Nr. 279 Zweites Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefjen) Mittwoch, 2b. November (92-
Wien, 22. Rov.
(Nachdruck verboten.)
Dom deutschen Verkehrsflugwesen
Dr. Seipel ist an Oesterreich gescheitert, an jenem Oesterreich, von dem schon einst Grillparzer sagte, daß sein Herrscherhaus, die Habsburger, stets nur eine Politik der Halbheit betrieben hätten. Aber diese Veranlagung zur Halbheit in allem und jedenr scheint eine Grundeigenschaft des österreichischen Dolles zu fern Sonst wäre es unmöglich gewesen, daß Dr. Seipel gerade jetzt, im abschließenden Stadium d^Sanie- rungswcrkes, gerade jetzt, da es möglich gewesen wäre, die Kontrolle der- ausländischen Finanz- kreise über den österreichischen Staatshaushalt abzuschüttcln, in seiner Politik auf unüberwindliche Schwierigkeiten, noch dazu innerhalb seiner eigenen Partei, gestofen wäre.
Als in den denkwürdige Tagen des Juni 1922 Dr. Seipel zum Bundeskanzler gewählt wurde, da sammelte er die bürgerlichen Elemente Oesterreichs sozusagen zur letzten Kraftanstrengung gegeii die damals unaufhaltsam scheinende Auf- | (Ölung Oesterreichs. Der neue Bundeskanzler stützte 1 sich aus die Arbeitsgemeinschaft der Christlichsozialen und Großdeut sch e n In seiner Programmrede wies er darauf hin, daß noch selten nach einem Kabinett so lange und so laut gerufen wurde wie nach dem neuen Ministeriums bei den meisten der Rufer werde jedoch der Wunsch ausschlaggebend gewesen sein, den Fahrer der christlich sozialen Partei auf einem verlorenen Posten untergehen z»a sehen. Eine Woche vorher hatte Dr. Seipel feiner Partei ein Aufbauprogramm vorgelegt, das in acht Punkten I Richtlinien für den Wiederaufbau verzeichnete. Doch nun überstürzten sich mit einem Male die | Geschehnisse und die Rotwendigkeit raschen und | bahnbrechenden Handelns d klierte. Die En t - Wertung der Krone nahm unheimliche Ausmaße an. die Rotenpressen arbeitete r mit Voll- dampf, der Staatshaushalt g.ng aus den F g n. Der 12. Ium 1922 wurde zu einem Schicks..lstag erster Ordnung und die Rervosität stieg bis zur Unerträglichkeit. , _
In diesen kritischen Augenblicken verlor Dr. I Seipel nicht den Kopf.« Am 13. Juni wurde zur allgemeinen Überraschung der Grundstein zur neuen Rotcnbank gelegt. Dem erstenSchrttre folgte gleich ein zweiter, um der „Krise der Der- zagtheit und der De.-zweiflung Herr zu wecoen ein umfassendes F i n a n zp ro g ra m m wurde entworfen, und bereits am 21. Juni dem Parlament vorgelegt-, es sah unter anderem auch eine innere Anleihe von 400 Milliarden vor. Diese Akte der Selbsthilfe rissen abe.- die Welt nicht aus ihrer Gleichgültigl.rt. d.e^sa sehnsuch:g erhoffte Hilfe von aute.i kam nicht. Selb t der sehr ernftc Appell an die Londoner Konferenz führte
gleichzeitig mit immer deutlicheren Gerüchten von einem zweiten Goldlande im Süden. Und nun — mit 53 Jahren — tritt Pizarro zum erstenmal als selbständiger Führer einer Unternehmung auf. Im Bunde mit dem durch Kriegsbeute zu leidlichem Wohlstände gelangten Hauptmann A l - magro und dem Priester Luque rüstet er zwei kleine Schiffe aus. um das Dorado im Süden zu suchen Im Rovember 1524 segelt der kühne Abenteurer von Panama ab. Freilich, zunächst war ihm her Erfolg ebensowenig günstig wie seinen zahlreichen Rebenbuhlern. Unverrichteter Sache muhte er nach einigen Wochen um- kehren: indessen halte er genügend sichere Rach- richten eingesammelt, um zwei Jahre später, besser ausgerüstet dank einer von Lugue aufgenommenen Anleihe von 20 000 Duros, das Unternehmen zum zweitenmal zu versuchen, diesmal mit über alles Erwarten reichem (Srfotg.
Ob nun die unglücklichen Opfer der Cvnguu stadoren, die I n c a , damals, 1524, schon etwas von Pizarros Unternehmen, das sie in den Grundlagen ihres Seins bÄ>rohte, vernommen haben? Vielleicht hörten sie von seltsamen weihen Männern im Rorden. Aber der einzelne war ihnen gewiß unbekannt, mehr noch unverständlich in seinem Planen und Wollen. Sicher ahnte in Cuzcv, der Donnenstadt am Titicacasee, noch kein einziger, daß dort von Panama herunter eine winzige Wetterwolke heranzog, aus der allzubald schon ein Blitz hervorbrechen sollte, der eine tausendjährige Zivilisation zerschmetterte. Ein tragischer Gedanke, diese völlige Ahnungslosigkeit eines ganzen Kulturvolkes, unmittelbar vor dem gänzlichen Zusammenbruch. Und doch, wer kann heute wissen, wie die Welt in zwanzig Jahren aussehen wird? Dielleicht ist dann die europäische Zivilisation auch schon einem neuen Wetterstrahl der Weltgeschichte zum Opfer gefallen, der „Untergang des Abendlandes" Tatsache geworden.
nur zu einer Ablehnung Lloyd George fand damals Worte eines beißende,, SarkasmuS über Oesterreich. Dessen Auflösung schien nur mehr ein« Frage von wenigen Tagen Da unternahm Dr. Sechel. politi'ch unlerstühi von den Grohdeutschen, die hie,durch polit,sch ein schwer.S Opfer brachten, seine Fahrten nach Berlin. Prag uab De - r o n a, durch die es ihm gelang, den grohen D ö l k e r b u n. d s k r e d , t für Oeste. reich, allerdings unter schwerwiegend.n Bedingungen, zu sichern. Seit 3. September 1922 blieb die öster- re.chische Krone stabil. DaS Parlament erteilte dem Eanicrungsprogramm Dr. Seipels feine Zustimmung. trotzdem die Sozialdemokraten dem Dundeskanzler damals dreimal Riemals! zuge- rufen hatten.
Don da ab war die Tätigkeit Dr. Seipels und seiner politischen Gefolgschaft der Sicherung des Sanierungswerkes gewidmet. Die Durchführung des Sanierungswerkes war keineswegs leicht. In einer Zeit te: gerissensten
eigene Partei
Hinter den Kulissen des Separatismus in Nheinhessen."
zw ungen. ....
Und nun wird Oesterreich zeigen muffen, dah es auch ohne Seipel im Kanzleramt« zu leben vermag. Dr. Seipel tritt zurück uvd an seine Stelle kommt ein Mann, der niemandem in der breiteren Oeffentlichkeit bekannt ist, «in Ad-
sturgSkraft glatt als
das einzige Verkehrsflugzeug von unbestritten ganzer Weltgeltung
bezeichnen tonn. Die'es Flugzeug erläuterte der Redner sehr eingeh.nd und allgemci i veZtandlxh art Hand vieler Lia. bilder, von den Bauanfänzen in der Forschungsanstalt und im Konstruktions- bureau an auf dem planmäßigen Wege über die verschiedensten Werkstätten der Junckers-Flug- zeugfabrik in Dessau bis zur Dollendung und zum Flug. Bis jetzt [eraicn wir nur Sechssitzer- Flugzeuge (2 Führer. 4 Passagiere), vom nächsten Jahre ab werden aber schon
Zwölfsiher-Iunckersflugzeuge (2 Führer, lOPassa- giere) in Dienst gestellt,
deren Ausmaße bereits starke Dimensionen angenommen haben. Jedoch dem rastlos strebenden Erfindergeist des Prof. Junckers genügen diese Dögel noch nicht, er meint nicht mit üknrecht, daß man auch bei einem Zwölsfiherllugzeug eigentlich noch nicht von einem Verkehrsflugzeug im wahren Sinne des Wortes sprechen könne, weil der wirkliche Derkehr doch größere Be örderungs» mittel verlange. Don dem Zwölfsiyer mit
lers „Wallenstein" mit lebhafter Anteilnahme aufnahm. E.B.
W. St. Reymont.
Der diesjährige literarische Rvbelpreisträger ist der Pole Wla-rslaw Stanislaw Reymont. der ebenso wie sein deia- denter Gegenpol Stanislaw Przybyszewsti im Jahre 1863 geboren ist Schon einmal fiel der literarische Robelpreis nach Polen, und zwar im Jahre 1905 an den 1916 verstorbenen bekannten Romanschriftsteller Henryk Sienli.wicz. Reymont ist auch in Deutschland kern ilnbetonnter mehr Sein in den Jahren 1904 bis 1909 geschriebenes vierteiliges Romanwerk „Die Bauern" erregte auch bei uns in deutscher Ucbertragung (Derlag Eugen Diederichs, Jena» schon vor dem Krieg berechtigtes Aufsehen. Dieser Pole ist ähnllch wie Zola ein durchaus realistischer Schriftsteller, der ferne Themen aus seiner engsten Heimat entnimmt, sie m markiger- Sprache leicht dialektisch färbt wid sie über die charakteristischen Per onen und Schickia le hinaus ins Symbolisch." erhebt Di« oft gelästerte polnische Wirtschaft" erscheint hier m dem Lichte eines Dichters verklärt, in wundervollen Bildern, in erschütternder Klarheit. Als wichige öat» toten der vier Tableaus Herbst. Winter, Frühling, Sommer stellt der Dichter hin: den Menschen, den Raturvorgang, den Sachbesitz, die Außen- be-iiehrrng zum Gemeindeganzen, die Wertsteige- rmta des Lebens im Arbeitsergebnis. So wird jede Jahreszeit ein besonderes Buch dieses Bauernlebeiis. Die überragende Gröhe dieses Buches Die Bauern" hat Reymont nie wieder erreicht "Bekannt geworden ist von ihm hauptsächlich noch „Das gelobte Land", ein Bild des Jndustrielebens in Lod; mit allen Gegensätzen zwi- frhpn Kapital und Arbeit, ferner ein Buch des S^amen und des Grauens „Der Vampir" uni)
Bosnisch« Bauern-Rovellen". Otochdem -<ü> Robel- vreis-Komitee in den beiden letzten Jahren in dem 3ren Beats und dem Spanier Denavente zwei
ausgesp'-wchene Außenseiter ehrte, fiel die Wahl diesesmal wenigstens auf einen schon international anerkannten Mann, dessen literarische Große nicht bestritten werden tonn.
Wetterleuchten der Weltgeschichte.
(Pizarros erster Zug hn Rovember 1524.)
Die Zeit der Conguista, der Eroberung Amerikas durch die Spanier, ist ein wahres Heldenzeitalter. Welches auch die Beweggründe imi einzelnen gewesen sein mögen, Glaubenseifer, Geldgier oder einfache Lust an Abenteuern, eine starke Seele, ein unbeugsamer Wille gehörte zu solchem Unternehmen. Selten war der Mensch so auf sich selbst gestellt wie jene ersten Pioniere der Reuen Welt. Der heimatliche Staat nahm im günstigsten Falle den Gewinn an sich, erschwerte bureaukratisch den kühnen Freibeutern baS Leben unö ließ sie im Stich, wenn sie in höchster Bedrängnis waren. Zu dieser Schar unerschrockener Abenteurer gehörte Francesco Pizarro'.der vor jetzt 400 Jahren ausfuhr, das Gluck zu suchen. Au-r Heiner Adelsfamilie stammend, völlig mittellos, ohne jede Protektion, zieht d-r mehr als ^reistigjährige mit einer ©d)ar Glucksucher hinüber 1510 versuchte er bescheiden als Pflanzer auf Rispaniola sein Glück, gefördert von einem entfernten Detter. Fernan C ort ez der selbst indessen nicht reich war. Aber schon 1513 treffen mir ihn in neuen 2G>erneuern, als Gefährten des unglücklichen Balboa auf dessen berühmtem 3uae über die Landenge von Panama, der die Spanier zum erstenmal an die Gestade der Südsee führte. Zwei Jahre später, nunmehr Hauptmann in Diensten des jetzigen Statthalters von Panama, Pedrarios, hat es Pizarro wieder zu einer kleinen Pflanzung'gebracht: fürwahr, bis hierher ein sehr besch.idener Ehrgriz! 1524 aber verbreitet sich in Panama die Kunde von Cortez' unglaublichen Siegen und unermeßlicher Beute in Mexiko,
Dom Hessischen Landestheater.
Das Hessische Landestheater hat seit ungefähr zehn Jahren Schillers ,,W all e n - stein" nicht mehr aufgeführt, weil es sich aus inneren und äußeren Gründen dieser Aufgabe nicht mehr gewachsen gezeigt bat. Generalintendant Legal hat aber schon wenige Monate nach Beginn seiner Tätigkeit die alte Tradition wieder ausgenommen, wonach iede Spielzeit mindestens eine ..Wallenstein"-Aufführung brachte. Ut vmhl kein Zufall, daß die Darmstädter Aufführung fast gleichzeitig mit der in dem berliner Staatstheater unter I ehner stattfano, denn Legal war zuletzt dort als Regisseur tätig. Im ganzen genommen war die Aufführung in Darmstadt eine Leistung, der man die Anerkennung nicht versagen kann: sie legte Zeugnis ab von vielem Fleiß, der auf Inszenierung und Einstudierung verwandt war. Bis jetzt sind „Wallensteins Lager" und Die Piccolomini hcrausgckommen, von denen das zweite Drama einen geschlosseneren und günstigeren Eindruck bei der^W edergobe hinterließ. Die Inszenierung des Intendanten löste „Wallensteins Lager" säst ganz in Einzelszenen auf und lieh nur hie und da Massenszenen zur Geltung kommen, atfv wesentlich abweichend von der üblichen Art der Aufführung. Das Tempo war im angemeinen bei dem Ablauf der Geschehnisse zu schnell. Aehnlich verlies bei dem Gastmahl der ..Piccolomini" das Szenenbild zu bewegt. Die Aufführung zeigte, daß alle Kunst der Regte nicht den Mangel an guten Darstellern zu verdecken vermochte, an denen das Land^theater zur Zeit leidet, denn mit wenigen Ausnahmen erwiesen sich die Schauspieler ihren Aut gaben als nicht gewachsen. Es ist kemerEensnxrt, da5 bis jetzt in dieser Spielzeit sich das Publikum den Stücken moderner Dichter gegenüber entweder kühl oder ablehnend verhalten hat. dagegen Freytags „Journalisten und L-chtl-
Demagog.e Sparsamkeit zu predigen und namentlich im staatlichen Personaletat durchzuführen, war nicht gerade das beste Rezept zur Dermeh- rung der Popularität. Gleichwohl wurde ein groß- züg ger Abbau durchgefühtt und insb.stonde.>ö auf dem Gebiete der österreichischen Eisen- b a h n v e r w a l t u n g — zuletzt noch unter größten Anstrengungen, wie dies der Cisenbahnstceik der letzten Wochen inerten ließ — das Gleichgewicht im Haushalt erreicht.
Man hätte nun glauben können, daß das österreichische Dolk, insbesondere die Regierungspartei, sich dieses Erfolges freuen und trotz oller Unannehmlichkeiten das einmal angefteuerte Ziel konsequent im Auge behalten würde. Die Grok>- munnssucht jüngerer Politiker in der eigenen Partei aber haben eine schwere Enttäuschung gebracht. Die Politiker in den österreichischen Landstädten wollten sich von Wien aus nicht mehr kommandieren lassen, sie formulierten ihre besonderen Interessen als ein Programm des Föderalismus, obwohl sie wußten, daß gerade die jüngste Tagung des Dölkerbund.'s in Genf einen weitgehenden Abbau der Landesregierungen, unter ülmständen sogar die Zusammenlegung von Bundesländern angeraten hatte. So wurde Dr. Seipel durch seine
~ zum Rücktritt ge-
Der glänzende Verlauf des Gießener Flugtages hat das Jnterefe unserer Bürgerschaft für die Luftfahrt in außerordentlichem Maße verstärkt. Als we-tere Auswirkung dieser Deranflal- tung ist der schon früher verfolgte Plan, in Gießen einen ftänbigen Flugpl a h an« zulegen, damit auch unsere Stadt in das Reh der Luftverkehrslinien ein bezogen würde, jetzt wieder sehr in den Vordergrund der öffentlichen Belance gerückt worden. Wir verraten kein Geheimnis, wenn wir in diesem Zusammenhang bemerken, daß nach dieser Richtung hin bereits Besprechungen mit maßgebenden Siel en stattgefunden haben, daß jedoch die ganze Angelegenheit noch im Stadium der ersten Entwicklung steht, deshalb heute über die Möglich! ilen eines Erfolgs noch nichts gesagt werden kann.
Um zunächst mal der breiten Oeffentlichkeit unserer Stadt ein anschauliches Bild von der gewaltig fortgeschritteren Entwicklung des Der- kehrsslugwe .ns zu geh n, hatte der (Siebener Verein f ü r Luftfahrt auf Montag abend zu einem Vortrag d^ Direktors Greh von der Junckers-Verkehrs-A.-G. in die Reue Aula der ülniversität eingeladen. Daß diese Veranstaltung weiten Bürgert reisen zur Befriedigung ihres Wissensdurstes willkommen war, bewies der sehr starke Besuch des Abends. DirektorGreh hatte fernen Vortrag „Städte und Luftverkehr" genannt, und in diesem weitgespannten Rahmen brachte er eine Fülle des 3nteveffanten aus dem Bereiche der Verkchrsflicgerei. Rachdem er ganz kurz auf den Kriegs lugz.ugtyp Hingewi?sen hatte, lenkte er die Aufmerks amleit seine.- rne.cn Zuhörer gründlich auf das Verkehrs ilug-eag. Leider sind uns auch da noch die hemmenden Schranken
votot aus Salzburg, der einmal das Justizamt leitete und später das Ministerium d^ Innern. Aber hinter ihm steht der Vorsitzende der Cbrist- lichsozialen, der wieder Dr. Seipel heißt, und schon tiefer ilmfianb allein gibt die Dewahr sur Kontinuität und für ein Festhallen <wx den bisherigen Richtlinien .
Die zweite Bürgschaft ist da» Verhalten der Großdeulschcn Auch sie find entschlossen, die Errungenschaften zu bewahren, sie wollen feste Garantien für eine aktive, ernste und wirksame Fortsetzung der Politik, die unter Dr. Seipel begonnen wurde. Sie Haden keineswegs die Absicht, blindlings den neuen Männern zu Gebote zu fleben, ohne sachliche Grundlage den Heber- gang zu vollziehen, als stiege man von einem Schiff in das andere. Sie werden auch sehr genau erforschen, ob die föderalistischen Pläne ins Uferlose gehen, ob tatsächlich die Länder die Absicht haben, den Bund in den Austrag zu schicken, ihn zum Kostgänger zu verprügeln, seinen Organen jede Kompetenz und seiner Finanzwirtschaft den letzten Inhalt wegzunehmen.
Don einem taktisch llugen Derhalten und von einer geschickten Führung der österreichischen Großdeutschen wird in der allernächsten Zeit sehr viel abbängen. Es ist nicht zu leugnen, btfl feit 1922 die österreichischen Großdcutsch.n eine schwer politische Lust zu tvagen hatten. |ie haben ihren hauptsächlichsten Piogrammpunkt, den Anschluß an Deutschland, zurückstellen müssen zuaunffen einer Politik, die u.a. die staatsfinanzielle Kontrolle Oesterreichs durch ehemals feindliche Mächte mit sich brachte und von Oesterreich ein zweites Mal ausdrücklich die Festlegung aus seiner politischen Isolierung verlangte. Es ist richtig, dost die heutige weltpoltr lisch 2 Lage so ist. daß man nicht gegen Paris marschieren könnte, um Herriot zu, Anerkennung des Anschlusses Oestcrr.'ichs an Deutschland zu zwingen. Ebenso richtig ist es aber auch, daß daS Sanierungswert und die durch c8 bedingte Mentalität für die Pflege des großdeutschrn Gedankens nicht gerade fruchtbar waren und daß «r nationale Idealismus in Oester reich ir den letzten Jahren etwas erlahmt ist. Demgegenüber gibt es nur das einzige Heilmittel, das Sanierungswerk mögl'^st Z'afch ;am Abschlliß zu bringen, um eben die Freiheit des Handelns durch den Wegfall der Austandkontiolle möglichst rasch zu erreichen und so wieder den Weg frei zu machen für das Ziel, das alle Ocsterr-eiche. ohne ülnterschied der Partei im innersten ihres Herzens aufs heißeste ersehnen.
Poma»rp. erließ am 7. Februar 1924 eine I \ Rote, die di.- Be chwerden der deutschen Re'^ch.- tegie’rung über die Einmi chung der französischen i Behörden in die separatistische Bewegung und : in deutsche Abwehr zurückweisen sollte, mit den i Dorten: .Te's Kabinett, das peinlich genau i Len Buchstaben des Dertrages beach.et, ist ent- < schlossen wie schon in der Dergangenheit, sich «ich t in d i e Streitigkeiten der Deutschen zu mischen."
Von Adolph Decker ist soeben eine Broschüre „Hinter den Kulissen deS Separatismus in Rhein Hessen" lF. Lehmann Verlag, Frankfurt a. M.) als zweites Heft der „Beiträge zur Geschichte des Separatismus in Rheinhessen" erschienen, die on Hand v n Akten und Dokumenten d r gevunten „Reh ser iMng" PoincareS ins Ge icht ich'ägt und rüähalt os aufdeckt. nicht nur, daß die französischen Behörden sich tatsächlich entgegen dem Dersailler Vertrag in deutsche Ange'.egen'eiten ci-.mischten, sondern daß darüber hinaus die Sep ara - ti st e n bewegu ng. vor ollem die Putschversuche. direkt auf die Jinitiative der französischen Behörden zurückgehen. Es wird der Beweis erbracht, dah sich nicht nur untergeordnete Organe, sondern die Spitzen der französischen militärischen und zivilen Behörden blohgestellt haben und was ba3 Bedeutsamste ist. die große MehrzaHl dieser Männer ist noch! heute unter der neuen Regierung Frankreichs in führenden Stellen der De'."chungsarmoe und der fvanzösischen Regie nng. Das ganze Syüem Fvankreichs im Ersetzten Gebiet ist offengelegt. Reben den Organen der Sicherheits- und Kriminalpolizei erch.-int das Mil'tär selbst, mit General Mordacq in Wiesbaden und General Ma re sch al in Mainz, und der Tirektor Dreaud. Präsident der- fvanzösischen Eisenbahnregie in den besetzten Gebieten; I es fehlt aber auch nicht die nächste Umgebung des faanzöfischen Oberkcmmiisiars bei dec Interalliierten Rheinlandtommifsion, auch nicht der Oberdelegierte für die Provinz Rheinhesten. Oberstleutnant Spirxll. und der Oberst Philipp in Wiesbaden.
Alle die Genannten waren nicht nur Helfershelfer, sondern geistige Anreger des Separatisten- put'ches Sie haben die Separatistenbande r unter ihren Schutz gestellt, mit Geld mug?ftattet, offiziell transportiert, mit Waffen Verse er und zur gleichen Zc.it die deutschen Polizeiorgane wie überhaupt die deutsche Abwehr des Putsches durch Ei.lwaffnung und Gefangensetzung lahmgelegt. Selbstverständlich filjcn diZen!gen, die sich vom fiaazösüchen Gew verfüh en li ßen, auf der 2In- tlagebank. DaS sind Menschen, von denen im Grnnrde loenig zu sagen ist, irregeführte, gestrauchelte Zuhälter und Derbrecher, die heute das Brandmal an der Stirne tragen, in der höchsten Rot des Daterlandes sich beschmutzt zu haben mit dem Schlimmsten und Schwersten, was ein Deutscher- auf sich laden tonn, mit dem Verrat <VA Volk und Vaterland. Mit diesen Bedauernswerten und Verabschmurraswürdigen aber sitzen die Spitzen der französischen Behörden gemein- sam auf der Anllagcbank.
Wir erfahren aus der Broschüre unzweideutig, baß über die H C. I. T. R. alles lief, was mit dem Seporatistenpullch irgendwie in Zusam- menhmg stand. Es wird bewie en, dah zwi chen der P. P R. R. (Parti populär Rhenan = Dbeinllch-Republitoni ch- D lkepart i> un> t>;m Cb r v[ gi rten der Rh ialandk. mmi fio i i. Mar z cud' v r vcm Separatistenpnlch '.eg. -Öertiai?un- acn bestanden. Die französische Eisenbahnrege ei Härte sich bereit, in der Rächt vom 22.- 23. Otobcr 1923 unentgeltlich Triebwagen zum Trans- pon der icparatisti chen Truppen aus der Binger Gegend nach Mainz zu stellet, was auch tat ach- liä' gesch h n ist. Wir erf. h en ferner, daß unter bem Schutze der sranzöfischen 'Behörden Geld- rau b aus öllentlichen Stof "en und aus Roten- druckereien stattfinden durfte, daß f e parat i- stifche Mörder ungestraft blieben, während Der Stadt Mainz für i>ie Ermordung eines Separatisten eine Kontribution von 100 000 Gold- mark auf erlegt wurde Die Polizei und der Sel st- schutz der Unterdrückten und derglei-chen wurden vom sranzölllchen Mllitär verhaftet, bei schlechtester- Teh.mdlung g-fang'n ceetzt, und den , Separatisten, die troi) W-afsenverbots bis an de Zähne bewaffnet waren, der Weg zum Raub
frei gemacht. In den der Broschüre beigegebenen Dokumenten finden wir Satzungsdrotokolle der vorläufigen Regierung der Rh inrepub.il für He sen, deren Progtommpunkte dem Olcr:elegicr- ten der Provinz Rheinhessen, Herrn Oberst Spiral, unterbreitet wurden, erfahren wir. daß Dorten, Smcets. Matthes u. a. sich ständig les Schußes der Franzosen erfreuten, und wie unter Orga i- fation und Leitung der franzölischen Behörden alles zur debernahme der Regierung nach Gelingen des Putsches bis ins SNeinste vorbereitet und organisiert worden war.
Die Knebelung der Presse hat bisher verhindert, daß die c Vorgänge sachlich und unwiderleglich beweiskräftig der Oeffentlichkeit bekannt gegeben werden konnten. Die Wahrheit über die dunkelsten Vorgänge in der deutschen Geschichte seit dem Welttrieg, vor allem die krassen, her restlos bloßgelegten Verstöße der französischen Behörde werden der Welt betoie'en we^d.m Von der Regierung Herriot muß verlangt werden, baß die hier bloßg.'stlllten Persönlichke. e, schnell- stens b c f c i t i g t werden und vor allem aus den führenden Stellungen der sranzösi chen Behörden verschwinden. Die Geschich'e wird einst richten, aber auch die lebende Generation hat gleiches Anrecht darauf, zu erfahren, wo Wahrheit und Lüge, wo Recht und LinieHt und innrer wieder neue Bedrückungs- und Vergewaltigungsversuche vorliegen.
Die österreichifche Krise.
Von unserem Wiener Berichterstatter Dr. Ernst Riesln er.
Städte und Luftverkehr. - Bald Flugzeuge für 12 Personen, später auch Flugzeuge für 80 Personen. — Das fÜegsnde Hotel.
des Versailler Diktats im Wege, sonst wären wir hier schon viel weiter gekommen, denn bei deutsche Erfindergeist und die Fähigkeiten unserer Tech nilcr find bereits weit über die ©ren^e der Entwicklung hinausgeschritten. die uns die Schänd Paragraphen von Versailles für die praktische Detät gung ziehen. An der Spitze aller Luftver- kehrsflugzeug? Deutschlands und Europas, ja der Welt steht heute das Junckers-Ganzmetallflugzeug, welches man hinsichtlich absoluter Verkehrssicherheit und größter Lei-


