Mittwoch, 28. Mai 192$
Erstes Blatt
ir$. Jahrgang
De rlin, 28. Mai. (WTB.) §erDeichs-
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Die Regierungskrise.
Besprechungen beim Reichspräsidenten. — Roch keine Klärung der Lage<
Ute 125
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Ein neuer politischer Mord.
Berlin, 27. Mai. (Wolff.) Gestern abend fanden zwei Männer im Dahlwiher Forst bet Mahlsdvrf die Leiche des 16jährigen Schüler Günther Beyer, dem die Augen verbanden waren. Am Kopf zeigte sich eine Verletzung, die von einem Schuh herzurühren scheint. Günther Beyer ging gestern nachmittag gegen 5 Uhr aus der elterlichen Wohnung fort, um sich mit der Strahenbahn zur Teilnahme an einer Versammlung der Schüler-Buderriege in Köpenick zu begaben. Bon dieser Fahrt ist er nicht mehr nach Hause zurückgeüehrt. Gegen IV2 Ahi nachts erschien, m zwei Personen auf der Polizeiwache von Mcchlsdorf, die die Auffindung der Leiche Beyers im Dahlwiher Forst meldeten. Auf dm Brust des Toten war ein aus einem Avtizbach herausgerissener Zettel befestigt, der die Aufschrift trug:
\ Tod den Faszisten? K. P. D.-Exekutive.
Unten links stteht: .Erledigt am 26. Mai 1924.“ Die Rückseite des Zettels trägt die Aeberschrift: „Schwarze Liste Mahlsdorf". Es folgen dann zwölf Ramen von Mitgliedern der Bismarckjugend, darunter die Unterschrift: „K. P. D.- Exekutive". Unter den aufgeführten zwölf Ramen befindet sich wuch der Rame des Ermordeten. Dieser ist zweimal durchstrichen.
Die Sanktionspolitik des Generals de Metz.
München, 27. Mai. (WTB.) Der Provinzdelegierte für die Pfalz, General de Metz, hat am 21. Mai d. I. an den stellvertretenden Regierungspräsidenten der Pfalz eine Rote gerichtet, in der es u. a. hecht: Die Rheinlandkommission hat mit Stimmenmchrheit beschlossen, dah an H e l f f e r c ch die «Ärmme von 20 000 Mk. zur Reparierung der Materiat- schäden anzuweisen seien, die er infolge der öffentlichen Unruhen wiederholt erlitten hat. Diese Summe wird bei den öffentlichen Banken der Pfalz erhoben werden, wenn nicht Äelfferich innerhalb eines Monats von den deutschen Behörden eine gerechte Entschädigung erhalten hat. Der französische Oberkommissar hat von den Schritten Kenntnis genommen die von den in Frage kommenden deutschen Behörden zur Freilassung des Helfs er ich jun. unternommen worden sind; er behält sich vor, der Rheinlandkommission bis auf weiteres keinerlei Rückkehrerlaubnis von Pfalzern vor- zusch^lgcn.^s^ Generals de Metz sei
bemerkt:
Der Beschluß der Rhemlandkommission wurde i im Falle Helffrich nicht einstimmig, sondern
| nur mit Stimmenmehrheit gefaßt.
Im Falle Helffrich jun. sprich.! die Rote nur von dem französischen Oberkommissar, während General,de Metz rn seiner Rote vom 24. April 1924 an die pfälzische Regierung behauptet HU, dah dre drei Obeckommiisare einmütig die Ruck- I lehr sämtlicher ausgewiesener Pfälzer abhängig machen von dec vorausgehenden Entlassung des verhafteten Separatisten Helffrich jun. Das politisch Ziel der Rote besteht darin, unter Ulen
im Ueberschwung unbegründeter Hoffnungen gewählte Reichstag sich den Umständen fügen oder eine Politik des Widerstandes ins Werl setzen werde, wie sie den Wahlprogrammen der Rechte entspreche.
Die Entscheidung hänge in hohem Mähe von der Haltung Englands ab; oh.re Zweifel erteile de.- englische Botschafter in B.rlln der Wilhelm- strahe dringend Lea Rat, sich zu mäßigen. Aber bcr zurückget.etenen Kabinetten finden derartige Ratschläge fern Gehör. Es bedarf einer offenen; Anstrengung, um die öf'entliche Mnnung zu o.ten- ieren Alles in allem verlange die grölte Mehr- hrtt des deutschen Volkes wenigstens für den Augenblick Rühe und die Rückkehr zu normalen Zuständen Durch eine intensive irrefüh enoe Berichterstattung der Presse sei es geluiigen, dem Volke den Glauben beizubringen, dah Franrrelch es unterdrücken wolle, und das einzige Mittel die Krise zu läsen, bestehe darin, Männer ans Ruder zu bringen, die die Politik der starken Hand gewöhnt seien. Wenn der Reichstag durch eine feste Sprache aus dem Mund berufener Männer dcrrauf aufmerksam gemacht werde dah er getäuscht worden ser, und daß er eine Katastrophe auslösen werde, wenn er Aben- teuerer unterstütze, toerbe er schließlich, umgänglicher werden. Solange Ebert Reichspräsident ser, hätten die Rationalisten nicht freie Hand. Der „Temps" erweitert die Frage und schreibt:
Am zu einer Lösung der mit dem Sachverstän» digenbericht aufgeworfenen Frage zu gelangen, bedürfe es zboeier grundlegender Elemente, eines technischen Programms und einer politischen Idee.
Das technische PrvHiramm sei durch den Sach verständigerchericht beigebracht worden. Französischerseits werde ei: reff I08 angenommen. Man erwarte, daß auch Deutschland eine Regierung bilden werde, die zur restlosen Annahme entschlossen sei. ES würde sich da.m noch darum handeln, das zweit,; Element, die politische Idee zu finden. Wenn die deutschen Regie- uungsparteien die in Rede stehenden Bedingungen stellten so sei dabei ihr Ziel, in ihrem Lande eine politisthe Situation zu schaffen, die es ihnen ermögliche, das Programm der Sachverständigen unter Zustimmung der großen Mehrheit des deutschen Bolles anzuwchmen. Sie seien also auf der Suche nach einer po-litischen Idee, aber sie suchten sie nur in dem Maße, in dem sie für Deutschland notwendig sei, urti> das genüge nicht, Arn aus beiden Seiten den guten Willen wach zu rufen, bedürfe es einer Idee, die den Begriff der Gegenseitigkeit enthülle. Der „Temps" schlägt also vor, die Frage wie folgt zu formulieren: Die Franzosen mühten begreifen, daß die Deutschen, um das Programm der Sachverständigen völlig durchfahren zu können, darauf angewiesen seien, nach und nach gewisse Genugtuungen Patriotischer Art zu erreichen. Aber die Deutschen mußten auch begreifen, dah die Franzosen, wenn sie nach und nach auf ihre derzeitige Position verzichten sollten, zuverlässrger Garantien bedürften, die ihnen gestatten, die Summen zu erhalten, durch die sie effektiv bereichert würden. Man möge also nicht wieder den Anfang damit machen, dah man sich über die Formulierung der Bedingungen streite. Man m!>ge vielmehr bestrebt sein, die Mittel ausfindig zu machen, diese Bedingungen zum Ruhen beider Parteien zu erfüllen.
Feiern gezwungen sind, die E r w e r b s l 0 s en- unter st ützung nicht gewährt. Da durch die Schliehung weiterer Betriebe der Groh- industrie die Anzahl der in Rot geratenen Metallarbeiter stark gewachsen ist, wandte sich der Christliche Metallarbeiterverband nochmals an die Regierungsstellen mit dem Ersuchen, eine älnterstützungsaktion für die zum Feiern Gezwungenen einzuleiten.
Amständen den Separatisten zu zeigen, daß sie nach tote vor auf den starken Arm und den Schutz Frankreichs rechnen und sich für eine günstige Gelegenheit bereit halten können. Die von den Separatisten in der Pfalz an- gerichteten Sachschäden belaufen sich auf über 700 000 Mk. Gegen das verbrecherische Treiben der Separatisten ist General de Metz nie- m a l s mit der Behauptung eingeschritten, er habe sich in rein innerpolitische Angelegenheiten nicht einzumischen. Die Erzielung einer Entschädigung für den Separatistenschühling Helffrich; ist somit ein Akt rein finanzieller Erpressung und politischer Sp^lltlation für die Zukunft. Bon den Neuwahlen in Frankreich erwartet die ganze Welt eine ^Neuorientierung dec französischen Außenpolitik, einen neuen Geist der Dölkecversöhnung und nachbarlicher Becständt- gung Im Rheinland und in der Pfalz sind je= doch die alten Männer immer noch; am Merk die die bisherigen Ziele dec französischen Politik im alten Geist und mit den alten Methoden fortführen.
Vor einem Schiedsspruch im Ruhrkonflikt.
CB er!in 28. Mai. (Priv.-Tel.) Die Der- Handlungen im Reichsarbeiteministerium zur Schlichtung des Konflikts im Ruhrbergbau wurden wieder ausgenommen. Dem „Vorwärts zufolge wurde in keiner Frage eine Annäherung erzielt. Das A r b e i t s m i n l st e r i u m soll nunmehr einen Schiedsspruch g e f a l l t haben, über den näheres, noch nicht bekannt ist.
Rach einer Blättermeldung aus Essen wird einer Mitteilung des Christlichen Metallarbeiterverbandes zufolge den Metallarbeitern, die infolge des Konflikts im Bergbau zum
Namensaufruf.
Jedesmal beim Aufruf eines verhafteten kommunistischen Abgeordneten rufen die übrigen Kommunisten: „Heraus mit unseren Gefangenen! .Beim Aufruf des Abgeordneten F ü r st e n D i s m a r ck (Dtschntl) ruft der kommunistische Abgeordnete Scholem: „Wehe dir, dah du ein Enkel bist!", als der Rame Ladendvrff aufgerufen wird, lärmen die Kommunisten minutenlang. Abg. Ludendorff (Ratsoz.) blickt dazu lächelnd. Abg. Schölern zeigt unter dem Gelächter der Kommunisten eine blaue Brille. Ein nationalsozialistischer Abgeordneter ruft: „Iudenlümmel!". Als der Aufruf nut dem Ramen Zubeil schließt, ruft Abgeordneter Remmele (Komm.): „Da ist ein schöner Stall beisammen!" Alterspräsident teilt als Ergebnis des Ramensaufruses mit, dah 449 Abgeordnete an= toesend sind und dah der Reichstag also b e - ! s ch l u h f ä h i g ist.
Es wird dann eine ganze Reihe k o mmu - nistischer und nationalsozialisti- sche c Anträge verlesen, in denen die Aufhebung des Ausnahmezustandes im Reiche und in Bayern und die Freilassung der in Haft befindlichen Abgeordneten
verlangt wird. Außer verschiedenen kommunistischen Abgeordneten ist auch; der nationalsozialistische Abgeordnete Kriebel in Haft. Abgeordneter Katz (K.) verlangt die sofortige Beratung der Haftbefreiungsanträge. Er protestiert zugleich dagegen daß im Vorraum des Sitzungssaales sich bewaffnete Polizisten aufhalten.
Abg Hüttmann (S.) erklärt die Zustim- mungseiner Freunde zu den Haftbefreiungsan- tiägeii. Diese Anträge könnten aber erst zur Abstimmung kommen, nachdem der Reichstag sich konstituiert und fern Präsidium gewählt habe.
Alterspräsident Dock schließt sich- dieser Meinung an und erklärt, auf die TageZordnung öer morgigen Sitzung werde gesetzt werden: 1 Wahl des Präsidiums, 2. die Anträge auf Freilassung der verhafteten Abgeordneten.
Hierauf tritt Abg. Thälmann (K.) ans Rednerpult. Er protestiert gegen die Polizei dec Schieberrepublik und schlieht mit einem Hoch aus die politischen Gefangenen unD auf die rote Internationale. Die Mitglieder der kommunistischen Fraktion stimmen dreimal laut in Hochrufe aus. Sie singen hierauf eine Strophe der „Internationale". Die Rationalsozialisten antworten mit einer Strophe des Deutschlandliedes. Biele Tribünenbesucher singen dabei mit, während die Kommunisten lärmen und pfeifen.
Rachdem dec Alterspräsident denHutauf- gesetzt und seinen Platz verlassen hat, leert sich allmählich der Saal.
Am Mittwoch, 12 Ahr mittags, findet die nächste Sitzung statt, auf deren Tagesordnung £te Präsidentenwahl steht.
GietzenerAnzeigei
General-Anzeiger für Oberhessen
Drift! tmb Oerlag: Vrühl'sche UniverfiMr-Vuck- und Stcindm^rei K. Lanie in Kietzen. Schriftleirung und Geschäftsstelle: Zchulftratze 7.
gen wissen nur das „Derl. Tageblatt" und die Berlin, 27. Mai. (Wolff.) Die bisher „Dossische Zeitung" etwas mitzuteilen. Nach als „Wirtschaftspartei' b.-zeichnete neue Parteiden genannten Blattern endete die Bespre- gruppe des Reichstags, die ftch ausi 7 Mttglle- chung des R-icheprii,identen mit dem Züh- risba?de^'s Mitgü^rn der D- a nch - rer der Deutschnationalen Hergt nega-h^iimot'erfchenWirtschaftsparteiund 1 i v. Aus der Tatsache, daß der zurückgetretene 3 Mitgliedern oes Deutschen M i 11elstan - Wautkt M°r.n°chmM-g^ D°
endigung der Plenarsitzung des Reichstages, Vorsitzenden wurden der eh^rnal. Ernäh ungsrni- vomReichspräsidentenemPfan gen Zister Prof. Fehr (Bahr. Bauernbund), A l - wird, schließen die Blätter, dah Marx ireu- pers (D.-Hann.) und Prof. Bredt (Deutsche erlich mit der Bildung des Kaki- Wirtschastspartei) gewählt.
netts beauftragt werden dürfte. Der Die neuen Beamtengehälter. Zentrumsabgeordnete Stegerwald, mit Berlin, 28. Mai. (Priv.-Tel. des Wolff- dem di- deutschnationale Fraktion »mW “J,«*
fen wäre, zusammenzuarbeiten, hat eß ji b - tagß 'gegen die von der Reichsregierung vorge- ge lehnt, die Regierungsbildung zu «der- schlagene Be vldungsneuregeluug Ein sprach cr- nehmen, da er, wie die „Germania" mitteilt, hoben mit der Begründung, daß die Au^besse- keine andere Außenpolitik treiben könne als rangen "l^^al seien, ^1 den Beamten_ber der bisherige Kanzler, der seinerzeit von Ste- ^Sb^^Jdgen der Gr^upA ^1-5 dagegen gerwald selbst dem Reichspräsidenten borge- rat ^e solche von 17 Prozent gewährt wird, schlagen worden war. — Wie mehrere Blätter Die Spitzenorganisationen ersuchten die Iraklio- mM-i.-^ ist für 6«ute b°rm«°gd-r W«r
der Deutschnattoualen, Dr. He. g t, emeut I .^eur€g€[ung vorzunehmen, welche die auf- zum Reichspräsidenten gebeten worden. xuwendenden Mlltel zur Sicherung der Lebens- Die Fraktion der Deutschen Volks- Möglichkeiten aller Beamten verwendet.
parier hält daran fest, daß inner- und Pariser Preflestimmen.
außenpolittsche Gründe die Schaffung Paris, 28. Mai. (WTB.) Zu der gestern einer großen bürgerlichen Regie- veröffentlichten außenpolitischen Erklärung der ! r u n g s M e h r h e i t von den Deutschnationa- bisherigen Regierungsparteien in Deutschland
l-u bis zu d-n D-m°Ir-t-n driugeud -rford-ru. lchEbt »e^etenen WMcn
Die von der Fraktion geführten Derhandlun- leichtern die Aufgabe des Reichspräsidenten, innen gehen in diesem Sinne noch weiter. Auch dem sie öffentlich Stellung nehmen zu der Ent- in Kreisen der Bäuerischen Dolkspar- schließung, die sie in ihrer gestrigen Konferenz
, ,, , «. aHov einstimmig angenommen hatten. Sie nehmen den
tei erachtet man dre Zusammenfassung aller Sachvecständigenbericht an, ohne Vorbehalte ausbürgerlichen Parteien als wünschenswert. Fer- zusprechen; aber mit der bekannten deutschen ner verlautet, daß die deutschnationale Frak- Sucht, alles mit unausgespr 0 chenen Vor- ti°" d-n übrigen Zr-ktion-u di- K-ndiöatur b^balJ'sich" di- Wallrafs zum Rerchstagsprafr- Möglichkeit offen hielten, zu verhandeln, und daß denken mitgeteilt hat. Dagegen beschloß dre Oeffenklichkeit glauben machten, sie toür»
sozialdemokratische Fraktion als stärkste repu- den in keinem Punkte nach geben. Es blikauifche Jra-twu d-s stk-ichskug-s di- Wi-- w-rd-^ s-ch-^ d-^ueu-u tt°dstfche^«-mer^ derwahl Lobes vorzuschlagen. Umkehrung der Rolle zuzulassen.
(TUa ftrtStiillta Herriot sei fest entschlossen, nicht vor den deut-
. ~ schen Nationalisten zu kapitulieren. Er werde
der SoziaLdemoKraLeN. tendenziöse Auslegung, die den Dawes-
Berlin, 27. Mai. (Wolff.) Die fozicckLemo- bricht in Stücke schlagen wolle, nicht hinneh- gi.gS 1 M°n. Es Handl- sich j-tzt Ulfs darum, °b d-r
Berlin, 28. Mai. (WTB.) Der Reichs- 1 schnellen Durchführ ung d es S achver- Präsident empfing im Laufe d-S geftaigen | ^^",^D.i«iungU ^r/bTseTSi' düng Ei'.copas und der Wiederherstellung der L ö b e und sodann die Führer der Fraktisnen, wictschaf lichen und politischeii Sicherheit und da- und zwar Von den DeuLschnattonalen H e rgt, mit zur Erleichterung der Kreditkp-ise in b^r Wirt- ber bereinigten Ssziald-mskrasisch-n Vart-i Ä“.
Hermann Müller, der Zentrumsharter die Fortführung der Außenpolitik § e h r e n b a ch, der Deutschen Volkspariei Dr. aus derGrundlagederDurchführung S ch 0 l z, der Deutschen Lemokrattschen Partei de s G u t a ch t e n s u n te rsozi «lgerech ter K-ch, und d-r Day-risch-n IWrtei ^ge,b£“iämpVen,“^ Äofi^bnr* Leicht zu einer Ernzelbesprechung über dre -Verzögerung oder Zweideutigkeit Deutschland der politische Lage und die Frage der Regiermrgs- Katastrophe entgegenfübren würde.
bildung. Aeber den Derlauf der Desprechun- Die „Wirtschaftliche Vereinigung".
Der Auftakt im Reichstag. 1
Berlin, 27. Mai. (Priv.-Tel.) Bor dem Reichstagsgebäude hatte sich schon in den Mittagsstunden eine Men^e Schaulustiger eingesunken die von Polizeiposten in einiger Entfernung von den Portalen gehalten wurde. Rur nach strenger Kartenkontrvlle war ein Einlaß zu erlangen Alm 3 Tlhc nachmittags waren Saal und Tribünen dicht besetzt. Leer blieb nur die Regierungsbank. Dielen wiedergewühlten weiblich n Abgeordneten waren Fliederfträuße auf die Platze gelegt worden. Rach dem Eintritte Ludendorffs wird von einigen jungen kommunistischen Abgeordneten tosender Lärm vei-ucsacht. Ein blutbefleckter Rosenstrauß (nach einem beigeug.en Zettel für den sozialdemokratischen Abgeordneten Echardt Auer-München bestimmt), eine Maue Drille (für Ludendorff bestimmt) und ein zerknitterter Handschuh, der nach einem beigefügten Zettel die verdorrte Hand Scheidemanns dar- stehen soll, werden auf den Tisch des Hauses niebergelegt
Um 3V4 Ahr begibt sich der 78jährige Abgeordnete Dock (Soz.) auf den Präsidentensitz, mn als Alterspräsident die Sitzung zu eröffnen.
Als er beginnt: „Ich eröffne die Sitzung", rufen I die Kommunisten unter Führung der Abgeordneten Katz und Ruth Fischer fortwährend: „Heraus mit den politischen Gesänge- ; neu!" Einige Kommunisten begleiten diese Rufe mit einer mehrstimmigen Autohupe. Abgeordneter
1 Scholem (K.) ruft: „Svllmann lacht dazu!" । Die übrigen Kommunisten rufen: „Pfui, Soll- I männl"
Abg. Katz geht dann zur Rednertribüne und verlangt, ohne eine Worterteilung abzuwarten, daß vor Eintritt in die Tagesordnung ein Antrag auf • Befreiung der verhafteten kommunistischen Abgeordneten angenommen werde. Bon seiner Rede ist bei dem allgemeinen Lärm wenig au verstehen. Man hört nur einmal den Ramen Ludendvrsf, der | von den Kommunisten mit lärmenden Kundgebungen ausgenommen wird. Bon den Rationalsozialisten kommen Schlußrufe. Ein nationalsozia- 1 listischer Abgeordneter ruft: „Palästina soll schweigen!" Als der Abgeordnete Katz seine Ausführungen beendet hatte, klatschen die Kommunisten minutenlang mit den Händen.
Abg. Dock (Soz.) stellt dann fest, daß er am 28. April 1846 geboren und demnach Alterspräsident sei. Gr beruft als Schriftführer die Abgeordneten Dr. Philipp (Dtschntl.), Frau T e u s ch (Ztr.), Eichhorn (Komm.) und Frau Lore A g- nes (Soz.).
Abg. Dr. Philipp (Dtschntl.) verliest als Schriftführer die Liste der Abgeordneten zum


