Ausgabe 
27.10.1924
 
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flr. 255 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)

Staatsmännische Phantasie.

General Dr. h. c. Freiherrvon Freh- lag-Loringhoven, der kürzlich verstor­bene Generalquartiermeister b?ts Weltkrieges gehörte bekanntlich zu den bedeutendsten Mi° litürfchriststellern. Aber nicht nur auf diesem Spezialgebiet wußte er geistvoll und treffend die Feder zu führen, sondern auch auf politi­schem Gebiet eignete ihm eine seltene Klarheit des älrteils. Als Erinnerung daran mögen hier die folgenden Zeilen stehen, die der Heim- gegangene vor einigen Jahren schrieb und die rod) nicht das geringste an Aktualität einge- büfjt haben.

di« tatsächlich nicht entfernt in zureichendem Maßr bestand.

Erst wenn die Lenker von Deutschlands Ge­schicken und mit ihnen die Gebildeten der Ration nüchterner zu denken und sich von falscher, un- staatsmännischer Phantasie freizumachen wissen, kann es gelangen, den Wagen des Reiches aus dem Sumpfe hm auszuführen.

Mord, Banditen, Spionage gegen Sowjet-Ruhland.

!nicht viel anders. Staatsmännische realistische- > 22/ Phantasie, d. i. Vorstellungsvermögen, das rru^ * h»H h*

nennen, denn wir haben uns an die beispiellosen milde gesagt Llnverfrorenheiten bolschewisti­scher Propaganda bereits gewöhnt. Eine dieser ^lnverfrorenheiten und noch dazu eine sehr vielsagende und bedeutungsvolle stellt auch die Heberfenbung der verschiedenen Produkte dieses

Begabten bis zu einem gewissen, unter ihn- ständen hohen Grade durch Studium, Devbach-

Igefchärftem Wirklichkeitssinn auch entfernt lie- sgende Dinge so sieht, wie sie tatsächlich sind, Hat uns schon damals gefehlt, wir hätten tsonst nicht zu einer so vielfach falschen Einschätzung

I neuen Verlages an die Organe der deutschen Presse dar. Doch auch daran haben toir uns bereits gewöhnt. Das Titelbild dec Bro­schüre ist nicht nur zeichnerisch wirllich vortrefflich, sondern es ist auch in sehr kennzeichnender Weise mit dem TitelMord, Banditen, Spio­nage" in ilebereinftimmung gebracht: im Vor­dergrund der personifizierte Mord in Gestalt eines heldenmütigen Verteidigers derTscheka", hinter ihm einer der Banditen, an denen die Denikin-Armee so reich war, bis Wrangel mit ihnen gründlich aufräumte, und im Hintergründe die Spionage, wohl nach »dem Leben aus einem der wohlgenährtenbürgerlichen" europäischen Kabi­nette gezeichnet.

Ebenso lehrreich ist auch der Inhalt der Broschüre. Wenn es heute noch Leute gäbe, die den kommunistischen Veröffentlichungen ver­trauensselig und unbefangen Beobachtung fd>en» Ten, so könnte diestrenge Sachlichkeit", dieses so beliebte, aber seit langem schon etwas zu faden­scheinige Kleidchen der kommunistischen Propa-

zu heft reiten, daß sie von einem entsprechend Begabten bis

Die Vertretung der russischen Sowjetrepubli­ken veröffentlicht unter der FirmaReu^r Deut­scher (!) Verlag" die offiziellen Akten zum Fall Savinkoff (dem bedeutendsten Führer der Ge­genrevolution in Ruhland). Die nichtoffiziellen Akten bleiben natürlich unveröffentlicht, denn sie würden den guten Eindruck der Ver­öffentlichung sicherlich nachteilig beeinflussen. Wir wollen nicht die Frage aufwerfen, wie eigentlich die Verlagsstelle oder vielmehr die Propaganda­abteilung der Sowjetregierung darauf kommt, sich ausgerechnetReuer Deutscher Verlag" zu

tung und Erfahrung erworben werden kann, ^freilich nicht durch parlamentarische Redeschlach- slen. Auch der Führer in den /wirklichen Schlachten des Krieges bedarf einer realistischen Phantasie. Eine solche zu entwickeln, bildete bei uns einen wesentlichen Gegenstand der Generalstabsschulung. Der Wert triegsgeschicht- lichen Studiums bestand für den Offizier vor allem in der Erweckung erres klaren Dor- stellungsvermögens. Was hierin im Generalslabe geleistet wurde, gilt, entsprechend angewandt, mehr oder weniger auch für den Staatsmann. Und noch eines, dessen er bedarf, gab uns die geistige Ausbildung im Generalstabe: die Gewohnheit, - bei jeder Beurteilung der Lage den Aus­gang vom Feinde zu neunen. Auch das ist ein Erfordernis richtiger politischer Schulung. Auf dem Gebiet der Politik gilt es ebenfalls stets, sich die Frage vorzulegen: Was will der andere, wie wird diese oder jene eigene Maßnahme auf ihn cmtoirfen? Bei unseren 21«= gierenden aber wurde meist umgekehrt verfahren Sie setzen beim Gegner Auffassungen voraus, wie sie bei uns gehegt werden, schoben ihm Gemüts- regungen zu, die ihm durchaus fernlagen, ver­trauten auf die Macht internationaler Interessen,

ganda, gewih so manchen etwas stutzig machen. Tatsächlich soll diestrenge Sachlichkeit" der An­klageschrift, der Verhandlung und des Urteilt- spruches gegen Savinkoff zu nichts anderem die­nen. als zur älmkleidung der sonst zu nackt wirkenden Präliminarien für seine spätere Auf­nahme in die Reihen der Kämpfer der allein- seligmachenben Kommuni st is che n Partei. Abgesehen davon, dah diemildernden Hmftänbe" für die Begnadigung Savinkoffs, die wohlwollen­den Aeuherungen verschiedener führender Kom­munisten, seine Enthüllungen" und vor allem die Tatsache, daß Savinkoff in seiner bisherigen Tätigkeit keine Geschäftsmöglichkeiten mehr sah, alle für ein ab geka rtetes Spiel zwischen Savinkoff und den Sowjets sprechen, gibt es" noch Dokumente, die eine auch auf dem genannten Wege mögliche Schlußfolgerung einwandfrei be­legen. Es ist auch nichts besonders verwunde­rungswertes daran, dah diese Dokumente aus der bolschewistischen Zentrale Moskau stammen denn ebensowenig wie alle Dorschriftsmahnahmen der Tscheka, tonnen die dicken Mauern des Kreml das Zentral-Dollzugskomitee vorZugluft" schüt­zen Daneben aber liefern die Enthüllungen so vieler Einzelheiten dec sonst nur In groben Zügen bekannten Aktionen gegen Sowjetruhland viel interessantes Material. Sie geben ein selten voll­ständiges und klares Bild der Unfähigkeit und Unfruchtbarkeit derWeihen",Grünen" und wie sich die Parteien sonst nennen mögen, denen ebenso wenig, wie denRoten" das moralische und historische Recht der Beherrschung des Volkes zusteht Vor allem erbringen dieEnthüllungen" Savinkoffs eine weitere Ergänzung zur Tatsache, dah die Sanierung Ruhlands, bie völkische Be­freiung des russischen Volkes nicht von außen, sondern nur von innen heraus entstehen kann. Die Wetterzeichen für diese Bewegung sind schon vor­handen: Arbeiterstreiks, Mllllrrevvlten^ Dauern- aufstände in den Hungergebieten, Spaltungen in der Kommunistischen Partei und Mach.streit unter den kommunistischen Führern es fragt heb nur, wie lange sich ein Volk, wie das rusiische, wenn auch durch die Geschehnisse der Übten sieben Jahre zermürbt und gebrochen, vom ^error beherr­schen läßt, denn an die schonen Phrasen und Schlagworte glaubt m Rußland niemand mehr selbst nicht die Kommunisten. Rur die völkische Kraft die in j e dem Volke steckt, kann hier eine Aenderüng schaffen, und dah sie im zermürbten russischen Volle zum Erwachen gelangt, dazu be­darf es nur einer Aenderung in der Ruhland- politik der westeuropäischen Mächte.

|ber Psychologie unserer Feinde gelangen können. Der Parlamentarismus hat diesen Man­gel noch vermehrt. Die Hoffnung, dah sich auf /seinem Boden eine Fülle von Talenten ent^ «wickeln und so dem Volke in Wahrheit Führer /kommen würden, ist in keiner Weise in Erfüllung gegangen. Rur die Mittelmähigkeit gedeiht bei dieser Regierungsform.

Trägt einerseits unsere ganze staalliche Ent­wicklung die Schuld daran, dah uns Staats­männer von Weitblick versagt blieben, so darf andererseits nicht verkannt werden, dah der un­geheure wirtschaftliche Aufschwung, den Deutschland seit Begründung des Reiches ge­nommen hat, dahin führte, dah Handel und Industrie mehr und mehr die fähigsten Köpfe an sich zogen. Das kommt jetzt deutlich im Ver­halten unserer Gegner zum Ausdruck. Zu den Vertretern unserer Wirtschaft haben sie Ver­trauen, nicht zu den Regierenden. Allerdings will es fast so scheinen, als ob in der heutigen, von wirtschaftlichen Interessen beherrschten Welt mit dem Vordringen der Massenhaftigkeit auf allen Gebieten überhaupt für große staatsmänni­sche Talente kein Raum mehr sei. Blicken wir auf die feindlichen Länder, so begegnen wir dort zwar stärkerem Willen, dem nationale Geschlossenheit der Völler und die Gunst der Lage uns gegenüber zu Hilfe kommt, Staats­männern im vollen Sinn des Wortes aber auch nicht. Wären sie auf der feindlichen Seite vor­handen, so würde nicht ein Versailles herauf» beschworen sein, sondern die llrheber dieses Ver­trages hätten die Tragweite ihrer Entschließun- gen besser übersehen müßen: beginnt doch den Einsichtigen unter ihnen jetzt selbst vor den Folge­erscheinungen zu grauen.

Es ist nicht zu leugnen, dah die Anforderun­gen an die Vorstellungskraft der Staatsmänner, die heute den Erdball umfassen muh, gegen früher sehr gestiegen sind. Gleichwohl ist nicht

Mit der BezeichnungStaatsmann" ist man 'Neuerdings bei uns sehr freigebig geworden. Sie findet Anwendung auf Leute, die allenfalls Po­litiker und meist nichts anderes als Parlamen­tarier sind. Zweifellos befinden sich darunter Äuge Leute, aber ihr Gesichtskreis ist meist durch Das Parteiinteresse begrenzt, sie sind beherrscht .von der Doktrin, die ihnen die Parteizugehörig­keit eingibt. Dadurch verfallen sie in den Fehler, |ber schon während des Krieges unser ilngtüd war, Fragen der inneren Politik in den iDordergrund zu schieben, wo unter dem schweren «Druck, dem unser Vaterland von allen Seiten «ausgesetzt ist, solche der auswärtigen Poli- !tik in erster Ginie mahgebend sein sollten. Schon «vor dem Kriege unter dem alten, keineswegs 'fluchwürdigen, aber schwachen Regime war es

Aus der Provinz.

Kreis Friedberg.

vw. Butzbach 26. Ott Bei der heutigen Stadtverordnetenwahl, die sich nur mä­ßiger Beteiligung erfreuen formte, gaben von ca. 3200 Stimmberechtigten 67 Proz. ihre Stimme ab. Es wurden gewählt: 1. Stroh. Hch, Real­lehrer (neutral), 2. Sauerbier. Adolf. Land­wirt (neutral), 3 Dr. Schmidt, Kaspar, Bürger­meister a. D. (Deutschn), 4. Rumps, Jakob (Deutschn.), 5 Ioutz, Louis, Kaufmann (Dv.), 6. Wiehler, Frida, Hausfrau (Dv), 7. Ploch, Rudolf, Eifenbahnoberinfpektor (Dv.). 8. Rühl, Karl, Ingenieur (Dem), 9 Heil, A WUh., Fabri- kannt (Dem.), 10. Hadermann, Wilhelm Kaufmann (Dem), 11. Hey d. Ludw, Dachdecker­meister (D. Dp.), 12. Zink Frz., Lehrer (Zentr.), 13. Mayer, Rik, Prokurist (Zentr ), 14. Wit­tig, Bruno, Deigeordn., (Soz.), 15. ßtnfmann, Georg, Gerber (Soz.), 16. Garnbs, Ludwig, Schreiner (Soz.), 17. Holzapfel, Hermann, SpenHlermeister (Soz.), 18 Dreller, Georg, Dorzeichner (Soz.), 19 Kleiner. Else, Hausfrau (Soz.), 20. Oppenheimer, Iofef, Kaufmann (Komm.), 21. Jahn, Emil, Iegenieur (Liste der Angestellten und Beamten).

Kreis Schotten.

-i- Rainrvd, 25. Ott Seitdem unsere erste Lehrerstelle unbesetzt ist, fehlt unserer Kirche der Organist, unserem Gesangverein der Dirigent. Die Gern inbe begrüßt es. wenn bei Wiedeckesetzung der Stelle diese unerträglichenBe- gleiterscheimingen der Zwischenzeit beseitigt sind.

-4- Eichelsdvrf, 25. Oft. Die ungeheuren Schäden, die die Ucfberftutung der Ridda in ihrem unteren Laufe in diesem Jahre hervorgerufen, ha­ben nun endlich den Hess. Landtag bewogen, 10 0 000 Mark zur Regulierung der Ridda zu bewilligen. Wir haben beson­deres Interesse daran, daß die geplante Regu­lierung nicht nur den unteren Flußlauf umsaht, sondern aufwärts bis über unser Dorf hinaus fortgesetzt wird. Hochwasserkatastrophen, wie sie fast jährlich eintreten, haben stets lleberschwem- numgen von Ortstellen in Eichelsdorf, Ober- Schmitten, Anter-Schmllten und ganz besonders in Ridda zur Folge. Dazwischen liegende Mühlen müssen, da rasche Hilfe nicht zur Hand ist, er­höhte Gefahren ausstehen. Wenn schon einmal die verbessernde Hand angelegt wird, dann sollte auch ganze Arbeit geleistet werden.

Kreis Alsfeld.

Ehringshausen, 25. Oft. 3n einer Versammlung in der Wirtschaft von Weifenbach sprach der Geschäftsführer der Deutschen Bau- und Siedelungsgemeinschaft, Architekt Heilmann- Darmstadt, überÖen einzigen Weg zur Hebung der Wohnungsnot". Die Haren Ausführungen des ^tragenden, insbesondere über die Lösung der ldbeschafsungsfrage für den Wohnungsbau, wurden von der zahlreich besuchten Versammlung mit großem Beifall ausgenommen. Anschließend an den Vortrag wurden Ortsgruppen der Deutschen Bau- und Siedelungsgemeinschaft für die Orte Ehringshausen und Maulbach gegründet, denen sofort 35 Mitglieder beitraten. Der Redner hat sich auf Wunsch von Versamm­lungsteilnehmern aus Alsfeld und Merlau bereit erklärt, in nächster Zeit auch in diesen Or­ten über diese Frage zu sprechen.

Kreis Lauterbach.

:: Lau ter bach, 26. Ott. Bei der Dor­anschlagsberatung für das Rechnungs­jahr 1924 beschloß der S tadtvv r st a n d, mit der Wiederherstellung der durch die in früheren Jahren ausgeführte Kanalisation schad- halt gewordenen Straßenpflasterilng nun­mehr zu beginnen. Für dieses Jahr wurde der Marktplatz bis zum Eingang Bahnhofstraße vor­genommen. Diese Reupflasterung mit beiderseits gepflasterten Fuhsteiganlagm geht jetzt ihrer Doll- endung entgegen. Die Ausführung geschah in tadelloser Weise durch den Dauuntemehmer Ge­org Huppert in Frankfurt a. M. Auch die llmpflasterung des sog. Oberen Grabens wird von der genannten Firma z. Zt. noch aus­geführt. 3m nächsten Jahre wird die Reupflaste- nmg weiterer Straßen strecken vorgenommen.

Starkenburg und Rheinhessen.

Offenbach, 26. Oft (WB.) Bei einer Autofahrt nahe bei Friedberg verun­glückte der hiesige Mehgermeister Kasimir Alt heute tödlich. Das mit fünf Personen besetzte Auto rannte gegen eine Telegraphen stange, so daß sich das Fahrzeug überschlug. Zwei weitere Personen wurden schwer Der- le Y t Die Frau und der Sohn des Metzger- meisters blieben unverletzt

* Darmstadt, 26. Ott. (Gig. Bericht.) In der jüngsten Stadtverordnetensihung schlug Bürgermeister B u x b a u m zur Behebung der Wohnungsnot und um Geldmcktel zum Bauen zu erhallen, eine Steuer vor, die m

Montag, 27. VNover (92-

einem Sparzwang bestehen soll. 3eöer mußte 1 Prvz. vom Einkommen abgeben. wofür SPar­ma rken zu kleben wären D« Zahlungen sollten» 5 Jahre lang erfolgen: die Einzahlungen wrrdea mit P/; Proz. verzinst. Oberbüigermelfter Dr. Glässing bat die Stadlve.-ordnet.n, bie Vor­schläge zu prüfen. - Der hessifäx Staat gewährt denBeamten der Gruppen I bS VI eine ein­malige betondere Wirisch aftSbei- hilfe, deren Sähe sich, abgeftuft nach dem Fa­milienstand und den Grupven. zwischen 30 und 70 Mt bewegen. Die 6tavtreiorbn.tent»crfamm» lung beschloß, daß den städtischen Beam­ten die gleiche Beihilfe zuteil roirb, und be­willigte hierfür 27 000 Mk.

Hessen-Nassau

][ Marburg, 25. Oft. 3n feierlicher Weise erfolgte heute in der Aula die Einführung des neuen Rektors der Universität für daS Amtsjahr 1924 25 Konfistorüilrat Prof. D. Dornhäuser. Rach dem die Eyargierten der Korporationen und die Angehörigen des Lehrkörpers unter Fanfarenllänaen in die bis auf den letzten Platz besetzte Aula ein gezogen waren, gab der scheidende Rektor, Professor Dr. Schäfer, einen Rückblick auf das verflossene Amtsjahr, das, anfangs unter dem Zeichen der Inflation stehend, recht schwierig gewesen sei. (Sc gedachte der verstörbenen ilniversilätslehrer Vogt und Ratorp, der Veränderungen im Lehrkörper und der sonstigen Geschehnisse Der ätniverfilätsbund habe durch die Inflation das gesamte Vermögen verloren, besitze aber 2000 Rlitglieder, die jedenfalls ihre Hilfe nicht ver­sagen dürften. Am Ende seines Berichtes ange­langt, übergab er seinem Amtsnachfolger die Insignien der Rellorwürde. Letzterer hielt dann einen Vortrag über die FrageSprach Jesus griechisch?" Damit hatte die Feier, die von Ge­sangsvorträgen des unter Leitung des Uniberfi- tätsMusikdirektors Dr. Stephani stehenden Chores umrahmt wurde, ihren Schluß erreicht.

]l Marburg, 25. Oft Der Kreistag wählte den aus dem besetzten Gebiet hierher gekommenen seitherigen Verweser des Canbratä- amts, Landrat S ch web e ( mit großer Mehr­heit zum Landrat des Kreises Mar­burg. Bei einer seitens der Polizei vorgenvm- menen nächtlichen Razzia wurden in einer Feldscheune im Stadtgebiet acht obdachlose Männer festgestellt.

bl. Dillenburg, 25. Ott Der vor etlichen Jahren begonnene Bahnbau der Strecke H a i - ger-Gusternhain wurde wegen finanzieller Schwierigkeiten, nachdem man etwa die Hälfte fertig gestellt hatte, nicht weitergefördert. Zur Linderung der Arbeitslosigkeit soll nun bis zum nächsten Jahre die Bahn bis nach Rabenscheid auf dem Westerwald gebaut wer­den, von wo das Endziel schnell erreicht ist. Mll dieser Verbindung zu der KölnGießener Strecke schließt man für Industrie und Bevölkerung ein wertvolles Gebiet endlich auf. Der reiche Wildbestand in den ausgÄ)ehnten Waldum gen unseres Kreises zieht dir Iagdlustigen, vov nehmlich aus den rheinischen Gebieten, zur Aus­übung der Jagd an. Das Rotwild tritt am stärk­sten auf. Die Pachtpveise smd erschwinglich und infolgedessen kann man einen erhöhten Iagdbetneb wahrnehmen.

S. Frankfurt a. M 26. Oft. Die Ar- beitS m arktlage in Frankfurt hat gegen­über der Vorwoche eine leichte Besserung erfahren. Die Gesamtzahl der Unterstützungs­empfänger hat um 400 abgenommen Rur im Baugewerbe ist eine weitere Verschlechterung ein­getreten Die Zahl 6er Arbeilsgesnche betrag 12 647. Die Zahl der Hauptunterltützungsemp- fänger beträgt 5208. Hier wird eine Herab­setzung der Straßenbahntarife ange­strebt, die bisher bis 2 Kilometer 15 Pf., bis 5 Kilometer 20 Pf., über 5 Kilometer 25 Pf. kosteten.

Hanau, 25. Oft. (WTB) In Anwesenheit zahlreicher Bertreter wirtschaftlicher Korpora­tionen, des Oberpräsidenten Schwänder und des Präsidenten der Landekfinanzkammer von Laer wurde heute vormittag de von <3tabtbau- rat Ehrich erbaute Main Hafen eröffnet Die Festrede hielt Oberbürge innfle Dr Bla um, der die Bedeutung des Hafens eingehend wür­digte. Die Feierlichkeiten wurden heule abend mit einer Festvorstellung im Stadtthrater beendet.

Wirtschaft.

Dr. Schacht über die künftige Neichsbankpofitik.

Der Reichsbankpräsident Dr. Schacht äußerle sich in einem Gsoräch mll einem Vertreter des Berliner Tageblattes" über die k ü n f t i ge Po­li t i l der Reichsbank. Wir nttiehmen die­sen Ausführungen folgendes:

Die Bankpvlitrk würde durch daö Hereinfließen des Geg.nwrrte- der 800-Millionen-Anleihe giundsätzlich nicht berührt werden. Gewiß, der

Don der Herdflamme zum elektrischen Licht.

Die Sage werden wieder kiir-rr, und immer früher muß das Licht in unseren Wohnungen aufflammen. Das ist heute eine höchst einfache Sache: manknipst" es einfach an. Aber noch vor einem halben und gar erst vor einem ganzen Jahrhundert war die künstliche B leuchtung der Wohnung eine recht schwierige Angelegenheit Wir erinnern uns noch der Sorgfalt, mit der d e Petroleumlampe geputzt werden mu^te, dam t f.e gut brannte, und die Menschen der Goethezeit hatten noch sehr viel mehr mit den Kerzen zu tun, die alle Viertelstunden einmalgeschneuzt werden mußten. Bedenken tot, daß man vor 100 Jahren in den guten Bürgerfarnilien die Winterabende beim Licht einer einzigen kerze verbrachte und daß nur be: festlichen Ge­legenheiten mehrere Kerzen angezündel wurde so verstehen wir ganz den ungeheuren Fustschritt auf dem Gebiete der Zimmerbeleuchtung. Und doch war auch die Lichtlerze bereits das einer langen Entwicklung der WohnungserHei­lung, die sich du.ch viele Jahrhunderte erstrectt hat 'Den alten Sermonen erfcr. djtete Herds gesellige Fl '.mme" zugl ich das Gemach. Rur in seltenen Fällen wurden Fackeln aus Schilf, oder Stroh verwendet. So erzayll

, -A ®rgor von Tours, wie man em ducrklcs Schlaf gemach durch en angezündetes Strrhb.uüel erleuchtete Zweifellos wurden in dieser F.ühzeit der deutschen Kullur auch schon Kienspäne ver­wendet da tman die Eignung dL Harze - ;u b.c em Zwecke' erkannte. Die BezeichnungFeckel" für einen solchen Kienspan ist schon urgeananifd). Auch das Wort Kerze dürfte deutscher Herkunft sein und mitWerg" zusammenhängen. Die Kerze war zunächst geharztes oder gefetteies Wergaeflecht auf einem Holzftock. Auch des tieri­schen Fettes hat man sich früh zur Beleuchtung bedient Dazu genügte ein irdener Rapf, der einen Henkel hatte, und in d m solches Fett ge­schmolzen wurde, während ein mitten darin hefind- licber Docht aus Binsen, Holz oder Werg das Ansttcken ermöglichte. Diese Brennäpfe ti> rei im 1 Jahrtausend der deutschn Ge richte sehr per- breitet Da sie leicht zu Feuersbrünsten führten, so wurde der Rapf oben d ckelart g g-nvölbt und mit einer Ocffnung für den Docht versehen, näherte sich also in der Form der antiken Lampe. Für die Rächt blieb die Herdflamme die wichttgste Lichtquelle: auch der Kienspan wurde weiter be­nutzt So erzählt Gregor von Tou.s. daß man bei nächtlichen Gastmählern in den Hallen der Großen Pas Licht der Herdflamme dadurch steiger'e, daß Diener mit brennenden Fackeln aufgestellt

Das Oel, dieses vornehmste Drennm sterial her Antlle und des Südens, war zunäe) t dem

Deutschen ganz unbekannt. Mit der Parabel von den klugen und törichten Jungfrauen, die mit ihren Oellampen dem Heiland entgegengek)en sollen, wissen die frühesten Derdeutscher des neuen Testa­mentes, derH lland" und Otsrid, aus diesem Grunoe nichts anzufangen. Erst durch die Kirche wurde das Oel aus Italien un& dem südlichen Frankreich, zunächst zu Speisezw.xken. eingefuhrt, und dann war es nur noch e n Schritt, auch die ewige Lampe im Gotteshaus mit diesem reinlich­sten und praktischsten Brennstoff zu nähren. Die Kirche brachte auch zunächst die Lampe aus Glas oder Metal! auf und führte die antife Laterne ein. Ihr verdankt auch die Kerze, zuerst in der Form des großen Kerzcnstocks, ihre Entstehung. Statt des Wergdochtes wurde der F rdend.-cht als Kern gewählt, um den die 'Bremunaf'e in der Art ge­legt wurde, w e das dann lange Jahrhunderte hindurch durch das sog. Licht^ehen geschah, indem man näml.ch die von einem Brett niederhängenden Dochte durch den flüssig gemachten Talg ober durch Wachs zog. Der Wachsstock ble.bt aber zunächst der K rche vorbehallen, und nur die vor­nehmsten Herrschaften s cherten sich durch die Wachs! eferungen der Dauern dieses ed e Brenn­material. Während Herdflamme und K.enspan beim niederen Dolk noch auf lange hin das hauptsächliche Deleuchtungsmittel blieben, wurden bei den Vornehmeren die tierischen und pflwiz- lichen Fette allgemein ve-wendet. Dvr aus schlech­tem Talg gefertigte Uiqchlittk«ze ist seit dem

14. Jahrhundert auch beim Kleinkrämer zu haben, und zu derselben Z-stt bilden sich die ersten Innungen der Kerz-rngießer Hauptfächlich aber wirb die älnschlittterze, das g wöhnliche Be- leucytungsnunu bis ins 19 Iah huniert hinein, im Hause selbst angefertigt. Auch im allen Brrnn- napf wird noch Unschlitt gebrannt Zumeist aber stecken die Kerzen in Stand- und Wcuidleuchtern, auch in Kronleuchtern Das heimische Brennöl w.rd erst seit dem 16 Iahrhunde t mehr benutzt: daneben dient der Tran zu Leuchtzwcken, das Fett des Walfisches, das schon durch seine holländische Form, gebildet ausTräne", seine Herkunft anzeigt. Die Laterne, die zunächst die Kirche^ von den Römern übernahm, bürgerte sich im ibäteren Mittelalter als tranepartab.es De- leuchtungsgerät für Haus und Straße ein Große Helligkeit, die bei seltenen Frsten als wahres Wunder gemeldet w.rd, wurde durch zah.reiche Wachslichter erzielt, die von der Decke herab­hingen, auf den Eßtischen standen und bei den Wandleuchtern durch dsth nter angebrachte bianfe Schirme zurückgeworfen tourb n Diese Ker;en- beleuchtung, im Rokoko verstär.st durch die Licht­brechung der Glasttonleuchter, bio b die schönste und festlichste Beleuchtung bis ins 19 Jahrhun­dert, das um 1850 die Petroleum!ampe, dann das Gaslicht und schließlich das elekttische Licht brachte.