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Der Beamtenabbau in Preußen.

Berlin, 24. Sept. (WTB.) 3m Preußischen Landtag standen zur Beratung die Anträge des Ausschusses für Deamtenfragen aft Aushebung bzw. Abänderung der P ersona labbau Ver­ordnung. Die Mehrheit des Ausschusses Hut folgende Entschließung Vorgeschlagen:

1. Das Justizministerium wird ersucht, dem auf Grund der preußischen Abbauverordnung gc= bildeten Ausschuß möglichst bis z-rrn 1. Oktober 1924 ein Gutachten zu unterbreiten, ob der Ab­bau von Wahlbeamten mit der Reichs- versassung in Einklung zu bringen ist.

2. Dis 8um Eingang des Gutachtens und seiner Nachprüfung durch den Ueberwachangs- ausschuß hat ein Abbau von Wahlbeamten za unterbleiben. Das Staatsministerium toird ersucht, entsprechend dem Beschluß, des Reichs­tags und dem Borgehen der Reichs reg ierung, den weiteren Personalabbau auf Grund der Verordnung einzu stellen und die er­forderlichen Anordnungen an die Nachgeordneten Behörden (einschließlich der Kommunalbehorden) zu erlassen, sobald der Abbau in Pre rßsn rn dem Maße durchgeführt ist, als das nnt Rück­sicht auf die Einschränkung des A rfgabenkrerses, die Abnahme des Geschäftsumfanges oder die Veränderung der behördlichen Einschränkungen geboten erscheint.

Abg. Hirsch (Soz.) sucht nachzuweisen, daß man bei der Ausführung der Verordnung sehr bald ihren Zweck aus den Augen verloren und sich ihrer bedient habe, um aus politischen Gründen mißliebige Beamte zu beseitigen. Das sei ein Mißbrauch der Verordnung. Am imgcnierteften und rücksichtslosesten sei man dort ausgetreten, wo das Ziel die Beseitigung von Sozialdemokraten aus ihren Aemtern sei. iDeisall bei den Sozialdemokraten.)

Abg. Ebersbach (Dtschn.): Auch wir sind Überzeugt, daß

politischer Mißbrauch mit den Verordnungen getrieben

worden ist, und wir waren die ersten, die im ständigen Ausschuß auf das Hineinarbeiten von Sicherungen in die preußische Verordnung gedrängt haben. Unter der Ausführung der Ab­bauverordnung haben vor allem die deutsch- nationalen Beamten zu leiden gehabt (Widerspruch und Unruhe links), ohne daß sich die Sozialdemokraten darüber aufregten. 3etzt schreien sie über Mißbrauch und Vergewaltigung, wo sie meinen, die Verordnung werde politisch gegen sie selbst ausgenützt. Auch läßt es sich wirklich nicht vertreten, daß in dem Abbau eines soziaLbemoeratischen Stadtrats ein politischer Mißbrauch erblickt wird.

Abg. Da um hoff (Ztr.): Wir können und werden einen Mißbrauch der Verordnung zu po­litischen Zwecken nicht dulden. Der Fall Scheide­rn ann-Leinert hat mit den Ausschuhentschlie- Hungen nichts zu tun. Es müssen klare Rechts- verchiltnisse geschaffen werden. Beim Abbau von Scheidemann und Leinert liegt zum mindesten der -Verdacht vor, daß es sich hier um politische Gründe handelt. Die Sozialdemokraten haben da, wo sie die Macht haben, ihrerseits auch solche Dummheiten gemacht.

Abg. Meyer-Herford (Dt. Vp.) hebt die 1 Vortrefflichkeit des deutschen Berufsbeamtentums »hervor. Mich seine Partei sei stets für die Be­amtenschaft eingetreten. An dem baldigen Ver- schwinden der Abbauverordnung habe auch die Deutsche Volkspartei das größte Interesse. Auf das besetzte Gebiet muffe bezüglich der Durch­führung der Abbauvervrdnung nach Möglichkeit Rücksicht genommen werden.

Abg. Bertold (D.): Der Landtag solle auf feine politischen Freunde im Reichstag einwirken, von der Reichsregierung die Aufhebung der Äbbauverordnung zu verlangen. Zwecks Erspar­nissen sollte das Steuersystem und seineiHand- babiing vereinfacht werden. Der Mißbrauch der Abbauverordnung müsse aufhören. Wir wün- s'chen jedenfalls, den Behörden die Waffe der Äbbauverordnung nicht länger in der Hand zu lassen.

Die Abstimmung über die Entschließung betr. den Personalabbau wird ausgesetzt. Das Haus wendet sich sofort der zweiten Lesung des Haus­haltsplanes zu.

Die Hauszinssteuer in Preußen.

Berlin, 24. Sept. (WTB.) 3m Haupt­ausschuh des Preußischen Landtags wurde heute abend über die Genehmigung der Rotverordnun­gen über die Hauszinssteuer verhandelt. Die Koalitionsparteien einigten sich auf einen ge­rn e infame n Antrag, der die Landwirt­schaft mit Rücksicht auf die schlechte Ernte von der Hauszinssteuer befreit und die Erhö­hung der allgemeinen Hauszinssteuer am 1. Ok­tober (100 Prozent 4 Prozent der Friedens- miete) zwar eintreten läßt, aber von dieser Er­höhung nur die Hälfte dem Staate, die andere Hälfte für Förderung der Neubau­tätigkeit vorbehält und für den Ausfall zum Teil durch eine Verschiebung der Volks- fchullasten Deckung schafft. Dieser Antrag toutite einstimmig angenommen.

Revolten in Petersburg.

Paris, 25. Sept. (WTB.) Eine Nachi- richten-Agentur verbreitet folgendes Telegramm aus Bukarest: Nach Nachrichten aus Rußland ist eine Revolte unter den Arbeitern in Petersburg ausgebrochen. Die Truppen haben sich ge- wergert, auf die Ausständigen z: schießen. Zahlreiche Verhaftungen sind vorgenommen und schon mehrere Todes­urteile gefällt worden.

Territoriale Umbildung in Mittelasien.

Moskau, 24. Sept. (WD.) Wie die rus­sische Telegraphenagentur meldet, bereitet sich im sowjetistischen Mittelasien eine territoriale Um­bildung vor. Es sollen entsprechend der Ver­teilung der Nationalitäten innerhalb der Gebiete der Republiken Turke st an, Buchara und C ho r e s s a nach von diesen Re­publiken ausgearbeiteten Entwürfen aus den frag­lichen Gebieten zwei neue Republiken ge­bildet werden: Turkmenistan und Usbeki - ft an. Das Projekt wird auf der nächsten Sitzung des Zentralexekutivkomitees der -Union der SSR. geprüft. Der in Buchara tagende fünfte all- bncharische Sowjetkvngreß, der sogen. K u r u l r a i, beschloß, die Umwandlung der bucha- rischen Volksrepublik in eine sozialistische LswjLlrepubli,! Buchara und ihre An­

gliederung an die Union der SSR. Der Kurul- rai beschloß ebenfalls, Buchara auf eine natio­nale und territoriale Grundlage neu einzuteilen, o daß die im Lande wohnenden Usbeken Bürger der neu gegründeten Republik Usbekistan und die Turlmenen Bürger von Turkmenistan würden.

Ein russisch-mandschurisches Abkommen.

Tokio, 24. Sept. (WTB.) Nachrichten aus Mulden-zufolge ist zwischen T s ch a n g T s o-l i n und der S o w j e t r e g i e r u n g ein U.^>erein- komrnen abgeschlossen worden, durch das Tschang Tso-lin die Moskauer Regierung an­erkennt und die Kontrolle der chinesi- chen Ost bahn sowie den betreffenden Ar­tikel des russisch-chinesischen Abkommens vom 31. Mai 1924 an nimmt.

Die schwedischen Reichstags­wahlen.

Stockholm, 24. Sept. (WTB.) Das eilte Teilergebnis der Wahlen zur Zweiten Kammer des schwedischen Reichstags, die sich über mehrere Tage erstrecken, liegt nunmehr vor. 3n der Stadt Gotenburg, die jetzt 9 Abgeordnete gegen 8 bei der Wahl im 3ahre 1921 wählt, hat die Rechte ein neues Mandat erhalten, insgesamt drei. Die Liberalen und d»e Sozial­demokraten haben, wie bei der vorigen Wahl, ein bzw. fünf Mandate erhalten.

Aus aller Welt.

Eine Tagung

des Auslanddeutschtums.

Berlin, 24. Sept. (WTB.) Auf dem Deutschen Industrie- und Handelstag hielt der Reichspräsident Ebert eine Rede, in der er u. a. sagte:

Mit besonderer Freude bin ich Ihrer Ein­ladung zum heutigen Abend gefolgt, denn ich begrüße es aufrichtig, daß der Deutsche Indastrie-- und Handelstag die Bereinigungen, die sich die Ausländsdeutschen zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen geschaffen haben, zu der Tagung und Beratung in die Heimat ein­geladen hat. Namens des Deutschen Reiches und namens des deutschen Volkes heiße ich Sie in der Heimat von Herzen willkommen. Ihr Er- cheinen. verkörpert das starke Gefühl der Zu­sammengehörigkeit, das die Ausländsdeutschen mit dem Reiche verbindet. Das deutsche Volk dankt Ihnen aber auch für alles, was Sie draußen als Pioniere und Mittler deutscher Ar­beit für die Heimat getan und geleistet haben. Die Heimat wird es nicht vergessen, wie die durch den Krieg und die Otachkriegszeit schwer be­troffenen deutschen Kaufleute im Ags- lande mit ungebrochener Willenskraft sofort wie­der ans Werk gegangen sind, Zerstörtes wieder aufzubaaen und neue Fäden anzaknüpfea. Seien Sie versichert, die aufrichtigsten Wünsche des deut­schen Volkes begleiten Sie, unsere Volksgenossen jenseits der Grenzen, bei diesem Werte, und Ihnen wünschen wir den besten Erfolg, auf daß der deutsche Kaufmann im Auslande bald wieder die Stelle einnimmt, die er vor dem Kriege innehatte und die der Bedeutung unserer Wirt- scchist entspricht. Wenn ich an diesen Wunsch auch eine Meinung knüpfen darf, so ist es die, daß jeder Deutsche, der im Ausland wirkt, auch dfe Ver­pflichtung gegen sein Volk und seine Heimat in sich fühlen möge, durch seine Handlungen Zeugnis davon abzulegen, daß das heutige Deutschland trotz seiner Not mit Recht Anspruch auf Vertrauen erhebt. Im Bewußtsein dieser Pflicht toerden die Deutschen im Aus lande ihrer Nation, ihrem schwer ringenden Volke am besten dienen.

Auch der Reichsaußeuminister Dr. Stresemann sprach herzliche Worte der Begrüßung, indem er u. a. folgendes ausführte: Der Krieg und das, wgs ihm folgte, hat viele Tausende von Deutschen im Aus lande, insbesondere die deutschen Kaufleute dadurch um Hab und Gut gebracht, daß entgegen dem, was bis dahin als Rechtens galt, ihr Privateigentum, ihnen genommen wurde. Es ist infolge des Zusammenbruchs un­serer Währung leider bisher n ich t gelungen, für die dadurch erlittenen Verluste einen auch nur einigermaßen angemessenen Ausgleich zu schassen. Die Aussicht auf einen wenn auch lang­samen Wiederaufbau unserer Wirtschaft und un­serer Auslandsbeziehungen darf uns die Sorge für die, die fast alles verloren haben, nicht vergessen lassen. Die Bemühungen, das, was noch übrig ist, ihnen zu erhalten und die Entschädigung für das Verlorene zu erhöhen, find im Gange. Ihr Erfolg hängt leider nicht von uns, sondern von unseren Gegnern ab. Die auch im Auslande, selbst dem uns früher feind­lichen, wachsende Erkenntnis, daß hier ein schweres Unrecht geschehen ist, läßt aber die Hoffnung nicht als unbegründet erscheinen, daß im Verfolg der Londoner Abmachungen auch diese Frage in einer für uns erträglicheren Weise sich wird regeln lassen. Seien Sie jedenfalls versichert, daß daran von allen berufenen Stellen mit größtem 'Nachdruck gearbeitet wird.

Ilnferc politische Macht ist gering. Die Pfei­ler und Säulen, in denen die Macht des alten Deutschlands ruhte, sind geborsten, ihn so höher muß der Gedanke der Kulturgemeinschaft aller Deutschen stehen. Wir brauchen nicht gesenkten Hauptes als moralisch Niedrigstehende durch die Welt zu gehen. Das Wort des Großen Kurfürsten:Sei stolz, daß Du ein Deutscher bist!" gilt gerade jetzt für das Auslandsdeutschtum, das uns auch jene Worte zu unserem Nationallied gegeben hat, in denen es von der Liebe zum deutschen Vaterlande heißt:Und im Unglück nun erst recht". Lassen Sie sich nicht hineinziehen in die Kämpfe deutscher Innenpolitik. Dem A u s° lande gegenüber darf es nur ein Deutsch­land geben. Was bei uns im Innern an so manchen unerfreulichen und unerquicklichen Dingen vor sich geht, kann nur verstehen, wer erlebt hat, was diesem Volke zugemutet worden ist! Helfen Sie und den Weg zu finden zur Konsolidierung der deutschen Verhältnisse. Quif ihr wollen wir aufbauen für die Zukunft und Im Vertrauen auf diese Zukunft wollen wir die Gegenwart ertragen.

Die Vollversammlung nahm dann eine Entschließung an, in der erklärt wird, daß sich die Anordnung der Geschäftsaufsicht nach der Ver­ordnung vom 14. Juni im großen und ganzen bewährte. Eine Neufassung der Verordnung solle zurückgestellt werden, bis die Erfahrungen für eine längere Zeit als drei Monate vorlägen. Wei­terhin wurde eine Erklärung einstimmig angenom­men, in der eine

Austreibung des Warenaustausches mit allen an­deren Ländern auf der Grundlage eines maß­vollen Schutzzollsystems

gefordert und dem M>rgehen der Reichsregierung Rugeftimmt wird, sich durch ein? provisorische Ab­änderung dos Zolltarifs von 1902 eine vorläufige Derhandlungsgrundlage zu schaffen. Der dem Reichswirtschaftsrat vorgelegte klÄne Zolltarif- entwurf bedürfe hinsichtlich der vvrgeschlagenen Zollsätze einer sachkundigen Nachprüfung durch die Industrie, die Handelskammern und Fachverbände. Sine Gleichstellung der deutschen Waren und des deutschen Kaufmanns in den Vertragsstaaten fei auf der Grundlage der allgemeinen gegenseitigen und un- beschränkten Meistbegünstigung ?,u er* streben. Jede Verlängerung zollfreier elsaß-loth­ringischer Einfuhrkontingente sei abzulehnen. Tie Reichsregierung solle gegebenenfalls gegen­über den Staaten, die nicht bereit seien, den Warenverkehr mit Deutschland vertraglich zu er­möglichen, die vielmehr an der Differenzierung der aWrenaussuhr aus Deutschland festhalten, von der Ermsächtigung des § 10 des Zolltarifs und § 7 der Reichsabg ib?ncrdnun j Gebrauch machen. Ei e wei­tere Entschließung erklärt, der deutsche Industrie- und Handelstag halte die Wiederherstel­lung des Zollschuhes für die landwirt- s cha ftliche Erzeugung für geboten. Die Wiederherstellung der Vorknegsvertragszölle sei für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse aus­reichend : für Gerste sei ein einheitlicher möglichst niedriger Zollsatz einzusühren.

Hochwasserkalastrophe ih Petersburg.

Moskau, 24. Sept. (Rufs. Telegr.-Agent.) Gestern nachmittag erfolgte in Petersburg eine Ueberschwemmung in noch nie dage» wesenepi Ausmaß. Infolge eines seit eini- ?ien Tagen ununterbrochen wütenden Sturmes tieg das Wasser der Newa um 10 Fuß über den gewöhnlichen Stand, überschwemmte das Ufer der Wasilewfli-Inseln und richtete sich gegen den Newski-Prospekt und die innere Stadt, ileberalt wurden sofort die Ret- tungsarbe iten durch Abteilungen der Roten Armee und die Miliz sowie durch freiwillig^ Abteilungen aufgenommen. Der Straßen­bahnbetrieb mußte ei ngestellt werden. Der Fußgängerverkehr wurde yn größten Teil der Stadt unmöglich. Menschenopfer werden nicht gemeldet. Gegen 11 Ahr abends ließ der Wind nach, so daß das Wasser' schnell fiel. In den überschwemmt gewesenen Stadtteilen konnte der Fußgänger- und Wagen verkehr wieder aufgenom­men werden. Die Elektrizitätsversorgung und. der Telephonverkehr sind noch außer Betrieb.

Auch in Frankreich schwere Unwetter­schäden.

Paris, 25. Sept. (WTB.) Gestern und vor­gestern haben .hefttge ilntoetter in der Provinz schweren Schaden angerichtet. Aus Marseille wird 'berichtet, daß bei Vaucluse die Eisen­bahnlinie derart beschädigt wurde, daß viele Verbindungen gestört find. Gleichlautende Meldungen kommen aus der Gegend von Avig­non, wo Signalzeichen weggerissen und lieber» schwemmungen festgestellt wurden. Auch aus an­deren Gegenden werden große Unwetterschäden auf den Feldern berichtet. Nach demMn soll die Eisenbahnlinie Nimes Marseille an einer Stelle unterbrochen fein. Aus vie­len Gegenden namentlich von der Rhöne- gegenö meldet man Hochwasser. Der Mi­nister für öffentliche Arbeiten hat sich in das SchadenSgebiet geben. Man hofft, die Betriebs­störungen in wenigen Stunden behoben zu haben.

Aus Stabt und Land.

G testen, den 25. Sept. 1924.

Landtagswahl am 16. November.

Amtlich wird in der gestrigenDarmstädter Zeitung" beTamrtgegeben, daß als Tag der Wahl zum Hessischen Landtag Sonntzag, 16. No­vember 1924 bestimmt ist. Zum Landeswahl­leiter wurde der Ministerialrat Bornemann, zu seinem Stellvertreter ßegationgrat Dr. Heinemann, beide - in Damiftadt, ernannt

Ermäßigung der Umsatzsteuer. Preisabbau.

Durch Verordnung des Reichspräsidenten über wirtschaftlich notwendige Steuermilderungen vom 14. September ist der Satz der allgemeinen Umsatzsteuer für die Umsätze vom 1. Oktober ab von 27a v. H. aus 2 v. H. ermäßigt wor­den. Darüber, ob der Umsatz vor oder nach dein 1. Oktober liegt, entscheidet nach den Durch­führungsbestimmungen bei der Versteuerung nach vereinnahmten Entgelten (Ist-Einnahme) der Zeit­punkt der Vereinnahmung, bei der Versteuerung nach Leistungen und Lieferungen (Soll-Einnahme) der Zettpunkt der bewirkten Leistungen. Die Steuerpflichtigen, die zu monatlichen Umsatzsteuer- Vorauszahlungen verpflichtet find, haben daher erstmals im November für die Umsätze im Ok­tober, die Steuerpflichtigen, die zu vierteljähr­lichen Steuervorauszahlungen verpflichtet find, erstmals im Januar 1925 für die Umsätze vom Oktober bis Dezember 1924 Umsatzsteuer in Höhe von 2 v. H. zu entrichten. Dagegen haben sowohl Monats- als auch Vierteljahreszahler bei Vor­auszahlung im Oktober 1924, die sich auf Um­sätze vor dem 1. Oktober 1924 bezieht, noch 27s v.H. zu zahlen.

Um die mit der Ermäßigung bezweckte Preissenkung auch bei Bindung an länger zurückliegende Verträge zu ermöglichen, mußte ein zivilrechtlicher Anspruch des Abneh­mers auf Preisnachlaß geschaffen wer­den. Ist die Preisvereinbarung vor dem 25. Sep­tember 1924, also zu einer Zeit getroffen, zu der die Kenntnis von der neuen Regelung noch nicht allgemein durchgedrungen war, so hat der Lie­ferungsverpflichtete dem Abnehmer einen Nach - lah in Höhe von 0,5 0. H. des Entgelts zck gewähren. Die Durchführungsbestimmungen sehen schließlich vor, daß den Ausfuhrhändlern in den Fällen, in denen der Umsatz ins Ausland vor dem 1. Januar 1924 getätigt wird, noch 27- v. H. des Preises vergütet werden, sofern der Vergü­tungsanspruch selbst bis 31. Januar 1925 geltend gemacht ist.

Die Oktober-Miete.:

Das Hessische Ministerium für Arbeit und I Wirtschaft hat für die Berechnung der Oktober- l Miete folgendes beftimmt;

Die Miete für den Monat Oktober 1924 be­trägt in sämtlichen Gemeinden 4 3 v. H. der Friedensmiete. 3n dieser Summe sind 12 v. H. für laufende und 8 v. H. für große Instand­setzungskosten, sowie 23 v. H. für Betriebskosten und Zinssteigerung enthalten. Im übrigen rotrb an der bestehenden Regelung nichts geändert Erneute Anträge der Landwirtschaft^ kammer wegen Steuererlasses und

Steuerftundung.

Die Hessische Lan dwirtschaNS- karnmer hat, wie sie mitteilt, unter Bezugnahme auf ihr Schreiben vorn 3. September erneut eine Eingabe an das Reichsfinanzministerrum in lin, das Hesiische Finanzministerium nebst Ab­schriften an das Landesfinanzamt, das Ministe­rium für Arbeit und Wirtschaft und den Deut- schen Landwirtschaftsrat gerichtet. In dieser Ein­gabe führt die Landwirischastskamme^-auS, daß die - steuerliche Leistungsfähigkeit der hessischen Land­wirtschaft, soweit sie auf der Ernte 1924 beruht, vernichtet ist. Auf, die Hagelwetter- und Heber- schwemmungsschäden wird wiederholt hingewiesen. Aus Grund dieser trostlosen Verhältnisse beantragt die Landwirtschaftskammer einen Erlaß der für bteses Jahr noch fälligen Steuern und eine Stun­dung der Vorauszahlungen für 1925 bis nach der Hackfruchternte des nächsten Jahres. Nachdem die früheren Eingaben, so heißt es in der Mitteilung der Lmrdwirischaftskammer, schon gewisse Erfolge bezüglich Kreditbeschaffung gehabt haben, muß jetzt erwartet werden, daß die Regierungen deS Rei­ches und des Staates Heften sich der Notlage der hessischen Landwirtschaft nicht verschließen, sondern ihr heftend unter die Arme greifen.

Gießener Wochenmarttprerse

am 25. September (Händlerpreise).

Es kosteten: Butter Pfd. 230, Matte Pfd. 30, Käse Pfd. 70, Eier Stück 1617, Wirfiita Pfd. 12, Weißkraut Pfd. 810, Rotkraut Pfd. 1015, gelbe Rüben Pfd. 8, rote Rüben Pfd. 10, Spinat Psd. 30, Römischkvhl Pfd. 10, Blumenkohl Stück 10100, Endivien Stück 1030, Obev- Kohlrabi Stück 10, Unter-Kohlrabi Pfd. 5, Feld­salat Pfd. 100, Tomaten Pfd. 25, Zwiebeln Pfd. 1415, Lauch Stück 510, Rettich Stück 10, Meerrettich Pfd. 50, Sellerie Stück 1030, Kür­bis Pfd. 7, Pilze Pfd. 15, Kartoffeln Pfd. 5, Falläpfel Pfd. 3, Aepfel Pfd. 1015, Dirnen Pfd. 1015, Preißelbeeren Pfd. 80, Za>eftchen Pfd. 1012, junge Hahnen Pfd. 90, Suppenhü^reo Pfd. 80, Gänse Pfd. 100, Nüsse Pfd. 45 Pf.

Bornotizen.

Tageskalender für Donnerstag: Kvnzertveretn: 77r Ahr im DeratungSzttnmer des Kvllegiengebäudes GenevaLersammlung. Deutsche Demokratische Partei: 87s -Uhr im Ge­werbehaus Mitgliederversammlung. Verern Rudersport: 9 Uhr im Bootshaus Monatsver­sammlung. Lichtspielhaus Bahnhofstraße:She Herrin von Monbijou" und Hermatftlm ,3m Tale der Lahn". Hessische Bilderbühne: »Die Hexe". Aftvrta-Lichtfpiele: ,DaS Feuerschiff".

Wettervoraussage.

Heiter bis tooffig, wechselnde Winde und Temperaturen, meist texten.

* * Gin Mädchen verschwur de«. Seit Sonntag, 14. September, ist dte in Beb- lersheim bedienstete Elisabeth Wirt6 von Muschercheim spurlos verschwunden. 2m dem fraglichen Tage wurde sie gegen 87, Uhr abends auf der Straße BellersheimBettenhausen zum letzten Male gesehen. Es kommt offenbar Selbstmord oder ein Verbrechen in Frage. Sachdienliche NachricAen werden an die Staatsanwaltschaft Gießen oder die Gendarmerie in Hungen erbeten. Man beachte das Ausfchvscken der Staatsanwaltschaft in dieser Nummer.

* * Unsere Garnison ist am Dienstag- mittag, freudig begrüßt von einer großen Menschenmenge, aus den mehrwöchigen Manovern hier wieder eingetroffen.

* * Ein Probealarmruf der Feuer­sirenen wird in den nächsten Tagen ertönen. Die Sirenen werden unsere Feuerwehren zu einer größeren Hebung aufrufen. Man erschrecke also nicht, wenn das Geheul ertönt, denn diesmal! wird's erfreulicherweise nicht Ernst sein.

* * Die Preise der Straßenbahn- Monatskarten werden in unserem heutigen Anzeigenteil bekanntgegeben.

* * Die Handels - undGewerbebank hält am 3. Okt. im Hotel Schütz ihre 65. ordent­liche Generalversammlung ab. Näheres im gestri­gen Anzeigenteil.

* Der Hauptvvrstand des Hessi­schen Landeslehrervereins tritt am Samstag, 27. Sept., in Darmstadt zu einer Be­ratung über den Entwurf einer Dienstanweisung für Schulleiter und Rektoren zusammen. Es han­delt sich um die Frage der sog. kollegialen Schul- versassung oder, wie der Entwurf es will, um ein Aufsichtsrecht der Schulleiter. Wahricheinllch wird die Angelegenheit auch eine außerordentliche Vertreterversammlu ng des Landeslehrerveretns. beschäftigen.

" Dlachetta-Spiele. Ein kleiner KreiS von Interessenten gab sich Dienstag abend willig und entzückt einer anspruchslosen, aber lustigen Unterhaltung hin, die ihm ebne vortreffliches Künstlerschar bot. Mit der Auswahl dieses Harm-' losen, aber fein abgestimmten Lustspiels .Der Diener zweier Herren" von Goldoni, aus dem ein warmer, herzlicher Ton spricht, das halb Posse, halb Scherz, halb Ernst, jedoch frei von jeder derben Situationskomik ist, bewies die Künstler- truppe wieder ihren vornehmen guten Geschmack. Dabei muß gesagt fern, daß Lustspiele dieser Art stehen und fallen mit dem Schauspieler, der allein den Erfota in der Hand hat und allein es ver­stehen mun, seine Zuhörer sich nahe zu bringen Daß das hier der Fall war, können wir anerken­nend beftätigen; das Spiel war wirklich hervor^ ragend, auf das feinsinnigste waren die Uebeo- gänge vom Lustigen zum Ernst abgetönt. Mögen es die Verhältnisse der Spielgemeinde gestatten, auch fernerhin dieser schörren Aufgabe dienen zu können.

* * Sein 2 5. Dienstjubiläum begebt heute der Dorschlosfer Heinrich Höbel bei der Eisenbahn-Betriebswerkstätte Gießen.

Landkreis Gießen.

* Großen-Linden, 23. Sept. Am Somte tag fand hier die Herbsttagung des Be­zirks Gießen Gabelsbergerscher Stenographen vom Heft. (Main-Rhein* gau) Verband statt, au welcher viele Hunderte von Stenographen betbetgeeill waren. Dr. Römer hielt einen mit großem Beifall auf genommenen' Vortrag über die Bedeutung der Stenographie, in

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