antrag zustimmte, so betrachtet sie ihn nur als cm Provisorium. Der Beamtenabbau müsse jetzt ?um Abschluß kommen. Redner beantragt einen Ausgleich des Unrechts, das den Beamten des besetzten Gebiets in ihren Beförderungsbedingungen zugefügt worden ift.
2Ibg. Lucker (Wirtsch. Vgg.) bezeichnet dre Desoldungsverordnung der Regierung als gänzlich unzulänglich. Au ch die zur Aufbesserung vorhandenen ZI1/» Millionen können keinen befriedigenden Ausgleich schaffen, denn dann würde das Monatsgehalt durchschnittlich nur um 8 M.k erhöht werden.
Abg. C u n z e (Dtsch.-Soz.) richtet an die Regierung die Aufforderung, vor allem den unteren und mittleren Beamten ein ausreichendes Existenzminimum zu verschaffen.
Damit ist die Aussprache beendet. Die Abstimmung über die Anträge wird am Donnerstag vormittag stattfinden. Um 9 Uhr vertagt sich das Haus auf Donnerstag vormittag 10 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen neben der Abstimmung' über die Deamtenfragen sozialpolitische Anträge.
Die neuen Männer in Bayern.
München, 25. Juni. (WTD.) Rach der „München-Augsburger Abendzeitung" durfte sich das KabinettHeld etwa folgendermaßen zusammensetzen: Held Ministerpräsident und Aeuheres, Matt Kultus, Gürtner Justiz, Stütze! Inneres, K r a u s n e k Finanzen, Mei- nel, Handel, Oswald Soziales und Fehr Landwirtschaft.
Bei Besprechung der Kandidatur des Abg. Held für die Ministerpräsidentschaft gibt die demokratische „Allgemeine Zeitung" der Hoffnung Ausdruck, daß nun bald Klarheit über die Frage entstehen werde, wie sich die neue Regierung zur Verfassung .insbesondere zur Reichsverfassung stellen werde. Wenn es dem Ministerpräsidenten Held ernstlich um die Wieder au s- richtuna der Staatsautorität zu tun sei, so könne dieses Ziel nurrnitdernReich, niemals gegen das Reich erreicht werden.
Das führende Organ der bayerischen Z e n - trumspartei, die „Augsburger Postzeitung", meint, dah die Wahl Helds zum Ministerpräsi- deuten auch von den Industriellen und wirtschaftlichen Kreisen Bayerns mit Beifall begrüßt werde. Held sei einer der treuesten Anhänger des deutschen Reichsgedankens.
Hessischer Landtag.
Darmstadt, 25. 3uni.
Im Landtag wurde heute vormittag die Beratung des Hauptvoranschlags fortgesetzt.
Abg. Dr. Osann (D. Vp.) will die Stellung- nähme seiner in Opposition zu der Regierung stehenden Partei von dem Verlauf der Verhandlung abhängig machen. Die erhöhte Beamtenbesoldung hat den vorgesehenen Liederschatz von zehn Millionen Mark aufgezehrt. Er begründet einen Antrag auf Herabsetzung der landwirtschaftlichen Grundsteuer, sowie der Gewerbesteuer und nimmt Stellung gegen die durch Verordnung gegen den Willen be5 Landtags eingeführte Sondersteuer. Die unsoziale Beamtenbesoldung erfordere eine Besserstellung der unteren Beamten um 40—50 Prozent. Die hohen Stellen müssen stärker abgebaut und insbesondere die sog. Revvlutionsge- winnler beseitigt werden. Redner nimmt das De- russbeamtentum in Schutz, da ja das lange mit großen Opfern verbundene Studium und die bewährte dienstliche Erfahrung keinen Wert mehr haben, toerm jeder Parteimann, der einen gewissen Grad oberflächlicher Geschicklichkeit besitzt, dte besten Stellen erreichen könne.
Redner verurteill das gestrige Verhalten des Staatspräsidenten während der Debatte, las der Würde seines Amtes nicht entspreche, tritt für den Großherzog ein, der bei allen Veranstaltung n großen Takt bewahrt habe, sowie für die Offiziere, bifc im Felde ih en Mann standen und in i r r monarchischen Gesinnung Häher zu schälen sind alS" diejenigen, die erst n a ch der Revolution ihre republikanische Seele entdeckt haben.
r Abg. Dr. Werner (Dntl.) erörtert das eigenartige Der halten des Staatspr'i i'en en gegenüber den Kommunisten, die ung:ft;;rt ihre Gewaltdrohungen gegen die Republik aussp e et bür en, b'weist durch den „Sozialistischen Almanach", daß die Revolution auch durch die Soz'al- demokratie vorbereitet war und widerspricht den Behauptungen des Abg. Widmann über das Verhalten des Großherzogs. RÄ)ner bezeichnet die Börsen- und Getreidemakler als die größten Wucherer. Er tritt schließlich noch für das Berufsbeamtentum ein.
Abg. Dr. ® reiner (Komm.) behauptet, daß die Arbeiter unter der heutigen Macht des Kapitals und dem Schuh der Regierung mehr bedrückt und geknechtet würden, als unter der Monarchie.
Staatspräsident Ulrtd) wendet sich gegen die Einstellung des Abg. Dr. Werner über den internationalen Gedanken und dessen ablehnende Haltung zu dem Gutachten. Die Zivilisation müsse den ®ebanfen eines dauernden Erbfeindes be eiligen. Er verwahrt sich gegen „die Belehrungsversuche des Abg. Dr. Osann" und droht dem Abg. Kindt mit der Enthüllung unangenehmer Tatsachen. Eine Gerichisverhanvlung in der Separatistenfrage könne nicht durchgeführt werden im Interesse der Beamtenschaft, die dabei in Frage komme.
Abg. Kindt (Dual.) verwahrt sich unter lebhafter Ülnruhe des Hauses gegen den Vorwurf der Verleumdung und bezeichnet die drohenden Aeußerungen des Staatspräsidenten als „infamen Angriff auf die Ehre eines Abgeordneten". (Ordnungsruf des Präsidenten.)
Staatspräsident Ulrich hält seine Vorroürfe aufrecht und erllärt wiederholt das gefordert^ Gerichtsverfahren für unmöglich
Die letzten Redner können nur unter großem Lärm und starker Unruhe ihre Ausführungen Ai Gehör bringen. Der Präsident hat Mühe, Ordnung zu halten und sich das Wort zu verschaffen, um zu erklären, daß damit die Generaldebatte beendet ist. Es folgen noch eine Anzahl persönlicher Bemerkungen, darauf wird in die Einzel- beratung eingetreten, wobei ohne wesentliche Aussprache die Kap. 1—4 Erledigung finden.
Ein Steuerftunduugsantrag.
Die Abgeordneten Brauer und Genossen (Bauernbund) haben im Landtag folgenden Antrag eingebracht: „Der Landtag wolle beschließen: Auf Antrag sind die Landes-, Provinz-, Kreis- und Gemeindesteuern weitestgehend zu stunden. Sind die Steuerpflichtigen nachweislich nicht in der Lage, ohne Veräußerung ihrer Betriebsmittel der Verpflichtung zur Steuerzahlung nachzukommen, so ist die Steuer zinslos zu stunden." In Begründung dieses Antrages wurde erklärt, dah die hessische Landwirtschaft zur Zeit nicht mehr in der Lage sei. den vom Reich, Land, Provinz, Kreis und Gemeinde an sie herantretenden Steueransprüchen zu genügen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 26. Iuni 1924.
Der neue Roman.
In unserer heutigen Rümmer beginnen wir mit dem Abdruck unseres neuen Romans:
Der Alte auf Topper.
Die Erzählung, von HannS von Zobel t i tz in bekannter Meisterschaft geschrieben, führt den Leser zurück in die Zeit des großen Preußenkönigs, in die Sturm- und Drangjahre des Siebenjährigen Krieges, da bittere Not schwer auf den preußischen Landen lastete, aber trotziger Heldenmut und unentwegte Mannestreue schließlich doch die Palme des Sieges gegen die Feinde ringsum erstritten. Packend in allen Zügen ist das gewaltige Zeitgemälde das Zobeltitz hier vor unseren Augen erstehen läßt, und niemand wird sich dem hohen Zauber entziehen können, der von den krafwollen Gestalten ausströmt, die der Autor in den Mittelpunkt der Handlung stellt.
*
Zur Pflege
der schulentlassenen Jugend hol das Hess. Gesamtministerium Bestimmungen getroffen, aus denen folgendes hervorzuh.ben ist: Das Gesamtministerium hat angeordnet, daß staatliche Turnhallen, Spielplätze, verfügbare Zimmer. Säle, Gerätschaften, Anschauungsmittel, Karten und bergt allen den Hess. Iugend- pf leg eorganisativnen ang eg lieber» ten Vereinen für Zwecke ber Jugendpflege auf Widerruf unentgeltlich (aus.chl. Heizung und Beleuchtung) zur Verfügung gestellt werben sollen, soweit sie nicht von ber Behörde selbst, deren Interessen in jedem Falle vorgehen, gebraucht werden. Eine Vergütung an die mit ber Aufsicht über biese Einrichtungen betraute Amtsperson ist nur dann zu zahlen, wenn deren Dienste in Anspruch genommen werden, was grundsätzlich nicht erforderlich ist.
Gießener Goethe-
oche.
Musikalisch-literarische Adeudfeier.
Der Eröffnungsfeier am Sonntag folgte am Montag abend in der Neuen Aula der Uniber,ität eine musikalisch-literarische Arend- feie,p mit einem im großen und ganzen stllvoll und einh.itlich angelegten Programm, das sich bis zum Schlüsse steigerte.
Das Kammerorchester Gießener Musikfreunde unter CeLung von Prof. G. Trautmann, der auch den Klavierpart übernommen hatte, zeigte wiederum das schon frl h r anerkannte meisterhafte, musitfreudige Zusammenspiel und erfreute das dankbare Pub.ikum Lu cd) je ein Werk von Porpora und Mozart. Diese Werke stellten Dortragsstücke der Goetheschen Hauskapelle dar, einer Vereinigung von Musikern und Musikfreunden zum Zwecke gemein,amen Musizierens.
Frau Ilse Fromm-Michaels aus Hamburg, eine auf das Forte eingestellte Künstle natur, verriet durch die treffliche Wiedergabe der G-Moll-Variationea ein hochmusilalisches Empfinden. Ihre vornehme musikalische Auffassung bewahrte sie vor der Gefahr, iie begrenzte Klang- krafc des Klaviers ins Anschöne zu ste gern.
Frau Dilma Mönkeberg aus Hamburg, die von ihren früheren Dortr gsobndcn noch in bester Erinnerung war, ve.stanv es auch diesmal wieder, voll und ganz die schwierige Ausgabe, gesprochene Lh it u zartestem persönlichen Klang zu bringen zu lö en, bdgü iftigt durch eine geschmackvolle Auswahl des Vortrag sstosfes. Mit ihrem wund ^voller, modulationsfl higen Organ, mit ihrer sprachlichen Formvollendung mit der Durchdringung des Stoffes und mit der seelischen Vertiefung, nicht zuletzt mit ihr.r ganzen Erscheinung vermochte die Künstlerin >ich in die Seelen ihrer Zuhörer zu senken. In dem Vortrag der „Proserpina" — ein Stücr aus dem vier.en Akt der Fastnachtsposse „Der Triumpf der Empfindsamkeit", das sich aber als eine selb'tänd ge ernste Dich ung darstellt — gab Frau Monllb rg mit plastischer ©eftalhmgStoaft und mit einem durchaus nicht störenden, frei von lllcbrrtceibun. en gehaltenem Mienenspiel eine lebensvolle vackende Darstellung. Frau Fromm-Michaels wußte hierzu dank ihrer Anschlagskunst die zur P ofer» Pina 1814 von Eberwein geschriebene Musik zu einem Tongemälde von innerlich pickendem Charakter zu steigern und manche Schwäche der Musik zu deckest, so daß man das Empfinden hatte, daß
die Interpretation am Klavier der Komposition, die für die Besetzung im Stile der Goetheschen Hauskapelle geschrieben ist, vollauf gerecht wurde, sogar vielleicht einer orchestralen Aufführung, an die ursprünglich gedacht, aber infolge musiktcch- nischer Schwierigkeiten aufg g.ben worden war.
Die Künstler sanden für die Stunden innerer Erbauung, die sie ihren Zuhörern schenkten, reichen und wohlverdienten Beifall und allseitige Anerkennung. So darf auch diese Veranstaltung unserer Gießener Goe.he-Woche alS ein voller Erfolg angesehen werden.
Fcstvorftclluttg: „Clavigo^.
Das Trauerspiel „Clavigo", das der 25jährige Dichter 1774 auf Grund ber Laune einer Partnerin bei einem Gesellschaftsspiel binnen einer Woche schrieb, zählt gewiß nicht zu ben geistigen Großtaten Goethes, wenn wir heute auch weit entfernt davon sind, das harte Urteil Merks und zu eigen zu machen, der seinem Freunde den bringenden Rat gab, solchen „Quart" nicht wieder zu schreiben, alldieweil das andere auch könnten.
Wir sind bescheidener geworden und bewundern rückhaltslos die elegante Führung des Dialogs, den szenischen Aufbau und die Geschlossenheit des Iugemderbes. iln> wir lassen es uns gerne gefallen, dah selbst eine festlich e Gelegenheit gerade dieses Werk des Meisters in ben Brennpunkt feierlicher Geschehnisse stellt, wenn die Wiedergabe so tadellos und die Gesamtwirkung so bedeutsam sind, wie es gestern ber Fall war.
Dies Trauerspiel ist zudem nicht nur ein „Werk" Goethes, sondern es hat so viel Persönliches von ihm, ber zur Zeit seiner Entstehung noch unter seiner Liebe zu Friederike, der Pfar- rerstochter von Sescnheim, litt — an ber er nach seinem Empfinde Verrat geübt hatte, daß wir die Wahl des Stückes auch aus diesem Grunde gut- heißen.
Die Aufführung stand — wie bereits betont wurde — unter einem b sonders guten Siern. Sämtliche Rollen träger taten mit ersich.licher Liebe ihr Bestes, um dem besonderen Charakter des Abends auch in der besonderen künstlerischen Höhe ihrer Darstellung eine bedeutsame Prägung zu verleihen. Die Herren T e l e k y (Carlos), und Lamber - t i e (Clavigo) und Fräulein Elfriede Basedow (Marie) seien besonders genannt. Ebenso gebührt der ganz ausgezeichneten Regie Adolf T e l e k h s ein Sonderlob.
Der Verein ist zur Aufrechterhaltung 6er Sauberkeit und Ordnung verpflichtet und hastet für Beschädigungen und Verluste, die durch eines seiner Mitglieder in den Turnhallen usw. entstehen sollten. Der Verein ist verpflichtet, alsbald und unaufgefordert von etwaigen Beschädigungen und dergleichen Anzeige zu machen. Bei gröberen Verstößen wird dem Verein nach vorausgegangener Warnung die Erlaubnis zur Benutzung der staatlichen Turnhallen und Spielplätze entzogen.
Es kommt weiter in Betracht, etwaige nicht benutzteRäumeden Vereinen für 3 u g e n b* Heime zu überweisen. Bei der erheblichen Verteuerung ber Eisenbahnfahrten müssen bie Wanderungen Jugendlicher, soweit dies ohne besondere staatliche Aufwendungen möglich ist, noch mehr als bisher unterstützt werden. Das Ge- famtminifterium legt daher Wert darauf, daß alle Zweige ber staatlichen Verwaltung im Benehmen mit dem Iugendherbergs verband und feinen Zweigausschüssen in weitherziger Weise Räume in staatlichen Gebäuden für Iugendherbergen zur Verfügung stellen. Wenn Bedenken bezüglich der Lieber la ssung ber genannten Räume geltend gemacht werben, so wird jede Behörde sorgfältig prüfen, ob nicht diese Bedenken gegenüber den Interessen des allgemeinen Wohls zurückzutreten haben. Dabei ist grundsätzlich zu beachten, daß rein äußerliche, den Dienstbetrieb nicht schädigende ülnbequemlichkeiten in Kauf genommen werden müssen.
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Giehener Wochenmarktpreise
am 26. Iuni 1924 (Händlerpreise).
Es kosteten: Butter Pfd. 160 Pi., "Matte 30, Käse 60, Eier Sick. 13, Wirsing Pfd. 50, gelbe Rüben Bd. 15, Römischkohl Pfd. 20, Spargel 80, Blumenkohl Stck. 80—100, Salat 5, Salatgurken 70—100, Ober-Kohlrabi 15, Erbsen Pfd. 40, M.sch- gemüse 20, Tomaten 70, Zwiebeln 20, Rettich Stck. 30, Rhabarber Pfd. 20, Kartoffeln, neue, Pfd. 20, Kitschen 40, Stachelbeeren 30, Johannisbeeren 50, Erdbeeren 100—120.
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* Fahrplanänderungenabl. Iult. Der Eilgüterzug 6292, Gießen ab 8,52 abends, hat vom 1. C'uli ab nur noch Personenbeförderung zwischen Gießen und Friedberg (bisher zwischen Gießen und Frankfurt - West). — Dom 1. 3uli an wird ber Pz. 736 (W.) Marburg (ab 8,44 nachm.), Gießen (an 9,37 nachm.) früher gelegt und erhält folgenden Fahrplan: Marburg (L.) ab 8,05 nachm., Marburg^Süd 8,12, Rieberweimar 8,19, Riederwalgern 8,26, Frvnhausen (L.) 8,32, Friedelhausen 8,40, Lollar 8,47, Gießen an 8,58 nachm. — Auf der Strecke S t o ck h e i m— Gedern werben vom 1. Juli ab bie Pz. 4138 (W.) unb 4142 (W.), Stockheim ab 2,03, Orten- berg an 2,15, ab 2,20, Stockholm an 2,32 nachm. versuchsweise wieder eingelegt
** Für Militär - Rentenempfänger. Bom Postamt wirb uns mitgeteilt: Die Auszahlung ber Militärrenten für den Monat Juli findet bei den Postanstalten bereits am Samstag, 28. Juni, statt.
** Bestandene Prüfung. Bei der diesjährigen Prüfung der Sekretäre bei den Iustiz- behörden haben von Gießen die Prüfung bestanden: Karrzleiassistent Wilhelm Wagner beim Amtsgericht und Kanzleiassistent Gvtttieb Fleck beim Amtsanwalt
t D i e 3 8. allgemeine Pfarrerkonferenz der eoang. Geistlichen Oberhessens wurde gestern im Iohannes- faal dahier abgehalten. Der Vorsitzende, Geh Oberkonsistorialrat unb Superintendent für Ober- Hessen D. Petersen- Darmstabt, eröffnete du Tagung nach einer von Dekan Schäfer-Bübingen gehaltenen Anbacht mit Begrüßung der Anwesenben, besonders des Vertreters ber theologischen Fakultät. Geh. Rat D. Dr. Krüge, hier. Rachbem in der üblichen Weise ber seil ber letzten Versammlung verstorbenen Mitglieder gedacht worden war, hielt Pfarrer Weber- Kaichen einen tiefsinnigen Vortrag über: „Du Gefahren, welche unsere evangelische Kirche bedrohen". Er wies auf Rom, Sekten und Freidenker hin. In ber Aussprache würbe barauf hingewiesen, man solle biese Gegner nicht überschätzen, aber auch nicht unterschätzen, sondern ihnen mit offenen Augen gegenübertreten. Es wurde bemängelt bah bas Landeskirchenamt nicht im Derorbnungsblatt auf ben evangelischen Kirchentag in Bielefeld hingewiesen habe. Der Gemeinschaft gegenüber sind die Türen offen zu halten. Doch wirb die enge Verbindung des Hessischen Evangelischen Sonntagsblattes mit der vielfach kirchenfeinblichen „Gemeinschaft" von verschiedenen Seiten beanstandet, aber auch verteidigt Es wurde dringend gebeten, nach dem Wort ber Schrift zu verfahren: „Soviel an euch ist, haltet mit allen Menschen Frieben." Mit bem Gesang von „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort" wurde die Tagung gegen 2 Ülhr geschlossen.
Ausstellung der Piper-Drucke im Kunstwissenschaftlichen Institut.
Gegenwärtig veranstaltet das Kunstwissenschaftliche Institut der ilniixrfität in seinen unteren Räumen die zweite Ausstellung von Ge- mätde-Reprobuttionen in diesem Jahre. Diesmal sind es bie Werke des „Meisters ber Malerei", die ber rührige Verlag von R. Piper & Co. in München in seiner Sammlung ber „Piper-Drucke" herausgebracht hat. Da es heutzutage für den gewöhnlichen Sterblichen kaum möglich ist, sich Originale von einiger Qualität ins Haus zu hängen, so besteht jetzt ein noch viel größeres Bedürfnis nach guten Reproduktionen wie früher. Man muß es dem Verlag sehr hoch anrechnen, daß er feine Mühe unb Kosten gescheut hat, um in feinen Reproduktionen die höchstmöglichsten Annäherungswerte an die Originale zu schassen. Das ist nicht nur dadurch erreicht, daß die Bll- der, bie z. T. bie Originalgröße haben, durchweg im Format nicht nur groß genug gehalten sind, um auch in der Tat als Wandbilder zu wirken, sondern auch das rein Malerisch-Technische ist mit bisher beispielloser Virtuosität herausgeholt. Auf diese Weise kommen nicht nur die einzelnen Farbwerte, sondern auch die Plastizttät der Farbe, ihr stärkerer oder geringerer Auftrag, ja selbst die einzelnen Pinselstriche heraus.
Der vordere Raum ist den Ausläufern des Mittelalters Vorbehalten. Dürers „Dresdener Altar" wirkt als echter Dürer in feiner Problematik. Anregeiid ist ber Vergleich der „Anbetung ber Hirten" von Bosch und von Pintaricchios „Knabenbildnis", bie nebeneinander hängen. Wölss- lins „Offene unb geschlossene Form" bietet viel
leicht bie beste begriffliche Zusammenfassung dieses cklnterschiedes zwischen dem ungefähr gleichzeitigen Italiener und Riederländer. Das „Familien- bilb" des Daldassare Estense fällt dagegen etwas ab. Meproduktionstechnisch betrachtet ist derPin- taricchio zweifellos das bestgelungenste Blatt dieser Gruppe, wobei wir nicht entscheiden wollen, inwieweit das dadurch bebingt ist, baß er bie leichteste Ausgabe stellte.
Im allgemeinen eignen sich bie in dem zweiten Raume vereinigten neueren Werke besser für die Reproduktion. Wenn man hier die guten Blätter auszählen wollte, müßte man fast alle nehmen. Wir können uns deshalb nur auf bie besten beschränken. Dazu gehören zunächst der „Friede" von Rubens (Skizze zum Zyk.us ber Maria von Medici), Cezanes „Zunge mit der roten Weste" und van Goghs „Irrenhaasgarten". (Bei letzterem ist die Illusion so vollkommen, dah man mit dem Finger die Ob er flächen unterschiede des Farbauftrages glaubt nachfahre r zu können.) Daneben sind Manet, Menzel und Daumier ausgezeichnet vertreten. Auch Poussin, H. v. Marees unb Degas sind gut. Leider ist Rembrandts „Lachendes Selbstbildnis" etwas zu dunkel geworben. Es fehlt hier gerade bas spezifisch Rem- brandtische, das starke Ineinanderspie en von Lickt unb Schatten, bte Kontraste sind zu stark. Ebenso ist ber Hintergrund in Goyas „Königin Mama Luisa" zu dunkel.
Sv bringt die Ausstellung eine gute Auswahl von Werken ber Malerei vorn ausgehenden Mittelalter bis in die neueste Zeit, von Tür er bis van Gogh. Somit ist eine gute Anschauung ber Hauptprobleme der europäischen Malerei gegeben, die vor allen Galerien den Vorzug größerer
älebersichtlichkeit infolge der beschränkten Zahl d>r Werke hat. Man farm bem Verlag nur wünschen, daß er in seiner weiteren Produktion auf dies sm Gebiete noch ebenso sich selbst übertreffen wird, wie er bereits bie bisherige Reproduktionstechnik geschlagen 'hat.
Das Kunstwissenschaftliche Inftttut hat sich mit dieser Ausstellung ebenso wie mit der vorhergehenden, bie die Dürer-Reprobuktionen ber Marges-Gesellschaft brachte, das Verdienst er» toorben, wirklich klassische Kunst rn ausgezeichneter Qualität zu zeigen, eine Tendenz, bie von Setten des Publikums sicher gern unterstützt wird.
H. O. D.
Sechs unbekannte Zeichnungen Goethes.
Goethe hat eine Zeitlang geschwankt, ob seine Begabung für bas Zeichnen mehr die Pflege lo'hne als sein Dichtertalent, unb jedenfalls hat er sich viele Ickh-re ber Zeichenkunst mit bem größten Eifer gewidmet. Seine Arbeiten 'haben heute die Beachtung gefunden, die sie als Leistungen, eines so großen Genies verdienen, unb jede Bereicherung seines zeichnerischen Werkes ist daher von Wichtigkeit. Von einem neuen Fund macht ®urt v. Faber du Faur in der Zeitschrift „Die Bücherstube" Mitteilung. Es handelt sich am sechs prächtige Zeichnungen in Bleistift, bie bann ui Sepia ausgeführt sind und in Abbildungen wiedergegeben werden. Es sind italienische Ansichten, zum größten Teil aus ber Almgegenb von Rettuno Sie stammen aus bem Rachlaß des 1888 verstor- ftorbenen Freiherrn Carl von Cotta unb lagen in einem Umschlag, auf bem ber Besitzer vermerkt hatte: „Zeichnungen von Goethe zur Herausgabe.
Italienische Landschaften". Die älnterschriften, btt bte bargestellten Orte bestimmen, sind in einer Schrift von ber Mitte des 19. Iahrhunberts in Bleistift hinzugefügt. „Die Blätter zeigen," sagt Faber bu Faur, „mit ihrer betonten Trennung von Vorder- u. Mittelgrund, besonders aber in ber eigentümlichen Wiedergabe des Blattwerks sehr typisch die Art von Goethes italienischem Maler- freundeskreis. Besonders ist die Verwandtschaft mit Kniep deutlich, bem bie Blätter sogar möglicherweise angehoven könnten."
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Burschenschaft und Einheitsbewegung.— Material zur Quellenkunde.
Aus Anlaß des für den 29. Juni bevorstehenden 70. Geburtstages Herman Haupts, des Mitbegründers unb Letter; ber bursch-en- schaftlichen historischen Kommission, erläßt ber Vorort Kassel ber innerhalb unb außerhalb bes Reiches bestehenden Vereinigungen alter Burschenschafter einen Aufruf zu Sammlungen für eine Ehrengabe in Form einer Gelbstiitung für bie buischenschaftliche historische Kommi sion. Die Stiftung soll namentlich dazu bienen, bie von H, Haupt herausgegebenen „Quellen unb Darstellungen zur Geschichte ber Burschenschaft und ber deutschen Einheitsbewegung", von der bisher sieben Bände vorliegen, in Gang zu halten. Der nächste Band soll die nahezu brutffertige Fortsetzung ber Gesamtgeschichte der Burschenschaft im Anschlüsse an die von P. Weiihcke verfaßte Darstellung ber Geschichte ber ülrburschenschatt (1814 bis 1819) bringen.


