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Kr. 97 Zweites Blatt

Wirtschaft.

Nrbeitsmarkt und W tschaftslage.

Sic ©cfamtlage des deutschem Arbeitsmarktes Zeigte nach bet neuesten Zusammenstellung des Reichsarbeitsblattes auch, im Wärz-Aprll eine weitere leichte Zunahme der Auf­nahmefähigkeit für Arbeitskräfte. Insgesamt war die Entwicklung sehr ungleich- mäbifl. und selbst in ben einzelnen Wirtschafts­zweigen nicht gleich. Der vorherrschenden Be­lebung steht in einigen Industriezweigen em Sc» lähmen bei- Auftragserteilung seilens des Grost-- handels gegenüber. Im ganzen sind bie Der­brauchsindustrien stärker belebt als diejenigen, dre Produktionsmittel Herstellen, oder für den Export arbeite». Die Rentabilität der Betriebe tm besetzten Gebiet erscheint insbesondere durch d.e vertraglichen Leistungen (QHicumrerträge) untergraben.

Im Steinkohlenbergbau deS Ruhr­gebietes arbeiten noch immer fast alle Zechen mit Einl gung von Feierschichten, obwohl sich der Absatz etwas gebessert hat. Schuld war zum Teil die unregelmässige Versorgung mit Wagen. Infolge der Erhöhung der Arbeitszeit ist die durchschnittliche Leistung auf 840 Kilogramm für Schicht und Kopf gestiegen (Friedensdurchschnitt 890 Kilogramm). In Deutsch-Oberschlesien hat sich die arbeitstägliche Förderung ungefähr auf dem Stand des Vormonats gehalten. Die Vor­kriegsleistung ist noch nicht erreicht. Der Wett­bewerb englischer Kohlen wax auf dem deutschen Markt weniger empfindlich. Im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau hat die Förderung dem Vormonat gegenüber eine leichte Zunahme zu verzeichnen.

Ter Wiederbelebung des Visen st ein- bergbaues im Lahn - und Dillgebiet stehen nach wie vor schwere Hemmnisse im Wege.

Die Kreditnot der Landwirtschaft, die niedrigen Getreide» und Diehpreise im Gegensatz -ur Höhe der Preise für die Bedarfsmittel hem­men den K a l i a b f a h. Im Auslandsgeschäft war der Absatz in Kali rege, die Preise wegen der elsässischm Konkurrenz nicht befriedigend.

Der Absatz der E i s e n i n d u st r i e zeigt im ganzen eine Zunnahme. Die Rachfrage kommt hauptsächlich aus Handelskreisen, deren Läger geräumt sind. Die Preise des ausländischen Roh­eisens waren wesentlich höher, als die des In­landes. Die Rachfrage nach, oberschlesischem Roh­eisen war belebter; jedoch blieben von ben deutsch- vber'chlesischen Hochöfen noch immer fünf nutzer Betrieb.

Im Maschinenbau 'bat sich, die Zahl der Anfragen, besonders aus dem Auslande, zwar weiter vermehrt, doch sind bie Auftrags­eingänge meist noch ungenügend. Im Düssel­dorfer Bezirk arbeiten die Fabriken höchstens mit der Hälfte der Belegschaft. Die bedrängte Lage des Lolomotivbaues, wie des Eienbcrhn- wagenbaues hielt an. Die Ärafttoagenlnbuftrie ist im Rheinland, in Württemberg und Pommern etwas besser beschäftigt. Genügend Arbeit hat der Textil-Maschinenbau. Die geringe Bele­bung in der Elektrizitätsindustrie hat im März angehalten.

Die Rachsrage nach S t i ck st o f f ist gestiegen. Die Abladungen erreichten die Höchstziffer seit Bestehen des Syndikates.

Die Aufwärtsbewegung in der Textil­industrie ist in eine ruhigere Entwicklung übergegangen. Vielfach werden Bedenken ge­äußert. ob die Verbraucher die abgeschlossenen Mengen reibungslos aufnehmen können.

Der Zucker absah nach dem Auslande ist wegen niederen Weltmarktpreises erschwert.

Das Baugewerbe zeigt noch kein all­gemeines Aufleben der Beschäftigung, obwohl in oer Vorkriegszeit im März in der Regel die Bautätigkeit einsehte.

D-ie Möbelindustrie ist fast überall besser beschäftigt.

Die Papierindustrie hatte allgemein zufriedenstellenden Eeschästsgang.

*

* Schwedische Eisenbahn-A a f tr 8ge für ben Thyssen-Konzern. DerSem- scheu Allgemeinen Zeitung" zufolge haben die schwedischen Cisenbah-en mit dem Thh sen-Kon- zern einen Vertrag auf Lieferung von £030 Ellen- bahnschienen abgeschlossen. Auch di? schwedi chcn Privatbahnen hoben in großem Umfange ihren Bedarf an Schienen bei Thissen eingedeät. Meh­rere Schiffsladungen der teil eilten Schienen sind bereits nach südschwedischen Häfen abgegangen.

* Guter Auftragseingang bei den Deutschen Werken, Kiel. Bei der Werst Kiel der Deutschen Werke A. G. wurden in letzter Zeit sechs größere Fahrzeuge in Auftrag gegeben: ein Frachtschiff von 11 050 Tonnen (bestellt Deut­sche Dampfschiffahrts A. G. Hansa, Bremen), drei Frachtschiffe von mindestens 1675 Tonnen (be­stellt von der Deutschen Dampf schiffahrtsgesell-- schaft Reptung, Bremen), ein Motorfrachtschiff von 6400 Tonnen (bestellt von der Rorwegischen Reederei W. Wilhelmsen, Tönsber), ferner ein Diesclfrachtschiss von z.rka 2000 Tonnen (bestellt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Zrettag. 25. April 1924

20,9

2,9

2,5

') Dom RuckzahlungSwert.

Börsenkurse.

(Ohne Gewähr.)

10,75

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von der norwegischen Reederei Fearnley und Eger, Christiania).

'AbschlüsfeimSiemens-Schuckert- Konzern. Der Reingewinn der S i e m e n s- & Halske - A. - G. aus dem Jahre 1923, der 95 Bill, beträgt, wird auf neue Rechnung Dorgetra- gen. Der Vorstand bemerkt hierzu: Im abgelaufe­nen Geschäftsjahr erreichten wir vorübergehend eine Höchstzahl unserer Belegschaft. Gegen Ende des Geschäftsjahres machte sich ein Abflauen der Bestellungen bemerkbar, vor allem im Auslands­geschäft, da die Preise zu hoch waren. Die Sie- mens-Dau-älnion G. m b. H. Kommanditgesell­schaft hat sich befriedigend entwickelt. Erst gegen Ende des Berichtsjahres verminderte der allge­meine Kapitalmangel ben Smgang von Dau-Auf­trägen. Ein von der Gesellschaft neu eingesührles Verfahren der Abtaufung von Dorgwerksfchächten findet grobe Beachtung. Die Siemens Schuckert-Werke D. m. b. H. erzielten 1923 einen Reingewinn von 81 Billionen, der ebenfalls auf neue Rechnung Dorgetragen werden soll. In dem Bericht wird ausgeführt: In das verflossene Geschäftsjahr traten wir mit einem guten Auf­tragsbestand ein. Die Ruhrbefehung und ihre Fol­gen erschwerten jedoch die geschäftliche Entwick­lung. Um den Ausfall des Auslandsgeschäftes auszugleichen, wurde der Inlandsmarkt befonderS gepflegt. Für die Zukunft sichern uns unsere Aus- landsorganisationen, die Güte der Erzeugnisse den Erfolg.

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0,8

0,6

Frankfurter Börse.

Frankfurt a. M., 24. April. Tendenz: Leicht erholt. Bereits Im gestrigen nachbörs­lichen Verkehr hatte sich ein gewisses Deckungs- bedürfnis geltend gemacht, das bei Beginn des heutigen Verkehrs zunächst fortgesetzt a>urbe. Dies war bei dem außerordentlich kleinen Geschäft Veranlassung genug, um die Kurse etwas wider­standsfähig zu machen. Ja, es konnten sogar hier und da Heine Erholungen fest gestellt werden. Da­bei war auch die Gelbmarktlage nicht ganz ohne Einflust, beim tägliches Geld war erheblich flüssi­ger geworden: bei unverändertem Prozentsatz gleich einem Achtel Prozent MonatSgeld. Aller­dings ist es nur sshr schwer zu erhalten, und

eS fehlt darin oft vollkommen an Angebot Rach dem Eintreffen der ersten Berliner Rachrichlen von der dortigen Börse, die schwächer eröffnet hatte, machten sich bald Kursschwankungen be­merkbar und vereinzelt gingen bie anfänglichen Kurse wieder verloren. Der Monianmarlt blieb aber auch weiter am besten gehalten. Deutsch- Luxemburgei 30.5, Harpener 47, Mannesmann 26 Oberbedarf 14,25, Caro 15,75. Auf dem Markt der Chemischen Werte und auf dem Elektromarkt und Schiffahrtsmarkt waren die Rotierungen fast unverändert bei kleinsten Umfätjen. Chemische Griesheim 10, Echeideanstalt 14,3, Badische Ani­lin 13,25, A. E. G. 8,2. 3m freien Verkehr waren die llmfdtjc besonders bescheiden. Während der anfänglichen Rachfrage hielten die Händler mit bei Abgabe zurück und später hatten sich die Käufer zurückgezogen. Api 3 25 bis 3,75, Krügers­hall 6 bis 6,38, Decker Kohle 6,38 bis 6,75.

Berliner Börse.

Berlin, 24. April. (Wolfs.) Die gestern zum Schluh eingetretene leichte Erholung erfuhr bei Beginn des heutigen Effektenverkehrs eine gering­fügige Erschütterung angeblich infolge einiger Exe­kutionsoerkäufe einer Grossbank. Aber nur am Montanmarkte war die Abschwächung deutlicher und allgemeiner und zeigte sich auch hier nur in recht bescheidenen Kursrückgängen. Die anderen Einsatzgebiete konnten ihren Kursstand meist ziem­lich gut behaupten, insbesondere Schiffahrts- und Bankaktien. Die freundlichere Stimmung wurde auf die günstigere Auffassung der politischen und wirtschaftlichen Lage infolge der angeblich zustande gekommenen Anleiheprojekte zurückgeführt. Man hofft auch, dah die Schwierigkeiten an ben Metall­märkten sich werden ordnen lassen. Sie wurde in dieser Annahme gestärkt durch die mäßige Ab­schwächung des Franken im internationalen Ver­kehr, aber das Geschäft blieb in bescheidenen Gren­zen, da wegen der vielen ungeklärten Fragen grobe Zurückhaltung beobachtet wurde. Am Devisen- marfi nahmen die Anforderungen weiter etwas ab.

Devisenmarkt BerlinFrankfurt a. M.

(In Billionen Mark auSqebrücft. vuenoS-Aire«, London, Neu- tiort, Japan, Rio de Janeiro für eine Einheit. Wien und Budapest für 100000 Einheiten, alles übrige für 100 Einheiten.)

Telegraphische Auszahlung.

(Ohne Gewähr.)

Banknoten.

(Ohne C^.DChc.)

23. April

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1

1

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18,155

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18,-42

1

1

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4,19

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4,19

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1

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28,57

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1

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Wien in D.«

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1

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74.61

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12,71

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58,60

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2,21

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69,35

19,65

2

Berliner Produktenbörse.

Berlin, 24. April. Arn Produktenmarkt ze'gte sich keine Belebung des Geschäfts. Roggen war nur von neumärkischen Stationen anschei­nend in Deckung auf frühere Abgaben an die Reichsgetreidestelle gefragt. Für Weizen zeigte sich vereinzelt Begehr seitens der Mühlen. Hafer war fest bei knappem Inlandsangebot. Die Geld­knappheit liefe weder in Hafer noch in Gerste und Mehl einen gröberen lllmsatz sich entwickeln. Lebhafte Rachfrage bestand für Kartoffelslocken bei steigender Tendenz. Es notierten für je 1000 Kalo: Weizen, mark. 173 bis 178 (behauptet), Roggen, märt. 134 bis 139 (behauptet), Brau­gerste 170 bis 190 (ruhig), Futtergerste 155 bis 170 (ruhig,) Hafer, märt. 130 bis 138 (fest): für je 100 Kilo: Weizenmehl 24,50 bis 26,50 (ruhig), Roggenmehl 20,25 bis 22 50 (ruhig), Roggenkleie 8,90 bis 9 (fest), Raps 310 (still), Leinsaat 410 (still): für je 50 Kilo: Viktoriaerbsen 27 bis 29, kleine Erbsen 16 bis 18. Futtererbsen 13,50 bis 14, Peluschken 1150 b.s 13, Ackerbohnen 16 bis 18, Wecken 12 bis 14, Lupinen, blau 12,50 biS 13, Sevadella alt 16,50 bis 17,50, neu 12 vis 14, Raps tuchen 11.50, Leinkuchen 22 bis 23, Trocken- schnitzel 9,50 Mark.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankf urt a. W., 24 April. SS notterte» für ie 100 Kilo: Wetterauer Weizen 18,15 biS 18,50. Roggen 16 bis 16,25 Braugerste 20 biS 21. tafer, inlänb. 15 bis 15,60, Weizenmehl, südd. pezial 0 27.50 bis 28,50, Roggenmehl 23,50 biS 24, Weizen- und Roggenkleie 10 bis 10,75, Mais 19,25 bis 20 Mark.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

fpd. Frankfurt a. M.. 24. April. Auf­trieb: 5 Rinder, 5 Färsen und Kühe, 1023 Käl­ber, 213 Schafe und 830 Schweine. ES trnrbcn bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Kälber feinster Qualität 6570, mittlerer Qualität 58 bis 64, geringerer Qualität 48-57, Schafe 32 bis 46, Schweine unter 80 Kilo 4858, von 80 bis 100 Kilo 6063, über 100 Kilo 60- 63. Der Markt verlief ruhig, Schweine öinterliehen lieber- stamd.

Büchcrtisch.

England und den deutsch-fran- fischen Krieg 1 870 7 1 behandelt Kurt Rheindorf in einer bei Kurt Schröder in Bonn erscheinenden, sich vor allem auch auf eng- lische Quellen stützenden, sehr gründlichen ötubfc. Der Verfasser versucht zum ersten Male den Krieg in den Rahmen der grvtzen europäischen Politik zu stellen und deckt dabei häufig inter­essante Parallelen zu der europäischen SMfc der Sommermonate 1914 auf. Die britische Vermitt­lungsversuche, Bismarcks Kampf um die dcul- schen Kriegsziele und sein Reichtg ünimngswerk werden prägnant und überzeugend dargestellt. Ein in großzügigem Mähe beigegebenes Akien- material unterstützt die interessante Lekmre.

Die Karawane, Wilhelm Hauffs Sammlung prächtiger orientalischer Märchen, eine der köstlichsten Perlen romantischer Literatur hat der rührige Freiburger Verlag Emst Günther in einem entzückend ausgestatteten handlichen Bändchen neu herausgebracht. Die grotzen und lleinen Kindern gleich vertrauten Erzählungen sind mit farbigen Tuschezeichnungen von Kin.echand reizend illustriert, die in Steindruck technisch mu­stergültig wiedergegeben sind. Die Zeichnungen verraten größte Anschaulichkeit, rege Phantasie und gute künstlerische Auffassung. Gin Rachwort Lily Schweyer-Kords verrät liebevolles Verstchch- nis für ein sehnendes Iungenherz^ dein der Calis Storch, der ftetne Muck und der Räuber Drbafan die Herrlichkeiten dieser Welt bedeuten

X Shelleys geistesgeschichtliche Bedeutung untersucht der Gießener Privat­dozent Dr. Theodor S p i r a in einer in den Gießener Beiträgen zur Erforschung der Sprache und Kultur Englands und Rordamerikas" I. 2. erschienenen anregend, aber nicht immer ganz leicht geschriebenen Monographie. Spira rückt das kri­tische Moment in dem Lebepswerk Shelleys in den Mittelpunkt seiner Betrachtung, die im wesent­lichen auf einer tiefschürfenden Auslegung von Shelleys .Verteidigung der Dichtkunst" fufet Den Zusammenhang der Kunst mit dem Schicksal deS Schöpferischen im Leben des Volke» Überhaupf schält der Verfasser als Kem der Shelleyschen Go dankengänge heraus und betrachtet unter diesem Gesichtspunkt Shelleys Auffassung von dem hi- storischen Geschehen. Seine Auseinandersetzung mit den Elementen der Geschichtsphilofophie erfährt eine eingehende Darstellung Ein gewisser Mangel an Gliederung erschwert das Studium der Arbeit, die im übrigen zu dem schwierigen Problem neue reiche Aufschlüsse gibt.

Kirchliche Nachrichten.

Dietzen. Stadtkirche. SamStag, den 26. April. 2: Beichte f. d. Konfirmanden a. d Matthäusgern. u. deren Angehörigen. IoharmeSkirche. 2: Beichte für die Konfirmanden a. der Johannes- u. Militär- gem. und deren Angehörigen.

(In einem Teil der Auflage wiederholt.)

Landarbeiterstreik in Ostprentzen.

Königsberg, 24. April. (WTB.) In­folge van Tarifstreitigkeiten wurden auf etaxa 45 Gütern in dem Kreise Königsberg-Land and Fischhausen die Landarbeiter ausständig. Da die RotstandSarbeiten nicht genügend verlichtet wer» den, wird am Donnerstag die Techn i s che Rot- hilfe eingesetzt.

Der britische Fl«!? um die Welt.

London, 24. April. (WTB) Reuter meldet aus Karachi, dah der britische Welt­slieger Mac Laven, von Dender-Abba- kommend, hier eingetroffen ist.

TD"

1 27710 Die feine Zigarette

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I Großformat Stück 5 Pfg. | g Rihofa Zigarettenfabrik Frankfurt/AL g » IW 18111111«

Otto Roquette.

(Zur 100. Wiederkehr seines Geburtstages.)

Otto Roquette, dessen Geburtstag sich Ende April zum 100. mal jähfte, ist ein merkwürdiges Beispiel für daS Schicksal eines Dichters, der durch die Gunst der Zeitverhältnisse empor- gehoben und bann, als bie literarische Strömung einen anderen Lauf nahm, verkannt und un­beachtet geblieben ist. Das Jähr 1848 bezeichnet nicht allein einen Abschnitt in bet Geschichte der deutschen Politik, sondern auch der deutschen Lite­ratur. War diese früher fast ganz von politi­schen Anschauungen durchsetzt, so wandten sich nun weite Kreise von ihr ab und bevorzug en Dichtungen, die in einer erträum en Welt der Dergangenhell ober des Märchens aufgingen. Es ist gewih kein Zufall, dah epische Ders- erzählungen wieOtto der Schütz" vpn Gott­fried Kinkel,Amaranth" von Oskar von Red- Witz.Was sich der Wald erzählt" von Gustav zu Putlih undWaldmeisters Drautfahrt" von Otto Roquette fast zu gleicher Zeit, alle um das Jahr 1848. erschienen und bald zahlreiche Auf­lagen erlebten. Die Jugend von damals wandte sich von der Politik weg und sah offenbar in diesen Dichtungen ihre Ideale verwirklicht. Unter ben hier genannten Schöpfungen jenes Zeit­alters istWaldmeisters Brautfahrt" dir litera­risch wertvollste: sie hat sich auch am längsten

in der Gunst des Publi'umS behauptet und findet auch heute noch unter jugendlichen Lesern manchen begeisterten Verehrer. Roquettes tragisches Schick­sal ist es nun gewesen, dah die literarische Eigen­art seiner Iugenddichtung für fein ganzes übri­ges Lebens werk so ausschlaggebend im Urteile oer Leserschaft war, datz dieses dahinter ver­schwand, mochte dicS nun auch ernster und reifer gewesen sein.

Otto Roquette flammte von väterlicher axe mütterlicher Seite aus einer proteslantischrn R^fugi^sam-lie, hat aber trotz feines Ramens und seiner Abstammung nichts Romanisches in feinem Charakter, sondern stand -. D. während des deutsch-franzöfischen Krieges 1870 treu zur deut­schen Sache. Für feine Heimat Krotoschin in Posen hatte er allerdings wenig Reizung: es zog ihn mehr nach West- und Süddeutschland. In Berlin, Heidelberg und Halle hat:e er Rechts­wissenschaft, Geschichte, Philosophie und vor allem deutsch? Literatur studiert und auf feinem Lebrns- toeg viele literarische F.eundschaften geschlossen, u. a. mit Fontane, Scherenberg, Lübke, Franz Kugler, Julian Schmitt, V.mhagen von Ense, Gutzkow, David Friedrich Straub Fr Vischer, Scherr, Semper und Schnorr von Earolsfeld. Rach einer kurzen Laufbahn als Oberlehre, und später als Dozent an der Kriegsakademie in Berlin wurde Roquette tm Jahre 1869 im Alter von 45 Jahren als Professor der Geschichte, Lite­

ratur und deutschen Sprache an das Polytechni­kum (die spätere Technische Hochschule) nach 5Xarm- stadt berufen, wo er bis zu seinem Tode tm Ickhre 1896 sefehaft blieb, ganz im Gegensatz zu dem Lebenslauf so manches Dichters und Schrift­stellers unter feinen Zeitgenossen, die öfters ben Aufenthalt wechselten.

In Darmstadt entstanden fast alle seine epi­schen und dramatifch.m Schöpfungen, die manches beachtenswerte Werk zutage förderten, das in der hessischen Landeshauptstadt nach Gebühr gewür­digt wurde, aber keine welleeen Kruse zog, denn Roquette war em Einsamer und dem literarischen Cliquenwesen abhold. Das hessische Landestheater hat mehrere seiner Dramen mit Erfolg aufge­führt und der ihm befreundete Hofschauspieler Georg Heinrich Hacker hat vielfach an Rezitations­abenden, durch Vortrag aus den Werken des Dichters, für ihn geworben. Roquette war ein Dichter und übertraf mit seinen Leistungen man­chen seiner Zellgenos en, die es verstanden haben, Anschlutz an die grobe literarische Welt zu finden. Für diese blieb Roquette immer nur der Dichter vonWaldmeisters D.autfah.-t".

Diese Dichtung schildert sehr anmutig, wie Prinz Waldmeister, den ein Botaniker in bie Botaniftcrbüchfe gesteckt hatte, befreit wird und mit dem Töchterchen des Königs Feuerwein, der Prinzessin Rebenblüte, Hochzeit hält. Die Hand­lung ist Ha einfach, jedoch Roquette entfallet

ein Erzählertalent, das an Hans Sachs und Wielano erinnert. Als seine beste Leistung auf epischem Gebiet hielt er feinBuchstabierbuch der Leidenschaft'. Don Roqueftes heute ver­gessenen dramatischen Dichtungen ist die Tragödie Die Protestanten in Salzburg" bemersenswert als ein Vorläufer von SchonhwrsGlaube und Heimat". Lebendig geblieben ist durch die Lisztfche MusllDie Legende von der heiligen Elisabeth".

Sind manche der Werke Roquet:e5 unver­dienter Vergessenheit und der Gleichgültigkeit an- heimgefallen, so gilt dieser Vorwurf vor allem demGevatter Tod", einer außerordentlich ein­drucksvollen Dichtung in dramatischer Form, von der Roquette selbst sagte:Ich war zufrieden mit meinem Werk, denn es lag mehr von meinem innersten Wesen ja rin als in anderen, welche mehr Beifall gefunden haben".

Würde Roquette heute als Lebender auf dem literarischen Schauplatz erscheinen, eZ wäre nicht ausgeschlossen, dast er wieder einen überragenden Erfolg über seine Mitstrebenden erringen würde. Was ihn zu seinen Orbzeiten so bald in ben Schatten stellte, war der Rühm anberer Dichter und Schriftsteller, die stärker begabt und tiefer veranlagt waren als er. Kurz nach dem Er­scheinen vonWaldmeisters Drautfahrt" tra cn Keller. Jordan. Lmgg, Laube, Fieytirg und Geilel mit ihren Schöpfungen vor bad Publikum .-mb er­warben dauernd dellen Gunst. L rA