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Oer Alte aus Topper.

Roman von Hanns von Zobeltitz.

54. Fortsetzung. (Nachdruck Verboten.)

Der Gestrenge lacht dröhnend.Schau doch, die kleine Kröt'!" Der Junker sieht perplex, möcht' am liebsten nachlaufen, den fliegenden Rock haschen, sieht grab' noch den zierlichen Fuß, zierlich den groben Stiefeln zum Trotz. Weif) nicht recht, soll er lachen tote der Herr Großvater? Soll er heu­len? Bleich unb weh ist ihm ums Herz, als toär' drin etwas zerrissen, zersprungen. Aber Tränen! Um solch ein Mädel! Reckt sich aufs neue, rafft sich zusammen, ist Leibpage Seiner Ma'e'tat. Ku­rier im Allerhöchsten Auftrag und toär' bei­nahe ein dummer Junge geworden! Nimmt der Mutter Hand, küßt sie mit leichter Verbeugung: r$te gnädige Frau Mutter mögen verzeihen, der Ritt heut toar recht fatiguant wenn die Frau Mutter vielleicht etwas zu essen für mich hätten."

Freilich, er merkt wohl, die Mutterhand ist anders tote vorher. Merkt auch daß sie sich zwingt, die liebe, liebe Frau, als sie antwortet: Was mögst du gern haben. . . Kaspar . . . im Vaterhause . . Doch er gibt nicht nach, hat e*t fröhliches Lachen bereit:Speckeierkuchen ... so es noch Speck und Eier hat."

Da nickt sie und geht. Erst in die Küche, dann schnell hinauf, um ein heißes Gesichtchen leise und trostreich zu streicheln, And dann wie­der herunter zu ihrem Jungen. Der sitzt in der Herrenstube, rechts den Großvater, links den Ohm, raucht Kanaster tote ein Alter und erzählt.

Um s/4 xkc 8 Ayr totrb die Sitzung auf 5 üpi- unterbrochen

Präsident Wallraf

kommt nach ihrer Wiedereröffnung mit Worten tiefen Bedauerns auf die Prügelszenen des Vor­mittags zurück. Er ruft den Abg. von Graefe (Rat.-Soz.) zur Ordnung wogen der beleidi- Mqenden Zurufe, die er gegen den Abg. Brodau r gerichtet hatte. Der Präsident fährt fort: Die Prügelszenen, die sich wohl zum Schmerz der über- miegenden Mehrheit unb des Präsidenten hier zu- getragen haben, haben bis zur Stunde nicht restlos aufgeklärt werden können. Richt alle, die sich einer gröblichen Verletzung der Ordnung des Hauses schuldig gemacht haben, sind einwandfreiermittelt. Fest steht in­dessen, daß als Angreifer sich beteiligt haben die Abgg. Gru,he (K.), Reddermeyer (K.) und Eppstein (K.). Wegen Lieser gröblichen Ver­letzung der Ordnung des Hauses schließe ich die drei genannten Abgeordneten von der Sitzung aus. (Die Kommunisten rufen: Warum nicht Koretl, Peine und Hertz?)

. Abg. Stöcker (Komm.) ersucht ums Wort zur Geschäftsordnung.

Der Präsident erklärt, er könne das Wort erst erteilen, toerm die drei ausgeschlossenen Abgeordneten den Saal verlassen. Als nach mehreren Minuten die Ausgeschlossenen noch im Saal siich, unterbricht der Präsident die Sitzung. Rach Wiedereröffnung der Sitzung stellt Präsident Wallraf fest, daß die drei Ausge­schlossenen noch immer im Saale sind. Er erklärt, sie hätten sich dadurch den Ausschluß für 2 0 Sitzungen zugezogen, nachdem die erste Weigerung ihren Ausschluß für acht Sitzungen herbeigeführt hätte. Dann sagte der Präsident: Nach der Reichsverfassung hat der Reichstagspräsident das Hausrecht im Reichs­tag und Widerstand gegen seine Maßnahmen sind Hausfriedensbruch und Widerstand gegen die rechtmäßig ausgeübte Staatsgewalt. (Lärm bei den Kommunisten und Rufe: Schupo! Schupo!) Wenn der Täter auf frischer Tat ergriffen wird, schützt ihn nicht die Immunität. (Lärm bei den Kommunisten.) Nunmehr sind die Tribünen für das Publikum zu räumen. (Die Publikumstm- bünen werden geräumt.) Ich bitte nunmehr auch die Herren von den Regierungssitzen, die Her­ren der Presse und die Abgeordneten den Saal zu verlassen. Dieser Ditte wurde von der Presse und den meisten Abgeordneten entsprochen. Die Kommunisten bleiben im Saal und singen die Internationale.

Kriminalbeamte erscheinen dann im Saal und führen die Abgeordneten Eppstein und Grube, die keinen Widerstanö leisten, hinaus.

Abg Reddermeyer war beim Erscheinen der Polizei nicht mehr im Saal.

Als Präsident Wallraf die Sitzung wie­der eröffnet rufen die Kommunisten: Riecher mit diesem Polizeiparlament! Rieder! Rieder! Rie­der! Der Präsident bedauert, dah er zur polizei­lichen Entfernung von Abgeordneten genötigt ge­wesen sei. Es sei hoffentlich das letzte Mal ge­wesen, dah die schwere Verletzung der Würde des Hauses solche Mahnahmen erforderlich mache. (Beifall bei der Mehrheit, Lärm bei den Kom­munisten.)

Hierauf folgt

die Abstimmung über die Gutachten­gesetze in zweiter Lesung.

Die Kommunisten beantragen namentliche Ab- stimnrung über das Bankgesetz. Die zur Durch­setzung dieses Antrags erforderliche Unterstühung von 50 Abgeordneten wird dadurch erreicht, dah sich auch die Nationalsozialisten mit den Korn- -munisten erheben.

Die namentliche Abstimmung ergibt die An­nahme des Dankgesehes mit 249 gegen 1?1 Stimmen. Dagegen haben die Deutschnatio- .nalen, Nationalsozialisten, Kommunisten und . Deutschsozialen gestimmt. Abg. Brodaus (Dem.), Imit einem großen weihen Verbände versehen, gibt seinen Stimmzettel besonders ab. Zwei Ab- ^geordnete haben sich der Stimme enthalten.

Vor der Abstimmung über einen Aenderungs- antrag zum Privatiwtenbankgesey gibt

Abg. Dr. Frick (Nat.-Soz ) folgende E r -> kl ä r u n g ab: Die nationalsozialistische Fre h. its- partei ist der Auffassung, die Entschließungen und Anträge zum Datocsgutachten reden sämtlich am Kernpuntt der Vorlagen vorbei und stellen .lediglich den Versuch dar, der deutschnationalen Volkspartei Brücken zu bauen. Die nationalsozia­listische Freiheitspartei nimmt deshalb keine Stel­lung zu den Entschließungen und Anträgen und enthält sich hierbei der Stimme

Abg. Di t t mann (S.) gibt dann für die sozialdemokratische Reichs agsfcakt oa cine lün eie Erklärung ab des Inhalts, daß die Sozial­demokratie niemals eine Alleinschuld Deutschlands am Krieg zugegeben habe und dah sie auch in den übrigen Punk- ten auf dem Boden der in den Entschlie­ßungen und Anträgen der Mittelparteien ge e l- ten Forderungen stehe. Diese Entschließungen und

I Anträge könnten aber an dem bestechenden Rechts- zustand nichts ändern. Ihre Annahme solle lediglich zur Verschleierung der Tatsache dienen, dah versucht wird, die Deutschnationalen durch Einräumung von Regierungsstellen und wirtschaft­lichen Zugeständnissen zu einer Aenderung ihrer bisherigen Haltung zu bewegen. Die Sozialdemo­kratie werde deshalb diese Anträge und Ent- schliehungen ablehaen.

Das Privatnotenbankgeseh, das Gesetz über die Liquidierung der Rentenbankscheine und das Münzgeseh werden in einfacher Abstimmung in zweiter Lesung unverändert angenommen, das Ge­setz über die Industriebelastung in namentlicher Abstimmung mit 247 gegen 173 Stimmen bei einer Stimmenthaltung. Zum Aufbringungsgesetz wer­den die bolksparteilichen Aenderungen angenom­men, die auch die öffentlichen Betriebe belasten wollen. Die Gesamtvorlage wird angenommen.

Vor der

Abstimmung über das Reichsbahngeseh zieht Abg. Bredt (Wirtsch. Vgg.) seinen An- loag zurück, wonach zur Annahme des Ge­setzes die einfache Mehrheit genügen soll. Die Reichsregierung habe sich leider ohne Reichs­tag und Auswärtigen Ausschuß zu fragen, in London auf die Bedingung einer Zwei­drittelmehrheit f eftg e legt.

2lbg Stöcker (Komm.) verliest dann eine längere Erklärung, die es verurteilt, dah Abg. Brodaus durch seinen formellen Widerspruch die Beratung des Amnestiegesetzes verhindert und Abg. Korell die Erregung gesteigert habe durch den Ruf: Die politischen Gefangenen würden in Haft bleiben, solange die Demokraten die Macht hätten.

Als Abg. Stöcker auf die erregten Szenen dorn Vormittag eingeht, wird er vom Präsi­denten Wallraf wiederholt zur Sache gerufen. Nach dem dritten Rufe zur Sachs', befragt der Präsident das Haus, ob dem Abg. Stöcker das Wort entzogen werden soll. Als dies beschlossen ist, richten die Kommunisten Entrüstungsrufe gegen die Sozialdemokraten, deren Mehrheit für die Wortentziehung gestimmt hatte.^ Komma- nisten und Nationalsozialisten setzen gemeinsam die namentliche Abstim­mung über das Reichsbahngesetz durch. Darauf rufen sozialdemokratische und Mitglieder der Mittelparteicn laut: Ludendvrff und Katz zu­sammen! Heil! Heil!

Die namentliche Abstimmung ergibt 248 Stim- men für und 174 Stimmen gegen das Reichs­bahngesetz. Die erforderliche Zweidrittelmehrheit Ware damit nicht erreicht. Das Gesetz über die Personalverhältnisse wird in einfacher Abstim­

mung angenommen.

Vor der c ,

Abstimmung über das Mantelgeseh zum Lon- doner Abkommen

erklärt Abg. Schultz- Dromberg (D.-N): Für den Fall der Annahme des Aenderungsantrages der volksparteilichen Forderungen der beschleu­nigten Ruhrräumung usw. behält sich die deutsch- nationale Partei Abänderungs anträge für die dritte Lesung vor. (Hört, hört!)

2lbg. Schultz-Bromberg: Jawohl, hört, hört!

Abg. Koch-Weser (Dem.) erklärt, die An­träge enthalten, glatte Selbstverständlichkeiten. Die Demokraten würden diese Anträge ablehnen.

Die Anträge der Volkspartei werden gegen dre Kommunisten, Sozialdemokraten, Demokraten und Deutsch-Sozialen bei Stimmenthaltung der Nationalsozialisten angenommen. In namentlicher Abstimmung wird «chann das Mantelgeseh mit 248 gegen 175 Stimmen bei einer Stimmenthal­tung angenommen. Damit ist die zweite Bera­tung der Gutachtengesehe abgeschlossen.

Nach 8V* Uhr vertagt sich das Haus auf Donnerstag 10 Uhr vormittags. Auf der Tages­ordnung stehen neben kleineren Vorlagen und dem Amnestieantvag der Nationalsozialisten die dritte Beratung der Gutachtengesetzr

Die Aussichten der Schutzzollvorlage.

(Eigener Informattonsdtenst.)

Berlin, 28. Aug. Die sozialdemokratische Reichstagsfrattion hat gegen eine sofortige Ver­abschiedung der Schutzzollvorlage durch den Reichstag Einspruch erhoben. Aus diesem Grande wird die Schutzzollvorlage nach der ersten und weiten Lesung dem Ausschuß überwiesen. In ten der Regierung nahestehenden Kreisen wird darauf hingewiesen, daß im Falle einer Reichs­tagsauslösung die Schutzzollvorlage hinfällig würde. Erst nach dem Ausgang der Neuwahlen werde sich entscheiden lassen, ob dann eine Re- gterung gebildet wird, die bereit wäre, die Schutzzollvorlage d:s Kabinetts Marx-Strefemann ebenfalls dem Reichstag vorzulegen.

Aus aller Wett.

Ein furchtbares Automobil­unglück.

Im vollbesetzten Autobus verbrennen zahlreiche Kirmes-Gäste.

A m st e r d a m , 27. Aug. (WTB.) Ein schwe- res Automobilunglück ereignete sich heute nacht auf der Chaussee zwischen Heino und Raalte in der niederländischen Provinz Overijssel. Ein voll­besetzter Autobus, dec von einer Kirmes m Heino zurückkehrte, geriet auf ungeklärte Weise in Brand und war nach wenigen Sekun­den vollkommen ausgebrannt. Es ent­stand in dem Wagen eine unbeschreibliche Panik, da die beiden Wagentüren abgeschlvs- ten waren und die Schlüssel in der Verwirrung nicht gefunden werden konnten. Vorbeifahrenden Radfahrern gelang es, einige Personen durch die Fenster ans dem Wagen herauszuziehen. 2 i e übrigen Passagiere verbrannten vollständig, so daß die genaue Anzahl der Opfer noch nicht festgestellt werden konnte; sechs Lerchen wurden bisher identifiziert. Ein Insasse saß noch aufrecht, aber völlig verkohlt im Wa- gcn. ©er Chauffeur und die wenigen Geretteten mußten infolge ihrer schweren Brandwunden ins Krankenhaus geschafft werden.

Goethes Geburtstag in Weimar.

Bum heutigen 175. Geburtstag von Goethe haben sich zahlreiche Fremde in Weimar ein- gcfunben. Das Goethe-Nationalmuseum und die Häuser um den Goetheplatz sind mit Girlanden reich geschmückt. Die Feier Begann mit der Er­öffnung einer Goethe-Ausstellung, die sehr wert­volle Handschriften ,des Meisters aufweist.

Wcrkftättenfahrt des Amerika-Zeppelin.

Uebcr eine gestern stattgefundene Werkstätten­fahrt des Amerikaluftschisfs Z. R. 3 wird mit­geteilt, daß sie sich über das ganze Gelände auf der deutschen Güte dsss Bodensees erstreckte und vor allem der Erprobung der Motoren und der Fahrgeschwindigkeit sowie der Tragfähigkeit, Manöverierfäh gkeit und der Vermessungstätig­keit diente. Das Schiff bewegte sich in der. all­gemeinen Höhe von 400 Meter. Trotz des reg­nerischen und böigen Wetters verlies die Fahtt in allen Teilen zur vollen Zufriedenheit.

Die Teuerung in Polen.

Warschau, 27. Aug. (WTB.) Die Regie­rung hat, um der fortschreitenden Teuerung in Polen entgegenzuwirken, den Beschluß gefaßt, die Ausfuhr von Ge treibe aus Polen v o l l st ä n d i g z u v e r b i e t e n. Gleichzeitig soll eine Kreditaktion eingeleitet werden, durch die ein weiteres Ansteigen der Preise für Ge­treide und Brot verhindert werden soll.

Granatenexplosion beim Lehrkursus.

Warschau, 27. Aug. (WTB.) Heute ex­plodierte in der Warschauer Zitadelle im Lehr­zimmer des Anteroffizrerkursus eine zu Schul- 3wecken aufgestellte Granate französischen llr- prungs. 14 Personen wurden verletzt.

Aus Stabt und Laub.

Gießen, den 28. Aug. 1924.

Die Großmutter von heute.

Großmutter hat keinen Feiertag," diesen Satz aus dem bekannten Schwabschen GedichtDas Gewitter" scheint in unseren Tagen einen nie ge­ahnten Sinn und Umfang zg erhalten. Wenn man unter Feiertag" ein behagliches Ausruhe.i rat) des Werktags Hast und Mühen versteh, einen Lebensabend, der cingetaucht i t in den Goldgkanz der Märchenerzählerin, die für die Eiikelkinter aus altem Sagen- und Eeschich'egvorrat st.ts neue bezaubernde Bilder h rvorkramt. dann ist di.ser gemächlichen Beschaulichkeit freilich ein Ziel ge- etzt worden. Unb das begann schon in der Kciegszeit. Die Kri^gerfraue i ging 'n auf Arbeit, versahen in einer Menge von Betrieben den Dienst der Männer, dieweil ihre Mütter dah im den Hausstand besorgten, die klei ei Km er warteten oder bei schönem Wet.er auch ausführten. In den Anlagen sah man sie sitzen in Scharen, das Strickzeug in den fleißigen Händen die K n e :<= wagen schiebend, in nie ermüdender Geduld immer von neuden Ball oder RAen aufhebend, de die unruhigen kleinen Spielhänoe hingeichleadert hatten. In der Rachkreg'zeit blieb be e Dienst bestehen. 2Ib:r die Sieb tejäh ige.n st.ll en sich nicht nur als emsige Hilfsarbeiterinnen d.r Toch­ter, der Schwieg.rtochtrr zur Verfügung, sie mußten sich oft genug auf die Suche begehen nach eigenem Verdienst. In ten schweren Friede's- ahren", die nur ein teilwei es Aufatmen v^m harten Druck brachten, dursten unsere Frauen nicht alt werden, ober sich etwas auf befonre e Grohmutterrechte hinsichtlich der Fürsorge und

Schonung berufen. Aber, wenn man sie befragt, wünschen sie das gar nicht einmal. Sie wollen sich Plagen, mühen, wollen wieder jung sein, well sie es müssen, And das C2M führt zu wunderbaren Verjüngungskuren. Au- die besorgte <$rage:Aber können Sie das denn noch Liften? lautet die keineswegs mit vedrossener Miene ge­gebene Antwort fast immer:Ach, es geht sckon noch, es muß eben sein! Ich bin ja so froh, daß ich noch etwas schaffen kann." And, wenn es sich dann trifft, daß das junge Volk ausschwärmt, die Gelegenheit ergreift, sich durch einen Ver­wandtenbesuch ober eine kleine Reise aufzufrischen, bleibt Großmutter daheim, hütet das Haus und begleitet mit ihren Gedanken die Fernen. Alls ihren Erfahrungen vermag sie noch immer beizu­steuern, was nützen und belehren kann, so neben­her, ganz zwanglos, denn die aufdringlichen Er­mahnungen sind bei der Jugend weder beliebt »roch fruchtbringend. Aber es ist eine bekannte 'Sache, daß Großmütter den Weg zum Herzen ihrer Enkelkinder ost schneller finden als die Eltern, die viel leichter die Geduld verlieren.

Großmutter ist im Kreis ihrer Familie eine wichtige Person geworden, ohne die man sich ben Haushaltungsbetrieb kaum noch vorstellen rann, zumal sie auch lebhaften Anteil nimmt an altem, was die Ihrigen bewegt, was an sie herantritt. Sie unterlassen es.denn auch nicht, Großmutter in alles einzuweihenT^was sich in ihrem Umkreis abspielt, denn die ehemals ge­bräuchliche Redensart:Großchen will ihre Ruse haben, die interessieren die neuen Menschen unb Singe nicht mehr!" hat ihren Sinn eingebüßt. An­strengender ist der Lebensabend für Großmutter geworden, das ist schon richtig, aber auch inhalt- rei$er. Die Ereignisse rauschen nicht mehr tote Dtlder an ihr vorüber, sie steht noch mitten drin in ihnen, und niemals kann das Gefühl des lieber* flüssigseins sie befallen. Auf den ersten Blick hat es sicher etwas Beängstigendes, wenn man Frauen im Alter der Großmütter nicht nur inner­halb der Familie tätig, sondern auch noch auf den Arbeitsmarkt antreten sieht. Aber nicht in der Suche nach Arbeit liegt das Betrübende, sondern lediglich in der Furcht, keine mehr finden, abgetoiefen zu werden, weil man nicht mehr als volle Kraft angesehen wird. Und doch ist das Bild der alten rüstigen Waschfrau, der Ehamisso ein unvergleichlich schönes Denkmal im Liede gesetzt hat, kein Phantasiestück geblieben, zeigt sich uns vielmehr immer |n neuer Umrah­mung. E. M

Gießener Wochenmarktpreise

am 28. August 1924 (Händlerpreise).

Es kosteten: Butter Psd. 200210 Pf., Matte 30, Käse 4060, Eier Stck. 1415, Wirsing Pfd. 15, Weißkraut 15, Rotkraut 20, gelbe Rüben 810, rote Rüben 10, Spinat 30, Bohnen 18 bis 20, Blumenkohl Stck. ICO150, Salat 2 Stück 15, Ealatgurcken Stck. 1050, Cinmachgurken 6. Endivien 20-30, Ober-Kohlrabi 8, Linker-Kohl­rabi Psd. 15, Erbsen 25, Tomaten 20, Zwiebeln 20, Lauch Sick. 10, Rettich 10, Sellerie 2030 Pilze Pfd. 20, Kartoffeln 5. Aepfei 1525. Dir­nen 10-40, Zwischen 2035. Mirabellen 2530, Aeineklauden 25. junge Hahnen Stück 50100, Suppenhühner Pfd. 90.

* Bornotizen«

Rundfunkhaus, Löberstraße, 8V2 Uhr: Volks­liederabend. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Die grüne Manuela". Astoria-Lichtspiele: Der große Sensattonsprozeß".

** Der Historische Verein für Hes­sen ernannte den um die Erforschung der Vor­geschichte und der römischen Zeit der Wettevau seit Jahrzehnten hochverdienten Professor Dr. Georg Wolff in Frankfurt zu seinem 80. Oe burtstage zum Ehrenmitglied.

"^EinweitererVortr/lgderLand- wir t s cha f t s kamm er. Am Donnerstag, den 4. September 1924, nachmittags 3 Ahr, findet in W e 11 e r f e l d ein Gang durch die Obstgärten und abends 8 Ahr bei Gastwirt Christ. Müller 3. ein Vortrag des Obstbauinspektors Wiesner vom Landwirtschaftskammcr-Ausschuß Oberhessen in Gießen überBekämpfung der gefähr­lichsten Obst- und Gemüseschädlinge" statt.

** Besuch des Rhönsegelflugs. Am 20. berg. Woche unternahmen 2 Semester der hiesigen Maschinenbauschule mit ca. 75 Mann unter Führung der Ingenieure Aih - lein und Schuchmann eine Besichtigung bei Rhön-Segelflüge, die sich auf 4 Tage erstreckte Angeregt durch die Beobachtungen auf der Wssterkuppe wurde von' der Maschinenbauschute beschlossen, den Dau eines Segelflug­zeuges, sobald es die Mittel erlauben, in Angriff zu nehmen.

Straßensperre. Wegen Strahenaus« befferungSarbeiten hat das Polizeiamt die Sper­rung des Selterswegs zwischen Kreuzplatz und Goethestraße für jeglichen Fährverkehr bis zum 31. August ds. Is. angcorönet.

Erzählt, und sie hören zu. Don des Königs Gnade und wie er ist, toerm er Sorgen und gran­tige Laune bat; von der Dataille zu Torgau und dem Hungerlager zu Bunzelwitz; von dem lustigen Winterquartier in Leipzig und dem schlechten heurigen; und dann toieSer vom König. Jedes­mal, wenn der Junker so recht aus Herzensgrund von seinem Großen König gesprochen, hat der Alte aufgebrummt, aber jedesmal auf das Grun­zen ein hastiges .Weiter wei er!' gesetzt.

Darauf ist der dampfende Speckeierkuchen er­schienen, Kaspar hat ihm alle Ehre angetan, aber zwischen dem wackeren Kauen immer mehr er­zählen müssen: von des Königs Gefolge, von den Generalen und vom lockeren Zeisig, dem Pirch; von Seiner Majestät Feldküche und den Wind­spielen, von Friedrichs endlosen Schreibereien und seinen vielen Büchern, von seiner Kleidung ja, Frau Mutter, die Weste mit dem Spaniol- dreck drauf, die sollten Sie sehen... die müßt' mal in Ihren Waschtrog!"

Und als er endlich ausgeschöpft toar wie ein Drunnen in der Wüste, wenn eine Karawane über den hergefalten, und seine Lippen trocken vom vielen Sprechen, da hat er gebeten:Und ihr! Jetzo seid ihr an der Reihe!"

Da haben sich FrauBeate und der Ohm angesehen, und der Großvater hat geknurrt:Lie­ber nicht, mein Jung'. Möcht' mir den schönen Tag nicht verderben." Aber ein Wort hat doch das andere gegeben, bis der Junker das ganze Elend erfahren, und das alles, alles noch viel schlimmer, als es die Frau Mutter ihm geschrieben.

Zwischen all dem, was er so vernommen, ist ihm immer wieder die Erinnerung an den Rot-

köpf gekommen. Hing ja doch auch mit ihr zu­sammen: der Tod des guten Magisters, und wie sie wohl hätten Hungers sterben müssen in der Pfarre, Ruth und die Blutter, wenn der Giwh- vater als Patron sie nicht ins Herrschaftshaus genommen.Hat mich nicht gereut," meinte der Alte.Die Frau Magister sieht man kaum, und die Kleine ist brav. Kommt auch auf zw i Mäul­chen mehr oder weniger nicht an." Dabei hat der Junker gemerkt, dah die Frau Muster ihn so eigen angesehen, fragend und fast tote mit stummer Reprimande. War ihm auch fetter nicht ganz wohl. Etwa so, daß er unsicher sinnierte: .Hast du dich vorhin benommen, wie's dem Pagen Seiner Majestät gebührt oder recht wie ein dum­mer Junge? Oder gar wie ein eingebildeter Aff'?' Ganz allmählich hat sich die 'Wagschale seiner Uebertegung mehr und mehr nach der Seite des dummen Jungen geneigt. Dis er endlich herausgeplatzt.Möcht' doch der Frau Magister auch Guten Tag bieten

lieber all dem waren ein paar Stunden ver­flossen; die dicke Liese hatte Kaffee gebracht, der freilich stark nach Eicheln und allerlei gebranntem Wurzelkram schmeckte, ganz anders als der, der in des Königs Feldküche gebraut wurde, wofür die Waffeln desto besser waren; langsam toar die Dämmerung berabgefunfen. And als der Jun­ker nun mit seinem guten Willen kam, nickte die Frau Mutter ihm Deifall.Dazu kann Rat wer­den, Kaspar. Baldedenn wir geh:n jetzt alle miteinander zur Kixche.'

Zur Kirche?"

/ »O ihr Heiden! Hast du denn ganz vergessen, bah unL heute der Heiland geboren wurde?"

Uni) der Alte lachte bitter:Da siehst du, Christel, du auch, Beate, wie es ist im Feldlager des Königs! Was schiert ihn Jesus Christus? Du aber sollst dich schämen, mein Jung

Das wollt' der Junker denn doch nicht so hinnehmen. Suchte sich allo mit feinen QUärf_f :n LU exkusieren, wobei allemal der K^le rder zu kur; .käme, und sprach davon, daß Seine Majestät streng« auf die Feldgoties dien sie hielte, und wie schön immer sein Freund, der Cajetan Grolich, dabei predigte, so herzinnig und herzbewegend, wie er sonsten nimmer gehört. Wurde ordentlich warm dabei, sprach und sprgch, bis auf einmal das kleine dünne Toppersche Kirchturmglöcka;en zu läuten begann.

Da standen auch schon die Frau Magister an der Tür und Ruth Ganz feierlich sah sie aus und tiefernst, im schwarzen Mantel und mit glattgestrichenem Haar unter der dunklen Ka- potte; das Gesichtchen dazu seltsam schmal und blaß. Sah auch nicht auf, als er jetzt zu ihrer Mutter trat und in artigen Worten sein Beileid aussprach.

Frau Beate hatte schon die Lichte bereit ge­stellt, kleine selbstgszogene Wachslichte, für ic:en eins auf einem Holzbrettchen. Dec Ohm schlug Feuer. And dann gingen sie mit den brenne ib n Lichtern durch die windstille Christnacht znr Ki^ch. Just so, wie sie es in glücklicheren Jahren getan. And wie in glücklichen Jahren saß die ganze Ge­meind», alt und jung, im Gotteshause, and in aller Rot b?r Zeit hatten doch alle ihre 6ren= renden Lichtlein vor sich, die im dunklen Raum leuchteten, wie hundert einzelne Sterne.

(Fortsetzung folgt.)