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1 Ob bfealnterredwngmirDeneral Mangin stattgefunden hat und mit welchem -Ziel?

2. Ob diese Unterredung ohne Kenntnis der Reichsregierung zustande kam?

3. Ob die preußische Regierung vor» her nicht von der Absicht zu dieser Unterredung unterrichtet wurde?

4. Ob sich der Staatspräsident bewußt war. -daß General Mangin über diese Unterredung nach AJkuiS berichten würde und ob er sich bewußt war. daß er dadurch die französische Regie­rung unter Umgehung der zuständi- gen Reichsstellen um Wohlwollen -'undUnterstützungfürseinePlänean» Äing?

5. Ob der Staatspräsident von Herrn (Sie- menceau oder dessen Beauftragten die ableh­nende Antwort bekommen hat, wie sie Siaatsminister Heine wiedergibt, oder ob diese Antwort an das Reich ging?

Die Personalpolitlk des hessischen Landesamts sür das Bildunqsweseu.

Darmstadt, 30. April. (®ig. Bericht.) Die Landtagsabg. Birnbaum von der Deutschen Bollspartei hat folgende Anfrage an die Regie­rung im Landtag eingebracht: Wie wir erfahren, sind soeben in Darmstadt unter 20 Kündigungen von Lehrkräften 13 Kündigungen an Lehrerinnen «-folgt. Dieses auffällig zahlenmäßige Mißver­hältnis ist unbegreiflich und steht im Gegensatz zu den von uns im Sonderausschuß eingebrachten Anträgen. Die Angelegenheit bedarf um so mehr Lter Aufklärung, als behauptet wird, daß die Kündigungen sich zu 8 0 Prozent gegen Mitglieder der Bereinigung natio­naler Lehrer und Lehrerinnen Hes­sens gerichtet sind. Wir fragen an. was ifann die Regierung zur Aufklärung des Tatbe­standes und zur Begründung der verhängten Maßnahmen mitteilen?

Die Darmstädter Jntendantensraqe.

Darmstadt, 30. April. (E'gmer Bericht.) Der Landtagsabgevrdnete Dingeldey gibt einen Briefwechsel zwischen ihm und dem Finanz- minister Henrich bekannt, woraus hervorgeht, sxrß seit dem 5. März die Mitglieder des Theateruusschusses eine offizielle Mi.teilung über idie Inte-rdantenfrage nicht mehr erhalten haben. *3n einer Erwiderung teilt der Finanzminister Henrich mit, daß seitdem kein neuer Schritt von Erfolg in dieser Frage geschehen sei. Sonst bietet der Briefwechsel nur Däanntes.

Die Arbeitszeit im Ruhrbergbau.

ssev. 29. April. (WTB) Gestern abend wurde unter dem Vorsitz des Reichs- und Staats- ikommissars M e h l i ch und im Beisein desReichs- arbeltsministers über die Arbeitszcitfrage im rhemisch-westsälischrn Bergbau der Schiedsspruch gefällt. Darnach beträgt die Schichtdauer der Ar­beiter unter Tag vom Beginn der Seilfahrt bis zum Wiederbeginn im allgemeinen 8 Stunden: an Arbeitspuinktcn mit Temperaturen von über 28 Grad Celsius 1 bis 7l/2 Stunden: die Ar­beiter über Tage, die unmittelbar mit der Förderung zu tun Haden, arbeiten 9 Stunden. Die wöchentlich reine Arbeitszeit einschließlich der an den Koksöfen, tn den Nebenprodukten betrieben, den Stochkeffelhäusem pnd den Brrkettsabriken auch Sonntags beschäftigten Arbeiter beträgt 56 Stunden. Siefe Regelung güt ab 1. Juni 1924; brs dahin verbleibt es bei der bisherigen Arbeits- und Schichtzeit. 3n den übrigen durch­gehenden Tages betrieben wird die reine Ar­beitszeit auf 10 Stunden täglich festgesetzt. Diese Regelung gilt bis 1. Oktober und kann von diesem Tagr an mit einmonatiger Frist zum Monatsfchluß gekündigt werden. Der | Manteltarif wird bis zum 1. Juni 1924 ter- i längert, sollten die Der Handlungen zwischen den Parteien zu keinem Ergebnis führen, muß das Schlichtungsvertahren vor dem obigen Zeitpunkt durEgeführt sein. Die Srklärungsfrist läuft bis zmtz, 5. Mai 1924.

Gegen die Ardeitsruhe am 1. Mai.

Berlin, 29. April. (Priv.-Tel.) Die im Nativnalverband Deutscher Berufs verbände O.reinigen vaterländischen Arbeit- nehmerv er bände erheben in einem Dvrstandsbc- schluß dieser Spitzcnorganisatwn Einspruch gegen das Vorhaben der Sozialdemrkrat'e, Kommani e> undfreien" Gewerkschaften, die Arbeit am 1. Ma durch Streik ruhen zu lassen. Die Maifeier war Jahrzehnte lang eine Demonstration fürinter­nationale Verbrüderung", Völkerbund und Völ- kerfriede und gleichzeitig eine Vorübung zur

Irevoiuti Die Folgen derseroen waren. Deutschlands uvehrlvsmachung, Berfklavung und Zerreißung, die Enteignung der breiten Massen um erhebliche Teile ihres Berdienstes und um ihre gesamten Spar- und Altersverforgungsvück-- lagen, während gleichzeitig häßlichste Auswüchse des Kapitul.smus üppige Trnumphe feiern konnten.

Hetzt noch zur politischen Unterstützung der so für das deutsche Volk schädlich gewesenen Füh­rer der Kommunisten. Sozialdemokratie und ihrer Gewerkschaften einen ganzen Tag.sarbeitsverdienst durch Streik am 1. Mai zu opfern, wäre eine Selbst Verhöhnung der de u ts che n Ar­beiterschaft. Deshalb wird die gesam'e deutsche Arbeitnehmerschaft aufgerufen, am 1. Mai zu arbeiten und sich erforderlichenfalls den Eingang in die Betriebe gegen Streikposten m 11 Ge wa l t zu erzwingen. Die Unterneh­mer werden aufgefordert, ihre Betriebe am 1. Mai geöffnet zu halten.

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Das britische Budget.

London, 29. April. (WTB) Das Unter­haus war bei seinem Zusammentritt nach den Osterferien in Erwartung der Einbringung des ersten Budgets der Arbeiterregierung dicht besetzt. Schatzkanzler Snowden wurde beim Betreten des Hauses von feiner Partei lebhaft begrüßt. Snow­den sagte, der äleberschuh für das vergangene Hahr betrage 48 329 000 Pfund Sterling, der zur Verminderung der Schuld verwandt worden sei. Was die Ausgaben betreffe, so erfordere der Dienst der Staatsschuld 347V2 Millionen, von denen 40 Millionen die Amortisation nach den Bestimmungen des Gesetzes vom letzten Hahre barft elfen. Verwandt wurden für das Hee r u n d die Slotte 521/s. für die Luftstreitkräfte 9y2 Millionen Pfund Sterling. Die Ersparnisse in diesen Kosten seien zurückzuführen auf die Verminderung des Programms im mittleren Osten und in Singapore. Die Schuldenlast sei schwer und er fürchte, sie werde es noch einige Jahre fein müssen. Hede Gelegenheit müsse ergriffen werden, um die verfügbaren Hilfsquellen zur Einlösung der Schuld zu verwenden. Angesichts des großen Konvertierungsplanes, der in nicht zu ferner Zukunft durchgesührl werden müsse, sei die Aufrechterhaltung und Verbesserung des britischen Kreits eine Angelegenheit von vital­ster Bedeutung.

Die einzige wirklich äußere Schuld sei die Schuld an die Vereinigten Staaten in Höhe von '940*/2 Millionen Pfund und gewisse Marktanleihen in Amerika in Hohe von etwa 45 Millionen.

Die innere Schuld sei seit Dezember 1919 um fast 400 Millionen vermindert. Die Gesamtermähi- guna der inneren und äußeren Schuld seit De­zember 1919 betrage über 650 Millionen, d. h. etwa soviel wir der Betrag der Staatsschuld bei Ausbruch des Krieges. Dies sei ei.-72 wunderbare nationale Tat. Infolgedessen hätte sich die Zinsen- last um 40 Millionen vermindert. Snowden fuhr dann unter lautem Beifall fort: Außerdem wür­den England große Beträge geschuldet. Diese Anleihen seien vom englischen Volke selbst ausgenommen worden, um feinen Alliierten Geld zu leihen. England habe die Zinsen dafür zu zahlen, und die Bezahlung dieser Zinsen bedeute eine sehr schwere Last für die englischen Steuer­zahler. Wenn England für einen Teil dieser Schulden Zinsen erhalte (Rufe: Wann?), so könne es hoffen, in der Lage zu fein, feine eigene Schuldenlast oder die Besteuerung weit rascher zu vermindern, als dies aus feinen eigenen Hilfsquellen möglich wäre. Was die Vorfchläge jur Reichsvorzugsbehand- lung betreffe, so sei den Dominions und den Ko­lonien die Zusage gegeben worden, daß die Vor­schläge der früheren Regierung dem Parlament unterbreitet werden sollten und die gegenwärtige Regierung beabsichtige, diese Zusage bis zum letz­ten Buchstaben zu erfüllen.

Die Negierung sei jedoch nicht in der Lage, die Vorschläge ihrer Vorgängerin anzuneh- men. Keine Regierung dürfe nach Ansicht der Arbeiterregierung versuchen, das Parlament für einen Zeitraum von Jahren in einer so strittigen Frage wie der Tariffrage zu binden. Sie beabsichtige nicht, eine Art von Garantie Im Zusammenhang damit für einen Zeitraum von Jahren anzubieten. Solange sie im Amte bleibe, beabsichtige sie nicht, unter allen älmständen das Parlament zu ersuchen, die jetzt in Kraft befind­liche Vorzuqsbehandlung abzuschaffen. Sie behalte sich volle Freiheit vor, dem Parlamente, wenn sie es im allgemeinen finanziellen Interesse für zweck­dienlich halte, eine Ermäßigung ober Abschaffung der Abgaben für alle Artikel Voranschlägen, auf £4e die Dorzugsbehandlung Anwendung finde.

Das Untergang yar Dann seine formelle Zustimmung zu dem Dudgetvorschlag erteilt. Asquith nannte das von Snowden ausgestellte Budget ein durchaus gesundes finanzielles Werk und sagte, in ihm scheine das enthalten zu sein, was alte Liberalen von ganzem Herren unterschrei­ben könnten, wenn sie sich auch ihr endgülligies Urteil Vorbehalten müßten. Asquith kennzeichnete das Budget als ein Freihandelsbudget. Bach Beendigung seiner Rede ging Asquith zu­sammen mit Lloyd George zum Sitze des Schatzkanzlers und beide schüttelten Snowden die Hand.

Kleine politische Nachrichten.

Dte Pressemeldung, daß General Luden- d 0 r f f, der Spitzenkandidat der deutschvölkischen Freiheitspartei, sofort nach feiner Wahl auf fein Reichstagsmanoat verzichten werde, wird laut Lokalanz." von der Deutschvölkischen Freiheits- Partei entschieden dementiert. In einer Erklärung an die Partei hat Ludendorff die An­nahm: des Mandats bestätigt.

In Pößneck wurde der Textilarbei- lerausstand, bar vor drei Wochen wegen Verlängerung der Arbeitszeit von 46 auf 48 Stunden ausgebrochen war, in einer Versamm­lung der Streikende für beendet erklärt. Die Arbeit wurde wieder ausgenommen.

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Die in den Ausstand getretenen Teile bar Zechenbelegschaften Wohlheim, Graf BiSmarck 1 bis 4 und Graf Bismarck 3 sind wieder zur Arbeit erschienen. In der Dienstag-Früh» schicht streikten auf Tiergardt 3 noch 98, auf Wil­helmine-Viktoria 373 Mann. Die Gesamtzahl der Ausständigen von 2520 ist auf 471 Mann zurück­gegangen.

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Der Generalrat des Verbandes der Roten- Kreuz-Gesellschaften, der aus den Dele­gierten der 51 dem Verbände angeschlossenen nationalen Rote-Kreuz-Gesellfchaften besteht, hat 5um Präsidenten den Vorsitzenden der amerikani­schen Rote-Kreuz-Gesellschaft Richter Hohn Payne ernannt und zum stellvertretenden Präsi­denten den Vorsitzenden der fraruösifchen Rote- Kreuz-Gesellschaft, Hebrard de Villeneuve. Der japanische Delegierte hat der Versammlung seinen Dank ausgesprochen für die tatkräftige Hilfe derRote-Kreuz-Gesellschaften anläßlich des großen Erdbebens in Japan im vergangenen Jahre.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 30. April 1924.

Reichsfteuerfälliqkeiten im Mai.

Lohnsteuer am 5. Mai für die Dom 21. bis Ende April einbehaltenen Lohnsteuerbeträge.

Vermögenssteuer, soweit noch nicht ge­zahlt, letzter Zahltag 7. Mai. Insoweit Zahlun­gen freiwillig oder auf Anforderung hierauf ge­leistet sind, können diese in Anrechnung gebracht werden.

llm sah st euer am 10. Mai (Schonfrist bis 17. Mai) von den Bruttoeinnahmen im Monat April.

Einkommenfleuervvrauszahlun* gen am 4 0. Mai (Schonfrist bis 17. Mai).

VorauSzah lung auf die Körper- schaftssteuer am 10. Mai (Schonfrist bis 17. Mai).

Lohnsteuer am 15. Mai für die Zeit vom 1. vis 10. Mai. (Keine Schonfrist.)

Lohnsteuer am 25. M a i für die Zeit vom 11. bis 20. Mai. (Keine Schonfrist.)

* Militärpersvnalien. Hauptmann Felber, bisher Regiments-Adjutant im 15. In­fanterie-Regiment, ist durch Verfügung desReichs- wehrministers mit dem 1. Mai in den Generalstab des Infanterieführers VII (bayerisch) versetzt. Hauptmann Frhr. v. Aldermann, bisher Kom- pagnieches der 2. Kompagnie, ist zum Regiments- Adjutanten, Hauptmann H 0 ß f e l L zum Korn- pagniechef der 2. Kompagnie des 15. Infanterie- Regiments ernannt worden.

Nuramtlich hergestellteStimm- zettel gelten bei derReichstagswahl. Vorn KreiSamt wird mitgeteilt: Es wird wieder­holt darauf hingewiesen, daß bei der Reichstags- Wahl am 4. Mai nur mit amtlich her ge­stellt e n Stimmzetteln gewählt wird, die nurimAbstimmungsraumandie Stimm­berechtigten aiu8gcgeb:n werden. Die nichtamt­liche Herstellung von Stimmzetteln und deren Ver­wendung widerspricht den gesetzlichen Bestim­mungen. Derartige Stimmzettel to t.en als nicht­amtlich ergefteUt erkannt werden können und sind deshalb ungültig.

-- ernannt tourüen die Stuvtenräte Dr. Georg H e u s s e l an der Oberrealschute zu Gießen und Dr. Eduard S t 0 h r an der Realschule zu Schotten zu Studienräten an dem Realgymnasium zu Gießen, der Studienrat an der Realschule und dem Prorealgymnasium in Laubach Dr. Karl Schnellbächer zum Studienrat an dem Etnst-Ludwig-Seminar in Bensheim, alle mit Wirkung vom 28. April 1924 ab; ferner wurden ernannt: der Polizeiwachtmeister auf Probe Karl Seng aus Aeinhardshain zum Polizei- Wachtmeister mit Wirkung vom 1. April 1924, der Schulamtsanwärter Gustav Hermann aus Alsfeld zum Lehrer an der Volksschule zu Lan­zenhain (Kreis Lauterbach).

* * Inden Ruhe st andverseht wurden auf Grund des Gesetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten der Lehrer an der Volteschule zu Allen dorf a. d. L. (Kreis Gießen) Heinrich Adam, der Lehrer an der Volksschule zu Burk­hards (Kreis Scholten) Konrad Ludwig, der Lehrer an der Volksschule zu Sandlofs (Kreis Lauterbach) Heinrich Stephan.

* * Von der P 0 st. Vom 1. Mai ab sind die Pakelfrergebühren wieder tote früher durch Freimarken auf den Paketkarten zu verrechnen. Den Auflieferern von Paketen toirb dringend empfohlen, die Marien schon vor der Aufliefe­rung auf die Paketkarten zu Heben. Auskunft über die in Frage kommenden Zonen wird an ben Postschaltem erteilt.

* Der Völkisch-Soziale Block hatte auf gestern abend eine Wähler Versammlung Lt den Felsenkeller einberufen, die von Fveu.rden und Gegnern und zweifellos auch von vielen Neu­gierigen, die auf eine Sensation rechneten, so stark besucht war, daß in dem überfüllten Saale bei sprichwörtliche Apfel nicht zur Erde fallen konnte Der Kandidat Langula von Frankfurt sprach über die Ziele des Völkisch-Sozialen Blocks, der nicht etwa elne_ Partei, die ja alle nur spalteten, sondern eine überparteiliche Betoegung fei, bix? unser Volk auf völkischer ©runblage zusammen­führen wolle. Don den alten Parteien sei keine Hilfe au erwarten. Der Redner sprach sich für die Beibehaltung des Achtstundentages, die Fortfüh­rung der soztalen Fürsorgegesetzgebung und gegen den jetzrgen Beamtenabbau aus, bei dem nur die erprobten Beamten der alten Schule entlaßen würden. Wetter brachte er feine schärfste Gegner­schaft gegen das Großkapital zum Ausdruck, das nach der Anstcht des Redners ausschließlich unter jüdischer Führung steht und unser Volk in eine furchtbare Zinsknechtschaft schlage, und deshalb müsse das Großkapital und feine jüdisch» Führung energisch bekämpft werden. Zu diesem Zwecke for­derte der Redner die Verstaatlichung der Groß­banken, die Schließung der Börsen, nach deutschen Gesichtspunkten eine Neuordnung unseres Rechts, insbesondere des Bodenrechts, und der Gesetz­gebung, namentlich der Steuergesetzgebung. Die Völkischen wollten auch durchaus nicht etwa eine Monarchie, und für eine Dynastie hätten sie schon gar nichts übrig. Die Staatsform fei ihnen über­haupt Nebensache, sie seien auch mit einer nach ihren Ansichten gut geleiteten Republik zufrieden, dfe Hauptsache sei, daß es dem Dolle wieder besser gehe, und das erstrebe der Döllisch-Svgiale Block durch seinen Kampf gegen das Großkapital, dessen Fesseln um unser Volk er brechen wolle. Während der Rede gab es zahlreiche und lebhafte Zwischenrufe von feiten der Gegner, am Schlüsse überwog aber der Beifall doch die Mihfallens- äubtrungen. In der Aussprache kamen ein Kom­munist und ein Zeatrumsmann zu Wort, danach sprach Langula fein Schlußwort.

Bor,wt,;cn.

Tageskalender für Mittwoch: Stadttheater: 6V2 UhrAlessandro Stradella". Sozialdemokratische Partei: 8>/z llhr im Postkeller Beamten-Versammlung. Rundfunkhaus: 7Vs älhr Dortrag, 8V2 älhr Konzert. Palast-Licht­spiele: Der sprechende Film.

Die Deutsche Dolkspartei häll Storni erätag, 1. Mai, 8V4 älhr im Gewerbehaas eine Mitgliederversammlung ab. .(Siehe Anzeige.)

Völkisch-Sozialer Block. Freitag abend auf der Liebigshöhe öffentliche Wähler­versammlung. (Siehe Anzeige.)

Turnverein von 18 4 6. Samstag abend Dühnenschauturnen. (Siehe Anzeige.)

Landkreis Gic^rrr.

Wieseck, 30. April. Gestern abend kurz, nach 8 Ahr entstand in der Zigarren fabrik von Ioh. Balth. Noll auf bis jetzt nicht aufge­klärte We.se Feuer, das an den Vorräten reich­lich Nahrung fand. Es gelang aber der sofort herbeigeeiltem Feuerwehr von Wiefeck, die als- halb mit drei Schlauchleitungen eingriff, und der später noch ein getroffenen Gießener Berufswehr, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Außer an einem Zwis chenbau und einigen Z i m- mern, in denen Tabake aufgestapelt waren.

Vom Aufbau des Stoffs.

Don Professor Dr. Paul Kirchberger.

Betrachtet man ein Stück eines festen Körpers, r.D. i*yiuö, otvin oder Eisen, oder eine Flüssig­keit, wie Wasser oder Alkohot, so ist man geneigt, anzune'hmen, daß der Stoff den Raum voll­kommen gleichmäßig, stetig erfülle. Die Wissen­schaft hat längst erkannt, daß dieser Augenschein auf Täuschung beruht. Sie lehrt, daß alle Stosse aus einer ungeheuer großen, ab:r ganz bestimmten Anzahl kleinster Teilchen besteht, die durch klei­nere oder größere Zwischenräume von einander getrennt sind. Man nennt diese Teilchen Mole-' Mn. Don ihrer ungeheuren Zahl kann folgendes einen Begriff geben: Man denke sich so feinen Staub, daß hundert Staubkörnchen auf einen Quadratmillimeter gehen. Denkt man sich nun ganz Deutschland mit solchem Staub bis zu reich­lich einem Millimeter Höhe bestreut, so ist die Anzahl der Slaubt ilchen gleich re: Zahl der Molekel in einem einzigen Wassertropfen. Diese Zahl dingt erstaunlich: man hat fie aber auf den verschiedensten Wegen ermittelt und sie immer In genau derselben Größe gefunden: dies ist einer der besten Beweise für die Richtigkeit dec neuen Lehre.

Die Molekeln befinden sich nicht in Rühr, fenbern sie bewegen sich. Ihre Geschwindigkeit können wir genau aus rechnen. Sie hängt von drr Temperatur ab, oder bester gesagt: die vermehrte Geschwindigkeit der Molelein ist eben das, was als erhöhte Temperatur empfunden toirb. Dte Luftteilchen un 3immer mögen bei der üblichen Temperatur etwa vierhundert bis fünfhundert Meter tn der Sekunde zurücklegen. Wre sllrrk dte hier toirffamen Vewegungskräfte sind, erkennt man daraus, daß auch die Geschosse nur durch den Anprall der Gasmolekeln vorwärts getrieben

werden. Der starke Druck im Kanonen-- oder Ge­wehrlauf besagt nur, daß die Anzahl der sich in ihm bewegenden Gasmofekeln sehr viel größer ist, als die in freier Luft, und die erhöhte Tem­peratur, daß sich jede einzelne Molekel schneller bewegt. Es ist ganz unmöglich, daß eine Ceatehr- lugtl jemals schneller fl egen könnte als die Gas-- molrieln, deren Anprall sie ihre Geschwindigkeit verdankt.

Nur in Gasen fliegen die Molekeln völlig frei durch.inander, lediglich gehemmt durch ihren allerdings sehr häufigen ge enfeitigm Zusammen­prall. In festen Körpern ist die Bewegung nicht weniger lebhaft, aber f e findet um Gleichgewich's- lagen statt, von denen sich die Molekeln nie weit entfernen können, da sie durch bestimmte Kräfte, Kohäsionskräfte, festgehalten toe den. Die Flüssig­keiten nehmen eine getoije Mittelstellung ein. Ter älmstand daß feste Stoffe und Flüstiafeiten nicht feiten lebhaft riechen, beweist, daß sich auch von ihnen mitunter zahlreiche Molekeln in die freie Luft verirren: Darin bestehl also ein ge­wisser liebergang -um gasförmigen Zustand.

Aber die Molekeln sind nicht d e letzten Be- standtelle der Stosse. Sie bestehen ihrerseits aus Atomen: wir nennen chemische OSorgänge, tote z. B. Derbrennungserscheinunge i, das Rosten der Metalle usw. die Dorgänge, bei denen sich die Atome aus ihrem Molekelverband lösen und zu neuen Molekeln zusammentreten. Die Grunde da­für, warum sich die ch-rmischen Stoffe mit so un­geheurer Kraft verbinden man denke beispiels­weise an den Zerknüll de8 Dynamits, waren lange Iahrhunderte hindurch gänzlich unbekannt. Wan sprach wohl vonchemischer Verwandt­schaft", aber das war schließlich nur ein Name.

Gerade in diesem Punkt hat die Wissenschaft der letzten Hahre die erstaunlichsten Fortschritte gemacht. Sie setzten in dem Zeitpunkt ein, in dem

man erkannte, daß das Atom, dieser eigentliche Sih der chemischen Kräfte, selbst nicht einfacher Natur, sondern zusammengesetzt ist. Und In der Tat, das Atom, dieser anscheinend letzte Bau­stein eines Stoffes, diese Wrfen'heit von fast un­faßbarer Kleinheit, zeigt in seinem Innern einen Wunderbau von manchmal erstaunllcher Kompli­ziertheit. Es bildet eine Welt im Klemen! Höchst zutreffend hat man das Atom mit einem ©annea- fystem verglichen. Wie sich bi dessen Zentrum die Sonne befindet, um die die Planeten kreisen, so sitzt im Innern des Atoms ein elektrisch posi­tiv geladener Kern, um den elektrisch negativ geladene Teilchen, Elektronen genannt, mit rasen­der Geschwindigkeit frei en. Elektrische Kräfte sind es, die das Atom beherrschen! Auf elektrische Kräfte also, verbunden mit Bewegungserfcheinun- gen, müssen die chemischen Kräfte zurückgeführt werden.

Am genauesten bekannt ist die Anzahl der umlaufenden Elektronen. Wir wissen, daß sie beim Wasserstoff gleich 1 ist und sich bei den Adomen anderer Elemente bis zu 92 steigert. Auch dir Entfernung der Elektronen vom Kern, die Ge­schwindigkeit ihrer Bewegung und die Zahl ihrer Umläufe ist wenigstens für einfache Falle genau bekannt. Bis zu 200 000 Kilometern in der Se­kunde kann sich in einzelnen Fällen die Ge­schwindigkeit des Umlaufe steigern, und viele Billionen, ja, Tiillconen Umläufe erfolgen In der Sekunde, was frellich ohne weiteres Eiac ist, wenn solch ungeheuere Wegestrecken, tote fie sich aus der Sekundengeschtoinoigkeit ergeben, in dem win­zigen zur Verfügung stehenden Raum zurück- gefegt werden sollen.

Aber doch ist das Atom kein genaues Abbild des VlanetensystemS. Soviel wir wissen, tarnt in jeder beliebigen Entfernung von der Sonne ein Planet kreisen; je näher er der Sonne ist»

desto schneller ist seine Bewegung, desto kürzer seine älmlaufszeit. Ganz anders im Atom: Nur in Bahnen mit ganz bestimmten Radien können Elektronen umlaufen; diee ausgezeichneten Dah­nen werden durch die Tetrachiungen der Quanten­theorie genau errechnet. Diese höchst merkwürdige Lehre ist von dem Berliner Physiker Max Planck zu einem ganz anderen Zweck, nämllch zur Er­forschung Der Strahlungserscheinungen ersonnen, und alsdann von dem Dänen Niels Böhr auf die Atomkheorie angewendet worden. Der Erfolg dieser Anwendung war überraschend; durchs sie sind die oben erwähnten genauen Angaben über die Entfernung der Elektronen vom Atomkern, ihre Geschwindigkeit und die Zahl der Umläufe erst möglich geworden.

Dchrrrscht werden die Elektronen vom Kern, durch dessen elektropositive Ladung sie ebenso fest gehalten werden, wie die Planeten durch die Anziehungskraft der Sonne. Der Kern hat eine Ausdehnung von höchstens ein Billionstel Milli­meter, aber auch er ist zusammengesetzt, und höchst wahischeinlich sind es nur zwei Bestandteile, näm­lich der Wasserstoffkern und das Elektron, aus denen sich alle übrigen Kerne aufbauen. Woher es kommt, daß der ganz überwiegend elektoo» prsitive Kern zusammenqeihalten, und nicht bei sonstigen gegenseitigen Abstoßung elektrisch gleich­namiger Teilchen folgend, auseinandergetr.eben wird, wissen wir zur Zeit noch nich^i. Vielleicht sind hier uns ganz unbekannte Kräfte tätig. Genug, im allgemeinen hält der Kern fest zu­sammen, nur in Ausnahmefällen zerfällt er, und zwar bei den sogenannten radioaktiven Erschei­nungen, deren Bekanntweeden vor zwei Hohr- zehnten ein so ungeheures Aufsehen erregte, und Deren Erforschung der Wissenschaft fo unendliche Förderung brachte.