Ausgabe 
1.5.1925
 
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Der Reichsminister ljatte eine mehrstündige älnterredung mit dem Reichspräsidenten, in der die Einzelheiten für die Einfüh­rung des Reichspräsidenten in fein Amt sestgelegt wurden. Hindenburg legte den größten Wert darauf, die Feierlichkeit der Anrts- übernahme so einfach wie möglich zu ge- gest alten. Der Feldmarschall betonte bei der Be­ratung der einzelnen Programmpunkte immer wieder, bah er keine besondere Ehrung für sich wünsche und vor allem den völlig überparteilichen Charakter der Feier streng ge­wahrt wissen wollte

Das Programm der Feier wird etwa fol­gendes fein: Bor dem Reichstagsgebäude wird eine Reichswehrkompagnie beim Ein­treffen des Reichspräsidenten die militärische Ehrenbezeigung erweisen. Ruf besonderen. Wunsch des Feldmarschalls wird hierzu die tradi­tionelle Kompagnie des 3. Garde-Regiments zu Fuß bestimmt werden, bei dem Hindenburg seine militärische Laufbahn begonnen hat. Rach der Eidesleistung im Reichstag wird der Reichspräsident im Reichsprasidentengebäude durch ben stellvertretenden Reichspräsidenten Dr. Simons begrüßt werden, worauf der Reichs­präsident den Reichskanzler und die Mit­glieds» des Reichskabinetts empfangen wird. Für ben nächsten Lag ist eine Reihe von weiteren Empfängen vorgesehen.

Dr. Marx an den Reichspräsidenten

Berlin, 30. April. ($S1.) Reichs.anzier a. D. Marx hat von Sigmaringen aus an den ® c nrralfeldmarschall von Hindenburg folgendes Schreiben gerichtet:

Las deutsche Dolk hat Ew. Exzellenz zum Reichspräsidrntrn gewählt. Es entspricht dem Geiste, wahrer Demokratie, daß nunmehr jeder, der sich zu ih? bekennt, zur Ent­scheidung der verfassungsmäßigen Mehrheit des Dolles steht. Darum ist es mir ein Bedürfnis, Ew. Exzellenz meinen auf­richtigen Wunsch und die Hoffnung auszu- sprechen, daß unter Ihrer Präsidentschaft das deutsche Doll die inne re Ruhe und den äußeren Frieden finden möge, wonach unser aller Streben geht. Möge der ringe- leitete wirtschaftlich« Gesundungs- Prozeß zum Segen von Doll und Deich rng stört f?r f 'reiten. Möge d e Durchdringung tn eeS ganzen öffentlichen Lebens mit wahr­haft dLmo.ratifchem und sozialem Geiste alle Krankheitsers ^e'nurgen heilen und die sitt­liche Reinigung und Erneuerung unseres Dolles beschleunigen. Möge es unserem deutschen Bolle vergönnt sein, auf dem eingeschlagenen Wege der i n t e r n a t i o - n 3 l c n Verständigung in Frieden und Wohlfahrt recht bald wieder die Stellung ein» zunehmen, auf die eS dank seiner Fähigkeiten und seiner Leistungen Anspruch hat.

Mit der Dersicherung meiner besonderen Hochachtung bin ich Euer Exzellenz ergebener

Marx, Reichskanzler a.D."

Unter der LieberschriftEinigung" schreibt die Germania: Der neu gewählte Präsident der Republik v. Hindenburg hat fid> nach .seiner Wahl dahin geäußert, daß es für ihn Hetzt keinen ReichSblock mehr gebe, sondern nur och ein deuts ches Volk in seiner Ge­samtheit, also der Ruf zur Sammlung ergeht. -Der Präsident kann sicher sein, daß dieser Rus nicht ungehört verhallen wrd. Hinden­burg w.rd, wenn er sich für die Einigung Deutsch­lands einsetzt, aus keiner Seite sympathischere Zu­stimmung finden als bei der parteipolitischen Mitte.

Dr. Marx an seine Wähler.

Berlin, 30. A r l. (TU.) Reichs aezler a. D. M a r x hat an die Parte.en und Wähler des Dollsöloctes eine Kundgebung erlassen, in dec es heißt:

Es ist mir ein tief empfundenes' Bedürfnis, den über 13Vs Ill.onen deutschm Rimmern und Frauen, die mit mir am Wahllage ein aufrich- t'.aes Bekenntnis zum repüb.icani ch-demokraä- schen Staat abgelegt haben, herzlichsten Dank zu sagen. Die (3 ttscheidung ist gegen uns ge­fallen. Generalleldmarschall von Hindenburg ist zwar nicht mit absoluter Mehrheit zum Reichs­präsidenten gewählt, aber infolge der staats- unb arbeiterfeurdltchen Ha.tung brr Kommunisti- scheir Partei hat sich noch eine relative Mehr­heit für den Kandidaten des Reichsblockes er­geben. Es ist für uns jedoch ein stolzes Bewußt­sein, daß die Wähler des Bolksblockes sich von klarer, politischer Erkenntnis leiten liehen.

Wir als die Schützer der Verfassung haben die hcilgr Pflicht, in dem verfassungsmäßig ge­wählten Reichspräsidenten den Repräsentanten des deutschen Dolles und der deutschen Republü zu achten.

Wir dürfen nicht in den Fallen unserer Gegner herfallen, die ehedem vor keiner Verunglimp­fung und Verdächt'gung des Vorgängers des jetzigen Reichspräsidenten zurückschreckten unb da- mit stch gegen die Gebote der Staatsautorität schwer versündigt haben. Wir schämen uns nicht unserer Riederlage, denn wir haben als auf­rechte Männer und Frauen ehrenvoll und nicht ohne Erfolg gekämpft. Lins eint die klare Er- kenntnis der harten Rotwendigkeiten unserer Außenpolitik. Uns eint das Bewußtsein, daß ein unzweideutiges Bekenntnis zur deutschen Re- publik die notwendige Voraussetzung einer starken Staatsautorität ist. Lins eint dec Wille unser ganzes öffentliches Leben mit sozialem Geilte zu durchdringen."

Kein Wechsel im Bureau des Re ^Präsidenten.

Berlin, 1. Mai. (T. U.) Bei dem vorgestrigen Bestich des St a at s s e k r e t ä r s D r. Meißner bei dem Reichspräsidenten von Hindenburg ist die Frage des Staalssetretärs beim Reichspräsidenten endgültig geklärt worden. Der Reichspräsi­dent hat, wie derLokalanzeiger" Höri, den Staat-.. sekretär Dr. Meißner gebeten, sein Amt bei. zubehalten. Infolgedessen wird weder aus die­sem Posten, noch in den sonstigen A e m - t e r n im Bureau des Reichspräsidenten e-ne Aen- derung cintretcn.

Die politische Aussprache im Landtag.

Um das Vertrauensvotum für Braun.

Berlin, 30. April. Das Haus setzt die all­gemeine politische Aussprache über die Regie­rungserklärung fort.

Ministerpräsident Braun: Die Be­hauptung des Äbg. Lubick«, er hätte sich zur Schuldlüge bekannt, sei ebenso falsch und ebenso eine Lüge wie die. daß Deutschland und seine Verbündete die Alleinschulbigen am Kriege seien. Die Richtlinien der großen Koali­tion erachte er auch jetzt noch für das Kabinett als richtig. Er bedaure. daß gerade Herr v. Campe, der 3- .> Jahre mit ihm auf Grund dieser Richtllnien Politik gemacht habe, jetzt diese Richt­linien nicht mehr anerkennen will. Szenen wie die, die von der Rechten hier aufgeführt worden seien, können nicht arbeitsfördemd wirken. Ein jeder Abgeordneter unb jeder Regierungsver- tretcr müsse für sich das Recht in Anspruch nehmen können, hier gehört zu werden. Eine Volksgemeinschaft, bon der die Sozial­demokratie von vornherein ausgeschlossen werden soll, sei keine Votksgenreinschast. W.il das Zen­trum sich weigert, eine derartige Politik mit­zumachen, schiebt man dem Zentrum die Schuld für das Mißlingen eines arbeitsfähigen Kabi­netts in die Schuhe. (Lärm rechts.) Es muß mög­lich sein, auf dem von uns eingeschlagenen Wege eine arbeitsfähige Regierung zustandezubringen. (Lärm rechts.) Ich habe die Hoffnung, daß sich das Haus dieser Staatsnotwenbigkeit nicht ver- schlieAm wird.

Unter allen Amständen sei eS seine Pflicht, eine arbeitsfähige Regierung zustande zu bringen. Gelingt das nicht, so bleibt nichts anderes übrig als die A u f k v f u u g. ES liege aber im Interesse des Dolles, ihm eine neue Wahl zu ersparen: denn im Bolle bestehe eine tiefe Sehnsucht nach Ruhe.

Deshalb hosfe er, daß der Landtag sein Ver­halten so einrichtet, um dem Doll eine. Reu­wahl zu ersparen. Der Ministerpräsident schließt: Meine Herren von der D-utschm Volkspartei! Kehren Sie zu der bewährten Koalitionspolitik zurück, und wir werden Ruhe im Volke haben. (Lärm rechts, Beifall links und in der Mitte.)

Abg. Meyer (bn.): Eine Volksgemeinschaft einschließlich der Sozialdemokratie ist n chl mög­lich, denn die Sozialdemokraten können keine auf­bauende Arbeit leisten. (Lärm links.)

Abg. Wilder in ann (Ztr.): Wenn das Zentrum mit den Sozialdemokraten nicht zusam­men arbeite, so gebe es bmuit einen seiner Grundsätze auf. (Lärm und Wide spruch rechts.) Eine Gesinnungsgemeinschaft zwischen rechts und links sei möglich: sie müsse sich aber gründen auf die gemeinsame Liebe zum Vaterland. Wir stoßen keine Partei zurück, die sich auf den Toden der Verfassung stell' und gewillt ist. am Wohle des Vaterlan- :5 mi-uavbeiten.

2Ibg. von Richte <D. Dp.): Solange die Deutschnationale Partei dauernd von der Ver­antwortung ausgeschlossen wird, bedeutet das eine Zerreißung des Volkes in zwei Teile unb damit eine Gefahr für ben Staat. Deshalb muß bei* Versuch gemacht werben, bis Regierung auf breitere Grundlage zu stellen.

Wir wollen daß beide Parte'ew die Sozial­demokraten wie die Deutschnatio» n a l e n, gleichmäßig an der Derantwortung beteil gt werden.

Minister des Innern Severinq erklärt: Wenn man eine Verständigung will, ist sie leichter möglich aus der Grundlage her Ausfüh­rung b:s Herrn v. Richter, als der des Herrn v. Campe. Es gibt feinen Minister, keinen Staatsmann, fernen Abgeordneten, der das Kunststück fertig brächte, mit allen Parteien fertig zu werden. Im Wahlkampf? ist hüben und drüben gesündigt worden. Ich selbst stehe ständig in einem solchen Kampf Es vergeht t"ein Tag, an Bem nicht solche Angriffe g'gen mich gw'ckckA werdm, wie sie Hrndenbnrg und Marr im Wahl­kampfe erfahren h?b"n. Das lyi das eine Gute: Ich Pin abg^b' ütz t! (Schallende Heiterkeit.) I Di? G' ünd'irm b s Reichsbanners war notwendig. I als übwall bie sogenannten ..Deutschen Tage" abg?halten wurden. Das Reichsbanner hat hüte geschichtliche A lgabe erfüllt. 'Die beste Lösung wäre, wenn alle ÖMe Kampforgani­sationen von b e r Bildfläche ü er- sch- ' - ben.

2lb i Dr. Prellß ('Sem. i: Um die Swats- notfc blnf-.it in Pre h:n siche^zustellen, ift an­gesichts der tatsächlichen Machlv rhällnisse im ÖQibtagc die A flosunp unumgänglich Das Schicksal der Regierung in Preußen wb maß- gebenb sein auch für Deutschland und für feine Bewertung im Ausland Dar nm muß alle Kraft darang Acht werden, in Preußen nicht die Reak­tion hochkommen zu lassen, sondern ein festes republikanisches Regiment in Preußen aufzu- richtm.

Abg. M o h r b o 11 e r (Wirtsch Dg ) lehnt bas Kabinett Braun ab und protestiert gegen di e S o z i al i f i e r u n g s i d e en , die den Mitt Ast em d unb das Kleingewerbe zerstören ünb bas Elend Deutschlands ins Unermeßliche stei­gern würden.

Rach Annahme einer Reihe von Anträgen vertagt sich das Haus auf Freitag, 8 Mai. mit ber -tageäorbnung: Abstimmung z u den Anträgen zur Vertrauensfrage.

Die dentsu-englischen LustfahrwerhQNdlungen.

*Le v n Rkai. Zu dem Eintreffen ber englischen Luftfahl tvertreter in Berlin erfährt bieBörsenzeitung" an maßgebenber Stelle, baß die Verhanblungen gestern begonnen haben unb mehrere Tage dauern sollen Die Engländer bringen eine Reihe von Vorschlägen mit, die sich auf den Ausbau der internationalen Luftlinien beziehen. U. a. wollen sie eine Ringlinie London Paris Brüssel Köln - Holland - London eincichlen und sondieren, unter welchen Bedingungen die deutsche Zustimmung zu erlangen ist. Großen Wert legen sie auch auf die Benutzung des deutschen Ge­biets für ihre Verbindung London Indi en deren Ausgestaltung bisher an ben Begriffs^ l estimmungen der Botschafterkonferenz gescheitert ist Der deutsche Standpunkt ist unverändert der, r-al? vo.' unserer Seite nur dann entgegen- gekommen werden kann, wenn bie Botschäfter- lonferenz unseren Luftverkehr von den 'tzni unter Vertragsbruch auf erlegten Fesseln

Aus aller Welt.

Schweres Eisenbahnunglück im polnischen Korridor.

Bisher 30 bis 40 Tote.

Schneidemühl, 1 Mai. (TU.) heute früh ift der Schnellzug D 4 EytkuhuenBerlin im polnischen Korridor zwischen den Stationen Sroa- roschin und preußisch-Stargard auf freier Strecke entgleist. Mit Ausnahme des Schlaf­wagens und eines Wagens 1. Klasse stürzten fämf- l i ch e W a g e u den ziemlich steilen Abhanghin- unter. An der Lntgleifungsftelle rnachk der Bahn­körper eine außerordentlich scharfe Kurve. Rach An­gaben der Reifenden beträgt die Zahl der Toten etwa 30 bis 40, die Zahl der verrvundeten wird vor­läufig ebenfalls auf 40 geschäht. Der Zug wird durch den Korridor von polnischen Beamten ge­führt. Mit polen sind zur Zeit sämtliche Verbin­dungen unterbrochen, da dir Leitungen durchgerissen sind.

Zu dem Eisenbahnunglück zwischen Stoaro- schin unb Preuh. Stargard erfahren wir von einem Augenzeugen, ber kurz nach dem Unglück aus ber Unglücksstätte eintraf, folgende Einzelheiten: Dis jetzt sind 24 Tote in Preuß.-Stargard eingeliefert worden. Rach Diischau wurden 30 Schwerverletzte gebracht, eine weitere Anzahl von Schwerverletzten befinbet sich in Preuß.-Stargard. Die größere Zahl der Leichtverwundeten ist nach Deutschland verbracht worden. Unter den Toten befinden sich haupt­sächlich Frauen unb Kinder. Der Loko- nit> tivführer und der Heizer sind un­verletzt, La sie kurz vor der Entgleisung ab- sprangen. Die Toten befanden sich fast sämt­lich in einem Wagen 3. Klasse, ber sich in ben ersten Wagen hineingeschvben hatte. Die Loten find bis auf einen polnischen Zollbeamten deut­scher Rationalität. Anscheinend liegt etn Verbrechen vor, da eine Schiene gelöst war.

Ein anderer mitfahrender Reisender, ein Oberingenieur aus Danzig, gibt folgenden Bericht über das Unglück: Ich sah in einem Wagen 3. Klasse. Kurz vor dem Einfahrtfignal vor Preußisch-Dkargard, wo sich eine Böschung von sechs Meter Höhe befindet, spürte ich einen kräftigen Ruck. Ich war in dem Glauben, daß die Lokomotive unseres Zuges auf einen Güter­zug aufgefahren sei. Der Wagen, in dem ich mich befand und der voll besetzt war, geriet ins Schwanken unb stürzte bie Böschung hinab.

Die anderen Wagen standen kreuz unb quer durcheinander in einer Reigung von 45 Grad. In einem zersplitterten Wagen waren viele Per­sonen eingesperrt, die mittels Stahlfägen befreit werden mußten. Im ersten Augenblick des furchtbaren Anpralls waren uns allen die Sinne geschwunden. Rachdem ich das Bewußtsein wiedererlanat hatte, kletterte ich über sechs bi s acht Tote hinweg und ging zur Loko­motive. Sie lag umgekehrt nach dem Bö­schungswinkel zu mit den Rädern nach oben. Bedauerlicherweise war J, t Stunde nach dem Unglück noch fein Rettungskommando zur Stelle. Es waren nur zwei Lampen vor­handen, die aber bald ausbrannten. Die Un- glücksslätte war bann vollständig in Dunkelheit gehüllt. Wir fuhren mit einem Hi 1 fszug nach Preuß.-Stargard und gelangten von dort mit dem Ost-Expreß nach Schneidemühl.

Mord im Tegeler Forst.

Im Tegeler Forst wurde der Bankbeamte Schwenke aus Weidmannslust von spielenden Kindern ermordet aufgesunden. Der Tote lag in einer großen Blutlache neben feinem Rade. Die Kriminalpolizei erkannte sofort, daß es sich um ein Kapitalverbrechen handelte. Die vorläufige ärztliche Besichtigung ergab, daß die Leiche eine Schuß­wunde im Rücken hat und daß das Geschoß die Lunge durchbohrt haben muß. Dem Täter ist man bereits auf der Spur.

Die Stabt Berlin zahlt Schadenersatz.

In dem Prozeß des Arztes Arndt, der gegen die Stadt Berlin Hagle, weil er im Krankenhause Friedrichshain infolge m a n-- gelljafter sanitärer Einrichtungen dec" Tuberkulosestation eine lebensgefähr­liche Infektion davvnaetragen hat, ging das Kammergericht als zweite Instanz über bas Urteil des ersten Gerichts noch hinaus unb er­weiterte den Spruch dahin, bah die Stadt Ber­lin vsm 1 März an dem A.zt monatlich 6 0 0 M a c k zu zahlen habe, um ihm einen Kur­aufenthalt im Süden zu ermöglichen.

Nordpolslrg nächste Woche.

Wie wir hören, sind Oie Vorbereitungen für ben Rordpvlflug Amunbsens soweit sortgeschritten, daß die Fahrt Ende nächster Woche angetreten werden kann, wenn es das Wetter erlaubt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, ben 1. Mai 1925.

Das Recht auf die Dachantenne.

Verschisdene Berliner Landgerichts hatten ein Recht der Wohnungsrnieter auf Er­richtung einer Dachantenne nicht aner­kannt Einen entgegengesetzten Standpunkt hat jetzt das Landgericht Bautzen eingenom­men. Es stützt sich in seinem Erkenntnis auf § 535 BGB., demzufolge ber Vermieter dem Mieter den Gebrauch" ber Mietsache zu gewähren hat, unb führt im Anschluß baran folgendes aus: So­weit sich der Umfang des Gebrauchs nicht un­mittelbar aus dem Vertrage ergibt, ist für ihn Bie Verkehrssitte maßgebend, und nach dieser hat beispielsweise ber Vermieter regelmäßig die Einrichtung einer Fernsprechanlage dem Mietrr zu gestatten. Reben bem Fernsprecher ist abern ben letzten Jahren immer mehr bie drahtlose Uebermittlung von Rachrichten aufgekommen, und in absehbarer Zeit ist mit ber weitesten Ver­breitung des Rundfunks zu rechnen. Obgleich der Ausbau der (Srfinfcung noch keineswegs abge­schlossen ist, fo herrscht doch im geschäftlichen wie im Privatversehr schon das eifrigste Bestreben, sich dieses Hilfsmittels, dessen Betrieb verhält­nismäßig geringe Vorkehrungen erfordert, zu be­dienen, sei es zu geschäftlichen Zwecken, wie zur Entgegennahme von Wirtfchaftsberichten, sei es zu Unterhaltungszwecken, wie zum Anhören von Vorträgen. Reden, Musitstücten ufw Es wäre nun , Ni höchsten Grade rückschrittlich, wollte man dem Rundsunk nur deshalb, well er nicht schon jetzt Gemeingut des öffentlichen Verkehrs ist. bie Anerkennung als Verkehrsmittel versagen. Dieselbe Verkehrssitte. bie bem Ver­mieter ziiinutet, ben Fernsprec^nast zu bulben.

fordert von ihm auch, daß er die Anbringung eines Mastes für die Runbfunkanlage seines Mieters gestattet. Dabei ist die Frage, ob eine wirtschaftliche Rotwenbigkeit vorliegt, nicht aus- fchlaggebenb. Es sinb freilich auch Ausnahmen bentbar, von benen jedoch im vorliegenden Falle keine Rebe sein kann. Der Dlitzgefahr läßt sich, wie bet ber Fernsprechleitung, durch sachverstän­dige Erdung begegnen, und auch eine Verun­staltung des Hauses ist durch die Antenne nicht zu befürchten. Wenn der Kläger, tote ber be­klagte Eigentümer geltend gemacht hatte, seinen Runbfunk zu geschäftlichen Vorführungsztoecken gebrauchen wollte, so würbe barin allerdings ein vertragswibriger Gebrauch ber Wohnung liegen, bie bem Kläger ja nur zu Wohn- und nicht zu Geschäftszwecken überlassen ist. Der Kläger hat aber eine btefen Verbacht ausschlie- ßenbe Erllärung abgegeben; es könnte ihm baher die Anbringung der Antenne nicht verwehrt werben.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. Deutsche Bolkspartei: Uhr Gewerbehaus (Saal In) Mitgliederversamlung. V. 5). C.: Mvnatsver- sammlung. Zirkus Straßburger: 3$ Uhr und 74 Uhr Festvorstellungen.

Deutsche Volkspartei. Heute, 5reitag, abend SV? Uhr im Gewerbehaus Mit­gliederversammlung mit Vortrag des General­sekretärs K o l l b a ch - Darmstadt. (Siehe gestrige Anzeige.)

Wetten ^ranssaqc.

Unruhig, bei wechselltder Bewölkung Stegen- fälle in Form von Schauern, später kühler (in höheren Lagen nachts Temperaturen nahe Rull).

Ein Teiltief ist mit seinem Kern über Süb- cnglcmd schnell nach Westdeutschland gezogen. Sein Durchgmtg durch unser Gebiet steht bevor. Im Rorbmeer kündigen sich weitere Störungen an, so bah die Llussicht auf eine längere Periode trockenen beständigen Wetters iwch nicht ge­geben ist.

ßU, Von der Landesuniversität. Die erste feierliche Immatrikulation findet am Samstag, 12 Uhr pünktlich, im großen Hörsaal der Universilät statt.

- Zur Festsetzung ber Mai-Miete teilt bas Ministerium für Arbeit unb Wirtschaft mit, baß in bem Mietsatz von 80 v. H. ber Friebensmiete. wie er zur Zeit bestehl, 14 v. H für laufenbe Instanbsehungskosten enthalten sinb.

* Die erste biesjährige Schluß­prüfung ber Kanbibaten ber evan­gelischen Theologie hat gestern vormittag in ben Ämtsräumen bes Landeskirchenamts ihren Anfang genommen. Cs beteiligen sich daran sieben Examinanden, von denen sechs aus Starkenburg unb einer aus Oberhessen sinb.

** Fernschnellzüge. Die Reichsbahndirek­tion Frankfurt a. M. teilt mit: Mit dem Inkraft­treten des Smünterfahrplans werden auf einigen Haupnchneüzugslinien wieder Fernschnellzüge mit 1. und -2. Klasse einaeführt. Der Mehrpreis für die Benutzung dieser Fernschnellzüge beträgt in erster Klasse sechs Mark und in zweiter Klasse drei Mark, ist also gleich dem Preise der betreffende« Schnell­zugszuschlagkarten für die dritte Zone.

" Der Gießener Tierschutzoerein hielt vor einigen Tagen rm Kaufmännischen Dereinshaus seine Hauptversammllung ab. Stersitzender Fritzel eröffnete die Versammlung mit deren Begrüßung. Aus dem Jahresbericht 1924 25 (April Marz) ist zu entnehmen, daß die wirtschaftliche Not unseres Volkes auch schwer auf bem Verein lastete. Sie hemmte seine Tätigkeit fast völlig. Zum Verlust der 400 Mark Zinsen aus der Berta-Worms-Stiftung trat der jeenes gesamten Vereinsvermögens sowie der starke Rückgang seiner Mitgliederzahl durch Tod, Wegzug oder Austritt. Dieser wurde vielfach zu Recht be­gründet mit persönlicher Notlage, zuweilen erfolgte er aber auch ohne jegliche Ursache, will man (Gleich­mut oder auch völlige Unkenntnis des gemeinnützigen Tuns des Vereins als solche nicht anerkennen. Die Mitgliederzchl des Vereins steht zur Zeit noch nicht endgültig fest. Nickt unerwähnt bleibe, daß die Stadt Gießen mit jährlich 20 Mark dem Verein beitrat. Um zu sparen, wagte der Verein den Versuch, die Bei­träge durch zuverlässige Schulkinder erheben zu lassen. Er mißglückte indessen nahezu. Nunmehr betraute ber Verein seinen ehemaligen Verein-diener Ernst mit dieser mühseligen Ausaabe. Nachdem der Vereins­beitrag für 1925 auf 2 Mark erhöht worden war, weil jedes Mitglied die allgemeine Tierschußteit- schrift vom 1. Januar ab wieder kostenlos erhält, übernahm Ernst aufs neue das Amt des Vereins­dieners. Im verflossenen Jahre hatte der Verein den Tod seines langjährigen sniheren Rechners, des Prokuristen Wolff, zu , beklagen. Vorsitzender Fritzel gedachte bewegten Wortes des treuen Mannes und seiner selbstlosen Arbeit im Dienste des Ver eins, der dem teueren Entschlafenen ein ehrendes Gedenken bewahren wird. Die ausscheidenden Vor­standsmitglieder tuurben durch Zurni einstimmig wiedergewählt. An Stelle von Frl. M. F e d c r , dic wegen übergroßer Berufsarbeit aus dem Vorstand ousaeschieden ist, trat Frk. Klara Wolff, an Stelle des Regierungsrats von Ge m m i n g c n Bäckermeister Schreiner. Rechner Leitner regte an, die Futterkasten und -breiter in den städti- fchen Anlagen ausbeffern oder, wenn sie allzusehr beschädigt seien, durch neue ersetzen zu lassen. Dieser Slusgabe enthob den Verein in dankenswerter Weise die Stadtverwaltung, indem sie selbst die Herstel­lung dieser Futterstellen übernahm. Auch von der Sorge, woher das Geld kommen solle, damit er in ,en Tagen der Not die hungernden Vögel sättigen könne, sollte er bald befreit werden. Erbot sich doch Kaufmann Ludwia D ö l l, Mitglied des Vorstandes, im kommenden Winter wiederum das orforderliche Vogelfutter zu spenden. Dankbar sei das hochherzige Verhalten dieses wahren Tierfreundes an dieser Stelle hervorgehoben. Da für Höhlenbrüter nicht nur Wohnungsnot besteht, sondern diese auch noch im Wachsen begriffen ist, weil jeder hohle Baum gefällt wird, so wurde der Vorsitzende ermächtigt ' Nist kosten für Stare, Meisen, Baumläufer, Rotschwänze und Fliegenschnäpper zu beziehen. Aus Wunsch werden sie den Mitgliedern gegen Erstattung des Selbstkostenbetrages Überlassen. ' Wiederholt 'liefen Klagen über Tierquälereien ein. Um Abhilfe zu schaffen, wandte sich der Vorsitzende an das Polizei amt Bietzen. Nach längerer Unterbrechung einer »lofge her Inflation konnte der Verein jedem Crnesw> g^der den Deutschen Tierschutzkalender als Weihnachtsgabe wieder überreichen. Gern hätte Cl-. * o'-t $cn ®d)uliugenb die gleiche Freude be- reitet Leider nötigte ihn seine Mittellosigkeit, ihnen den Kalender nur gegen ein Entgelt von 10 Pt. zu ubettaften Am 30. März 1925 legte Rechner Leit- !V rr , chnung vor. Hiernach betrug der lieber fcyuß 440,8'> Mark. Die Rechnung mürbe für richtig befunden. Namens der Hauptversanimlung wurde daraufhin dem Rechner Entlastung erteilt.