeuten ein Cinzwängen in politische Doamcn. Das würde dem -Begriff einer liberalen Partei an sich widersprecheir. DaS Leden «st Entwicklung. auch daS Leden der Parteien, die man oft opportunistisch schilt, wenn sie nicht auf demselben Standpunkt verharren, unbeschadet barunt. dah die politische Entwicklung sie andere Bohnen weist Seien Sie Träger der Entwicklung cud) innerhalb der Partei, die keine Zukunft^ bercchtigung Halle, wenn sie Angst belaste vor ker Jugend und ihreck Idealen. Dte Zukunft des deutschen Volkes liegt dunkel vor uns. Sie wird entscheidend bestimmt sein durch zuverlässige Einstellung derjenigen Kreise zum Staats unt zur Politik, die dazu berufen find, Träge« dieser Zukunft zu Werdern
London. 2. Febr. (TU.) Samstagcchend hielt der englische Austenminister Austen Chamberlain auf einem Bankett der Vereinigung der Juweliere und Goldarbeiter eine außenpolitische Rede. Gr sprach über die Frage des europäischen Friedens, über den Völkerbund und die ägyptische Frage. Das alte Europa wäre in dem Feuer des großen Krieges zerstört worden. Ein neues, auf der Grundlage des Frieden- und der Sicherheit auf- gebautes Europa habe man leider noch nicht schaffen tonnen. In gewissen Phasen unserer Entwicklung von der alten zur neuen Ordnung der Dinge habe Amerika eine bedeutsame und entscheidende Rolle gespielt. Aber Europa muffe seine Rettung selbst vollbringe,« und es werde dabei vom Ausland unterstützt werden, sobald es seine eigenen Kräfte gebrauche und Selbstsicherheit zeige. Der Völkerbund stehe noch in den ersten Anfängen feiner Entwicklung. Man dürfe nicht zu viel von ihm verlangen.
Frankreich brauche eine Bürgschaft gegen die Wiederholung des Unrechts, das es in den letzten Jahren erfahren habe, und bevor Frankreich nicht eine solche Sicherheit erhalten habe, wurde Eng* land- nicht zu seinem Gelbe kommen.
Zum Rotcnwechsel mit Deutschland wegen der Besetzung der Kölner Zone sagte Chamberlain. daß er den Ton und den Geist der deutschen Antwort und die Rede des Reichskanzlers am Freitag bebaute. Er sei aber nicht gewillt, sich an einer Diskussion, die in dieser Weise geführt wird, zu beteiligen. Et begnüge sich damit, von einem Satze in der Rede des deutschen Kanzlers Rotiz zu nehmen, nämlich dah die Reichsregierung entschlossen sei, Verfehlungen gegen die Entwaffnung, die von den Alliierten bewiesen werden oder auf anderm Wege zur Kenntnis der deutschen Regierung a -langen, wieder gut zu machen. Et weife bei dieser Gelegenheit nochmals auf den letzten Satz der alliierten Rote hin, der scheinbar der Aufmerksamkeit der deutschen Regierung entgangen fei, der betagt, dah die Alliierten ihrerseits entschlossen seien, ihre vertraglichen Verpflichtungen genau zu erfüllen. Der Rest der Rede wat einer längeren Auseinandersetzung über den Standpunkt der englischen Regierung in der ägyptischen Frage gewidmet. Chamberlain betonte, dah nach den sehlnelchlagenen Friedensbemühungen und in Anbetracht der ägyptischen Ovvofi ion auch gegen die Versöhnungspolitik Macdonalds Aegypten eine Lektion hätte zuteil werden müssen. Aber die englische Regierung wäre ihrerseits bereit, alles, was in ihren Kräften stehe, zur Besserung der Lage in Aegypten zu tun.
Doumergue zur Sicherheitsfrage.
Paris. 2. Febr. (T. U.) Der Präsident der Republik hat gestern auf einem Bankett der republikanischen Journalisten eine politische Rede gehalten, in der er unter ausdrücklicher Betonung der Sicherheitsfrage die Rotwendigkeit der Aufrechterhaltung des guten Einvernehmens zwischen Frankreich und England hervorhob. Solange die Sicherheit Frankreichs nicht vollständig geschützt ist und die furchtbare Bedrohung eines unerwarteten Ueberfafld uns belauert, ist Frankreich in feiner fegensreichen Tätigkeit gelähmt. Frankreich kann daher dicker Sicherheit nicht entraten. Es würde den Gipfel der Ungerechtigkeit bedeuten, wollte man Mastnahmen auslegen die sich für Frankreich daraus ergeben, dast ienkü« !<>*"»*■ östlichen Greru- ein 211
Auch die Frage einer Wei t k o n ve n tion kür die Sicherung des Friedens hat vr. Luther in sehr entgegenkommendem Sinne beantwortet. aNerdings dabei betont, dah nach deutscher Auffassung eine Verständigung und Der- Iß&nung nicht möglich ist, solange ein einzelne« Land zum Verbrecher an der Menschheit gestempelt wird. Den Kapitalvortvurf Her- !-iotS, dast von der neuen deutschen Regierung Zne reaktionäre Politik zu erwarten sei, tonnte der Reichskanzler leicht durch den Hinweis auf die Regierungserklärung zurückweisen. in der auSdrücvich hervorgehoben wird, dah die Außenpolitik der neuen Reichsregierung in erster Linie durch daS Londoner Abkommen bestimmt wird. Da zum Schluh Dr. Luther hervorhob. dah Deutschland durchaus bereit ist. an den Fragen der Sicherheit, des Schiedsgerichts und der Abrüstung mit- | zuarbeiten, weil auch diese Fragen für Deutsch- ; lond von grohern Interesse sind, konnte er mit um so groherem Rechte die Hoffnung aussprechen, 1 dah auf die vollkommen durchgeführte deutsche Abrüstung bald die allgemeine Abrüstung folgen wird.
Es ist nun auherordentlich interessant zu beobachten, wie die Pariser Presse auf des Reichskanzlers Aus übrungen reagiert, vor allem jene Blätter, die dem französischen Minister- hräsidenten nahestehen. So die .Stc Rou - teile", die von Herriot in letzter Zeit mehrfach in wichtigen auhenpolitischen Fragen als Sprachrohr benutzt wurde. Rasche Antwort »erlangt daS genannte Blatt auf die Darlegun- jen Luthers und den Mut. zwischen Paris und Berlin die grobe Debatte zu eröffnen, die Klarheit darüber schaffen soll, ob es beiden Ländern möglich sei. eine harmonische Kontinen- talpvlitik zu treiben. Ob in diesen Zeilen iie Anschauungen Herriots niebergel'gt sind ec- > ’ä;eint nach feiner letzten Kammerrcde. auch nach ! fern unmittelbar hinterher erfolgten Abfchwä- yung-versuch, doch mehr als zweifelhaft. Hs handelt sich wohl hier mehr um redaktionelle Aeusterungen. waS aber doch recht bezeichnend ist. da nach den letzten Rachrichten das Links- lartcll nicht mehr ganz fest auf seinen Fützcm lebt, weil die Sozialisten die Außenpolitik Her- riotS. die sich Deutschland gegenüber kaum mehr von der Poincares unterscheidet. nicht mehr mit- vtachen wollen. Dah die Blätter der Rechten Luthers Rede benutzen, um das alte Lied der deutschen Verfehlungen und der Sicherung Frankreichs von neuem anzustimmen. entspricht ganz der bisher von ihnen vertretenen Politik. Da auch Herriot die Forderungen der Rechts- I Parteien voll und ganz akzeptiert hat. die darauf hinauslaufen. Deutschland aufs neue zu demütigen, wird man wohl gut tun, keine voreiligen Hoffnungen an die Wünsche verschiedener pariser Linksblätter zu knüvfen. da bei der Bn- kbaltung deS fränkischen Kurses eine Verkündigung zwischen den beiden Nachbarstaaten niemals eintteten wird.
und sich darüber nicht klar ist. dah die Zurück- stostung vieler Volkskräfte, die in der Lage gewesen wären, in mancher Beziehung ein erstarrtes Beamtentum mit neuen Anregungen zu erfüllen, einer der Hauptfehler des alten Systems war. Man träumt von der Macht, wo Realität unsere Machtlosigkeit zeigt. Man vergibt. dast die ideelle Kraft der Ration, der edelste Ersatz der materiellen Macht, nur lebendig wirken kann, wenn im gegebenen Augenblick die Herstellung der Volkseinheit zu ermöglichen ist.
Man tritt an die Begriffe der Parteien: stark vom Standpunkt der- Dogmen heran und sieht nicht, dah eine Scheidung der Anschauungen längst nicht mehr bei den Grenon der Parteien liegt, sondern dah in ihnen allen ein Ringen um neue Staatsanschauungen vor sich geht. Verkennen wir nicht, dah wir noch vollkommen im revolutionären Zeitalter leben und dah der Kampf um die Reugestaltung sozialen Denkens, der wirtschaftlichen Begriffe und des gesellschaftlichen Aufbaues nicht ausgekarnpft ist. In der Massenpsychose unserer Zeit tritt die Führung des geistigen Deutschland ebenfotoemg klar hervor wie die Führung der akademischen Jugend selbst innerhalb der Tendenzen, die die Jugend bewegen.
Man hat manchmal auch die Empfindung, al« wenn nach dem Ausbrausen der ersten RochkriegS- fahre ein gewisses Gefühl der Eaturiertheit sich
Halle a. d. S, 1-Febr. (WB.) Heute, am zweiten Tage der akademischen Tagung der Deutschen Volkspartei. sprach Auhenminister Dr. Stresemann über die Frage akademischer Politik und führte dazu folgendes aus: Akademiker und Politik ist ein niemals ausgeschöpftes Thema, zu dem die neue Generation erneut Stellung nehmen muh. Wie sich die akademische Jugend zur Politik stellt, ist gewih zunächst ihre eigene Angelegenheit, aber in ihren Folgerungen in eminentem Sinne eine Angelegenheit des Staates. Wir wurden durch den Weltkrieg in Zustände hineingeworfen, in denen alles flüssig und unsicher geworden ist. Hineingestellt in dieses typische Zeitalter der Unsicherheit, in dieses Jahrhundert des Druckes und des Kampfes in jeder Form und der äußeren und inneren Ruhelosigkeit, hat unsere Jugend Aufgaben zugewiesen erhalten, wie kaum in einem revolutionären Zeitalter. Die Jugend der Zeit nach der Reichsgründung verfügte über feste Schemata: mochte sie ihre Heldenverehrung in Bismarck, Moltke oder Roon, mochte sie sie in Marx, ßafallc ober Engels sehen, sie hatte das ruhige Gleichgewicht der Seele, das von keiner Vorahnung künftiger Stürme berührt wurde. Sie war reich an organisatorischer Kraft, aber arm an wahrhaft groben Problemen.
Wie ein Menetekel mutet ed an, dast diejenige geistige Gentry, die über Deutschland verfügte und die ihm unzweifelhaft das beste Staatsbürgertum stellte, die sich aber im wesentlichen von der Politik fevnhielt, durch bat Zusammenbruch nach bem Weltkriege so unbarmherzig nicht nur aus jeder Führerstellung herausgeworfen wurde, sondern
bis zur Proletarisierung untersank.
Unter ganz anderen Bedingungen tritt heute die akademische Jugend in das Leben. Unter
wahrhaften Imperialismus und kriegerischer Revanche vorherrscht,dessen beunruhigenden Charakter die letzten Ereignisse deutlich zutage treten liehen. Dieser Geisteszustand hat glücklicherweise unfern Freunden die Augen geöffnet. Sie sind klarer sehend geworden, und unsere Befürchtungen erscheinen ihnen nicht mehr als unbegründet. Sie begreifen unser gebieterische« Bedürfnis nach Sicherheit und fehen offenkundig ein, dah die sofortige Befriedigrmg dieses Bedürfnisse« allem in der Welt ein Vertrauen erweckt, ohne das sie ihr vollständiges Gleichgewicht nicht zurückfinden kann. Wir hoffen daher, dah das Problem der Sicherheit Frankreichs, das un« so sehr quält, und uns die ganze Zeit so schwer bedrückt, eine baldige und wahrhaft wirksame Lösung finden wirb.
Die französische Detternwirl schäft im Rheinland.
Berlin. 1. Febr. (TU.) In der Kammer sprach der Deputierte Uhri über die Verwaltung der Rheinlandkommission und de« Saargebiets. Es werde im Rheinland ein zahlreiches und kostspieliges Personal gehalten, das nach der Organisation des Dawesplanes zum guten Teil von Frankreich bezahlt werden muh. Wozu braucht der Oberkommillar für sein persönliches Bureau 125 Automobile? Ein junger Mensch von 25 Jahren, der ein Mitarbeiter deS 5y?rrn Ti- raril ist. bezieht ein Gehalt oon 40 000 Franken jährlich, mehr als ein Divisionsgeneral. Verschiedene Aemter seien doppelt besetzt mit Bcamten in Koblenz und mit Beamten für denselben Dienst m Mainz. Warum? Weil zwei Vorgesetzte zufriedengestellt werden sollen. Es ist zu bedauern, dast bet der separatistischen Bewegung der Oberkommissar Frankreichs sich fta^ kompromittiert hat.
Royalistische Unruhen in Frankreich.
Paris. 2. Febr (TU.) Dis Royalisten haben gestern in verschiedenen Teilen Frankreichs Kundgebungen veranstaltet. In Lille sprach der bekannte Royalistenführer Daudet. Die Sozialisten und Kommunisten veranstalteten Gegenkundgebungen. Es kam zu einem Handgemenge Der kommunistische Abgeordnete Daillant-Couarier wurde verhaftet. In Bordeaux haben die Royalisten versucht, den radikal-sozialistischen Kongreh zu sprengen. Bei den schweren Zusammenstößen wurde eine Anzahl Personen verwundet. Mehrere Royalisten wurden in Haft genommen.
fiabtnettsberd)Iu6 zu den deutsch-französischen Handels vertraysverhandlunyen.
Berlin, 31. Ian. (T. U.) Ja der heutigen Sitzung de« Aeichskabinells erstattete Staatssekretär Trendelenburg Bericht über den Stand der deutsch-französischen Handelsvertrags- Verhandlungen. Es wurde beschlossen, die Verhandlungen mit dem Ziel fortzusehen, bet der definitiven Regelung des deutschen Export- interesses de facto die Meistbegünstigung zu erreichen.
Die italienische Heeresvorlagt ab elebnt.
Rom. L Febr. (X1L) Der ZentrolauSschuß des Senats hat die Heeresvorlage des Kriegs- mmisters di G i o r a i o obaelehn» Die Dorlag»
Luther an Herriot.
Dah auch von Regierungsseite rasch auf die unglaubliche Hetzrede Herriots geantwortet Jrix» war ein Akt der Selbstachtung Zwar halte die deutsche Presse aller Parteirlchtungen . erfreulicher Einmütigkeit gegen die Phrasen- r-iche und skrupellose Hetze b<4 französischen Ministerpräsidenten sehr energisch Stellung ge- r.omrnen, aber eine Kanzlerrede fmbet doch in 'er Welt immer iwch eine gröbere Refonnanz, Ddl sie dte einmütige Auffassung und den Tat- Villen der Regierung zum Ausdruck -ringt. SS ist nut zu bedauern, dah der Kanzler nicht vor dem Forum deS Reichstages sprechen «OTTtte der erst in der kommenden Woche wieder Zusammentritt, sondern sich auf den immerhin Leinen Kreis bet ausländischen Preffevertreter beschränken muhte.
Die Rede Luther« unterscheidet sich wohl- tuenb von dem Geschwätz und der Hetze Herriot«.
ruhiger sachlicher Art, die man ja an dem Reichskanzler aus seiner bisherigen Tätigkeit tn ta Regierung schon schätzen lernte, weist er alle Anwürfe und Verdächtigungen Herriots »urück und betont, dah die Schuld daran, dah
Konllikt über die Räumungsfrage eine derart emste Form annehmen konnte, ganz allein bei den Alliierten liegt, die das Der- »ähren einer vertrauensvollen AuS- Ip rache, da« in London einen sichtbaren ®r- tilg zeitigte, jetzt toicbcr verlassen haben. Mit Recht konnte er auch auf die volllomnien -unwürdige Art Hinweisen, die sich darin offenbart, dab Die Alliierten ständig die schwersten Rorwürfe in der Entwaffnungssrage gegen Deutschland erheben und sogar ein neues Sanktionssystem daraus aufbauen, ohne btt Reichsregierung Gelegenheit zu geben, sachlich tu diesen Vorwürfen Stellung zu nehmen oder Iie gar abzu stell en. Den guten Willen dazu bat die ReichSregierung bisher immer bekundet und auch der Reichskanzler Hal die Gelegenheit vahrgenommen, zu betonen, dah die Regierung bereit ist. da, wv wirklich Derstöhe vorliegen, Iie zu beseitigen.
Allerdings muh dann auch gefordert werden, bah Herriot seine Absichten in der Ra u- mung« frag e bestimmt feftfletegt und bteRäumung nicht einfach auf un beft immte Zett vertagt. Die ganje Welt wird anerkennen müllen, dah die deutsche Regierung ein hohes Mah von Entgegenkommen zeigt, wenn sie sich 'elbtt zu einem Kompromih in der Räu- mmg-srage bereit erflärt, obwohl das Recht, sie Räumung zu fordern, doch auf ihrer Seite
England und die Räumung
Eine Rede Chamberlains.
schwerster Rot und Selbstverleugnung ist ihr dos Studium allein möglich. Don ihrer Stellung zum öffentlichen Leben hängt unendlich viel für unsere Zukunftsentwicklung ab. Das Ethos der neu sich aufbauenden akademischen Schichten darf un« nicht verloren gehen, wenn wir überhaupt zu gesunden Verhältnissen kommen sollen. Anders aber als früher muh diese Jugend dabei den öffentlichen Dingen gegenüb er- ftefjen. Im Wirbel der Entwicklung hat man das Dolk und die Masse selbst zu entscheidenden Faktoren für die Willensbildung in der Politik gemacht. Das gilt aber nur theoretisch.
Die Führerpersönlichkeit formt den Willen der Masse, und daraus erwächst gerade denen, die die Möglichkeit haben, geistig führend zu sein, die Pflicht zur ^Betätigung im politischen Leben. Der Redner auf der Kanzel, die Richter und Rechtsberater des Dolkes. die Lehrer und Erzieher und der Mann der Technik stehen an der Stelle, an der eine weitestgehende Beeinflussung möglich ist. Weshalb blieb der Sozialismus mit feinen gewaltigen Hilfskräften nur verhältnismäßig kurze Zeit an der Führung des neuen Deutschland? Weshalb in ihm die innere geistige Krise? Weil es ihm nicht gelungen ist, mit seinen Ideen in die akademische Jugend hineinzukommen, und weil damit die Bewegung erstarrte und sich nur auf bestimmte soziale Schichten erstreckte. Das in einer Zeit, in der unzweifelhaft die akademische Welt sich mit Inbrunst in die Politik gestürzt hätte und für neue Ideen durchaus empfänglich toar. Die Betätigung im politischen Denken, die nicht gleichbedeutend zu sein braucht mit parteipolitischer Derbissenheit. ist im deutschen Studententurn gewih vorhanden, aber ein Blick auf die gegenwärtigen politischen Strömungen der Studentenschaft läßt sehr bezweifeln, ob diese Betätigung in die Tiefe geht. Die deutsche Studentenschaft rühmt sich, ein Hort nationalen Denkens zu sein, aber die Art, in der sie diese Gesinnung zum Ausdruck bringt, erscheint oft hohl und veräußerlicht und ist nicht aufgebaut auf geschichtlichem Den en. Stolz und Anerkennung dessen, was war. Ist selbstverständlich für jeden, der in der trüben Gegenwart vergangener großer Zei en gedenkt. Aber das Festhalten an der Tradition darf nicht zur Erstarrung der Meinungen führen. Man darf nicht daran Vvrübergehen. daß wir die Krisis der Gegenwart nicht überwinden mit träume"der Resignation, sondern nur mit werktätiger Mitarbeit in der Gegenwart.
Bergeisen wird auch Dielfach bei der Helden- Verehrung der Dcrgangenhell die unendliche Schwierigkeit, einen zufammengebrochenen Staat über den verlorenen Weltkrieg und die Revolution hinaus ohne Macht zur inneren Konsolidierung zu führen Sie polnische Betätigung der deutschen Akademiker muh als Ausgangspunkt die Staalsbejahung haben.
Wir können uns den Lurus eines Kampfes um die Staatsform nicht gönnen. Reich und Staat sind von außen und innen bedroht. Richt im Bekämpfen des Staates, well seine äußere Form nicht gefällt, liegt der Ausfluh nationaler Gcsinnuna. sondern in der Selbstüberwindung. Die gerade da mitarbeitet, wo von ihr innerlich die größten Opfer verlangt werden. Vielfach paart sich mit der Derkennung der lebendigen Volks trä te in un- Iserem Innern ein gewisses uns oziales Denken. das die Autodidakten in der Politik unb Verwaltung überhaupt nicht gehen lallen will
dr. 2t Erster
Lrschewt täglich, außer und Feiertag«.
Beilagen: ciießenerFamiliendlStter
Heimat im Bild. »eweli'Btingspreti: ?.®olbmark u. 20 Bold- Pfennig für Trägerlohn, „ ud) bei Nichterscheinen oen einzelnen Nummern infolge höherer (Bemalt Fernfprech'Anfchiafse: Fchriftleiwng 112, Der- lagundBefchüftsstettekl. Anschrift für Drahtnach- ichten AnzelaerAteßeit potzscheckkonto: jrentfurt a. Hl. 11686.
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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