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Die Umwandlung der Reichsbahn.

Die Konstituierung des Verwaltunqsrats.

Berlin. 26. Sept. (WB.) Bach der Sat­zung der neuenReichsbahngesellschaft", die als Reichsgeseh erlaffen ist und auf dem Gutachten und der Arbeit des Organisationskomitees für die Reichsbahn beruht, sind von den achtzehn Mitgliedern des Verwaltungsrates nennt durch die Reichsregierung und neun durch die Treu- händer für die Gisenbahnvbligationen zu ernen­nen. Sie müssen nach der Vorschrift der Satzung erfahrene Kenner Les Wirtschaftslebens oder Eisenbahn sachverständige und dürfen nicht Mit­glieder des Reichstages, des Landtages, der Reichsregierung oder einer Landesregierung sein. Durch Beschluß des Reichskabinetts sind folgerrde Persönlichkeiten berufen:

Geh. Kommerzienrat Eduard Arn hold, Berlin, , ,

Oberpräsident a. D. und Rittergutsbesitzer Wirk!- Geh. Rat v. Datvcki, Bledau (Ostpr),

Prot. Dr.-Ing. Blum. Hannover,

Ministerpräsident a. D. und Kreishauptmann D u ck, Dresden,

Staatssekretär im Reichssinanznrinisterrum David Fischer. Bersin.

Reichseisenbrhndi rektionsp räs ident a. D. Dr. Vitus von Härtel. Augsburg.

Geh. Kommerzienrat Peter Klöckner. Duisburg.

Generaldirektor Dr. Ott, Köln,

Dr.-Ing. Karl Friedrich von Siemens, Berlin.

Seitens deS Treuhänders

für die Eisenbahnvbligatinnen DÄocroix sind an deutschen Persönlichkeiten berufen worben:

Staatssekretär a D. Bergmann,

Geh. Bautat Dr. Oskar von Miller. München,

Präsident der Handelskammer in Hamburg n chmeher,

Präsident des Eisenbahnzemtralamts a. D.

S a r r e, Berlin,

Staatssekretär deS ReichsverkchrSministeriums a. D. Dr. Stieler. Rebenhoarsen b. Tübingen.

Die ausländischen Mitglieder deS DerwaltungS- rateS,

die Herr Delacroix ernannt hat, sind: der Eng- länber Dcorth, bekannt durch seine Tätig­keit im Organisationskomitee, der Franzose Mar­got, Generaldirektor der ParisOrleansMedi- torain, der Belgier Iadot, ein bekannter bel­gischer Finanzmann, und der Italiener Bian­chi n i, bekannt als Mitglied des Organisations­komitees für Industrie-Obligationen. Eine zeit­lang bestand beim Treuhänder die Absicht, auch den Züricher Bankier Dubois zu ernennen. Diese Ernennung ist aber infolge des ener-- gischen Protestes, der gegen sie von verschie­denen Seiten laut tvurde, offenbar jetzt fal- l e n gelassen tvorden. \

Die Zahl der Vorschläge und Wünsche für die Be­setzung von Posten hn DerwaltungSrat, bis an die Reichsregierung ergangen sitrd, war außerordentlich groß. Die Reichsregierung hat keiner Organisation ein Vorschlagsvecht einFuräumen, scmdern ihre Aufgabe nur dahin auffassen tonnen, geeignete Einzelper- sönlichteiten M berufen. Aus den vorbe­reitenden Verhandlungen fei erwähnt, daß die ReichsregieruTm zunächst in Aussicht genommen hatte, den Präsidenten des Deutschen Landwirt­schaftsrates Brandes zu ernennen, daß aber Brandes wegen Lieberarheilung gebeten hatte, von seiner Person abzusehen und die Wahl von Datvcki an seiner Stelle begrüßte.

Besonders eingehend ist geprüft worden, ob es nicht möglich wäre, Vertreter des Per­sonals, Beamte, Angestellte und Arbeiter der Reichsbahn zu berufen, die natürlich auch die allgemeinen Voraussetzungen hätten erfüllen müssen. Angesichts der geringen Zahl der über­haupt in Betracht kommenden Plätze hätte hier­für nur ein Platz zur Verfügung gestellt werden können. Es hat sich aber als unmöglich erwiesen, eine Persönlichkeit zu finden, die als Vertreter der drei Derufsgruppen in Frage kommen formte. Auch sonst hat wegen der ge­ringen Zahl der zur Verfügung stehenden Plätze von der Berufung von Persönlichkeiten abgesehen werden müssen, deren Mitgliedschaft in dem Ver­waltungsrat von der Reichsregierung aufrichtig gewünscht worden wäre. Der DerwaltungSrat wnd Samstag seine erste Sitzung abhalten und sich voraussichtlich mit der

Wahl deS Vorsitzenden und des Generaldirektors befassen. Als Präsidenten des Derwaltungsrats nennt man den Staatssekretär Stieler, der .sich in Fachkreisen des 3n» und Auslandes großen Ansehens erfreut. Exzellenz Stieler war feineraeit Vizepräsident der Internationalen Eisenbahn-Union und Vertreter deis Reichsver- kehrsministeriums auf der Konferenz von Genua. Den Posten eines Generaldirektors der neuen Reichsbahnaktiengesellschaft wird aller Wahrscheinlichleit nach der Reichsverkehrsminister O e s e r ein nehmen.

Die Uebernahme von Regieftrecken.

Paris, 27. Sept. (WTB.) Wie dasEcho Le Paris" aus Mainz berichtet, wird die Strecke WittenEssen demnächst dem Organisations- komitee für die deutsche Reichsbahn-Gesellschaft übergeben und zehn Tage später endgültig in die deutsche Verwaltung übergehen.

Amerikanischer Kredit für die deutsche Farhstoffindustrie.

Paris, 26.Sept. (Lelunion.) .llnitedPreß" nulbet aus Reuhvrk, daß der A-G. für Ani­lin f a b r i ka t i on eine Anleihe von 2*/o Mill. Dollar soeben bewilligt worden ist. Die Anleihe mutz im April zurückgez.nhlt toerbnt Roch An­sicht maßgebend.-r amerikanischer Fincmzkrci e be­deutet die Gewährung der Anleihe den ersten Schrttt zur Wiedevaufrichtung der d-utschen Farb- stosftndustrie mit Hilfe amerikanischen Kapitals.

Die steuerliche Bewertung des landwirtschaftlichen Grundver- n^ögens.

Berlin, 26. Sept. (WTB.) Der Steuer- ausschuh des Reichstags hat einen An­trag Fehrenbach angenommen, der die Reichs-

regrerung ersucht, zur Bewertung des landwirt­schaftlichen Grundvermögens für die Vermögens­steuer und für die einheitliche und gerechte Bil­dung der Ertragsklasfen und die Einreihung der Grundstücke in diese Klassen sowie für eine dem tatsächlichen Ertrage entsprechende Festsetzung der Rahmensötze geeignete Maßnahmen zu treffen und mit denjenigen Ländern, welche die Steuern nach dem Grundvermögen erheben, Verhand­lungen zwecks gleichmäßiger Veranla­gung herbeizuführen. Eine weitere Sitzung des Steuerausschusses ist vor dem Zusammentritt des Plenums nicht in Aussicht genommen.

Aus dem Hessischen Landtag.

Darmstadt, 26.Sept. (Eigen. Bericht.) Der Finanzausschuß des Landtages nahm gestern eine Regierungsvorlage an, wonach budget­mäßige Grundlagen für die Fertig­stellung, Weiterführung und Reu­errichtung von Bauten geschaffen werden. Für den Steinheimer Torturm in Seligen­stadt, der unter Denkmalschutz steht, wurden 15 000 Mk. bewilligt. Im übrigen wurden nur kleinere Vorlagen und Vorstellungen ohne all­gemeine Bedeutung erledigt. Der Peti - tionsausfchuß sprach sich bei Behandlung eines Antrages über die Brotpreise für eine Verschärf ung der Rahrungsmittel- k o n t r v l l e aus.

Rückkehr des hessischen Landtags- prüsidente».

Darmstadt, 26. Sept. (Eigen. Bericht.) Die Ausweisung des Landtagspräsidenten und Bürgermeisters von Mainz Adelung ist gestern zurückgenommen worden.

Der Fall Leinert.

Hannover, 26. Sept. Das Bürger- vorsteherkollegium hat hÄtte in verttau- licher Sitzung auf Antrag der FraktionOrd­nungsblock" einen Beschluß gefasst, demzu­folge Oberbürgermeister Leinert gemäß der Personalabbauverordnung in den ein st wel­ligen Ruhe st and zu versetzen und aiufzu- fvrdern ist, binnen sieben Tagen seine Aeußerung beim Kollegium einzureichen. Der Wvrtfüh ec des Kollegiums ist bevollmächtigt, alle zur Durch­führung des Beschlusses erforderlichen Maßnah­men selbständig zu treffen. Dir Entscheidung des Kollegiums über den Abbau der Stelle des Ober­bürgermeisters bleibt vvrbehältan. Der Qlntrag der Kommunisten auf pensivnslose Entlassung Leinerts wurde abgelehnt.

Der deutsch-englische Luft­verkehr.

General Branckers Besuch in Berlin und Dessau.

Berlin, 27. Sept. (Priv.-Tel.) Der Ehef des englischen Zivil- und Luftfahrwesens, General D r a n cf e r, hatte am 25. September längere Be­sprechungen hn Reichsverkehrsministerium. Die Verhandlungen hatten die Fortsetzung und Weiterentwicklung des deutsch-eng­lischen Luftverkehr - zum Gege"jt^"ö- beiden Seiten war die Aussprache von dem Wunsch beherrscht, die bestehenden Schwierigkeiten nach Möglichkeit zu überbrücken. Die Verhandlun­gen eröffnen die Aussicht, datz die luftpolittsche Lage in nächster Zett eine gewiste Entlastung erfahren wird.

General Drancker ist heute auf Einladung von Prof. Junkers hn Flugzeug von Berlin in Dessau zum Besuch der IunkerS Flugzeug­werke und der Zentralleitung des Junkers Luft­verkehrs eingetroffen. Rach der Besichtigung der Werke fand eine informatorische Aussprache über die technischen und kommerziellen Aussichten des Luftverkehrs und besonders über die deutsch- englische Zusammenarbeit statt, tn der PrH. Junkers die Rotwendigkeit der Auf­hebung der Begriffsbestimmungen für den deutschen Flugzeugbau hervorhob, an ber­auch England mit seinem ungeheuren Kolomal­besitz ein unmtttelbares Interesse habe. General Dcancker äußerte, daß die Verhandlungen über die Gleichstellung Deutschlands tn der zivilen Luftfahrt trotz gewisser Schwierigkeiten tn gutem Flusse seien.

Die Militärkontrolle.

Genf, 26. Sept. (Wolff.) Wie bereits bekannt, sieht einer der wichtigsten Punkte des Projektes der Militärkommission des Völkerbundes über dre Militärinvestigatronen in den be- siegtenStaatenvor, datz die llntersuchungs- kommisfion sich aus Militärsachverstän­digen der zehn Ratsstaaten und außer­dem den alliierten R ach ba r st aa te n zu­sammensetzen soll, d. h. im Falle Deutschland außer den gegenwärtigen Ratsmitgliedern Frankreich und Belgien noch die Vertre­ter P v l e n s und der Tschechoslowakei. In der heutigen geheimen Sitzung des Rates wurde infolge des Widerstandes verschiedener Ratsmtt- glieder gegen die letzte Bestimmung eine Kom­promißlösung erörtert, nach der die alliierten kleinen Rachbarstaaten nur als Beiräte hin­zuzuziehen seien. Es scheint, daß diese Möglich­keit von der Mehrheit des Rates allmählich ernst­haft erwogen wird.

Ein internationales Institut für Priyatrecht.

Genf, 26.Sept. iWTB.) In der Völker- bundsversammlung machte der italienische Senator Eippico von dem Entschluß der italiNi­schen Regierung Mitteilung, in Rom ein internationales Institut zu gründen, dessen be­sondere Arbeiten auf dem Gebiete der Verein­heitlichung des Privatrechts liegen sollen, und das unter analogen Bedingungen ar­beiten wird wie das Pariser Instttut für geistige Zusammenarbeit, dessen Gründung anfangs dieser Woche von der DöllerbundsDcrfammlung ge­nehmigt worden sei. Rach den von Murray ge­machten Ausführungen scheint es sicher zu sein, daß auch im Schoße anderer Delegationen ähnliche Pläne zur Schaffung internationaler In­stitute erwogen werden.

Die Kämpfe in Georgien.

Paris, 26. Sept. (T. ll.) Die georgische Legation teilt mit: Die Sowjettruppen, die gegen die in der Provinz Swenthin verschanzten 2hif=-

ständischen vorgehen, haben nach wiederholten erbitterten Angriffen sich unter großen Verlusten zurückziehen müssen. In den von den Sow­jets befaßten Gebieten herrscht der rote Ter­ror. Die georgische Devötterung wird unt-er- chiedslos erschossen.

Aus aller Wett.

Die Heimfahrt des geppelin.

Wie schon kurz gemeldet, kreiste das Zeppelrn- Luftschifs um 9.55 Hßr vorm. über Berlin. In ca. 300 Meter Höhe überfuhr es das Reichs­tagsgebäude. Das Schiff kreuzte etuxi eine Diertel- tundr über Berlin. Auf seiner Fahrt beschrieb es mehrereSchleisen über dem Raum zwischen dem Rathaus und dem Potsdamer Platz. Das Wetter war teilweise aufllärend, so datz der Luftriese in allen Einzelheiten von der zahllosen Zufchauermenge genau beobachtet werden konnte. Hm 10.15 llhr kreuzte das Luftschiff über dem Tempelhofer Feld, fuhr eine Schleife über dem neuen Berliner Flughafen and verließ dann, nachdem es zum Abschied von der Reichs- Hauptstadt die Spitze geneigt hatte, in süd­östlicher Richtung Berlin. Den

Willkommensgruß der Stadt Berlin entbot Bürgermeister Scholz mit folgen­den Worten:Per As Pera ad 21 ftt a, so begrüßte am 29. August 1909 Bürgermeister Dr. Reicke den Grafen Zeppelin, als er zum erstenmale in Berlin landete. Per Aspero ad Astra, so grüße auch ich heute namens der Stadt Berlin und namens des Herrn Oberbürgermeisters, der zur Leitung des Deutschen Städtetages in Hannover weilt, die Führer desZ. R. 3", die sich an- schicken, der Welt zu zeigen, was das deutsche Volk nach so schwerem Krieg und Rachkriegs­jahren dennoch kann. Willkommen in der R e i ch s h a u p t st a d t, im Herzen Deutschlands. Vier Millionen Menschen rufen Ihnen, dem Be­herrscher der Luft jubelnd und doch bewegt Grütze zu. Der alte Graf Zeppelin hat das Luftschiff dazu besttmmt, die Vösker der Erde einander zu nähern. Möge diese Aufgabe erfüllt werden und dazu beitragen, eine Wendung in den Ge­schicken der Völker herbeizuführen, besser als es Konferenzen und Verträge vermögen. Rach dem großen Sohn Spaniens ist noch niemand von dem Kontinent aus auf anderem Wege als zu Wasser nach Amerika gelangt. Mit gleichem M u t wie jener wollen Sie die Reise nach dem Lande machen, das einst die Sehnsucht vieler Deut­scher war. Jenen aber drüben, die von deutscher Erbe stammen, wirb das Herz höher schlagen in dem Gedanken, denen, die nach ihnen düs Land ißrer Vorfahren begrüßen, nahe zu sein. Möge Ihnen heute und immer eine gute Fahrt beschießen sein. Das wünschen wir Berliner von ganzem Herzen. Deutschs Leistungen und deutsche 'Arbeiter beweisen durch dieses Werk, datz wir uns den Platz an der Sonne nicht nehmen lassen.

Die Heimfahrt des Lustkreuzers führte über DresdenEhemnitzPlauenHof Rümberg Augsburg Ulm Friedrichs­hafen. Hier tauchte das Luftschiff toentge Mi­nuten nach 5 Ahr über der östlich des Geländ^ gelegenen Mollepark auf und überflog sofort die Landungsstelle. Gs kreuzte dann längere Zeit über Friedrichshafen und wlll das Rachlassen des Windes abwarten. Seit 4 Llhr standen m strä­ngendem Regen Hunde rte, die sich auf einem Personalausweis etne Einlaßkarte

im Gelände erstanden haben dicht ge­

drängt vor dem Eingang des Werkes und warteten in Geduld. -Um 6.29 Uhr konnte der Kveuzer die Landung nach 331/2ftünbiger Fahrt glatt bewerkstelligen.

Ser Termin der Amerikafahrt

des Z.R. Hl wird bereite in den nächsten Tagen besprochen werden. Man hofft, noch in der er ft en Woche des Oktober ab- sahven zu fönnen. Das Schiff ist jedenfalls klar zur Fahrt über den Atlantischen Ozean. Auf der großen Probefahrt über Deutschland hat das Luftschiff nach.Dlättermeldungen aus Friedrichs­hofen etwa 3600 Kilometer in 33 Stunden zurück­gelegt, was einer durchschnittlichen Stunden­geschwindigkeit von 110 Kilometern entspricht. Alle Teilnehmer an der Fahrt, insbesondere auch die amerikanische Prüfungskommission, sind einstimmig der Ueberzeugung, datz es dem Luft­schiff möglich fein wird, ohne besonder« Schwierigkeiten den Ozean zu überqueren.

Haarmann wieder in Hannover.

Der Massenmörder Haarmann ist nach Ab­schluß der Beobachtung seines Geisteszustandes in Göttingen wieder nach Hannober übergeführt rurd im Gerichtsgefängnis un­tergebracht worden. In der nächsten, am 6. Ok­tober beginnenden Schwurgericht speriode wird noch nicht gegen ihn verhandelt, sondern wahr­scheinlich erst im Rovember.

Die Hochwasserschäden in Petersburg.

Rach den vorläufigen Berechnungen werden die durch die lleberschwemmungen verursachten Schäden der Petersburger Industrie auf 10 700 600 Rubel geschätzt. In der Stad! ist das normale Leben wieder ausgenommen worden. Die Läden, Schulen und Theater sind wieder geöffnet. Auch das russische Museum hat Verluste erlitten. Auch aus Kronstadt werden Zerstörungen gemeldet. Der Petersburger Sowjet hat einen Ausruf erlassen, in,dem er der Bevölkerung für die geleistete Hilfe und Zu­sammenarbeit seinen Dank ausspricht.

Tagung der preußischen Pfarrer in Gietzen.

x Die Abg eordnetenversammlung der Ver­einigung preußischer Pfarrer- Vereine tagte am 25. d. M. im Gesellschafts- Haus zu Gießen und wurde nach Schriftlesung und Gebet des Supernntendenten Hoppe-Blam- berg durch Gruß, besonders noch an den Ehren­vorsitzenden D. Pasch e°Dieskau, und an die als Gäste anwesenden hessischen Pfacrer von dem Vorsitzenden D. Dr. Schäfer- Remscheid er­öffnet. Der von ihm vorgetragrne Jahres­bericht zeigte eine rege Betätigung bei der Lösung der Desoldungsfrage und b-:r Frage der Reform des höheren Schulwesens. Eine Etatisttk über die Entwertung der Kirchenkapttalien tat gute Dienste. Das Derbandsblatt wurde mit einem Schriftleiter im Hauptamt mit dem wöchentlich

erscheinendenDeutscyen Pfarrerblatt" zunächst ür ein Jahr vereinigt, dem Bund höherer Be­amten schloß man sich an, unb die Vereinigung ging aus den Stürmen des Jahres 1923/24 ge- lädt hervor. Der Jahresbericht wurde mit einer lebhaften Dankeskundgebung für den Vorsitzenden beantwortet. Eine Entschließung forderte Ver­längerung der staatlichen Heber» gangsgesetze um ein Jahr, eine toettere wendet sich gegen die Verminderung des Latein in Realgymnasien und die Auf­hebung des Hebräischen als ordent­liches Lehrfach. Die Informierung der Landtags­abgeordneten durch die kirchlichen Behörden und die Pfarrvereine soll besser werden. Im An- chluß an den Kass enbericht wird auf künf­tigen Tagungen eine Zusammenkunft der Rechner der verschiedenen Vereine gewünscht. Der jähr­liche Beitrag wird auf 4,60 Mk. (einschl. Blatt) estgesetzt. Einen größeren Ramn^r Tagung nahm die Erörterung von Desoldungs- ragen ein, wozu u. a. Anträge von Schlesien, Brandenburg und Berlin vorlregen; es schloß sich an eine Aussprache über Pfarrerausschüsse rnd Pfarrerblatt. Die Emtvagung der Vereinigung Preußischer Pfarrervereine soll geschehen. An­träge von Berlin und Bvandcnburg beschäfttgten sich mit Beschlüssen der 17. ordentlichen branden­burgischen Provinzialsynode über den Vorsitz im Gemeindekirchenrat bei großen Pfarreien und Versetzun g int Dienst- intereffe, einer von Berlin über die Reu­regelung der älmzugskosten. Bei Be­handlung eines Arttrags Westfalen über Stan = kenversicherung der Pfarrer entschloß man sich, den Mitteilungen des Vorsitzenden und der Sachsen entsprechend, die Ginrichtturgen dieser Vereine zu prüfen für Sinzelvereine: eine Ver­sicherung für ganz Preußen kommt nicht in Frage. Rach fünfstündiger nur durch das Erscheinen des Zeppelin unterbrocheMer Verhandlung schloß die Versammlung.

Rachdem ein Teil der deutschen Pfarrer am Tag zuvor nachmittags, so wett man durch Sttz m- gen nicht beseht war, den Schiffenberg be- ftichte, wurde den Preußen die ihniverfitätS- bibliothek gegeigt. Ihre Desichttgung weckte beifällige Dewunderuttg.

Aus Stadt und Land.

®ießen, den 27. Sept. 1924.

Der Herbst als Maler.

Vor wenigen Tagen hat der Herbst kalender­mäßig seinen Ettrzug gehalten. Die Schönheit. des Herbstes brängt sich auf die kurze Spanne von ein paar Wochen zusammen. Wie aus einem großen Füllhorn schüttet er ferne will-; fommenen und nützlichen Gaben über uns aus.. Kartoffeln, Rüben und Obst füllen Keller, Kam-1 mern und Schuppen für die Bedürfnisse des lan-1 gen Herbstes und Winters. Die farbenpräch-1 tigen Bilder, die uns bet sonnengoldgebJven«, Sommer, diesmal nur in ein paar kurzen schonen! Wochen, beschieden hat, waren in ihrem Grund­ton in einem satten Grün gehalten, aber fast möchte man meinen, daß der Herbst an Pracht und Mannigfaltig^it der Farben den Sommer noch übertrifft und er unter den Malern wahr­haft Künstler und Meister ist.

Alle Farbenpracht des sonnigen Sommers scheint sich in den trüberen Herbsttagen in und nach der früchtefpendenden Grnteyert in dem ab= sterbenden Laube der Baume noch einmal ver­einen zu wollen. Welche Farbermuancen bieten sich jetzt unferm Auge draußen an den Bäumen der 2anbftraßen, an Wiesen- und Flußrändern, auf Bergen und Hügeln, vor den Bauernhäusern, tn den Gärten und in den Wäldern! Da und dort steht noch ein Baum, dessen Bedachung vorerst noch kaum etwas von seinem saftigen Grün ver­loren hat, dann treten Bäume hervor, deren Blät­ter eine kaum bestimmbare Farbe angenommen haben. Von einem schon gebleichten Grün spielen, sie hinüber ins Graue, oder sie fangen an, sich ins Grellgelbe zu verfärben. Dann wieder freßt man Bäume, die ganz braun ausfehen wie rostiges Eisen, in dünne Blätter geschlagen. Andere Bäume und Sträucher toieberum leuchten in die Landschaft, als hätten sie ein Kleid aus roten Stoffen angezogen. Besonders dort, wv sdfthe Bäume inmitten eines Radelwaldes stehen, er» fcheinen sie wie leuchtende Feuer, wie ein feier­liches FärbensPiel zum Sommerabschied und wie ein letzter Gruß des Dankes an die kraftloser werdende Sonne. Es ist auch ein herrlicher An­blick, wenn so ein feuerroter Baum ober Dusch, der einsam auf dem Berge steht, seine Herbst- farben bis weit in die Täler leuchten laßt. Wie das Gelb, Braun und Rot noch von dem Ge­zweig fchimn^rt, so breiten sich die Farben auch auf dem Boden aus von dem Laub, das be­reits zur Erde gefallen ist, und an manchen Stel­len sieht der Boden aus wie ein bunter Teppich. Der Wind hat die Blätter durcheinander ge­wirbelt, das Grün hat sich mtt dem Gelb, Braun und Rot vermischt, und so ist ein Farbendurch­einander entstanden, das wie ein großes Mo- saikblld wirkt. Wer Augen hat zu sehen, den treibt es an 'sonnigen Herbsttagen unwidersteh­lich hinaus in den Wald und die Flur, um sich an den wunderbaren farbenprächtigen Gemälden der Ratur zu erfreuen.

Die Ratur will in Schönheit sterben, fte läßt uns in ihrem Kreisläufe noch einmal den Zauber ihrer Farben schauen atd Abschiedsgruß und zur Erinnerung an die bunte MannigstVigdeft der vergangenen Zeit. Aber dem Herbste ist nicht zu trauen; er ist wie der April ein wetterwen­discher und mürrischer Gesell. Hoffen wir, daß er uns nun bald und dann auch noch lange ein freundliches Gesicht zeigt, ehe Schnee und Eis die Mutter Erde bis zu ihrem Wiedererwachen in ihrer verjüngten herrlichen Gestalt mit schützen­der Hülle bedecken I

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Mount Everest". Hess. Dilderbühne:Die Hexe". Astoria- Lichtspiele:Abenteuer eines Vielgesuchten".

Tageskalender für Sonntag. Hessische Webrgmneinschaft, vorm. 10 llhr: Vor­trag. Lichtspielhäuser: wie Samstag.

Gesangverein Heiterkeit. Sonn­tag, 26. Oktober, Konzert. (Siehe heutige An- Seige.)

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Wettervoraussage.

Heiter bis wolkig, nördliche bis westlich« Winve, kühl, nur noch vereinzelte Regenfälle.