Nr. m Zweites Blatt
ImFlugzeug zur britischen Reichsausftellung.
Don A. von Knobelsdorff. Berlin").
VI. Lunapark.
DaS Bild, das ich von Wembley zu geben versucht habe, wäre unvollständig, wenn ich nicht auch den heiteren Rahmen skizzieren würde, tn dem diese Ausstellung geboten wird, wenn ich nicht auch der Heiterkeit und Kraft Erwähnung tun würde, die in dieses bunte Gewebe hin- eingewoben sind. Schon die äußere Anlage in ihrer symmetrischen, übersichtlichen und durch die Verschiedenheit der einzelnen Ausstellungsgebäude und Pavillons so überaus farbenprächtigen Wirkung dürfte für den Ausstellingsfachmann eine Quelle interessantester Anregung sein. Die Ha ipt- gebäude in ihrer edlen und formvollendeten ßi» nienfübrung stellen das letzte Wort der Hallen- fchnetlbau-Techntt dar. Eisenkonftruktionen und Beton wurden hier zum ersten Male in England in weitestgehendem Maye verwandt und selbst, wo leichteres Material angewandt wurde, hat man in durchaus glücklicher Weise Daierndes und Solides vvrzutä ischen verstanden. Das Ausmaß des Fortschrittes in der Hochbautechnik kann man ermessen, wenn man die imposanten Hallen Wembleys in ihrer hervorragenden Formen- gebung und ästhetischen Schmuckwirkung mit dem groben Glaspalast der Londoner Ausstellung des Jahres 1851 vergleicht, der unter dem Damen Christal Palaoe bekarint ist. Dies Gebäude, damals eine Sehenswürdigkeit, zu deren Besichtigung Aeugierige aus aller Herren Länder her- betstromten, wirkt heute veraltet und überh>lt. Am Kristallpalast arbeiteten etwa 2500 Mann während dreier Monate, während an der Aus- füh-rung der Wembleybauten 10 000 Arbeiter anderthalb Jahre beschäftigt waren. Dafür hat auch die Ausstellung in Wembley schon in dem von ihr beanspruchten Terrain eine über 1 Ornat so grohe Ausdehnung als jene berühmte Ausstellung vom Jahre 1851. — Auch der Gartenarchitekt bürfte in den vielgestaltigen Blumen- anlagen Wembleys in den reizvollen Arrangement seiner Rasenflächen und Daumgruppen manche Gelegenheit zu anregendem Studien finden. Durch einen künstlichen See, aus dem ein Fluh in schöngeschwungener Biegung sich um eine 2ns«l schlängelt, durch anmutig geformte Drücken uiid Uebergänge hat man der ganzen Anlage etwas überaus Erfrischendes und Duftiges zu- gefügt.
3n duftigstem Grün liegt auch der Kunsl- palast der Ausstellung, der rnter Leitung des bekannten englischen Kunstkenners Sir 2Ifli>n Webb steht. 3n acht verschiedenen Abteilungen sucht er die GntwicÜung der englischen Malerei und Skulptur, der Kirchen- und Dühnenkunst sowie der verschiedenen Zweige des Kunstge- werbeS zu geben. '
Unb nun hinein in den DergnügungSpark, hoffen Gejauchze bis tn den ernsten TÄl der Ausstellung herübertönt. Für viele Besucher, namentlich soweit sie aus der Provinz kommen, hat dieser Teil der Ausstellung den hauptsächlichsten Reiz. Auch in seinem DergnügungSpark arbeitet Wembley mit Superlativen, und seine .Attraktionen" sollen, wie eS so schon heißt, -Alles bisher Gebotene in den Schatten stellen . Das immerhin recht umfangreiche Gebiet der Dergnügungstochnik scheint jedoch zu sehr abgegrenzt zu sein, ate'baß es möglich wäre etwas wirklich Reu es zu bieten. So geht der Ehrgeiz des Wembley-Lunaparkes mehr auf die Gröhe als auf die Originalität. Da sieht man Berg- und Talbahnen von ungeheuren Dimensionen, eine riesige Sturzbahn von der Länge etwa einer englischen Meile, die sich aus schwindelnder Höhe in steilem Winkel herabstürzt. Für Freunde des nassen Elementes ist eine gigantische Wasserrutschbahn errichtet, deren Anlage die Kleinigkeit von etwa 3 Millionen Goldmark kostete. Meist tritt der Gedanke des Aufregenden und Rervenkitzelnden in den Vordergrund. und, wenn man nach dem Geschrei und Gekreische der Teilnehmer aller dieser Wic- belfahrten urteilt, meist mit vollem Erfolg. Belehrend sucht der Riesenglobus z r wirken, der in einem Durchmesser von 60 Fuß zur Darstellung bringt, dah neben England und seines Angehörigen auch noch einige weitere Rationen auf der Erde leben. Stellenweise geht die Sucht, vom Dergnügungssinn des Menschen zu profitieren, auch in ausgesprochenen Stumpfsinn und Äepperei über. Wahrsager und Gedankenlesen betätigen sich in mysteriösen Gewändern und hinter wallenden Vorhängen, die mit rätselhaften Inschriften versehen sind. Kleinstädtischer Repp,
’) Siehe die Ausführungen in Rr. 155, 157, 162, 166 und 170 des „Gießener Anzeigers".
Der Gefangene.
Von Max Marek -Hindenburg.
Stundenlang stand er an dem fürchterlich tngßn Gitterloch, di, wo das bißchen Licht, das sich hereinstahl, die Dunkelheit der Zelle verdrängte. Dort stand er und starrte hinaus, hoffnungslose Sehnsucht nach Licht, Sonne und Freiheit in den Augen. Aber die gegenüberliegende Mruer fing mitleidlos alle seine Blicke auf: dieser steinerne Vorhang wich und wankte nicht. Dahinter aber lagen Freiheit und Leben, die seine Gedanken unablässig beschäftigten.
Warum war er hier?
Fremdlinge hatten über ihn zu Gericht gesessen, weil er seinem bedrängten Vaterlande die Treue gehalten und es gegen übermächtige Feinde verteidigt hatte. Ihre spitzen Worte stachen noch jetzt wie Radeln in seinem Herzen.
Wenn Treue gegen die Heimat in den Augen seiner Richter ein Verbrechen war, — was war dann das, was die Feinde an Deutschland und in ihm taten? Gerechtigkeit, wo bist du? schrie rs in ihm.
Doch es war fruchtlos, über diese Fragen zu grübeln, eine Antwort wurde ihm doch nicht.
Er sah nun einmal hier in diesen kalten Mauern mit seiner heihen Sehnsucht, Und zwecklos war es, sich in sehnsüchtigen Träumen zu verzehren. — Rein, er durfte nicht so viel denken. Nicht denken! Weg vom Fenster!
Er wandte sich entschlossen ab und begann in ter engen Zelle auf und ab zu gehen, vom Fenster zu der schweren Tür, von der Tür wieder zum Fenster, immer genau denselben Weg nehmend,
Etetzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Samstag, 26. Juli 1924
der in diesen würdigen Rahmen nicht hinein- gehvrt. Der Tanz kommt in einem riesigen Tanzpalast. auf dessen Parkett sich mehrere Tausend Paare zu gleicher Zeit drehen können, zu seinem Recht. Den größten Reiz bietet der Vergnügungspark natürlich am Abend, wenn Tausende bunter Lichter die Alleen einsäumen und wenn die vielen kleinen ©toben, die die Umhüllung der Beleuchtungskörper abgeben, in farbigem Lichte erstrahlen. Bu nter leuchtete Gondeln gleiten auf dem Fluß und See dahin, und die Klänge einschmeichelnder Musik lassen den Besucher vergessen, daß er sich in unmittelbarer Rähe eurer nüchtern denkenden Riesenstadt befindet. Ein Märchen aus Tausendundeiner Rächt scheint lebendig geworden zu sein. Dann brennt auch der bekannte englische Feuerwerker Hames Pain seine berühmten Feuerwerke ab und zaubert die Embleme Englands und seiner Kolonien in freurigen Bildern an den dunklen Abendhimmel. 3n den Restaurants, die sich alle in den Händen der bekannten Tee» firma Lyons befinden, herrscht bann Hochbetrieb. Bei einer durchschnittlichen Besucherzahl von 200- bis 300 000 Personen am Tage mag es die Hausfrau interessieren, wie die/Regelung der Versorgung dieser Zuschau^rrnassen durchgeführt wurde. Etwa 35 Restaurants, die einer Gästezahl von 25 000 Personen gleichzeitig Sitzgelegenheit bieten, sind über das Gelände verstreut. Vorn eleganten Lucullus-Restaurant mit dem Menu ä la granb. carte bis zum kleinen unscheinbaren Cafe Une große Spanne in der Ausstattung und Preislage. Ein Stab von 7000 Angestellten ist dauernd beschäftigt, die Befriedigung der leiblichen Bedürfnisse der Besucher zu regeln. 75 tons Fleisch, 260 tons Brot und Kuch^i, etwa 50 tons Kartoffeln und 6 tons Tee werden in einer Woche verbraucht, dazu ungeheure Mengen von frischen Früchten und ein ganzer Ozean von Mineralwasser. Eine besondere Eisenbahnlinie stellt Eten Milchtransport für die Restaurants sicher. Hunderttausend Kubikfuß Gas werden in der Stunde verbraucht, um die Brat- Vanb Hochofen im Gange zu halten. He nach der ißage der Gaststätten, die sich dem Charakter des Gebietes, in dem sie liegen, aus das Engste anzupassen suchen, kann man auch Spezialgerichte der verschiedenen Länder genießen. So kann man sein Frühstück in Canada einnehmen, in Hndien -tu Mittag essen, in Ceylon echten einheimischen Tee trinken und in Hongkong ein Originalgericht des Landes m 2ll»end essen.
Dem englischen Charakter entsprechend, übt natürlich auch der Sport einen großen Reiz auf die Besucher aus. Zu seiner Ehre ist das «Stadion geschaffen worden, das in seiner massigen und imposanten Ausführung das ganze Gelände beherrscht. Es ist der zur Zeit größte Sportplatz der Welt. Heber 100 000 Personen können mühelos den Darbietungen seiner weiten Arena folgen. 900 Fuß lang und 690 Fuh breit wurde es in 18 Monaten unter Verwendung von vielen Hunderten tons stählerner Träger aus Beton errichtet.
Auch hier ist die Organisation mustergültig, indem die verschiedenen Blocks, in die die unge- heruve Anlage geteilt ist, eigene Zugangstreppen haben, so k^ß ein Gedränge selbst bei Massenbesuch ausgeschlossen ist. Hier fand die feierliche Einweihung der Ausstellung statt und hier werden in mehrwöchentlichen Abständen besondere Veranstaltungen, Fußballwettkämpfe, Massenaufzüge, Monst^kvnzerte usw. gegeben. Vom 20. Hüll bis 30. August findet eine besonders prächtige Schau statt, die unter Beteiligung von Heer und Marin« die Entwicklung des Gmpiregedankens von seinen ersten Anfängen bis auf unsere Zeit zeigt. i
Die Lehre der Wemblehausstellung ist für den Deutschen recht vielseitig. Reben dem Studium ihrer großzügigen Organisation und wundervoll geschickten Propaganda ermöglicht sie einen Einblick in die kulturelle Werbearbeit Englands, die sich in wirtschaftlichem Rahmen, aber mit politischen Hintergedanken vollzieht. Diesem nationalen Werbegedanken haben sich Hndustrie und Technik unter Hintan- stellung ihres eigenen Vorteils untergeordnet. Die innige Zusammenarbeit zwischen der Regierung und den verschiedenen Spitzenverbänden der Hndustrie zeugt von einem feinen Verständnis für die Lösung des schwierigen Problemes auf beiden Seiten. Daneben gibt Wembley natürlich ein anschauliches Bild von der Leistungsfähigkeit der heutigen englischen Hndustrie sowie den Beweis einer zuneymenven Hndustrialisierung der englischen Dominions, der wir unsere Aufmerksamkeit schenken müssen. Endlich aber ist diese Ausstellung, die infolge der Originalität ihres Gedankens einen Markstein in der Ausstellungsgeschichte darstellt, für den Deutschen ein schmerzliches Denkmal dessen, was wir in unseren Kolonien verloren haben, Wembley ist daher eine stumme Mahnung für uns Deutsche, nichts unversucht zu lassen, um die uns geraubten Kolo-
immer dieselbe Wendung an derselben Stelle; wenn er umkehren mußte, wobei er stets die gleiche Stelle der Mauer streifte. Den Kopf gesenkt und die Augen zu Boden geheftet, marschierte er ruhelos auf und ab, stundenlang. Träge schlichen die Stunden. Die gleichmäßige Bewegung und das eintönige Geräusch seiner Schritte wirkten beruhigend auf ihn und besänftigten seine unruhig wogenden Gedanken. Mit einem Mil« befiel ihn die dunkle Empfindung, er erlebe dies alles nicht mehr zum ersten Male. Hatte er Gleiches nicht schon früher mal erlebt? — Er suchte in der Erinnerung; seine Gedingen nahmen, froh, der Gefangenschaft entrinnen zu können, die aufgespürte Fährte auf und verfolgten sie weit, — bis ins sonnige Land der Kindheit. Sie waren flinke Hagdhunde und schossen durch die wallenden Rebel der Vergangenheit unermüdlich hin und her, das Wild suchend —, auf einmal rissen die Rebel und er erinnerte sich eines längst vergessenen Erlebnisses.
Er stand vor einem Raubtierkäfig, in dem ein Löwe auf und abging. Stets denselben Weg hin, denselben Weg zurück; immer an derselben Stelle machte er kehrt, dabei mit seinem gelben Fell stets dieselbe Eisenstange streifend. Das Tier lieh den Kopf schwermütig hängen und in feinen Augen war ein Ausdruck rettungslosen Schmerzes. Die vor seinem Käsig sich drängenden und schwatzenden Menschen beachtete es gar nicht, unbeirrt letzt es seinen Weg fort. Das Bild des schwermütigen Löwen hatte ihn damals tief ergriffen ; und so oft er sich später seiner erinnerte, befiel ihn eine entsetzliche Bangigkeit, ohne daß er wußte, warum. Vielleicht war ihm damals schon eine Ahnung von den Qualen eines Gefange-
nien wiederzuerlangen, um uns, das 60-Mil- livnenoolk mit hochentwickelter Hndustrie. wieder tn den Stand zu setzen, arbeiten und schäften za können, ohne von der Gnade anderer Völler abhängig zu fein. So bildet diese große eng
lische Ausstellung mit der scharf betonten nationalen Hdee weit über ihren eigentlichen Rahmen hinaus für uns Deutsche die Rutzanwendung eines Gedankens, ber für uns der Inbegriff künftigen nationalen Strebens fein muß.
Landwirtschaft und Gartenbau.
Wie man Schweine hatten soll.
Wenn man nicht selbst die Zucht von Schweinen betreiben will, lasse man beim Ankauf solcher Tiere, die man lediglich zur Mast haben will, die größte Vorsicht walten, denn es ist sehr leicht möglich, dah durch Schweine Seuchen eingeschleppt werden. Das ist besonoers da der Fall, wo der Hausierhandel mit Schweinen blüht.
Vielfach wird auch beim Ankauf von Masttieren zu wenig Wert auf die Rasse gelegt. Man findet oft, dah jemand, der schöne fette Schweine züchten will, sich grobe veredelte Landschweine im Alter von 3—4 Monaten kauft und dann sofort intensiv mit ber Mästung beginnt. Dies ist grundfalsch, denn Schweine, die derartig behandelt werden, „verwachsen" einen großen Teil dcs Mastfutters und nehmen infolgedessen nicht zu. Der Mäster wird also nicht nur ein sehr schlechtes Geschäft machen, sondern auch noch den Aerger obendrein haben. Hat er grobveredelte Land- schweine im Alter von 3—4 Monaten gekauft, so muh er sie erst noch einige Monate mit selbst gezogenem Futter, dem er ein wenig Kraftfutter beigibt, billig ernähren und sie dann im Alter von 8—9 Monaten zur Mast stellen. Er wird bann am Resultat der Mästung seine wahre Freude haben, denn das so behandelte Schwein wird ihm einen großen Reingewinn bringen.
Wir leben augenblicklich Im schönsten Sommer, und da darf der Züchter nicht versäumen, auch die wohltuende Wärme den Schweinen zugute kommen zu lassen. Auherdem soll man ihnen nach Möglichkeit viel Bewegung im Freien gewähren, denn eine ständige StUlhaltung schädigt die Gesundheit und die günstige Entwicklung aller Haas- tiere. Dazu kommt, dah gerade die Ställe der Schweine in hygienischer Dezielm ng sehr oft viel zu wünschen übrig lassen, so daß den Tieren dadurch das Leben zur Qaal gemacht wird. Man denke nur an die kleinen dunklen Ställe ohne Fenster und ohne genügenden Haucheabfluh, die oft wochenlang nicht ausgemistet werden, weil manche Schweinehalter törichterwci e glauben, das Schwein fühle sich im Mist und Dreck am wamsten. Wenn die Tiere in derartig gehaltenen Löchern von Seuchen befallen toerben, ober gar eingehen, so ist daS nicht verwunderlich. Ein Schweinestall soll seinen Bewohnern ein reinllches Lager, frische, gesunde, nicht feuchtwarme Luft und 'Licht gewahren. Ohne diese elementarsten Grundbedingungen ist eine gedeihliche Zucht und Mästung nicht durchführbar.
Es empfiehlt sich, außer regelmäßigem Weide- gang, der am besten mit dem Ende ber Kleeernte beginnt und zur Zeit der Kartoffelernte aufhört, die Schweine auch manchmal baden zu lassen. Heber Schweinehof sollte, toeim irgend möglich, über fließendes Wasser verfügen. Ein kühles Bad ist den Schweinen im Sommer sehr vorteilhaft. Darum: Laßt eure Schweine haben und führt sie auf die Weide (Rotklee)! G. Br.
t
Einiges über die giegenhaltung.
Erstes Erfordernis bei bet Ziegenhaltung ist unbedingte Sauberkeit. Rachlässigkeiten hierin rächen sich immer. Der Stall muß morgens und abends durchgelüftet weiden, auf tägliche Beseitigung des Dunges ist streng zu achten, besonders muß dies der Fall sein, wenn man einen Dock hält. Der Stall darf nicht feucht sein, auch ist es notig, dah nur trockene Streu gegeben wird. Wasser benötigen die Ziegen nicht viel, dafür aber muß es besonders klar und rein sein. Bei Stallfütterung gibt man trockenes Laub, Heu. Stroh und Wurzelwerk. Kleefütterung verbessert den Gehalt der Milch. Hm Winter kann man auch einen Drei aus gekochten Kartoftelschalen und aus ganzen Kartoffeln mitverfüttern. Dor allen Dingen aber muß das Futter, das man den Ziegen verabreicht, sauber sein. Dasselbe gilt von den Gefäßen und Trogen. Wo man es möglich machen kann, läßt man die Ziegen im Sommer weiden. Man vergesse auch nicht,, den Tieren Gelegenheit zum Salzlecken zu geben! Die Paarung findet am besten im Herbst statt, damit den Hungen im Frühling geboren werden, wenn die Weide offen ist. An die Zicklein verweide man besondere Sorgfalt. Man entwöhne sie möglichst früh!
Hm Verhältnis zu den geringen Kosten ist ber Ruhen der Ziege sehr groß. Besondere Vorteile getoäßrt die Milch, deren Wert als Hellmittel für Lungenkranke und Genesende seit langem anerkannt ist. Beim Melken ist wieder öauberfeit das Haupterfordernis. Hat die Mllch einen tra
nigen Geschmack, so liegt das meistenteils an irgendeiner schlechten Eigenschaft des Futters. Ziegenbutter und Ziegenkäse bereitet man in der üblichen Welse, ßämmerbraten wird von vielen als Delikatesse betrachtet. Man lasse aber die Ziegen, die man zu schlachten beabsichtigt, nicht zu alt werden, da es die Güte des Bratens sehr in Frage stellt. Es empfiehlt sich, die Ziegen ein» bis zweimal im Hahre scheren zu lassen.
Iugstränge und Stricke.
Um Zugstränge und Stricke recht^ haltbar zu machen, wird ein recht bewährtes Mittel empfohlen, das ihnen eine weit größere Haltbarkeit bei gleicher Hnanspruchnahme verschafft. Sobald man neue Stricke und Zugstränge gekauft hat, soll man sie vor ihrer Denuhung ungefähr 20 Stunden lang in eine recht starke Alaunlösung legen, worauf» man sie langsam an einer schattigen Stelle, wie dem Bodenraum, trocken werden süßt. Wenn das geschehen, werden sie mehrmals gründlich mit Schachtschem Pixolöl so lange behandelt, bis sie gründlich durchtränkt sind, das hat sich besser als Firnis bewährt. Es empfiehlt sich auch späterhin, wenn die Stränge schon in Gebrauch genommen worden sind, sie hier und da wieder einmal mit Pixolöl zu durchtränken oder damit einzureiben, das verlängert nur ihre Haltbarkeit und macht sie widerstandsfähiger. Hn dieser Weise behandelte Seilerwaren halten sich drei- bis viermal länger als andere, nicht behandelte, wobei noch erheblich gespart werden kann, denn das öftere Anschaffen von neuen Stricken und Strängen kostet Geld, viel Geld. Ws.
Schasbockauklionen.
Der ßandwirtschaftskammer-Ausschuß für Ober Hessen veranstaltet in diesem Hahre 2 Schaf- bvckauktion en. Hn ß i ch kommen Montag, 28. Hu l i, im Anschluß an die um 93/t Uhr beginnende Bullenauktion gegen 11 Uhr 25 Hähr- lingsböcke der Fürstl. Stammschäferei und 4ßamm° bocke von ßang-Göns zur Versteigerung. Die ßammböde aus den Stammherden Götzen und Dobenhausen, sowie 5 Docklämmer aus Engelrod, im ganzen 30 Stück, kommen am Freitag, 1. August, vorm. 11 Uhr, in Götzen zum Verkauf. Zu den Auktionen werden nur in das Herdbuch aufgenommene Böcke des veredelten ober« hessischen ßandschafes. dessen besondere Vorzüge in seiner Frvhwüchslchkeit und Fleischleistung, sowie seiner Widerstands- und Marschfähigkeit bei befriedigenden Wollerträgen liegen, zugelaften. Bei der Güte des zum Verkauf kommenden Materials, das besonders ausgesucht ist, ist zu erwarten, daß sich die Versteigerungen eines regen Zuspruchs erfreuen werden. Man beachte die heutige Anzeige.
gettgemähe Arbeiten im Garten.
Spinat für den Herbst- und Winterbedarf wird Ende Huli bis Mitte August auf abgetragenes Erbsen- oder Frühkartoffelland gesät. Um guten Spinat zu ernten, soll man bei dieser Aussaat mit dem Samen sparsam, mit dem Dünger um so verschwenderischer sein, d. h. vorher reichlich düngen und dann dünn säen. Zu dichte Saat mißlingt und wintert aus. Wem die Arbeit nicht zu umständlich ist, sollte nach chinesischem Muster den Spinatsamen vor der Aussaat in Hauche einweichen. Es wird behauptet, daß Pflanzen von derart behandelten Samen einen Vorsprung vor anderen hätten. Als die besten Sorten für Herbstsaat werden allgemein Diuoflah und Riesen-Eskimo empfohlen. Beide haben große, volle, dicke Blätter, die große, dem Boden anliegende Rosetten bilden. Man erntet sie meist durch Ausstechen der ganzen Pflanze. Von erfahrenen Gemüsegärtnern wird häufig auch noch der spitzsamige, spitzblättrige Spinat bevorzugt, weil er nicht nur vollkommen winterhart ist, sondern auch deshalb, well man ihn drei- «bis viermal schneiden kann und er dabei immer wieder nachwächst.
Fragekaften.
Frage 37: Meine Schlingrose Crimson Rambler wird jedes Hahr um Hohanni herum vom Mehltau befallen, der die jungen Triebe dicht mit weißem Puder überzieht, so daß Blüten und Blätter verkümmern. Diese Krankheit geht später auch auf Weinstöcke über, deren Trauben mit einem grauen Ueberzug behaftet, unreif aufplatzen
nen gekommen. Von den Qualen, die er jetzt durchlebte. Richt denken! — Er durfte nicht schwermütig werden! Er teilte nurr das allgemeine Schicksal Deutschlands. Der deutsche ßöwe lag in unwürdigen Banden. Und doch war er seinen Feinden immer noch furchtbar und die Ursache schlafloser Angst. —
Wann kommt die Stunde der Freiheit für Deutschland, für ihn? Wird sie überhaupt kommen? Und wird er sie noch erleben?
Gr blieb vor dem Gitterfenster stehen. Wenn er wieder die Sonne und den Himmel sehen ßjnnte, dann wollte er daran glauben. Dann wollte er glauben, daß es noch einen Himmel gebe, der sein Flehen erhören konnte! — Gott, wenn du bist, so zeige dich mir jetzt! Er rüttelte an den Eisenstangen und preßte den Kopf gegen das kalte Eisen. Richts. Kein Stück des Himmels war zu erhaschen. Auch kein freundlicher Sonnenblick. Rur wenn er die Hand durch die Eisenstangen hinaus- firedte, dann fühlte er die auf sie fallenden Sonnenstrahlen wie eine warme ßiebkosung. Hinein zu ihm konnten sie mcht, die Mauern »wehrten es chnen.
Hch muß verzweifeln, dachte er hoffnungslos und wandte sich vom Fenster ab, um seine Wanderung erneut auf zu nehmen. Da blickte ihm aus einer Ecke der Zelle etwas Helles entgegen. Es leuchtete tröstend, und als er sich Idanach bückte, hielt er einen Spiegelscherben in der Hand. Wie war der hierher gekommen und was konnte er mit ihm anfangen ? — Er versank in nachdenkliche Betrachtungen — da riß ihn der Gedanke hoch: Hatte er sich nicht eben gewünscht, einmal die Sonne und den Himmel zu sehen, um nicht verzweifeln zu müssen? Und da kam dieser armselige Spiegel»
scherben und sprach zu ihm: Du brauchst nicht zu verzweifeln. Es gibt einen Gott und er hort dich. — Ergriffen hielt er einen Augenblick still. Als er dann die Hand mit dem Scherben durch das Gitter hinausstreckte, da jubelte es in ihm hell auf: Wahrhaftig, er sah den Himmel! Tröstend blinkte er ihm aus dem Spiegel entgegen, so blau wie er ihn stets in seinen Träumen ge- Mten hatte. Hetzt konnte er auch ein paar «liebe Sonnenstrahlen einfangen und in seiner Zelle herumtanzen lassen. Wie wunderbar ist alles! dachte er. Früher hätte er sich nach dem oertlofen Scherben gar nicht gebückt; jetzt barg er einen unschätzbaren Wert für ihn. Er war ihm ein sichtbares Zeichen Gottes, ein Talisman, dem er vertrauen durfte.
Rein, jetzt würde er nicht mehr verzweifeln. Er hatte Glauben und Hoffnung wiedergefunden. Der Spiegelscherben hatte Sonne in seine Zelle gebracht und alle Finsternis verscheucht. Er begriff, was ihm der Spiegel zeigen wollte: Draußen war Sonne und blauer Himmel und Frühling. Da war fein Heimatdorf, das aus frischem Maiengrün und verschwenderischer Dlütenpracht hervorlugte. 2Nle Kräfte der Ratur, die der kalte Winter lahm gelegt, regten sich — Auch im Volke muß es einst Frühling werden! Schon waren viele Kräfte am Werk; deutsche Männer feilten in der Stille an den Ketten, die auf Deutschland lagen, älnd er wußte es: Die Saat, die sie im Volke säen, wird aufgehen. Dann aber wird die Zeit der Ernte kommen, die schweren Ketten werden dumpf grollend abfallen und er wird als freier Mann zu freien deutschen Brüdern treten.


