Oer Alte auf Topper.
Vornan von HannS t>on 3o be11i t$.
55. Fortsetzung. (Nachdruck verbsdey.)
Freilich: der Pfarrherr fehlte. Der lag unter der Heimaterde im cipigen Frieden, und Ersah war noch nicht möglich gewesen In diesen Zeitläuften. Wen sollte es nach der kleinen Pfarre stelle gelüsten, wo der karge Ertrag noch mit de- Dersivrbenen Witwe zu teilen war nach altem Brauch? ilnb die Amtsbrüder in der Nachbarschaft rnghten heut alle in den eigenen Gemeinden ihres Amtes buten; auch mochte man sie nicht zum Kommen auffordern, der streifenden Wölfe halber. Cs muhte also ohne Pfarrherrn gehen und galt auch hier das Wort: Rot lehrt beten.
Der alte Balthasar bitte seine Bangen immer noch gut im 3uge. Schön und feierlich klang das Lutherlied durch die andachtsvolle Stille — Bom Himmel hoch, da komm' ich her, 3d) bring' euch gute, neue Mär, Der guten Mär' bring' ich so viel, Davon ich singen und sagen will.
Euch ist ein Kindlern heut gebär'N, Bon einer 3ungfrau Giriertem, Ein Kindelein so zart und fein. Das soll euer Freud' und Wonne sein.
Alle dreizehn Strophen fangen Gemeinde und Kinderchor, so hatte es der Herr Patron befohlen. Alsdann erhob er sich schwer aus dem Herven- gestühl, schritt langsam und bedächtig hinüber zum Altar, wandte sich unrUnd begannt zu sprechen.
Warwohl eine merkwürdige Predigt und hätte vielleicht bei einem hohen Eonsistoetv bedenkliches Schütteln des Kopfes erregt. Der Gestrenge ttmfrte nichts von kunstreicher Disposition, etwa
von analytischer oder synthetischer Methode, nichts von Thema oder Homilie War auch kein Bebner, der das Wort zu meistern verstand. Räusperte sich bald, bald stockte er. bald bullerte er, muhte nach dem verloren gegangenen Faden suchen, brachte den einen Sah nicht zu Ende, Hub schon mit einem neuen an. 11 nb sprach dennoch zu den Herzen.
„Stehe allhier an unseres lieben, in Gott ruhenden PüttnerS Platz," so begann er, „wollt', der Gute, Getreue lebte noch und könnt' zu Euch reden, wie er so oft hier gesprochen am Heiligen Abend. Ehre sei dem Gedächtnis des frommen, allezeit friedfertigen und doch so tapferen Dieners unseres^ Herrn . . .
„Heute vor eintausendsiebeichundertundsech;ig 3ahren, au Bethlehem im Heiligen Land, ist uns unser lieber Herr und Heiland geboren worden, terr Jesus Christus, so Gott der Vater auf die rbe gesendet, unS von all unseren viel sättigen tausendfachen Sünden zu erlösen. 3o . . also . . . hat für unS gelitten unter den 3uöen, tft unter Pontiv Pilato ans Kreuz geschlagen worden, gestorben, begraben, niedergefahren zur Hölle, wieder auferstanden von den Toten, aufgefahlen gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten . . .
„Des svltt ihr euch heute in eurer Dumpfheit erinnern, das) uns Gott Vater seinen lieben ein», geborenen Sohn schickte So wir in der Finsternis sahen, unS das Licht Seiner Gnade gab, unS von Tod unb Teufel erlösete. Dah der Herr Jesus Christus um unseretwillen ein Menschenkind worden, auf dah wir allezeit wieder Gottes Kinder werden Eonnten und zur ewigen Seligkeit kämen.
„Wissen und werten sollt ihr heute, daN wir alle, ich, euer Herr und Patron, nicht zum letzten, armselige Schlucker sind vor dem Herrn und mchls ohne Seine Gnade. Versteht ihr! 3a . . . also . . dah ihr eben, jeher für sein Teil, unserem Heiland na Setsern sollt in Worten und Werten, auf dah euch die Pforten des Himmelreichs aufgetan werden. Geduldig und rocht demütig müht ihr sein auch in eurer 'Itot, die doch so klein ist gegen die Rot mrd Pein, die Er um un< gelitten, unser guter Herr 3esus Christus . .
„Ist jctzo eine schwere Zeit, Krieg und Feinde und kein Ende. Gott der Herr aber weist, weswegen er uns solche Prüfungen ge'endet. Vielleicht weil wir zu übermütig geworden, schwach tm Glauben, ohne die rechte Liebe zu unserem Rächsten. Greift heute in euer Herze, ihr argen Sünder, und bekennet eure Schuld. Das will nicht 'gut schmecken, ich kenn euch! Aber erst, wenn ihr das recht tut, wird Gott der Allmächtige durch Herrn 3esu Christo euch wieder GnadE zuteil werden lassen, denn Er ist liebreich Zu 3hm bitten wir am Geburtstage unseres Heilands: Herre, Herre, gib Du urri Hilfe und Schutz in aller V^wängnis und bald den Frieden . . .
„Du, lieber Heiland, lege Du Fürspruch ein bei Deinem allmächtigen Vater und Herrn für uns, dah Er uns errette. Auch dah Gr unseren König beschütze und beschirme, ihn endlich ganz siegreich sein lasse wider alle Feinde und ihm die rechte hohe Weisheit gebe, so uns auS dem Kriegsgeschrei herausführe. Segne Du unsre brachliegerchen Aecker, dah sie wieder Frucht tragen, und lah Du heute in die Herzen oller Bedrängten, der Siechen und Blessierten, auch der Witwen und Waisen, Trost und rechte Chri- stenfreude Einzug halten . . .
„Wir danken Der, Hebet Herr unv HeSano, dah eS nicht ärger gcficmuitcn ist, alS eS tarn, also, dah wir hcuie in diesem Kirchlein Dir bienen können. Lind nun lasset uns beten —"
Also sprach er mit erhobener Stimme txri Vaterunser War fein gesalbter Diener des Herrn unb traute sich nicht, den Segen zu sprechen Stand nur eine Weile mit rief gefenftem Haupte und schritt dann langsam und schwer ins Hcrrengestühl zurück, indes Chor und Gemeinde dos zweit» schöne Weihnachtslied fangen:
„3hr Christen auserkoren, $ivut cucb ton Herzen sehr: Der Heiland ist geboren. Recht gute neue Mär! Des freuen sich dort oben Der heil gen Engel Schur, Tie Gott den Vater loben 3etzt fort und immerdar. So fingen sie mit Schall«: Ihr Christen hrigemetn, Freut euch von Herzen affe Ob diesem Kindelein.
Euch, euch ist es gegeben ilnb hat das Heil bereit, Dah ihr bei Gott sollt leben 3n steter Seligkeit."
Langsam, allmählich waren die kleinen Keth- lein heruntergebrannt. Hur vvm Altar leuchteten noch die beiden dicken Wachslichte auf den silbernen Leuchtern, die der brave Pfarrherr mit Gefahr des Lebens vor den Moskowitern gerettet hat. Heber dem schmalen Kirchenschiff lag die Dunkelheit. Aus den Dänfen scholl l«ts«S, leises Schluchzen in den Gesang fctnein.
(Fortsetzung folgt)
MMMsleigenrus.
Freitag, den 10. Oktober 1924, tret* mittags 10 Uhr, soll das dem Georg Bill in Butzbach im Grundbuch« von Giehen zugeschriebene Anwesen, Flur 38 Rr. 2457,o = 716 qm Hofreite, Lahnstr. 15 (früher 0*/l6), im Amtsgerichtsneubau, Zimmer Ar. 101 zu Gießen im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden.
Gtetzen, den 14. August 1924.
Hessisches Ortsgericht.
F. A.: Leo. 6635V
hofreite-Versteigerung.
Am SamStag, dem 13. September d. Is., lassen die Erben der Heinrich Weh I. Eheleute in Griedel ihre derzeitige Hofreite nebst Obst- und Pflanz- garien unter günstigen Zahlungsbedingungen in der Wirtschaft »Zur Friedens- linde" durch das Ortsgericht Griedel öffentlich an den Meistbietenden versteigern.
Hofreite nebst Oekonvmiegebäude, 1128 qm
Flächengehalt,
Grasgarten, 2256 qm Flächengehalt, Pflanzgarten, 339 qm Flächengehalt.
Besichtigung kann jeden Montag und Donnerstag nachmittags stattstnden, und können die Bedingungen daselbst, sowie bei dem Ortsgericht Griedel eingesehen werden. 6654V
Langjährige Garantie.
Günstigste Zahlungsbedingungen.
AUGUST FÖRSTER
Gießen, Bahnhofstrasse65B und Lieh (Oberhessen) Gegründetists.
Bulle.
Mittwoch, den 3. September 1924, vormittag- 8 UHr, wird ein der Ge- meinte gehöriger Dulle im SubmisfionS- wege verkauft. Angebote find bis zum Termin verfchloffen mit Aufschrift versehen bei hiesiger Bürgermeisterei einzureichen. Bedingungen werden im Termin bekannigemacht.
Allendorf a. b. Lumda, 28. August 1924. Hessische Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lumda.
____________Rein.________6646V
Dullenverkauf.
Die Gemeinde Atzenhain beabsichtigt einen jungen, nicht zum Sprung geeigneten Bullen aus dem Wege schriftlichen Angebot- zu verkaufen. Termin Dienstag, den 2. September d. IS., dorm. 8 Ahr, auf dem Bürgermeistereibureau, wo die Bedingungen bekanntgegeben werten.
Atzenhain, den 28. August 1924. Bürgermeisterei Atzenhain.
Erb. 6629V
Die staatliche Oberförfterei Aeuftadt, Kreis Kirchhain, an der Main-Weser- Dahn, verkauft am Montag, dem 22. September d. I., von vorm. 81/, Uhr ab in der Gastwirtschaft von Ludwig vom Schloß in *Aeustadt in größeren und kleinen Losen öffentlich meistbietend: Eichen: 103 Fstm. Stamme B 2. bi« 5. Kl., 11 Rm. Ruhrollen 2. Kl. und Auhknüppel. Kiefern: 1005 Fstm. Stämme Bauholz 2 bis 4. Kl.
Fichten: 1220 Stuck Stangen 1. bis 3. Kl., 9 Rm. Auhknüppel, 9 Fstm. Stämme Bauholz 1., 3. u. 4. Kl. 6637D
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Abtlg. Grundstücksverwaltung.
14--19- Sept-. 1924
SklWIse-NIMs.
Für Rechnung dessen, den es angeht, versteigere ich Montag, den 1. September 1924, vormittags 10 Uhr, auf dem Lagerplatz der Firma Heinrich Reger G. m. b. H. in Lich etwa
40 cbm Eichenschnittware meistbietend gegen Barzahlung. Der- Messungsliste kann vorher bei jnir eingesehen werden.
Lich, den 27. August 1924.
Mori, Gerichtsvollzieher. g63iv
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M Uraufführung.
Die mufikalifche Vertonung liegt in Händen des ehern. Kapellmeisters vom Heffifchen Landestheater Hofrat Ottenheimer-Darmstadt.
gur Uraufführung wird der Generalintendant vom Heffifchen Landestheater Legal-Darmstadt sprechen.
Spieldauer: Dom 31. August bis 8. September 1924.
Spielbeginn: Sonntags 3, 5, 7, 9 Uhr
werktags 4, 6, 8 Uhr. 6632c
Der Film ist für Jugendliche zugelassen.


