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Ur. 304 Dritter Blatt
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhrfsen)
Zamrrag, 2 . Dezember (924
Glaube und Wissen im neuen Rußland. Don unserem V-Korrsepoirdenten.
(Nachdruck verboten.)
Moskau. Mitte Dezember.
Fast noch stärkere Hmlvälzungm als auf politischem und wirtschaftlichem G.biet har die russische Revolution und besonders dec Bolschewismus im Geistesleben Rußland Z hervorgerufen. Lediglich die geringe Kenntnis der russischen Sprache in den intelligenteren Kreisen Westeuropas hat bisher ine direkte E n- tnirfung jener geistigen Revolution auf andere Kulturstaaten hintangehalten Man trifft aber heule schon in der russischen Hauptstadt des öfteren westeuropäische Kulturhistoriker, Kunst- fachleute und Theatersachv^rständige. die eigens nach Ruhland reisen, um gewisse, ih em Interessengebiet naheliegende Dinge zu studieren. Auch ihnen bieret dieses Riesenland der Rätsel Ueberraschungen und sinnverwirrende Eindrücke in Hülle und Fülle.
Eine der eigenartigsten Begleiterscheinungen des Bolschewismus ist die erstaunliche Steigerung des Interesses aller Volksschichten an religiösen Problemen. Wohl hat sich die alte rechtgläubige russische Kirche im Laufe dar letzten Jahre im Zusammenhänge mir der politischen Umwälzung mehrfach gespal'en. Der alten orthodoxen Richtung ist die sog ° normte „lebende Kirche" gegenübergetreten, die bereits in den Großstädten zahlreiche Anhänger um sich schart und einen erheblichen Teil der Gotteshäuser mit Beschlag belegt hat. Sie trägt den religiösen Bedürfnissen des Volkes, besonders durch die Einführung der Predigt In russischer Sprache, Rechnung während bekanntlich in der altrus ischen Kirche die alt» slavische Sprache und G s rüge das Charakteristikum bildeten. Auch zahlreiche aus der rechtgläubigen Kirche entstandenen S fien haben stark an Anhängern gewonnen. Richt Binder rege ist aber auch die religiöse Be- iätigung bei anderen Konfessionen, insbesondere bei der römisch-katholi.ch m. bei der protestantischen und bei den Juden oeworden. Der Llndrang zu den Go te diensten i t al e t- halben ein sehr starker. Es ist be,anderZ bemerkenswert. daß im Gegensa; ,ut Vork iens- -eil auch die gebildeten Schichten regelmäßig -um Gotteshaus wandern. In einer sä limmcn Lage befinden sich allerdings die Klöster. Ihre früheren Cinnahmeguellen sind ihnen g.vßtcn- tcils fortgenommen worden, die Geldentwer- ttmg hat sie außerdem um den Rest ihres Vermögens gebracht. Die Baulichkeiten der Klöster sind zu einem erheblichen Teile für Re- gierungszwecke und zur Hnterbrlngung von DohtrungSlosen beschlagnahmt worden. In einem der ältesten Nonnenkloster Moskaus, das heute noch über zweihundert Frauen beherbergt. hörte ich, daß diese für ihre bescheidenen Klosterzellen monatlich etwa 4—5 Gold- mbel Miete zahlen müssen. Diese Beträge Und ihren notdürftigsten Lebensunterhalt verdienen sich die Nonnen durch Handarbeiten und sonstige ihrem Stande angemessene Beschäftigung. Novizen werden wohl in keinem .'Kloster mehr angenommen. Die jüngsten N n- uen waren bereits über 3d Jahre alt. G oße Verehrung genießt in den kirchentreuen Kreisen das Haupt der alten russischen Kirche, der Patriarch Tichon. Ich hatte zufällig Gelegenheit, der Feier seines siebenjährigen Patri- archenjubiläums in dem herrlichen, festungsähnlich angelegten und in seiner Bauweise dem älteren Teil des Kreml ähnelnden "Don-Klosters an der äußersten Peripherie Moskaus beizuwohnen. Da die Hauvtkirche deZ Klosters geschlossen ist, fand die Feier unter Beteiligung
Die rote Kaschgar.
Roman von Fedor von Zobel tih.
27. Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
„Tausend Tank, für eine Nacht läßt sich mein Iammerloch schon ertragen. Margen werde ich Umschau holten. Ich muß mich auch vom Kopf "»iS zu den Füßen neu aus statten."
„Das besorgt Ihnen Krüger oder Wannizek. Auch in der Chinesenstadt gibt es ein paar europäische Läden. Sie bleiben doch vorläufig hier?" Herr Murray setzte sein Glas vom Munde. „Mer verehrtest er Herr, wo soll ich denn sonst 6m!" rief er. „Tas ganze Land ist in Aufruhr. Hier sitzt man wenigstens in Sicherheit."
..Wie lange noch? Die Geschichte Ihrer Irr- iahrt war ungemein belehrend für mich. Sir. Cs irar der erste mündliche Bericht eines Zuverlässigem Sie sahen, wie er ausgenommen wurde. Meldungen über Heberfälle. Brandschatzungen mri) Mordtaten der Boxrr sind uns seit Monaten (^gegangen. Dann erfolgte jedesmal eine De- 'chwerde im Tsungli-Pamen, und prompt kam auch jedesmal die Antwort zurück, daß die Regie- rrng bereits gegen die Räuberbanden vorgehe. Run ja. Räuberbanden sind es. aber organisierte. Ich habe durch einen glücklichen Zufall die No- ttjen eines hochgestellten Chinesen in die Hande bekommen, in denen die Entwicklung der Bewegung sachgemäß geschildert wird. Sie wandle sich Dtn vornherein gegen die Fremden im Lande. China den Chinesen — im Grunde genommen ganz verständlich. Bloß die Weltpolitik ist andrer Meinung. Run ja, totschlagen Birnen wir uns nicht lassen — also müssen wir uns wehren."
„Höchste Zeit ist es."
„Versteht sich. Man wird aus den Häfen ein '.)car Kompagnien Marinetruppen herkvmman- Meten. Man demonstriert. Es kann imponierend wirken."
Dec Reisende verstand den ironischen Ton. .Das hilf s," sagte er, „man muß abwarten. Unbequem für mich Im Hochsommer kann ich nicht Väter."
zahlreicher hoher geistlicher Würdenträger und einer größeren Zahl von Möncs)en un Nonnen in einer der kleineren Klosterkirche ,tatt. Hier entfaltete sich aus kleinem Raum noch einmal die ganze äußere Pracht der alten Kirche. Anvergeßlich bleiben die herrlichen Gesänge. Der 85jährige Patriarch b.ldete den Mittelpunkt der Zeremonien und bewies bei der ausgedehnten Feier eine bewundernswe te körperliche Frische. Eine der interessantesten Persönlichkeiten in den Rechen der teilnehmenden Würdenträger b.lvele wohl der M. Skauer Mettopclit Peter, dessen scharsgefchnitteneS, energisches Gesicht besonders die Ausmeiksam- feit der anwesenden Fremden fess.lle. Der Patriarch Tichon predigt trotz seines hohen Alters an jedem Feiertag in verschiedenen Moskauer Kirchen und ist beim Verla sen d s Gotteshauses r.g.lmäßig Gegenstand lebhaf e Ovationen. Er wird nicht selten geradezu mit Blumen überschüttet.
Ein ebenfalls sehr beträchtlicher Teil 0 S russischen Volkes hat sich aber dem G auben der Väter vollkommen entfremdet. Di antireligiöse Bewegung ist außerordeittli.) re e und arbeitet mit allen Mitteln rnod rniter Propaganda. Eine mit raffinierten Karikaturen ausgestattete Zeitschrift „Besbo chnik" („der Atheist") kämpft gegen die ®jtt.,ri.en aller Konfessionen und ihre Diener u rd Anhänger. Sie eifert gegen Christus, Budd a Jehova ebenso wie gegen Mohammed. Die führenden Männer der Regierung wie auch der kommunistischen Beweg ng s n) sich ab r doch wohl darüber klar, was es heißt, gerade auf russischem Boden eine solche Propaga da der Gottlosigkeit zu entfalten. Auch die Steigerung der religiösen Betätigung bei allen Konfessionen ma^i ihnen zu denken gegeben haben. So ist es wohl zu erklären, daß die kommunistische Partei ihren Anhingern in allemeuefter Zeit verbietet, Kirchen zu beschlagnahmen und zu profanen Zwecken (z. B. als Klubhäuser) zu verwenden.
Auf dem Gebiete des Schulwesens tritt der Kampf zwischen der alten und neuen Richtung nicht minder scharf in die Erscheinung. Die VolkZschulen litten bishe? sehr stark un cr dem Geldmangel der öjfe.rt ichen Kass n scheinen aber neuerdings wi der in etwas e trag- lichere Verhältnisse hin^inzukommen. Den Gymnasien und allen Aniveesiwten fehlen jedoch die Mittel noch völlig, um auf der allen Höhe bleiben zu können. Der besonderen Förderung der öffentlichen Stellen erfreuen sich alle diejenigen Institute, die dazu dienen, einen sowjettreuen Nachwuchs für die verschiedensten Berufe heranzubilden. Lenins Forderung, daß man „rote Spezialisten", „rote Ingenieure", „rote Kaufleute" usw. heran bilden müsse, wird erfüllt durch die Tätigkeit der sogenannten „Arbeiterfakultäten", die in dreijährigen Kursen Fabrikarbeiter, Bauern usw. zum Besuche der Hochschulen vor bereiten. Der Lehrplan und die Lehrmethoden dieser Arbeiterfakultäten, die zusammen in ganz Rußland gegenwärtig etwa 25 000 Studierende zählen, sind außerordentlich interessant. Ich habe selbst die verschiedensten Klaßen eines derartigen Moskauer Instituts besucht und währeiA) des Anterrichts Fragen gestellt, deren Beantwortung zeigte, dafß hier eine ausgesuchte, bildungsfähige Jugend nach einem ganz besonderen System im Geiste des Bolschewismus gedrillt wird. Von einem wissenschaftlichen Studium kann natürlich in Anbetracht der Vorbildung und der wenigen zur Verfügung stehenden Jahre nicht die Rede sein. Der Bildungshunger der jungen Leute, die nicht nur den ganzen Tag über in den Unter- richissälen sitzen, sondern bis spät in die Nacht in den Laboratorien und Leseräumen der Anstalt beisammen bleiben, war aber ebenso er=
Herr Gorban Murray begann für Gert interessant zu werben. Dieser sehnige Engländer trug auf seinen harten Zügen eine gewisse gewalttätige Art von Genie. Er hatte ein kluges Gesicht, helle Augen, einen spröden Mund und eine steilgebaute Stirn wie eine Festungsmauer. Er war ein Typus ber rücksichtslosen Draufgänger seiner Rasse.
„Wo wollen Sie bin?“ fragte Gert.
„Westwärts. Durch Norbtibet, Ostturkestan, Buchara nach Transkaspien. So ungefähr."
„Aus Reiselust?"
„Jawohl. Aber ich habe auch eine kleine wissenschaftliche Liebhaberei. Ich möchte ben Wanderungen der Nomadenvölker in den verschiedenen Jahreszeiten auf die Spur kommen."
Gert lächelte nicht. Englischer Spleen, sagte er sich „Das macht viel Kosten", antwortete er. „Sie brauchen eine große Karawane."
„Eine ganz kleine. Nur ein paar Führer. Die Kosten beschränken sich hauptsächlich auf die Ausrüstung. Die muß zweckmäßig fein, doch nicht belastend. Was ich an notwendigen Instrumenten hatte, hat man mir unterwegs gestohlen. Das wird sich am schwersten ersehen lassen. Waffen und Munition sind schon leichter zu beschaffen."
Der Hausherr trat ein, gefolgt von seiner Gattin, einer schlanken, schwebenden Engländerin, wie auf Ossians Versen sich wiegend, und der Gemahl stellte ihr den Touristen vor. Murray wischte sich ben unrasierten Mund, verschluckte eilfertig den letzten Bissen und versuchte nach seiner Ärt sich liebenswürdig zu geben. Aber er hatte nicht ben rechten Ton den Damen gegenüber. Es fehlte ihm an gefälligen Wendungen, er war kurz von Wort, und nie lag auf seinem Gesicht ein gewinnendes Lächeln. Der Gesandte hatte feiner Lady gesagt, es sei doch wohl angebracht. Öen durch gute Empfehlungen von London aus angemeldeten Reisenden in der Gesandtschaft un- terzubringen — natürlich in einem der kleinen Nebenhäuser, an denen kein Mangel war —, doch die Gnädigste schien die Lust an der Einladung verloren zu haben oder hatte sie vergessen: ste wandte sich an Gert und begann mit ihm zu plaudern, gleichgültige Dinge, um bann unnermit- tdt zu schließen:
ftaunlid) wie ihre unerschütterliche Gesinnungsfestigkeit und ihre Ergebenheck in d e Lehren dn) BolschewiSmu. mb Kommunismus. ®e- toift wird die Bildung dieser jungen Leute beiderlei Geschlechte nur Stückwerk bleiben können. Sie werde aber über das nötige Maß von Kenntniss n verfügen, um ihre politische Aufgabe zu erfüllen, die darin besteht, die im alten Stile vorgeoildele eigentliche russische Intelligenz in den Verwaltungen verschiedenster Art zu bevormunde i und zu kontrollieren. Hi.r wächst eine in ihrer politi.chen Bedeutung nicht zu unterschätzende Stoßtruppe des Bolschewismus heran.
Ein merkwürdiges Gegenstück zu diesen Erscheinungen in Kirche und Schule bildet der geradezu religiöse Kult, der mit der Leiche Lenins getrieben wird. Vor dem Kreml auf dem „roten Platz", in unmittelbarer Nähe der Graber fahrender M inner der russischen Revolution, erhebt sich das vorläufig Li H'lz ausgesuhrte, aber architektonisch sch wirkungsvolle Mausoleum Lenins. Da selbe ist natürlich scharf bewacht. Die einbalsamierte Leiche des großen Revolutionärs kann von jedermann besichtigt werd n TagiuS, tagein z ehen noch immer Tausende an ihr vorüber. Ein Kommunist, den ich auf den Widerspruch aufmerksam machte, der zwischen dieser heiligen Verehrung und den kommunistischen Ideen besteht, erklärte mir. daß man damit gewissermaßen den religiösen Bedürfnissen eines großen Teils des ru,fischen Volkes eine Konzes,ion mache. Es sei eben g w ssermaßen der „Nepp auf ideologischem Gebiet".---
Cs muß anerkannt werden, daß die Verehrung gerade dllseS Mannes in den breteft n Volksschichten eine sehr populäre und aufrichtige ist.
Das geistige Leben des russischen Volles ist zwar im Zeichen des Sowjetsterns ein einseitiges, aber ein außerordentlich lebhaftes. Die Zahl der reich gefüllten Buchläden in Moskau ist ebenso erstaunlich groß wie die Produktion auf dem Büchermarkt überhaupt. Na
türlich überwiegen politische, soziologische und hii.orische Schriften besonderer Richtung. Da- nebe aber entwickelt sich neuerdings eine sehr beachtenswerte belletristische Llleramr. derer Trager eine ganze Anzahl tal ntterter Schriftsteller von durchaus nicht immer bolschewistisch er Ob ervan^, die sogenannten ..Mitlnufer", si td. D.ese haben ihre besonderen Zeitschriften rein literarischen Charakters. Die Presse ist natürlich, wie in diesem Staate nicht anders möglich, eine Sowjetpresse. Die Nolle der oppositionellen Presse ist hier gewissermaßen auf die ausland.schen Zeitungen ubergegangen, von denen besonders deutsche, d. b. Berliner Blätter auf den Straßen verlaust und von der sprachkundigen Inlllllgenz gelesen werden. 3m Redaktionskollegium der großen Moskauer Zeitungen sitzen etwa zu vierz g Prozent Korn muniften und zu sechzig Prozent „parteilose" Redakteure. Gelesen wird In allen Volksschichten außerordentlich viel. Vor,äste wie die Diskussion über die Veröffentlichungen Trotzkis werden in allen Kreisen auf das lebhafteste diskutiert. Sofern der Russe eben lesen kamt, macht er davon den ausgiebigsten Gebrauch, was man leider von anderen Nationen nicht immer in diesem Umfange behaupten kann.
Auch die Theater erfreuen sich außerordentlich lebhaften Interesses und regsten Besuches. Die Darbietungen stehen besonders im Künstlertheater und im Großen Theater in jeder Hinsicht auf einer überraschenden Höhe. Den Clou im Moskauer Theaterleben bilden die Inszenierungen hypermoderner Stücke poli- tisch-satyrischen Inhalts im Theater „Meyerhold". Zu diesem lenken die ausländischen Literaten und Theaterfachleute immer wieder ihre Schritte, um die Eigenart der aufgeführten Stücke wie auch ihre I.tsz nierunq zu studieren. Ich C;n al erdlngS überzeugt, daß dem größten T.ile unseres deutschen T^aterpuöli- kürnS weder der Inhalt noch die Musik oder gar die kubistisch ° futuristische Durchführung dieser Theaterstücke zusagen würde.
Landwirtschaft und Gartenbau.
Scrtenwahl im Kartcsfelbau.
Nachdruck verboten.
Es ist keine Sstlenheit. daß unfere Kartoffelfelder trotz gründlichster Bodenbearbeitung, ausgiebigster onimalisch?r und künstlicher Düngung und sorgsamster P l ge nicht die Ertrage bringen, die man nach der oufgewendeten Mühe und Kosten erwarten sollte. In den meisten Fällen wird der Fehlschlag auf die Tatsache zurückzuführen sein, daß die gepflanzten Kartoffel schon jahrelang in der Wirtschaft gebaut wurden, anstatt von Zeit zu Zeit frisches Saatgut dem Betriebe zuzuführen. Denn der Saatgutwechsel ist gerade im Kartossclbau eine der ersten Bedingungen zur Erzielung lohnender Ernten. Die Vorzüge des Saatgutwechsels treten bei keiner Kulturpflanze so offensichtlich zutage, wie bei der Kartoffel. Denn ihre Ernährungsweise ist grundverschieden von der anderer Nutzpflanzen, sie wird nicht aus geschlechtlichem Wege durch Samen fortgepflanzt, sondern ungeschlechtlich durch Knollen, und deshalb stellt sich bei ihr der Abbau, d. h. das Nachlassen der Erträge, viel früher ein und macht sich viel empfindlicher bemerkbar. Höchsternten können aber nur erzielt werden, wenn neben gründlicher Bearbeitung. Pflege und Düngung bei öfterem Saatgutwechsel oucb eine ertragreiche und für die betreffende Gegend passende Sorte gepflanzt wird.
Es lst für die Landwirte nicht einfach, sich in den Kartoffelsorten zurechtzufinden. Heber 2000 Kartoffclsorten gibt es in Deutschland, und über 200 hiervon sind häufiger im Handel angeboten und mrbr oder weniger weit verbreitet. Es seien deshalb hier einige Richtlinien für die Wahl passender und ertragreicher Kartoffelsorten gegeben und In diesem Zusammenhänge auf die Kartoffelsortenanbauversuche verwiesen,
„Aber ich muh zu meinen Gästen zurück, lieber Graf — man rüstet schon zum Aufbruch . .
Das verstand auch Gorbon Murrah. Er liebäugelte noch mit einem Pastetenrest, leerte gewaltsam sein Sektglas und schob bann trricber seinen Arm unter den Gerts.
„Leiten Sie mich am Gängelband, Herr Graf", bat er. „Ich fürchte mich in meiner Verwahrlosung . .
Im großen Saal sand die Verabschiedung statt, es ging so rasch wie bei einer höfischen Cour, dann strömte alles in die Garderoben und vor das Hauptp^rtal, wo zwischen Wache und Stallungen die Kulis mit den Sänften warteten.
Ein Fächerschlag rührte wieder den Arm Gerts.
„Guten Abend, Graf Hora," sagte Clömence Eavary, „haben Sie heute gar keinen Blick für mich?"
Ihr Gesicht war nicht älter geworden, vielleicht erschien auch der nervöse Zug der Linien unter der feinen Reisschicht wie etwas Zufälliges, das keine Bedeutung hatte.
„Teuerste Gnädige." antwortete Gert, „Sie müssen verzeihen — ich sah Sie gar nicht in der Fülle der Gesichte. Hm so mehr freue ich mich. Ihnen wenigstens im Augenblick des Abschieds die Hand drücken zu fönnen.“
Das geschah, und da fühlte Gert ein winziges Papierröllchen in feiner Handfläche, das mxh vor Jahresfrist sein Auge hätte aufblihen lassen und das ihn heute wie eine heimtückische Mahnung dünkte.
„Sind Sie morgen bei den Russen?" fragte Clemence weiter.
„Doch nicht. Ich muhte absagen. Ich habe übermäßig zu tun.“
„O Gott, Sie Aermster! Schonen Sie nur Ihre Nerveickrast."
Sie lachte ein wenig gekünstelt. In einer Menschengruppe, die sich zwischen sie und Gen schob, verklang ihr Lachton.
Auch Gen hatte seine Träger bestellt. Er lud Gorden Murray mit in die Sänfte. „Ich bringe
ti- die LardwirtlchKlammer für Hessen in verschiedenen Teilen des Landes durchführt, um die Geeignetheit und den Anbauwert einzelner Sorten zu ergründen und den Landwirt in der Wahl der Sorten au unterstützen.
Die Deriuch? wurden in den drei Provinzen Hessens an verschobenen Ortm zur AuS ührung gebracht mit folgenden 10 Svrt.n: I. M doowS Or g n l-Industr e. 2. Lembkes Or ginal-3nbu-- str.e, 3. Bohms Heimat, 4. Böhm- H ssenland, 5. Böhms Anspruchslose, 6. Böhms Vol s.'rast, 7. Dohms Zeitgeist. 8. Böhms Geh. Rat Waller, 9. Böhms Gelbe Riesen, 10. Böhms Sämling 152 1912, 11. Böhms Neue Markt Die Sorten des hess.schen Züchters Böhm wurden also mit den beiden b kannten Industriezüchtungen von Lembke und Modrow in Vergleich gestellt.
Die Durchschnittsknollenerträge der 4 jährigen Anbauversuche ergaben pro Hektar: 1. Modrows Industrie 243,6 Dz.. 2. LembkeS Industrie 235,9 Dz.. 3. Böhms Geh Rat Walter 235,0 Dz., 4. Böhms Volkskraft 229,2 Dz.. 5. Böhms gelbe Riesen 218.5 Dz.. 6. Böhms Hessenland 216,7 Dz., 7. Böhms Neue Markt 212.0 Dz.. 8. Böhms Zeitgeist 209.8 Dz., 9. Böhms Heimat 208,9 Dz., 10. Böhms Anspruchlose 173.7 Dz.
In einem wetteren Versuch in dem trockenen und sehr ungünstigen Karlofseljahr 1921 wurden mehrere außerhessische Sorten einbezogen. Das Ergebnis kann noch nicht abschließend sein, da nur die Erträge von einem Jahr berücksichtigt sind, aber immer einige Anhaltspunkte bieten. Auch hier siegte die Modrow Industrie und die Lemb- kesche Züchtung stand ihr kaum nach. Im einzelnen ergeben sich folgende Ernten pro Hektar: 1. Modrows Industrie 202,6 Dz., 2. Lembkes Industrie 201,0 Dz.. 3. Thieles Geh. Rat Appel 178.1 Dz. 4. Thieles Weihe Riesen 176,6 Dz., 5. Böhms Heimat 152.1 Dz.. 6. Modrows Direktor Iohann-
Sie nach Ihrem Hotel", sagte er. „Es liegt mit auf dem Wege."
Kulis mit Laternen schritten voran. Bunte Lichter huschten hin und her durch die Nacht. Das Wetter schien sich verzogen zu haben, doch her Himmel war dunkel. Links gurgelte leise das Kanalwasser. Die Träger stapften durch den tiefen Sand, durch die Löcher und den Schmutz der Straße. Irgendwoher hörte man noch ein paar französische Grußworte, auch einen kräftigen russi» schen Fluch und dann wieder ein verhallendes Lachen.
Bor dem Hotel, das einem französischen Schweizer gehörte, stieg Murray aus.
Darf t-b S'e morgen aufsuchen, Herr Graf?" fragte er. „Sie sind der einzige, der mir freund- Uu> entgegentam, und ich hätte gern noch dies und das mit Ihnen geplaudert."
„Werde mich freuen, Sir. Am Nachmittag, etwa von drei Hhr ab, finden Sie mich sicher daheim. Die kleine Bude hinter dem Gesandtschaftsgebäude. Da Hause Ich."
Er ließ die Träger dem Mauertor gegenüber stehen, wechselte ein rasches Wort mit dem Pförtner und schrill dann zwischen dem HauS des Gesandten und des Dolmetschers durch den sorgsam gepflegten Garten. Die hellerleuchlete offene Eingangshalle streute ihr Licht weithin, aber Gert hatte fein Heim auch im Dunkeln gefunden. Es war ein einstöckiges Häuschen mit einem chinesischen Dach auf buntbemaltem Gebälk unt roten Säulen.
Er trat in fein mit allerhand Ehinoifenen dicht gefülltes Arbeitszimmer. In den ersten Monaten hatte auch ihn die Kauflust gepackt, und überall war er gehörig betrogen worden. Ein dicker versiegelter Brief lag auf dem Schreibtisch.
„Wer hat das abgegeben?“ fvagte er den Boy, der immer die Ankunft seines Gebieters abwartete.
„Der Herr, der öfters kommt," erwiderte Li. „der Herr mit der großen Nase."
Gert nickte. „Schön. Geh zu Bette, Li." (Fortsetzung folgt)
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