llr. 252 Zweites Blatt Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Tberhefsen) Samstag, 25' Moder (92|
Begeisterung und Politik.
Zeppelinbetrachtung eines Nörglers.
Don unserem Reuyorker x-Berichlerstatter. 2lad/Z)ni(f, auch mit Quellenangabe, verboten.
Trotzdem unser Mitarbetter in Reu- york die deutschfreundliche Sllmmung, die der Zeppelinslug in Amer la aus- löste, skeptischer beurteilt als man lo6 sonst in der Oeffentlichkeit hört, glauben wir seine Detrach u <gcn unteren Lelern doch zur Kenntnis b 1 'gen zu uruisen, weil sie mit in eressanten Ver- gleichen belegt sind. D. Red.
Reuhork, 11. Oft 24.
3a, eS war ein gewaltiger, die Menge berauschender und den Deutschen stolz btglückendrr Anblick', alS daS silberglänzende Meisterwert beut- schen Geistes, deutschen Wagemuts und deutcher Tatkraft den Himmel der amerilani'cheir Mi Lc- nenstadt furchte Die Schilderungen der hie i en Matter, bk zweifellos schon zum Teil nach Deutschland gekabelt wurden, sind nicht übertrieben. ES war wirklich cjn Zeppelintaumel über die geschäftigen Reuyorker gekommen, und ihre Dankbarkeit für das große Ereignis — ein hier ganz seltenes Gefühl — übertrug sich wirklich ehrlich und spontan auf ®€rnumt) und die Germans, die sich eben wieder einmal „als verdammt geschickte Kerle" erwiesen hatten Und keiner bekam diese Hochachtung mehr zu fühlen alS wir Deutschen, die wir hier gerade zur Verfügung standen.
Es ist also Haussestimmung für Deutschland, das kam auch in der fabelhaft raschen äleberzeichnung der Dawesanleihe und in der überhaupt wachsenden Geneigtheit, sich in Deutschland zu engagieren, zum Airsdruck. Die plötzliche Bedeutung, zu der alles Deutsche plötzlich in Amerika gelangte, wird gesteigert durch das Gewicht, das die deutschamerikcrnischen Stimmen in ihrer neuen Geschlossenheit diesmal wieder für die Präsidenten- und Kon- grehwahlen gewonnen haben.
Alles durchaus erfreuliche Tatsachen. Wenn ich trotzdem heute einen etwas skeptischen und warnenden Rörglerartikel in die Heimat schicke, so geschieht das vor allem d^halb, weil ich nur allzu gut die naive Reigung meiner Deu'- scheu kenne, vorübergehende S.immuigen. Höflichkeiten und Augenblickskundgcbui gnt f \nv der Völker ihnen gegenüber als pure, u verwüit- liche Goldmünze anzusehen, und danach die eigene Haltung unb leider meist auch die eigene Politik einzustellen.
Man muh gerade am Togen, an denen das befriedigte Senfationsbedürfnis — und das heiht Wohl die stärkste Leidenschaft des Amerikaners — den Deutschen bereitwillig unb liebenswürd g jede Anerkennung spendet, sich im stillen Kämmerlein wieder erzählen lassen, was für unerhörten Mißhandlungen und Infamie n bk Deutschen in Amerika jahrelang ausgesetzt waren, und tok auch noch lange Zeit nach dem Kriege es eine Art Sport hierzulande blieb, alles Deutsche herabzusetzen.
Lind doch stand seil 1911 hinter dem Potsdamer Schlosse eine ^Nachbildung des Steuben- Denkmals in Washington, ein Geschenk des Kongresses der Vereinigten Staaten und — wie d e Inschrift besagt — ein Symbol nie getrübter und unverbrüchlicher Freundschaft. Rur drei Jahre Weiteri — Die allmächtige öffentliche Meinung in Amerika schleuderte täglich wah e Schmutzfluten deS HasseS und derVerleumdung gegen Deutschland, so bah wir uns ahrungslos fragten: Wodurch haben wir das verdient? Ach — ein Rarr nur wartet auf Antwort.
Und gerade am grohrn Zeppelintag rief mein alter deutschamerikanischer Bekannter eine andere Erinnerung wach. Es war am 9. Juli 1916, als das Handelsunterseeboot „Deutschland" mit seinem wackeren Kapitän Paul Kö° ,n i g nach einer wagemutigen ersten Fahrt über den Ozean, auf dem überall wach am und ems g die feindlichen Kriegsschiffe patrouillierten, glücklich in den Hafen von Baltimore einles. Auch diese deutsche Tat war ein Rekord, eine techni ch? Mcisterleistung und ein küh es Heldenstück. Und dce Amerilaner haben dos damals offen und ehrlich anerkannt. Die „Deutschland" war eine Sensation und der Respekt vor dieser deutschen Lat kam nicht minder spontan und im Aug n lick auch aufrichllg zum Ausbruch, wie jetzt an Zeppelintage. Der Jubel war nicht so laut wie heute, aber im'Publikum und in der Presse herrsche eine ähnliche Begeisterung, und gespannt verfolgte man hier die Heimrcie des Kapitän König, von der er eine nxim?He Fracht in die We ec-mündung einbrachte. Unb man trauerte in Amerika, als das Schwesterschiff „Bremen" verschall.
Seltsame Aitterwochen.
Rvman von Arnold Fredericks.
29. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
„ülnd aus welchem Grunde sollte ich tränen?" fragte der Mann ruhig.
„Ich habe aus die Präfektur telephoniert. In einigen Minuten ist ein Rlann hier, um Sie zu verhaften. Ich rate Ihnen, ruhig hier zu bleiben, bis er da ist."
Der Räuber ging zum Fenster, von cem aus man die Averrue Kleber übersah. zog den Vorhang zur Seite und sah hinaus Grace war neugierig, ob er draußen befindlichen Hellern irgend ein Zeichen geben würde. Er sah eine Weile aufmerk'am aus die Straße, dann wände er sich zur Mitte des Zimmers -urück. „Ich werde -Ihren Rat befolgen, Mademci elle, und waren," bemerkte er ruhig.
Stapleton war sprachlos vor Wu' Er turfie Vichts tun, denn er wußte, daß er ich les Wster- standes gegen die Polizei u cd de. Beihilfe zur Flucht eines Verbrechers schrullig ma.ei wär e. Er sah auf seinem Stuhl und verwünsch 1 in c = lief) Grace mit amt icr go.zm Pari er P ivi.
Keines der dr i sprach e. r.gc Mi rut.n lang ein Wort. Es schien Grace eine Ewigkeit, da vernahm sie das schwache Läuten der Hausg^cke, als auch schon die erschreckte Dienerin mit dec Rachricht e richten, ein Dell k o von er Pr. ll u. fei im Vorraum und wärise c Herrn Stapleton sofort zu sprechen. S c htc.e dies kaum . nsge- richtet, als ein starker Mann in bürge.! cher Kleidung neben ihr herein drän ,tc
Er sah rasch um sich G. ,v ? erinnerte sich nicht, ihn vorher je gesehen zu haben.
In Amerika aber wuchs trotzdem die Deutschenfeindschaft und bald hätte man am liebsten jede Spur von Deutsch-um vom eigenen Boden vertilgt. La Follette hat dieser Tage die furchtbaren Leiden der $teurfdyimerifcr'er in je er Zeit mit flammender Entrüstu rg grkennzeichnet. — Kurz: am 3. Februar 1917 ein tzalbcS Jahr nach bem „Ll.-Deutschand"-Iubel, br»ch die amerikanische Regierung die Dezkhu"g?n zu Deut ch- land ab, weil dieses in seinem ne zweifelten Eri- stenzkampf nicht auf die Mög.ichkZ en ferner 11- Bvots-Waife verzichten wollte Und im April gesellte sich die amerikanische Republik offiziell und aktiv der schon vorhandenen Heverma-cht unre er Feinde zu und entschied dadurch legten Ences den Ausgang des großen Ringens.
Muh man am großen Tage Deutschlands in Amerika noch den Ramen Wcvdrow Wilson nennen?
Ich, will ja mit diesen Zeilen nicht unnütz in einer schlimmen Bergange 'heit wühen, oder- gar eine unfruchtbare Verbi.terung näh en. Ich will nur deutsche Gutgläubigkeit, deutschen Optimismus und deutsche Heberschwenglichkeit tixnren, bah sie nicht voreilig deutsche Politik mit dem amerikanischen Zeppelin-Enthusiasmus verquicken.
Auch bas Interesse an der Dvwesanleihe, dessen Erfreu!ichke'.t wir nicht zu Leugnen brauchen, ist hier vor allem doch ein Interesse an der guten Verzinsung bzw an den gute., Provisionen. Gleichzeitig aber bestehl z. D. in der Hearst-Presse auch eine scharfe Gegnerschaft, und es ist durchaus nicht ausgeschlossen, tx>h. wenn eine künftige politische Entwicklung in Deutschland mit der Durchführung des Dawes.'larnes in amerikanischem Sinne nicht ganz verrinbar sein sollte, amerikanische wie englische Enttäuschungen sich wieder einmal sehr fühlbar gegen Deutsch- Ian d wenden.
Die antideutsche Propaganda ist hier nur eingestellt. Sie liegt sicherlich nur unter einer dünnen Decke. Wie furchtbar leicht aber gerade das amerikanische Volk durch eine ziel- bewußte und skrupellose Agitattvn „umgexr h." und wild gemacht werden kann, hat ja di? bittere Anklageschrift von Philipp Francis „Das Gift in Amerikas Becher" die bekanntlich vom G a en Reventlow ins Deutsche über e ,t wurie, geleh.t.
Deutschland jjnih mit neuer Tatkraft der Gegenwart leben unb bieZukunftauf- bauen. Dabei wird es in Amerika sicherlich die wertvollsten busineß-Partner haben. Aber man soll eben nie vergessen, bufineß - Partner. Bloße Gefühle und Cnf u iasmen ttnb vergänglich wie die Sensationen, welche sie her- vorriefen. Et hoc meminisse juvabit.
Japan und der Bolschewismus.
Von unserem ^-Korrespondenten. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Tokio. Ende September 1924.
Rächst den Vereinigten Staaten hat Japan zweifellos stets die größten Befürchtungen gehabt, mit dem Bolschewismus unb seinen umstürzlerischen Gedanken in nähere Berührung zu kommen. Es hat ihn lange Zeit in Sibirien mit den Waffen bekämpft und bei seinem allmählichen Zurückweichen nach Osten stets versucht, einen Pufferstaat wie die Republik des Femen Ostens ober bie „Weiße" Regierung der Brüder Merkulow in Wladiwostok zwischen sich und die nach dem Stillen Ozean vordringende Sowjet- regicrung zu legen. Trotzdem sah sich Japan aus politischen Rücksichten gezwungen, in Verhandlungen mit den Sowjets einzutreten, bie durch Ereignisse wie die Ermordung des Ministerpräsidenten M a r a hn Rovember 1921 und das Attentat auf den Prinzregen te n im Dezember 1923 immer wieder unterbrochen wurden, weil man bolschewistische Einflüsse hinter den Vorgängen vermutete. Diese Besorgnisse gingen so weit, daß die Regierung im vergangenen Jahr einen Gesetzentwurf gegen die „gefährlichen Gedanken" im Parlament vorlegte, der aber nicht angenommen wurde.
Es ist nun beachtenswert, daß sich in der letzten Zeit bie japaniscke Oeffentlichkeit vielfach mit der Frage befaßt, ob Japan eine Revolution drohe, wobei besonders ein ausführlicher Artikel, der in sehr gutem Ansehen stehenden Zeitschrift „Oriental Economist" über diese Frage zitiert wird.
Ganz allgemein sind viele japanische Rationalisten der Auffassung, daß das japanische Volk entnervt unb lässig geworben ist. Sie belegen diese Ansicht damit, dah bie ungeheure Beleidigung, die nach ihrer Ansicht die Vereinigten Staaten mit der vollständigen Ausschließung der Japaner von der Einwanderung dem japanischen Volke zu- gefügt haben, nicht die entsprechenden Rückwirkun-
„Ich bin vom Polizeipräfektm gesandt" ergriff er das Wort unb ging auf den Entführer zu. „um diesen Mann zu verhaften."
Im selben Augenblia vernahm Grace bas Klirren der Handschellen, die er um die Handgelenke des Schwarzbärrigen legte und zuschnappen ließ.
Der Räuber lächelte scher-zhaft. „Ich begleite Sie mit Vergnügen, mein Freund." "tagte er.
Stapleton verfolgte alles in hilflosem -Zorn. Ec empfand bitterlich die OCrt, in der bie Polizei sich fortwährend in seine Pläne zur Wiedec- erlangung feines Kindes einmifchte. Eines, els war er ja froh, daß der schuldige Mann verhaftet war. abei es wäre wirklich furch bjr, wenn dies der Anlaß für die Ermordung seines vermißten Knaben werden sollte. Er wandte sich an den Rkann mit dem schwarzen Bart, der lächelnd Lei der Tür stand.
„Ich hoffe. Sie sehen ein,“ sagte er, „daß ich mit dieser Sache nichts zu tun h.rbo — nicht das geringste. Die Gegenwar. dieser Fran war reiner Zufall. Ich hatte ve gellen, daß sie im Rebenraum war. Ich trä.-e «.vier ings froh g'- wesen, Sie für den Rest Ihres Leie L cinge’perrt zu wissen — aber nicht, wenn dies die Rückte, r meines Knaben verändern sollte."
Der Mann mit dem schwarzen Bart lächelte vergnügt weiter.
-Ich gxube Ihnen, m*in Fr und " sagte er. „Es ist ihm ja noch nichts grichehm. Trotz der eifrigen Bemühungen die es Serm von der Präfektur Hofe ich morgen abend wiederzulommen, und das Wohlergehen Ihros Kindes häng d.-.von ab, bah Sie Lefevre unb arch Ihren Duval! überredet haben, mich ungsstorc handeln zu lassen.
gen auf die Volksseele des Japaners gehabt habe. Diese Erscheinung wird dahin erklärt, daß der Cinwanderungskonslikt mit Amerika keineswegs einen tiefgehenden Eindruck gemacht hat. weil bas japanische Volk durch ein ihm näher liegendes Problem weit mehr berührt wurde, nämlich die mißliche wirtschaftliche Lage. Wenn keine Abhilfe geschaffen würde, könnte dieses Problem den Eintritt der Revolution beschleunigen.
Zwei Gründe haben die wirtschaftliche Lage so drängend gemacht, einmal die nach dem Weltkrieg einsetzende Wirtschaftskrise und bann das große Erdbeben vom September vorigen Jahres. Man sieht auch keine Möglichkeit, daß sich die wirtschaftliche Lage besserns könnte. Die Prichuktion ist zum Stillstand gekommen. insofern sie eine gewisse Höhe nicht überschreitet, und die Preise behalten ihren besonders hohen Stand. Japans Auslandsmärkte finb von den fremden Staaten nach dem Kriege zurückerobert worden. Infolgedessen ging der Export mehr und mehr zurück. Lind obwohl Japan eine weitgehende Zollpolitik betreibt, nimmt bie Einfuhr dauernd zu und verschiebt die Handelsbilanz immer mehr auf die Mlnusseile. Infolgedessen hat sich die Regierung veranlaßt gesehen, jetzt eine lOOpvozentige Luxussteuer einzusühren, um den heimischen Markt zu kräftigen. Doch wird allgemein bezweifelt, daß diese rigorose Maßregel Erfolg haben wird.
Dazu kommt die bei den letzten Maiwahlen wieder zu Tage getretene Erscheinung, daß das Volk als solches an den politischen Ereignissen des Landes immer weniger Anteil nimmt und nur e i n kleiner Kreis von ehrgeizigen Politikern die Geschicke des Staates regiert. So hort man jetzt vielfach den alten chinesischen Spruch zitieren: „Wir essen, was uns das Land gibt und trinken das Wasser aus dem Brunnen, den wir gegraben haben. Was soll uns Gutes vom Kaiser kommen?" Dabei wird ein Blick auf die Geschichte des Oanbeä geworfen und betont, daß der Erweckung Japans durch die Schiffsgeschütze des amerikanischen Commobore Perry im Jahre 1853 eine Zeit vollständiger Politik eher Agonie vorausging. Ein ähnlicher Zustand sei jetzt wieder eingetreten. Amerika habe damals diesem Zustand ein Ende bereitet. Ebenso könne jetzt sein Vorgehen in der Einwanderungsfvage den jetz'gen Zustand beendigen. Der Weg dieser zweiten Restauration werde aber ein anderer sein wie damals der der ersten. Damals sei auf das feudale System der Shogune mit seiner vollständigen Abschließung von der Außenwelt die Oeffnung des LanbÄ für die
Es ist der einzige Weg, auf dem Sie etwas erreichen können — dei'ei versichere ich Sie."
Dann wandte er sich dem Polizisten zu: „Ich bin bereit, Sie zu begleiten, Monsteur!"
Der Beamte ging auf die Türe zu. die in den Dorraum führte. Er hatte kaum zwei, drei Schritte getan, da erschien die Dienerin in der Tür; sie sah bestürzt aus
„Herr Stapleton," stammelte sie, „es ist ein Mann von der Präfektur da."
Stapleton ging auf die Tür zu.
„Roch einer?“ rief er aus. „Was bedeutet das?" ,
Der Mann, der den Entführer gefesselt hatte, trat zu Stapleton heran und sprach rasch lei'e auf ihn ein.
„Lassen Sie mich machen," flüsterte er. „Der Bursche .der eben kommt, will uns täuschen — es ist ein Helfer. Er gibt an, von der Polizei zu sein, um feinen Genossen zu befreien, der ihm zweifellos durch das Fenster ein Zeichen gegeben hat. Bitte, treten Sie i.r dies Zimmer — er deutete nach der Bibliothek — und lassen Sie mich mit ihm verhandeln."
Stapleton zögerte. „Was wollen Sie tun?" fragte er.
„Rasch," ragte der andere chne weitere Erklärung, „er w rd gleich her sein. Führen Sie den Herrn herein!" fag.e er der erstaunten Dienerin.
Der verwirrte Bankier ging in das angrenzende Zimmer.
..Bitte, gehen Sie mit.“ sagte der Beamte zu Grace. „Es könnte gefährlich werden."
„Ich habe feine Angst." erwiderte Grace, die aus dem Gang der Dinge nicht klar wurde. Der Mann jedoch beachtete ihren Widerspruch
Fremden und die WicDerherstellung der Biacht des Kaisers erfolgt. Vom Feudalismus fei man damals zu dem Liberalismus geschritten, der sich mit den Jahren in einen ausgesprochenen Imperialismus verwanhelt habe. Run sei es die Aufgabe der neuen Restauration, diesen Imperialismus in den wahren Liberalismus zurückzubilden.
Hierbei lautet die Frage: Kann dies Ziel durch Aufwärtsentwicklung, also durch Evolution, oder nur auf dem Wege eines BrucheS, einer Revolution, erreicht werden? ES ist schwer, diese Frage mit einem glatten „nein" oder „ja" zu beantworten. Eine gewisse Unruhe macht sich zweifellos im Volke bemerlbar, die auf die schon eingangs erwähnten wirtschaftlichen Schwierigkeiten ^urückzuführen ist. Wie in anderen Ländern könnten diese auch in Japan den fruchtbaren Boden für gewalttätige Ausbrüche der Vclks- leidenschaft wohl ebgeben. Die in den niederen Schichten des Volles noch bis heute nicht überwundenen Schäden durch das Erdbeben verschärfen die Stimmung, besonders, da man auch in Japan die Erfahrung gemacht hat, daß sich Einzelne Durch solche Katastrophen zum Rachteil der anderen bereichert haben. Zweisellos haben die Japaner heute eine bessere Regierung als die Franzosen zur Zeit der großen Revolution und die Russen beim Sturz des ZarentumS. Trotzdem kann man die Augen nicht vor der Tatsache verschließen, daß die radikalen Elemente zugenommen haben, hauptsächlich immer wieder durch die mißliche wirtschastliche Lage deS Landes. i
Der Prinzregent verläßt sein HauS nicht, ohne von einer Eskorte von Geheimpolv zisten umgeben zu sein. Die Straßen, die er durchfährt. sind von der Polizei ganz besonders streng überwacht. Es war auch symptomatisch, daß altex erfahrene Japaner nach den Vorträgen des indischen Philosophen T a g o r e In Tokio diesen baten, ihnen doch von Indien noch weitere kluge Männer zu schicken, da Japan solche Lehnneiste» heute ganz besonders nötig hätte.
Trotzdem scheint es abwegig, von einer nahe bevorstehenden Revolution in Japan zu sprechen. Gefahrenherde sind genügend vorhanden, darüber sind sich nicht zuletzt die leitenden Männer der Regierung im klaren. Aber die haben ihre Aufgabe erkannt und sie versuchen energisch, das Land vor Einern älmsturz zu schützen, der hier wie anderswo keine Rc^'-'uration, sondern nur Rückfall bedeuten würde. Unb fo rüstet man zu Abwehrmatzregeln sowohl auf innen- wie auf autzew politischem Gebiete.
nicht. „Gehen Sie fefert; rm Ramen des Gesekes befehle ich es Ihnen!"
Sie zögert? nicht länger unb Hgto Ctapk- ton in die Bibliothek. Währenbde'sen betrat der Ankömmling den Empfangsraum
Der Mann mit dem schwarzen Bart stand aus der einen Seite des Ci-agangs. Sein Hüter ging dem Reu gekommener entlegen.
»Hier habe ich ihn." ri s er ihm zu und zeigte auf den Räuber, „ icher geschloffen."
„Wer find €ie?“ fragte ku.z der Mann, der eben eingetreten war.
„Ich bin Privatdelektiv Das ist der Gesuchte. Wir wollen ihn sofort mi nehmen “
Der Beamte ertoiber-e nichts unr> ging rasch auf den Bkairn mit dem chw^rzen Ban zu
„Komme.i Sie mit mir. sagte er barsch und legte die Hand auf des ändere t Arm.
Ta schüttelte der Räuber die Hände. Die Handschellen fielen llirrend ;u Boden. Ohne ein 2tori zu sagen, leg e er seine Läftigen Arme wn den Hals des erstaunten Bea.n en und drückte ihm die Kehle zu. Sän Jem se zog, nicht weniger flink, ein Tcrichmtuch hrrvor und stopfte es in den Mu.rd de^> iBramtcn, der mrf?h:g war, einen Laut von sich zu g.be.i.
Ties alles geschah so ::{d> daß Grace, die hinter dem Vorhang im Durchgang stond und den Raum Ex? b^ch^ ?, biof; . ha te, einen Schrei auszustoße-,s der c: g komm ne vom Würgen lei in' ungslo? Eil to.- una still auf dem Boden lag, w h end die zwei die offenbar Bundesgenossen waren, sich zum Cehen fertig machten.
Der schwnr;bäriige Bursche fegte sich rasch die Handschellen um seine eign en Gelenke.
lForiietzung folgt.)
Landwirtschaft und Gartenbau.
Ist die Kunstdüngeranwendung noch rentabel?
Von Dr. Lehr, Hess. Landwirtschaftsamt Lich. (Rachdruck verboten.)
Jeder Landwirt weiß wohl, daß durch rechtzeitige und richtige Anwendung von Kunstdüngo- mtiteln die Ackererträge wesentlich gesteigert werden können: leider sind aber viele Landwirte in dem Glauben, daß eine vermehrte Anwendung künstlicher Düngemittel bei den angeblich hohen Düngemittelpreisen nicht rentabel und es deshalb bei den jetzt herrschenden geldlichen Schwierigkeiten das Richtige sei, den Ankauf künsllicher Düngemittel wesentlich etnzuschränfen, wenn nicht gar vollkommen zu unterlassen.
Wer von diesem kurzsichtigen Standpunkt fein ganzes Tun und Handeln beherrschen Iaht, wird schon in der allernächsten Zukunft diesen Trugschluß schwer bereuen müssen.
Wie liegen denn eigentlich die Preis Verhältnisse bei den landwirtschaftlichen Produktionsmitteln, die bin gesamten Betriebsaufwand barftelien ? Gin scharf beobachtender und auch rechnender Landwirt wird gewiß schon bie Feststellung gemacht haben, baß von allen Betriebsmitteln, die käuflichen sowohl wie bie nicht käuflichen, es gerabc neben den Arbeitslöhnen die Kunstdüngemcktel sind, die kaum die volle Höie der F iedenspreise erreicht hiben, wäh end doch alle anderen Produktionsmittel rund doppel: fo teuer geworden s.nd wie vor 1914. Da nun Löhne und Kunstdünger in gut geleiteten Betrieben rund 50 Prozent des gcs mten Betr ebsciufwan^es ausmachen, ist die andere Hälfte dts Betriebo- aufwcrndes runb doppelt so Liter zu be-,ah en wie zur Fr.edenszeit. Was ergibt sich au3 bie e • Feststellung für den Landw rt ? Jede.-überlegende Landw rt wird bie einzig richtige Schlußf Lg.r ng heraus ziehen und den Teil des ©e'amtbetrieb> aufwandes, der doppelt so truer w'e vor 1914 rst, auf vielleicht mir 20 bis 30 Proz. anstatt 50 Proz. herunterbrücken und anberfetto den Auf
wand an Dünger und Arbeit von 50 auf Z0 bi- 80 Prvz. des Gesamtaufwandes steigern. Aus diese Weise vermindert er beträchtlich den Verlust, den er durch die um 100 Proz. teurer getotubeiten Betriebsmittel ohne Zweifel erfei. et, und obendrein wird er den ganzen Betrieb durch Steigerung der jetzt billigen Betriebsmittel Dünger und Arbeit viel rentabler gestalten können
Auch eine einfache Bevechming -eigt unS, daß die Anwendung künstlicher Düngemrltel heute keinesfalls teurer als in der Vorkriegszeit ist. Richt die absolute Höhe der Düngemiltelpretse ist bei der Deurtellung der Rentabilität maßgebend, sondern das Preisverhältuts zwischen den Düngemitteln und den Ernteprodukten sowte der Produktionswert der Düngemmel Stelll sich der Landwirt ein solches Preis Verhältnis zwischen den Düngemitteln einerseits und den Grmeprobukten andererseits für 1913 unb jetzt zusammen so wird er bei den landwirtschaftlichen /Produkten eine wesentliche Preissteigerung gegenüber 1913 fest» stellen können, während bie künstlichen Düngemittel ihrerseits eine Preissteigerung gegenüber 1913 im allgemeinen nicht aufweifen. Auch wenn man den Produktionswert einer mittelstarken Düngung der Berechnung zugrunde legt, ersieht man, daß bie Düngung jetzt nicht teurer als im Jahre 1913 ist, ja daß man jetzt sogar weniger Ernte-, Produkte zum Ankauf einer mittelstarien Düngung benötigt als im Vorkriegsjahr. Angenommen V-t Hektar Ackerland sei mit 8,5 Kg Stickstoff. 10 Kg. Phosporsäure und 20 Kg. Kall gebüngi worden, waS etwa 80 Pfund schwefelswurem Ammoniak, 1 30 Ztr. Th>masmehl und 1 Ztr. 40proz. Kalisalz entspricht, so würbe biefe Düngung jetzt runb 18,50 Mk. kosten und hätte denselben Geldwert wie 1,65 Ztr. Getreide (1 Ztr. gleich 11 Ttlt', ober 5,30 Ztr. Kartoffeln (1 Ztr. gleich 3.53 Mk). Rehmen wir an, daß 1913 diese Düngung ebenfalls rund 18,50 Mk. gekostet hat, so hätte aber 1913 diese Düngung einen Geldwert wie 1,90 Ztr. Getreide (1 Ztr. gleich 9,50 Mk) ober wie 7,50 Ztr. Kartoffeln (1 Ztr. gleich 2,50 Mk.) Hieraus ist doch zu ersehen, baß das Verhältnis ber Dünger-


