m. 101 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Mittwoch, 50. April 1924
Die Weltkrisis des Parlamentarismus
Don W. D a z r l l e. - Stuttgart, Mitglied des
Reichstags und württembergischen Landtags.
Ds ist eine, das Wesen unserer Zeit mit- Bestimmende Tatsache, daß der letzte Triumph BcÄ parlamentarischen Shstenrs in Europa zu- ßammensällt mit einer schweren Krisis dieser Re- gierungssocm. die auf ihr baldiges Ende hinweist.
$tc parlamentarische Regierungsform ist eine Wart der konstitutionellen. Wesentlich für sie KL bah die Regierung nur solange ihres Amtes walten kann, als sie das Vertrauen der Parla- mentsmehrbeit hat. Der Parlamentarismus hat leinen Ursprung in der großen englischen Revolution des 17. Jahrhunderts, als deren endgültiges Ergebnis die Einschränkung der Re- Hierungsrechtr des Monarchen und die Mitherr- fcfrrft der Geburts- und Geldaristokratie anzu- sehen ist. Er kann deshalb in seinem Ursprünge als das Regierungssystem der englischen Aristokratie bezeichnet werden. Diese kannte nur zwei Parteien, die Torys und die Wighs, die Konservativen und die Liberalen, von denen jede einen der beiden Grundsätze vertrat, die jedem gesunden Staatswesen unentbehrlich smd, den Grundsatz fccr Erhaltung und den Grundsatz des Fortschrttts. «Wurde der erste Grundsatz zu stark betont, so siegten bei den Wahlen die Liberalen: war es -umgekehrt, so siegten die Konservativen. Dieser WÄsel verbürgte eine verhältnismäßig ruhige und stetige Entwicklung in einfachen wirtschaft- kichen und staatlichen Verhältnissen. Deshalb strählte viel Glanz von dem „freien" England über Europa, der' zur Nachahmung anreizte. Diese parlamentarische Glanzzeit Englands ist längst vorüber. Sie verblaßte um fo mehr, je demokratischer die Zeit wurde. \
Als tue französische Revolution die Macht des absoluten Königtums zerbrochen hatte, begann für den europäischen Kontinent die Entwicklung, an deren Ende wir nun angekommen sind. Nachdem überall Volksvertretungen zur Beschränkung königlicher Machtvollkommenheit geschaffen waren, vollzog sich unaufhaltsam eine langsame Entwicklung in der Richtung, daß die Parlamente einen ununterbrochenen Kampf um Erweiterung ihrer Rechte und Einschränkung der Rechte des Monarchen führten. Zuerst freilich mußten sie ihre Rechte gegen die Regierung vcr- letbrgen. Aber bald wandte sich das DlatL Die Regierungen wurden in die Verteidigung gedrängt. Sie wurden genötigt, die monarchischen Rechte gegen die Anmaßungen der Parlamente zu versnhten, bis schließlich überall das Parlament zur Regierung wurde. Charakteristisch für diesen Kampf ist die „Konfliktszeit", in der Bismarck um Königsrechte gegen Parlamentsrechte kämpfte und sein späterer ununterbrochener Kampf im Reichstag gegen dessen Bestrebungen auf Erweiterung seiner Macht.
Diesem Drängen des Reichstags nach der Legierungsmacht lagen nicht nur Bestrebungen Ehrgeiziger Parteiführer zugrunde, sondern auch ehrliche, freilich gänzlich unhaltbare Anschauungen. So sagte der sozialdemokratische Abgeordnete David am 30. März 1917 im Reichstag: „3n unserem wirtschaftlichen Leben, in der Technik, in Kunst und Wissenschaft, in unserer allgemeinen Doltsbildung sind wir vornean. Ich glaube auch, daß unsere sozialen Organisationen, soviel wir noch an ihnen auszusehen haben, doch die ersten in der Wett sind. Aber In den politischen Einrichtungen sind wir weit zurück. Wenn wir ein wirklich modernes konstitutionell- demokratisches Staatswesen erlangen, dann wird das deutsche Volk an der Spitze marschieren." Das „wirkliche moderne konstitutionell- demokratische Staatswesen" haben wir inzwichen bekommen, aber niemand wird heute zu behaupten wagen, daß uns dieses an die Spitze der Kultur gebracht habe.
Der Irrtum derer, die an die allgemeine üleberlegeäßeit des parlamentarischen Systems glaubten, lag nicht nur darin, daß sie meinten, es genüge die Übertragung der Form ohne gleichzeitige Übertragung der politischen und nationalen Grundlagen, sondern auch darin, daß der Parlamentarismus für so radikal demokratische Staaten, wie wir sie jetzt überall haben, überhaupt nicht eine taugliche Regierungsform ist.
Dke Brauchbarkeit des Parlamentarismus ist begrenzt durch dir Eigenart der Volker. Der frühere englische Ministerpräsident Balfour sagte einmal: „Die britische Verfassung, wie sie in der Gegenwart gehandhabt wird, ist ihrem Wesen nach ein Parteishstem, aber ein solches kann nur bei wirklichgesunden politischen De r- h ä l t n i s s e n , überhaupt nur unter den denkbar besten Bedingungen arbeiten, wenn nämlich die Gegensätze zwischen den Parteien zwar real, aber doch nicht fundamental oder so revolutionären Charakters sind, daß sie die
Klassen der Gesellschaft oder die verschiedenen Gruppen von Ansichten in gegenseitiger hoffnungsloser Entfremdung trennen." Diese Voraussetzungen lagen bis jetzt in England vor, oer- schlechtem sich aber mehr und mehr. Was den englischen Parlamentarismus bis jetzt lebenskräftig erhallen hat, war der nüchterneprak- tische Sinn des englischen Volkes, der geneigt ist, immer wieder bei eutgegenstehenden Auffassungen zu einem Ausgleich zu kommen. Es war die Vorliebe für die Aristokratie, die bis vor kurzer Zeit auch die englischen Arbeitermassen dazu bestimmt hat, zu einem großen Teil ihre Kandidaten aus der Aristokratie zu entnehmen. Es istderstolzenationaleSinn des englischen Volkes, die Einheitlichkeit seines n a t i o n a l en Geistes, die alle Klassen beherrschenden konservativen Neigungen und schließlich eine ungemein lebendige, bis jetzt durch nichts erschütterte oder unterbrochene politische Tradition. Das find die politischen und nationalen Voraussetzungen, von denen einer der besten Kenner des englischen Parlamentarismus, Redlich, sagt: „Darum findet man den letzten Grund und die eigentliche Erklärung für die den beiden Jahrhunderten d r parlamentarischen Reglerungsweise so charakteristische Erscheinung, daß gerade tn dem klassischen Lande der Parlciregierung und des Partcikanpfcs jederzeit die großen staatlichen Ge amlintercf en aus dem Bereich des Parteiwesens und der Partei- fetybe in ausdrücklichem oder stillem Einverständnis herausgehoben erscheinen " W:r möchte bestreiten, daß bei uns in Deutschland alle diese Voraussetzungen fehlen, daß im Gegenteil an ihrer Stelle die Neigung zu theoretischer Hartnäckigkeit zum Deranntsein in Ideen, zur Rechthaberei und Eigenbrötelei, zur Unterordnung der Gesamt interessen unter die Cinzelintevessen herrscht I Deshalb ist der Parlamentaris nu i ein für Deutschland ungeeigne es Regierungrshstem
Aber der Parlamentarismus eignet sich für- völlig demokratische Staaten überhaupt nicht, auch nicht mrhr für England. Darauf haben erleuchte e Köpfe schon vor langer Zeit hingewie'en. So sagte schon vor Jahrzehnten Ernst Pierre, der beste Kenner des französischen Parlomentswe'ens: „Man findet überall eine rasche En: Wicklung; man kann die in ihrer Macht beschnittenen Regierungen beklagen! man kann s i ch fragen, in welchen Geschicken der Welt diese neuen F o rme n der Zivilisation enden werden die alle Bereiche der öffentlichen Gewalt den sorgfältigen Uebe.legungen der Staatsmänner en'ziehen und sie der plötzlichen Impu sm der Ma fen ausl efern." Und ein ande er Schriftsteller jagte vom panamentariscke r Sy tem voraus: „Mit der Kompliziertheit der modernen Gesellschaften w"mde es die schlechteste Einrichtung, wenn es versuchen würde — wozu es leider neigt — die engen Grenzen des Bereichs des Geeögebers zu überschreiten." Inzwischen hat der Parlamentarismus überall die volle Regierungsgewalt an sich gezogen.
Die Massensuggestion, die nach dem Weltkriege den englischen Wahlen die Richtung gab, nollg'en den damaligen englischen Ministerpräsidenten Lloyd George zu Versprechungen, die khn in Versailles die Hände banden. Mit Recht ist deshalb den englischen Arbeitern einmal vorgehalten worden, die Erwerbslosigkeit in England sei die Quittung für ihre damaligen Wahlen. Versailles ist nicht das Werk von Staatsmännern, sondern von Dolkstribunen, die abhängig waren von Massensuggestionen, Wahlimpulsen, unkontrollle. baren Stimmungen. Unter der Herrschaft des Parlamentarismus be'timmen diese Dinge den Gang der Ereignisse in Europa und nicht die Weisheit der Jahrhunderte. Deshalb bezeichnen auch nur Ruinen den Weg des letzten Jahrzehnts.
Und deshalb ist es auch kein Wunder, daß die Völker Europas sich m^hr und mehr Dom Parlamentarismus lossagen. In Rußland herrscht die „Diktatur des Proletariats", in Italien der Cäsarismus Mussolinis, in Spanien die Militärdiktatur. In England müht sich eine der Parteien nach der anderen feit fünf Jahren vergeblich damit ab, die Probleme der Zeit für England zu lösen Was ein bedeutender englischer Staatsmann, Lord Durleigh gesagt hat: „England wird nie untergehen, es sei denn durch sein Parlament", ist bedrohlicher Erfüllung nahegerückt.
Die europäische Verwicklung nähert sich ihrem Höhepunkt. Bald wird sich zeigen, um mit dem obengenannten Emst Pierre zu sprechen, „in welcAn Geschicken der Welt diese neuen Formen ber Zivilisation enden werden". Die lebenskräftige Verfassung für den unsere Zeit beherr- schen^n Gedanken der sozialen Demokratie ist noch nicht gefunden. Sie gehört zu den Rätseln, deren Lösung unserer Zeit als Aufgabe gestellt ist Es ist wenig Aussicht vorhanden, daß sie ohne schwere Erschütterungen gelöst wird.
AeHmöesWUs-Mii.
Ein Roman aus dem 21. Jahrhundert von Hans Dominik.
83. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Zwar hatte man seit dem engeren Zusammenschluß Europas die militärische Ausbildung der Schwarzen eingeschränkt, aber ganz konnte man sie des Klimas toegen nie. Wohl war es seit Jahrzehnten ein Grundsatz, die schwarzen Hilfstruppen nicht mehr in der vorge- torittenften Kriegstechnik auszubilren, foiueai nur noch nach Art einer Polizeitruppe zu organisieren. Die furchtbaren Kämpfe im französisch-afrikanischen Kolonialreich hatten schon in der zwetten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zur Annahme dieses Prinzips geführt.
Während das rassestolze England auch in seinen schwersten Nöten die Inferiorität der farbigen Rassen in Theorie und Praxis stets betonte und aufrechterhielt, hatte Frankreich ja die selbstmörder sche Politik des alten Imperium CRomanum übernommen. Es hatte die Farbigen seiner Kolonien den Weißen gleichgestellt und seine Rasse verdorben.
Diese Fehler waren nie wieder ganz gut» zumachen, und jetzt besiegelte der allgemeine afrikanische Aufstand das Schicksal der europäischen Kolonien öort
Wenn auch die in Afrika vorhandene schwarze Intelligenz und das dortige schwarze Kapital zunächst nicht ausreichten, alle bisher von Weihen geführten Betriebe zu übernehmen und selbst zu jetten, so gelang es doch, sehr schnell Kapital
und Intelligenz aus Amercka herüberzuziehen, und zwar um so leichter, weil sie dort infolge des mißlingenden Aufstandes in ihrer Entwicklung gehemmt waren.
In schnellem, unwiderstehlichem Sturmlauf hatten die schwarzen Heere in Afrika die geringfügigen weihen Streitträfte überrannt und sich zu Herren der Lage gemacht. Alles, was die schwarze Rasse einst in der Kriegsschule der Weihen gelernt hatte, kehrte sich jetzt gegen die Lehrer. Bemerkenswert war die Disziplin, die dabei auch Don schwarzer Seite gewahrt wurde. Zwar der instinlt.ve Blutdurst der Negerheere kam bei den Massakern voll zum Ausbruch und steigerte sich stellenweise bis zum Blutrausch. Aber die Plünderungen blieben in Grenzen, und weitere Zerstörungen, namentlich der grohen In» dustriewerke, wurden durch eine vielfach drakonische Manneszucht verhindert.
Was in diesen Werken doch vernichtet wurde, ging zum überwiegenden Teile durch die Wirkung der Kampfmittel und bei den gerade in den Werken selbst stattfindenden Kämpfen zugrunde.
Im Laufe weniger Tage war ganz Afrika in der Hand der Afrikaner. Und nun zeigte sich sofort die Notwendigkeit, dem schwarzen Industrieproletariat dort Brot und Arbeit zu schassen. Die neuen Machthaber muhten wirtschaftlich genau an derselben Stelle fortfahren, wo die früheren weihen Herren aufgehört hatten. Soweit die Werke bei den Kämpfen betriebsfähig geblieben waren, wurden sie von der schwarzen Industriebevölkerung aus Selbsterhaltungstrieb so gut es ging in Dang gehalten. Lowell sie -er-
Wirlschast.
Die neuen Micum-Lasten der rheinisch-weftfälischcn (Srostinduftrie.
Sie Belastungen, die dem rheinisch- westfälischen Kohlenbergbau durch das neu? Micum- Ablommcen eit:eh n, kann man letzt oberflächlich berechnen. Insgesamt ruhen auf den Kohlc-Mrcumleistungen in Höhe von über 9 Goldmark bu Tonne, das sind ca. über 43 Prozent des »ur Zctt erzielbaren Verkaufspreises. Qöit. knapp dieser berechnet ist, geht daraus hervor, daß die deutsche Koiste je Tonne ab Werk 20,60 Goldinark kostet die englische dagegen 22 Mark; auch die geringste Preiserhöhung der Kohle bcLrobt deshalb infolge bei hcl.en deutschen Elscn- baynfrachttN, di? weit über denen des Auslandes liegen, den Absatz. Insgesamt ergibt sich auS einer Tonne Belastung eine Gesamtbelastung des gesamten Bergbaues von rund 650 bis 7 00 Millionen Mark auf das laufende Jahr 1924; In diesen Betrag ist die einmalige Köhlensteuer von 15 Mill. Dollar nicht eingerechnet: zu beachten ist dabei, daß außer diesen 15 Mill. Dollar vorn Köhlenbergbau noch welle e 2 Mill. Dollar gezahlt worden sind, deren Rückerstattung die Micum in dem neuen Vertrag jetzt bestimmt versprochen hat.
Di. Großeisenindustrie ist in mehrfacher Beziehung durch die dem Kohlenbergbau auf erlegten Lasten indirekt mit betroffen. Zunächst deshalb, weil die meisten Zechen im Besitz von Hüttenwerken sind, die vom Kohlenbergbau zu tragenden Lasten also indirekt auch der Eisenindustrie zur Last fallen. Weitere Lasten entstehen daraus, daß die Eisenindustrie der größte Verbraucher von Köhlen und Koks ist. Zur Herstellung einer Tonne Stabeisen werden ca. 2,5 bis 3 Tonnen Brennstoffe gebraucht: aus dieser Ziffer lassen sich Rückschlüsse auf die Dordelastung ziehen. Dabei sind die Ellenpreise seit 1923 erheblich gefallen: Oktober 1923 kostete das Stab* eisen 24u Mark, jetzt 160 Mark. Dem Rückgang der Sisenpreise steht aber eine entsprechende Ermäßigung der Selbstkosten nicht gegenüber. S)- wöhl bic Löhne, als auch die Preise der wichtigsten Rohstoffe sind entweder gleich g:b leben, otcr haben sich nach vorübergehender Seniung erhöht. Don Dezember bis heute haben sich z D. die Preise für Schwedene.z gleichmäßig auf 23,5 Kronen je Tonne, und die für spanische Erze auf 21,6 Shilling im Durchschnitt gehalten. Die Schrottprcise haben sogar stark angezogen; im Anfang d.s Monats Dezember stand de. Preis für Stahlschrott auf 72 Goldmark die Tonne, heute ist er auf 85 bis 93 Goldmark gestiegen.
Außer der Vorbelastung des Ei e is durch die Köhl? ist auf die Eisenausfuhr eine Ab - aa b c gelegt, die sich seit der Unterzeichnung des ersten Vertrages mit der Micum ebenfalls stark erhöht hat. Wie bekannt, sah das früh re Abkommen vor, daß die Höhe der ursprünglicher Ausfuhrzölle auf ein Achtel herabgesetzt werde, Monge die Werke unter 50 Prozent ihrer Erzeugung von 1922 herstellten. Dieser Stand der Beschäftigung, der keineswegs mit 53 Prozenll der eigentlich vorhandenen Leistungsfähigkeit gleich- gesetzt cverden kann, ist inzwischen erreicht. Die Micum hat infolgedessen verfügt, haß vom 1. März an 50 Prozent und vom 1. April an wieder 100 Prozent der alten Abgabensätze entrichtet werden müßten. Die Belastung der Eisenausfuhr nach dem unbesetzten Gebiet und nach dem Ausland war damit seit dem Abschluß des früheren Vertrages von l/t bis 3/< Prozent des Wertes auf 4 bis 6 Prozent, je nach dem Verarbeitungs- grab der Erzeugnisse, gestiegen. Das neue Mllum- abkommen sieht einen Nachlaß für bie diesem beigetretenen Werke von 4/= vor. Die Sätze erhöhen sich jedoch automatisch mit 10 Prozent, wenn der Beschäftigungsgrad der Werke zwischen 103 bis 110 Prozent desjenigen von 1922 beträgt, um 20 Prozent, wenn er zwischen 110 bis 120 Prozent beträgt usw. Der D.schäßizungsg.nd der Wecke hat sich gegenüber dem Stand von Dezember ge- ryiDcn, er bewegt sich zur Zeit auf durchschnittlich 80 bis 90 Prozent des I2h.es 1922. Leider berechtigt diese Tatsache keineswegs zu eine: hoß- nungsvcllcren Beurteilung de.- wirtschaftlichen Lage. Sell einigen Woche i stockt die begonnene Entwicklung wi.der, seitdem de.' ersah rungs mäßig im Frühjahr immer auftretende stärlere Bedarf wieder Deckung gefunden hat. Bezeichnend für bic Lage ist jedenfalls, daß die Ausfuhr nach dem Aus lande sich seit dem Wiederb nn der Arbeit nicht hat entwickeln können. Elli „ergleich der Eisenpreisentwicklung mit unserem Hauptwettbewerber auf dem Weltmarkt erElärt diese Erscheinung:
Stabeisenpreise in Goldmark.
Monat
deutsches
französisches
Dezember
170,-
—
Januar
130,—
— —
Februar
130,—
122 50
März
150 —
122,50.
stört waren, suchte man so schnell wie möglich und mit allen Mitteln Kapital und Intelligenz aus der schwarzen Bevöllerung Amerikas zu ihrer Wiedrrh rstellung h ranzu-iehen. Aber in Ermangelung einer einheitlichen Organisation war das Ganze reichlich chaotisch. Man muhte überall improvisieren, und es lieh sich micht Sicherhell voraussehen, daß die Entwickelung bis zu einer Wiederherstellung normaler Verhältnisse lange Zeit in Anspruch nehmen würde.
Um so mehr, als die politischen Machtverhältnisse in Afrika durchaus ftrittig waren. Zwar die weißen Herren waren erschlagen oder Der- jagt 2Der die seit so vielen Jahren von Idealisten geplanten schwarzen Vereinigten Staaten von Afrika standen noch in weitem Felde. Einstweilen gab es verschiedene große Reiche, deren Herrscher sich napoleonischen Träumen Hingaben.
Auch die grohen Rassenunterfchiede in Afrika selbst blldeten für die Einigung des ganzen Kontinents ein Hindernis. Die nordafrikanische semi- tische Devölkerung verspürte keine Neigung, mit der Hamit schen Negerbevöllerung zusammenzugehen. Im äußersten Süden des Erdteiles mit feiner starken und in Großstädten konzentrierten weihen Besiedlung gelang es der weihen Rasse sogar von diesen Städten aus die Herrschaft in te.a Bezirken der alten Durenrepubliken wiederzugewinnen. Nur das eine lieh sich mit untrüglicher Sicherhell Voraussagen, daß der schwarze Aufstand dem afrikanischen Kontinent auch für Öi2 Zukunft s chwere und blutige Kämpfe bringen wurde.
Eigenartig wirkten sich die afrikanischen und arrerllanischen Verhältnisse csüebaonher nu*
Nach wie vor beherrscht die französische Eisenindustrie den Eisenmarkt der Welt: sie bereitet den deutschen Werten sogar im Inlande einen äußerst scharfen Wet-bewe.b. Wöhren) Deutschland, nach „Stahl und S-iien", 1913 noch 6,5 Mill. Tonnen Eisen auszuführen in der Lag« war, konnte es 1922 nur noch 2,65 Mill. Tonnen exportieren , dagegen war in demselben Zeit gestiegen die Äseneinfuhr von 0,62 Mill. Tonnen auf 2,25 Mill. Tonnen. England hatte 1913 eine monalliche Einführ von lc590) coinen und eine monatliche Ausfuhr von 414 100 Tonnen, es bestand also ein Ausfuhrüberschuß von 228 200 Tonnen. Im Dezember 1923 konnte England seinen Ausfuhrüberschuß auf 246900 Tonnen steigern, während Frankreich, das im Monatsdurch- schnitt des Jahres 1913 nur 35 330 Tonnen Ausfuhrüberschuß hatte, ihn sogar auf 16^ 330 Tonnen bringen konnte. Dagegen hatte sich der monatliche Dorkriegsausfuhr-lleberschuß von 491 900 Tonnen für Deutschland verwandelt in einen Einfuhrüberschuß von 76 000 Tonnen für Dezember 1923.
Zentralausschnstsitzung der Reichsbank
'Berlin, 29. April. (WB.) In der heutigen Zentralausschuß sihung der Reichsbank widmete der VvrPtzende, der Präsll)ent des Reichsbankbirektoriums, Dr. Schacht, dem so jäh ums Leben gekommenen Staatsminister H e l f f e r i ch ellren ehrenden Aufruf. Die Versammlung erhob sich zu Ehren des Dahingeschie- benen von den Plätzen. Sodann berichtete der Dorsihende über die für die drei Aprtl- Wochen vorliegenden Ausweise der ReichS- bank, wobei er hervorhob, daß die Inanipruch- nahme der Reichsdank seit den neuerlichen bekannten Kreditrestriktionen in den letzten Wochen, gemessen an der Entwicklung der Wechsel- und Lombardanlage einerseits und den fremden Geldern andererseits, eine befriedigende Entlastung aufwies. Der Gesamtumlauf an Zahlungsmitteln, der sich am 31. Dezember auf 2,7 Milliarden Goldmark gestellt und im ersten Quartal eine Vermehrung um rund 350 Millionen Goldmark erfahren hatte, tonnte bis zum 15. April um nahezu 200 Millionen Goldmark eingeschränkt werden. Sell- dem ist er rwch weiter zurückgegangen. Heber die deutsche Golddiskontbank teilte bei Vorsitzende mit, daß sie am 16. Apräl ihren Geschäftsbetrieb aufgenommen und bis einschließlich heute Kredite in Höhe von rund 500 000 Pfund Sterling und 100 000 Dollar erteilt und nxitere Kredite von rund 1,1 Millionen bewilligt habe. Abgesehen von den bereits früher e.wähnten Rediskontkrediten sind ihr n.uer^ings seitens eines amerikanischen Danken- k o n s o r t i u m s noch solche Kredite In Höhe von 5 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt worden. Die Golddiskontbank wird In den nächsten Tagen ihren ersten Llusweis (Per llttimo April) veröffentlichen. Einzahlungefi auf das G.undka' pital von 16 Millionen Pfund sind bisher in Höhe von rund 62 Proz. erfolgt. Das eingezahlte Kapital besteht zum Heileren Teil in Gold und ausländischen Noten, zum größeren TeU in täglich fällig werdenden Forderungen auf das Ausland. Wettere Ausführungen des Präsidenten waren der Frage der in der Öffentlichkeit so viel umstrittenen Kreditpolitik der ReichS- b a n k gewidmet. Für das Relchsbankdirettortum steht tn erster Linie die Forderung, daß nicht
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Amerika waren die Dinge anders gegangen als in Afrika Die Kunde von jener märchenhaften, kaum zu glaubenden Vernichtung der großetz gelben Armee hatte in Amerika dem an sich schon gut organ fierten Widerstand der we ßen Bevölkerung verstärkte Schlagkraft verliehen. Restlos, blutig und bitter war hier die Niederlage der aufständischen Schwarzen, für absehbare Zeit jede Hoffnung auf volle Gleichberechtigung mit der we tzen Rasse erstickt. Unter solchen Verhältnissen muhten aber die Aussichten und Möglichkeiten, sich in Afrika erfolgreich und vollkommen frei betätigen zu können, für die regeren Elemente der schwarzen amerikanischen Bevölkerung einen großen Anreiz zur Auswanderung bieten. Es war hauptsächlich Die jüngere Generation, die der Reiz der neuen Verhältnisse und des besseren Fortkommens nach Afrika lockte, während die Al en und Stumpfgewordenen in der Union blieben.
Die so nach der Niederschlagung des amerikanischen Aufstandes sofort stark einsetzende Auswanderung versprach der amerikanischen Union in absehbarer Zeit eine Entlastung Dom Druck der schwarzen Bevölkerung. Freilich bedeutete d'ese Auswanderung auch einen starken Aderlaß an Kapttal und an billigen schwarzen Arbeitskräften. Eine Wirtschaftskrise für die Union war unvermeidlich. Doch ihr Ende lieh sich voraus- sehen, da die Iserrbrandtschen Erfindungen auch im Gebiete der amerikanischen Union neue und bessere Lebensmögllchkeiten für die weihe Rasse schaffen konnten.
(Fortsetzung folgt)


