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Aus Der Provinz.

Landkreis Gießen.

V Watzenborn-Steinberg 29. Oft. 2lm Sonntag wurde hier und inGarbenteich das Erntedankfest gefeiert. Die Gottesdienste waren in beiden Gemeinden sehr gut besucht. In Watzenborn zogen die Kinder mit dem Pfar­rer in die Kirche, jedes Früchte, Blumen und Evntegaben tragend. Die Kollekte für kirch­liche Nothilfe ergab in Watzenborn-Steinberg 38 NA-, in Garbenteich 30,10 Mk.

Kreis Friedberg.

4 Dad-Nauheirn, 29. Oft Daß man beim Umgang mit Gas nicht vorsichtig genug fern kann, beweist folgender Vorfall, der sich gestern hier zu­trug. Eine hiesige Installationsfirma war in einer Villa mit Reparaturarbeiten beschäftigt. Em Lehrjunge erhielt den 2Iuftrag. AU prüfen, ob die Gasleitung zum Badeofen dicht sei. Er zündete ein Streichholz an, um die Leitung abzu­leuchten. Da schon Gas ausgeströmt war, entstand eine heftige Explosion, deren Wirkung zum Glück dadurch abgeschwächt wurde, daß das Fen­ster geöffnet war. Eine starke Flamme schlug aus dem Fenster ins Freie. Der Lehrling erlitt st arke D r an dwu n de n im Gesicht und an den Hän­den und muhte ins städtische Krankenhaus ver­bracht werden. _

Bad-Nauheim, 30. Oft. Auf Veran­lassung der hiesigen Abteilung der.Deutschen Koftonialgesellschaft sprach gestern abend einer der größten deutschen Kolonialhelden und -forscher, Reichsarchivrat Major a. D. Dr. h. c. Dehner, über seine Erlebnisse in Neu-Gui- nea während des Weltkrieges. Die Veranstaltung war sehr stark besucht, auch aus der Umgebung. Die Zuhörer verfolgten die durch Karten und Lichtbilder erläuterten Ausführungen mit größter Spannung. Das Gefühl für die Not­wendigkeit deutschen Kolonialbesitzes tat sich in regem Beifall kund. Oberamtsrichter Dr. Fuhr, der Vorsitzende der hiesigen Abteilung, dankte in herzlichen Worten und rief die Anwesenden auf. die deutschen Kolonien, die uns durch den Schmach­frieden von Versailles ohne Grund und Recht geraubt, nicht zu vergessen. Der koloniale Gedanke müsse wach bleiben im deutschen Volke, vor allem unter der Jugend.

sf. Friedberg, 28. Oft Die Direktionen ter beiden höheren hiesigen Lehranstalten, der Au gu st ine r s chu l e (Gymnasium und Ober- realschule) und der Schillerschule (höhere Mädchenschule), erlassen eine gemeinsame Bekannt­machung, wonach sie im Laufe des Winters eine Reihe von Veranstaltungen allgemein­bildender Art veranstalten werden, um da­durch die Beziehungen und das freundliche Ver­hältnis zwischen Schule und Elternhaus zu kräftigen. Geplant sind: Vorträge, musikalische Aufführungen, ein Theaterabend und ein Weih­nachtsspiel. Eröffnet wurden die Veranstaltungen gefiern abend durch einen Vortrag des Ober- studiendirektors Altendorf3n die Eiswelt des Berner Oberlandes und Zermitts". Der Vor­trag, der in der Aula ter Augustinerschule statt­fand, war gut besucht und fand beifällige Auf­nahme: unterstützt wurde die Wirkung noch durch prachtvolle Lichtbilder nach wahrhaft künstlerischen Aufnahmen seines Reisegefährten Prof. M-olz. Auch ter Ges ch ichts - und Altertum s - verein kündigt an, daß er im Lause des Win- 'ters ungefähr sechs Vorträge veranstalten wird. Er wird schon Mittwoch mit einem Vortrag des Geheimerats Pros. Dr. Dehag h e I überDeutsche Personennamen" beginnen. Dem Dortrage kann man mit um so größerer Spannung entgegensehen, als ter hochgeschätzte Gelehrte sich erst vor kurzem im hiesigen Volksbildungsverein mit einem Ver­trage überDeutsche Scheltworte" so vorteilhaft eingeführt hat. Da auch das Polytechnikum wieder wie in früheren Jahren eine Reihe von Vorträgen allgemeinbildender Art bringen wird (mir nennen u. a. nurDer Roman des 19. Jahr­hunderts", Prof. Collin-Gießen:Die Kunst Ser Gegenwart", Prof. Keller:Deutsche Wirtschaftstunte", Privatdozent Dr. Gran­de r e t - Gießen ufax), so wird es ter Bevölkerung Friedbergs in der nächsten Zeit an geistiger An­regung nicht fehlen.

4 Friedberg, 29. Oft. Das Interesse: für das Radio nimmt auch auf dem Lande ständig zu. Es gibt in der We tterau kein Dors mehr, das nicht seine Radioanlagen hat. So sind beispielsweise in Okarben allein 28, In Klein-Karben nahezu 50 Anschlüsse.

Kreis Schotten.

-4- Schotten, 29. Oft. In der Nachkriegs­zeit ist auf dem flachen Lande, wo früher kaum ein Schachbrett heimisch tourte, ein sehr erfreu­licher Aufschwung des schachlichen Le­bens zu verzeichnen, an dem unsere Heranwach­sende Jugend hervorragend Anteil hat. Auch in unserer Stadt ist die Zahl der Schachfreunte so groß geworden, daß man die Gründung eines Schach klubs ins Auge faßt, von dessen

Wirken man weitgehendste Anregung und Forde­rung erhofft.

% Eichelsdorf, 29. Okt. Das Landes­kirchenamt hat angeordnet, daß für die während der Inflationszeit verpachteten ® r unb» stücke ter Pfarrei in diesem Jahre der Pacht­preis 1913/14 zuzüglich 20 Prozent für Abgeltung ter Steuern und Abgaben zu er­heben sei. In Anbetracht ter Mißernte er­mäßigte der Kirchenvorstand den Preis auf die reine Friedenspacht, was manchem, den es angeht, immer noch recht hoch erscheinen will

'-4- Ober-Schmitten, 29. Oft. Der seit­herige Auslandkorrespondent der Moufangschen Papierfabrik, E. Schuster, tritt in ten ersten Dezdmbertagen die Reise nach China an, um sich geschäftlich in Scha nghai n i e der zu - lassen. Der Auswandernte, ter sich in dec Vor­kriegszeit längere Zeit in England und Afrika aufhielt, kehrte zurück, als das Vaterland seine Sohne rief, wurde mehrmals als Offizier ver­wundet und geriet in Gefangenschaft. Jetzt will er sich im fernen Osten eine Existenz grünten.

Kreis Alsfeld.

-er. H o m b e r g a. ö. Ohm, 29. Oft. 2n der jüngsten Gemeinderatssihung wurde die Anstellung zweier Nachtwächter sowie die Aufstellung von '4 Minimax-Appa- raten zur Bekämpfung der Feuersge­fahr beschlossen. Auch unterhielt man sich ein­gehend über die Gründung resp. Umtoanölungi der Spar- und Kreditkasse in eine Bezirks­spa r t a s s e. Gelegentlich der am Sonn­tag abgehaltensn Kirchweihe wurde in die Wohnung des Bäckers und Wirts Karl Schepp von zwei Kerlen nachts ein ge­brochen. Schepp war an diesem Sage Pächter ter Stadthalle und mit seinen Angehörigen darin beschäftigt. Es gelang, die Eindringlinge zu ver­haften und ins hiesige Gefängnis ab^u fußren. Der eine derselben war ein früherer Knecht Schepps und sonach mit den Oertlichkeiten ver­traut. . j

* Alsfeld, 29. Oft. Die hiesigen wirt- schaftliche n Vereinigungen (Kaaftn. Verein, Einzelhandelsvereinigung, Ortsgewerbe­verein, Hausdffiherverein, Hypothetenglaabiger- undSpararschuhverband, Rentnerbund) nahmen am Sonntag in einer öffentlichen Versammlung in der Turnhalle Stellung zur Landtags- Wahl. Nach eingehenden Referaten verschiedener Redner wurden, derOberhess. Ztg." zufolge, die Forderungen der Versammlung tote folgt einstimmig gebilligt: 1. Erspa­rung in der Verwaltung: a) Abbau des Arbeits- unb Wirtschaftsministeriums, b) Zurück­führung der minifterialen Vorstände, Ministerial- und Staatsräte und sonstiger Minisl erialbeamten auf den Stand der Vorkriegszeit, c) Revision des Minister-Pensionsgesetzes. d) Vereinfachung des Steuerwesens in Veranlagung und Verwaltung. 2. Entpolitisierung des De amten­stan d e s. a) Besetzung ter Stellen lediglich nach Vorbildung unb Fähigkeiten, b) Keine Bevor­zugung bzw. Benachteiligung auf Grund der poli­tischen Einstellung. 3. Berücksichtigung der Belange der Erwerbsstände bei Schaffung von Gesetz en und Ver­ordnungen. a) Schutz der nationalen Wirt­schaft. b) Vereinfachung des Steuer Wesens m Veranlagung und Erhebung, c) Größeres Ent­gegenkommen bei Stundungen tm Falle wirt­schaftlicher Schwierigkeiten, d) Beseitigung aller jetzigen unb künftig geplanten Sondersteuern, c) Belebung ter Bautätigkeit, Hinwirkung auf zeitgemäße Aenderung, möglichst gänzliche Auf­hebung des Reichsmietengesetzes, f) Aufhebung der 3. Steuernotv-erordnung unb Ersatz durch ein entsprechendes Gesetz auf gerechter Grundlage. 4. Völlige Wiederher stellung der Selbstverwaltung ter Gemeinden einschl. Steuerhoheit. Soweit diesbezügliche Gesetze und Verordnungen der Regierung des Reiches unterliegen, ist von feiten der hessischen Regie­rung auf die restlose Erfüllung unserer Forde­rungen hinzuwirken.

Starkenburg unb Rheinhessen.

* Darmstadt, 29. Oft. (Eig. Bericht.) Die Gemeinde Griesheim hat mit der Allge­meinen Gas- undElektrizitätsge- s e l l s ch a f t in Bremen, welcher gemäß einem vor mehreren Jahren abgeschlossenen Vertrag die Versorgung der Gemeinde mit Gas und Elektri­zität zusteht, neue Verhandlungen ausgenommen, daß dieser Vertrag um 10 Jahre verlän­gert wird. Die Allgemeine Gas- und Eleftrizi- tätsgesellschaft muß sich dafür. ver­pflichten, kostenlos das Ortsnetz zur Elektrizi­tätsversorgung anzulegen. Der Vertrag wird vor­aussichtlich angenommen. Bemerkenswert ist, daß Griesheim eine sozialdemokratische Mehrheit im Gemeinderat und einen sozial­demokratischen Bürgermeister hat, es aber doch vorzieht, mit einem Privatbetrieb zu arbeiten, anstatt Gas unb Elektrizität öffent­lich zu bewirtschaften. Ein Manfarden- bieb schlich sich in eine Dachkammer ter Stu­

dentischen Wirtschaftshilfe in der Aleanderstraße ein unb schloß, als jemand die Kammer betreten wollte, die Tür von innen ab. Als man Werkzeug holte und die Tür gewalt­sam öffnete, hatte sich der Dieb inzwischen ajn einer C© aschleine aus 16 N! eter Höhe auf die Straße ßerab gelaufen unter Mitnahme mehrerer Kleidungsstücke.

Heffen-Nafsan.

S. Frankfurt a. M., 29. Okt. Hier ist ter Nassau ifche Derkehrsverbanb wie­der aufgelebt ter schon im Jahre 1914 gegrünt et wurde, aber durch die Krtegsjahie wenig Gel­tung hatte. Es waren alle in Frage kommenden Orte vertreten, unb es soll eine großzügige Ver- kehrspolitik begonnen werden, die sich auf das Siedlungswesen, die Nutzbarmachung ter Wasser­läufe unb die Verbesserung des Zugverkehrs er­streckt. In Frankfurt soll eine Zentralstelle ge­schaffen werden. Die Angelegenheit ter be­schlagnahmten Sportkasse derEin­tracht" wird weitere Kreise ziehen. Für die nächste Stadtverordnetenversammlung liegen fast von sämtlichen Fraktionen Anträge vor, die for­dern daß die Steuerschuld bis zur Entscheidung in dem Verwaltungsgerichtsverfahren cmsgff^t werden. Zur Erweiterung des Woh- nungsbauprogramms hat der ^Magistrat beschlossen, Hauszinssteuerhypotheken für weitere 260 Wohnungen im (Betrage von 1 500 000 Mk. zur Verfügung zu stellen. Zur Unterbringung von Obdachlosen wurde ter Ankauf von zwei weiteren Baracken zum Preise von 40 000 Mk. beschlossen.

bl Dillenburg, 29. Oft. Nachdem unser Kreis in ter- letzten Zeit von Viehseuchen ziemlich verschont geblieben war, ist neuerdings die Maul- unb Klauenseuche wieter in Gehöften der Gemeinten Herborn, Erdbach unb Eibelshausen festgestellt Worten. Man vermutet in einem Falle, baß bie Seuche durch bur chzie- henbe Schafherden eingeschleppt tourte.

Strafkammer.

* G ießen, 28. Oft. Dem früheren Lehrer einer hiesigen Privatschule, Peter Scheid, war zur Last gelegt, in ten Jahren 1922 und 1923 mit drei noch nicht 14 Jahre allen Schülerinnen un­züchtige Handlungen vorgenornmew zu haben. Das Schöffengericht Gießen hatte ihn am 20. August 1924 freigesprochen: in zwei Fällen, weil es die Aussagen der beiden Schülerinnen, gegen deren Glaubwürdigkeit die Beweisaufnahme viel Belastungsmateiial hervorgebracht hatte, für eine Verurteilung nicht ausreichend erachtete: in dem dritten Falke, weil es nicht für erwiesen annahm, baß auch in subjektiver Beziehung eine unzüchtige Hrrdlung Vortag. In dem letzten Falle hatte die Staatsanwaltschaft Berufung verfolgt. Die Strafkammer verwarf sie: sie konnte, da die Hauptbclastungszeugin ihre früheren Angaben ganz erheblich abschwächte, nicht feststellen, baß schon objektiv eine unzüchtige Handlung vorlag.

Kleines Schöffengericht.

* Gießen, 27. Ott. Unter Ausschluß ter Öffentlichkeit wurde gegen den Schafhirt Jo­hann Schneider von Maar und zwei seiner Töchter wegen ter schweren Beschuldigung, Blut­schande miteinander getrieben zu haben, verhan­delt. Trotz großen Verdachts, daß ein jahrelanger verbotener Verkehr zwischen Sch. und seinen Töch­tern ftattgef unten hat, konnten nur zwei Fälle ter Blutschande festgestellt wecken. Sch wurde zu zwei Jahren drei Monate Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt, die Töchter kamen mit Gefängnis st rasen von drei unb vier Monaten davon.

Der Arbeiter Konrad Klaar von Ebs­dorf hat als Kassierer des Deutschen Fabrik- arbeiterverbandes, Ortsgruppe Mainzlar, tLZO Mark Krankengeld, die er an einen Arbeitskolle­gen abzuführen hatte, unterschlagen, ihm bzw. des­sen Sohn auch eine Arbeits schürze und ein Paar Schuhe entwendet. Die Schürze befand sich in einem Spind, ten K. gewaltsam öffnete. Gesamt­strafe: drei Monate zwei Wochen Ge­fängnis.

Aus Straf haft vorgeführt tourte ter frühere Wirt unb Anstreicher Friedrich Schneider aus Gießen. Er ist angeklagt, einem Büfett fräulein, bad bei ihm bedienstet war, 2500 Mk. aus einem in ihrem Zimmer stehenden Koffer ge­stohlen und ten Koffer zu diesem Zweck er­brochen zu haben, letzteres konnte in ter Haupt­verhandlung nicht festgestellt werben, wohl aber, daß Sch. bas Geld genommen hat. Trotz seiner lebhaften Proteste und der (Beteuerung seiner älnschuld tourte ihm mit Rücksicht auf seine Vor­strafen ein Jahr Gesängn is zudiktiert. (Bet seiner Abführung toar er sehr laut, wollte alle Gießener Richter ein für allemal ablehnen und sprach von einer ungeheuerlichen Strafe, obwohl das Gericht mit Rücksicht auf seine geistige Min­derwertigkeit große Milte walten ließ.

Eine längere Verhandlung beanspruchte die Anklage gegen den Weißbinder Otto Dr. von

(Bettenhausen wegen Verrats milltSrffchev Geheimnisse. Er war Schupvbsamter in Darmstadt, entfernte sich aber von seiner Truppe unb begab sich in das französische Lager nach Griesheim, an­geblich, um in bie Fremdenlegion einzutreten. Hier blieb er mehrere Monate lang unb tourte von Zeugen in öfterem vertraulichen Verkehr mit dem Leiter ber französischen Spionage-Abteilung beobachtet. Gelegentlich einer Reise in seine Hei­mat wurde er verhaftet unb unter Anklage ge­stellt. Trotz bestehenben Verdachts, baß Br. den Franzosen Spitzeldienste geleistet hat, konnte das Gericht zu einer Verurteilung nicht ge­langen, da ter Hauptbelastungszeuge seine frühe­ren belastenden Angaben unter Eid nicht auf­recht erhielt.

Gerichtssaal.

e Darmstadt, 29. Okt. (Eigener Bericht.) Das Schwurgericht verurteilte den 31jährigen Portefeuiller Johann Martin Loh aus Büdesheim, wohnhaft in Offenbach, wegen Totschlags zueinemIahr sechs Monaten Gefängnis. Er hatte im JuliIs. in der Wohnung seiner Schwiegereltern in Offenbach den Arbeiter Friedrich Siegel erschossen. Der Grund zur Tat war Eifersucht. Lieber die Be­ziehungen Siegels zu seiner Frau war keine Klar­heit zu erlangen, da die Mutter und der Bruder der Frau in der Verhandlung von ihrem Zeug­nisverweigerungsrecht Gebrauch machten. Nach gerichtsärztlichem Gutachten ist Lotz ein hysterisch veranlagter und leicht erregbarer Mensch.

Wirtschaft.

Die notleidende Vörse.

Selbst diejenigen, die im Kampfe gegen die Auswüchse ber Valutaspekulation und ter In­flationshausse in vorderster Reihe gestanden ha­ben, geben heute zu, daß die gegenwärtige Lage ber Börse unb ter an ter Börse tätigen Ge­schäfts- unb Personengruppen durchaus keine be­neidenswerte ist. Cs war zwar vorauszusehen, daß eine endgültige Stabilisierung unserer Wäh­rung krisenhafte Erscheinungen in ter Wirtschaft und besonders auch am Wertpapiermärkte aus­lösen würde. Wenn man aber aus allen Ge­bieten Abbau ter Infüationspreffe unb In- flationSgebräuche forderte, so mußte man konse­quente rweise auch ter Börse diejenigen äußeren Lebensbedingungen wiedergeben, die sie vor dem Kriege teseffen hat. Es gib hier nur zwei Mög­lichkeiten. Entweder stellt man sich auf ten Stand­punkt extremer Sozialisten unb Kommunisten,_ di, in der Börse nur eins der vielen Mittel zu mühe­losem Gelderwerb und zur Ausbeutung ter ar­beitenden Menschheit sehen dann möge man ruhig die Börsen schließen. Sieht man ater ein, baß in einem Staate, ter sich auf ter Grundlage ter Privatwirtschaft aufbaut, Märkte nicht nur für Kartoffeln, Eier, Butter und sonstige Waren, sondern auch für Wertpapiere, in-- und auslän­disches Geld usw. vorhanden sein müssen, um überhaupt ein wirtschaftliches Leben unb einen Güteraustausch zu ermöglichen, so muß man auch bie Zirkulation dieser Güter so leicht wie möglich gestalten. Hemmungen gibt es für die Wirtschaft in unserer schwierigen Zeit ohnehin genug. Gegen­wärtig ist bei ter Beurteilung ber Hohr der (Börfenfteuern als wichtigster Gesichtspunkt die Frage ber Heranziehung ausländischer Kapitalien für die deutsche Wirtschaft in Yen Vordergrund zu rücken. Das Auslarll) torrb und kann sich an deutschen industriellen Unternehmungen nur dann finanziell beteiligen, wenn es bie Gewißheit hat, baß für die Aktien der deutschen Industrie ein gut funktionierender Markt besteht. Vor dem Kriege betrug ber Amfatzstempel für Börsenge­schäfte privater Kunden 0,30 Mk. pro Tausend vom ausmachenden Betrage. Heute werden 15 Mark erhoben. Das ist eine Steigerung auf das Fünfzigfache. Es hat sich erwiesen, daß diese Be­lastung für die Börse um so weniger tragbar ist, als daß tei ten unsicheren politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen die Verlustgeschäfte an der Börse doch mindestens ebenso zahlreich find tote die gewinnbringenden. Wenn die Börse ihre volkswirtschaftliche Ausgabe, die in ber Be­schaffung von Betriebskapitalien für die Wirt­schaft und in der Erleichterung des Kapitalum­laufs überhaupt steht, erfüllen soll, so muß das ganze Gebiet ter Börsenfteuern schleunigst einer gründlichen Revision unterzogen werten.

'Die amtliche G r Osthandel spn dex-- zifser am 2 8. Oktober. Die auf den 28. Oktober berechnete Großhandelsintexziffer des Statistischen Reichsamtes ergibt gegenüber dem Stand vom 21. Oktober (131,1) einen weiteren Rückgang um 2 Proz. auf 128,5.

* Damag-M eguin A.-G. Aus Verwal- tungskreifen Horen wir, daß Generaldirektor Dr. Grifft Schlapper, nachdem die Fusion ber bei­den Konzerne durchgeführt ist, sich nunmehr aus ten Dorstandsgeschäften zurückziehen toirb; er bleibt aber weiterhin im Interesse ter Gesell­schaft tätig.

ii mi pnwi Seltsame Mierwochen.

Roman von Arnold Fredericks.

33. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Er wollte eben das Haus verlassen, als ihn ter Bankier, der offenbar noch etwas auf dem Herzen hatte, zurückhielt.

Herr Duvall," sagte er eifrig,ich würde sehr gerne wissen, was Sie zu tun gedenken."

Ich will versuchen, bie Burschen, wenn irgend möglich, zu fassen," erwiderte ter Detektiv ernst.

Wie wollen Sie das anstellen?"

Noch kann ich es nicht genau sagen. Warum fragen Sie?"

Das will ich Ihnen erllären. Der Wann, ter heute abend hier war ter mit dem schwar­zen Bart kommt morgen abend um acht ITßr zu mir. Mehr kann ich Ihnen nicht sagen: ich wollte Ihnen das nicht einmal sagen, aber ich bin gezwungen dazu."

Gezwungen? Wieso?"

Well ich Ihr Versprechen will, daß Sie Nichts versuchen, um ihn festzunehmen. Hätte ich nichts gesagt, so hätten Sie vielleicht das Haus bewacht. Sie hätten ihn als ten erkannt, der heute hier war. und ter haftet. Ich wünsche, daß Eie auf leine Art sein Kommen und Gehen ver­hindern. Hat er einmal ten Triumphbogen im Auto verlassen, bann ist er frei."

Aber die Polizei?"

Sie kennt das ilebereinfonimen nicht. Fräu­lein Goncourt hat mir ihr Wort daraus gegeben, daß sie Stillschweigen bewahrt. Sie war damit einverstanden, die Leute, bie das Haus bewachen,

zu entfernen. Wenn mein ileberernfonrmen mit dem Manne erledigt ist, können Sie unb die Polizei Ihr Möglichstes tun, um ihn zu fangen, aber bis dahin wünsche ich, daß Sie die Hände davon lassen."

Duvall schwieg eine Weile.

Gut, Herr Stapleton, ich will tun, was Sie wünschen. Um Sie tatsächlich davon zu über­zeugen, werte ich den Abend bei Ihnen tm Hause zubringen."

Gut, ich erwarte Sie. Gute Nacht!"

Gute Nacht!"

Duvall verließ das Haus unb ging sofort nach seinem Hotel.

Hier setzte er sich etwas später in einen be­quemen Stuhl, entnahm die Zigarette aus dem Zimmer des Chauffeurs seiner Brieftasche und betrachtete sie kritisch. Dann nahm er ein Zünd­holz aus ber Schachtel, bie auf dem Tisch tag, steckte die Zigarette zwischen die Lippen und setzte sie sorgfältig in Brand.

Er zog den Rauch in die Lungen, sog ihn tief ein. Einmal zwei dreimal toieterßolte er es, bann lehnte er sich in den Stuhl zurück, schloß die Augen unb versank in Gedanken. Da­tei entglitt der Rest ter Zigarette unbemerkt seinen Fingern und siel zu Boten.

Nach einigen Minuten öffnete er die Augen wieder unb raffte sich auf.

Ich Hab s!" rief er, hob die halbverbrannte Zigarette vom Boden auf und warf sie achtlos in ten Kamin.

Tann faß er an dem Tisch, zog ein Blatt Papier unb den Plan ter Stecht Paris hsrvvL und begann zu zeichnen und zu berechnen. Diese

Arbeit hielt ihn bis spät in die Nacht hinein beschäftigt.

Dreizehntes Kapitel.

Es war nahezu zehn Lihr abends, als der Wagen mit Grace Duvall am Straßenrand an einem Punkt hielt, der etwa vier Mellen außer ber Stadt gegen Versailles zu lag. Sie hatte dem Kutscher den Ort, an den sie zu fahren wünschte, nicht genau bezeichnen können: sie hatte ihm aufgetragen, darauf los zu faßten, bis sie ihm sagen würde, er solle halten. Infolge ihres' Aufenthaltes vom Tage vorher, als sie mit ihren Gehilfen die Nachbarschaft abgesucht hatte, fannte sie ten Fleck ziemlich genau.

Der Rosselenker schien ziemlich überrascht, sie an dem etwas abgelegenen Ort aussteigen zu seihen, zuckte aber mit richtiger Pariser Gleich­gültigkeit bie Achseln, steckte das Fahrgeld, das sie ihm Lab, in die Tasche und fuhr rasch in die Dunkelheit hinein.

Als Grace so am Straßenrand sich selbst überlasten war, fürchtete sie fast, etwas ziemlich Tolles unternommen zu haben Jetzt, da sie hie? toar, wußte sie nicht recht, was sie beginnen sollte.

Rund um sich sah sie die dunklen älmrisse der Häuschen zwischen den Bäumen, hier und da ein vereinzeltes Licht, das einen Haushalt bezeichnete, der spät zu Bett ging.

Die Landleute in dieser (Sege.ib, zum größ­ten Teil Blumen- unb @emürejärtner oder Mel­ker. legten sich mit den Hühnern schlafen, wenn man in Paris zu tafeln begann. Manchmal wurde die Stille vom klagenden Geheul eines Hundes unterbrochen, aber sonst war alles ruhig.

Die Nacht war wolkenlos und am Verblass« ber Sterne gegen Osten sah sie, daß bald ber Monb hinter den Bäumen aufgehen würde.

Neben ber Straße fand sie eine kleine länd­liche Bank, auf der sie sich nieberließ, um au überlegen.

Das Hundegeheul hatte in ihr den Gedaillen erregt, daß sie vielleicht das Hans ausfindig machen konnte, in dem Stapletons Knabe, wenig­stens einige Zeitlang, gefangen gehalten wurde. Säe konnte sich an nichts im Garten unb nur an wenig im Zimmer erinnern, in dem sie ein* gesperrt gewesen toar; aber der Hund, mit dem das Kind im Gras gespielt hatte, hatte sich ihrem Gedächtnis eingeprägt. Sie erinnerte sich genau, daß es ein Pudel war; größtenteils schwarz, mit feinem gekräuseltem Haar, wie eh Astrachan pelz, und spitzer Nase.

Es gab viele solche Hund?, was sie wohl wußte; aber doch hatte jener etwas Besonderes. ' bas ihr ausgefallen war und sie bsstimmt fen Stand setzte, diesen selben Hund wieder zu er­kennen, sollte sie ihn je toterer zu Gesicht be­kommen. Sein langer, buschiger Schwanz, schwarz wie der übrige Körper, endigte in einem Büschel weißer Haare.

Dies war an einem französischen Pudel et« was ganz älngewöhnliches. Sie Halle es vorher; nie gesehen trotzdem sie große Hundeliebhaberin war unb bie Rasse gut kannte. Daburch war ihr das Tier vermutlich zu einer Zeit ausgefallen,» da ihre Gedanken mit viel wichtigeren Singen beschäftigt waren.

(Fortsetzung folgt>

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