Zreltag, 27. Zunl m
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen)
Zweites Blatt
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selben Gegenstand weit überlegen ist und das Originalwerk sein dürste. Außerdem kommen Porträts der großen englischen Meister des 18. Jahrhunderts. so von Reynolds, Raburne a. a. unter den Hammer.
nachgeahmt. Die Bakterien wurden dem Rauch längere Zeit ausgesetzt und dann 24 Stunden zusammen mit einer unberauchten Kontrolle bei 37 Grad C. bebrütet. Es zeigte sich dabei, daß der Labakrauch auf alle geprüften Keime eine deutliche entwicklungshemmende Wirkung ausiibt. Die Keime gelangten auf den dem Rauch ausgesetzten Rährböden nicht mehr zur Entwicklung. In einer zweiten Versuchsreihe wurde die tötende Wirkung des Tabakrauches geprüft. Dabei ergab sich, daß von allen Dakterienkultuoen nur- die sehr empfindlichen Influenza-Dazillen durch die Einwirkung des Tabakrauches abge- thtet wurden. Die übrigen, viel widerstandssährge- ren Bakterien konnten durch den Rauch einer Zigarre von 5 bis 6 Gramm nicht getötet werden. Es ergibt sich also, daß durchs den Laba.krauch eine starte entwicklungshemmende Wirkung auf den Dakterienwachslum ausgeübt wird, aber so gut wie keine abtötende Wirkung auf Bazillen, die bereits zur Entwicklung gelangt sind. „Wenn überhaupt." sagt Wolff, „so kann der Labakrauch nur eine prophylaktische Wirkung zur Verhakung der Ansiedlung von Bakterien in der Mundhöhle ausüben: die Abtötung einer bereits entwickelten Dakteraenkultur lädt sich nicht erzielen, zumal die Verhältnisse in be: Mundhöhle viel komplizierter liegen als in den Versuchsbedingungen des Experiments." Der Tabakrauch hatte dieselbe Wirkung, wenn man ihn duich Watte filtrierte. Da durch die Watte hauptsächlich Rikotin zurück- gehalten wird, so dürste die entwicklungskemmende Wirkung durch die wasserlöslichen Bestandteile des Rauches hervorgerufen werden Trennte man den Rauch von seinen wasserlöslichen Bestandteilen .so hatte er seine Wirkung vollständig verloren.'Daraus ergibt sich, daß die in Wasser löslichen Substanzen des Tabakrauches. Rikotin, Formaldehyt und Pyrrol, den Hauptan e l an der balterienfeindlichen Wirkung des Rauches haben.
* Handels- und Gewerbe - D a n k A. G. Frankfurt. Die Generalversammlung, in der 57* Aktionäre 41 949 OOO Stimmen vertraten, genehmigte bei 200 Stimmenenthaltungen die Iah- resschluhrechnung für 1923 und beschloß, den Reingewinn von 18 061 000 Mk. auf neue Rechnung vorzutragen. Die Erhöhung des Aktienkapitals wurde von der Tagesordnung abgesetzt.
Keine Zahlung mit Devisen im Jnlandverkehr.
Es ist in der breiteren Oeffentlichkeit kaum recht bekannt, daß die Berordnun vom 2. Rovem- ber 1923 über die Annahme von Devisen im inländischen Zahlungsverkehr im Juni abgelaufen unt> nicht verlängert worden ist. Damit treten die älteren Bestimmungen wieder in Kraft, wonach die Zahlung mit Devisen im Inland- verkehr verboten ist. Freigelassen sind nur gewisse Geschäfte, z. B. diejenigen der ersten Hand nach der Einfuhr, der ersten Hand vor der Ausfuhr (sogenannte Anschluhgrschäfte), ferner gewisse Transporte und Dersicherungsgeschäfte. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, kann die Währung Deutschlands jetzt als wirklich stabil gelten, so daß kein Zwang mehr vorliegt, im inländischen Verkehr mit Devisen zu zahlen. Man werde natürlich auch in dieser Beziehung bestrebt sein, zu völliger Freiheit zurückzukehren und die Verhältnisse der Vorkriegszeit w eder herzustellen, sobald die Goldnotenbcmk ins Leben gerufen ist.
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Epos „Luise" als ein Glanzpunkt des Festmahls „spanische Erdbeeren auf eiförmiger Schüssel, auch sahnige M ilch in gestülpter, porzellanener Krumme" erwähnt. Der eigentliche Aufschwung der Erdbeerkultur, der sie in manchen Gegenden zu einem wahren Volksnahrungsmittel machte, begann erst im 19. Jahrhundert. Seitdem sind auch noch andere Erdbeerarten eingeführt worden, und man zählt heute weit über 400 Varietäten, von großer Verschiedenheit der Vorzüge und der Reifezeiten, frühe und späte, große und kleine, weiche und feste, süße und herbe. Es gibt in allen europäischen Ländern „klassische Erdbeerstät'en", wie z. B. bei uns die Dierlande in der Rähe von Hamburg, Werder bei Berlin, die Lößnitz bei Dresden. Ein wahres Erdbeerparadies sind die Landschaften Kent und Hampshire in England. Hier werden viele Millionen Pfund Erdbeeren jährlich erzielt, und allein von dem Bahnhof Swanwiek werden alljährlich mehr als 1 Million Körbe abgesandt, von denen jeder 4—5 Pfund Erdbeeren enthält.
Die Großhandelsindexziffer.
Die auf den Stichtag vom 2 4. Juni berechnete Gr oh Handelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ergibt gegenüber dem Stande vom 17. Juni (117,0) einen Rückgang auf 112,6 oder um 3,8 Proz., der vor allem durch die Senkung der Getreide- und Fleischpreise, der Preise für Rohbaumwolle, Baumwollgarns und Gewebe herbeigeführt wird. Von den Hauptgruppen sanken Lebensmittel von 99,1 auf 93,2 oder um 6,0 Proz., davon die Gruppe Getreide und Kartoffeln von 85,6 auf 79,3 oder um 7,4 Proz. (dovon die Gruppe Kohle und Eisen mit 144,2 nahezu unverändert). Inlandswaren haben von 107,0 auf 102,2 oder um 4,5 Proz., Einfuhrwaren von 166,9 auf 164,7 oder um 1,3 Proz. nachgegeben.
Kunst und Wissenschaft.
Dilderverkaufr aus englischem Kcn'igsbesitz.
40 Gemälde alter Meister, unter denen sich Werke ersten Ranges befinden, werden demnächst bei Christies in London aus dem Besitz des englischen Königshauses versteigert werden. Eines dieser Werbe ist ein wundervolles Porträt eines Geistlichen, das früher dem Jan van Eyck und jetzt dem Meister des Dartolomäus-Altars zugeschrieben wird. Ein anderes hervorragendes Werk ist der „Phllosoph" von Quentin Mas - s 1) s. der anderen Bildern des Meisters mit dem-
Desinfiziert Tabastsrauch?
Raucher führen häufig die Tatsache für ihre Leidenschaft an, daß der Labakrauch auf die Bakterien der Mundhöhle desinfizierend wirkt. Diese seit langem bestehende Annahme war bisher noch nicht wissenschaftlich unte-sucht worden. Dr. Georg Wolff hat nun die Frage im Laboratoriums-Experiment geprüft und teilt seine Eig bnis)e mit. Er untersuchte zunächst die entwicklungshemmende Wirkung des Tabakrauches und legte zu diesem Zwecke geeignete Dafwrien-Räh höbe i an. die in einer besonders eingerichteten Rauchkammer dem Rauch aufgesetzt wurden. Als Rauchma e. ial dienten verschiedene Sorten Zigarren. Zigaretten und Pfeifentabak, und bei allen Versuchen wurde der Vorgang des natürlichen Rauchens nach Möglichkeit
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Infanß 4 Ahr. Der Vorstand.
Lust- und Sonnenbäder im Dienste der Volksgesundheit.
Gesundheitspflege ist die Pflege des gesunden Menschen. Ihm zu dienen, zu helfen und zu nützen, muh die Aufgabe all derer sein, die davon etwas wissen und verstehen, ganz gleich, ob durch Studium oder durch Erfahrung. Wie Sommer und Winter, Tag und Rächt einander abwechseln, so wirken auf den gesunden Menschen Licht und Schatten, Wärme und Kälte, Bewegung und Ruhe.
Der Sommer ist es, in dem besonders praktische Gesundheitspflege getrieben werden muh. A l das, was sich im Winter im Körper an Schlacken und Abfallstoffen bildete durch schlechte Zimmer- Luft, Heizung und mangelnde Pflege des Körpers muh im Sommer ausgeschieden werden. In weiten Kreisen ist man von der unerläßlichen Rotwendigkeit überzeugt, jedem Menschen in der Sommerzeit eine Crholungszeit, d. h. Ferien zuzubilligen — das ist auch meine Meinung—, aber diese wenigen .Ferientage nützen fast nichts, wenn nicht die Einsicht kommt, dah man ständig Gesundheitspflege treiben muß. Reiche Leute machen Reisen, geben viel Geld aus und kommen meist elender wieder an ihre Arbeit, als sie fortgingen. Arme Leute haben kein Geld (besonders in unserer Zeit) und gehen zu irgendwelchen Verwandten, bei denen sie viel mehr arbeiten, als in ihrem Beruf und kommen müde wieder an ihre Arbeitsstätte. Was soll man tun? Gleichgewichtkünstler werden, d. h. wer bei der täglichen Arbeit viel stehen muß, pflege besonders der Ruhe, wer im Zimmer oder im Fabrikraum arbeiten muh. suche besonders die gute Waldlust auf und lerne recht und tief atmen. Das beste und billigste Kurmittel ist das Luft- und Sonnenbad.
Im folgenden seien einige praktische Winke für den rechten Gebrauch dieser Bäder gegeben. Diese Winke sind aus der Erfahrung geboren und einige Jahrzehnte erprobt. Es muh unterschieden werden zwischen Luft- und Sonnenbad. Luftbäder sind eigentlich dasselbe tote Sonnenbäder, nur werden sie bei bedecktem Himmel, im Schatten oder im Zimmer genommen. Luftbäder kann man bei jeder Temperatur, also auch an trüben und kühlen Tagen -nehmen. Gut ist es, wenn man sich im stillen Kämmerlein erst em wenig an Licht und Luft gewöhnt, d. h. mit Zimmerlaft- bä d e r n beginnt. Rur wenn man lebhaftes Bedürfnis hat, verbinde man mit dem Luftbad eine kalte Abreibung. Wasserbad oder Brausebad. Will man ein Wasser-(Schwimm-)bad nehmen, dann tue man es sofort nach dem Entkleiden, trockne sich gut ab und nehme dann erst das Luftbad. Rachdem man sich entkleidet hat, sollte man sich sofort kräftig bewegen (Laufen, Springen, leichte Gymnastik treiben, Turnen, Spielen) und vor allem recht tief atmen lernen. Man bleibe nur solange entkleidet, als es behaglich ist, tritt Frösteln und Gänsehaut auf, so reibe man den ganzen Körper kräftig mit den Händen und bewege sich lebhafter, bis man wieder toarm ist, und kleide sich dann gleich an. Wer nach dem Bade in feinen Kleidern friert, hat falsch oder zu lange gebadet.
Da der Kulturmensch der Sonne entwöhnt ist, so darf ein Sonnenbad nicht gleich auf Standen ausgedehnt werden. Man beginnt das Son- netrbad mit einer Zeitdauer von 5—10 Minuten und steigert es allmählich auf eine Stunde. Bei schweren Herzfehlern, ernsten Rervenleiden, vorgeschrittener Tuberkulose usw., bei Arterien oerkal- lltng sind Sonnenbäder zu meiden. Wunder tun diese Bäder bei leichten Katarrhen, Bleichsucht und allen Stofftoechselkrankheiten. Man nehme das Sonnenbad möglichst am Morgen. Im Sommer, wo die Sonne hochsteht, sei man vorsichtig und unterschätze die starken Wirkungen der Sonne nicht, besonders in der Zeit von 9—4 älhr. Man schütze den Kopf und Racken vor den direkten Sonnenstrahlen durch ein Tuch, Schleier oder Strohhut. Man bade nie nach dem Genuh von alkoholischen Getränken. Bei eintretendem Durst genieße man am besten frisches oder gedörrtes Obst, streng zu meiden ist Alkohol, aber auch kohlensaures und Eiswasser. Während des Sonnenbades lege man sich flach auf die Erde und wende von Zeit zu Zeit eine andere Seite des Körpers der Sonne zu. Entzündet sich die Haut trotz der geratenen Vorsicht, — möglich ist dies nur bei sehr empfindlichen Personen, — so nehme man die nächsten 2 oder 3 Bäder mit dem Hemd bekleidet und wasche die Hautstellen zuweilen mit sauberem lauwarmen Wasser ab. Bei regelmäßigem Gebrauch
Staates überdauert haben und in der revolutionären. kaiserlichen, bürgerköniglichen und repa- blikanischen Periode dieselben geblleben find. Ihre schärfste Ausprägung erhielten sie durchs Frankreichs größten Staatsmann Richelieu und als Richelieus Testament bilden sie das Schulbuch der französischen Diplomatie und Politik auch heute noch in einem Ausmaße, daß die heutigen Staatsmänner Frankreichs ost die Phraseologie der königlichen Zeit benutzten.
Die Waldverwüstung" in der Pfalz.
Der amtliche bayerische Pressedienst teilt mit: Die bayeiäsche Staatsregierung hat sich im Interesse der Waldungen der Pfalz schon mehrmals mit der Reichsregierung in Verbindung gesetzt und hat, ebenso wie die anderen unmittelbar geschädigten Bundesstaaten Preußen, Hessen, Oldenburg, das verfügbare Material über die im Ramen der Rheinlandkommission verübten Wald- verwüstungen in Berlin überreicht. Die vier Bundesstaaten haben insbesondere auch aufmerksam gemacht auf die schweren finanziellen und kulturellen Schäden, die mit der Beschlagnahme der Staatsforsten und mit der die Wirtschaftskraft und Reparationsfähigkeit Deutschlands schwächenden forstlichen Verwaltungspraxis der Franzosen verbunden sind.
Wie wir hierzu von unterrichteter Seite erfahren. haben die Eingriffe der Franzosen in den Pfälzerwald immer größeren älmfang angenommen. In der .ersten Zeit der im Januar 1923 ausgesprochenen Beschlagnahme haben sie sich darauf beschränkt, das von den deutschen, pfleglich geführten Fällungen herrührende, noch unverkaufte Holz für ihre Kassen zu verwelken. Aber schon im April 1923 schritten sie in dem an .der elsässischen Grenze gelegenen Dienwald zu waldverwüstenden Kahlschlägen von 10 bis 20 Hektar Größe der Einzelfläche. Dieser Holzraub im großen fand neben zahlreichen kleineren Verkaufshandlungen seinen ziffernmäßigen Höhepunkt in einer Waldversteigerung zu Speyer am 30. Ro- vember 1923 bei welcher die Franzosen die Holzbestände einer Gesamtfläche von 475 Hektar (das sind fast 2000 Rheinische Morgen) sichend verkauften: und zwar handelte es sich hier nicht um pfleglich zu führende Fällungen, sondern um Ruhung Burch den Käufer: es handelte sich auch nicht um Bestände von durchschnittlichem Werke, sondern um höchstwertiges Holz. So wurde damals aus dem Pfälzerwald etwa das Vierfache des normalen Einschlages an hochwertigem Eichenholz verkauft.
Ein neuer Abschnitt in der „forstlichen Praxis" der Franzosen 6egann mit dem Jähre 1924. Run verließen sie den öffentlichen Verkauf mit dem Erlös auf. Reparation und schritten zum Tausch. Sie mißbrauchten das Recht der Gewalt dazu, um ausgesucht schöne Holzbestände der deutschen Staatsforste mittels stiller Verhandlungen an links- und rechtsrheinisch ansässige Verbände kapitalkräfttger Holzhändler preiszugeben zum Tausch gegen Lieferung von Dalken und Brettern aus geringwertigen Holzarten Für diesen neuen Fischzug haben die Franzosen den bescheidenen Ramen „Ergänzungshiebe" erfunden. Ob die Aera dieses neuen Mittels zum alten Ziele abgeschlossen ist oder neuerdings fortgesetzt zu werden droht, läßt sich nicht sagen.
Das Ergebnis schon der bisherigen französischen Forstwirtschaft in den Staatsforsten der befehlen Gebiete ist erschreckend: wirtschastllche Werte von großem Ausmaß sind sinnlos und un- kaufmännisch zerstört, der künftige Rohstofsbezug der bodenständigen Holzindustrie ist erschwert, herrliche Schöpfungen der Ratur sind geschändet oder vernichtet, kulturelle und ideelle Belange schwer gefährdet. Es sei z. D. nur an die Bedeutung des Waldes für die Wasserwirtschaft in den steilen Hängen des Pfälzerwaldes und des Hunsrück erinnert.
Frankreichs politisches System.
An die Spitze eines Vortrage's: „Das Rhein- prvblem" der von der Rheinischen Zentrumspartei (Köln Rubensstr. 11) als Fmgsch ist decauS- gegeben wurde, stellt Professor Sriedrrch Dessauer folgende Charakteristik der Leitsatz: der französischen Politik:
„Was jemals im Lauf der Geschichte Gegenstand eines formalen Rechtsanspruches der Fran- rosen war das betrachten sie als legitim, als unauslöschlichen Anspruch ihres Rechtes, von dem man wohl eine Zeitlang schweigen, den man aber die vergessen darf. Da es kein Gericht gibt, welches solche Ansprüche bestätigt oder ablehnt, so bleiben sie ein Reservoir von Mitteln, die auf ihre Stunde warten. Das ist die erste der Grundlagen der französischen Außenpolitik. (Die von den Krvnjuristen der französischen Könige aufgestellte These, daß der Rhein die Grenze Galliens gervc-en ici und darum die Grenze Frankreichs werden müsse Eine These, die weder historisch noch ethymologisch begründet werden kann. Sie beruht lediglich aus einem, von dem altrömischen Imperialisten Cäsar, ebenfalls aus politischen ©runden ausgesprochenen Satze. D. Red.) Die zweite ist: jede politische Situation prüfen und den maximalen Gewinn aus ihr ziehen, d. h. unter Selbstbeherrschung und kluger Prüfung der Mittel aus dem Reservoir der Rechtstitet diejenigen ans Licht des Tages treten lassen, die irgendwie nützlich sind und die Situation dahin zu prüfen, ob sich vielleicht neue Titel erwerben lassen. (Rachdem weder durch die Frledensvebhandlungen noch durch die Rachkriegspolitik das Ziel der Rheingrenze erreicht wurde, wird jetzt als Zwischenlösung, eine „Reutralisierung" der rheinischen Gebiete hinge- nommen werden. D. Red.) Die meisterhafte Ausnützung jeder politischen Situation geschieht dann mit all den Mitteln, von denen wir einige in .unserer flüchtigen historischen Schau erwähnten: Die Schaffung von Klienten, geistigen oder materiellen Vasallen, wie eS die deutschen Fürsten wie der napoleonische Rheinbund gewesen sind. Solche Klienten die sich in den Schatten der Gunst der Protektion Frankreichs stellen, die man durch einen Goldstrom lebendig erhalten kann — doch nicht zu sehr — und die man kontrolliert, das sind die Dauern im Schachbrett des französischen Spiels (Die gerauften Subjekte Dorten, Smeets Matthes usw., die als sogenannte „Separatisten' erscheinen mußten. D. Red.)
Größere selbständigere Figuren sind die politischen Filialen, die befreundeten, durchs Verträge verbundenen Mächte. Vor dem Kriege waren es Rußland durch Rußland Serbien, es war Rumänien, Italien und in einem gewissen Abstand England. Frankreich hat diesen Ring um Deutschland längst weiter ausgebaut und befestigt. Die Türme und Läufer seines Schachspiels stehen rings um uns. (Dänemark, Tschechoslowakei, Polen usw. D. Red.) Dann ist das Mittel des Er- vberungsfriedens und der moralischen Durchdringung, vor allem aber der wirtschaftlichen Da- sallenschaft, von dem ich Ihnen, die Sie vom Rheine kommen, nichts zu sagen brauche. Bei dieser Aufstellung des polttischen Schachs wird dann jedes Ereignis in wechselndem Schicksal politisch zugespiht und durch kleine, fast unmerkbare Bewegungen der Figuren vor dem Theater der Welt so gestellt, daß Frankreichs stetiger Wille sich durchsetzt. Während die Deutschen und ihre Zeitungen sich über pollttsche Wandlungen auf regen und dieser Aufregung durch lautes Rufen ihrer Gefühle vor der Welt Lust machen, so daß jeder weiß: nun sind sie traurig oder verzweifelt oder übermütig gestimmt, jetzt drohen sie jetzt verzichten fie — ist für das französische auch sehr starke "Gefühl gegenüber Politischen Sreig- nissen ein Maschinenmeister bereit, der die heißen Dämpfe des Temperaments klug bald in diese, bald in jene Röhren leitet, so daß sie nur dahin gelangen, wo sie nützen können und kein unnötiger Qualm entsteht. Dieser Maschinenmeister ist, der politische Sinn der Franzosen. Ein drittes Mittel, jede Situation bis zum Maximum auszunuhen, ist die Aussaat und Pflege der Zwietracht unter den Gegnern. Finden sich doch solche Ansätze überall. Welch unermeßlichen Gewinn hätte Frankreich gezogen, und nur Frankreich, wenn der Putsch des Löwenbräukellers in München gestartet wäre. Tiberius hätte im Grabe triumphiert und mit ihm die ganze lange Reihe der F.anzosenführer, welche diese deutsche Verwirrung, du in einem Sieg des Gemütes über den Verstand besteht, in ihr System auf genommen haben "
Bedenken wir, daß diese Leitsätze der französischen Politik alle Llmwälzungei des französischen
So beglückte die schlichte Walderdbeere Jahrhundertelang Geschlecht auf Geschlecht in deutschen Landen, bis sie dann im 16. Jahrhundert in den Garten verpflanzt wurde und nun zur Modefrucht der feinen Leute wurde. Die große Gartenerdbeere erregte auf der Tafel Aufsehen. Ein fran- zösischer Schriftsteller berichtet, daß um die Mitte des 16. Jahrhunderts die Frauen nichts lieber aßen als Erdbeeren mit Sahne und Zucker, während die Männer 'die Frucht in den Wein ta'en und so die Erdbeerbowle schufen. Eine besondere Liebhaberin der Erdbeere war die dänische Prinzessin Elisabeth, die im Juni 1582, als sie mit ihrem Mann, dem Herzog ällrich von Mecklenburg, auf den Reichstag nach Augsburg zog, jeden Tag Erdbeeren für ihren Tisch verlangte. Die eigentliche Erdbeerzucht begann aber erst im 17. Jahrhundert. Im Jahre 1629 kam die erste frühreife nordamerikanischs Erdbeere in englische Gärten, und 1715 brachte der französische Gelehrte Frazier die chilenische Rissenerdbeere nach Paris. F mf dieser Frutilla-Pflänz.ben führte er als kostbare Ladung mit sich, mutzte aber zwei der seltenen Pflanzen dem Schiffstapitän überlajien, der sie als Entgelt für das zum Begießen notwendige Sützwasser forderte. Aus den drei nach Frankreich gebrachten Pflänzchen sind dann sämtliche Erdbeerkulturen in Frankreich und anderwärts zurückzuführen, denn erst 1820 wurden weitere Erd- besrpflanzen aus Chile gebracht. Die chilenische Gartenerdbeere wurde ein besonderer Ruhm des französischen Hofes, und da man damals alles nachäffte, was in Versailles üblich war, so verlangten aud> die deutschen Fürsten große Erdbeeren für ihre Tafel. Immerhin fanden die neuen Arten in Deutschland nur langsam Eingang. Ein Regensburger botanisches Buch von 1737 kennt nur die seit dem 15. Jahrhundert elngeführten Gartenformen der Walderdbeere, und zur Zelt unserer Klassiker war die lüdamerikanische Erdbeere noch eine große Delikateste. So werden in Vossens
Die Geschichte der Erdbeere.
Merkwürdigerweise spielt die Erdbeere im Altertum keine große Rolle. Fast scheint es, als ob die antike Welt an ihr ziemlich achtlos vorübergegangen wäre und erst die Deutschen dies liebliche Kind des Waldes entdeckt hätten. Die Walderdbeere, deren Geschmack unO Aroma noch heute unübertroffen ist, wurde von den alten Germanen sehr geschäht: sie war im deutschen Walde so verbreitet, daß man sie schlechtweg die Frucht oder das Obst nannte. Lange Zeit war die Erdbeere der köstlichste Rachtisch, den der Deutsche im F uhsorn- mer kannte. Sie wird von den Dichtern des Mittelalters in feierlichen lateinischen Versen besungen, und auch mancher Minnesänger preist die Maien- lust, wenn er ausruft: „Seht, da liefen wir Erdbeeren suchen von Tannen zu den Buchen, Über Stock und über Stein." Im ersten Roman unseres Sch i ttum. dem noch late n sch ge hrieoer.en Ruo - lieb wird erzählt, wie die Kinder im Walde die roten Beeren in Töpfe ober Weidenlörbe sammeln und beglückt rach Hau e trage t In der Vv' s ‘a:ibe haben sich noch Bräuche erhalten, die darauf schließen lassen, daß die Erdbeere mit dem altgermanischen Götterglauben verknüpft war. 'Besonders )toar es die gütige Holda, in deren Reich man die Walderdbeeren heimisch machte: sie schenkte den Menschen solche Beeren, und ebenso ta'en die Elfen, ihre Dienerinnen. Wenn beim Deerensam- mein lange Zeit der Brauch herrschte, dah die ersten drei Erdbeeren für die „heilige Maria" auf einen Baumstumpf gelegt wurden, so darf man wohl darin den Rachklang eines uralten Opfers erblicken, das ursprünglich der Holda galt. Erdbeeren wurden öfters auch als Zehn'en gefordert. So heißt es z. B. in der Zimmernschen Chronik: „Die Edelleute von Dalburg, genannt die Kämmerer, haben zu Worms einen Hof, da muß ihnen der Rat jährlich auf dem Pfingsttag zwei große Körbe mit Erdbeeren geben."
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von Luft- und Sonnenbädern nehme man alle 8 bis 10 Tage ein warmes Wannenbad und öle nach diesem die Haut des ganzen Körpers gut ein. Die Lust- und Sonnenbäder dienen dem Gesunden zur Abhärtung, dem Geschwächten zur Reukräftigung und dem Kranken zur Heilung. Richt nur dem Leib wird damit gedient, sondern auch die Seele wird wunderbar von trüben Stimmungen befreit und erhält neue Lebens- und Schaffensfreude.
Wirtschaft.
Der deutsche Außenhandel.
Dix vom Statistischen Reichsamt vorgelegte Statistik über den deutschenAuhenhandel, die allerdings kaum mehr als eine Statistik des Außenhandels im unbesetzten deutschen Ce- biete ist, weist für M a t einen Passiv saldo von 350 Millionen Mark aus. Die Einsuhr betrug 870185 000, die Ausfuhr 516 217 000 Gvld- mark. Aus diesen Ziffern geht hervor, daß sowohl die Einfuhr als auch die Ausfuhr eine nicht unbeträchtliche Steigerung erfuhren. Diese Steigerung ist allerdings bei der Einfuhr größer als bei der Ausfuhr. Insbesondere hat sich die Einfuhr von Fertigwaren erhöht.
Wie mehrere Blätter melden, will das Reichswirtschaftsministerium die Politik der Einfuhrverbote durch zollpolitische Maßnahmen ersetzen. Das Ministerium legte dem wirtschaftspolitischen Ausschuh des Reichswirtschaftsrats den Entwurf einer Verordnung vor, der zur Anpassung an die sehr erheblich veränderte Situation auf dem Weltmarkt und zur Erreichung eines Ersatzes für die aufzuhekenden Einfuhrverbote teilweise ziemlich erhebliche Zollerhöhungen vorsieht. Ter Ausschuß faßte zu dem Entwurf einen Beschluß, worin unter Ablehnung der Gesetzesvorlage der Grundgedanke a l s wichtig anerkannt wird, durch Schaffung eines Instrumentes für die kommenden HandeksvertragsverHandlungen die Voraussetzung zur Beseitigung der Einfuhrperbote zu schaffen. Der Reichstoirtschafts- rat empfiehlt daher eine rechtzeitige Erneuerung des Ermächtigungsgesetzes für vorübergehende Zollerleichterungen, dessen Geltungsdauer am Monatsende abläuft, auf ausreichende Dauer.


