stellen, der ohne ungeheure Schädigung der Bevölkerung und dem Staat, mit dem er untrennbar verknüpft ist, gar nicht weggenommen rverden kann. Man erinnert dabei an die Kundgebung der Generaldirektoren unb Intendanten der staatlichen Museen. Bibliotheken und Staatstheater, dre daraus hingewlesen haben, daß es srch bei den Ansprüchen des Königshauses auf die künstlerischen und kunsthistorischen Schöpf rngen um unersetzliche historische Monumente und kulturelle Vermächtnisse handele. Aus diesem Grunde behauptet die preußische Regierung, daß es unmöglich sei, die Auseinandersetzungen mit dem preußischen Königshaus lediglich nach dem Grundsatz vermögens rechtlicher Urteilssprüche zu führen. Das gelte besonders für die von den Hohenzollern als Privateigentum beanspruchten DiDer des Kais er-F rledrich°M u ! e u ms, über 3000 Gemälde, die etwa 4/s des gesamten Dilderbestandes, darunter die wertvollsten Stücke, unter denen sich Bilder von Rembrandt und Watteau befinden. Wenn man diese künstlerischen Reichtümer dem Hohenzollernhause als Privateigentum zurückgebe, so würde damit der deutschen Bevölkerung ein Stück wertvollsten Kulturgutes entrissen.
Weiter behauptet die preußische Regierung, baß auch die von den Hohenzollern beanspruchten Güter und Gegenstände für den preußischen Staat eine Belastung darstellen, die eine unerhörte Verschuldung des Staates zur Folge haben müßten. Die von den Hohenzollern beanspruchten Privateigentümer stellten einen Wert von mehreren hundert Millionen Goldmari dar Das seien Summen, die der preußische Staat nicht aufbringen könne, ohne sich zu rdinieren Für die Mitglieder des Hohenzollernhauses besteht dagegen der Grundsatz, daß es sich bei der Herausgabe der Vermögensobjekte lediglich um eine Rechtsfrage handelt, und daß die Zurückbehaltung eine widerrechtliche Enteignung dar stellen würde, die mit den Grundsätzen der Reichsverfassung nicht zu vereinbaren ist. Das preußische Königshaus verfügt über zahlreiche Gutachten von juristischer Seite, die übereinstimmend die Ansprüche der Hohenzollern vom rechtlichen Standpunkt aus als unbedingt 'unanfechtbar bezeichnen.
Es bleibt nunmehr abzuwarten, ob es der preußischen Regierung gelingen wird, ein Schiedsgerichtsverfahren herb izufüh- ren. Auch in den Kreisen der Rechtsparteien des Preußischen Landtages steht man auf dem Stano- pmtkt, daß dies der einzig richtige Ausweg fei, den Streit mit dem HohenzollernHaus zu beenden.
Aus der Provinz.
Landkreis Gießen.
t Grünberg, 27. Sept. Ein lbjähriger Mts Erbach im Odenwald stammender Hand Werksbursche benahm sich in der Gemarkung Ettingshausen einem jungen Mädchen ge genüber in unzüchtiger Weise. Er entfernte sich dann in der Richtung nach Queckbvrn. Hier tmnde er von dem GMdarmerie-Oberwachtmeistc v Lang aus Grünberg festgenommen und in das Amtsgerichtsgefängnis gebracht.
Kreis Schotten.
Q Laubach, 28. Sept. Das Obst an den Kreis st raßen wurde jetzt versteigert. Der .Zentner Aepfel kam im Durchschnitt auf 3 bis *4 Mk., Birnen kamen auf 2.50 bis 3 Mk. pro einer. Angleich höher stellte sich der Preis bei
Versteigerung des Obstes der Gemeinde. «Der Zentner Aepfel niederer Sorte kam aus 8 bis 8 Mk. im Durchschnitt, besserer Sorte ans 8 bis 10 Mk. Birnen kamen etwas billiger. Zwetschen kamen nicht zur Versteigerung,' sie waren völlig mißraten. — Das Dettelunwesen hat wieder stark zugenvmmen. Ein Stromer gibt deni andern die Klinke in die Hand. Es ist ärgerlich, zu sehen, wie sich alte Leute auf dem, Felde ab- muhen, während junge kräftige Burschen vorüberlungern. Ebenso treten Zigeuner Horden wieder häufiger auf. Dieselbe Bande kann man in demselben Orte alle 3 bis 4 Wochen wieder kehrend sehen. Gestern zogen 4 Wagen durch b. benachbarten Marktflecken Freienseen, Heu! r halten wieder 2 Wagen der braunen Gesellen vo unserer Stad!. Sie betreiben eifrig den Fang d.s der Landwirtschaft so nützlichen Schwinigels. Auch mit Pserdehandel und Kesselflicken befassen sie sich eifrig. Die Grummeternte ist nahezu b. endet. Sie ist nach der Menge und nach der Be- schaffenheit als gut zu bezeichnen. Dagegen ist die Kartoffelernte mäßig; die Knollen sind izahlreich in der Erde angefault.
ed. C i ch e.l s d o r f, 28. Sept. Roch vor kurzer Zeit hoffte niemand, den reichen Ertrag der Aepfel- und Birnbäume zu einem einigermaßen annehmbaren Preise absetzen zu können Run wurde in diesen Tagen das erste Kelter obst verladen (Doppelzentner 5 Mk.), und dir Bew h ner der Dogelsbrrgorte kamen an den CRegen^ .........................im ■■■<rwirrnin■■nmi iriiii nni
seltsame Flitterwochen.
Roman von Arnold Fredericks.
6. Fortsei ung (Rachdruck verboten.)
Als Duvall am Samstag vormittag bei Stapleton erschien, tvar dieser aufs neue bestürzt. Er hatte gerade eine Drahtnachricht erhalten und las sie dem Detektiv vor: „Matt) Vergiftung. Erholt sich Kommet sofort."
Der Detektiv war erstaunt „E^ scheint," be° merkte er, „daß jemand Angst h.ttte, sie könne ausplaudern 3e eher wir na ij ''Paris kommen, desto besser!"
Drittes Kapitel.
Als Grace ohne ihren Mann Europa zufuhr, war ihr erster Gedanke, ihm auf drahtlosem W.ge von ihrem Unternehmen Mitteilung zu machen. Dann nahm sie, aus mannigfachen Gründen, davon Abstand. Der wichtigste war, daß Richard s ch wegen der f-> unerwarteten Reuigkeit unnötig geängstigt haben würde. Sie wußte, daß sie ihm in der b grenzten Drahtnachricht die Umstände nicht erklären konnte. Und dann wäre es doch auch unvorsichtig gewesen, den wirklichen Grund ihrer Abreise zu erwähnen.
So beschloß sie als das beste, zu warten, bis sie in einigen Tagen Richard in Paris sehen würde, um ihm alles befriedigend zu erklären
Ecflrt nach ihrer Ankunft in Paris fuhr sie in das Amtsgcbäude des Polizeipräfekten und ließ sich lei Lefevre anmelden. Sie nahm an, er winde sie erwarten, da sein Agent in Washington ihn zweifellos benachrichtigt hatte, und sie hatte sich nicht getäuscht.
Er eilte ins Vorzimmer, umarmte sie mit echt gallischem Feuer und küßte sie auf beide
tagen dieser Woche scharenweise, um hier Honigbirnen einzukaufen. Der Preis für den Zentner Dirnen stieg binnen kurzem von 90 Pf. auf 2,50 Mk. Tafelobst wurde bis jetzt nicht geh andelt.
§ Ulrichstein, 27. Sept. Der am Mittwoch hier stattgefundene Michaelismarkt litt wieder unter der sehr ungünstigen Witterung; der Auftrieb an Schweinen war recht groß. — Der bei dem kürzlichen Brande schwer beschädigte Kirchturm erhält tn diesen Tagen ein Rvtdach.
Kreis Alsfeld.
-er. Homberg a. d. Ohm, 28. Sept. Bei der Fr ü ho b st ver ste ige rung löste die Gemeinde 382 Mk. Die Sp ä to bst ver st ei g e - rang brachte 1568 Mk. ein. Für Obst wurde also der schöne Erlös von 1950 Mk. vereinnahmt, obwohl der Behang durchweg reichlicher hätte sein dürfen. Wie verlautet, werden im kommen- den Herbste seitens der Gemeinde neue Ohttäum- chen, in Rücksicht auf unser Klima spätblühende Sorten, gesetzt werden. - Wachtmeister Rumpf ist ab ’l. Oktober nach Ulrichstein, Kreis Schotten versetzt. Die hiesige Genda .merie-Stat'on weist alsdann nur noch zwei Beamte auf. — 3m Gemeind er at schweben zur Zeit Verhandlungen über eine neu zu gründende Bezirkssparkasse. Am Platze sind zwei Sparkassen vorhanden. Wie ter lautet, wird die alte Spar- und Kredittasse in dieser aufgehen.
Kreis Lauterbach.
m. Herbstein, 28. Sept. Heute fand hier im Stadtwirtshaus eine von Vertretern des nordöstlichen Dogelsberges gut besuch e Versammlung statt, die sich mit der von der Reichsbahndirektivn Frankfurt a. M. beabsichtigten Einstellung des Sonntagszugverkehrs auf der Strecke Lauterbach—Gedern ab 1. Ok!'w Ber beschäftigte. Sn brr Versammlung kam allenthalben lebhafter Unwille der Gemeinden über diese Absicht der EisrNlbah.Verwaltung zum Aus- druck. Mau betonte übereinstimmend, daß die Gemeinden und die allgemeinen Belange des nordöstlichen Vogelsberges durch die Verwirklichung des Vorhabens der Eisenbahm?erw^ltung in schwerster Weise geschädigt würden. Rachstehende Entschließung wurde einstimmig angenommen: „Die in Herbstein versammelten Vertreter der Gemeinden des nordöstlichen Vogels- berget nehmen mit lebhaftem Bedauern von der bevorstehenden Einstellung des gesamten Sonntags-Zugverkehrs auf der Strecke Lauterbach—Gedern Kenntnis. Sie erblicken in dieser Maßnahme der Eisenbahnverwaltung eine Zurück- sctzung der berechtigten Zn ter essen der gesamten Bevölke, ung und erheben dagegen Eins p r u ch, daß bei Zugeinstellungen in erster Linie stets die Strecke Lauterbach—Gedern steht. Die getroffene Maßnahme unterbindet den gesamten Fremden- verkehr, der sich im Winter auf die Sonntage beschränkt (Wintersport), sie verhindert die Post- b.-stellung, die rechtzeitige Rückfahrt von Arbeitern zur Arbeitsstätte und Schülern zu den Schal- orten, das Lluffuchen von Aerzten, Apoth.ken und Krankeßheusern und den rechtzeitigen Abtransport von Tausendem von Litern Milch an die städtischen Abnehmer. Die Vertteter der betroffenen Gemeinden erwarten von der Ersenbahn- verwaltung, daß die Frage der Zugeinstellung nicht allein vom Gesichtspunkt der Rentabilität, sondern auch von dem Standpunkt behonLelt wird, laß die Eisenbahn immerhin ein öffentliches De rkehrs in st i t u t ist, das allen Steuerzahlern in gleicher Weise Rechnung tragen soll, und sie erwartet die Wiederinbettiebaahme des Sonn tag z u g Verkehrs in der seitherigen Weis e.“
* Lauterbach, 27. Sept. Der Stadtvorstand beschäftigte sich, dem „Lauterbacher Anzeiger" zufolge, in feiner jüngsten Sitzung mit der Frage der weiteren Auf rech terhaltung 1 Bahnhofs Laute.rbach-Sud. Rach den mit der Reichsbahndirektion in dieser Angelegenheit gepflogenen Verhandlungen fordert . i:fc sürtedcn Zug halt über den 1. Oktober hinaus 50 PsenMg. Die seitherige Vergütung hierfür I : 11 ug 1 Marl. Der Stadtvorstand stimmte dieser ocdberung zu. Gleichzeitig wurde die Dürger- ;;.?if1erci beauftragt, die erforderlichen Schritte u unternehmen, um die geplante Stillegung des Sonntagszugverkehrs auf der V o g els be rg ba h n im kommenden Winter- : albjahr zu verhindern. 2m weiteren Verlauf Lcr Sitzung beschäftigte sich der Stadtvorstand mit dem Ersuchen des F r a n k f u r ter Künstier theaters für Rhein und Main. Dieses neugegründete Unternehmen beabsichtigt, demnächst hier einige Vorstellungen zu geben und ist an die Stadt mit dem Wunsche herangetreten, das evtl, bei der ersten Vorstellung sich ergebende Defizit zu übernehmen. Um die Finanzierung dieses künstlerisch hochstehenden Theaters zu gewährleisten, wurde dem Antrag zugestimmt. Für den in Ausarbeitung begriffenen Film Sauter»
Backen, so daß sie errötete. Dann zog er sie mit sich in seinen Arbeitsraum
„Wo ist Ihr Rkann?" fragte er eifrig, kaum daß Grace Platz genommen.
„Ich - ich weih es nicht. Wahrscheinlich unterwegs nach Paris."
„Aber — liebes Kind, kam er nicht mit Ihnen?"
„Rein. Er hatte - anderes zu tun."
„Anderes zu tun! ilwb ich glaubte, er habe sich vorübergehend vom Geschäft zurückgezogen." Der- Präfett schien höchlichst erstaunt.
„Das hatte er vuch, aber ein alter Freund, Herr Stapleton
Lefevre unterbrach sie „Stapleton!" schrie er förmlich. „Er arbeitet für ih.-i! Mon Dieu!" „Warum nicht?" fragte Grace erstaunt „Aber gerade für diesen Fall wollte ich seine Hilfe. And für diesen Stapleton, der da in alle Welt drahtet, die ganze Pariser Polizei bestehe nur aus Hanswursten! Parbleu! Ein unter schäm ter Mensch!"
„Sie wünschten meinen Mann für eben diesen Fall?"
„Ratürlich! Wofür denn sonst? Das Kind dieses Millionärs ist geraubt entführt worden. Wir haben nicht die geringste Spur gefunden. Ich habe die Hoffnung aufgegeben. Meine Leute versichern, es sei das Wer! einer amerikanischen Bande. Ich hoffte, Herr Duvall würde diese Leute ausfindig machen vielleicht ha er gewisse Anhaltspunkte, um deren Verhaftung zu ermöglichen. Dieser reiche Amerikaner, der verächtlich auf die Pariser Polizei herunter sieht! Die Findigkeit meiner Behörde wird angezüeifelt! Mein Rus ist im Spiel! Ich bitte meinen Freund Duvall um seine Hilfe und — parbleu!
Vach und Hmgegenb wurden 50 Mark bewilligt. -m <
Kreis Friedberg.
4 Dad-Rauheim, 27. Sept. In der s gestrigen Sitzung der Stadtverordneten, über deren wichtigsten Beschluß wir schon berichteten, wurden folgende weitere Entscheidungen getroffen: Beschlossen wurde die Umpf l a st e r u n g des Hofes der Volksschule. Dem Geflügelzuchtverein wurden für eine lokale Ausstellung 50 Mk. bewilligt. Der neue . Friedhof soll eine bedeutende Erwet- terung erfahren. Das dazu benötigte städtische Gelände stand seither für den Kleingartenbau zur Versügung. Die Pächter sollen anderswo städtisches Gelände für den Gartenbau zu gewiesen bekommen. Kosten entstehen der Stadt nur durch Errichtung einer Frredhofsma der. Der dafür beantragte Betrag wurde bewilligt. Der Aufrechterhaltung des Fern- s p r e ch n a ch t d i e n st e s wurde zugestimmt. Der Antrag auf Beschaffung einer rechnenden^ Schreibmaschine, sowie einer Rechenmaschine für die Bürgermeisterei wurde zwecks nochmaliger Prüfung zurückgestellt. Die hiesige Ortskrankenkasse war seither im städtischen Polizeiamt untergebracht. Wegen Raummangels maßte ein Reubau der Ortskrankenkasse bc= . schlossen werden, mit dem bereits begonnen worden ist. Es muß dazu noch ein Geländestreifen neben dein Hastlolal erworben werden. Der Erwerb fand Genehmigung. Unter „Besprechungen" wünschte Stadtverordneter Kraus eine Auf- « pellung über die © teuererträge bis 5am ]. Oktober, um prüfen zu 'können^ob nicht der Abb au der einen oder anderen oteuer möglich sei. Der Redner denkt vor allem an die Fremde n st e u e r. Ferner unterbreitete Stadtv. Kraus dein Bürgermeister die Bitte, dafür cinzutreten, daß künftighin politische Versammlungen unter freiem Himmel (gedacht ist u. a. an die diesjährigen Tagungen der Arbeiterjugend und der Vaterländischen Verbände in der Trinkkuranlage) im Interesse des Kurbetriebes nicht mehr gestattet werden. Der Sprecher der Sozialdemokraten trat der Anregung des Stadtv. Kraus entgegen, mit der Begründung, daß wir Ausnahmegesetze genug hatten. Auch der Dürgermeister lehnte^es ab, in der Angelegenheit Schritte zu tun. In der nichtöffentlichen Sitzung wurde der Rücktritt des Stadtv. Büttner (Soz.) genehmigt. Ferner wurde ein umfangreiches Steuernachlaßgesach. abgelehnt und die Vergütung des Pfandmeisters neu geregelt. - Unsere Gemarkung hat infolge ihrer geschützten Lage am Daunushang sehr ausgedehnte Obstanlagen mit durchweg edlen und feinsten Obstsorten. In hohem Maße sind Staat und Stadt an dem Besitze der ObfHuthirensbeteiligt. Da infolge der Qualität des hiesigen Obstes immer große Anfrage herrscht, werden hier gewöhnlich höhere Preise gezählt, als in anderen Teilen Oberhessens. Das zeigte sich auch wieder beim heurigen Obstver - 1 a u s, besonders bei den Versteigerungen der Stadt. Einzelne Bäume brachten einen (SrlöS bis zu 100 Mk. ein. Vielfach stand sich der Zentner am Daum auf 10 bis 20 Mk. Besonders begehrte Sorten, wie „Schöner von Boskoop" kosteten fZO bis 30 Mk. pro Zentner am Baum. Keltervbst wird von Apselweinwirttchaften für 3 Ml. pro Zentner aufgekauft. Rach Dirnen herrscht, wie allerorts, auch hier nur wenig Rachfrage. An lden Kreisstrahen wurden Birnbäume!, die «mehrere Zenttier trugen, für 2 bis 3 Ml. versteigert.
* Dad-Rauheim, 28. Sept. Das Polizei- I amt gibt bekannt, daß hier t ollwutverdächtige Hunde Personen gebissen haben. Infolgedessen ist bestimmt worden, daß alle Hunde entweder- festzulegen oder so einzusperren sind, daß sie nicht entweichen können und daß sie nur mit undurchbeißbaren Maulkörben an der Leine auf die Straße geführt weiden dürfen.
* Friedberg, 28. Sept. Dieser Tage gab es in unserer Stadt erhebliches Erstaunen, da „der Dürgermeister" eine öffentliche Einladung zur Vorstädter Kerb der Bewohner der Vorstadt zum Garten erlassen hatte. Man war platt darüber, um was sich „der Bürgermeister" doch nicht alles fürnmene. Jetzt stellt sich heraus, daß jene Anzeige nicht von der Bürgermeisterei ausging, sondern von der Vorstadtgemeinde, die ihren Vertreter scherzhaft ald „Vorstadt-Bürgermeister" bezeichnet. Man hat es also mit so einer Art Köpen ickiade zu tun. Der r ich- t i ge Bürgermeister der Stadt, Dr. S e y d , macht in einer amtlichen Bekanntmachung nachdrücklich gegen den falschen von Vvrstadtgnaden Fkont und betont, „es handelt sich um eine ungesetzliche und unzulässige Unterschrift eines Einwohners, der sich offenbar der Tragweite seiner Handlungsweise nicht bewußt war." Ja, ja, was es doch für Leute gibt! — Die Stadtverordneten! beschlossen, laut „Oberh. Anz.", in ihrer jüngsten geheimen Sitzung, zur Hebung der Dau-
Er arbeitet schon für diesen Mann, der mich beleidigt hat. Es ist scheußlich!"
Grace tonnte kaum ein Lächeln unterdrücken. Wie typisch französisch' der Präfekt doch war!
„Mein Mann konnte nicht wissen, daß auch Sie feine Unterstützung wünschten, als er den - Fall für Herrn Etaplet-on a-nnahm. Er weiß es sogar jetzt noch nicht. Er hat Ihre Berufung nicht erhalten."
„Dann weiß er nicht, daß Sie in Paris sind?"
„Rein. Ich dachte, er würde mit demselben Schiff fahren. Als ich ihn an Bord nicht fand, wollte ich ihn drahtlos benachrichtigen. Dann überlegte ich, daß dies nicht möglich naäre, ohne zu erklären, warum ich hierherfuhr - — ohne Sie zu nennen. Das wollte ich nicht es fangen heutzutage so viele Leute die drahtlosen Berichte auf. Ich zog vor, die Sache geheim zu halten."
„Sie haben ganz richtig g.handelt! Ich wünschte, Ihr Mann sollte den Fall ga.iz unabhängig verfolgen, ohne daß es bekannt würde, daß er in meinem Auftrag handelte." Er hielt in tiefen Gedanken inne. ., Zweifellos arbeitet er für Stapleton ebenso geheim."
„Vermutlich. Er trug mir hierüber Stillschweigen auf. Ihnen muhte ich es sagen, um alles zu erklären."
„Und er weiß nicht, daß Sie hier sind!" Der Präselt schüttelte sich vor Lachen. „Ma foi! Welcher Spaß!"
„Ein Spaß?"
„Gewiß. Finden Eie nicht? Ich bitte jetzt Sie, der Sach? nachzuspüren. Ich muß Stapletons Kind unbedingt finden, ehe es ihm durch jemand anderes gelingt. Mein guter Ruf verträgt das nicht. Kann ich Ihren Mann nicht haben, so habe ich wenigstens Sie."
tattgtett ein größeres Kapital truf» zunehmen. Ob die Stadt selbst bauen oder das aufgenommene Geld in Form von Darlehen an Baulustige weitergeben will, soll m einer späteren Sitzung beschlossen werden.
Starkenburg und Rheinhessen.
* Darmstadt, 28. Sept. (Eigener Bericht.) Die Stadt Darmstadt hat in dem Voranschlag für 1924 einen Betrag von 72 1 000 Mark eingestellt, der zur Zahlung von Zinsen und zur Rückzahlung von Kapitalien tertoenöet werden jp(l, wenn neue gesetzliche Bestimmungen über die Auf Wertung erlassen werden sollten.
Hessen-Nassau.
][ Marburg, 27. Sept. Die Stadtverordneten beschlossen die Einführung praktischer Kvchkurse bei der Gewerbeschule für Mädchen und der gewerblichen Derufs- schule. Wie ferner mitgeteilt wurde, hat der Rechnungsabschluß der Stadtchauiptkasse für 1923 einen Ueberschutz twn rund 108000 Mark im Ordinarium ergeben. Hiervon gehen 34 000 Mk. für die Verstaatlichung der Elisabeth- schule ab, mit dem Rest toeröen die Mehrausgaben einzelner Posittonen gedeckt. Von einer Erhöhung der Steuern Barni deshalb vorläufig abgesehen werden. Zur Reufeststel- hmg des Voranschlags der außerordentllchen Ausgaben wurde eine Anleihe von 640000 Mk. genehmigt.
fpd. Frankfurt a. M., 28. Sept. 3n der ‘ Person beS 25jährigen Hotelangestellten Ernst R i e b 1 er toudx> ein abgefeimter Schwindler fest genommen, dessen Betrügereien nach der bei ihm beschlagnahmten Korrespondenz außerordentlich groß gewesen sein müssen. Riebler suchte durch Zeitungsanzeigen Dienstmädchen JOtb Diener für Amerika Fjir die Vermittlung verlangte und erhielt er fast ausnahmslos eine erhebliche Summe. Die Angebote ließ er sich postlagernd unter dem Ramen Karl Mühlen nach granffurt oder nach Hamburg schicken. — Aus der Reise von Ostende-Köln-Frankfurt nach Bad Rauheim wurde einer Engländerin ein Koffer gestohlen, der neben anderen Wertsachen auch ein kostbares Perlenkvllier und ein Paar D r il lau t ohrringe barg. Der Diebstahl wurde erst in Bad Rauheim entbeeft
Deutscher Lustwettvewerb 1924
Darmstadt, 28. Sept.
In den Tagen vom 27. bis 30. September wild in Darmstadt der Deutsche Luft- Wettbewerb^ 1 92 4 abgehalten. Veranstalter sind der Bund Hess. Flieger E. V., „Hessen-Flieger" und der Verein für Luftfahrt E. V. Darmstadt. Dom Wetter sehr begünsttgt, haben heute morgen in Gegenwart eines zahlreichen Publikums die Flüge begonnen. Der Flugplatz ber „Hessen-Flieger", der vor einigen Wochen ein- geweiht worden war, liegt in der Rähe der Stadt. Die Veransta'ltung steht unter dem Ehren- schütz des Staatspräsidenten, . der ehre Zeitlang anwesend war, sowie auch Vertreter der hessischen Regierung und der Stadt Darmstadt. Bei dem „Luftwettbewerb 1924“ handelt es sich um ein Vergleichsf liegen; er ist offen für Flugzeuge mit motorifcfiem Antrieb. Die Flugzeuge müssen in Deutschland hergestellt sein. Die Motoren können auch aus dem Ausland stammen. Zugelassen firtb: Klasse A: bis 30 PS. (einschließlich effektiver Leistung), Klasse B: von 30—60 PS I Klasse C: von 60—90 PS.
Ram hafte Persönlichkeiten und Fiinren haben für den Wettbewerb Gegenstände mit Widmung als Ehrenpreis und größere Geldbeträge als Zn- satzpreise gestiftet. Ausgeflogen werden u. a. auch: ein Preis des Reichspräsidenten Ebert, ein Pr ; des hessischen Staatspräsidenten Ulrich und c-er große Preis von Darmstadt. Zum Austtag kommen: 1. ein Kurvenflug mit Ziellandung, 2. ein Schnelligkeitsflug mit Meldungsabwurf, 3. ein Höhenflug mit Kurvengleitflug, 4. ein Geschicklich- leitsflug, 5. ein Stafettenslug und 6. der Süddeutsche Zuverlässigkeits- oder Fünsländer-Flug. Beim Kurvenflng mit Ziellandung wird vor allem Schönheit des Fluges und Landung in der Rähe des Zieles gewertet, beim Schnelligkertsslug mit Meldungsabwurf wird Schnelligkeit in erster Linie beachtet. Beim Höhenflug mit Kurvengleitflug wird nad) der Formel Höhe x kg PS Nutzlast gewertet. Beim Geschicklichkeitsflug wird die im Flug bewiesene Geschicklichkeit nach Zahl, Ausführung und Vielleitigkeit der Uebungen gewertet. Beim Stasettenflug erfolgt die Wertung nach Zeit. Beim Fünfländer-Flug wird ebenfalls nach Zeit gewertet. Der Fünsländer-Flug beginnt am Montag, 29. September: die Resultate dieses Fluges sind am Dienstagabend zu erwarten.
Die Ergebnisse der Sonntags-Flüge bis etwa 7 Ahr abends.
1. Kurvenflug mit Ziellandung: A Hoppe 6,50 Meter, A Dotsch 65,30 Meder, B Dillik 100 Meter, C Heck 64,30 Meter, C
„Aber — dann muh ich gegen ihn arbeiten?* „Rein, Sie werden beide dasselbe Ziel verfolgen: die Auffindung von Stapletons Jungen. Wem sie von Ihnen zuerst gelingt — das Ergebnis ist dasselbe: der Knabe kann seinen Eltern zurückgegeben werden. Aber ich wünsche Ihnen liebes Kind, Sie möchten ihn finden."
„Aber, Herr Lefevre, wie soll mtt gelingen, was geübten Männern nicht möglich war?"
„Wer weiß? Ich erinnere mich zu gut Ihvsi hervorragenden Dienste bei der Elfenbein-Tabaksdose. Ohne Eie hätten wir sie nie entdeckt. Ich habe Zuversicht in Ihr weibliches Borahnungsvermögen. Sie werden das .Kind für mich finden und Ihren Mann damit überraschen, daß es da ist."
„Aber," lächelte Grace belustigt zu der ihr eröffneten Aussicht, „nehmen Sie den Fall an, ich würde ihm begegnen?"
„Sie müssen sich ein wenig tertleiben. Aen- dern Sie Ihre Haarfarbe, das ist hier in Paris eine Kleinigkeit," lachte der Präfekt. „<Äe brauchen nur eine leichte Veränderung Ihres Aussehens. Und geben Sie sich Ihrem Mann nicht zu erkennen, falls Sie sich ihn gegenüber befinden sollten. Das ist das wichtigste."
„Warum?"
„Weil er, wenn er Sic erkennen würde, da- »raus bringen würde, daß Sie den Fall ganz ihm überlassen und das wäre wider meine Pläne." Der Präfekt zwinkerte vergnügt mit den Augen. „Tun Sie es mir zuliebe! Es soll ein kleiner Scherz unter uns sein. „ Flitterwochen-Detektive" nannte ich Sie ja wohl. Das ist doch luftig, daß Sie in derselben Angelegenh-it einem andern den Rang ablaufen werden " Er lachte von Herzen.
(Fortsetzung folgt.)


