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'Sei der ^Beratung der Anträge des Aecyrs- ousschufies erklärt

der daher. Bevollmächtigte v. Preger zu dem Gesetzentwurf auf Einführung des Wieder­aufnahmeverfahrens für die Entscheidungen der Dollsgerichte, nach Ansicht der bayrischenRe­gierung sei das Reich in dieser Fraoe nicht zuständig. Die Annahme eines solchen Ge­setzes würde eine Verfassungsänderung bedeuten. Die bayrische Regierung würde jedoch auch ein verfassungsmäßig zustande gekommenes Reichsgesey dieser Art als einen schweren Ein­griff in ihre Iustizhohett ansehen. Die Aufrecht­erhaltung der Ausnahmeverordnung in Bayern sei notwendig wegen der kommunistischen Aus­schreitungen und wegen des Verhaltens der mit kommunistischen Elementen stark durchsetzten Rechtsradikalen.

ihn Mitternacht wird ein Vertagungsantrag abgelehnt.

Abg. Frick (Nat.-Gvz.) bekämpft unter lau­tem Protest der Linken den Antrag des Rechts­ausschusses, der nur die Defteiung des Landes­verräters Fechenbach bezwecke.

Abg. Dr. Pfleger (Bayer.Vpt.) wendet sich gleichfalls gegen die Anträge des Rechts­ausschusses, die einen ganz unerträglichen Ein­griff in die bayerische Iustizhohett darstellen wür­den.

Abg. Kube (Nab-Scy.) beantragt die Auf­hebung des Verbotes nicht nur politischer Par­teien, sondern aller nationalen Verbände und Ver­einigungen. Diese Verbote seien um so weniger berechtigt, als dasReichsbanner Schwarz-Rot- Gold" unter dem Protektorat des Reichspräsi­denten in aller Oeftentlichkeit militärische Klebun­gen abhalte.

Am 1 Ahr nachts bezweifelt Abg. Schulz- Dromberg (Dn.) mit Erfolg die Beschlußfähig­keit des nur noch schwach besetzten Hauses. Aus dem besetzten Gebiet.

Die schwarze Landplage.

H ö ch st a. M., 25. Hulu (Wolff.) Nachdem be­reits vor kurzer Zeit über ein Sittlichkeitsver­brechen an einem Deutschen berichtet wurde, er­eigneten sich in den letzten zwei Lagen wiederum zwei Aeberfälle. Im ersten Falle wurde ein Arbeiter gestern gegen 8 Ahr abends im Stadt» innern von einem Marokkaner angefallen und nach seinem Paß gefragt. Als der Marokkaner den Pah eingesehen hatte, erklärte er, daß der Paß nicht in Ordnung sei und der Arbeiter mit ihm zu einem Offizier gehen müsse. Auf dem Wege zum Güterbahnhof nahm dann der Marokkaner dem Arbeiter eine silberne Ahr mit Kette undll Mark ab. Darauf bedrohte der Marokkaner den Arbeiter mit dem Sei­tengewehr und nahm dann an ihm e i n schweres Sittlichkerlsverbrechen vor.

Im zweit/n Fall wurde ein Bauer aus Sind­lingen an der Kelsterbacher Fahre von einem Marokkaner überfallen und mit einem Dolch erheblich verletzt. Dem Aeberfalle- nen gelang es jedoch noch rechtzeitig zu ent­kommen.

Ein unerhörtes Urteil.

Dor dem französischen Kriegsge­richt Zn Landau hatte sich der Schüler der Oberrealschule in Ludwigshafen K e t t e l e r wegen Beteiligung an dem Anschlag auf den Separatistenführer Gumbinger zu verantworten. Während des passiven Widerstan­des hatte Gumbinger, der wegen Verfehlun­gen seines Amtes als zweiter Bürgermeister enth.oben worden war, eine Anzahl seiner Mitbürger bei der ftanzösischen Besatzungsmacht detzunziert und deren Ausweisung veran­laßt. Auch wahrend der Separatistenherrschaft hat er kie Anwohnerschaft auf das fürchter­lichste terrorisiert, so daß drer noch nicht ermittelte Täter die Gemeinde von rhm dadurch zu befreien versuchten, daß sie ihn darch Re- vvlvöischüsse niederstreckten. Gumbinger ist in­zwischen vollkommen wieder hergesle^lt. Ob­gleich es sich um einen Anschlag deutscher Staatsbürger auf einen deutschen Staatsbür­ger handelt, also um die alleinige Zuständig­keit der d e u t s che n Justiz, verhafteten die. Fran- zosen den Oberrealschüler Ketteler, weil er im Desiheeiner Patrone war. Trotzdem jeder weitere Beweis seiner Mittäterschaft fehlte, verurteilte ihn das französische Kriegsgericht zu fünf Jahren Zwangsarbeit.

Die ßase in Brasilien.

London, 26. Juli. WieReuter" aus Buenos Aires erfährt, besteht der Eindruck, daß die Bundes truppen, die Sao Paolo belagern, einen sostarkenWiderstand vorfinden daß die Einnahme der Stadt in die Ferne gerückt erscheint. Der Kampf habe die Gestalt eines Schützengrabenkrieges ang-nommen. D.e Regierungstruppen sollen den Kampf im Hinblick auf die gute Verschanzung der Aufständischen nicht angenommen haben.

Der Alle auf Tspper.

Roman von Hanns von Zvbeltih.

26. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Da kommt eine Karosse angefahren, ein wah­res Glashaus, mit einem Lakai neben dem Kut­scher unb einem andern hintenauf, und drin sitzt, undeutlich zu erkennen, eine einzelne Frauensper­son. Die nruh wohl aber sonderlich schar, e Augen haben, denn plötzlich Pocht sie heftig an die Glas­scheibe. Die Karosse hätt, der Lakai herunter und an den Schlag, fragt etwas in den Wagen hinein. Die Frauensperson aber springt an ihn vorbei, mitten in den Schnee und ruft mit Lachen:Helf mir der Himmel! Ist das nicht der Top Pers che Kaspar?" And hat ihn auch schon, mitten im Schnee, der unbarmherzig auf ihren Lockenbau fällt, beim Wickel, küß' ihn rechts nnb links und drängt ihn in den Hausflur:Perbleu! Ist wirk- lia> oer Kaspar! Junge, wo dommg bu her?"

Lottchen . . . das Leichholzer Lottchen Lvttchen Lasvw

Das war wahrhaftig Hilfe in der Not, und also erschien Lottchen dem Junker gleich einem leibhaftigen Engel, in ihrem lichten Seidenkleide, mit dem schmalen Pelzkragen über dem Nacken, zierlich wie ein Püppchen. Kam auch ungeniert mit in die dumpfige Wirtsstube, streckte die win­zigen Miße gegen den alten Kachelofen, daß die Schleppe nur so um die runden Waden raschelte, und fragte unb fragte. Ein Mühlrad war nichts oeaen daS Plappermäulchen.

Fragte und half. »Der Därbeiß! Die alte Vertrocknete Exzellenz! Wart' nur, Kaspar, bei

Die Einladung an Deutschland.

Für Mitte nächste Woche beschlossen.

Paris, 25. Juli. Havas meldet aus Lon­don: Die fünf Delegationsführer haben heute vor­mittag von 10 bis 12 Ahr im Foreign Office unter dem Vorsitz des englischen Premier­ministers in gewohnter Weise beraten. Da der französische Finanzminister Clementel den ganzen Tag über von London ferngehalten ist, hat die französische Delegation verlangt, daß die Sitzung der ersten Kommission (Verfehlungen und Sanktionen) und die dritte Plenarsitzung der Konferenz, die beide heute stattfinden sollten, vertagt würden. Da das Wochenende keine Ver­handlungen zuläßt, ist beschlossen worden, die nächste Zusammenkunft der Delegationsführer auf Montag vormittag 10 Ahr anzusetzen. Die erste Kommission wird ebenfalls am Montagvormittag eine Sitzung abhalten. Darauf wird am Montag nachmittag 4 Ahr die Konferenz zu einer Plenarsitzung zusammentreten. Der aus einem französischen und einem englischen Rechts- sachverständigen zusammengesetzte Ausschuß (Fro- magoot und Sir Cecil Hurst), der ein Gutachten über die Hinzuziehung deutscher Vertreter er­statten soll, hat festgestellt,

daß die Deutschen berufen werden und zu gewissen Modalitäten der Durchführung des Sachverständigenplanes Stellung nehmen mühten. Dem Entwurf ist im Prinzip zuge- stimmt worden, und es ist beschlossen worden, die deutschen Vertreter zur Londoner Konfe­renz einzuladen.

Die Einladung wird später, wenn die Konfe- renzarbeiten genügend fortgeschritten sind, um den Zeitpunkt der Hinzuziehung zu besttmmen, offiziell nach Berlin übermittelt werden. Der Ausschuß der Rechtssachverständigen wird durch Beiordnung eines englischen Vertreters na­mens Bourquin, eines italienischen Pilottr unb eines amerika Nischen Fraser vervoll­ständigt werden. Der Berichterstatter weist darauf hin, daß die Sicherheit der Besatzungstruppen im­mer noch zu den schwebenden Fragen gehört. Die zweite Kommission (Freigabe der Pfänder) habe bekanntlich einen einstimmig angenommenen Bericht eingebracht, aber in diesem seien die Fragen der Eisenbahnverbindungen wegen der Meinungsverschiedenheiten zwischen den Sachverständigen in diesem Punkte zurückgestellt worden. Der französische Sachverständige Leverve sei für die Beibehaltung der 5000 französischen unb belgischen Eisenbahner auf den strategischen (Streeten, wie dies von den beiden Regierungen verlangt werde, dcuntt jedem Sa­botageversuch vorgebeugt sei. Der englische Sachverständige Acwvrth fei genau der ent­gegengesetzten Ansicht. In letzter In­stanz werden also die Bevollmächtigten dieses Problem zu regeln haben.

Das Orakel der Juristen.

Paris, 26. Juli. Wie der Sonderbericht- erstatter des'Mattn" nritteißt, haben 6te Ju­risten, die beauftragt sind, die Frage der Be­teiligung deutscher Delegierter an der Londoner Konferenz zu prüfen, die zur Debatte stehenden Fragen in drei Kategorien erngeteilt:

1. Fragen, die nur die Alliierten inter­essieren.

2. Fragen, die aus dem normalen Rahmen der Angelegenheit herausgelöst werden kön­

nen und über die die deutsche Regierung mit der Repko verhandeln soll.

3. Fragen, über die zwischen der deutscher Regierung und den alliierten Regie­rungen verhandelt werden muß.

In die letztere Kategorie fällt vor allen Din­gen die Frage der industriellen Räu­mung des Ruhrgebiets, weil diese nichts mit dem Friedensvertrag zu tun habe, eine Konsequenz des Dawesplan fei und nurdurchdieMitarbeitder deut­schen Regierung durchgeführt wer­den kann. Wenn also die Alliierten sich ver­ständigen, fei die Einladung gewiß.

Nach demQuotidien"-Derichterstatter haben die Finanzsachverständigen die Ansicht ausgesprochen, daß die deutschen Delegierten, die an der Londoner Konferenz teilnehmen, auf dem Boden völliger Gleichberechti­gung mit den alliierten Delegationen stehen müssen. Der Berichterstatter nimmt an, daß die Diskussion zwischen den Deutschen unb Alliierten am Mittwoch beginnen werde.

Die Räumungsfrage.

Paris, 26. Juli. Der Sonderbericht­erstatter derEre nouvelle" will wissen, daß MacdonaldamMontagin derPle- narsitzung von Frankreich offiziell die Räumung des Ruhrgebiets verlangen werde. Die Stellung Herriots zu diesem Punkte scheine noch nichtfest gelegt zu sein. Herriot lasse sich von seiner hochherzigen Anlage leiten, man dürfe ihn aber nicht durch allzuweitgehendes Verlangen in Verlegenheit bringen. Richt- destoweniger dürfte es von großemVvr- teilsein.wenndemenglischenVvr- schlag stattgegeben würde. Die mili­tärische Besetzung des Ruhrgebiets Habenurei ne Existenzberechtigung als Garantie der wirtschaftlichen Besetzung. Da die letztere ver­schwinde, sehe man nicht mehr recht den Zweck der er st eren ein.

Amerika einstimmig für die Forderungen der Finanzmänner.

London, 25. Juli. Rach einer ^Ex­changes-Meldung aus Reuhork ist die dortige Presse einstimmig der Meinung, daß die Forderung der Bankiers betreffend die Sicher­heit für die deutsche Anleihe nicht-unver­nünftig sei und betont, die Bankiers sprä­chen für die endgültigen Darlehensgeber, nicht für sich selbst.World sagt, die Ban­kiers hätten harte Köpfe, aber keine harten Herzen.

Die Krisenstimmung in Darmstadt.

Die Krisenstimmung innerhalb der Reoie- rungskoalitivn scheint sich noch zu verschärfen. Im Offenbacher Abendblatt" und imVvlls:reund vom 24. ds. Mts. finden wir unter der Heber- schrift(Sine unglaubliche Brüskierung der Re­publik" nachstehende Notiz:

In dem vom Minister von Brentano verwalteten Ministerium der Justiz ist der Vor­tragende Rat Oberjustizrat Dr. Friedrich Joseph von Eiff zum Ministerialrat ernannt Worden. Diese Ernennung ist eine Brüskierung be? hessischen Republik, denn Herr von Eiff, früher Kabinettssekretär des verflossenen Groh- herzogs, ist jener Beamte der Republik, der ohne seine Behörde in Kenntnis zu sehen, an den berüchtigtenRestaurättons"- Konferenzen des Grvtzh. Hv'nnarschalls Hardenberg über die Der- mögensauseinandersehung des Staates mit der Familie Brabant teilgenommen hat. Anstatt gegen den Mann eine Disziplmaruntersuchang zu eröff­nen, wird er befördert natürlich »nur", um der heiligen Ochsentour willen!"

Aus Stabt unb Land.

Gießen, den 26.Juli 1924.

Gedanken von der Schlenderbahn.

Mancher Bürger wird sich wohl schon hier und da ftine besonderen Gedanken über die Ver­kehrsart auf unsererSchlenderbah n", dem Selters weg, gemacht haben. Da quirlt es nanu ntlich in den Nachmittags- und Gegenabend» ffunbert durcheinander wie in einem aafgeflöber- kn Ameisenhaufen. Was hasten da die einen, tob, gravitätisch stolzieren die andern durchein­ander hinüber und herüber, wie ausdauernd pfle­gen wieder andere denLangsam-Schritt", den man einst auf dem Kasernenhofe zum Segen für viele junge Leute in gründlichster Weise übte! Wie flihen die Radler, noch mehr die Rad­lerinnen kreuz und quer über den glatten Asphalt, wie knattert unter gellenden Rufen seiner Hape das Motorrad oder das Auto dahin und wie fürsorglich und eifrig tritt der Straßenbahnführer die Klingel seines Wagens, damit nur ja alle .vor einem Rippenstoß von der Elektrischen bewahrt bleiben. Schön ist diese fahrendeMusik" ja grab nicht, aber notwendig ist fte, wenn bte Schlenderbahn" nicht etwa zum Großlieferanten für unsere Kliniken werden soll. In der Tat, man muß täglich immer wieder staunen über die Wuiftigkeit oder Dickfelligkeit, die manche

ueutcyen Dort an Den Tag legen. Stand Da ,neu> sich ein junger Radfahrer bequem auf sein StahliDh gelehnt am Bürgersteig und hielt ein Schwätzchen mit seiner holden Bekanntschaft, die­weil sein Rad zumGleitschutz" in die Straßen­bahn! chic nen gestemmt war. Die Elektrische nahte, schon von weitem klingelnd, daß einem Hören unb Sehen verging. Die Leute auf der Straßenseite quetschten sich aus Vorsicht vor dem nahenden Wagen an die Häuser daß man später mal guckte, ob sie nicht etwa den HauSanstrich mitgenommen hatten, aber daS dumme Aad machte sich aus dem Klingellärm gar nichts, es blieb dickfellig in seinem Einbruchsgebiet. Im letzten Augenblick bekam fein junger Herr von einem nahestehenden Mann einen freundschaft­lichen, wenn auch nicht gerade gelinden Rippen­stoß und nun flog das Stahlröhlein mit großer Wupvtizität auf den tBürgerfteig in Sicherheit. Am ein Haar wären bet die­

sem beschleunigten Rückzug noch ein paar Anbeteiligte in ein dummerweise gerade an dieser Stelle befindliches Schaufenster geflogen. Ein Hagelwetter von Volkszorn schien loszubrechen, aber der jugendliche Held der Szene verzichtete bankend auf die Konversation und empfahl sich mit der größten Geschwindigkeit. Gin anderes Bildchen. Mehreren Damen schien eine eingehende Aussprache so dringlich, daß sie ohne wetteren Zeitverlust mitten auf der Fahrbahn vor sich gehen muhte. Der Deratungsstoff war offensichtlich außerordentlich fesselnd, denn der Debattierklub kam erst wieder zum Bewußtsein des nicht un» gefährlichen Versammlungsorts, als ein Auto dicht abei halten mußte unb der Wagenführer sich selbsttätig und nicht gerade liebenswürdig in die Unterhaltung einschaltete. Die Konferenz wurde Hals über Kopf abgebrochen, es kam noch nicht einmal mehr zum Händedruck. So ein kräftiges Donnerwetter ist doch mitunter recht wirkungsvoll. Traugott von Iagvw, der ein­stige Berliner Polizeipräsident, der jetzt einsame Tage auf einer Festung in Pommern verlebt, lieh einmal in Berlin im Äpidarstil verkünden: .Die Straße dient dem Verkehr!" Sett jener Zeit es war noch lange vor dem Kriege sind wir ja freiheitlicher geworden, aber uns dünkt, daß dieser Satz auch heute noch Geltung hätte. Freilich mühte zu ihm noch die Aufrichtung und Durchführung einer Verkehrs ordnung hinzukommen. Dem Durcheinandergewurstel auf unserer belebtesten Geschäfts- und Dummelftrahe könnte diese ordnende Einwirkung von oben sicher­lich ganz gut bekommen. Immer rechts das wäre ein Grundsatz für die Schlenderbahn, dem sich wohl jeder fügen würde, zweisEos auch der­jenige, dem der Sinn und der Wille sonst mir nach links stehen. And wenn diejenigen, die gerne ein Stehschwätzchen machen wollen, künftig nicht mehr gerade inmitten des flutenden Verkehrs an- coachsen werden, dann Wirdes für alle Freunde der Schlenderbahn dort noch mal so gemütlich werden, und sie werden dann wohl auch dem Krittkus Recht geben, den sie vielleicht heute dahin wünschen, wo der Pfeffer wächst.

Die Reichs-TenernngSziffer.

Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungs­kosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuch­tung und Delleidung) beläuft sich nach den Fest­stellungen des Statistischen Reichsamts für den 2 3. Juli auf das l,16billionenfache der Vor­kriegszeit. Gegenüber der Vorwoche (l,15billionen- fache) ist demnach eine Steigerung von 0,9 Prozent zu verzeichnen.

Wettervoraussage

Fortdauernd bewölkt, bei westlichen Winden noch Regenfälle und wenig Temperaturänderung.

Südwestliche Randgebilde des Tiefs über Skandinavien beherrschen noch unsere Witterung und lassen keine durchgreifende Aenderang des Witterungscharakters zu.

ynrnotiicn.

Tag eskalender für SamStag. Gesangverein Heiterkeit: 8 Ahr ordentliche Gene­ralversammlung. G. S. C. v. 1900: 8Vs Ahr, Gasthaus Doller, Jahresversammlung. Rund- funkhaus, Löberfttaße: 8V- Ahr Konzertabend. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:So sind bte Männer". Astoria-Lichtspiele:Der Gaukler von Paris". {

Tageskalender für Sonntag. Hessischer Polizei- und Schutzhunde-Verern 1914 Interne Vorführung auf bem Triebgelände vor­mittags 71/2 Ahr, auf dem V. f. B.-Platz nach­mittags 2'/s Mr- Achtspielhaus, Bahnhof­straße:Zalamort, die Erlebnisse einer schönen Frau". Astoria-Lichtspiele:Der Gaukler von Paris". I

Aus dem Stadttheaterbareau wird uns geschrieben: Wie'die meisten Neuheiten, deren Bekanntschaft uns in diesem Sommer durch die -Gastspiele des Bad-Nauheimer Kurtheaters vermittelt wird, kann auch das für Dienstag, 29. Juli, angeTünbigte LustspielDie Dame

mir bist du an der rechnen Quelle. Die Königin muß uns helfen. Ich präsentier' dich auch bem Erbprinzen von Hessen als Landsmann. Das wär' doch zum wundem, so wir nicht Sukkars schaffen."

Sie sorgte wahrhaftig, ließ den Junker am nächsten Tage in der großen Glaskutsche zum Dejeuner abholen, stopfte ihn mit unbekannttn Delikatessen unb Finessen und wollte sich front! lachen, daß er die frisch aus Hamburg gekommenen Austern mit höchst zwnfelnden Augen betrachtete. Es war auch ein Franzose dabei, ein Mavquis de Fraygne, der bei ihr so hoch in Gnaden zu stehen schien, daß sie ihn manchmal mit dem Vor­namen Anatole nannte, unb der grab so lustig war wie sie selber. Das heißt: sie sagte, er sei ihr Lehrer in der ftanzösischen Sprache, .und sie traktierte diese auch mifNvunberlichen Versen, von denen Kaspar immer nur die Hälfte oder noch weniger verstand. Aber doch einiges wie:

Douce maitresse, touche, Pour soulager mon mal, Mes tevres de ta bouche"

Am Abend mutzte der Junker sein bestes Habit aus dem Felleisen nehmen und sich fein machen. Auch schickte das Lottchen einen Friseur, der mit allerlei Instrumenten unb Salben an dem märkischen Strubbelkopf herumarbeitete. Dann nahm sie Kaspar persönlich in Augenschein, nestelte ihm ein Jabot zurecht, strich ihm mit den Händen noch einmal über die Haare, gab ihm allerlei gute Lehren über die Etikette, so zu beobachten, meinte aber lachend, er solle sich nur geben, wie er wäre, und führte ihn auf eine Assemblöe bei der Prinzessin Amelie.

Ehrlich gestanden: der Junker war zwar zu­erst erstaunt über die herrlichen Gemächer und die vielen Lichter und die geputzten Herren unb Damen unb die Lakaien, die in Gold starrten; aber bann hat er sich sehr ennuyiert. Denn er kam sich mvrdivs einsam unb verlassen vor unter den fremden Menschen. Anmerken freilich lieh er's sich nicht, hatte nach der ersten Impression baD seinen märkischen Dickschädel wiedergefundon, der sich über nichts und gar nichts Wundern wollte. Nur einmal, als er sich bis zur Tür des Salons hindurchgeschvben hatte, in dem Ihre Majestät am Pharotische saßen unb Bank hielten, tont ihm doch das Staunen an, tote da die Friedrichsdors herumfiogen. ,Herr, mein Gott/ muhte er den­ken, .und Großvater spricht immer von der großen Not der Zeit und datz alles Geld außer Landes

Grad tippte ihm aber jemand leise auf die Schulter, unb es war der luftige Marquis be Fraygne, der ihm in seinem gebrochenen Deutsch zuflüsterte: Mademoiselle de Lasoto ließe bitten.

Sie gingen zurück bis in eines der Porzimmer. Da stand Lottchen und machte Konversation mit einem schlanken, hochgewachsenen Herrn in Gene- ralsmontierung.Attention," flüsterte der Mar­quis.C'est le Duc höreditaire. . ."

Nun also

Der Junker machte zuerst seinen Kratzfuß und versuchte darauf soldatisch grab za stehen.Mit Permission Euer Königlichen Hoheit" sagt daS Lottchenda ist der Junker von Zabeltitz, der auf Order Seiner Majestät in Höchstdero Lager designiert ist."

So so! Komm Er mal näher heran, junger Herr. Mademoiselle hat mir viel Gutes von Ihm

erzählt, so daß ich Ihm meine Protektion nicht versagen will. Ich sende am Mittwoch sowieso einen Feldjäger an Seine Majestät. Da kann Gr sich anschließen. Ja . . . und weil Mademoiselle so schön gebeten haben, so mag Er auch den langen Burschen mitnehrnen, als seine Ordon­nanz. Morgen mag Er sich die nähere Inftruk- tivn bet mir abholen."

Der Erbprinz machte eine legere Bewegung mit der Hand, das hieß wohl soviel als Ent­lassung. Aber der Junker dachte daran, waS ihm der Herr Großvater gepredigt: hohen Herr­schasten küht man die Hand und Seiner Majestät den Rvcksaum. Danach tat er, und bte Königliche Hoheit schien es gnädig aufzunehmen. ,Ich wünsch' Ihm alles Gute im Feldlager. Hüt' Er sich nur, daß Er den Kötern nicht auf die Pfoten tritt. Das verstand der Junker freilich nicht, doch man braucht ja Wohl nicht alles zu verstehen, was Prinzen sagen. Die andern lachten. Aber sie bat» tSn bei Hose alle solch feines Lachen: man hörte es nicht, man sah es nur. Zu Hause lachte das Lottchen anders.

An diesem Abend reichten die Lakaien einen kuriosen Wein in dünnen hohen Spitz gläsern her­um, der ganz herrlich mundete, aber komisch in der Nase fribbelte. Eigentlich war er wie Schaum, unb sie nannten ihn Bin de Champagne. Der lustige Marquis hatte einen der Lakaien in ebner Ecke festgehalten unb nötigte Kaspar ein Glas nach bem andern ein, unb ber ließ sich nicht lumpen, schon auS Politesse nicht. Aber als er am Morgen die Augen aufmachte, wollte bas gar nicht recht gehen, und er hatte einen schweren, Schädel.

(Fortsetzung folgtl