^enSintetteTten SÄ deutschen BoUeS, unb zur De- wültigung dieser großen Aufgabe brauche man die breite, feste und dauerhafte Regierungsmehrheit, die eben mir durch die Einbeziehung der Deutsch- nationalen in die Regierung zu erreichen sei. Zu diesem Ziel führe aber in gerader Linie die Po- litif, die von der Deutschen Volkspartei vertreten werde.
3n Anbetracht der mittlerweile weit vorgeschrittenen Zeit berührte der Redner bei seiner Betrachtung der hessischen Politik nur einige Hauptpunkte. Er wandte sich gegen die Steuerpolitik der jetzigen Regierungskoalition in Hessen. Unter deren Führung des Staates seien
die Steuersätze so außerordentlich hoch hinaufgeschraubt worden, daß alle Steuern wett mehr einbrächten, als nach dem Voranschlag notwendig sei, während auf der andern Seite der hessische Steuerzahler nicht wisse, woher er das Geld für alle diese Steuern nehmen solle. Ein Antrag der Deutschen Volkspartei aus Herabsetzung der Steuersätze sei aber trotzdem von der Regierungskoalition niedergestimmt worden. In einer so schweren Zeit, wie der jetzigen, dürften keine Fonds aus den Erträgnissen der Steuern angesammelt werden, wie es jetzt geschehen sei, Fonds, die man dann wieder gegen hohe Zinszahlung an die Wirtschaft ausleihe. Das sei ein finanziell ungesunder und nicht zu rechtfertigen- der Zustrmd. Rur für die Neufestsetzung der Herabminderung der Steuersätze tonne hier Wandel schaffen. Weiter betonte der Redner, daß das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft den gerechlfcrligten Forderungen der Wirtschaft und Landwirtschaft nicht in dem gebotenen Mähe Rechnung getragen habe, und endlich wandte er sich nachdrüchlich gegen den Geist der Unduldsamkeit und Unfreiheit im Schulwesen, gegen die dort auftretende geradezu fanatische Bekämpfung all dessen, was an die ftühere grvhe Zeit Deutschlands erinnere. Durch diesen Fanatismus, in dem sich die Praxis Dr. Streckers
auswirke, würde die Seele des Kindes schwer geschädigt. Man solle doch in der Schule nicht geistige Mauern aufrichten unb Hah erzeugen. In der Schule sei kein Platz für Parieipolitik, sondern nur Raum für die Erziehung des Kindes. Das gelte für alle und jedermann.
Einigkeit und festes Zusammenfassen aller Volksteile im <5nme eines guten deutschen Rcr- ttonalbewusttseins feien heute mehr denn je notwendig. Diese Richtschnur habe bisher für die von der Deutschen Dolkspartei vertretene Politik
gegolten, und sie werde auch weiterhin gelten. Möge das deutsche Volk sich im gleichen Geiste aufeen- und innenpolitisch den Weg freimachen zum weiteren Äufstteg.
StülMischer Beifall dankte dem Redner für seine nahezu zweistündigen Darlegungen. In der längeren Aussprache kamen ein Vertreter der Mielerinteressen und hieraus eine Wortführerin
der Kommunisten zu Wort. Beiden antwortete der Redner unter dem starken Beifall seiner politischen Freunde in sachlicher, vornehmer
Werse.
gentrumspartei.
Die erste Wählerversammlung der Zentrumspartei fand am Mittwoch abend im Katholischen Vereinshaus statt. Aach der 'Begrünung und einigen einleitenden Worten deS Vorsitzenden sprach der Innenminister v. Brentano zu den polnischen Fragen dieser Zeit, Er beschäft gte sich zunächst mit dem Parteiprogramm im allgemeinen unb erwähnte hierbei, dah die Zentrumspolitik stets auch mit für die Land- toirt1<Mt gewesen, sei. Anschliehemd ging er auf die Arbeiterfrage ein und bemertte, dah die Entlohnung der Arbeiter zu wünschen übrig laf'e und dah hier noch Wandel geschaffen werden müsse. Der Redner legte dann feine Stellung zum „Bürgerblock" dar und sagte, er lehne zur Zeit den Dürgerblock ab, da die Zersplitterung hierdurch nur noch gröber w^rde, denn er sammle gewissermaßen das Bürgertum gegen das arbeitende CBoff, und hier müsse schon der böse Anschein vermieden werden. Das deutsche Volk dürfe nicht nach Bürgern und Arbeitern unterschieden werden. Wenn es möglich wäre, das deutsche Volk gegen Kommunisten und Völkische und insbesondere auch gegen die tagtäglich „über die Ostgrenze einwandernden unsauberen Elenente" zu sammeln, dann würde er einen Dürgerblock ernstlich begreifen. Der Redner polemisierte werter gegen die Haltung der Deutschnationalen in der Frage der Daw's-Gesetze. Er wes darauf hin, dab uns das Abkommen große Vorteile gebracht habe und dah auch die Haltung unserer Gegner bereits eine ganz andere geworden sei. Es sei unglaublich, dah die Deutschnationalen immer noch auf ihrer Federung bei? Eintritts in die Regierung beständen, ohne dah sie klipp und klar erklärt hätten, ob sie die Politik der Mitte nut- machen wollten. Er verstehe auch nicht, daß es immer noch Männer gebe, die an einen Revanchekrieg dächten. Rur die Fortführung der Erfül« lungspolitil und die Politik der Verständigung mit den anderen Staaten könne Deutschland, wenn auch langsam und unter schweren Opfern, w eder hochbringen. Das Zentrum sei bereit, mit den Deutschnationalen, die befähigt sind, mitzuwirten, zusammenzuarbeilen, aber nur unter der Dedm- gung, daß die Deutschnationalen klar unb deutlich erffcnen, daß sie bereit sind, die Politik der Mitte mitzumachen, da diese Politik der einzig mögliche Weg sei, aus den unhaltbaren Verhältnissen herauszukommen. Eine andere Frage von hoher Dedeutung sei der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Dieser Eintritt wäre jedenfalls außerordentl ch erstrebenswe.t, falls er unter voller Wahrung der Rechte Deutschlands erfolgen könne. Der Redner äußerte sich dann über die Rächsfarben Schwarz-Rot-Gold. Diese seien die neuen Reichsfarben unb jeder, der auf dem Boden der Verfassung stehe, müsse diese Farben anerkennen. Hierbei kam er auch auf das „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" zu sprechen und betonte, das Zentrum könne nicht raten, dieser Organisation brizutveten. Die Zen- trunsfraktion habe einmütig beschlossen, ihren
Mitgliedern den Beitritt abzuraten, da die Zen- trumsmitglteder in dieser Ooganisatton nur einen kleinen Bruchteil bilden würden und stets der Gefahr aüsgesetzt feien, anderen Tendenzen zu unterliegen. Dann streifte der Redner die Iugend- frage und polemisierte gegen ungesunden Ratio- nalsmus. Jeder müsse es ablehnen, Dolksverrat zu begehen, „wenn er auch von Generalen komme". Er äußerte sich weiter über die Koalitionsfrage im Hessischen Landtag und sagte, daß die Deutsche Vollspartei eine Erweiterung abgelehnt hätte, sie also allein die Schuld trage. Ferner legte der Redner die Stellung der Zentrumspartei zur Aufwertungsfrage dar und hob hervor, die hemmenden Derordnungen müßten baldigst beseitigt werden.
Als zweiter Redner sprach hierauf Rechtsanwalt Dr. B o ck i u s - Mainz. Er trat zunächst dem Vorwurf der Deutschnationalen entgegen, das Zentrum habe Stlavenpolitik getrieben. Es sei keine Sklavenpolitik gemacht worden, „wohl aber hätten Sklaven Pol.tik gemacht", unb zwar Desreiungspolitik. Dann sprach der Redner über die Aufgaben des kommenden Reichstages. Er streifte hierbei die Frage der Weltwirtschaft und äußerte sich über die Vorteile, die Deutschland von einem Eintritt in den Völkerbund haben würde. In dieser Beziehung sei besonders die Kolonialfrage zu nennen. Da die ehemaligen! deutschen Kolonien unter der Verwaltung des Völkerbundes ständen, der an die ein,zelnenMächte lediglich Mandate abgegeben habe, so müsse Deutschland nach seinem Eintritt in den Völkerbund nach dem Grundsatz der Gerecht gleit ebenfalls Mandate für sich verlangen. Eine andere große Aufgabe des neuen deutschen Reichstages bestände darin, im Innern einen sozialen Ausgleich zu schäften durch eine gerechte Verteilung der Lasten und Abgaben, sowie eine vollständige Finanz- und Steuerreform durchzuführen. Der Redner streifte dann ebenfalls noch kurz die Koalitions- und die Aufwertungsfrage.
De.de Redner ernteten großen Verfall. Eine Aussprache wurde von den Zuhörern nicht gewünscht.
Die Vorbereitung der Wahlen.
DonunsererDarmstädterRedaktlon.
• Darmstadt, 26 Rov Heu e vormittag tagte im KreiSamlsgebautze der Kreiswahl- ausschuß, um zu einem Wahlvorschlag der 11 n- abhä ng iaen Sozialdemokratischen Partei, der nachträglich bei dem Kreiswah. leitet, Mi risterial rat Bornemann, eing- gangen war, Stellung zu nehmen. Der Wahlvorschlag war am 19. Rovembep (al.o noch rech:z i ig) in Butzbach zur Post g~geb -n war en; er war aber mit einer falschen Au i chr ft vr sehe i uno wurde einem anderen Bünifteruatbeamten zugetel't der auf einer Dienstrri e abaoe en) war Das Sch eiben gelangte schließlich am 24. Rovember in die Hände des Kreiswahlleiters. Der Aus chuß erwog alle Umstande und kam in einer Abstimmung zu einer Gültig keitserklärung dieses
WahworschlageS. 4 ötünmen waren dafür unL 3 dagegen; der Vorsitzende enth e t sich der Abstimmung. Die Liste der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei beginnt mit Liebknecht, Theodor, Rechtscmwalt, Berlin. Da bteier Wahlvorschlag zuletzt eingrgangen ist, steht er auch an letzter Stelle. In den weiteren Verhandlungen ermächtigte der Ausschuß tei Virsitzmxm, Aen- berangen in der Benennung der Parteien in der Weise vorzunechnea, daß bie'e Be.eichnung auf den Stimmzetteln in He fen mit de .e i des Reiches übereinstimmt. Es wird hiennit einem Wunsche des Reichswahlleiters ent pr chen.
2m Anschluß cm diese Tagung sand eine Sitzung des Verbandswahlausschusses statt, die ebenfalls unter dem Vor ih des Mi- risterialrates Dornemann starr >. Die er 2'u > schuß wat bereits am letzten Freitag g-eb.I.ct werden; seine Aufgabe ist dir Prü u rg u b Zulassung der Verbindungserklärungen innerhalb des 10. Wah kr isve bantel He se > für die Reichstagswahl. Das Ergebnis der Verhandlungen war. daß nächst hende Wahlvirschläge im 33. Wahlkreis (Fr istaal Hefe ) mit den entsprechenden 'Doihlvor'chlägen des 19. Wa' V fiel es (Hesse i-Ras'au> für verbunden e k ärt worden sind: 1. Sozialdemokratische Partei Deutschlands. 3. Zentrum. 4. Kormnni ich- Partei. 6. Rattonalsozialistische Freiheitsbewegung 7. Deutche Demokratische Partei. 9. Wirt - schaftspartei des d mischen Mittelstandes. 13. Hiußerbund. 14. Freiwirtschaftsbund F. F. F. (Freiland, Freigeld). 15. Unabhängige Sozialdemokratische Partei. (Die den Parteien her vorgesetzten Ziffern sind die des Stimm'ettcüs.) Es haben alsu keine Be bin. u-gserlläru gen ab- g^gbrn: Die Deutschno ionale Vol spartet, die Deutsche Volkspartei und der He,sieche Dauern- bund.
Turnen, Sport und Spiel
Turnen und Spiel in den Schulen.
Gestern erwiderte die Schüler r --.schuft der Oberrealschule Gießen den 'Besuch der Friedberger Augustinerschule. Ein Wettspiel im Handball wurde auSaetragen. Trotz mehr als schlüpfr ger Bvdenverhäl ni se blteb Gießen dank des schien Zu^amme ispiels mit 3:0 Sieger. Die M nnsHaft bnteHtig' m dieser Zusammenstellung zu ben schausten Hoftnungen
Stadtamt ffiv Leibcsübungeu in Hannover.
Die bürgerlichen Parteien in der hannoverschen Stadtverwaltung haben an den Magistrat den Antrag gestellt, in Beratungen über ein für Hannover zu gründendes Stadtamt für Leibesübungen einzutreten. Der Antrag löst in allen turnerischen und sportlichen Kreisen Hannovers und darüber hinaus Genugtuung aus. Ein weiterer Antrag ersucht den Magistrat, die Errichtung einer neuzeitlichen Schwimmanlage in Erwägung zu ziehen.
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