Nr. 201 Zweites Blatt
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Vie Brutalität der sranzöfischen Militärpoiizer im besetzten Gebiet
Dor einigen Wochen wurden einige französische Kommunisten (Angehörige Les Besayungsheeres) und einige deutsche Kommunisten wegen antimisitaristi- scher Propaganda von dem französischen Kriegsgericht Mainz abgeurteUt. Die französischen Kommunisten wurden jetzt auf ®nmt> des französischen Amnesrre- gesetzes begnadigt. Lieber die Mißhandlungen des ftommuniften Henry Loze- ray während der Do run ters u chun g durch die französischen Sicherheitskomnnssare 3oulin und Leonard» Ludwigs Hafen berichtet die
„Hmnanite" Ar. 7537 vom 17. 8 1924
„Als unser Kamerad eines Morgens in Ludwigshafen aufstand, erschienen Polizeirnspektoren, nahmen eine Durchsuchung vor und führten unseren Kameraden ab. Auf diese Weise machte er Bekanntschaft mit dem Sicherheitskoinmissar 3dw= (in, einem sehr würdigen Mann, der durch Milde kostbare Geständnisse zu erreichen versteht, mit denen er dann wieder sehr schöne Derhörsprvtokolle kunstvoll zusammenstellt.
Jawohl! 3'oultn ist ein sehr braver Mann, der sein Handwerk liebt und pflichteifrig ift wie kaum einer I Hat er einmal eine interessante Affäre in der Hand, dann hat er keine Ruhe, bis sie völlig aufgeklärt ift. Daher wird auch Lozeray zwei Tage lang verhört. Lim ja keine Zeit zu verlieren, läßt sich 3oul<n sogar das Mittag- und Abendessen j inS Bureau bringen.
3vulin ist mutig und gut Hal er sich nicht beim Kriegsgericht gerühmt, den Angeklagten belegte Brote uiti> Kaffee gegeben zu haben?
Wie haben sich die Dinge nun zugetragen? Zu Beginn des Verhörs macht Lozeray Schwierigkeiten, die Person anzugeben, von der er seinen falschen Paß erhalten hat. Aus den Aat des Herrn 3oulin ergreifen zwei 3n spektoren Lozeray bei den Haaren und ziehen, ziehen ...! Linser Kamerad schreit, gesteht aber nichts. Gut! Dann soll er die Aamen der „Chefs" nennen. Bei einem wohlorgcrnrsierten Komplott muh es doch Chefs geben, wirkliche Chefs mit bekannten Aamen, z. B. Cachin und Vaillant-Cou- turter. Beim ersten Komplott tonnte man sie nicht erwischen, jetzt aber wird man sie haben. Lozeray gibt zu, von Doriot der- Partei zur Verfügung gestellt worden zu sein. Dann aber spricht er kein Wort mehr. Er erhält mm einen Schlag auf den Bauch.
Das Verhör wird fortgesetzt. Die Aichtbeant- toortung einer Frage kostet mehrere F a u st - schlage und die Schläge auf den Bauch folgen regelmäßig, pünktlich alle 10 Minuten. Lind erst die Beschimpfungen! Die lieblichste ist noch „stinkender Boche"!
Der Herr Kommissar geht fort und kehrt mit feinem Bambus stock wieder. Das Verhör wird mit Stvckschlägen fortgesetzt. „Wieviel Geld hccken Sie erhalten?" — „3ch bin nicht bezahlt worden!"
Die Tölpel sind darüber höchst erstaunt und 3oulin gerät in Wut. „Sie müssen doch dumm fein. 3d) werde 3hnen Geld geben! Ich werde 3hnen meine schwarze Kasse zeigen! Es ist das Bild von Millerand darauf. Er war nicht so dumm wie Sie und hat Geld angenommen."
Der Mensch versucht nun durch Be stechu ng das zu erreichen, was er mit Faust- und Stockhieben nicht erzielen konnte. Lozeray lächelt. Es regnet nun Schläge und damit nichts Linangxneh- mes passiert, nimmt ihm ein Inspektor den Zwicker ab.
Die Zeit vergeht. Lim 1 Lihr morgens wird das Verhör ausgesucht und um 8 Lihr früh wieder ausgenommen. Lozeray und Laub werden konfrontiert. Die Gegenüberstellung befriedigt nicht die Erwartungen Ioulins. Laubwird nun brutalisiert. Damit die Hi^>e besser totrfen, Wirch er von den Polizeibeamten gezwungen, die Hände auf den Rücken zu halten, während sie ihm auf den Bauch schlagen! Em brutaler Schlag schneidet Laub Luft ab rmd er droht umzufallen.
Ivulin will um jeden Preis Enthüllungen. Er muh das ganze Komplott kennen. Er hat einige Punkte zusammengestellt. Mit den allgemein bekannten Dokumenten sucht er, der gewichtige Poli- zeibeamte, die Affäre zu rekonstitnieren. Erstellt Fragen, suggeriert die Antworten, erteilt Stock- und Fausthiebe, entreißt eichlich mit schwerer Avt ein vom Schmerz diktiertes „3a" und redigiert dann ein Protokoll, worin er Lozeray Frage und Antwort unterschiecht.
Bei diesem schönen System wimmelt es von Widersprüchen. Zwanzigmal zerreiht er die Pro- wkvlle, wobei er jedesmal zuschlägt. Lim einige Augenblicke Ruhe zu bekommen, gibt Lozeray vor, den Ort anzugeben, an dem er mit einem Kameraden ein Stelldichein habe. Er ist sogar bereit, dre Pvlizeibeamten hinzuführen, führt sie aber nach
Ium Bilde Goethes.
Aus unveröffentlichten Briefen.
1802 übersiedelte 3oha nn Heinrich D o h. dem rauhen Eutrner Klima, unter dem der viel unter rheumatischen Schmerzen leidende Lichter der „ßuife“ seit Jahren seufzte, zu entgehen. nach 3ena, wo zudem zwei seiner Söhne studierten. 3m Hause von Schillers Freund Griesbach wohnend, trat er bald, wenn auch mit ruhiger Zurückhaltung, dem Weimar-Jenaer Zirkel der Llnsterblichen nahe. Besonders Goethe tat alles, ihn dauernd für das Land zu gewinnen. um so mehr, da die Llniversität damals einen Aamen von Rang nach dem andern verlor. 3n den von mir aufgefundenen, im Herbst bei Carl Schünemann in Bremen als „Dosfische Haas- idhlle" erscheinenden Briefen von Vossens trefflicher Gattin Ernestine an den Bruder Heinrich Christian Doin. den Gründer des Göttinger Hains finden sich folgende, aus nahem Umgang mit Goethe gesehene Aufzeichnungen:
Jena, den 13. Aovember 1802.
„3n Weimar sind wir neulich einen Tag gewesen, und waren sehr vergnügt. Wir waren Mittag und Abend bey Schiller, und den zweiten Mittag bey Bertuch. Dey Schiller hat es nur unaussprechlich gefallen er und sie sind L:iDe so anziehend . . . Göthe haben wir hier schon oft gesehen, und auch bey Schillers war er, er ist ei.i äußerst angenehmer Mann, nur herzlich kann man wohl nicht mit ihm werden. Ein biscb-m
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
einer ganz anderen Richtung. Die ganze Ludwigshafener Polizei ist mobil gemacht. Aiemand kommt jedoch und Ioulin ist hereingelegt.
Das Verhör wird wieder ausgenommen. Lozeray wird in das schwa rze Zimmer gezogen und mit dem Revolver bedroht. Er weigert sich jedoch immer iroch, auszuplaudern. Aun versuchen 3oulin und Polizei- inspektvr Leonard ihn auf den elektrischen Stuhl zu ziehen. Linser Kamerad wehrt sich ... sie nehmen davon Abstand.
Am Ettde des zweiten Tages triumphiert die Bestie. Völlig erschöpft, zerschlagen und ausgehungert ruft Lozeray aus: „Schreibt, was 3hr wollt, laßt mich unterzeichnen, was 3hr wollt, doch laßt mich nur in Ruhe!"
3oulin seyt dann ein Derhörungsprotokoll von 6 Waschinenseiten auf, voller Dummheiten und Lügen. Die angeblichen Geständnisie Lvzerays bildeten bann ein Hauptbeweisstück
Das hat sich am 17 Dezember v 3s., vor acht Monaten, in Ludwigshafen zu getragen!
gez Camille Fegy
Dieser Bericht der Pariser „Humanite" stellt ein „Kulturdokument" dar, das in der Welt schon aus dem Grurrde weiteste Verbreitung verdient, weil die deutschen Tatsachenberichte über die geradezu mittelalterlichen Behandlungsmethoden der frarrzösischen Militär- und Kriminalpolizei im besetzten Gebiet stets als Tendenzlügen von denen, die es angtng, bezeichnet und bestritten wurden. Auch die deutsche Regierung sollte in dem in London angebahnten Versöhnungsprozeh sich der französischen „Sicherheitspolizei" mit ihrem Heer von Denunzianten, Spionen und Agenten besonders annehmen und auf raschen Abbau dieser menschheitsunwürdigen Institution drängen, denn sie ist im Verein mit den ihr nahestehenden Kreisdelegierten der Schrecken des besetzten Gebietes und eine Kutturschande. an deren Beseitigung das Kabinett Herriot das größte Interesse haben muß.
Chinas Streben nach politischer Unabhängigkeit.
Don Dr. F. Otte, Professor an der Reichsuniversität Peking, China.
Zu den Staaten, die am meisten während der verflossenen hundert Jahve feindlicheg Angriffen ausgesetzt waren, gehört China. Seine Leiden begannen 1842 mit dem Vertrage von Aanking, der den Opiumtrieg beendete, die Europäer in China exterritvrialisierte und China die Tärishoheit für Einfuhr- und Ausfuhrzölle nahm. — Don diesem Vertrage bis zum Eiche des Weltkrieges folgte dann eine Geschichte langer Demütigungen, eine schwerer als die andere.
Wie man die Sache und die Begründungen auch betrachten mag, mit denen das Vorgehen gegen China gerechtfertigt wurde, das eine steht fest, daß die Chinesen rächt nach Europa kamen, solchem die Europäer nach China, um Handel zu treiben und nebenbei auch Seeräuberei in jenen Tagen der Segelschiffahrt. China sollte zum Handel gezwungen werden imb wurde gezwungen. — Wer sich von der menschlichen Gesellschaft abseits stellt, wer an der allgemeinen Evolution, nicht tetintnunt, der begeht eine LlrrterlassungS- sünde der Aatur und sich selbst gegenüber, aber man tarn ihm nicht vorwerfen, daß er vorsätzlich planend Llnheil stiftet. In diesem Richt wollen, manchmal RichtKmnen abseitsstehender Einzelner und Völker liegt ein Stück ungeheurer Tragik.
Dreimal zogen Engländer und Franzosen bis 1894 zum Kriege gegen China aus. 1894 besorgte Japan das Geschäft. 1901 stellte man Deutschland an die Rampe, aber verhaßt war der Deutsche in China deshalb doch nicht. Weshalb nicht, das ist schwer zu sagen, vermutlich aber trug die scharfsinnige 3ntuittrm des Chinesen für Intrige dazu bei. ihn unterscheiden zu lassen zwischen Schieber und Geschobenen.
Aach dem Doxeraufstcvnd schwarrd das internationale Prestige ChincS mähr und mehr dahin. Das Ansehen der Dynastie wurde untergraben, 1911 wurde sie durch die große Revolution hinweggefegt. Die Hoffnung Jung-Chinas, daß mit der Einführung der demokratischen RegierungS- fvrm in China das langersehnte Paradies auf Erden kommen toürDe, schlug jedoch fehl: im Gegenteil führte die durch die Revolution verschärfte Zerrüttung der Staatsfinanzen zu einer ausgedehnteren und m der Form schärferen Finanzkontrolle. also zu einer weiteren Einengung der staatlichen Souveränität.
Roch aber war der Tiefstand nicht erreicht. Die schwerste Demütigung sollte China erst noch zuteil werden. Ein halbes Jahr nach Ausbruch des Weltkriegs, am 18. Januar 1915, überre ch e Japan an China 21 Forderungen, die in ihrer Art ein Versailler Diktat waren. Sie hätten Schantung und Tsingtau, die ganzeAvrdmandschu- ret, die innere Mongolei rund die Küste bis Formosa unter japanischen Einfluß gebracht. — Die
Ausführung unterblieb jedoch. Das Ende des Weltkrieges machte auch den japanischen Ausdch- nungs besl rebungen ein Ende.
Wie sehr aber gerade diese Oppvrtunitäts- politck auf China gewirkt hat, das kann nur der ermessen, der in China selbst die Entwicklung während Des Weltkrieges, vorher und nachher, nut erlebt hat. Der Tag an dem Japan seine 21 Forderungen an China überreichte, wird in China von studentischen und kaufmännischen Vereinigungen als Trauerta; seierlichst begangen. Große Schilder werden über die Straßen gespannt mit dem Aufdruck „Zum Gedenken an die Weder- kehr des Tages der Schande.'
So Hal das Schicksal seit über achtzig Jahren wieder und wieder den Chinesen beim Schopf genommen und ihm zugerufen „Wach auf, chinesischer Michel I"
Das Bewußtsein, daß letzten Eudes nur die Macht ausschlaggebend ist und daß es in der internationalen Politik zwar eine tönende Phrase als Schleier gibt daß die Politik -vvr niemals die Form der Phrase zur Richtschnur des Handelns nimmt, ist zur Ueberzeugung der 3nteli<'f- tueilen geworden Vielleicht ist dieses Bewußtsein sogar zu tief eingedrungen und verschleiert dem Gebildeten von heule die Erkenntnis, daß auch im politischen Leben auf die Dauer ewige Grundgesetze an der Arbeit sind, wenn auch die dauernden Aberrationen der Politik von dieser ewigen Gesetzes kurve die Wahrnehmung der Kurve erschweren Gerade der phänomenale Aufstieg 3a- pans von 1894 bis 1919 und der, auch ohne Erdbeben, erstaunliche Rückschlag seit 1919 ist ein Beweis dieses Weltgesetzes
Aach außen hin äußerte sich die LImstellung in der chinesischen Geisteswelt im Werken eines glühenden Patriotismus. Im Chinesischen gab es bis vor kurzem noch Bein Wort für Vaterlandsliebe. Jetzt wird dieses Wort „Rgai Kuo" von Mlllionen Lippen täglich wiederholt, auch ohne man verzeihe den Scherz - daß einer die von chinesischen Tabakfabriken hergestellten „patriotischen Zigaretten" raucht Dieser Aationalismus will für China Vertragsfreiheit, Fmanzauto- nomie. Abschaffung der konsalarischen Gerichtsbarkeit, Rückgabe ursprünglich chinesischer Gebiete, kurzum, staatliche Freiheit wieder erringen.
Der Weltkrieg ist China dann in überraschender Weise zu Hilfe gekommen, obgleich es im Anfang so aussah. als ob China unter dem japanischen Ansturm und infolge der von anderer Seite später versuchten „Internationalisierung" seiner Eisenbahnen den letzten Rest staatlicher Hoheit verlieren würde.
Trotz aller überlegener Klugheit sind eben von selten der Ententemächte in ter Bearbeitung der öffentlichen Meinung der Welt verschiÄxme Grundirrtümer begangen worden.
Zu diesen gehört z. D. die dauernde Besudelung des deittschen Volkes durch Propaganda und die schmachvolle Deportation von etwa 3000 Deutschen aus China, die dem Chinesen zeigten, daß der dem Engländer raffig am nächsten stehende Deutsche aus rein kommerziellen Gründen niedergetreten wurde.
Aach dem Weltkrieg wurde nun, wie schon erwähnt, der japanische Einfluß in Offafien in wenigen Jahren unter das Aivsau von 1914 herabgedrückt. Die 21 Forderungen wurden vom chinesischen Parlamente als Erpressung verworfen. Die Japaner mußten Schantung raumen, wurden von den Rusien aus Sibirien und Wladiwostok verdrängt und zuletzt griff nach felsenfester Lieberzeugung der gesamten nicht- intel lektuellen Bevölkerung Chinas der „Tien Lav-heh", der HimmelSherr selbst ein und zerstörte die japanische Hauptstadt durch ein Erdbeben.
Zugleich konnte China, als Folge des Weltkrieges, und obgleich es Den Vertrag von Versailles nicht unterzeichnet hatte, einer großen Anzahl europäischer Staaten als gleichberechtigte Macht gegenübertreten. Die besonders drückenden Vertragsbestimmungen aus den früheren Verträgen, tote Kons ulargericht^arkeit, Zwangs- tarife sind aus den Verträgen verschwunden. Sämtliche Nachfolgestaaten Der zertrümmerten Donaumonarchie, auch Polen und die baltischen Staaten, müssen an China herantreten.
Besonders lag den Chinesen viel an einem Vertrage mit Deutschland, der duftigen Großmacht. In Den Augen der Chinesen ist Deutschland beute noch eine Großmacht. Der Chinese glaubt an die in der deutschen Volksseele schlum- mernven Kräfte. Er führt den Aiederbruch auf den künstlich herbei geführten Zufall der zehnfachen Liebermacht zurück. Deutschland schloß mit China einen Vertrag als gleichberechtigter Macht. Aego- ?iiert wurden diese Verträge von Herrn von Dorch, zui Zeit Botschaftsrat bei Der deutschen Gesandtschaft in China und später von Dr. Dvhe, dem jetzigen Gesandten, vermutlich im Zusammen-' arbeiten mit dem Staatssekretär von Maltzan. Die Frage ist aufgeworfen: „Hat Deutschland recht daran getan, Rechte aufzugeben, deren Beibehaltung ihm von anderen, europäischen Staaten nabe gelegt sein soll?" Hierauf darf man Wohl die Gegenfrage stellen: „Welcher Zustand wäre
traulicher ging es das letzte mahl schon. Er zeigt gewaltige Achtung für Vost"
Im Briese vom 7. Februar 1803 heißt es:
„Göthe haben wir noch nicht wieder gesehn. er ist auch nicht Wohl. Schiller kömmt gar nicht nach Jena und auch nur selten aus seinem Hause, er hat jezt wieder ein neues Stück fertig. Der Herzog von Weimar hat die Arttgkeit gehabt, Voß aus eigener Bewegung die Schrift- säßigkeit zu ertheilen. das heißt er steht als Bürger von Jena nicht unter dem Stadt Gericht. Göthe sandte das Patent der Schriftsäßig- keit mit seinen neuen Stäken an Voß, er wird bald selbst hier kommen, und will Kraft und Belehrung bey Voß holen, wie er sich bescheiden ausLrükt. Voß wird schon einen andern Aamen dafür sinden."
Am 5. Dezember schlecht Ernestine:
„Göthe ist jezt oft in Jena, und sehr heiter. Jetzt fizt er grade mit Voß am Tisch und sie lesen im Horaz. Göthe ist ein gar angenehmer Mensch, er hat so viel frohe Laune, und legt in unsrer Wohnstube alle seine Steifheit mit Den Mantel ab, in Den er immer eingehüllt ins Zimmer tritt. Auch Schiller war neulich einige Tage ohne seine Frau in Jena, und einen# Mittag und einen Abend bey uns. Mit dem fühlt man sich aber viel herzlicher und wohler, ganz so als ob er einen angehört. Sie ist mir auch sehr lieb, wir waren im August einen Tag zusammen bey Griesbachs. UnD über den Zahnarzt, Der von Weimar kommen solle bin ich aac mit ihr in Briefwechsel aerahten."
Mft Goethe wird das Verhältnis immer vertrauter; am 6. Januar 1804 berichtet sie dem Bruder:
„Auch mit Göthe haben wir schöne Abende gehabt seid ich lezt schrieb. Er wird jezt recht herzlich und offen Eine gewaltige Freude hatte er daran, daß wir seine Lieder so hoch zu schätzen wußten. Er umarmte Voß mit jugendlichem Feuer, als er ein kräftiges Wort darüber aussprach. Wir haben uns einen herlichen Abend Damit gemacht. Gestern brachte Fernow, der aus Weimar .zurück kam viele Empfehlungen von der Madam Stahl (Stael), sie lieh Voß viel schönes über Homer sagen und dabey, daß sie ihn sehen wolle Ist es in den Sternen beschlossen, so wird es auch gut gehn. Sie bleibt noch einige Wochen in Weimar und findet Dort vielen Beyfall."
Goethe versucht. Voß die Oberaufsicht über die Weimarer Schulen anzutragen: mit halbem Herzen fährt er mit Der Gattin nach Weimar, fest entschlossen, die mühsam erkämpfte amtlose Freiheit zu behaupten. (Srneftine erzählt, wie er sich am Tore als Hofvat Dach eintragen; läßt, „um wenigstens für Die Frau von Stahl ingeheim da zu fein", wie er schließlich ablehnt und für Den Aeltesten eine Anstellung am dortigen Gymnasium erbittet, Die auch zugesagt wird. „Göthe hatte eine sehr freundliche Stube und Kammer bey seiner Aachbarin für uns einrichten lassen Den zweyten Aachmittag nach Tische fuhr der Herzog bey Göthe vor. und sagte zu Voß als er ins Zimmer trat, er habe gehört, es wäre hier
Mittwoch, 27. August {924
eingetreten, wenn Deutschland, gefäilagcn, zertreten. #uf Den Rat seiner Peiniger in Chmw gegenüber als Herr auf getreten wäre?" Es wäre genau das ein getreten, was man mit Der Deportation Dei Deutschen erreichen wollte, aber nicht erreicht hat, nämlich ein jahrelanges Verhandeln, Ablehnung des Deutschen und der Deut, schen überall in China Für Deutschland gibt es leine gelbe Gefahr, wohl aber umlauert es auf allen Seiten eine sehr konkrete weiße Gefahr. Die Solidarität der weißen Rasse hat sich als Humbug erwiesen.
Am 31 Mai ist von China ein weiter«; Staatsvertrag geschlossen worden. Diesmal mit Rußland Der Kamps Der Entente in Peking gegeif diesen Vertrag bat über zwei Jahre gebauert Am 31 Mai ist er dennoch auf Detf Grundlage Der Gleichberechtigung ubcrrafdjervD plötzlich zustande gekommen. Vom chinesischen Ge- sichtspunlte aus ist Der Vertrag ein Gewinn vom russischen aus ebenfalls. Mit Kommunismus, Demokratie. Monarchie hat Die Verständigung zwischen den beiden Völkern nichts zu tun China sucht politische Anlehnung und Gleichberechtigung. In diesem Bestreben wird die Regierung unterstützt und getragen von Der öffentlichen Meinung des gefamten Volkes
Wirtschaft.
Vom Weltgctrcidemarkt.
Die Preise an Den heimischen Produkten Märkten folgten den steigenden Votierungen an Der Chicagoer Börse, ohne indeß sich Den Dortigen Schwankungen genau anzupassen. Die Ernte in den Vereinigten Staaten hat sich nun endgültig als größer als Die im vergangenen Jahre herausgestellt Auch Die Qualität erscheint befriedigend. Reuer Hart-Winter-Weizen wird auf Den Märkten Drüben bereits zahlreich angeboten und gibt Anreiz für verstärkte Ausfuhr Auch für Frühjahrs-Weizen läßt sich, nach den Aachrichten, die bisher hier vorliegen, eine gute Beschaffenheit erwarten. In CanaDa war das Wetter in den letzten Wochen etwas günstiger, Doch Dürfte Dadurch das gewaltige Manko Der Diesjährigen Ernte kaum beeinflußt werden. In der Llnivn gibt man sich für Die Gestaltung der eigenen Ausfuhr infolge dieser Befreiung von der canadischen Konkurrenz Den besten Hoffnungen hin. Immerhin bleibt Argentinien noch a s beachtenswerter Faktor. Wenn Die argentinischen Farmer auch kein Interesse an der Senkung des Preisniveaus haben, so würde doch ein vermehrtes Angebot im Verlaufe Der nächsten Ausfuhrsaison eine solche unbedingt zur Folge haben. Aus Rußland hört man, Daß mag Dort bereits mit Anwerbungen von Schiffsraum zur Aussicht neuer Ernte beginnt. Diese Ausfuhr Dürfte vielleicht aus einzelnen, besonders günstige i Bezirken stammen, Doch erscheint es von Der russischen Regierung unverantwortlich, aus reinen Geldgründen die zahlreichen Bezirke, die Mißernten zu verzeichnen hätten, Der Hungersnot auszusctzen. So dürfte man wohl tarnt erwarten, daß die russische Ausfuhr auf Dem Weltgetreidemcnckt größeren Einfluß zu nehmen- imstande ist.
Die einheimischen Prvduktenmärlte lagen, wie erwähnt, fest. Weizen konnte im Preise um 10—12 Mark anziehen. Atter Weizen in guter Qualität wurde dringend gefragt, aber nur wenig angeboten. Rauer Weizen, Der verhältnismäßig wenig vorhanden, fand glatte Abnahme. Roggen blieb auch diesmal hinter Den Weizenpreisen stark zurück, doch blieb Die Tendenz fest, da Der Verkauf infolge niedrigem Preise zurückhaltend und die Kaufneigung hingegen bedeutend stärker tmrrbe. Gerste hatte gutes 3w- und Auslandgeschäft mit steigenden Preisen. Gute Qualität wurde im Wettbewerb von heimischen Brauereien und dem Auslände, namentlich Der Tschechoslowakei gekauft. 3m Hafer geschäft blieben die Preise unverändert. Eine bemerkenswerte Befestigung konnte sich iricht durchsetzen, da Die Abgänge recht schnell aus neuer Ernte ergänzt würden. Zum Schluß der Woche machte sich an Den gesamten Märkten infolge Der bevorstehenden Ausfuhrbeschränkung eine gewisse Zurückhaltung be- merkbar.
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* Die Unter bin Dung rechtzeitiger Tabek st euer zahlung durch das Re ich. Mit dieser Tagesordnung trat am 25. August die außerordentliche Mitgliederverfammlung des Reichsverbandes der deutschen Zigarettenfabriken e. V. Landesgruppe Rord- vstdeutschland e. V., Berlin, zusammen. Referent Herr Karl Wiesenthal schilderte die ©nttoicflung der Dandervlensteuer in Den letzten Jahren. Eine Banderolensteuer sei ein Ding der Unmöglichkeit, wenn nicht die Macht vorhanden sei, sie durchzuführen. Und dies wäre nicht der Fall. Der Vortragende führte zahlreiche Fälle von Banderolenschiebungen auf, die sich in den letzten Jahren ereignet und die sich bis in die jüngste Zeit hinein erstreckten. Die wenigsten Fälle dieser Art würden von der Behörde aufgedeckt. Es sei so-
ein Hofraht Dach angekommen er wolle untersuchen, ob auch ein anderer dahinter wäre. Sehr artig war er die ganze Stunde inj Gespräch, und äußerte besonders seine Freude darüber, daß ein Mann, den er so gerne zu Den seinen zähl«, bereit wäre mit fürs wohl des gan'zen zu wirken. Ich war zu meiner Freude gerade bey der Schillern.
Voß erhielt trotz seiner Ablehnung ein Deputat von Wild. Wein, Bier, (betreibe und Brennholz, da er ein Ehrengehalt ablehnte. „Göthe sagte gleich: Dann Eörnrnt es uns zu Darauf zu finnen das Gold in etwas zu verwandeln daß sich nicht verbitten läßt!" (9. April 1804.)
Zweierlei geayiimt Goethe Ernestines Herz ganz: die Liebe zu Heinrich und die gememfame BlumenfreudL: „Göthe toirD auch Morgen kommen. Er gewinnt nicht bloß mein Herz durch feine Liebe zu Heinrich, sondern er sorgt auch für unfern Garten. Meine Blumenzucht und Liebe macht ifya Freude. Da hat er den botanischen Gärtner bestellt, daß er nicht allein Den Garten voll Blumen pflanzt, sondern ich bekomme abgeschnittene Blumen in Menge, und Töpfe mit Blühenden Sachen." (15. Juni 1804.)
Ein Jahr später zieht Voß nach Heidelberg. Ter letzte Grund war Der, nicht mehr „im Schatten der Titanen", Die doch immer wieder fern Werk verdunkelten, seinen Büchern und Den freilich stetig blasseren Dichterischen Gesichten zu leben
Mitgeteilt von ßuDtoig Bäte.


