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Ur. 278 Södtes Blatt

Sletzener Anzeiger (Gennal-Anzeiger für Gderhessen) Ptenstag, 25. noücmöcr TO

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brauchen, sich jut Alleinherrschaft aufschwrngen. sei es mit. sei es gegen Mussolini. 3m -weiten Falle würden ftch die Faszisten sofort wieder -usammenfinden und sich biS auf die letzte Pa­trone wehren. Ein faf-istensreundliches. jedoch d e gemäßigte Richtung vertretendes Organ kann sich den Ausgang deS in beiden Fällen unver­meidlichen Bürgerkriege- nicht anders ver­stellen als in dem Aufrichten der Republik Hier streikt der vvrausschauende Blick jedoch das Gebiet der reinen Hypothese. Dwm ginge der vorgezeichnete Weg auch über die Leiche der Dynast e. cS fragt sich doch sehr, was das Heer dazu sagen würde. De Armer ist bie grohe Unbekannte in di fern danken Cb;el wider- streitender Klüfte. Sie ist das Symbol der leben­digen Ration, fie allein hat keine Feinde. Mussolini wußte das sehr wohl, als er vor Jahren den» Drängen se ner Freunde auf Los­schlagen stets mit der Erklärung wehrte, man mache eine Revolution nicht gegen, sondern m i t dem Heere Das tat er denn auch, und darin liegt seine eingangs angedeutete tragische Bindung.

Wie nun aber, wenn sich und so rechnen

giclungsratS Bartels, endete. 3mmer weitere Kreise ziehen die Borkommnisse, mit denen sich die Staatsanwaltschaft jetzt eingehend beschäftigt und in die auch neuerdings die Preußische Staatsbank verwickelt zu sein scheint Ein« Er­widerung dieses Unternehmens auf die Angriffe wegen der Kreditgewährung an das Bankhaus Stein, das in der Angelegenheit Holzmann-Bar­tels eine große Rolle spielt, geht vorsichtig um die Höhe des Lombard-Kredits herum und be­hauptet, die genannte Zahl von zwanzig Mil­lionen Mark wäre weit übertrieben. Auch das Polizeipräsidium äußert sich endlich zu der Korruptionsasfäre. So unangenehm diese Vorfälle sind, eins kann schon heule gesagt wer­den: die Schuld trifft einzig und allein die vor­gesetzten Behörden, die es an einer ausgedehnten und scharfen Kontrolle fehlen ließen, so daß ein günstiger Boden für die jetzt ausgedeckten Mißstände geschaffen wurde. Sine wesentliche Verantwortung tragen sowohl der preußische 3nnenministcr Severing als auch sein Partei­genosse, der Berliner Polizeipräsident Richter, unter deren Verwaltung Verfehlungen hoher und höchster Beamter sich in geradezu katastrophaler Weise häuften.

Italienische Möglichkeiten

Von unserem römischen k-Korre'pvndenten Rom, Mitte Äovember.

Der FasziSmus alS revolutionäre Bewegung hatte mit dem erfolgreichen Marsch auf Rom sein Ziel erreicht. Was nun?Ein vernünftiges Raturgescch will, daß sich jede vielstrebige Be­wegung e nmal totläuft", schrieb ich damals am Gipfel beginnt der Alb stieg Wird der F szismus allo an der Vollendung seiner Aufgabe sterben? Vielleicht, wenn er nur Mittel zum Zweck war." Run hatte Mussolini in seiner Mappe frei­lich eine ausreichende Zahl von Entwürfen für ein besseres 3taüen mitgebracht, die dem Faszis- muS auch auf dem Gipfel feiner Macht ein zweites Lehen zu leben erlaubt hätten, mochte darübe auch die äußere Firm in Stücke gehen Es zeig e sich aber bald, daß das Herz zu vieler Mit­läufer eben gerade an der mm überflüssig ge­wordenen revolutionären Sotm h ng und diese Liebe ein Fortschreiten auf e itwicklungs- fäHiger Arbeitsbafis erschwerte und vielfach ver­hinderte. Dazu kam. daß auch Mussolini aus bestimmten taktischen ®rüntn sich'« versagen mußte, daS erwartete Reue, das Unerhörte an Stelle dc-Sverbrauchten Staates" auszurichten Gr schlüpfte vielmehr wie irgendein neuer Mi- nisterpiälident ohne es aber zu fein, und darin liegt die Tragik seines Dramas in die ihm willig zur Verfügung gestellten alten Staatskleider, bezeugte dem Monarchen seine Reverenz, berief wie jeder brave demokra­tische Oberhirte Minister, schrieb Wahlen aus und setzte sich, wie alle seine Vorgänger, in die so beißend von ihm verspottete Schwahbude auf dem Montecitorio Erschrocken über die Erkennt­nis, damit eigentlich keine Staatsumwälzung voll­zogen zu haben, wollte er cS schon Ruhmes genug wissen,neues Blut in die verkalkten Adern gepumpt zu haben."

lösen darf?

ES ist keine Frage: Die Entsoyeidung, ob die deutschnationale Dolkspartei in die Regierung eintreten soll oder nicht, ist viel mehr als eine tnnerpolitische Angelegenheit. Sie entscheidet über die Frage, ob wir im Verhältnis zu unseren Feinden von gestern auf eine weitere Entspan­nung rechnen dürfen, oder nicht ob wir auf weitere Verhandlungen (für die wahrlich noch Aufgaben genug vorliegen) kommen, oder ob aufs neue eine Versteifung kommen soll, die alles in Frage stellt, die insbesondere bie Ge­fahr am Rhein neu auf den Plan ruft Ver­gessen wir nicht: Am 10. 3anuar soll der Kölner Brückenkopf frei werden. Liegt das einmal hin­ter und. so kann mit einiger Zuversicht auf die Räumung der zwei weiteren Zonen (doch wohl auch mit abgekürzten Fristen) gerechnet werden, ja, sie wird geradezu automatisch herbeigesührt werden. Wenn wir aber durch Rein sagen und Auftrumpfen den Kreisen in Frankreich Hilfe­stellung leisten, die den Rhein nicht mehr ver­lassen wollen, werden dann Herr Poincare und feine Leute die Räumung am 10. 3anuar nicht genau ebenso sabotieren (einerlei, ob sie in der Regierung sitzen oder nicht), wie fie fünf 3ahre lang jede Entspannung und jede vernünftig« Verhandlung zwischen Deutschland und Frankreich hintertrieben haben? Rein. eS ist schon so: Mögen die Deutschnationalen das Mißtrauen im Ausland verdienen oder nicht, e s i st vor­handen. und es ist Tatsache, daß denjenigen französischen Kreisen, die dieses Mißtrauen für ihre dunklen Geschäfte verwerten wollen, kein größerer Gefallen erwiesen werden würde, als em deutsches Kabinett mit entscheidendem deutsch- nationalen Einfluß.

Sprechen wir es ruhig aus: Auch die Deutsch- nationalen wollen die Freiheit des RheinS. 3hre , Aufnahme in die Reichsregierung kann aber die Erreichung dieses Ziels nicht erleichtern, fie kann sie nur erschweren. Unb das sollten toir gleichgültig hinnehmen in einer Zeit, in der die ersten Früchte unserer vielgeschmähten und nun endlich gerechtfertigtenErfüllungs- Politik" reifen? Rein, da müssen wir doch sagen, daß viel zu viel auf dem Spiele steht Die Freiheit der Rheinlande gilt uns mehr, als die Anwesenheit deutsch- nationaler Minister im Reichskabi­nett, und deshalb bllligen wir den Schritt der Männer, die sich im höchsten nationalen 3nter- effe der Erweiterung des Kabinetts nach rechts widersetzt haben. 3st es zuviel getagt, wenn ausgesprochen wird, daß es eine nationale Tat der Deutschnationalen gewesen wäre, wenn sie auf einen Eintritt in die Regierung unter den gegenwärtigen Verhältnissen wenigstens bis zum 10. 3anuar 1925 selbst ausdrücklich verzichtet hätten? ,

Don einigen besonderen Fragen em an­deres Wal.

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Berliner Skandale.

3nnerhalb der letzten vierzehn Tage ist die Oeffentlichkeit durch die Aufdeckung einer ganzen Reihe unangenehmer Vorfälle Überrascht worden, die um so peinlicher wirken, als gerade jene Kreise am stärksten in den Vordergrund ge­rückt werden, denen wichtige Olemtet und vor allem die A u f r e ch t e r h a l t u n g der Ordnung und Sicherheit in Berlin über­tragen worden finb. Zuerst kam man einer Be­st echungsaffäre auf die Spur, in die der Krirninalpolizist Peterswegen verwickelt war: dann rourben Unterschlagungen in unerhörtem Umfange auf der Hauptfund­stelle des Polizeipräsidiums aufge­deckt. jetzt ist eine neue K o r r u p t i v n s a f f ä r e enthüllt worden, die mit der Verhaftung des Leiters deS Berliner Fremdenamtes, des Re-

die Feind des Faszismus - nach einer parla­mentarisch. Riederiage Mussolinis auch König und Heer wider i h n wenden würden? Schon die Fragestellung in ihren fürchterlichen Möglich- leten für den F ifzismus genügt, um Musso­linis Anstrengungen, um jeden Preis eine solche Konstellation zu verhüten, verständlich zu machen An G.nbläsem. die da schnell fertig mit dem Wort meinen, cs steige damit nur das Problem der ersten Stunde herauf, fehlt eS freilich nicht. 3st nicht die fafzistische Miliz stärker als das stehende Heer? Würden die Truppen überhaupt auf Faszisten schießen? Stand Mussolini nicht von Anfang an die Wiederaufrichtung des altrömi- schen 3mperiums vor Augen ? War nicht er es selber, der den FasziSmus als im Grunde republikanisch bezeichnete?

Gewiß, gewiß liegen aber die Dmge noch so wie vor zwei Fahren? 3st die mächttge Waffe des allgemeinen Vertrauens nicht stumpf ge­worden, durch allzuhäuf.gen Mißbrauch ürir

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Aus der Provinz.

Landkreis Gießen.

£ Wieseck, 25. Rov. 3n der Gastwirt­schaft von Ferdinand Döring er sand am Sonntag die Generalversammlung des Land­wirtschaft!. Konsumvereins Wieseck statt, in der beschlossen wurde, daß die Haft­summe 100 Reichsmark für jeden einzelnen Ge­nossen beträgt. Der Geschäftsanteil kann bis zu 15 Reichsmark erhöht werden, ohne eine Statuten- änberung vorzunehmen. Mitglieder, die nach dem 23. Rovember dem Konsumverein beitreten, haben ein Eintrittsgeld von 5 Reichsmark zu entrichten. Das ausscheidende Vorstandsmitglied Christian Reuter wurde einstimmig wiedergewählt. Vom Aufsichtsrat schieden statutengemäß aus: Will). Kreiling, Otto Somm .lad, Hch 6 r b, Reinhard Kling: neugewählt wurden Otto Sommerlad, W ilhelm Kreiling, Karl Kreiling 111. und Adolf Weller. 3n einer lebhaften Aussprache wurde der Anschluß an d i e Raiffeisenbank erörtert, der den Zweck haben soll, das Unternehmen unabhängiger vom Geldmarkt zu machen. Die Beschallung der flüssi­gen Mittel ist immer iwch sehr schwierig und mit außerordentlich hohen Unkosten verlnüpst. so daß es für die Erhaltung der Leistungsfähigkeit de« Vereins zur gebieterischen Rotwendigk it wird, eine ständige und zuverlässige, vor allem nicht zu teure Geldquelle zu besitzen. Um hierüber weitesten Mitgliederkreisen die erforderliche Aus- klärung zu geben, wurde beschlossen, in einer demnächst stattfindenden Mitgliedervcrsamr.ilung durch einen Vertreter der Bank einen instruktiven Vortrag halten zu lasten.

-.- Watzenborn-Steinberg, 24. Rov. Auch in unserem Dorfe hat nun der Wahl- k a mpf seinen Anfang genommen. Als erste Partei brachte die Sozialdemokratie einen Sprecher hierher. Es war Frau Rimeck, die übet do« Thema ^Demokratie oder Burgerblock im kommenden Reichstag" referierte. Der Reigen ist nun eröffnet

Y Watzenborn-Steinberg, 25 Rov. Der Totensv n n tag brachte unserer Gemeinde Wei bestunden erhebender Art. Schon der Fest­gottesdienst am Rachmittag in der Kirche und am Gefallenendenkzeichen war überfüllt. Die Kirche konnte die Besucher nicht alle fassen. Abends fand dann vor überfüllter Kirche die Aufführung des Totensonntagsorato- riums von W. Daudert, Pfander in Pös­neck,Der Tod ist verschlungen in den Sieg" statt. Die Ausführung nahm einen wohlgelunge­nen Verlauf. Der Kirchengesangr^erein, die So­listen, das Orchester, das sich aus einer Anzahl hiesiger musikalischer Kräfte, die sich in liebens­würdiger Weise in den Dienst der Sache gestellt hatten, der Knabenchvr, der Organist, sie alle gaben ihr Bestes, um eine abgerundete Auf­bahrung herauszubringen. Einzelne Partien wa­ren von einer gercckezu wuchtigen Wirkung, z. B., um aus der Fülle des Schönen nur einzelnes herauszugreifen, der SchluhchorDer Tod ist verschlungen in den Sieg" und der schöne jubelnde Aus klang:Wenn denn zuletzt ich angelanget bin". Hier ist ein Stück echter Volkskunst das wir in unsere Landgemeinden Hineintagen müssen. Daß unser Kirchengesangverein sich dieser mühe­vollen Arbeit unterzogen, wird ihm gewiß bei der Gemeinde hoch an gerechnet werden und, wie wir hoffen, ihm auch neue Freunde und Mit- glicbcr verschaffen.

t Grünberg, 23. Rov. Eine Wähler­versammlung der Sozialdemokrati­schen Partei Grünbergs fand am Samstag­abend imRappen" statt. Rechtsanwalt Horn­berger aus Gießen behandelte die Frage, wa­rum der Reichstag aufgelöst worden fei, nahm dann scharfe Stellung gegen dir Kommunisten, Deutsch-Völkischen und ganz besonders gegert die Deutschnationalen. Die Rednerin Frau Ryneck aus Berlin, richtete ihr besonderes Augenmerk auf das Londoner Abkommen, sowie auf die Steuern, Svzialgesrye, Löhn«, Erwerbskosen-

Kreaturen der Richtung Poincar6 von ihrem Posten entfernt (General de Metz), daneben be­gründete Hoffnung, daß bie Ruhr nächstens, und bie erste DefatzungSzone am Rhein (Köln) am 10. 3anuar geräumt werden. Man kann schon sagen Die Erfüllungspolitik hat ihre ersten Er­folge auszuweisen (trotz schwerer Rückschläge wie die Zustizschande von Lilie' Wer will ernstlich behaupten, diese Erfolge wären auch oder wären sogar besser erreicht worden, wenn wir gegen Frankreich statt derErfüllung" d i c Methoden angewandt hätten, die uns von rechts seit Fahren empfohlen worden sind? Daß uns deshalb die Erfüllungspolitik Freude gemacht hätte, braucht wahrlich niemand zu glauben. Ein so dornenvoller, bitterer Weg konnte keine Freude bereiten.

Aber was hat daS mit der Reichstags- auf[Ölung zu tun? Sehr viel, um nicht zu sagen alles. Rur ein ganz ungenügender Kenner französischer Verhältnisse kann sagen, die Richtung Herrrot sitze für dauenrd fest im Sattel 3m Gegenteil: Die Kreise, die sich von Poincarö so überraschend abgewandt haben, können eine« Tages auch Herriot den Rücken kehren, ja sie werden es tun, wenn fie ihre Erwartung durch Herriot nicht erfüllt sehen. Das wird lmuptsächlich von Fragen der französischen 3nnen- politik abhängen. Und nun bedenke man: Pvinoarä und seine Leute sind nicht tot. Sie warten auf ihre Stunde. Die kann über Rächt kommen, und toir können dazu beitragen, daß sie kommt. Wir werden das tun, wir werden den französischen Chauvinisten Oberwaller ver- i schaffen, wenn wir ihnen durch eine falsche Außen­politik billigen Agllatronsstofs liefern. Wenn heute vier deutschnationale Minister in das Reichskabinett einträten (die dort doch wohl die Aufgabe wahrnehmen mühten, deutschnationale Pv itit zu machen), so konnteder außenpv'.i i'che Kurs nicht festgehallen werden wie seither. Diese vier Männer könnten nicht micmachen. was sie und ihr« Partei feit fünf 3ohren m der wildesten Weife bekämpft und verlästert haben. Ich habe die Erwartung von ihnen, daß sie alles daransetzen würden, um wahrzumachen, was sie solange tagtäglich verlangt haben. Rieder mit der Erfüllungsvolitik! Was aber kommt nach­her? Mit größter Wahrscheinlichkeit der Um­schwung in Frankreich, der die Gruppe Loucheur von Herriot abzieht und Poincare wieder ans Ruder bringt. Damit steigt das Gespenst am Rhein aufs neue auf. Der jahrhundertealt« Kamps um den Rhein erhielte bann ein neues, I für uns schmerzvolle« Kapitel. Wer wagt den AuSgang vorauszusagen? Gewiß, die Deutsch- nationalen wollen das nicht: fie wollen fo gut wie toir die Befreiung des Rheins Aber können sie vorschreiben, welche Wirkungen eine deutschnationale Außenpolitik in Frankreich aus-

DaS war der erste 3rrtum. Denn er griff zum Zwecke dieser Blutübertragung einfach, wie alle modernen großen Demokratien, in das eigene Parteibecken und brachte damit keinen Homunkulus zuwege, sondern folgerichtig nur einen Parteistaat, eine Parteiregierung, eine Oligarchie. Rur daß er dem Kinde einen ' Hierarchie.

Damit ist bereit« die Drücke zu den heuttgen Ereignissen und den Fragen an den nächsten Tag geschlagen. Der [ berate Sinn de« italieni­schen Volles erträgt die Herrschaft weniger gern für eine Weile, schlägt aber bann, es bedarf nur eine« Anstöße«, in harte Unbulbfamf it um, die ihren Ausdruck findet in dem bezeichnenden Dasta! Em solcher Anstoß war die Ermor­dung Matteottis durch Regierungs­stellen, wie da« Voll argwöhnte. Von dieser Er­schütterung konnte sich der Faszismus nicht mehr erboten, Denn es war eine Erschütterung des blinden, deS fast mystischen Vertrauens, das man ihm entgegengebracht hatte. Die weiteren Fehler deS Regimes alle aufzuzählen, erübrigt sich, die große Frage lautet: Was soll nun wer den? Italien sttcht jetzt unverkennbar in einem Kampfe de« FiszismuS um die Aufrechterhaltung seiner Macht, also zum guten Teile schon in dem Zu­stand deS Kampfes gegen den FisziSmrs, gegen die Regierung, gegen den f aszistischen Staat. Es ist an der Zeit, die Möglichkeiten seines Zerfalls zu untersuchen und besonders Neugierige mögen dabei einen Zipfel von dem großen schwarzen Vorhang vor der Zukunft zu lüpfen versuchen.

Wie kann eS zu einem Sturz des Faszismus kommen? Um mit dem Unwahrlcheinlichen zu beginnen durch daS W gziehen der Regierungs­basis auf parlamentarischem Wege. An sich betrachtet, wäre die Möglichkeit einer solchen Aktion trotz der faszistischen Zweidrittelmehrheit in der Kammer nicht ausgeschlossen. Denn wie sich bereits zeigt, gibt es im Schoße der faszistrschen Partei sowohl wie der parlamentarischen Mehr­heit starke, grundsätzliche Meinungsverschieden­heiten. die jeden Tag eine neue Opposition, außer ber auf dem Aventin versammelten, in dem Rumpfparlament gebaren können. Mit dem glatten Abfall der freilich nur sechs Mann starken, jedoch sehr, besonders auch.auf dem Senat ein­flußreichen Gruppe um Giolitti mußteMufso- [bu den Griff ins Wespennest, den Angriff auf die Großmacht Prelle büßen. Der steinalle und dvch noch immer schwenkungSfrohe Staatsmann konnte es nicht verschmerzen, daß man ihm seine .Stampa" sequestrierte, er sieht in der Un'ec- flcllung der Presse unter die Laune der Prä­fekten eine krasse Verletzung aller F eiheits- r«f>te. er schloß seine Anklagerede. auf welche das Parlament der Schwarch-mrden nur m t einem Betretenen Lchwe gen antworten konn'e mit der erschütterten 21 fforberung an Mufsollni die beiden so verschiedenen Männer siyea ernandrr gerade gegenüber:Aus It^d dem Vaterland behandeln Sie das italienische Volk nicht so, als ob es heute jener Frechen, die es in der Der gang en he t genoß, nicht mehr würdig wäre!" Ein Wort, ba« die Str ieg« t eil- " nehmer bis ins Mark treffen mußte. Und aus ihren Reihen gruppieren sich denn auch bie ge­fährlichsten Gegner des F szismus. I^nes immer noch revolutionär sich gebärdenden F sziSmus. S.ttcre Wahrheiten wird Mussolini m den näch­sten Tagen von dieser Seite hören müssen, allo aus dem Schoße der faszistischen Bewegung . selber heraus. Vermutlich werden bei einem Ver­trauensvotum über die innere Politik alle jere dagegen stimmen, die sich bei der Abstimmung über die äußere bloß der Stimmabgabe enchaltea haben. Dann rechne man dazu das volle Dr.ttet her Aventtnisten und man wird auf eine be- denkl che Mchrheitsäf er kommen.

Qlbe. in Wirklichkeit hat eben eine ..zu schmale Regierungsb isis" ebensowenig zu sagen toie ein glattes Mißtrauensvotum, denn ein Mussolini regiert ja nur zum Schein parla­mentarisch Spräche sich einmal das Land gegen ihn aus würde er dann seine Positron mit Ge> toalf halten? »Gewiß!" antwortete er schon einmal selber auf eine solche Frage.

Fvlgllch: Da die parlamentarische Mehrheit bet F sz sten identisch ist mit Faszio und Regie­rung müßte einem Zusammenbruch entweder eine tödliche Spaltung oder ein erfolgreicher gegnerischer Rammstoß wider den faszistischen Turm vorausgch.m. 3m ersteren Falle, darüber g.bt es gar feinen Zweifel, tour e der ^rün-weih-rote Bolschewismus um den Ausdruck eines der bekanntesten Kriegsteilnehmer und Abgeordneten, der dam t feinen Austritt ans der faszistischen Partei begründete, zu ge­

braucht unb vertan?

Die Dinge liegen heute anders, wer! sich der F.sz-smus dem Vorwurf, nur Mittel zum Zweck gewesen zu sein, nicht völlig zu entziehen wußte. Es rächt sich jetzt, daß er das Große, das er leistete und -das man ihm niemals ab- sprechen sollte, durch die Uebergriffe seiner Dauer- revolutionäre und Zwecksaszisten b.f.ecken 1 Lieber fünftausend F iszisten, glaubte sich Mus.o- lini verteidigen zu können, liegen im ^fängnis aber wie tief läßt eine solche Zahl doch blicken! An feinen Eiferern wird der Faszis- mus zugrunde gehen. Vorher aber wird es Dlih und Donner geben. Alle Möglichkeiten

stehen offen.

Worum es geht.

Don KreiSschulrat Fischer.

I.

Die Frage nach Sinn unb Bedeutung der Wahl vom 7. Dezember beherrscht man kann nur sagen erstaunlicherweise die Erörterung in der Oeffentlichkeit keineswegs in dem Maße und mit der Eindringlichkeit, wie man es elgent- -| [ich erwarten sollte. Wer in politischen Versamm­lungen genau hmhört, vernimmt oft mit Ver­wunderung, über wieviele Dinge da verhandelt wird und wie doch nur zu oft die letzte, bedeut- amfte Entscheidung nur ganz ungenügend zum Ausdruck kommt. Daß man daneben nicht selten auch völlig einseitigen und gänzlich irreführenden Darstellungen begegnet, kann nicht Wunder neh­men. Es gibt eben Stellen, die zu einer solchen Behandlung der augenblicklichen politischen Lage alle Veranlassung haben.

Der Kardinalpunkt der politischen Lage ist bie Frage: I

Welche Außenpolitik tut uns not? Wir Demokraten behaupten: Es handelt sich heute und morgen um nichts weniger als um die Befreiung des Rheins und damit in weiterem Sinne um die Grundlagen unterer Zukunft. Hm sich den Ernst I dieser Lage klar zu machen, ist es nötig, die Ge­schichte zu befragen. Man weiß, daß es in Frankreich ein jahrhundertealtes Streben nach der Rheingrenze gibt, das uns feit den Tagen I Richeliu's bedroht, das wiederholt bedenklich nahe daran war, erfüllt zu werden, und das die französische Diplomatie 1919 zu Versailles zum Siege zu führen hoffte. Daß dieses Streben vor 5 Fahren nicht zum Ziele gekommen ist, geht auf Hrsachen zurück, die wir heute ganz genau kennen. Wir wissen aber auch, daß weiteste Kreise | in Frankreich auch heute noch dieses Ziel durch Ausnützung der Besahungssristen am Rhein zu erreichen hoffen. Darum hat sich seit 1919 die Außenpolitik Frankreichs in erster Linie bemüht, und kein Mittel ist der Pariser Politik schlecht genug gewesen, um in den Dienst dieser 3dee ge­stellt zu werden. Man muß schon sagen: Was un­sere Brüder am Rhein feit 5 Fahren erduldet haben: Drangsalierung. Ausweisung, Separa- tiften alles waren Mittel in der Hand einer | unbedenklichen, konsequenten Politik Frankreichs mit dem Ziele: Wir bleiben am Rhein.

Dieser gefährlichen Lage gegenüber konnte es für die deutsche Politik nur eins geben:. Alles daraus abstellen, daß die französischen Anschläge fo lange abgewehrt wurden, bis einmal eine Ent­spannung zwischen Deutschland und feinen Geg­nern erreicht war. Es galt, die Erhaltung der Rheinlande durch die Zell der französischen Er­oberungsgelüste hindurchzuretten. Dies war letzt­lich der Sinn der vielgeschmähtenErfüllungs­politik". So lange unsere Gegner in geschlossener Front gegen uns standen, gab es für Deutschland feinen anderen Weg ins Freie, und für die Rhein­lande keinen anderen Weg zur Freiheit alsEr­füllung". Erfüllungspolitik ist Befreiungspolitik. Daß das eine Politik der Entsagung sein müsse, daß sie unpopulär sei unb viel angefeinbet werde, mar zu erwarten. Aber gab es einen anderen Weg? Wer hat bis zum heutigen Tage einen andern, wirklich gangbaren Weg gezeigt?

Unb nun ist im Mai der große Umschwung in Frankreich gekommen. Die Vernichtungspoll- tifer in Paris wurden abgelöst durch Männer, die »U Verhandlungen und zu Verständigung bereit toaren Hnd seit wenigen Monaten sehen toir nun eine wirklich fühlbare Entspannung in dem Ver- bällnis zwischen Deutschland und Frankreich: Dortmund, Darmstadt, Mannheim, Offenburg, König«winter u. a. geräumt die Zollschranken aufgehoben, die Steuerhoheit wieder herge- | stellt die Regie beseitigt, schwer belastete