Nr. 178 Erstes
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Blatt
175. Jahrgang
Samstag, k. August 1925
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
vnlck und Verlag: SrLhl'sche UniverfitätL-vuch- und Zteindruckerei R, Lange in Sieben. Zchriftleirung und Geschäftsstelle: Zchlllstrahe 7.
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Um die deutsche Saar.
An der Brück' an der Saar — Deutsche Waldoöaelein!
Wenn ihr singt hell und klar Im freien Sonnenschein. — Denkt, daß von eurer Schar Eins trauern mutz allein An der Brück' an der Saar!
So fana einst Friedrich Rückert, als nach den napoleonischen Kriegen der Wiener Kongreß Teile der deutschen Grafschaft Saarbrücken zu Frankreich schlug. So rufen uns heute die mehr als tausend Turner zu, die aus dem Saargebiet zum Mittelrheinischen Kreisturnfest herbeigeeilt sind und gestern von der Gießener Bevölkerung mit einer Herzlichkeit ganz besonderer Art begrüßt wurden. Gewiß, nicht leichten Herzens werden sie ihre Heimat verlassen haben, in einem Augenblick, der Tausende ihrer Volksgenossen in einem erbitterten Wirtfchastskarnpf um ihre Existenz sieht. Der Streik der saarländischen Grubenarbeiter wendet von neuem aller Augen auf bie Not des Saargebietes. Gewiß ist der Lohnkampf in den Saargruben nur ein Ausschnitt aus der ungeheuren Kohlenkrisis, in die ganz Europa verstrickt ist: in England, im Ruhrgebiet, in Frankreich, Polen und der Tschechei bereiten sich ähnliche Dinge vor, ohne daß man wüßte, wie dieser internationalen Krisis im Bergbau beizukommen wäre. Der Streik im Saargebiet jedoch hat neben dieser wirtschaftlichen Seite eine eminent politische Bedeutung.
Als „Ersaß für die Zerstörung der Kohlengruben in Nordsrnnkreich" und eine „Anzahlung auf den Betrag der von Deutschland geschuldeten Wiedergutmachung der Kriegsschaden" mußte Deutschland int Versailler Vertrag „das volle und unbeschränkte, völlig schulden- und lastenfreie Eigen- tum an den Kohlengruben im Saargebiet mit dem ausschließlichen Ausbeutungsrecht an Frankreich a b l r e t e n". Von diesem Eckpfeiler Iran- zösischer Herrschaft aus begann Frankreichs Feldzug gegen deutsche Sprache und Kultur, deutsches Staats-' und Volksbewußtsein im Saarbecken. Denn keineswegs übereignete der Friedensvertrag das aus preußischen und bayerischen Gebietsteilen willkürlich zusammengefügle Saargebiet an Frankreich. Am 11. Januar 1935 fällt erst die Entscheidung über die Zugehörigkeit des Saargebiets. Bis dahin mußte Deutschland auf die Regierung verzichten „zugunsten des Völkerbundes, der somit als Treuhänder gilt". 3n welch einseitiger Weise der Völkerbund seine Pflichten als Treuhänder des Saargebiets aufgefaßt hat und ausübt, haben wir alle in den legten Jahren mit Schaudern und Empörung erlebt.
Die Eingliederung des Saarbeckens in das französische Zollsystem und die Klausel des Versailler Vertrages, daß „der Umlauf französischen Geldes keinem Verbot und keiner Be- - schränkung unterliegt", boten Frankreich weitere Möglichkeiten, unter den Fittichen des Völkerbunds sich heute schon die tatsächliche Herrschaft im Saar- decken anzueignen. Mit einer Rücksichtslosigkeit ohnegleichen suchten die französischen Machthaber die deutsche Währung zugunsten des Franken zu verdrängen, trog ständiger Einsprüche der örtlichen Verwaltungsbehörden und Volksvertretungen. Arbeiter und Angestellte der Staatsbetriebe und der Kohlenzechen erhielten ihre Lohnzahlungen in Franken, die durch französisches Kapital stark überfremdete Großindustrie vermochte sich dem ebenfalls nicht zu entziehen, kurz, fast das gesamte Wirtschaftsleben des Saarbeckens wurde in den katastrophalen Strudel der Frankeninflation hin- tinaeriffen. Hier erwuchs die bittere Wirtschafks- not, die in diesen Tagen zum Streik der Grubenarbeiter, zum Kampf um ihre nackte Existenz führte. Frankreich scheint nicht gesonnen, den berechtigten Forderungen der Bergarbeiter entgeaenzukommen. Unverrichteter Sache sind die deutschen Unterhändler aus Paris zurückgekebrt. Mit Hilfe der bewaffneten Macht gedentt der französische Fiskus und die französischen ©ruben^erren den Streik zu beenden. Unter Bruch des Versailler Vertrags hat Frankreich f*on seit Jahren eine Militärdiktatur im Saargebiet errichtet, gegen die die zahllosen Proteste der Saarländer beim Völkerbund in Genf vergebens Sturm laufen. Unter ihrem Schutz werden die Saargruben einem Ausbeutungssystem unterworfen, das in seiner Skrupellosigkeit keine soziale Pflicht gegenüber den Bergarbeitern kennt.
Unter dem Schutz französischer Waffen gehen ober auch die kulturpolitischen Maßnahmen, die auf eine Verwelschung des Saarbeckens abzielen, um es für die 1935 vorgesehene Abstimmung reif zu machen. In erster Linie ist hierbei die Gründung einer französischen Presse durch französisches Kapital in allen Teilen des Landes zu rechnen. Dem parallel gingen zahlreiche Versuche, auf dem Umwege über die Grubenverwaltungen französischen Sprachuntericht einzuführen und fron» -ösische Schulen zu gründen. Schließlich machen diese Bestrebungen auch vor der Kirche nicht halt. Während des Konflikts zwischen dem Kabinett Herriot und dem Vatikan versuchte ersteres eine kirchliche Einheit zwischen Elsaß-Lochrmgen und dem Saargebiet zu konstruieren, sand aber in Rom damit keine Gegenliebe. Der Vatikan wies vielmehr darauf hin, daß das Saargebiet nach wie vor zum Deutschen Reich und zur Diözese Trier gehöre.
Die Saarländer sind dieser „Penetration paci- fique" gegenüber nicht untätig geblieben. Zwar schug- und wehrlos waren sie dem französischen Terror ausgeliefert, kein Finger rührte sich im Kreise des Völkerbundes zur Verteidigung ihrer Rechte, aber stetig und treu in zähem Kampf um ihr Deutschtum wuchsen sie heran zu glühenden Verteidigers der deutschen Westmark. Leicht wird ihnen bfe Erhaltung ihres Volkstums wahrnch nicht
Entspannung im englischen Bergbaukonflikt.
Staatsunterstützung für den Kohlenbergbau. — Rücknahme der Kündigungen. Kein Vergarbeiterstreik.
Bei den Verhandlungen, die in E n g l a n d zwischen den Grubenbesitzern und den Bergarbeiter- Vertretern mit und ohne Vermittlung der Regierung stattgesunden haben, herrschte ausgesprochenes Aprilweter: einmal strömte der Regen des Pessimismus hernieder, und wenige Stunden darauf lädjelte wieder die Sonne des Optimismus. EL muß jedoch fcftgefteUt werden, daß es sich diesmal wirklich nicht um einen Bluff gehandelt hat. Die Zechenbesitzer bestanden darauf, daß das Lohnniveau ermäßigt und die Arbeitszeit erhöht werden müßten, da auf andere Weise die für britische Kohle gewonnenen Absatzmärkte nicht zu behaupten seien. Die Bergarbeiter sträubten sich hiergegen mit Händen und Füßen. Sie appellierten an die fairneß der Gegenseite, die es eigentlich hätte verhindern sollen, daß man den Bergleuten just in einer Zeit steigender Lebensmittelpreise einen Verzicht auf einen erheblichen Teil der bisherigen Bezüge zumutete. Die Delegierten der Bergleute hatten einen wichtigen Trumpf im Hintergründe: sie beantworteten die Erklärung der Zechenbesitzer, daß bei allem Bemühen aus dem britischen Kohlenbergbau nicht mehr herauszuholen sei, mit dem Vorschläge, man möchte einmal versuchen, ob es bet einer Nationalisierung des Bergbaues besser ginge.
In der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag stand der Pessimismus in höchster Blüte. Die Vertreter des Bergbaus hatten sich der Mitwirkung anderer großen Gewerkschaften vergewissert, in erster Linie der Transportarbeiter, die es allerdings in der Hand haben, eine etwaige Not- standsaktion der Regierung (Verteilung der noch vorhandenen Kohlenvorräte) zu hintertreiben. Sogar die Gewerkschaftsinternattonale ist in dieser Angelegenheit becküht worden.
Baldwin, dem man nachsagt, daß er von der Finanz- und Wirtschaftspolitik mehr verstehe als von der hohen Politik, hat persönlich keine Mühe gescheut, um zwischen den beiden Parteien ein Kompromiß zustande zu bringen. Er hat, nachdem er sich vom Mißerfolg seiner Bemühungen überzeugt hatte, einen M i n i st e r r a t zusammenberufen und es durchgeseht, daß die Regierung den Grubenbesitzern bis zum nächsten Frühjahr finanzielle Hilfe gewährt. Dis dahin soll eine große Bergbau-Enquete feststellen, ob und wie die britische Kohlenförderung rentabler gestaltet werden kann, lieber die Art der finanziellen Hilfe werden noch eingehende Derhandlungen stattfinden. Damit nicht doch noch der Streik losbricht und eine gefährliche Erhitzung der Gemüter cintritt, hat Baldwin die Zechenbesitzer veranlaßt, den Beschluß auf Entlassung der Belegschaft für vierzehn Sage auszusetzen. Die Vertreter der Bergarbeiter haben es durchgesetzt, daß ihre Vertrauensmänner an der Bergbau-Enquete teilnehmen dürfen.
Der günstige Stand der britischen Finanzen ermöglicht es in der Tat, einem lebenswichtigen Wirtschaftszweige behmiäre Tlnterstühung zu gewähren, ohne daß dadurch der Staatshaushalt in Einordnung gerät. Wenn es dem Kabinett Baldwin durch dies Opfer gelingt, die drohende Katastrophe im Kohlenbergbau abzuwenden, so kann
die britische Regierung mit viel größerem Nachdruck, als es sonst möglich gewesen wäre, die schwebenden außenpolitischen Fragen: das fernöstliche Problem, die europäische Paktfrage und nicht zuletzt die Auseinanderrechnung mit dem französischen Schuldner betreiben.
Wie nicht anders zu ermatten war, sind die engli s ch-französi s ch en Schuldenverhandlungen wieder einmal ins Stocken geraten. Die beiderjeitigen Sachverständigen kämpfen um die Höhe der Annuität und um die Art der Bezahlung. Frankreich hat 140 Millionen Mark jährlich angebo- ten, England aber will 400 Millionen Mark haben. Die Differenz von 260 Millionen Mark erscheint nicht allzu groß: es muß jedoch bedacht werden, daß der amerikanische Gläubiger die zwischen Frankreich und England getroffenen Vereinbarungen als Norm für seine eigenen Forderungen gegenüber Frankreich nehmen wird.
Von besonderem Reiz für uns ist die Berner- tung, welche dabei etwaige Markzahlungen Frankreichs finden sollen. Frankreich möchte nämlich mehr als die Hälfte der an England zu zahlenden Annuität durch Anweisungen auf den An- teil Frankreichs am Re parati on sf o n ds begleichen. Vor zweieinhalb Jahren hat das Kabinett Cuno in Washington den Vorschlag gemacht, Deutschland wolle die Abtragung der alliierten Schulden gegenüber Amerika übernehmen. Der amerikanische Staatssekretär Hughes hat das Anerbieten damals abgelehnt. Es war zu erwarten, daß dieser Vorschlag damit nicht ein für allemal erledigt sein würde. Wenn sich England daraus ein- läßt, statt der französischen Barzahlungen zum Teil beim deutschen Reparationsfonds kreditiert au werden, so muß sich Englands Interesse an der künftigen Finanz- und Wirt- fchaftsentwlcklung Deutschlands steigern. Deutsche Gutschriften will man aber nur zu vierzig, höchstens fünfzig Prozent ihres Nennwertes auf Frankreichs Annnuität gegenüber England in Anrechnung bringen. S o wenig günstig beurteilt man also im Lager unserer beiden größten Reparationsgläubiger die deutsche Leistungsfähigkeit!
Baldwin hat mit der Zusicherung finanzieller Unterstützung an die britischen Zechenbesitzer Zeit gewinnen wollen, um für die britische Kohle noch weitere Absatzmärkte zu gewinnen. Wie hoch werden wohl die britischen und französi- schen Politiker den Wert der deutschen Markbeträge auf Reparationskonto veranschlagen, wenn Baldwins Kohlenpolitik erfolgreich ist und der deutschen Kohle der Absatz auf dem Weltmärkte noch weiter eingeengt fein wird?
Baldwins Vermittlung
Beseitigung der Streikgefahr im britischen Bergbau.
London. 31. Juli. (111.) In später Nachtstunde ist in der englischen Kohlenkrise eine Überraschende Wendung eingetreten, so dah die unmittelbare Gefahr eines Streiks i m Augenblick beseitigt zu fein scheint. Nach der gestrigen K a b i n e t t s s i ß u n g , an der fast alle Kabinettsmitgleider teilnahmen, halte Baldwin
gemacht. Auch nur der Anschein eines Mitbestimmungsrechts an ihren Geschicken wurde durch die Regierungskommission und den von Frankreich gegängelten Völkerbund der Bevölkerung versagt. Statt des geforderten Saarparlaments speiste man das Saargebiet mit der famosen Einrichtung des „ß a n b e s r a t s" ab, dem nur beratende Befugnisse eingeräumt wurden.
Düstere Tage der Not und Sorge durchlebt das Saarland, mühsam und steinig liegt der Weg vor ihm zu jenem 11. Januar 1935, der die Wiedervereinigung mit dem Reiche bedeutet. Lichtblicke auf den Weg sollen auch diese Gießener Festtage fein. Tage innigen Verbundenseins mit unseren deutschen Brüdern im Saarland, Tage ernster Erkenntnis unserer Volkseinheit, Tage freudigen Bekennens unserer Schicksalsgemeinschaft. Glaube und Zuversicht sollen die saarländischen Turner mit in ihre schwergeprüfte Heimat zurücknehmen, daß wir ihrer in Treue gedenken, mit ihr kämpfen und harren, bis auch der Saar die Stunde der Freiheit schlägt. ____
Der Berqarbeilerstreik im Saargebiet.
Saarbrücken. 31. 3ull (WB.) Samstag findet die Beschlußfassung der Revierkon- ferenzen der am Bergarbeiterstreik teilnehmenden Organisationen statt, die zum Ergebnis der beengen Verhandlungen Stellung nehmen. Das genaue Ergebnis derPariser Verhandlungen. das in den Verhandlungen der letzten Tage mit der Dergwerksdirektton noch Verbesserungen erfuhr, wird den Delegierten der Revierkonseren-en vorgetragen werden. Wie wir hören, ist neben der eigentlichen Lohnerhöhung eine Verbesserung Hauermin- destgedinglohnes erreicht worden, die bekanntlich ehre bedeutungsvolle Forderung der Bergleute bildete. Die Konferenzen werden von großer Bedeutung fein. Von ihrer Entscheidung hängt es ab, ob die Arbeit im Saarbergbau ausgenommen wird oder nicht.
Drohender Eisenbahnerstreik im Saargebiet.
■ Saarbrücken, 31 Juli. (TU.) Wie die „Saarbrücker Zeitung" mitteilt, hat die Regierungskommission die Lohnforderungen der Eisenbahner abgelehnt. Eine Der- fammlung des Deutschen Eisenbahnerverbandes hat daher beschlossen, der Bahnarbeiterschaft den Streik zu empfehlen. Die Bezirksleitung wurde beauftragt, eine Urabstimmung unter den Mitgliedern vorzunebmen. Auch die anderen Eisen- bahnergewettschaften werden zu der Lage Stellung nehmen.
Das Ruhrgebiet frei.
Die letzten Truppen aus lassen und Mülheim abgezogen.
Essen, 31. 3uli. (SIL) Heute früh 7Uhr verliehen die Bataillone des Infanterie-Regiments Rr. 171 das Essener Stadtinnere. Sie marschieMrn, die Kompagnien reichlich schwach (nur 50 bis 60 Mann stark) auf Mülheim. Um 8 Uhr vormittags haben die letzten französischen Truppen und zwar Teile des Ins.-Regts. 161 Mülheim a. d. Ruhr verlassen und sind in der Richtung Landau und Germersheim (Pfalz) berlaben worden. Damit ist das Ruhrgebiet mit Ausnahme der Sanktionsstädte vollständig geräumt.
Vor Verhandlungen im Ruhrbergbau.
Essen, 31. Juli. (IDB.) Die Bergarbeiter- oetbänbe haben bie bestehende Lohnorbnung zum 31. August gefünbigt Gleichzeitig wirb eine Lohnerhöhung ab 1. September beantragt, beren Be- grünbung demnächst mündlich vorgetragen werden
weitere Besprechungen mit Bertrelern der Grubenbesitzer und der Bergarbeiter. Die Vertreter der Bergarbeiter erklärten, daß sie an der von Baldwin vorgefchlagenen Untersuchung über bie INethoben zur Besserung b e r Wirtschaft- Iichheit ber englischen kohleninbustrie und zur Vermehrung bes Wettbewerbs auf bem Weltmarkt teilzunehmen wünschten. Balbroln erklärte, bie Regierung sei gewillt, ber Jnbusttte bis zum Frühjahr nächsten Jahres eine staatliche Subvention zu gewähren. Wan hoffe, daß biefe Zelt genüge, bie Untersuchungen zu Lnbe zu führen. Der wlnisierpräsibent bat barauf bie Grubenbesitzer. Ihre fiünbigungen, bie heute um Mitternacht in Kraft treten sollten, zurückzuziehen, damit bie Besprechungen fortgesetzt werben könnten.
Balbroln konnte bann im Unterhause mitteilen, bah bie Grubenbesitzer bie Kündigungen zurück- genommen hätten, unb bah bamit Zeit ; u weiteren verhanblungen über bie staatliche Unterstützung bes Bergbaus gewonnen sei. wenn über bie Reglerungsmaßnahmen zur Unterstützung bes Bergbaus eine Einigung erzielt wirb, soll bas bisherige Lohnabkommen bis zum nächsten Frühjahr verlängert werben. Im Namen ber Arbeiterpartei brückte EIeynes seine B ef riebigung über bas tatkräftige (Eintreten Balbrolns zur Berfjinberung des Streiks aus. Auch Lloyb George flimmle für bie Liberalen ber Politik Balbrolns zu. Nach bet Debatte teilte Balbroln mit, bah bie Regierung über bie Lage bes Kohlenbergbaus eine Denkschrift veröffentlichen werbe. 3n ber nächsten Woche soll eine große Aussprache über die Bergbaufrage statt finden.
Die Staatssubvention.
3n einer offiziellen Erklärung des Schatzamtes heißt es: Die Unterstützung, welche seitens der britischen Regierung der Kohlenbergwerksindustrie bewilligt worden ist. soll i n Form einer Subvention zwecks Sicher st ellung der Lohnzahlungen während neun Monaten vom 1. August 1925 bis zum 1. Mai 1926 erfolgen. Während dieser Zeit sollen die Löhne auf Grund des Abkommens vom Jahre 19z4 gezahlt werden: aber, falls die Löhne, welche nach dem anerkannten Verteilungsschlüssel zwi'chen Lohn und Prosit berechnet werden sollen, ir» irgend einem Monat dieser Zeitspanne in einem Bezirk niedriger sein würden als die Mindestlöhne, öle in dem! Vertrag vorgesehen find, so wird die Differenz vom Schatzamt bezahlt werden. Somit sollen die gleichen Richtlinien verfolgt werden, wie bei der Lohnsubventionierung im Jahre 1921. Jedoch sollen im vorliegenden Falle, falls der monatliche Durchschnittsprofit in einem Distrikt, in welchem Subventionszahlungen geleistet werden, 1 Schilling 3 Pence (1,25 Schilling) für die Tonne übersteigt, die Überschüsse zur Verringerung der Subvention benutzt werden. Zur Zeit ist es unmöglich, im voraus zu kalkulieren, wieviel diese staatliche Subvention das Schatzamt kosten wird, denn das ist gänzlich abhängig von dem Umfang des Kohlenhandels.
soll. Ls roirb um balblge Festlegung bes ver- hanblungstermlns gebeten.
Schwere Niederlagen der Franzosen.
(Kngllsche des
Marokkokrieges.
London, 31. Juli. (Reuter.) Zuverlässigen Informationen aus Fez zufolge sind die Iran- zösischen Streitkräfte in Marokko bisher überhaupt noch nicht regulären Truppen Abd e t Krims gegenübergetreten. Sie haben vielmehr bisher lediglich von Abd el Krim organisierte Aufstände von Rif stäm- men zu unterdrücken versucht. Denselben Informationen zufolge sott Abd el Krim über mindestens 25 0C0 gut bewaffnete wohldisziplinierte Truppen verfügen. Cs wird ferner angenommen, dah Abd el Krim versuchen wird bis Oktober durch lokale Aus st ä n. d e von Ris- stämmen die Franzosen zu beschäftigen, da bann bie Regenperiode beginnt, während welcher eine französische Offensive s o aut wie unmöglich ist. Wie verlautet, beabsichtigt Abd el Krim dann seine Hauptmacht einzusetzen. Augenblicklich sollen sich nur 49 französische Bataillone in Marokko befinden, einschl. der Sicherungsposten für die Verbind,ingslinien. Schätzungsweise würden die Franzosen etwa 00 000 Mann europäischer Truppen benötigen, um der Lage mit irgendwelcher sicheren Aussicht auf Befolg Herr zu werden. Die Spanier bleiben so gut tote untätig.
Spanische Meldungen aus Marokko besagen, daß sich die Lage weiter zu Ungun ft en der Franzosen verschlechtert habe.
In den letzten lagen fei die französische Front an verschiedenen Stellen durchbrochen worden.
Bei den Rifleuten zeige sich erhöhte ftampftätig« feit, besonders in ber Gegend von Uouk-el-Araba. Rifttupen haben verschiedene erfolgreiche Vor-


