Ar. 282 Erstes
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Blatt
VI. Jahrgang
Samstag, 29. Noveinver 1921
General-Anzeiger für Oberhessen
vnftk vnd Verlag: vrLhl'sche Unioerfilätt-Vilch- und Stdnörudcrei R. Lange in Sieben. Zchrlftleltnng und Seschästrftelle: Schnfstraße 7.
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Auhenpolitische Umschau.
Don Prof. Dr. Otto Hoetzsch
Oesterreich unb die Türkei haben schwere 5legxrur.ß5‘T .le i durchs macht und stehen noch mitten drin 3n Oester-reich hat der Dund.s- kanzler Seipel den Eisen buhnerstreik benutzt, um seinen Rücktritt zu erzwingen, um wie)er vorn veranttvortlchen Staatsmann, der auch in der ergenen Partei auf Gegner und Schwierigkeiten stteh, -um Parteiführer zu werden, der diese Partei, die Christlichsozinle, wieder t e- wissermahen -uk annnena b iten w ll, und zcvar im Hinblick auf Neuwahlen, die immerhin möglich werden und sowohl d-e ChrislliHsoftllen wie die Grohdeutschen vor nicht leich e Situa.tonen stellen.
Weniger duS Genfer Werk und die Völk.r- bundSsanieruTtg als der Streit zwischen Bund und Ländern (d.eser kleine lebensunfähige Staat leistet sich ja wir.lich einen schwerfälligen söderaltven M«han smus) ist der innere ®run£> für bicfc Krise, in der ein -weisellos sehr bedeutsamer und für sein Land nützlicher Staatsmann, wie es Dr. Seipel ist, zunächst von der Dahn ab tritt. Niemand glaubt, dah der Nachfolger, der durchaus unb.veutend ist, der Schwie- rigkeiten in der AuSeinanders.-hung zwilchen Staat und Ländern und der Schwerigkriten arS dem Genfer Werk Herr we.den würde D.mck ist Oesterreich in eine s ch la ichen de Krise eingetreten, de vermutlich über kurz oder lang Neuwahlen emsach erzw ngen wird.
Was noch intevessEter ist, sind die Vorgänge in der T ü r k e i, wo das Kabinett I s m e d durch ein Kabinett Fe t h y. bisher Präsidntt der Natto- ,mlversammlung, ersetzt wurde. Auch Die neue Negierung ist eine reine Negierung der „Republikanischen VolkSpartei". der Pattei des Diktators Mustapho Kemal. Warum also der Wechsel? Auch er ist der Ausdruck einer tiefgreifenden Krise, einer wachsenden Opposition eben gegen den Diktator. 3n seiner eigenen Partei hat sich eine Opposition gebildet unb neben ihr regt sich auch eine Opposttions gruppe, die für sich schon die De-eichnung „republikanisch" autnefrmen wollte, mit deutlicher Spitze gegen den Diktator. Diefe wurde abgebogen, indem die Partei Musta- phas selbst sich republikanisch nannte.
Mit einem Wott: das Parlament erzwingt auch hier eine stärkere Deteiligung und Mitwirkung alS bisher. Die Grürche dafür sind einfach: niemand macht Mustapha Kemal seine Bedeutung und seinen Nuhm strittig, er ist überall populär, aber man verlangt hier wie überall von dem Diktator nun auch die Erfolge im Frieden und diese Erfolge hat Mustapha so wenig wie Mussolini oder Nivera erzlelen^nnen Man hat ihm in Angora vorgehalten den Mangel an Aerzten und Lehrern, den Rückgang ber Anbaufläche, den trostlosen Zustand des Landes, ülnd dazu kommt die Unaufrieben freit, der Aerger und die Verstimmung aus Konstantinopel, das als Hauptstadt entthront ist und in dem doch noch eine gar^e Menge von positiven Kräften oder jeben- falls lebhaften agitatorischen Kräften des frube- Ten Jung türken tu ms sitzt. Auch das eine schleichende Krise, die genau wie in Spanien oder in Italien den Staat, wenn nicht erschüttert, so doch in große Unruhen setzen kann. Der kriegerische oder militärische Bürger genügt nicht allein für den Diktator in den unendlichen verwickelten und schwierigen Derl>ältnissen. di>: die Notwendigkeit deS Wiederaufb au- mit sich bringt. Das gift sowohl für die besiegte Türkei, wie für den Siegerstaat Italien, wie für das neutral gebliebene Spanien. _ . , . ..
Das sind Vorgänge an der Perrphene, die für Europa im ganzen nicht allzu viel bedeuten, jedenfalls .nicht für uns. in unseren gegen- wärtigeii Sorgen. Wichtiger dafür sind die Vorgänge in Frankrei ch und England. Zwei sehr wichtige Momente aus Frankreich sind anzuführen. Am 18. hat der Senat die Minister M a l v t) und vor allem C a i l l a u r amnestiert. Sobald die Kammer diese Gesetze angenommen hat, wird Caillaur nach Paris zurücklehren und in die Kammer eintreten, und man erwartet sehr wichtiges und bedeutendes von ihm für die radikale Pattei. Das andere ist die Bereit- stelluna einer 100-Millionen-Dollar°A n l c t h e an Frankreich (Annahme des Defttzentwurfes im Parlament am 2. 11.). Die Anleihe wird zu 7 Proz. aufgelegt, in 25 Jahren rückzahlbar und ist vom Hause Mergan ivrnutttft. 9crmt toirb die Summe von 100 Millionen Dollar aus dem Anfang des Jahres zur Stützung des ^anken- kurses in eine dauernde Anleihe ^"-^^.1, die Bank von Frankreich erhält eine erhebliche und ihr recht notwendige Valutareserve, vo- Wohl für die französische Finanzlage wie für Den ganzen durch den Dawes-Plan bezeichneten Zu- sMmnenhang ist dieser zweite Anleihe-Entschluh aus Amerika von sehr grober Bedeutung.
3n England Hit das reue Kabinett aunen- polititch die Hände voll zu tun. Es W zunächst Fen Vertragsentwurf mit Ru h land annulliert und das bedeutet nicht, bist auch die Anerk-nmr g Sowjetruh.onds durch ©nj'a d fürüdflenommen sei, an Lev wohl nichts geänte t Witt». Ader man will unter günstigeren Voraussetzungen mit Moskau verhan em, als M a c d o n a ID sie sich schi ef; ich auo Vor Urteil Uebereilu-g und Unkiont aeschaf eu
haue Ferner bat Ehamberlain auch die Entscheidung über das Genfer Protokoll vertagt. Er Ixu einfach geboten, die Rali ika ion au f s ch i e be n zu dürfei-, bi r cs» Zeck g'reu; ce- bnbt hat sich mit den Seldsw ttoaltun-iskolonim zu beraten. Das läßt die 'Ab ichi cre-vien, die Ablehnung, zu Ler das tvirservative Kabi eti voi- oussichtlich kommen wird, auf die Kolonien zu schieben und sie sich dadurch vor den Genossen d«ö Völkerbundes zu erleichtern. Das wiwtlaü^
Die Auszehrung der deutschen Volkswirtschaft.
Trotz des groben statistischen Aufwandes, der hx bet modernen Wirtschaft getrieben wird, ist es schwerer als je, ein genaues Bild darüber zu gewinnen, ob der Volkswohlstand wächst oder einschrumpft. Die vom StatistischenReichs- anit veröffentlichten Zahlen über den deutschen Auhenhandel sind anerkannter Masten ungenau. Es ist unmöglich, auch nur ungefähr anzugeben, welche Warenwerte durch das bisherige Loch im Westen hinaus- bzw. herein- geflossen sind. Die Handelsvertragsverfrank^un- gen, die Deutschland gegenwärtig mit einer groben Anzahl fremder Staaten zu führen hat, bezwecken bekanntlich eine Besserung und Sicherung der deutschen Warenausfuhr. Wie notwendig dies ist, bestätigen auch die neuesten Zahlen über die deutsche Ausfuhr und Einfuhr im Oktober d. Js. Infolge des etwas gemilderten Kapitalmang ls sind die Einfuhren gegenüber dem Vormonat gestiegen. Eine Zunahme von über 60 Proz. erfuhr der Import von Lebensmitteln, es kann kein Zweifel darüber bestehen, dah dies eine Folge der ungünstigen deutschen Getreideernte war. Richt ganz um 25 Proz. stieg die R o h st o f f e i n f u fr r. Der Wtztt der gesamten Wareneinfuhr im Oktober 1924 lag mit rund 856 Millionen Goldmark weit über dem Monatsdurchschnitt Januar Oktober (6900 Millionen Gcldmark).
Die Zunahme der Ausfuhr war erheblich geringer; sie betrug nicht einmal 10 Prozent. Nun ist es an sich ja einleuchtend, das; die verhältniSmahig geringe Steigerung der Warenausfuhr im Oftober eine Folge der stark eingeschränkten Rohstosfeinfuhren wahrend der Vor- nrvn-ate gewesen ist. Man wird daher, wenn man eine Lenden; in der Entwicklung des deutschen Auhenhondels feststellen will, mit seinem Urteil noch einige OKonote warten müssen. Immerhin sind die Gesamtziffern für die ersten zehn Monate des laufenden Jahres von grundsätzlicher Bedeutung. Die Ge- samtenrfuhr halte einen Wert von fast 7 Milliarden Dvldmai k, die Gesamtausfuhr da zogen einen Wert von nicht einmal 5,2 Milliarden Goldmark. Unsere Handelsbilanz war also in den ersten zehn Monaten 1924 um rund 1,8 Milliarden passiv. Der im Sommer d. Js beobachtete — übrigens nur geringe — Aktiv-Saldo hat sich wieder in einen Passiv-Saldo verwandelt; im Oktober war nämlich unser Auhenfrandel in Höhe von 244 Millionen Goldmark passiv.
Es wäre verfehlt, tvenn man unter Hinweis auf die in der Statistik enthaltenen Fehler die Bedeutung der genannten Ziffern in Abrede stellen wollte. Schließlich waren die Fehler während der ganzen letzten Zeit ziemlich gl ich bleibend, so dah man die Ziffern der einzelnen Monate durchaus miteinander vergleichen und aus ihnen sehr wohl allgemeine volkswirtschaftliche Schlüsse ziehen kann. Das Ziel der deutschen Handelsvertragspolitik muh es sein, einen jährlichen Fehlbetrag von rund zwei Milliarden Goldmark zu decken. Dies kann nur durch eine entsprechende Steigerung der Ausfuhr geschehen. Die Steigerung der deutschen Warenausfuhr muh aber mehr als zwei Milliarden Goldmark betragen, weil ein Teil dieses Ueberschusfes durch eine gesteigerte Rohstoffeinfuhr aufge^efrrt wird. Dis Problem muh also lauten: Wie erhöhen wir die deutsche Warenausfuhr um monatlich mindestens 200 Millionen Goldmark?
Durch die deutsche Presse gehen Notizen, dah sich die Ausfuhr Frankreichs nach tem Deutschen Reich während der letzten Monate beträchtlich gehoben habe. Alle Staaten, die mit uns in Handelsvertragsverfrandlungen stehen, sind bemüht, einen größeren Teil am innerdeutschen Warenabsatz für sich zu erwerben. Es liegt auf der Hand, dah uns der Abbau des Passiv- Saldos unserer Handelsbilanz selbst bei erfolgreicher Belebung unseres Ausfuhrgeschäfts nicht gelingen kann, wenn annähernd im gleichen Mähe d i e Einfuhrausländischer Fertigerzeugnisse zunimmt. Es ist sehr schwer, sich vorzustellen, dah wir schon während der ersten Monate des kommenden Jahres einen erheblichen Teil des Passiv-Saldos abbauen, den die deutsche Handelsbilanz feit Jahr und Tag aufweist. Gelingt uns dies aber nicht, so werden wir die mit dem zweiten Reparationsjahr beginnenden erhöh
ten Tribute nur aus unserem Nationalvermögen zahlen können.
Die Vertreter des R iches be> den Handels- vettrcgsvei Handlung m ml E.g and haben sch die größte Mühe gegebm, die 2Vp.o>r itige Aus- fufrrabgabe aus der Welt yi schäften. L e s.nd dem Dernchmen nach sogar soweit gegangen. England eine pauschale Abfindungssumme anzub.ettn. Die englischen Vertreter haben dagegen emgewanbt, Da)) dies dem Geist des Londoner Abkommens w.dersprechen würde, welches ausdrücklich vorsehe, baß dem Reiche gegenüber feinen Gläubig:in naher den übernommenen Reparationsralen keine ©eiteren A u f toje nbungcn entstehen dürften. Wenn d c Vertreter- dos Re ch.s von diese.- Belimmang, de ja doch einen Schuh für Deutsa>land bedeuten sollte, abwcichen zu müssen glauben, so zeigen sie dem t, dah ohne den Wegfall der 26prozen'i.,en Ausfuhrubgabe keine Aussicht für eine starke Beb.bring des deutschen Ausfuhrhandels besteht. In Dm Verhandlungen mit Grgland hat die Reichsregierung ihre Ueborcigung dahin ausgesprochen, dah der kommende D.ut che Reichstag dem jetzt zu vereinbarenden Handeiseeetrag die Zustimmung verweigern werde, wenn die Aussuhr.ibgabe in ihrer bisherigen Form bestehen bleibe. Leider habet andere Stellen in Deutschland, die von der Möglichkeit einer baldigen Wiederhers e l nz n rm.ler Wirtschaf s- bezttfrui.gen zu den Allliett n ger.iiieza berauscht s.nd, d:e Bedeutung der A-sfuhr.:bgabe herab, a- setzen versucht. Es ist dringend zu wünschen, dah der neue Re.chstag in der Frage der Ausfuhr- abgabe f e st bf.ibt. Täte er dies nicht, so würde er damit indirekt seine Zustimmung dazu geben, dah die Abzehrung der deutschen Wirtschaft fort» | dauert.
Gegen die Ausfuhrabgabe.
Chem-nih. 28. Rov. (WB.) Der HauptauS- schuh der Handelskammer zu Chemnitz gab bei der Reichsregierung gegen die 26prvzentige Abgabe folgende Erklärung ab: Die durch die Auslassungen des Repr.xttivnsagenten ü^er die Rückerstattung der nach dem Reooverh Act von England einbehaltenen 26 PtDzent des deutschen Ausfuhrwertes in die deutsche Wirtschaft frinemgetragene Beunruhigung und die C.nführung einer solchen Abgabe durch Frankreich ve.anlassen die Handels- fammer Chemnitz, die Reichrr .gierung erneut d.in- gendst zu ersuchen, auf ein Zustandekommen von Handelsverträgen mit all n Siaaten, welche die 26prvzentige Abga'.e auch lü ft.ig noch erheben werden, zu verzichten. Die Aogabe bedeutet eine auf die Dauer unerträgliche Belastung des deutschen Exports und eine grobe Gefahr für die Aufrechterhaltung der deutschenWährung welche selbst durch einen günstigen Handelsvertrag kaum tzemildert bzw. beseitigt werden können. Eine ha.idelsvettragllch erlangte Meistbegünstigu»g unter Beibehaltung der 26prozenttgen Abgabe würde für Deutschland nur eine formelle Bedeutung haben, da die Reparationsabgabe als Sonder- b e l a st u n g mit dem Geiste der Meistbegünstigung in schroffem Widerspruch steht.
Die Durchführung des Londoner Abkommens.
Gilbert
bei der Reparationskotnmissiott.
Paris, 29 .Rov. (Täl.) Die Reparationskommission hat gestern vormittag den Generalagenten für die Reparationszahlungen gefrört. Laut einer offiziellen Mitteilung berichtete Gilbert über seine Arbeiten in Berlin und gab Aufschlüsse über die Buchführung. Daran schloh sich ein Meinungsaustausch zwischen der Kommission und Gilbert über verschiedene Fragen, zu deren Lösung eine Zusammenarbeit zwischen der Repko und den Generalagenten unbedingt erforderlich ist. Weiter hat die Repara ionskommiftion einem Antrag zugestimmt, der die Einfuhr von 2 3 0 0 Tonnen Sticfftoff und 30Q Sonnen Schwefelammoniak nach Frankreich aufRe- p a r a t i o n s k o n t o für die Monate November und Dezember 1924 Vorsicht. — Später hat die Re» arationskommiftion laufende Angelegenheiten erledigt. Nach Auskünften, die der Vertreter der Telunion erhalten hat, betonte Gilbertden
guten Willen Der deutschen Regie- rung. Die Ausführung deS Sachverständigen« bericht« sei planmähig, und die Monatsleistungen laufen pünktlich ein.
Gilbert hat sogar Beträge zu seiner Vev fügung, deren Verwendung ihm nicht ofrife weiteres möglich ist. ES wird die Ausgabe der interalliierten Finanzmini st er fein, hn Verlauf ihrer Besprechungen Ende nächsten Monats die genaue Verteilung der einzelnen Beträge zu regeln. Dis dahin beabsichtigt de» Generalagent, aus diesen Beträgen u. a. die Rucker st attung der 26proz. Abgabe zu bestreiten, die er künftig direkt an die deutschen Kaufleute leisten werde. Weiter bat sich der Generalagent ausführlich übet komplizierte Buchsührungsfragen geäuhett Wegen der Frage derKohlenlieferung er bestehen noch Schwierigkeiten. Er Deutete dic Möglichkeit an, dah gewisse Nationen m e fr r a l s ihnen zu st ehe, an Kohlen erhalten hätten Auch in dieser Frage werde die Konferenz der Intel alliierten Finanzminister Klarheit schassen müssen. Parker Gilbert wird wahrscheinlich heute nach Berlin zurückreisen. Da er komnumden Sonntag an der Sitzung deS GebertragungSausschuf- ses in Berlin teilzunehmen beabsichtigt.
Die Rentenbankkreditanstalt.
Berlin, 29. Rov. (Wolfs.) Zur Frage der ilmtnanMung der Rentenbank in ein landwirtschaftliches Kreditinstitut will die .Voss. Ztg." erfahren frohen, das) die Neichsvegierung zwar die alsbaldige Errichtung Der Rentenbankkreditanstalt für sehr dringend halte, dost aber dafür der Weg der Verordnung nicht im Vordergründe der Erwägungen stehe Es werde vielmehr zur Zeit die Frage geprüft, ob die Rentenbankkreditanstalt nicht zunächst In der Form einer privaten Aktiengesellschaft konstituiert werden' könnte, wobei die endplliige Regelung auf gesetzlichem Wege Vorbehalten bliebe Eine Sitzung des ReichSratS werde sich zu Beginn der nächsten Woche mit der $ixige beschäftigen. Mehrere Blätter melden, dah daS preußische Kabinett nach wie vor der Auffassung sei, dah der Entscheidung des neuen Reichstags nicht durch eine Verordnung vorgegriffen werden dürfe, unb dah sich wirtschaftlich? und ftnanzpolitische Mah- ,rahmen von einet solchen wett! caganden Bedeutung nicht aus dem VerordTnrngswege durch- füfr.-en liehen. Die Zuführung von Krediten an die Landwirtschaft sei auf anderem von der pvruhi- schen Regierung bereits vorgeschlagenen durchaus gangbaren Wege möglich.
General von Nathnsius über seine Haftzeit.
Kassel, 28. Rov. (vokalanz ) General von Ratfrusius erzählte in leidenschastSloser Weise von seiner Verhaftung und ülntersuchuygszeit. Als er in Forbach eintraf, wurde er schon an der Dafrnhofssper>re von einem Beamten ungehalten und bald daraus von einem ftanzösischen Offizier verhaftet Man brachte ihn ins MilitärgefängniS nach Metz Hier wies man ihm ein sehr schlechtes Zimmer an. Man entschuldigte sich damit, dah Infolae der groben üleberschwennnung durch die Mosel es nicht möglich gewesen sei. ihm einen besseren UntedunftSraum anzuweisen. Die Verpflegung war gut. Indessen konnte er infolge der Auf regung über die ihm angetane Kränkung nichts geniesten. In Lille wurde er in das Zivilgefängnis gebracht und hier erhielt er ein grohes Zimmer, in dem er sich ergehen formte. Auch durfte er nach Belieben den Gesängnishos zu einer Neinen Spaziergang auftuchen. Der neben seinem Zimmer schllftende Sotdat begleitete ihn dann. Auch hier war die Verpflegung reichlich unv gut, doch konnte der General selten etwas zu sich nehmen. Durch diese Unterernährung und den Mangel an Schlaf kam er körperlich sehr zurück.
Von den zahlreichen Leumundszeugen, die er aus For'oa-ch-Di.<e h fen und cr d-eim Oc en ramfraft ganacht hatte, war nieman o zu der Verhandlung zugezogen tote. Se alle hätten scnst bezeugen fonnei, dah er ein völlg zurückgezogenes Leben in ßotfrrragen gr
ünd gefüh lichste aber war das cif'lgre.che Attentat auf den Strbar in Karo an 19. November. Das hat die ägyptische Frage, mit der sich Macdonald auch abgequält hatte, ofr-e sie voran bringen zu könne wieder oucg r llt England i.-ht -eine Eh e ter- fent unb' seine S: llu g bedroht. Die Entschei- du-g ist f'-fr." schwier.g. Am !i?b'ten tom e mai tooW > ir Sorgen um den äg?pti chen €txit s b t aber -es ist schi-r u-möglih. das so zu machen, dah gleichwohl tu trif) gc ft rate- gifefre Position, al-o vor allem MÖu-j- tonal un> die Herrschaft im Sudan ii E-a'ands Hand bi.ibt. Schon de. indischen Frone steh' man in Eng'.and riem'.ich ratlos aeaenüber. 20»?r bei der ägyvt sch-n weih man. mX Ena'and lebhaft de letz'en Jahre hinduoch ae^eiat ha' vo lends n <frt, was man machen und mit ihr anfangen soll. Sind beim nun die oLnhhter deren not.oaale Bewegung sehr ent- RKeten unb lebendig ist, reih sich selbst zu re- aieven Das ist auch eine jrage die nicht nur änvonb sondern Europa angeht, das kenn Jnter- einen neuen Krisen-
herd. wie früher die Dal^anftaaten das waren, entftefren zu sehen, an einer recht empfindlichen, weltpolitisch ung.mein reizbaren Sielle, an der engl sche, sranzös.sche und italienische Interessen zusommen- unb gcgeneinanfrcrlaufen.
Die ägypt sche Krise zeigt, doh England woW, wie es Moedonald getan hat, eine zeit-lang die Reichsfroge vor der eurvpä schen zurückdrangen kann dah aber diese einfach ihre Beachtung weiter erzwingtz Dos heiht, dah eben die Inanspruchnahme des englischen Auhenministers durch zahllose gegen<inand:rgohende Sorgen an ollen möglichen Stellen der Welt fortwährend den englftchen Auhenminister behindern, den eurvpäifchen D.ngen die vollen Kräfte zuzuwenden. und das ift bereits eben, wie die Dinge freute liegen, der Weiterlausende Vorteil von Frankreich.
Wird sich das auswirken in der weiteren Be- han'sing ie§ Londoner Abkommens? Mi.kl sich bas vor allem schon aus in den Han- delsvertragsverhanblungen in denen Frankreich und England mit Deutschland gewissermahen untereinander Wettlaufen? Legt
diese Betrachtung der Lage denn nun uns nicht nahe, unse.erfrits die Dinge keinesfalls zu übereilen? Könnte nicht auch Deu schland das sagen, was Chamberlain über das Genfer Protokoll gesagt hat. dah man ihm erst Zeit lassen müsse, sich zu sammeln, sich vvrzubere.ten. sich dir Sache zu überlegen? Kann, wenn gfrich^eüig Staatssekretär Trendelenburg in Paris. Herr v. Schubert in London. Herr Köpke in Rom verhandeln, unb wählend der Auhenminister auf Wahlagitation ist. mit den übrigen Mr g'ledern beä Kabinetts, kann dabei Ueverfich' unb Zusam- men hang in diesen weittragenden und wichtigen Verhandlungen gewahrt bl.iden? Kann dabei überhaupt das deutsche WiftschafKleben auf feine Rechnung kommen? Wenn man diese F age stellt, ist es eigentlich unbegreifllch. dah Deutschland so verhandelt, wie es das heute tut Aber es paht durchaus herein in die alle E.ftahrung dah man eben nicht die a^hmpvl tischen Zusammenhänge und auhenpolilische Lage sv vor Augen hält, wie
■man es theoretisch regelmäßig friert.


