Ausgabe 
1.4.1925
 
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Nr.rr Slvettes glatt Gietzen« Anzeiger (Seneral-Anzeiger flr Gderheffen)Mittwoch, April 1925

tos ßeätt wafferdicht »acht und Springe und Risse verhindert. Darum merken Sie sich Bubis 2eibspruch.

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Büdo Terpentinölcreme

Immer für die Schuhe nehme.

punkt des 70er Krieges stand, daß der Kriegszu­stand eine würdig zuruckhallende Gastlichkeit gegen über der feindlichen Einquartierung nicht aus- schließt. Dieser Umstand gab mir die Möglichkeit, mich des öfteren mit ihm zu unterhalten, und in einer dieser Unterhaltungen erzählte er mir, daß der Gras Saint Collier, der von 1878 bis 1880 die französische Republik beim deutschen Koi- jerhofe vertreten hat und sich vorzüglicher Beziehun­gen zum Fürsten Bismarck rühmen konnte, gleich ihm aus dem Departement der Aisne gebürtig und mit ihm persönlich befreundet gewesen sei. Sein Freund habe ihm nun gesagt, daß er eines Tages zu Besuch bei Bismarck gewesen sei und daß er im Laufe der Unterhaltung dem Fürsten Bismarck folgende Frage vorgelegt habe:Das alles haben Sie erreicht, Durchlaucht. Welches ist nun das nächste große außenpolitische Ziel, das Sie sich gesteckt haben?" Und die Antwort des Fürsten habe gelautet:Gar k e i n s, Deutsch­land ist vergleichbar einer bon conftrictur, die oer baut. Aber die nächste Generation, die noch mir kommt, die wird ein deutsches Reich errichten, das von der Nordsee bis noch Triest reicht." Bismarck ein Großdeutscher! Mag fein, daß mancher ungläubig den Stopf schüttelt: auch ich habe meinem Gewährmann gesagt, daß kein an­derer Ausspruch Bismarcks bekannt sei, der solche Gedankengänge verrate, und habe die Frage hinzu- gefüflt, ob nicht vielleicht ein Irrtum möglich fei. Er blieb indessen mit großer Bestimmtheit bei sei ner Behauptung ^md zeigte mir zum Beweise die stenographischen Sitzungsberichte des Departements der Äisne, laut welchen er bei Ausbruch des Krieges in dieser Körperschaft das gleiche berichtet hat. Und wenn mau sich die Sachlage vergegenwärtigt, so scheint es auch psychologisch durchaus nicht unwahr­scheinlich, daß Bismarck sich in diesem Sinne ge­äußert hat. Worauf mußte es ihm im Augenblick an- kommen.-' Den Vertreter Frankreichs zu beruhigen und ihm klar zu machen, daß, nachdem wir die uns geraubten alten deutschen Gebiete zurückgewonnen, wir keinerlei Neigung und Interesse verspürten, den französischen Besitzstand weiter zu schmälern. Im Augenblick überhaupt keine weiteren außenpoli­tischen Ziele und in der Zukunft die Gründung des großdeutschen Staates, auf dessen Errichtung der große Realpolitiker für die Gegen­wart hatte verzichten müssen.

Bismarck, der Erzieher des deutschen Volkes zum 'Nationalgefühl, Bismarck ein Graß- deutscher! Wandeln wir in seinen Bahnen und tun wir unsere Pflicht, daß dieses deutsche National- gesühl zur lodernden Flamme anwachse. Dann wird sie alles verzehren, was sich der Verwirklichung un- eres unverbrüchlichen Rechtes entgegenstellt, alles, was deutsch ist nach Blut, Sprache und Kultur zu­sammen zu fasten in einem großen, mächtigen, freien Reich der Zukunft.

Aus der Provinz.

Landkreis «ießeu.

x ffiieferf, 30. März. Die auch in diesem Winter regelmäßig gehaltenen und von unserer Lehrerin. Fräulein Ratz, geleiteten F rauen - abende des eo. Frauenoereins erhielten vorigen Donnerstag hi dem Gemeindefaai ihre Krönung durch eine" stark besuchte Schlutzfei e r. Der Ortsgeistliche beleuchtete in feiner Ansprache die Zukunstsaufqaben des Vereins, zumal gegen­über der großen Not unserer Gememdejugend, und dankte mit warmen Abschiedsworten der langjäh­rigen treuen Lehrerin und stellvertretenden Leiterin des Vereins, die uns jetzt verlassen Hot, um als Leh- rerssrau in diesem Jahre ein neues Heim zu grün­den. Ein Mitglied des Vorstandes gab in einem Geschenk diesem Dank sichtbaren Ausdruck. Die, wie früher, wieder eingelabene Sßartburgjugenö hals durch die Ausführung eines Bühnen- und Schattenspiels, durch Vortrag von Gedichten und Musikstücken der ßautcnabtcilung den Abend bei Kaffee und Kuchen zu verschönen. An bem läge gerade eingetroffene Blumensträußchen aus Her - magor in Samten wurden zum Besten des dortigen Kirchenbaus verkauft.

Kreis Schotten.

Schotten, 31. Marz. Zwecks Erfor­schung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt wurden jetzt in allen Ge­meinden des Kreises Umfragen nach fetten gewordenen Tieren und Pflanzen angestellt. Dabei zeigte sich's. daß VögA die früher zahlreich untere Waldungen 5«>ollerten, wie Schwarzspecht und Wiedehopf, im AuSsterben begriffen sind. Man will durch Gründung von Vogelschutz- oder sonstigen Ratur- und Hrimat-- vereinen der Verminderung und Vernichtung unserer heimischen Tier- und Pflanzenwelt ent­gegenwirken

Laubach, 29. März. Gestern abend hielten unter der Leitung von Kammerdirektor Birnbaum der Bauernbund, die Deutsche DoUspartei, die Deutschnationalen, der Land­jugendbund. der Verband Vaterländischer Ofer- etne eine sehr besuchte Versammlung im großen Festsaale desSolmser Hofs" ab. Oberstudien­direktor Dr. Keller (Büdingen) besprach die Persönlichkeit des Oberbürgermeisters Dr. Jar­res. den er als den in jeder Hinsicht best- geeigneten Kandidaten für den Posten des ^richs- präsidenten empfahl. Pfarrer D. Fritsch aus Ruppertsburg führte die Pflichten des wahren Vaterlandsfreundes aus. 2luf den Holz- Versteigerungen der hiesigen Gemeinde, wie auch der umliegenden Orte waren die Preise höher als aur den gräflichen Holzv^stei- genmgen Der Raummeter Duchenfcheiter kostete im Durchschnitt 14 bis 15 Wk.. Duchenknüppel 10 bis 11 Mk., Duchenstockholz 6 bis 7 Mk., Duchenreisig 1 bis 1,50 Wk. Der warme Sonnenschein der letzten Woche hat schon ange- fangen, im Felde recht schädlich zu wir- fen, da die Rächte noch erheblichen Frost zeigen.

)-( Ruppertsburg, 30. März. Am Frei­tagabend sand hier im Saale des Gasthauses ßum Löwen" ein Vaterländischer Abend statt, zu dem die Ortsgruppen der im Reichsblock vereinigten Parteien und Ver­bände eingeladen hatten. Etwa 120 Personen waren der Einladung gefolgt. 2m Mittelpunkt der Veranstaltung, die von Bürgermeister H ö g y geleitet wurde, stand ein Vortrag des Ortsgeist­lichen, PsarrerS D. Fritsch, dessen Inhalt man in die WorteRationale Pflicht am 29. März" zusammenfassen könnte. Umrahmt waren seine Worte von Musikstücken der hiesigen Kapelle, ge­meinsam gelungenen vaterländischen Liedern und Deklamationen durch die Herren K. Rebe und W. H u s s e I.

Ärcie Büdingen.

Ridda, 30. März. Reben den bekann­tenSchleppern", die in verschiedenen Gü­tern der Umgebung eingeführt sind und sich gut bewähren, und den kleinen Fordwagen. beide amerikanische Fabrikate, sieht man jetzt auch größere Personenwagen mit Harfen Motoren desselben Ursprungs aus den Landstraßen. Sie haben Linkssteuerung, zeichnen sich durch einen fest lautlosen Gang aus und sind mit allen Reuerungen modernster Aulo- technik ausgestattet. Auffällig ist. daß diese ame­rikanischen Wagen, einschließlich aller Trans­portkosten, nicht zwei Drittel des Preises aus­machen, die für gleichwertige inländische Wagen zu zahlen find.

Mrcie Alsfeld.

H Alsfeld. 31. März. Ein seltener Kunst­genuß wurde uns am Montagabend geboten. Die Darmstädter Madrigalvereini­gung unter Leitung ihres Dirigenten Privat- dozent Dr. Roack von der städtischen Akademie der Tonkunst in Darmstadt gab in der hiesigen Walpurgiskirche, die sehr gut beseht war, ein Passionskonzert. Die ausgeglichenen, stimmlich reinen Chöre, die man zu hören bekam, verdienen vollste Anerkennung. Den Höhepunkt bildete die achtstimmige Motette des AUmeisters Ioh. Seb. Bach:Komm Jesu, komm", ein Meisterstück Dachscher Vertonung, die vom Chor in formvollendeter Weise herausgebracht wurde, wobei das klangschöne Stimmenmaterial der Madrigalvereinigung besonders gut zum Aus druck kam. Verschiedene Orgelvorträge des Herrn Dr. Roack verliehen der ganzen Veranstaltung eine angenehme Abwechslung. Die von dem Lei­ter Herrn Dr. Roack getroffene Anordnung, die einzelnen Chorwerke vor dem jedesmaligen Vor­trag kurz gemeinverständlich zu erläutern, wurde von dem erschienenen Publikum dankbar begrüßt.

er. Homberg a. d. Ohm, 30. März. Am Freitagnachmittag sand in der Stadthalle die öftentliche Schlußfeier der Höheren Bürgerschule statt, die non den Schülern. Eltern und Freunden der Anstalt gut besucht war. Instrumentale Darbietungen, der Vortrag verschiedener Gedichte, Schülerchöre und ein Märchenspiel bereiteten den Besuchern viel Freude. Die Feier stand im Zeichen eines be­sonderen Abschieds. Der seitherige Leiter der Höheren Bürgerschule. Studienrat Kühn, wurde nach Off enbach verseh Sechs Jahre lang bat er der Anstalt vorgestanden. 2n ferner Ab­schiedsrede gedachte er der Freuden und Leiden die feine verantwortungsreiche Stellung mit sich bradjten. Sern Wunsch war, daß die Anstalt auch nach fernem Weggänge weiterbestehen möge. Er verabschi^>ete sich vom Lehrerkollegium, dem Kuratorium, den Freunden und Gönnern der Anstalt und zuletzt auch von allen Schülern. Die mit sichtlicher Rührung vorgetragene, fein durch­dachte Abschieds rede ließ die Herzen aller Zu­hörer angeregt mitschwingen Der Weggang dieses Schulmannes wird allgemein sehr bedauert. In der vorigen Woche suchte der hiesige Stadt- v o r st a n d unter Führung von Pros. WaIbe - Darmstadt und der Herren des Bauamts Als­feld einen für die Aufstellung eines Krieger­denkmals geeigneten Platz zu finden. In Betracht tarnen je ein Platz bei der Kirche, bei dem Rathaus und bei der Kapelle. Für den letzteren entschied man sich, wobei man gleich­zeitig die innere Ausstattung derselben zwecks Anbringung der Gedenttafeln für die Gefallenen ins Auge faßte- Der tüchtige, weit über die Grenzen Oberhessens hinaus bekannte prakttsche Arzt Dr. Karl Wagner ist hier ver­storben. Der im Dienste der Jugend­pflege stehende Lehrer Lehs aus dem Kreise Kirchhain veranstaltete am Mittwochabend für Erwachsene und am Donnerstagmorgen finematographische Vorführungen für Schüler von Homberg und ilmgegenb. Er ließ den Film Shakletons Todesfahrt vor uns ab- rollen.

Kreis Wetzlar.

j. Dutenhofen, 31. März. Ein Auto­unfall, der sehr leicht schlimme Folgen haben konnte, ereignete sich heute mittag am hiesigen Dorfeingang. Von zwei Autos, die die Haupt­straße von Wetzlar mit sehr hoher Geschwindig­keit passierten, verlor der Führer des letzten Wagens beim Rehmen der Kurve an der Tansformatvrenstation die Herrschaft über das ©teuer, über s uhr glatt einen noch jüngeren, etwa 10 Zentimeter starken Straßen­baum und kam abseits der Sttaße an einem mächtigen Birnbaum, der der Wucht des Wagens standhielt, zum Stehen. Die Insassen tarnen glücklicherweise mit dem Schrecken davon, wäh­rend das Auto stark beschädigt wurde, so daß es später mit einem Lastwagen nach Gießen geschleppt werden mußte. Wie wir noch hören, ist das Auw nach Marburg zuständig.

Hesfev-Nasiau.

* Warburg. 30. März. Die Orgel der St. Elisabethkirche wurde mit einer elektrischen Gebläseeinrichtung ausgeflattet. Es

standen dem Projekt eine Reihe besonderer Schwierigkeiten im Wege, welche von der Orgel baufitma Förster und Ricolaus in Lich aufs vortrefflichste gelöst wurden. Die mächtigen Zinn- prospettpseften. welche leider auch ein Opfer des Krieges wurden, find von der Firma schon im Jahre 1916 erlebt worden.

fpb. Frankfurt a. M.. 31. März. Dem nach 35jähriger Amtszeit aus dem Dienst der Stabt schei benben Kämmerer, Prof. Dr. Heinrich Bleicher, würben im Magistrat bei einem feierlichen A b schiebsakt herzliche wohlverdiente Ehrungen zu teil. Im Magistratsitzungssaal wirb da-.- Bild bes Kämmerers neben den Bildnissen der Oberbürger meister Platz finden. Außerdem überreichte man Prof. Bleicher die silberne Plakette der Stabt Frankfurt und einige wertvolle Ra­dierungen mit Frankfurter Ansichten. Der am letzten Freitag vom Schwurgericht zum Tode verurteilte Landwirt Michel aus Hahn bei Pfung­stadt hat heute früh dem Geistlichen der Strasan anftalt Preungesheim ein offenes Geständnis ba hin abgelegt, daß er an dem Mordtage den Kauf­mann Land mann mit Strychnin vergif t e t, die Leiche dann verschnürt und in den Main geworfen habe. Michel hatte die Tat in der Vor Untersuchung und vor allem während der vier tägigen Schwurgerichtsverhandlung mit aller (Ener­gie bestritten. Das Gericht oerurteiltc ihn lediglich aus Grund eines Indizienbeweises am Freitag zum Tode.

Eine merkwürdige Naturerscheinung

fpd. Frankfurt a. M, 31. März. Eine gelbe Gewitterwolke, bic Montag nach­mittag über Frankfurt zog und etwa 3/i Stunden lang eine ägyptische Finsternis ver­breitete, hat allen denen übel mttgespielt, welche es eilig hatten und deswegen die Straßenbahn benutzen muhten. Die eigentümliche meteorologische Erscheinung. die eine Gewitterwolke von schätzungsweise 8000 Meter Höhe darstellt, hatte unsere Stadt derart verdunkelt, daß in allen Häusern. Geschäften und Industrieunternehmun­gen zur ungewöhnlichen Stunde Licht gebrannt werden mußte. Aus diesen abnormen Verbrauch war das Eleltrizitätswerk nicht ein­gerichtet und dem plötzlichen Ansturm auf die Lichtleitungen nicht gewachsen. Cs mußte des" wegen die Stromzufuhr an das Lei tungsneh der Straßenbahn abge stellt werden und eine stündige Der tehrSruhe eintreten. Erst als eine Derstär fung der elektrischen Energie durch die Inbetrieb­nahme weiterer Maschinen hergestellt war und die Strommenge abgegeben werden konnte die sonst in den Abendstunden benötigt wird, kannte der Straßenbahnbetrieb wieder in Gang kommen.

Kirche und Schule,

Dorfkirchenvorsteher-Tagung in Angersbach.

hml. Lauterbach, 31. März. Die Dors- tirchensreunbc hatten zu einer Dorfkirchen vorstehertagung am Montag nach Angers bad) ein geloben. Nahezu 300 Kirrhenvorsteher und andere Gäste hatten sich aus der Nähe, dem V" gclsbcrq und bem Schlitzerlande eingefunben. Für die Bewohner Augersbaitts war dies ein Festtag. Herzlich war die Begrüßung und Aufnahme, bic die vielen Gäste in dem freundlichen Dorfe fanden. Die Tagung begann mit einem erhebenden G o t t e 5 b i e n ft e in ber schön geschmückten Kirche. Den Mittelpunkt bes Gottesdienstes bilbete bic packende und eindrucksvolle Predigt des Prälaten D. Dr. Diehl- Darmstadt über Offenbarung Ioh. 3, 13, in der er über Not und Rettung der Kirche sprach. Um z» stärken, was sterben will im gegenwärtigen Geschlecht, brauchen wir in Volk und Kirche den Geist der Kraft, der Liebe und ber Zucht, dazu ge­hört das ernsteste Verantwortungsgefühl und Herz liches Erbarmen mit dem jungen Geichlecht unserer Tage, das in Niedergang geraten ist. Nur auf diesem Wege ist an ein Emporkommen zu denken. Dank bar sei des Männergesangvereins gedacht, ber unter der sicheren Leitung bes S)errn Schäfer brei Chöre in vollendeter Weise vortrug. Den Altardienst versah der Ortsgeistliche Pfarrer Stutz, der sich um das Gelingen der Tagung sehr verdient gemacht hat. Nach dem Gottesdienste bc gönnen die Verhandlungen im Möllerschen Saale. Der Vizepräsident der hessischen Landeskirche, Ge he im rat Dr. Bembeck-Darmstadt, hielt einen eingehenden, aufklärenden Vortrag überDie Aufgaben ber Kirchenvorsteher in bezug auf bic finanzielle Lage ber Einzelgemeinde und ber Landeskirche". Beherzigenswerte Worte, die gewiß ihren Eindruck nicht verfehlt haben, sprach bei Präsibent über die den Kirchenvorstehern obliegen den Pflichten und Aufgaben. Auch die Kirchensteuer für 1925, die auf einer gerechten Grundlage für die Veranlagung ausgeschlagen werden kann, sowie die jetzt angeforderte allgemeine Umlage der Kirchen gemeinden tarn zur Sprache. Nach dem Dortragc trat eine Mittagspause ein, in der die Teilnehmer in den gastfreien Häusern ber ©emeinbe aufs freundlichste und beste bewirtet wurden. In einem weiteren Vortrage behandelte Landesjugendpfarrer Zentgraf-Darmstadt das Thema:Der Kirchenoorsteher und die Jugend seiner Gemeinde'. Der von tiefgründiger Sachkenntnis und einer gro ßen Liebe zur Jugend zeugende Vortrag machte auf die Zuhörer den tiefsten Eindruck. Dekan Müller-Lauterbach, der die Versammlung leitete, sprach den Dorfkirchenleuten den herzlichsten Dank dafür aus, daß sie eine Tagung im Dekanate Lauterbach ermöglichten, und forderte dazu auf, die Jugend lieb zu haben und hierdurch den Wer, , zu finden zum Segen für die Jugend. Unser neuer Superintendent, Oberkirchenrat Wagner, der zu aller Freude der Tagung bei wohnte, sprach seine Freude und seinen Dank aus : für die freundliche Aufnahme, die er gefunden, unk rückte mit seinen weiteren Worten des Heilande? Stellung zur Jugend ins Licht. Den Dank der Don'

guBismarcks Geburtstag!

Von Hans Arthur v. Kemnitz, Kaiserlicher Gesandter a. D., M. d. R.

Ais wir vor 10 Jahren den 100. Geburls tag des Gewaltigen feierten, ber uns das Reich geschenkt hat, da standen wir draußen im Felde, im Kampfe gegen bic gan^e Welt, und obwohl der Feinde viele waren, dachte doch nie­mand daran, daß wir in diesem Kampfe unter liegen, daß das Werk des .Reichsgründers in sei­nem Bestände gefährdet werden könnte. Im Gegen­teil, im Vertrauen auf unser gutes Recht und deutsches Heldentum, das sich tagtäglich von neuem offenbarte, hofften wir, baß bas Bis- marcksche Erbe innerlich gefestigt und äußerlich rer mehrt aus bem uns aufgezwungenen Riesenkampf hervorgehen würde.

Es ist anders gekommen, als wir wähnten. Hunger und innerer Hader, nicht ber Feinbe Menge hoben uns niebergerungen. Das Bismarcksche Werk ist nicht zerstört, aber es ist grausam ver­stümmelt unb entbehrt des festen Gefüges, das es befähigte, viereinhalb Jahre lang einer Welt von Feinden zu trotzen. Immer von neuem muß man staunen, daß diejenigen, bic von bem alten Reiche als von einem morschen System zu sprechen wagten, gar nicht begriffen, wie sehr sie damit zu­gleich den Meister, der dieses System erfunden und geschaffen, in den Augen unseres eigenen Volkes unb anderer Völker herabsetzten' Ja, sie gingen in ihrer Verblendung so weit, daß sie behaupteten, das Dentschlanb der Nachkriegszeit, bas Deutschlanb des Elends und ber Schmach, sei über Bismarck hinaus- gewachsen! Spotteten ihrer selbst unb wußten nicht wie.

Wen« wir nicht ganz zusammengebrochen sind, io verdanken wir bas ber inneren Festigkeit bes Bismarckschen Baus. Der grimme Hader ber gan­zen Welt und die Unvernunft des eigenen, ver­führten Volkes vermochten seine Grundfesten nicht >,ii zerstören. Was aber bas merkwürdigste unb viel­leicht bas stärkste Zeugnis für Bismarcks Meister­schaft ist, daß dieses selbe verführte Volk trotz zahl- ier Torheiten im einzelnen doch ai. bem Reichs- ganz« n festhielt. Ich habe einen alten Patrioten gc- !onu. einer'ämpser von 1870=71, ber mit Seherblick bie Gefahren, die uns brohten, herauf- iehei' sah und immer mieber auf bic Not- venb nett rnr^tärfter militärischer Rüstung hin- mies, wei>, wie er glaubte, ein unglücklicher trief da- Eroc des Deutschen Reiches bc heulet aniti-e. Bei bem geringen Nationalgefühl mbVm starke i Stammesbewußtsein, welches bem Deutschen eigen, würbe es, so meinte er, den sieg­reicher Feinden ein leichtes sein, die einzelnen jDta: wne und Länder gegeneinander auszuspielen unb so bas .eich zu zertrümmern. Nun wohl, die Feinde Haber es versucht, unb es ist ihnen nicht ge- ungen. E^ ist ihnen nicht gelungen, weil bas deutsche Doli ?,".fammenbleiben wollte, trotz seines ichwochen Nottanalgeftchls. Die Tatsache, baß wir 17 Jahre lang ein großes, starkes, blühendes Staatswesen gewesen sind, das allen berechtigten Ansprüchen eine., modernen Kulturvolkes genügt, diese Tatfach«' reichte aus, den Partikularismus in ber Stunde höchster Not zu überwinden und bem Willen zr t Einigkeit zum Siege zu verhel »en. Ess zeigte sich, daß, wenn wir auch noch des flogen," eifei »den aktiven Nationalbewußtseins er­mangeln, bc andere Bokker auszeichnet, uns durch die Reichs«^ imdung doch wenigstens die Vorstufe dazu, bas bescheidene, duldende, passive National gesuhl zuteil geworden ist, bas auch bei schlechter Führung wenigstens ausreicht, um zusammen zu halten. Die Abstimmungen in Ostpreußen, Ober- Schlesien unir Schleswig-Holstein sind ber deutliche Beweis dafür. So hat Bismarck doch recht behal- te.n mit feinem Wort:Man braucht Deutschland nur in den Sattel zu setzen, reiten wird es schon tonnen". Gewiß, es war nicht immer ein guter Rei­ter', aber reiten tut es trotz alledem.

Wie feiern mir Bismacks Geburtstag in feinem Geiste? Indem wir dafür sorgen, daß aus dem schwelenden Feuer passiven Deutschbewußtseins die lodernde Flamme tätigen, opferfreudigen Natio­nalgefühls sieghaft hervorbricht, mächtiger unb grö- jein Werk mieber aufzubauen, mächtiger unb grö­ßer denn zuvor. Ja, mirklich mächtiger unb größer denn zuvor. Wird das auch möglich fein? Ja, es wirb möglich fein, meil mit allem Ungemach, das über uns tarn in dieser Zeit des nationalen Zusam­menbruchs, uns auch ein nationales Glück beschie- bca wurde, nämlich die begriffliche Möglichkeit, endlich, endlich das ganze deutsche Volk in Mitteleliropa zu einem großen, einigen Staats­wesen gisammcnzuschließcn. Solange die Habsbur per in Win residierten, schien dieses Ziel so gut wie unerreichbar. Der Verrat, den sie im Weltkrieg an der deutschen Sache übten, hat sic den deutschen Herzen ihrer eigenen Untertanen entfremdet. Alles vergibt der Deutsche in seinem gutmütigen Sinne; nur eines nicht, unb das ist Verrat unb Untreue. So ist das Hindernis, das der Vereinigung des ganzen deutschen Volkes im Wege stand, und das den Reichsgründer ^roang, sich mit ber kleindeut­schen Lösung zu begnügen, aus dem Wege geräumt. Nichts ist mir gewisser, als daß der Gewaltige heute ebenfalls Großdculscher sein würde. Nicht dann treiben mir gute Politik, menn mir uns ängstlich an das halten, mas der Meister unter ganz anderen Verhältnissen einst getan hat, son­dern menn mir seinen Geist zu begreifen suchen und aus diesem Geist heraus selbst Neues schaffen, so wie cs bic gegenmärtigen Um­stände erheischen. Ich bin in der glücklichen Lage, ein Wort des Fürsten Bismarck mitteilen zu kön­nen, das sonst nicht bekannt ist, und das meine Auf­fassung rechtfertigt. . _ ,

Es war im Weltkriege, im Jahre 1916, als- ich eine Zeitlang hinter der Wefffront in der Gegend von Quentin lag. Der Quartiermirt mar, wie er selbst erzählte, eines der drei Mitglieder des fran­zösischen Senats, die in dem von uns besetzten Ge­biet zurückgeblieben mären. Es war ein prächtiger alter Herr, der noch auf dem ritterlichen ntand-

Bubi hat nie nasse Füße

denn er pflegt seine Schüße unb Stiesel mit dem hervorragenden Schuhputz