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Links neben Dem 'Hamen Deflnbet sich etn Kreuz, rechts steht wieder das Datum26. 5. 1924. Der Zettel war an der oberen Seite mit einer schwarz- weiß-rvten Knopfnadel, an der unteren Seite mit dein Taschenmesser des Ermordeten, das durch das Hemd durchgesteckt war, befestigt. Die polizei­lichen Ermittlungen zur Aufklärung des Mordes haben ergeben, bah es sich anscheinend nicht um einen Fememord von links radikaler Seite handelt. Die drei unter Mordverdacht Festgenom­menen, von denen der eine namens L ü - bed Hitler-uniform trug, sollen vielmehr rechts­radikalen Organisationen angehören.

Eine Tagung des deutschen Handwerks | Berlin, 28. Mai. (WTB.) Anläßlich der 'gemeinschaftlichen Tagung des Reichsverbandes ibcS deutschen Handwerks und der deutschen Hand- Itoerf» und Gewerbekammer-Tagung fand in den 'Räumen der Handelskammer in Berlin ein Be- [grüßungsabend statt. Rach den BegrüßungsWor­ten des Präsidenten der Berliner Handwerker- Kammer Lubert gedachte Wirtschaftsminister Hamm in warmen Worten des deutschen Hand­werks, das in schwerer Zeit an seinem Glauben an die Zukunft and den Beruf des deutschen 'Handwerks festhalte. Er schloß seine Rede mit "»inem Hoch auf den deutschen Handwerkerstand.

Aus Dem Hessischen Landtag.

Darmstadt, 27. Mai. Der Finanzausschuß Bes Landtags setzte heute seine Beratungen bet [Kap. 5 (Braunkohlengrube Wölfersheim) fort und nahm die Regierungserklärungen zu den früher Imitgeteilten Anständen entgegen. Zurückgestellt wurden Kap. 7 (Theater) sowie 9 und 10, die zusammen mit dem Finanzgesetz erledigt werden.

s Zu dem Hauptstaatsvoranschlag hat der deutschnationale Abgeordnete Kindt noch eine Reihe von Anfragen an die Regierung gestellt, [u. a. : Haben Minister und Beamte trotz ^des gegenteiligen Landtagsbeschlusses Tarif- holz erhalten, in welchen Mengen, welche Mi- ^nister und Beamte? Haben Mitglieder der Zen- r trat reg ierung, Minister und Beamte, [neben ihrer Besoldung als Landtagsabgeord- nete Tagegelder bezogen? Welche Mi­nister und Beamte? Ist es zu vertreten, daß heute, wo der sechste Teil der Deutschen Armenunterstühung in Airspruch nehmen mih, ! Mitglieder der Regierung (Minister) von den '.Staatsdomänen Wein gegen einen ermä­ßigten Preis zu Repräsentationszwecken be­ziehen? Ist es weiter noch z-a verantworten, bah Minister bei Ausflügen Landtagsabgeordnete [und andere Gaste der Regierung mit Weinen aus den staatlichen Weinbaudomä- , n e n bewirtet werden? Welche Weinmengen sind an Mitgliedern der Regierung und zu wel­schen Preisen abgegeben worden, welche Wein- . mengen sind im letzten Jahre regierungsseitig zur [Bewirtung von Abgeordneten und Gästen der Regierung verbraucht worden? Im Staatsvor- anschlag ist hierüber nichts enthalten. Ist es richtig, bah ein Beamter im Ruhestand auf Grund einer Bestimmung des Herrn Finanz­ministers Jahre hindurch eine besondere3ulage »ur Aufhöhung seines Ruhegehaltes Bis zum vollen Dien st gehalt bezogen [hat? Ist es richtig, daß im Glaube der Lan­desversicherungsanstalt erhebliche.Um­bauten vorgenommen werden, obwohl die Räume für die bisherigen Bewohner vollkommen ausreichtsn? Aus welchem Fonds wird der Um­bau bezahlt und was kostet er? Ist es wahr, bah nur eine besondere Wohnung für den Herrn Präsidenten der Landesversicherungsanstalt hergerichtet werden soll? Ferner: Ist es richtig, bah bei einem Zugang von 39 Beamten in den höheren Stellen der Ministerien seit 1914 kein einziger Deamterabgebaut worden, der den Regierungsparteien angehört? Warum sind selbst solche Beamte vom Abbau verschont geblieben, die weder eine Prü° Ui n g abgelegt, noch einen Befähigung s- kiachweis erbracht haben, fonbrn lediglich aas parteipolitischen Gründen tn Beamtenstellangen berufen worden sind?

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Die englisch-russische Konferenz.

London, 27. Mai. (WTB.) Die englisch- russische Konferenz hielt heute im Foreignofsi.e unter dem Vorsitz des Unterstaatssekretärs P o n- soNby eine Dollsihung ab, in der die F age der englischen Schadensersatzansprüche besprochen wurde Auf die Grklcftm.rg, daß Ruh­land nicht imstande sei, die V o r kr i e g s sch u l- den im vollen Weck und mit Bankzinsen zu zahl n, ei toi e t en die britischen Delegr.wten, daß diese ®rHä ung für sie unannehmbar sei Die Sowjet elegation wies darauf hin, daß eine D Zahlung der Dorkriegsschulden für das Budget Sotoj t ußlands unter ter augenblicklichen wirt­schaftlichen Umftänben nicht tragbar sei, u.rd

regte an, diese Frage vorläufig zuruazu- stellen, da diesbezügliche Dorschläge von fei­ten Rußlands aufs engste mit dem Gelingen einer r u f f t f d) e n Anleihe in England verknüpft seien. Die Sowjetdelegation machte den Dorschlag, daß man sich zunächst mit den En t s ch ä di - gungsansprüchender «rglischen Privatleute befassen sollte. Die britische Delegation betont», daß es nicht die Absicht der briti- schen Regierung sei, unvernünftige An­sprüche gegen Rußland geltend zu machen, Durch die Anerkennung Sowjetruhlands habe die britische Regierung ihren guten Willen bewiesen, der nach wie vor unverändert fortbestehe. Die bri­tische Delegation sprach weiterhin die Hoffnung aus, daß die Sowjetdelegation b.r ihren Entschädi­gungsangeboten den natürlichen Reichtum Rußlands und die Möglichkeit eines wirt­schaftlichen Wiederaufstieges in Rech­nung stellen möge. Die Sowjetdelegation betonte, daß die Regelung der Frage der Dorkriegsschul- ben in hohem Maße Dort der russischen öffentlichen Meinung abhängig sei und die vorherige Rege- gelung aller anderen wirtschaftlichen Fragen zur Doraussetzung habe.

Mussolini und seine Kammer.

Rom, 27. Mai. (Agenzia Stefani.) In einer Versammlung der Abgeordneten der Mehrheit im Palazzo Venezia wies Mussolini in einer Ansprache darauf hin, daß die ganze Welt mit lebhaftem Interesse dem Experiment der f asz i stischen Kammer folge, das zwar schwierig sei, aber zu glücklichen Resultaten fuhren müsse. Zweifelsohne sei dieser Versuch das letzte parlamentarische Experiment in Italien; wenn es fehlschlage, müsse die Kammer durch an­dere Einrichtungen ersetzt Werdern Mus­solini entwarf dann in großen Umriffen das Ar- beitsprvgramm für die Kammer, deren Sihungs- dauer er auf fünf Jahre bemaß. Er versicherte, daß diese Legislaturperiode einen historischen Augenblick darstelle ^nd das italienische Volk zur Größe führen werde.

Zum Senatspräsidenten wurde Sit­ton i mit 209 Stimmen bei 62 Enthaltungen ge­wählt. Zum Kammerpräsidenten wurde der Faszist Alfredo Rocco gewählt mit 338 Stimmen bei 127 Enthaltungen.

Das Schicksal der Bagdadbahn.

Washington, 27. Mai. (Priv.-Tel.) Der Vorsitzende des Aktionärausschusses zur Unter­suchung der Verhältnisse auf der Bagdadbahn hat mit dem früheren amerikanischen Gesandten bei mehreren Dalkanstaaten Knowles und Han­delsminister Hoover einen Plan über den An­kauf der Bagdadbahn durch die ottomanisch» amerikanische Develoement-Com- p a n i) unterbreitet.

Japan und die amerikanische Einwanderung.

Tokio, 27. Mai. (WTB.) Das japanische Kabinett tritt zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um zu dem neuen amerikanischen Ein- wanderungsgeseh Stellung zu nehmen. Man nimmt allgemein an, i>afj die japanische Regie­rung in (Hier Form gegen das Gesetz Ein­spruch erheben und sich auf den Stand­punkt stellen wird, daß er eine Verletzung des zwischen den Vereinigten Staaten und Japan bestehenden Handels- und Schiffahrt­vertrages sei. Anihara werde voraussichtlich von seinem Amt als Botschafter in Washington enthoben werden.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 28. Mai 1924.

Christi Himmelfahrt.

In einem Liede des schlesischen Dichters Ben­jamin Schmolck heißt cs:Hunmelan schwing dich, mein Geist; denn du bist ein himmlisch Wesen!!" Dieses Lied ist in die deutsch-evangelischen Ge­sangbücher übergegangen und wird von den Ge­meinden am Feste der Himmelfahrt Christi gern gesungen. Es ist naturgemäß, daß die Christen, wenn sie dieses Lied singen, an den Himmel denken in dem Sinne, daß es eine einige Welt gibt, in der der Mensch nach den MühÄlen und Leiden des Erdendaseins bei Gott aus ruht, von irdischen Mängeln frei ist und nach den 'Worten Jesu Geben und volle Genüge findet. Mit einer Weltanschauung, die sich nur aus das Diessefts richt t. gibt sich das Mens he ch-rz nicht znfri'den. Hienieden gibt es kein vollbomme es Gt ck Goeth? ist in außerordentlichem Maße vom Schicksal 5-- günftigt worden und hat «doch gesagt iah höch­stens vier Wochen h rcruLk. mm n w r en, to n i er aus seinem langen Geben die Tag-: des Glücfts zusammcnstel e Immer bleibt es wahr: Wo du nicht bist, da ist das Glück. Wie Rauch, der aus

etner vorüberfahrenden Lokomotive über die Fel­der fliegt, so vergeht des Menschen Leben. Irgend­wann einmal hat man die Gruft eines franzö­sischen Königs eröffnet, man fand von den Ueber- reften des einst so mächtigen Mannes nur den Schädel, den nahm einer der Anwesenden in die Hand und sprach:Armer König!" Wir brauchen nicht in die Vergangenheit zurückzugehen, um den Untoert des Erdenlebens aufzuweisen, das Eisenbahnunglück von Bellinzona sagt genug. Im reizvollen Alpentale stoßen zwei Züge auseinan­der, und in eines Augenblicks Länge ist das Un- heil geschehen, nichts ist von vielen, die der Tod im Schlafe überrascht hat, noch da als Asche und Staub. Wohl hat Louis Büchner, dessen 100. Geburtstag neulich nicht viel Aufsehen erregt haft behauptet, bah neben Kraft und Stoff für eine ewige Welt Mn Raum fei, aber die ernst­hafte Wissenschaft hat seine und Ernst Häckels Versuche, die Entstehung der Welt zu erklären, mit der Begründung abgelehnt, bah hierüber überhaupt Feststellungen nicht gemacht werden können, unb der nach Halt und Trost verlangende Mensch hält es mit der Bibel, die von der zu­künftigen Welt redet, unb singt mit dem Liede: Die Heimat der Seele ist droben im Licht."

Den Geist himmelan richten Samt jedoch nicht heißen, die Phantasie walten lassen unb mit Bil­dern, die irdischer Herkunft sind, von der zu­künftigen Herrlichkeit träumen. Himmlischen Sinn betäubet der, der mitten Im Werktagstreiben, was die Gesinnung betrifft, Jesus nacholgt, der es für sündhaft hält, die kurze Erdenzeit mit Kampf unb Gezänk um das Geld auszufüllen, der die Schwächen des Rächsten in Geduld erträgt und nicht immer Recht behalten, sondern dem anderen Gerechtigkeit widerfahren lassen will. Das, was droben ist, sucht der, der erkannt hat, bah Gewalttat niemals Segen schafft und daß den fchönsten Sieg der davonträgt, der sich selbst bezwingt. Da feiert man das Ast der Himmel­fahrt Jesu in der rechten Arft wo man sich an des Heilandes klare Anweisungen hält: Alles nun, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch das ist das Gesetz und die Propheten. Es werden nicht alle, die zu mit sagen: Herr! Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. H. D.

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Hessische Forst Personalien. Der Förster v. R. Ernst D i 11 e m u t h aus Vermut HZ- hain wurde zum Förster der Forstwartei Ber­muthshain, der Förster o. R. Wilhelm Feller zu Großen-Linden zum Förster der Forstwartei Dodenrvd, der Förster o. R. Friedrich Reeg zu Ulfa zum Förster der Forstwartei Ulfa, sämt­lich vom I. Juni 1924 ab, ernannt. Der Forst­meister der Oberförsterei Fetdkrücken Otto Kratz zu Schotten wurde in gleicher Diensteigenschaft in die Oberförsterei Laubach der Forstmeister der Oberförsterei Lauterbach Franz Wahl zu Cau- terbach in gleicher Diensteigenschaft in die Ober­försterei Heppenheim und am 20. Mai 1924 der Forstmeister der Oberförsterei Schaafheim Forst­rat Eduard Beyer zu Babenhausen in gleicher Diensteigenschaft in die Oberförsterei Butzbach, der Forstmeister der Oberförsterei Iägersburg Forstrat Emst Eckhard zu Iägersburg in gleicher Diensteigenschaft in die Oberförerei Lorsch versetzt. Ferner wurden der Oberförster Emil Drill zu Bad-Sal.Hausen zum Forstmeister der Oberförsterei Bingenheim unb der Oberförster Hermann G u t f 1 e i s ch zu Lampertheim zum Forstmeister der Oberförsterei Lamperthsim er­nannt. sämtlich vom 1. Oktober 1924 ab. Am 19. Mai 1924 wurde der Förster Wilh Di 1 le­rn u t h zu Bermuthshain auf sein Rach uchen vom 1. Juni 1924 an in den Ruhestand versetzt.

** 116er-Gedächtnis--Abend. Der Verein ehental. 116er veranstaltet Sams­tag abend im Stadttheater einen Chren- abend zum Gedächtnis der Gefallenen unseres Regiments und seiner Kriegsformationen. Der Reinertrag findet Verwendung zu einem in Gießen zu errichtenden 116er-Gedenk- stein, dessen Grundsteinlegung für Anfang August vorgesehen ist. In bereitwilliger Weise hat sich der Bauersche Gesangverein, vereint mit noch anderen Gönnern des Vereins ehe­malig. 116er, für diesen Ehrenabend zur Ver­fügung gestellt. So gelangt u. a. das ergrei­fende Volksstü ckmit GesangWir wollen sein ein einig Volk- unter der Regie des Herrn Karl Juhnke zur Aufführung. In An­betracht der guten Sache wünschen wir den Veranstaltern für Samstag abend einen vollen Erfolg.

** D i e diesjährigen Körterrnine für das Hess. Pferde st arnrnbuch der Landwirtschaftsk.immer finden in Oberhessen wie folgt statt: am 5. Juni in Reichelsheim i. b. W. unb Dauemheim; am 6. in Ulfa und Berstadt;

am 7. in Lich unb Gießen; am 10. in Grünberg unb Londorf; am 11. in Ober-Ofleiden unb Kir­torf; am 12. in Romrod und Groß-Felda; an' 13. in Alsfeld und Maar; am 14. in Schlitz; an 16. in Mittel-Grünbau und Düdelsheim; am 17 in Engelrod und Grebenhain; am 18. in Hirzen­hain und Ober-Erlenbach; am 19. in Butzbach und Rieder-Wöllstadt.

** Der Landwirtschaftskammer'' Ausschuß für Oberhessen hält seine 2.Dullen- Auktion am Donnerstag, dem 5. Iunft in Lich ab.

** Die Kirchensteuer baut sich auf der Einkommensteuerveranlagung für 1922 auf unb führt infolgedessen vielfach zu großen Härten. Die hessische Landwirtschaftskammerha! wegen der allgemein zu hohen Ausschläge ein: Eingabe an das evangelische Landeskirchenarnt gerichtet, deren Erfolg abgewartet werden muß.

* Die Militärrenten werden im Anschluß an die Aenderung der Deam- tenbezüge erhöht. Die Nachzahlung dieser Rentenerhöhung läßt sich aber mit der unmit­telbar bevorstehenden Rentenzahlung für Juni nicht mehr verbinden, weil die Zahlungslisten bereits zur Post gegeben find. Die Nachzah­lung wird voraussichtlich mit der nächsten Zahlung verbunden.

** Ein Licht-, Luft-, Sonnen - und Wasserbad, das allen Anforderungen genügt, wurde für unsere Stadt geschaffen ddrch die Zu­sammenarbeit des Männerbadevereins mit dem Raturheilverein. Das alte Männer bad vor ixnr. Städtischen Freibad an der Lahn wurde dem Zweck entsprechend ausgebaut. Die Badeeinrich tungen sind für Männer, Frauen und Kinder bestimmt und sollten im Interesse jedes einzelne: recht benützt werden.

** Von der Lesehalle, die, wie ton schon früher berichtet haben, von der Firma Herso Mitleid. Annonc.-Expedition übernom­men worden ist, wird uns mitgeteilt, daß der Besuch bis heute sehr rege war und durchweg von besserem Publikum besucht worden ist. Neuerdings finden allabendlich Radivkon- z e r t e statt, die jedermann empfohlen werden können. Wer die Radiokonzerte besucht, der unterstützt die Lesehalle, und wer die Lesehalle unterstützt, der handelt sozial, denn nur da­durch ist Gewähr gegeben für langjähriges Bestehen des gemeinnützigen Instituts, wel­ches dem größten Teil der Bevölkerung durch Freikarten den Besuch ermöglicht.

k Dom Vogelsberger Höhen - Club. Am Samstag nachmittag brachte die Eisen­bahn eine stattliche Anzahl V.H.C.er vom Zweig- beiem Gießen nach Mücke, die von hier aus eine IVotägige Wanderung zur Hauptversammlung des Gesamft-V.H.C. auf den Hoherodskopf unternahm. Wenn auch der Wettergott anfangs kein Einsehen haben wollle, so ließen sich bie Wanderer, etwa 50 an der Zähl, doch vön der schon lange geplanten Wanderung nicht zurück- 'fjalten. Von Mücke aus ging es durch das herr­lich:'Gilchbachtal über Groß-Mchen, Höckersdorf nach Dodenhausen. Hier wurde ein kurzer Imbiß em genommen, unb dann ging es weiter dem Ziel des 1. Tages entgegen. Kurz nach 8 Uhr langte bie Wanbergesellschaft in Ulrichstein dessen Schloßberg schon von Mücke aus zu sehen war, an. Der wackere Zweigverein von Ulrichstein 'hatte es übernommen, für Quartiere zu sorgen. Em gemütliches Zusammensein im GasthausZum Vogelsberg" vereinigte die Mitglieder der beiden Zweigvereine. In der Frühe des andern Morgens war bie Wanderschar wieder auf den Deinen, um umgeben von undurchdringlichem Rebel durch ^herrliche Waldungen am Taufstein vorüber nach dem Hoherodskopf zu gelangen, der kurz nach 8 Uhr erreicht wurde. Hier hatten sich neben den Vertretern fast aller Zweig vereine noch viele an­dere V.H.C.-Schwestern und -Brüder zur Haupt­versammlung eingefunden. Rach Schluß der ge­schäftlichen Verhandlungen brach die Wander­schar auf, um den Rest der Wanderung des 2. Ta­ges zurückzulegen. Der Weg führte über Breun­geshain. Busenborn, Eschenröder Straße und Villa Luginsland (früher Lehrerheim) nach dem vor Schotten gelegenen Gasthaus Hubertus, wo eine einstündige Rast nochmals alle Teilnehmer ver­einigte. Bald war auch diese Stunde verflogen, und weiter ging es nun zum Bahnhof Schotten, von wo aus uns die Bahn der Heimatstadt wie­der zuführte. Don jedem Gesicht konnte man die Befriedigung über die schön verlaufene F/otägige Wanderung adle en, haben wir doch wieder ein­mal unseren schönen Vogelsberg, auf den wir Oberhessen stolz fein dürfen, durchstreift. Mit herzlichenFrischauf!" trennten sich die Teil­nehmer am Bahnhof, in der Erwartung, bald wieder eine solch schone V.H.C.-Wanderung zu erleben.

Das Vermächtnis.

Von Hans Waldau.

Seit bem 2toe Johannes Burgs war es stlll in dem Haufe d's Komponisten geworden. Es war, als sei alles Lebm gehemmt in Ratlosigkeit und Di au er als wären die Fenster verhängt vor der Welt, die btaue.i weiter ihren Gang ging. Ka­tharina Burg tonnte sich nicht in bie Veränderung finden. Jäh aus der- heiteren Fröhlichkeit des mu» stiftohm Hauses c.e iffcn. bas so oft von Gästen ang füllt war, sah sie leinen Weg in ein neues Leben, das Einsamkeit und Sorge für sie bedeutete. F ist tote kindlicher Trotz toareB, daß sie sich in ihre Trauer hineingrab unb bei ihren Gedanken an den Toten nicht die Zeit fand, an Uebriges zu denken. Allmählich aber mischte sich in diese Gedanken etwas tote Bitterkeit unb leiser Vor­wurf g-gcji den Mann, der nie ein Wort für die Zeit gehabt hatte, da einer von ihnen allein toeitergeO-cn mußte. Unb so tarn es bald, bah Ka­tharina Burg nicht mehr allein um den Toten, sondern vielleicht mehr um sich selbst trauerte, ihr Schicksal, das sie nicht zu meistem verstand.

Da hörte sie eines Tages leisen Gesang aus einem der tiefer gelegenen Zimmer. Verwundert ping sie hinunter und fand ihre Tochter an bem Flügel, der so lange verschlossen war.

Aber Kind, Musik? . . ."

Richt bös sein, Mutting," bat das Mädchen, ,M blättere schon seit Tagen in Vaters Roten.' Und ich mußte das heute fingen ich konnte wirklich nicht anders"

Die Frau stand leicht erschrocken, denn sie wußte, daß es der Tochter bisher unmögliche war.

eine der schwierigen Kompositionen des Vaters zu spielen. Wie kam es denn, daß sie heute den Zwang verspürte, zu spielen, unb daß sie es auch vermochte? Katharina fe,t: sich in einen der alten Sessel und sagte nur:Spiel' weiter."

Unb bas Mädchen spielte unb sang.

Unb tote bie F au lance lauschte, wachs in ihr durch alle Verwun erang ein Gedanke, daß es gar nicht bu Tochter sei. bie da spiele, sondern baß er selbst re oinmen war, der dies geschaffen hatte, um zu erinnern, daß er nicht tot fei, sondern in seinem Wecke toeitcrlebe. Unb während sie wie träumenb bie Musik in sich sog, war es ihr, als striche eine Hand leise über ihre Stirn, und in 'heimlicher Scham erkannte sie, wie klar ihr Weg aus Ratlosigkeit und Grübeln Hinausfährte. Jo­hannes Burg war gestorben und war doch nicht tot. Denn seine Kunst lebte, und sein Werk muhte sie hinaustragen in die Welt, daß sie alle des,en teilhaftig sein konnten. In dieser eigenen Tat aber lag neues Leben, weite, aber Helle Wege; Mühe, aber reiche Ernte.

Das Mädchen sah die leuchtenden Augen der Mutter unb setzte sich zu ihr. Katharina Burg aber sprach:Ist es nicht seltsam, daß bu gerabe heute den Wunsch hattest, die Lieder zu singen, am Himmelfahrttag?"

Warum ist das feltfam? fragte die Tochter.

Und bie Muttyr sprach:

Rachdem Ch.istus gestorben war, erschien er den Jüngern unb schalt sie, daß sie verzagten und unnütz klagten. Und er hieß sie hinausgehen in die Welt, um sein Wort zu verbreiten allen, die es hören wollten . . ."

Die Tochter verstand

Unb sie beugte sich auf die Hände der Mutter und küßte sie.

*

Vogellegende.

Don Anna Rodenacker -Danzig.

Gott hatte bie Welt erschaffen und alle Ge­schöpfe erfreuten sich, ihres Daseins, denn jedes von ihnen war seinem Wesen entsprechend ausgestattet worden. Die Fische spielten mit glänzenden Flos­sen im Wasser. Die Vierfüßler liefen und spran­gen durch Wald unb Heide Die Vögel tummelten sich in der Luft und erfüllten sie mit ihren Rufen und Liebem. Rur zwei von ihnen saßen neben­einander auf einem Ast unb ließen bie Köpfchen hängen, hatte doch der Schöpfer vergessen, sie em Lied ober auch nur einen einfachen Ruf zu lehren. Sie waren beide stumm unb konnten nicht in den Chor ihrer Drüber einstimmen. Schon lachten Taube und Fink über die beiden Schweigsamen, die Elster erzählte überall, sie seien zu hochmütig, um mitzutun, und der freche Spatz flatterte mit Geschrei.heran, um nach ihnen zu hacken. Da floh der größere der beiden Stummen in ein dunkles Gebüsch, wo bie anderen ihn nicht sehen konnten. Der llemere aber verkroch sich, ängstlich zwischen den Halmen des Grases.

Tausende von Iah en waren vergangen. Der Mensch, der sich die Krone der Schöpfung dünkte, war gefallen, und Gott stieg selber zur Erde hin­ab, ihn von der Sünde zu erlösen. Im Garten von Gsihsemane sah eines Rachts ein stummes Döglem aus dunklem Gebüsch, wie ein Mann auf fein Antlitz fiel und flehte, doch sein Flehen wurde nicht erhört. Da zitterte dem Vöglein das Herz in der Brust. Es sah den Wann bei seinen

Freunden Trost suchen. Die aber schliefen. Da wollte dem Vöglein das Herz zerspringen. Und es sah den Mann das Haupt senken in der Qual des Verlassenseins. Da ertönte aus bem Gebüsch ein Schluchzen und Klagen, ein liebkosendes, trö­stendes Lieb so süß, wie es noch nie gehört wor­den war. Christus erhob das Angesicht, erspähte das Vöglein im Gebüsch und segnete mit seinem Blick die Rachtigall, der das Mitleid die Zunge gelöst hatte, dah ihr Gesang auf immer ein Trost aller Traurigen und Einsamen sei. Dann ging er weiter seinen Leidensweg nach Golgatha,

Tagaus, tagein flatterte das andere stumme Vöglein ängstlich in den Ackerfurchen umher unb wagte nur selten, sich über bie Halme des Korns zu erheben. Einmal aber fiel ein Lichtstrahl in sein dunkles Dasein, der war heller denn der Strahl der Sonne. Don dem seltsamen Schein angezogen, flog das Döglein empor. Da sah es Christus in der Glorie zum Himmel fahren. Das Döglein er­kannte seinen Schöpfer , und wurde von heißer Sehnsucht erfüllt. In steilem Fluge folgte es ihm höher unb höher hinauf. Schon öffnete sich die Pforte des Himmels unb die Hymnen der Engel grüßten den Uebettoinber irdischer Unzulänglich­keit. Als bas Doglein den Chor der Seligen Dec» nahm, bemächtigte sich seiner eine unbeschreibliche Freude. Der kleine Schnabel sprang ihm auf and es stimmte in die Iubellieder em. Roch einmal grüßte Christus bie erlöste Welt unb grüßte vor allem bas kleine Geschöpf, bas ihm zur Höhe ge­folgt war. Seitdem steigt die Lerche täglich un­zählige Male zum Himmel empor und jubelt über Gottes Herrlichkeit.