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Iir/229 Zweiter Blatt
Englisch-deutsche Lustfahrt-Derhandlungen
Am Vorabend des Zeppelin-Deutschlands uges tarn General Sir William D r a n ck e r. Vizlluft- marschatt und Organisator des britischen Privatluftverkehrs, im Flugzeug von Loill»n nach Berlin und hatte hier eine mehrstündige Verhandlung mit den Beamten des deutschen Luftamts im Reichsverkehrsministcr.um. S.r William Brancker flog am Donnerstag abend weiter über Dessau nach Prag Wäre er bis Freitag in Berlin geblieben, so hätte er die Begeisterung miterlebt, mit der man den 3.2t. HI empfing. Er hätte bemerkt, daß der Sinn für Gustschisfahrt im deutschen Doge bis zrun letzten kleinen Schulmädchen hinab rege geblieben ist und dah sich dieser Sinn durch politische Fesseln nicht unterdrücken läßt. Der amerilanischc Sachverständige für Luftverkehr. Kennedy, der jüngst eine Studienreise durch Deutschland unternahm, Hai sein Uri eil dahin zusammengefaßt, dah Deutschland nicht nur im Starrluftschiffbau, sondern auch in der Flugzeugtechnik den andern Rationen um zehn Jahre voraus sei und dah die erforderlichen organisatorischen Formen vorhanden seien, um sofort einen großzügigen Luftverkehr mit fünfzehn anderen luftfahrenden Staaten zu betreiben, wenn eben die pvlitischen Fesseln nicht wären.
Es besteht zweierlei Maß für den deutschen und ausländischen Luftverkehr. Die Beschränkungen, die insbesondere dem deutschen Flugzeugbau Grenzen auferlegen, und die für andere luftfahrenoe Völker nicht bestehen, widersprechen dem Versailler Vertrag. Sie sind auch unvereinbar mit den Grundsätzen der internationalen Luftfahrtkonvention, die einen Teil der Dölkerbundssahung bildet. Sie haben sich nicht nur für Deutschland, sondern für alle nm den friedlichen Luswerkehr in Europa ernsthaft bemühten Völker als das einzige große Hindernis für die Entwicklung eines internationalen Luftverkehrs bis heute erwiesen.
Unsere Leidensgeschichte ist kurz folgende: 2m Anschluß an das einstige Londoner Ultimatum gingen der deutschen Regierung sogen. ^Begriffsbestimmungen" für den Flugzeugbau zu, damit, wie es hieh, Zivilgerät von Kriegsgerät genau unterschieden werden könne. 2n Ausführung dieser Bestimmungen erließ die deutsche Regierung das Gesetz über die „B e - schränkung des Luftfahrzeugbaues" vom 29. Juni 1921. Am 5 Mai 1922 erging die Verordnung über den Luftfahrzeugbau, die das genannte Gesetz ergänzte und unter dem Druck der aufgezwungenen Begriftsbestimmungen die Beschränkungen deS Flugzeugbaues festlegte. Unter anderm wird die Ruhlast auf 600 Kilogramm beschränkt, bei Einsitzern darf der Motor nicht mehr als 60 PS entwickeln, und die höchste Stundengeschwindigkeit darf bei 2000 Meter Höhe nicht mehr als 170 Kilometer betragen.
Unter diesen Fesseln kranken wir nun schon seit zwei Jahren. Und nicht nur wir, sondern auch die. Engländer. Auch die Franzosen, die Polen, die Tschechen usw. Die englische Gesellschaft z. B., die den Verkehr London—Berlin betreibt, begann den Betrieb mit Flugzeugen, die eine ziemlich hohe, weil so allein wirtschaftliche Rutz last tragen. Als eine deutsche Firma beim 3ntematümalen Luftfahrt-Garantie-Komitee in Berlin um Genehmigung deS englif<^n Flugzeugtyps D. H. 34 nachsuchte, wurde ihr das rundweg verweigert. Runmehr untersagte die deutsche Regierung auchderenglischenGe- s e l l s ch a f t die Benutzung der bisher verwandten Fahrzeuge. Der Konflikt zum Schaden des Verkehrs war da. Man half sich mit einem vorübergehenden Abkommen, das aber in diesem Sommer nur für einige Monate verlängert wurde und demnächst abläuft. Gerade auch wegen dieses Abkommens war Sir William Drancker in Berlin. England hat einen Luftfahrtvertrag mit Po- len geschlossen. Aber dazu gehört eben das Durchflugsrecht durch Deutschlarch. Ein ähnliches englisches Abkommen mit derT s ch ech o° slowakei ist zu Beginn dieses Jahres nicht erneuert worden. Man stolperte über die deutschen Begriffsbestimmungen.
@6 ist in weiteren Kreisen merkwürdigev- weise nicht bekannt geworden, daß auf der letzten Londoner Konferenz auch l u f t p a litis ch e Verhandlungen stattgefunden haben. Dabei stellte sich heraus, daß der englische Luft-
Giovanni Segantini.
(Zu seinem 25. Todestag, dem 28. September 1924.) Don Dr. Hedwig F i s ch m a n n.
Giovanni Segantinis Lebensweg, empor-- ßeigenb aus der lombardischen Ebene über das auf halber Höhe der alten 3ulierftraße gelegene Gvaübündnerdorf Savognin zu dem strahlend hellen Firnenglanz des Oberengadins, um dann auf steiler, einsamer Bergeshöhe im greifbar nahen Anblick der lichtüberfluteten Alpenrrcsen allzu jäh abzubrechen — er ist Symbol und Widerspiegelung des künstlerischen Wer^gangs dieses Billtners der Alpenwelt: dem Licht entgegen! Und Untertöne, dunkel, traumhaft nut- schwingend, klingen in Segantinis 2eben3tDcrf auch aus der ersten, früh verlassenen Landschaft seiner Kindheit nach, die ihm wie ein verlorenes Paradies sein lebelang vor Augen schwebte. Roch drrz vor dem Ende seiner nur vier 3aßrjepnte umfassenden Dahn gedenkt er in dankbaren Worten seiner Geburtsstadt Arco, die den ganzen Zauber einer südlich berückenden Vegetation nut den gigantischen Dergformen des Hochlandes ernt, als des inneren Sonnenscheins, dessen Licht noch seine Spätwerke durchleuchtet, wie er einst diese maßlos traurige Künstlerjugend verklärt hat.
Denn eine Kindertragödie, wie sie nur das Leben im siegreichen Wettbewerb mit der grauesten Arme-Leut-Dichtung zu gestalten vermag, war die Jugend dieses elternlos Heranwachsenden, tage- und wochenlang sich selbst überlassenem Kindes. Wiederholte Fluchtversuche, Aufnahme bei mitleidigen Menschen, eine kurze Hirtenidylle, an die sich die Legende von der Entdeckung seiner Künstlerschaft — wie einst jener Giottvs — beim Zeichnen seines Lieblingstieres auf der Schiefertafel knüpft, und schließlich drei wieder von einem Fluchtversuch unterbrochene verlorene Iugend- jahre in der Mailänder Eorrigenden anstatt: das ftnb die Stationen dieses Leidensweges eines Kindes. Doch welch starte ethische Kräfte, welch latente künstlerische Urgewalten müssen in der
Montag, 29. September 1924
Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberyesstn)
minifter Lord Thomson die deutschen Forderungen nach Aufhebung der erbärmlichen Be° griftsbestimnrungen unterstützt! Roch ein zweites Wunder ist geschehen: Der Leiter der französischen Lustpol'.tik, Unterstaatssekretär Gau- rent-Eynac hat in einem Vortrag vor dem Aero-Club von Frankreich zugegeben, daß man Derkehrsslugmaschrnen heutzutage gar nicht mehr in brauchbare Kriegsfahrzeuge umwandeln könne. Die „Begriffsbestimmungen" sind durch die Entwicklung der Technik überholt. Wann werden also die Fesseln fallen?
Dänemarts Abrüstungsplan.
(Don unserem Kopenhagener Korrespondenten)
Der vom sozialistischen dänischen Verteidigungsminister Rasmussen für Dänemark aus- gearbeite Abrüstungsplan hat inzwischen in der ganzen Kulturwelt Aufmerk amkeit erregt, besonders unter den neutralen Staaten. Daß der Plan
das, so ergänzen konservative dänische Dlätter. vor kurzem nicht netter auf Dänisch getagt
3n Dänemark selbst hat der bäniicte Abrüstungsplan ja auch leine Gegner, vor allem unter Den Konservativen Die soeben vollzogene WahlzumGandsthing, dem dauischenOver- Haus, bat wesentlich im Zeichen der Abrüstung gestanden. Von Wichtigkeit ist dabei, inwieweit die Venstre, die 'Bauernpartei, in die Auffassung der sozialdemokratisch-demclratischcn Koalition hinsichllich der Abrüstungssrage einlenken wird.
Aus einer neuerdings von dem dänischen Verteidigungsminister gewährten Unterredung be- kommt man Räheres über die gedachte Hce- resabschaffung und die Umwandlung in eine Ordnungs- und Seepolizei zu wissen. Das an Stelle des Heeres geplante Polizeikorps soll 7000 Mann stark [ein. und seine Mitglieder sollen „Konstabler" heißen. ..Ich habe", sagte der Minister, „in weitestem Unt» fange dafür gesorgt, auch alles in Hin
Wer
fein Heimatblatt wieder lesen will,
bestelle den Gießener Anzeiger schon vom 1. Oktober an, wenn auch die Erntearbeiten noch im Rückstand sind. Rur bei sofortigem Bezug des
• Gießener Anzeigers sichert man sich die neue oberhesfische BUderbeilage
Heimat im Bild
von der ersten Nummer an
ganz besondere Beachtung in dem Dänemark benachbarten Skandinavien findet, ist verständlich. Dabei zeigt sich mtevessantertveise, doß der frühere VartÄdigungsnrinistar R v r Wege n s . ein General Aava tsmark. von dem Hlbrüstungsentwurs der dänischen Regierung nicht entzückt ist. Er sähe offenbar lieber, wenn die skandinavischen Staaten gemctnfcrm ihre militärische Rüstung bei behielten, offenbar, um gegebenenfalls ein nicht zu verachtendes Gewicht in die Wagschalen des Mars werfen zu können.
3a, auch auf der Völkerbundskonferenz in Genf, wo der dänische Ministerprä s-ident Staun ing weilte, kam man auf den dänischen Abrüstungsplan zu sprechen. Mit Zeichen des Spottes berichtet die lonservative Preise Dänemarks, baß ausgerechnet der Außenminister des mittetameii- konischen Staates Panama, Garay, dem dänischen Ministerpräsidenten in Genf Elogen über den dänischen Abrüstungsplan gespendet habe. Desselben Staates Panama, der das AbrüüwrHs- und SicherhUtsproblem einfach dadurch gelost habe, daß die Bereinigten Staaten sich zum Beschützer sämtlicher Seelen samt des Pa- namakanals aufgeworfen hätten. Panama habe, wie sein Außenminister barg:legt, nur eine Gendarmerie zum Schutz der inneren Sicherheit und Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung bei- behalten: die ersparten Staatsmittel habe man angewandt für die Arbeiterfürsvrge in!pinert — es sind das Worte des panamaischen Ministers — von dem „noblen Gedanken", den militaristischen Geist ständig von dem Territorium Panamas äu bannen und die Bevölkerung zu erziehen in Liede zum Frieden und zur Arbeit. Staumng habe
Seele des Knaben lebendig gewesen fein, der sich aus solchen Olieberungen des Daseins in die lichten Höhen abgeklärter Künstlerschaft empor- gerungen hat! . .. .
Und wie die äußere Daseinsform, in bie der Zufall der Geburt Segantini hineingestellt, nur Hemmungen und Fessän für seine künstlerische Entwicklung bedeutete, so vermochte er auch aus der zeitgenössischen Malerei seines Heimatlandes, als sich ihm endlich der Weg zur Kunst erschlossen, nicht die lebenbildenden Grundelemente seines künstlerischen Schaffens zu gewinnen. Was an Segantinis Lebenswerk, namenllich an den Schöpfungen seiner Frühperiode, aber selbst an manchen Gemälden der Spätzeit, heute, ein Viertel- jahrhundert nach seinem Tode, als schlacken zeitlicher Gebundenheit erscheint, das sind die zweifellos unbewußten — Konzessionen an den Zeitgeschmack: was ihn an Ewigkeitswerten eignet: das unendliche Ringen mit den Problemen des Raumes und des Lichtes, die lapidare Große und Wucht seiner landschaftlichen Gestaltung, die rhythmische Abgewogenheit der Komposition, die notwendige gegenseitige Bedingtheit von Ratur und Staffage in den besten seiner Schöpfungen — das hat sich der Künstler in jahrelangen Kämpfen im Gegensatz zu seiner Umgebung abgerungen. Hier leitete ihn seine einzige und größte Lehrmeisterin, der er in werbendem Dienste rastlos dahin folgte, wo ihre Linien immer einfacher und strenger, ihre lichtatmende Atmosphäre immer Hörer und durchsichtiger wurde: die Ratur der Alpenwelt. Und selbst dort, wo uns greifbar deutlich eine Beeinflussung durch einen andern Künstler entgegenzutreten scheint, wie bei der Gegenüberstellung Segantinis und Mittels, dessen Schöpfungen der jüngere Künstler ebenso toenig jemals im Original gesehen hat wie die der französischen und belgischen Pointillisten — vermochte sie nur durch eine tiefinnerliche Wahl- und Wesensverwandtschaft, die in der inbrünstig Hebenden Anbetung der Scholle und ihrer primitiven menschlichen und tierischen Bewohner wurzelt, ausgelöst zu toerben. Der Weg von Mlllets
sicht auf Ra men zu entfernen, die an das Militär erinnern könnten.“ Die Ausbildungszeit wird vorgeschlagen auf 4x/2 Monate und die gewöhnlichen Soldaten sollen 300 Krönen für das 3ahr haben, um zur Verfügung zu stehen. Die Einzeichnung zur Rekrutierung soll auf freiwilligem Wege erfolgen, und es besteht die Meinung, daß ca 800 im Jahre ausgebildet werden sollen und ca. 250,auf einmal, .lieber die Bewaffnung äußerte sich der Minister auch. Die Konstabler sollen bewaffnet werden mit Stäben, Revolvern und einer Art Karabiner. Außerdem wird inzwischen geredet von Heineren Minenwerfern. Die Anschaffungskosten werden 300 000 Kronen ein für allemal betragen. Diese Minenwerfer sind ausgeprägte Rahkampfwaffen, und sie sollen gebraucht werden, wo es nicht möglich ist. die Karabiner anzuwenden, weil deren Kugeln zu weit reichen und Schaden hinter der Schußlinie anrichten könnten.
Die See p o l i z e i soll der Beaufsichtigung der dänischen Gewässer dienen, sie wird äus fünf Fischerei ins pekti onss chiffen zu 800 bis 1500 Tons, einem größeren Dewachungsschiff, 3 schnellen kleineren Motorschiffen und 12 Flugzeugen bestehen. Die Fahrzeuge würden armiert, wie die entsprechenden Einheiten jetzt armiert sind. Es sollen auch Kanonen auf den Schiffen sein, was der Minister, wie die der Abrüstung feindliche konservative dänische Presse ironisch bemerkt, leider als notwendig einräumen muß. Aber gleich fügte der Minister hinzu, daß tveder die Rede sei von Torpedos noch Minen.
Der Iustizminister und der Staatsminister (Innenminister) sollen den Verteidigungsminister
„Angelus" zu Segantinis „Ave Maria" — wie scheinbar kurz und gradlinig, wenn er rein äußerlich von Werk zu Werk, nicht aber durch die Urtiefen homogener Künstlerschaft führte.
„Wenn die moderne Kunst einen Charakter haben soll, so wird er in der Suche nach dem Licht in der Farbe bestehen," so formuliert Segantini in einem Brief an seinen getreuen Lebensfreund und künstlerischen Berater, den Kunst- Händer Dittore Grubioy, das matarische Problem, um dessen Lösung er ein Leben lang mit leidenschaftlicher Sehnsucht gerungen hat. Rührte doch schon das erste größere Werk des Zwanzigjährigen, das Innere des Kirchenchors von Sankt Antonio in Mailand mit einem durch ein hochgelegenes Fenster fn den Raum einfallenden, prismatisch ,zerlegten Lichtbündel, mehr instinttiv als bewußt, an jenes Problem, an dessen Ergründung zu gleicher Zeit die junge Generation in Paris fieberhaft arbeitete. Doch noch etwa ein Jahrzehnt tünstlerischen Ringens, das Segantini über den Umweg der Dunkelmalerei, über Interieurschilderungen mit dem Widerstreit einer künstlichen Lichtquelle gegen den Dämmerschein des Raumes führte, mußte verfließen, bis er die erlösende Formel fand, die chn zu dem machte, als der er heute in unserem Bewußtsein lebendig ist: zu dem Maler des gleichmäßig klaren Sonnenlichts, der licht- und lustdurchpulsten Fernen. Dem Prinzip der prismatischen Zerlegung der Färben folgend, einer Technik, die die primären Bestandteile in mosaikartigen Strichen nebeneinander seht und chre Wiedervereinigung zu einem Gesamteindruck sich im Auge des Beschauers vollziehen läßt, hat Segantini in bewußter Abweichung von den verwandten Wegen der Impressionisten und Pointillisten seine eigene (Lahn zu dem großen Zielpunkt seiner Kunst durchschritten.
Aber trennender als die Schranke einer abweichenden Technik steht zwischen Segantini und dem Impressionismus seine grundsätzlich andere Einstellung zu dem Wesen der Kunst, seine Ablehnung der Kunst um der Kunst willen. Um den
ablösen. Der Abrüstungsvorschlag wird auf 11 Millionen Kronen zu kosten kommen, erläuterte der Abrüstungsminister. Das Polizeikorps solle unter das Justizministerium gestellt tverden und die Seepolizei unter das Slaatsministerium: er selbst, der Verteidigungsminister, werde also überflüssig sein.
Der Minister war so ehrlich, einzugestehen, daß die sozialdemokratische Partei sicher Gelegenheit haben werde, mehi Enttäuschungen und teuere Uebcrrafä)ungen zu erleben, wenn ihr Vorschlag in die Wirklichkeit umgesetzt werde Es ist besonders die Leitung, die so teuer wird, sagte der Minister. Wenn man sich beschränke auf ein Polizeikorps, sei es nötig, daß deren „Haupt" auf die beste Weise ausgesteuert werde.
Aus das Gcl.ngen des dänischen Qlbrüftunge- experimentes inmitten eines (mit Ausnahme bei Zentralmächte» übermilitarisierten Europas darf man gespannt sein.
Die innerpo'itische Bedeutung der dänischen Landsthingswahl.
Das Ergebnis der letzten Wahlen zum dänischen Landsthing ist nicht fo gewesen, wie es die sozialdemokratische Partei geträumt hätte. Die Majorität im Landstying liegt nunmehr außer Bereich der zusammengehenden Sozialdemokratie und der Radikalen Sie besitzen nun nur noch 33 von 76 Plätzen. „Politiken" schreibt, ixiß der Rückgang der Linken sich einem Verschwinden dieser Partei nähert, was um so härter ist. als diese große Anstrengungen gemacht hat, um in der Hauptstadt festen Fuß zu fassen. Die Folge wird sein, daß der Landsthing zukünftig größeren Der Handlungswillen zeigt und nicht mehr eine so zurückhaltende Stellung einzunehmen braucht, da er die Mehrheit des Volles hinter sich wisse. Minister Stauning wird kaum aus die Durchführung seiner Pläne in der Valuta- frage und in der noch viel Wetter gehenden Abrüstungsvorlage rechnen können. Welche Konsequenzen sich hieraus ergeben, Abgang der Regierung oder Reuwahl zum Fvlke- thing oder gar nichts von alledem, wird sich zeigen müssen. Eine Auflösung des Landstings kann nach der Verfassung nicht in Frage kommen. In dieser Lage hört man auch bereits schon aus dem Lager der enttäuschten Partei, daß d i e D e r f a s su n g veraltet sei. Es müsse eine konstitutionelle Reform eingeführt werden, was die Radikalen natürlich begrüßen würden. Vielleicht wird man sogar versuchen wollen, den Landsthing ganz abzuschaffen oder so uinzugestalten. daß er alle praktische Bedeutung verliert.
Die Abfindung der Hohenzollern.
Seit Jahren schwebt der Streit zwischen dem preußischen Staat und dem Hohenzollernhaas über die Regelung der Ansprüche, die das vormalige preußische Königshaus an den Staat stallt. Runmehr hat die preufftsche Regierung dem Landtag die eingeforderte Denkschrift über den Stand der Vermögensauseinandersetzung mit den Hohenzollern vorgelegt, so daß in nicht allzu tanger Zeit entscheidende Beschlüsse tn dieser Fvcrge fallen werden, die immer mehr daS Interesse der politischen unb privaten Oefsentlichkett in Anspruch nimmt. Aus den Ausführungen der preußischen Denkschrift geht hervor, daß gegenwärtig alle Möglichkeiten zur friedlichen Beilegung des Abfindungsstreites mit dem Hohenzollern Hause gescheitert sind, und letzten Endes die Gefahr besteht, daß der preußische Staat In langwierige und kostspielige Prozesse mit den Hohenzollern verwickelt wird. Aus diesem Grunde sind neuerdings Bestrebungen im Gange, um em Schiedsgerichtsverfahren durchzusehen, das einen Ausgleich schafft und den Prozeßweg erübrigt, der ungeheure Summen zu verschlingen droht Das Hohenzollernhaus hat bisher aus- schließlich diesen Prozeßweq beschritten, der stets für den preußischen Staat sehr nachteilig Oerlauf,m ist und bereits außerordentlich hohe Kosten verursacht hat.
Don der preußischen Regierung toerben tn dem Vermögensstreit mit den Hohenzollern nicht nur die rechtlichen, sondern auch die historischen und politischen Zusammenhänge geltend gemacht. Die preuf ische Regierung behauptet, daß die von dem preußischen Königshaus als Privateigentum beanspruchten Güter einen Bestandteil der nationalen Kultur bar-
Schmerz einer trauernden Mutter zu lindern, hatte der Knabe einst zum erstenmal zum Stift gegriffen und die Züge des toten Kindes fest- gehalten: um die Menschheit emporzuleiten, bildete und schuf der ringenbe und der reife Künstler. In jenem offenen Briefe, in dem er Leo Tolstois maßlose Angriffe gegen die Kunst zurücktoeist, hat Segantini seine eigene Auffassung von ihrem Wesen enthüllt: „Die Arbeit, bie Liebe, die Mütterlichkeit, der Tod sollen durch die Kunst mit dem Geben in Berührung kommen, und alles soll zur Stärkung und Erhebung unseres geistigen Lebens dienen." Doch nur dort, wo diese leitenden Ideen restlos eingehen in die künstlerische Gestaltung, wo der Maler Segantini über den D olkse rzieher Segantini triumphiert, entstehen die Ewigkeitsschöpfungen seiner Kunst, toie etwa in der „Scholle" oder im „Frühlingstag in den Alpen" das ewig ernste Lied der Arbeit, im „Maientaa im Gebirge" der Hymnus des lachenden jauchzenden Lebens sich emporschwinaen im unlösbaren Ineinanderklang von künstlerischen und gedanklichen Elementen.
Doch die gewaltige Symphonie der Alpenwelt und zugleich des Menschenlebens, die in machtvollem Dreiktang Ratur, Geben und Tod — das Sein, das Werden und das Vergehen — gestalten sollte, eine Synthese, in die er nach seinem eigenen Wort jenes ganz starke Gefühl der Harmonie des Hochgebirges hineinlegen wollte, diese höchste und reifste Schöpfung des Alpenbildners tvar ihm nicht vergönnt zur letzten Gestaltung zu bringen. Unvollendet, toie der Tod den Künstler jäh hinweggerissen, ihm bas dunkle Rätsel des „Vergehens" entschleiernd, noch ehe seine Hand die volle künstlerische Göfung dafür gesunden, grüßt das Triptychon von den Wänden des Segantini-Museums in St. Moritz hinüber zu jenen Firnen, an deren Ginien und Formen, an deren Flimmern und Glänzen sich das Auge ihres Meisters nimmer satt getrunken.
Unerloschen strahlt in beiden „das große, stille Geuchen".


