Avg. Dr. gJtnlernetl (D. B.) wein out die erhebliche Steigerung der Produktionskosten im Kohlenbergbau hm. Die Entwicklung des Ruhrkampfes zeigte den Bankerott des Sozialdemokratischen Systems. Schiedsgericht auf Schiedsgericht ist zusammengetreten: Verbindlichkeitserklärungen sind ausgesprochen worden und die Gewerkschaften haben sich nicht darnach gerichtet- Gegen die äknternehmer könne die Dcrbindlichkeitserklärung ausgeklagt werden, gegen die Gewerkschaft kann nichts unternommen werden.
Die Verhandlungen im Reichsarbeitsministe- rium zur, Schlichtung des Bergbaukonflikts haben zu keinen: Ergebnis geführt. Die Verhandlungen sollen fortgeführt werden, i. ------------------------------
Aus dem Hessischen Landtag.
Von unsererDarmstädter Redaktion.
Darmstadt. 26. Mai. 3m Finanzausschuß, wurde die Erhöhung der Beamte nbe- s o l d u n g besprachen. Von der unteren Gruppe beginnend soll die Erhöhung mit 17V? Prozent anfangen und bis zu 70 Prozent der bisherigen Gehaltsähe steigen. 3n der 10. Gruppe wird der Zuschlag etwa 50 Prozent betragen. Die unteren Gruppen erhalten damit das volle Fciedens- gehalt, die oberen nur 80 Prozent. Es wird durch die Regierung zum Ausdruck gebracht, daß d irch das Sperrgesetz es unmöglich ist, dem Wunsch nachzukommen, die oberen Gruppen zu kürzen und Liesen Abstrich den unteren Gruppen zukommen zu lassen. Die Sätze des Reiches dürften nicht überschritten werden, auch würden die Abstriche nicht g. u s r e i ch e n, um die unteren Gruppen entsprechend zu befriedigen. Mit Rücksicht auf die Wirkung des Gesetzes aufdieKommunal- beamten und die Privatangestellten wurden zunächst keine Beschlüsse gefaßt, sondern vorgeschlagen und beschlossen, die Regierung zu ersuchen, in einer Vorlage dem Ausschuß Vorschläge zu machen, auf Grund deren die weiteren Verhandlungen geführt werden können.
Nach den Vorschlägen sotten alle, bis zur 10. Gruppe, dieselben Erhöhungen erhalten, wie sie das Reich vorgesehen hat; von Gruppe 10 ab sott die Erhöhung gleichmäßig sein.
Es kam dabei zur Sprache, daß Reichskommunal- und Hess. Staatsbeamte von gleichem Range, die in einem Hause wohnen, bei gleichen Leistungen, recht unterschiedliche Bezüge erha.ten. Es kam weiter von selten der Regierung wie der Abgeordneten zum Ausdruck, daß an eine Erhöhung der Steuer keinesfalls gedacht werden darf. — Der Arusichuh nahm von folgenden: Antrag dec Abgg. Dr Osann, Dingeldey und Genossen Kenntnis: Die Regierung zu ersuchen, mit aller Schärfe gegen die völlig unzureichende und ungenügende Erhöhung der Gehälter für die unteren und mittleren Deamtenbesoldungs- gruppen durch die neueste Veröffentlichung des Reichsfinanzministerrums zu protestieren und mit erhöhtem Nachdruck für eine Neuregelung ein- zutreten, durch die die Bezüge der unteren und mittleren Gruppen den tatsächlichen Verhältnissen und den Forderungen der Gerechtigkeit in ganz anderer Weise angeglichen werden.
Das Landesamt für das Bildungswesen.
Dem »Darmstädter Lagblatt" wird geschrieben:
3n dem Artikel „S kan da lo se Zu st ä n de im Realgymnasium zu Darmstadt" ist der Gedanke ausgesprochen, „daß das Landes- bildungsamt der Presse wegen ihrer verhetzenden Artikel auf die Finger klopfen sollte". Der Ar- trkelschreiber wird lange warten können. Nach dem Schlußsatz des angeführten Satzes scheint er auch dvmit zu rechnen. Zu einer derartigen mannhaften Lat wird sich das jetzige Landesbildungsamt nie- nNls aufschwingen. Wenn man die Herren, die dprt über die Bildung im Land zu wachen berufen sind, kennt, erwartet man dies auch ganz und gar nicht von ihnen. An einem Vorgang, der sich an der Oberrealschule i. E. in Michelstadt in der letzten Zeit abspielte, sei kurz die Mannhaftigkeit des Herrn Präsidenten des Landesbildungsamtes skizziert.
An dieser Anstalt wirkte schon jahrelang ein in jeder Hinsicht durchaus tüchtiger Direktor als ßeiter. Dieser Herr hatte das ülnglück, der Deutschen Volk spartet anzugehören und besaß die Dreistigkeit, von dem jedem Deutschen in der Verfassung der demokratischsten aller Republiken garantierten Recht in seiner freien Zeit aus seiner
politischen üleverzeugung kein Hehl zu machen.
Nun besitzt Michelstadt einen Bürgermeister, der Mitglied der Sozialdemokratischen Partei ist und auf deren Kandidatenliste zur letzten Reichstagswahl stand. Diesem Ortsgewalligen mißfiel das unerschrockene Auftreten des Realschuldirektors für seine politische üleberzeugung. Mag fein, daß die geistige üleberlegenheit des Direktors den Herrn Bürgermeister auch etwas schmerzte. Infolge einer bestellten Arbeit kam es zum Konflikt auf dem Rathaus zu Michelstadt. Dort wurde in einer Stadtratsitzung dem Direktor vorgeworfen: daß er das Vertrauen der Eltern der Schüler nicht mehr besitze, sein „schu- liger Bankerott" wurde vom Herrn Bürgermeister festgestellt.
3n einer sehr stark besuchten Elternversammlung wurde daraufhin dem Direktor der Anstalt das Vertrauen einstimmig ausgesprochen. Dieses Vertrauensvotum mit einer Erläuterung des Konfliktes ist dem Landesbildungsamt zugestellt worden: von einer Elternabordnung persönlich das Landesbildungsamt unterrichtet worden.
Der Herr Bürgermeister, zu dem sich in der Person eines Lehrers der Realschule, demokratischer Observanz, ein Kampfgenvse gesellte, forderte aber mit ungestümem Nachdruck den „Skalp" des Direktors, um ihn am Wigwam des Ortsgewaltigen aufhängen zu können, ülnd was geschah? — Allerdings, der Direktor wurde nicht skalpiert — aber er wurde verseht. —
Trotzdem die Eltern dem Direktor das Vertrauen aussprachen, trotzdem der Direktor ein hochbegabter QUonn und tüchtiger Anstaltsleiter war, man hat im Landesbildungsamt dem Drängen von Parteidemagogen nach- gegeben.
So viel wie bekannt, ist der Leiter des Landesbildungsamts ein Demokrat. Etwas weniger „Demokratie", aber viel mehr Mannhaftigkeit und Mut, auch den pvlittsch Nahstehenden mal auf den Fuß treten zu können, wäre im Indeoesset der Demokratie mancherorts zu wünschen. Wir sind im Laufe der Demokratie in eine Partei- Wirtschaft hineingeraten, die einem wirklich wahren und echten Demokraten „das Blut in den Kopf" jagen muß. Es ist nicht zu Wundern, daß der Ruf nach Beseitigung dieser Parteiwirtschaft immer lauter wird. Hoffentlich wird ec von dielen Hessen gehört und beachtet: 'Deshalb Hessenvolk: Augen und Ohren auf!
Der italienische Königsbesuch in London.
London, 26.Mai. (WTB.) Der Dampfer „Jungfrau von Orleans" mit dem Königs- paarvon Italien, dem italienischen Kronprinzen und der Prinzessin Mafalda an Bord, den zur See eine Eskorte von vier britischen Torpedobootszerstörern, und in der Luft eine Eskorte von fünf britischen Schlachtflugzeugen auf der Fahrt von Calais nach Dover begleiteten, ist um 1 Ahr mittags unter dem Salut der Küstenbatterien in Dover eingetroffen. Der Prinz von Wales begab sich in Begleitung des italienischen Botschafters in London und dem italienischen Königspaar für die Dauer des Staatsbesuches in England zuge- teilten Gefolges auf den Dampfer, um die italienischen Gäste namens des KönigsGe- o r g zu begrüßen. Das italienische Königspaar trifft nachmittags mit dem Svnderzug in London, wo es vom König Georg und der Königin Mary empfangen wird, ein. Der Besuch dauert bis Donnerstag.
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Die Blätter veröffentlichen einen Begrüßungsartikel für das italienische Königspaar. Allgemein wird die Befriedigung ausgedrückt, daß die Iubalandfrage am Borabend des Königsbesuches geregelt werden würde. „Times" und „Daily News" lassen durchblicken, daß die Methoden des F a s c i s m u s der englischen politischen Auffassung fremd seien, „Daily News" betont jedoch, daß Mus- solini die europäischen Fragen mit Klugheit behandelt. Er habe in der Frage der Erzielung einer vernünftigen Regelung der Deutschland betreffenden Probleme den zahlreichen Versuchungen, eigennützig und kurzsichttg zu handeln, widerstanden. Seine
Bibliophilie.
Zur Feier des 25jährigen Bestehens der Weimarer Dib liophil e n-Ge sell- schaft in Darmstadt.
Eine Tatsache kann nicht oft genug hecvor- gehvben werden, besonders dem Ausland gegenüber, nämlich die Aeberlegenheit der deutschen Kulter; auch mancher Deutsche wird anders von ihr denken, wenn er erfährt, daß die vergleichende Litevaturbetrachtung feststellen muh, daß wir zwar nicht die Höhe schöpferischer Dichtung zur Zett Unserer Klassiker erreicht haben, daß wir aber auch jetzt nicht einem Literaturvolk der Welt nachstehrn. Ein Gradmesser, wenn auch kein ganz Unbedingter für .Pie Literatur und die Kultur ist die Düchererzeugung. Der Antell des deutschen Buchhandels am Weltbuchhandel überragt, wie Eduard Engel in seiner „Geschichte der deutschen Literatur" feststellt, den aller anderen Literaturvölker. Deutschland führte vor dem Weltkrieg zehnmal soviel aus wie Frankreich, 21/2 soviel wie England. Es erscheinen aber auch in Deutschland 2i/2mal soviel Bücher wie in Frankreich, doppelt soviel wie in England und Nordamerika zusammen. Deutschland ist der Mittelpunkt des. Weltbuchhandels: es werden mehr deutsche Bücher als in irgendeiner anderen Sprache gedruckt, folglich gibt es auch mehr Leser deutscher Bücher, als anderer auf Erden. Wem: so häufig von den vorbildlichen Volksbibliotheken in Amerika die Rede ist, so gilt dies nach dem ■Urteil von Sachkundigen nur von den Gebäuden .und von den Mitteln, die für diese Büchereien xur Verfügung gestellt werden, aber in der Zahl der Benutzer dieser Einrichtungen, d. h der Leser, steht Deutschland voran. Es ist kein Wunder, daß sich bei uns viele Bücherfreunde finden, daß die Zahl der Privatbibliotheken von bcträcht- lichiemAmfange sehr groß ist. Ganz selbstverständlich ist es auch, daß sich viele Gleichgesinnte zusam- MLnschlvssen, .so ist die große Bibliophilen-Gesell-
schaft in Weimar entstanden, der sich die vor 7 Jahren ins Leben gerufene Gesellschaft hessischer Bücherfreunde angesch.osen hat. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen hat in der Zeit, als sein Staat völlig entkräftet darniederlag, der Meinung Ausdruck g egeben, der Staat müsse an geistigen Kräften das zu ersetzen suchen, was er an materiellen verlogen habe. Dieser Gedanke kann such für unsere gegenivärti^en Wiederaufbaubestrebungen Richtung g b nd sein. Die Gesellschaft Hess.schor Bücherfreunde hat derartige Ideen in ihr Arbeitsprogcamm au'g.enom- men, sie will mithelfen an dem Wiederaufbau von Wissenschaft, Kunst und Gewerbe. Sie will Veröffentlichungen von vorbildlicher Form und wertvollem Inhalt verbreiten und die Herausgabe von Werken zur Kultur, Heimatlunde unb Literatur fördern. „Neben dem geistigen Gewinn in Volks- und Schrifttum, so heißt es in dem Programm der Gesellschaft, soll bei dem Unternehmen" also auch ein wirtschaftlicher die Bechäf- tigung von Schriftstellern und Gewerbetreibenden erstrebt und vor allem den Druckereien Hessens ein neues Ziel zu lohnender Tätigkeit erschlossen werden." Schutzherr der Gesellschaft ist der Groß Herzog von Hessen; Vorsitzender ist Graf Kuno von Hardenberg. Seiner Rührigkeit ist es in erster Linie zu verdanken, daß die Gesellschaft hessische Bücherfreunde heute etwa 900 Mitglieder zählt und über ganz Hessen verbreitet ist. Der Vereinigung ist sehr zu wünschen, daß ihr noch viel mehr Mitglieder beitreten, damit sie noch mehr in die Lage kommt, der Kunst, der Kultur und der Literatur des Hessenlaudes so zu dienen, wie sie es ihrer Bedeutung nach verdienen. Die Gesellschaft hessischer Bücherfreunde gewährt ihren Mitgliedern eine wertvolle Iahresgabe aus dem Bereich der hessischen Kunst- und Kulturgeschichte, ferner ein Dezugs- recht auf alle von ihr herausgebrachten Luxusveröffentlichungen zu besonderen Vorzugspreisen. Sie gewährt den Mitgliedern Rat und Auskunft
jetzige Haltung gegenüber Dem Daroesbericht sei ein wichtiger Faktor zugunsten des Friedens. „Daily Chronicle" gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Unterredungen, die vielleicht während des italienischen Besuches stattfinden würden, das Zusammenwirken der beiden Länder in der Frage der Annahme des Dawesberichts weiter stärken werde. „Westminster Gazette" schreibt, niemand werde die allmähliche Annäherung in der internationalen Politik übersehen, die zwischen Italien und England in den letzten Jahren stattgefunden habe.
Der neue Gießener Haushalts - Voranschlag.
I.
Das Gießener Stabtparlament hat in seiner Sitzung am vorigen Freitag beschlossen, den städtischen Haushalts-Voranschlag f ü r 1 9 2 4 in einer Generaldebatte zu besprechen, bevor es ihn zu einer eingehenden Durchberatung an den Finanzausschuß gibt. Dieser Beschluß entspricht dec hohen Bedeutung, die diesem auf fester Martgcundlage aufgebauten Haushaltsplan gegenüber den Papiermartrechnungen der letzten Iähce zukommt. Aber auch die Stadtverwaltung hat d:e große Wichtigkeit des neuen Voranschlags gebührend unterstrichen: sie hat in der großaage- legten Etatsrede des Oberbürgermeisters dem Voranschlag eine älebersicht beigegeben, die sowohl tn ihrem allgemeinen, grundsätzlichen Teil, wie auch in ihren Einzelbesprechungen der verschiedenen Titel des Voranschlags außerordentlich instruktiv ist und den Stadtvätern ein guter Berater bei der Prüfung des Stadthaushalts sein kann. Für diese sehr umfassende und lehrreiche Ausarbeitung gebührt der Stadtverwaltung und allen an der mühevollen Zusammenstellung des Materials beteiligten Ressorts Anerkennung und Dank. Wir wünschen uns die'Möglichkeit, nach beendeter Generaldebatte dem Stadtparlament die gleiche Anerkennung aussprechen zu können, die nur durch gute sachliche Arbeit, nicht durch Reden „zum Fenster hinaus" verdient werden kann.
Bei der Aufstellung des Voranschlags hat die Stadtverwaltung, wie der Oberbürgermeister betonte, „als obersten Grundsatz denjenigen äußerster Sparsamkeit beobachtet." Diese Wirtschaftseinstellung kommt in den Endziffern der Belriebsrechnung scharf sichtbar zum Ausdruck. Von 3 694 059 Mk. in 1914 ist der Abschluß dieser Rechnung auf 2 233 538 Mk. gesenkt worden. Der gesamte städtische Bedarf hat sich also um 1 460 521 Mk. gegenüber 1914 vermindert. So erfreulich diese Tatsache auf den ersten Blick ist, so bedenklich stimmt sie aber in einem sehr wichtigen Punkte, den man bei einer Durchsicht der Einzelheiten nicht übersehen kann. Der Hauptteil die,ec Ersparnis ist nämlich auf die Streichung der Tilgung und Verzinsung der st ädtischen Anleihen, „die vor dem 29. Februar 1924 ausgenommen worden stnd und auf Reichsmark lauten" zurückzaführen; 1200 000 Mk. sind auf diese Weise gegenüber 1914 einstweilen glatt abgestrichen worden. Die Stadtverwaltung stützt sich dabei auf die berüchtigte. so kann man wohl richtig sagen, dritte Steuernotverordnung der Reichsregie ung. Aus verschiedenen anderen Städten hat man aber in den letzten Wochen gehört, daß die dortigen Verwaltungen trotz die er Steucrnotverordnung eine Aufwertung ihrer kommunalen Anleihen ins Auge fassen und zum Teil schon ziemlich weit vorbereitet haben. Wir würden es begrüßen, wenn unsere Stadtverwaltung den gleichen Weg gehen und bald vollenden würde. Man muß die Fage der Aufwertung und der Wlederingangsehung des Zinsendienstes u. E. weniger nach den augenblicklichen Finanzvechältnissen der Stadtkasse beurteilen, als vielmehr nach dem Gesichtspunkt, daß man bei dem kleinen Sparer und den größeren Geldgebern das Vertrauen zur unbedingten Reeliität der Gemeinde wiederchmstellt. Wenn das Reich und die Länder die Erfüllung ihres Anleihedienstes bis in sehr ferne Jahre verweigern, so mögen sie das tun; sie werden es ja dann erleben, daß die sparenden Bürger bei neuem An- leiheoedarf ihnen sagen, „einmal sind wir von euch geprellt worden, wir bedanken üns für die Zukunft." Dann wird eine neue rigorose Tat der Steuermaschine vielleicht kommen, die den Schaden noch größer macht. Diesen Weg mitzumachen, halten wir für sehr gefährlich für die Städte, die sich nicht in ganz hoffnungslosem Dalles befinden. Unsere Stadt ist, obwohl sie auch schwer in allen Fragen der Buchkunst und des Buchgewerbes: sie übernimmt die künstlerisch? Aus-, statdung und Ausgestaltung von Privatdrucken, Familienveröffentli ungn: und ®ig nt> r.ff n » Hebungen. Die Bibliophilie hat also in ihrer modernen Form eine große Bedeutung erlangt, aber sie dient auch wissenschaftlichen und künstlerischen Zwecken.
Das 25. Iubiläumsfest der Weimarer Di- blivPhisen-Gesellschast hatte viele Mitglieder noch Darmstadt geführt, wo sie gemeinsam mit der Gesellschaft .hessischer Bücherfreunde eine Tagung abhielten. Am Samstag fand im Hotel „Zur Traube" ein Degrüßurgsabend statt, auf dem Bürgermeister Müller-Daornstad: eine Begrüßungsansprache hielt, wofür Sebor von Zobel- titz, der Vorsitzende des Weimarer Hauptvereins, dankte. Der beliebte Darmstädter Dialekt- dichter Robert Schneider unterhielt die Gäste mit Dichtungen in Darmstädter Mu.idart.
Der Sonntag begann mit der Hauptversammlung irn Hotel „Zur Traube", dle sehr stark befudyt war. Fedor von Z 0 b e 11 i ö , der Vorsitzende der Weimarer Dibliophilen-Gesellschaft, schilderte die Gründungsgeschichte des Vereins: er erzählte, wie schwer es gehalten hat, einen Verleger für eine geplante bibliophile Zeitschrift zu finden, bis dieser endlich in dem Verlag Del- hagen und Klasing gefunden war. Nach damaliger Sitte wurde ein Kreis von Freunden der Zeitschrift gebildet, aus dem bann der Verein herausgewachsen ist. Das Wachstum übertraf alle Erwartungen, ein Beweis dafür, daß der Kern brr Sache gut war. Außer den großen Bibliotheken schlossen sich, was man nicht erwartet hatte, Ge- lehtte in großer Zahl der Dibliophilen-Gese.lschaft an. Diese ist nicht nach ausländischen VorbilLern organisiert, sie hat nichts Spielerisches und Sportmäßiges, sondern sie dient ernsten Zwecken; wenn sie auch kein rein wissenschaftlicher Verein ist, so will sie doch die Wissenschaft fördern. Nachdem die Schwierigkeiten der Kriegs- und Nach-
?u kämpfen hat, erfreulicherweise noch nicht in so schlimmer Lage, sie sollte deshalb ihre Anleihe- Politik in erster Cime auf die Wiedergewinnung des allgemernen Vertrauens emfielten, weil sie ja keine Steuermaschine hat, die ihr das mangelnde Vertrauen finanziell „ausgleichen" kann. Es muß habet auch dafür gesorgt werden, daß der Vorteil dieser Wieder- hecstoltung ntcht etwa denen zugute kommt, bte jetzt für 80 oder 100 Mk. einen ganzen Arm voll Anleihepapiece erwerben und nach Hause schleppen, sondern denen, die die Anleihen gezeichnet oder zu einem früheren Zeitpunkt erworben haben, als die Papiere noch etwas galten. Zu dem Kiiegs-, Revolutions- und Inflationsgewinnler brauchen wir nicht auch noch den Aufwertungsgewinnler. Mit dem Reservefonds, den die Verwaltung von 140 000 Mk. auf 250 000 Mk. verstärken will, kann freilich dem Anleihedienst nicht viel geholfen werden, denn der Reservefonds wird für manche andere Dinge dran glauben müssen, die man heute noch im Voranschlag vermißt. Es müßten für den Anleihedienst neue Mittel erschlossen werden. Wir möchten niemand schrecken, und wir möchten auch nicht als Räuber angesehen werden, wenn wir in diesem Zusammenhang wieder einmal auf unseren Stadtwald verweisen. Wir glauben, guten Grund zu haben zu der Ansicht, daß dort außer den im Etat angelegten Fällpro- gramm noch mancherlei geschlagen werden könnte, ohne unserem Wald wehe zu tun, den wir natürlich au<b in dem forstlich gebotenen und finanziell für d:e wtadt als Rückgrat nottoertbigen Ausmaß erhalten wissen wollen. Man bedenke nur, daß von einer einigermaßen befriedigenden Regelung dieser Grundfrage ungemein viel für die Zukunft unserer Stadt abhängt, ganz zu schweigen von der moralischen Verpflichtung den Anleihegläubigern gegenüber.
Für die ebenfalls für die-Zukunst bedeutungsvolle Frage der Stadterweiterung finden wir im Voranschlag nur recht bescheidene Mittel eingesetzt. Die finanzielle Einstellung auf eine großzügige Baulanderschließung, die in unserer Stadt doch die conditio sine qua non für eine nur einigermaßen produktive Bautätigkeit überhaupt ist, vermissen wir. Für den Ausbau zweier Straßenzüge sind insgesamt 30 000 Mk. und für Gelandeerwerb zu neuen Straßen oder zur Verbreiterung von älteren Straßen 15 000 Mart vorgesehen. Wir glauben, daß hier ein Punkt ist, von dem das gilt, was wir schon am Samstag schrieben, „daß die Sparsamkeit verschiedentlich wohl zu weit getrieben ist, und die in diesen Titeln vorgesehenen Ansätze kaum inne- zuhalten sein dürften." Hier sollte der Reservefonds schon mal kräftig eingesetzt werden. In dieses Kapitel möchten wir auch die Straßen- bahnfrage ein reihen. Der Oberbürgermeister erklärte in seiner Rede, „in der Angelegenheit der Wiedereröffnung des Betriebes der Straftenbahn möchte die Stadtverwaltung zunächst eine abwartende Haltung einnehmen, bis einige Vorfragen ihre Klärung gefunden haben." Welche Vorfragen das sind und bis wann sie voraussichtlich geklärt sein werden, das dürfte wohl die Generaldebatte zeitigen. Finanziell steht die Sache so, daß im neuen Voranschlag für die Straßenbahn, obwohl sie nicht fährt, ein Zuschuß von 20 000 Mk. vorgesehen ist (für Gleis- und Wageninstandhaltungsarbeiten, für Ruhelöhne, Beiträge zur Derufsgenossenschaft und zur Haftpflichtgemeinschaft deutscher Straßenbahnen), während für die Straßeivbahn vor dem Kriege, als sie doll iin Betrieb war, jährlich (1913 und 1914) auch nur rund 20 000 Mk. zugebattert Warden. In Anbetracht der seitdem gestiegenen Strom- und Materialkosten wird man ja freilich heute beim Fahren der Bahn nicht mit 20 000 Marck Zuschuß herumkommen, man wird vielleicht 30 000 'ober 35 000 Mk. sagen dürfen, auf der anderen Seite hat sich doch^ aber auch jedermann schon jetzt damit vertraut gemacht, daß die Gro- s ch en fahrt der guten alten Zeit angehören wird. Wir meinen, wenn 20 000 Mk. nun einmal zu zahlen sind für eine tote Dahn, oder 30 000 oder 35 000 Mk. für eine lebende, wobei sich aber in letzter Hinsicht höhere Grundpreismögtich- teiten ,auf dec Einnahmenseite ergeben,, dann kann die Entscheidung u. E. nicht schwer sein, zumal wenn man sich schließlich noch vor Augen hält, daß ja die Straßenbahn auch noch ein Instrument einer vorwärtsstrebenden Declehrspolitik sein soll.
Mehrfach ist im Stadtparlament die Erbauung eines Krematoriums oder mindestens eines Verbrennungsofens auf dem Neuen Friedhof gefordert worden. Der neue Voranschlag bringt "hierfür feinen Posten. Die Stadtverwaltung wird vermutlich der Meinung sein — in der Doc- anschlagscede findet sich keine Bemerkung zu diesen Wünsche.: —, daß bei der jetzigen überaus angespannten Geldlage keine Mittel für die De-
kciegsjahre überstanden sind, nimmt die Mitgliederzahl wieder zu. Die Bedeutung der Bibliophil.e erweist sich in ihrem Einfluß auf das moderne Buchgewerbe, auf das Neu aufleben des Antiquariats, sowie auf die Förderung des Dibliothekwesens. — Prof. Höfer eriattete den Jahresbericht für 1923; die Rechnungsnbtege mit ihren Milli.irdenzisfem ist ohne öffentliches Interesse. Einige g plante Veröffentlichungen mußten wegen den Schwierigkeiten dec Geldentwertung zurückgestellt werden. Die Vereinszeitschrift erscheint in diesem Jahre wieder in 6 Heften, u. a. wird eine Biographie von Grimmelshausen und eine Sammlung von We rtheriaden veröffentlicht und als Sonderdrucke E. Th. A. H 0 f s- manns „Goldener Topf" und das Liederbuch der Gräfin zur Lippe, das von Herder unb feiner Gattin geschrieben wurde.
An die Ha^uptversammlung schloß sich eine Besichtigung der hessischen Pressen im Gewerbemuseum an. Aus Darmstadt sind folgende Aussteller: Ecnst-Ludwig>-Presse. Kleukens-Presse und Ratio-Presse. Die Firma Wittich hat einen faksimilierten Druck der ersten Ausgabe von Goethes ..Goetz von Derlichingen" ausgestellt, der von der Vorgängerin dieser Firma gedruckt worden ist. Aus Offenbach sind vertreten die Firmen: Gebrüder Klingspor, Wilhelm Gecstung, Ernst Engel, Dohany, die Technischen Lehranstalten u. a. Nachmittags folgte eine Besichtigung des Schloh- museums und einer Sonde'vusstellung von Kostbarkeiten der Landesbiblio.het im Kai er,aal dieses Museums. Abends fand ein Festessen im Hotel „Zur Traube" statt.
Das Programm der Tagung für Montag lautete: Führung durch Alt-Darmstadt, Ausflug nach Schloß Kranichstein und Empfang durch den Grohherzvg, dem Ehrenvorsihenden der Gesellschaft hessischer Dücherfrcunde. Abends Konzert des Musikvereins im Großen Hause des Hessischen Landestheaters. B.


