Daß « <mch darin noch fruchtbar« Mitarbeit Aber den Durchschnitt hinaus geleistet hat, beweist sein Anteil an dem Entwurf deS Renten- markplaneS,
gleichviel, ob man Liesen Anteil mehr oder weniger hoch bemessen toiU. Aach Herkunft Und Veranlagung einem rad.kalen Liberalismus zu- neigend, als Student Verfasser eines revolutionär angehauchten HuttenLvamas, dann Professor der DoUswirlschast, Vortragender Rat in einem Rechsamt, Bankdireltor, Reichsschatzsekretär und Vizekanzler, Parlamentarier — ein reiches Leben voll Kampf und Leistung. daS mit 52 Jahren allzufrüh beendet ist. — Das ,,D. T." schreibt: 3n seiner pvliti chen Um« gebung hat sich der freudlose Mann, den mehr persönlicher Ehrgeiz als sachliche Acigung zur Rechten geführt hatte, nie ganz Wohl gefühlt. Die Deutschnativnale Partei verliert in ihm i h r einztgesTalent. — 3m .Tag" schreibt von Lindeiner-Wildau: Auf Helfferich sahen auch seine politischen Gegner, die zwar den uner- schrcckenen und schneidigen Kämpen fürchteten und vielleicht zuweilen halten, wie kaum einen anderen, in schicksalsvvllen Stunden sich aber doch immer wieder seinem überlegenen Können und seinem genialen Gestalten beugten und seinen Rat nicht entbehren konnten. Auf ihn aber sah schließlich auch die auherdeutsche Welt, wenn sie in.Deutschland nach Männern suchte, die den Mut und die Fähigkeiten besaßen, das Schicksal unseres Dolles durch eigene Kraft totebcr aus der Liefe zur Höhe zu führen. Wir durften erfahren,' daß Helfferich nicht nur der rücksichtslose. zielsichere Kämpfer war. sondern auch ein Mensch mit weichem, hingebendem Herzen, der Freundschaft gab und deshalb Freunde fand.
Pariser Presseftimmen.
Paris, 25. April. (WTD.) Zum Tode Helfferichs schreibt die,Journ6einduflrie- eile" er habe mit bemerkenswerten Eigenschaften und Geist den von Haß erfüllten ungeduwigen Widerstand verkörpert, der den Verfalltag ab» warte, an dem im Jahre 192Z Deutschland von den wirtschaftlichen Einschränkungen befreit würde, damit durch Diplomatie. Gewalt und Schlauheit seine Bewegungsfreiheit bis zur Revanche wieler» gewtrme. Wenn diese Stunde geschlagen habe, dann Hätte Deutschland nach den eigenen Worten Helfferichs Frankreich gegenüber die letzten Konsequenzen seines Verhältnisses gezogen. Das plötzliche Verschwinden dieses Führers des Dationa- lismus' werde jetzt die beunruhigendsten Ab- sichten der Rachbarn Frankreichs beenden!
Alles waS man sagen könne sei, daß Deutschland seine wertvollen Wanner nur schwer ersetzen könne und daß der Tod Helfferichs nach Dem Tode von Stlnnes eine groß« Leere schaffen werde in der Galerie jener Köpfe ersten
Ranges, die immer seltener würden.
— Das Organ Loucheurs, das .Petit Journal". schreibt, die Deutschnationale Partei verliere in Helfferich einen geschickten Führer, dessen kühlberechnende Zähigkeit kontrastiert habe mit Dem oft unglücklichen Vorgehen der anderen Führer. Helfferich. der gewußt habe, was er wolle, würde sich eines Tages mit jenem schweigsamen Dorbereiter der deutschen Revanche verständigt haben, der General von Seeckt sei. Helfferich werde sehr schwer durch Männer wie Hergt, Graf Westarp oder den jungen Fürsten Bismarck ersetzt werden. Sem Verschwinden werde zweifellos sowohl die völkische Partei Luden- oorsss. wie die Partei des vorsichtigen Widerstandes gegen den Friedensvertrag verstärken. Die Dr. Stresemann fette.
Eine Pariser Brandrede.
Paris. 24. April. (WTD.) Bei dem Fest- mähte das die Republikanische Vereinigung heute abentz- veranstaltete, Hiell Ministerpräsident Porncarß eine Wahlrede. Er beschäftigte sich eingehend mit der inneren Politik und sprach sich zum Teil sehr scharf gegendas Bündnis der Radikalen mit den Sozialisten aus. Die Regierung erwarte, daß die nächste Kammer cme Mehrheit ergebe, die keiner Diktatur irgend einer revolutionären oder un- konstitutionellen Partei, möge sie von rechts oder links koyimen, unterliege. Die kommende Kammer müsse ihren Blick nach lenseits dec Grenzen richten, um die Rechte Frankreichs zu sichern und den Stieben der Well zu konsolidieren. Der Friritens» t-eitiag von Versailles zwinge Frankreich über ein neues wirtschaftliches Regime sogar in kurzer Frist mit Deutschland selbst zu verhandeln. Frankreich müsse Reparationen und Daran- tien für seine Sicherheit verlangen, ohne Laß jemand seine friÄrlichen Absichten entstellen könne. Man dürfe keine Gelegenheit vergehen lassen, die durch den Erfolg des Ruhrunter- nehmens, durch den Bericht der Sachverständigen und durch die Vorentscheidung der Reparationskommission geboten sei. Man müsse versuchen, schließlich zu einer allgemein en Regelung zu kommen und
Mau dürfe reelle Pfander nicht gegen einfache Dersprechungen austaufchen. denn Deutschlands Vergangenheit habe keine Garantie für seine Aufrichtigkeit.
Man dürfe sich nicht auf einen Schuldner verlassen, der bis jetzt nichts getan habe, um zu erfüllen. Man müsse ihn an seiner Befreiung Lurch die Hoffnung interessieren, daß er raschestens gewissen Zwangsmaßnahmen ein Ende bereiten tonne. Man dürfe Illusionen nicht für Sichernehmen und müsse im Geiste des Entgegenkommens verharren, ohne die Wirkung zum Opfer zu bringen. Das sei nicht nur die Aufgabe von morgen, sondern das langwierige und undankbare Werk mehrerer Jahre der Wachsamkeit. Das Land, das sich hierbei über die äußere Politik auszusprechen habe, die die Regierung befolgt habe, werde sagen müssen, ob sie fortgesetzt werden solle, bis ein endgültiges Resultat ecziell sei. oder ob es vorziehe, sichauf unbekannte Wege zu begeben, auf denen es zweifelsohne Abgründe finden werde. »3ch zweifle nicht an seinem Urteil," schloß Pvincars. „Aiemand in Frankreich zweifelt ernstlich daran and wer etwa im Auslände daran zu zweifeln hat, wird bald entt Lus cht werden."
Die „Wahlsreiheit" im besetzten Gebiet.
Recklinghausen, 23. April. (WTD.) Der bkamischweig sche Staatsminister Ronneburg, der in seiner Eigenschaft als Spitzenkandidat der Demokratischen Partei für den Wahlkreis West-
Die Eisenbahnkatastrophe bei Bellinzona.
Aus Unachtsamkeit das Haltesignal überfahren. — Die Ursachen der Explosion. - Die Zahl der Toten anscheinend geringer..
Dellinzona, 24. April. (Wolff.) Zu dem Eisenbahnunglück auf der Gotthardtbahn veröffentlicht oie Generaldirektion der Schweizerischen Bundesbahnen folgendes amtliche Eommuniquö: Am Morgen des 23. April ca. 2,30 llhr fand zwischen dem um 2,28 älhr in Bellinzona Hauptbahnhof abgefertigten Zug 51 B (direkte Wagen des Rächt- schnellzugesaus3talien) und dem fahrplanmäßigen Zug 70 (Rachtschnellzug Frankfurt — Basel —Mailand — Genu a mit zwei Wagen aus Zürich) bei Weiche I im Rangierbahnhof von San Paolo ein Zu - summen st oh statt. Beide Züge hatten Vorspann. Dom Zug 51 B geriet der erste nach dem Heizwagen kursierende badische D i e r a ch s e r 1. und 2. Klcsse Mailand—Basel- Verl in, der Gasbeleuchtung führte, in Brand. Sine noch nicht genau festgestellte Anzahl Reisender dieses Wagens verbrannte. Ferner verbrannte der nachfolgende Vierachser 1. und 2. Klasse Mailand—Basel. Die Reisenden dieses Wagens konnten sich retten. Schwer verletzt sind bis jetzt sieben Personen im Spital untergebracht. Dom Lokomotivperfonal sind zwei Führer und drei Heizer tot. Verletzt wurden zwei Führer und vier Heizer. Der Materialschaden ist sehr groß.
Das Cvmmuniquä ter KreisdirektionII der Bundesbahnen in Luzern spricht von einem äleberfahren des geschloffenen Ein- fahrtsignals der Station Bellinzona, von fünf Toten des Personals und zehn Toten von d^n Reisenden, welche Zahl sich aber noch verändern könne. Heber den Hergang des Unglücks können noch folgende
Einzelheiten berichtet werden: Der Mailänder Rachtschnell)ag traf mit einer Stunde Verspätung in Chiast o ein und wurde rasch abgefertigt Dieser fah plan» mäßige Zug ist in Bellinzona mit dem Schnell- -ug aus Arth-Gvldau zasammeirgestoßen. 3n Brand geraten sind zwei Wagen. Bei einem ber den tschen Wagew explodierte der Gasbehälter, so daß der Wagen in wenigen Augenblicken lichterloh b.annte. Die in tiifem Wagen befindlichen Reisenden sind verbrannt: ihre Zahl konnte noch nicht feftgefteUt werden. Der Brand griff auf einen weiteren Wagen über, doch konnten die Reisenden dieses Wagens rechtzeitig gerettet werden. Besonders zu betonen ift, daß bei den technischen Einrichtungen im Bahnhof Belli na ein UnglücE vollkommen ausgeschlossen erscprint. denn der Bahnhof Bellinzona ist. wie man sich technisch aus drückt, verriegelt, so daß falsche Weichenstellungen, welche Zugzusammenstöße zur Folge haben tonnen, von vornherein ausgeschlossen sind. Ein Anglück kann nur durch
Unachtsamkeit entstehen, wie sie in der Tat hier borliegt Daß das Personal des Rachtschnellzuges Basri—Mailand das geschlossene Ginfahrtsignal des Bahnhofes Bellinzona nicht beachtet hat. geht daraus hervor, daß der Zug in voller Geschwindigkeit das Signal passierte. Eine Rachprüfung der Weichen hat einwandfrei feftgefteUt daß die Weichen vorschriftsmäßig gestellt waren. Die zwei Züge waren mit je zwei elektrischen Maschinen bespannt die
in doller Fahrt iueloanderstießen.
Die beiden vorderen Lokomotiven wurden in die Höhe gehoben und quer über das Geteis geschoben. Die beiden Führerstände waren vollkommen verquetscht Der verantwortliche Lokomotivführer, der das geschlossene Einfahrtsignal nicht beachtet hat. wurde getötet Die größte Zahl der Opfer ist in den beiden verbrannten Wagen zu beklagen. Don dem deutschen Wagen ist nur noch das Rädergestell übrig geblieben: von dem ital enischm Wagen blieben noch einzelne Wandteile fle'.en. Beide Züge waren außerordentlich stark beseht Die italienische Paßkontrolle verzeichnet eine Besetzung von 15 Schweizern, 45 Deutschen, 52 Italienern, 4 Amerikanern, 2 Rorwegern, zwei Tschechen, 2 Franzosen und 2 Engländern. Unter den Italienern befand sich auch der italienische Gesandte in Kopenhagen, Graf della Torre, mit seinem Sekretär. Es sind ferner unter den italienischen Reisenden einige Studenten, die an deutsche älniversitäten reifen wollten. Die Gesamtzahl der Reisenden des Zuges aus dem Süden wird auf rund 250 geschätzt
Die Gasexplosion durch die Explosion des Heizrvagens verursacht?
Wie die „Doss. Ztg." aus Genf meldet fort die Untersuchung des Eisenbahnunglücks von Bellinzona ergeben Hoben, daß die schnelle Gxplosian der Gasbehälter des badischen D-Zugwagens wesentlich mitiferfrorgerufen werden ist durch die Explosion des Heizte a g e n s . der hinter den elektrischen Maschinen lief.
Die deutschen Opfer.
Bis jetzt sind folgende deutsche Re ich s - angehörige von den Todesopfern des Eisenbahnurg'ückes intentifiziert worden: Reichs- tagsabgeordn-eter Dr. Helfferich und feine Mutter. Direktor Victor Wertheim vomStahl-
werk Decker QI.-®., Charlottenburg, Römerstr. 40, Professor Rheinlogel, Berlin-Charlottenburg, Melitta Godet, 40 Jahre alt, aus Altstrahlstedt bei Hamburg. Professor Weihhaus, dessen Wohnort unbekannt ist. Die Erkennung Dr. Helfferichs wurde hauptsäch- llch Dadurch herbeigeführt, daß unter den Trümmern ein goldener Fingerring gefunden wurde, in welchem der Rame „Helfferich" eingraviert ist Außerdem wurden Dr. Helfferich gehörende Politische Akten gefunden, welche daS Reparationsproblem behandeln.
Die Feststellung der Opfer ist schwierig.
Die Identifizierung der Opfer ist nach wie vor sehr schwierig. Die Prüfung des Handgepäcks, das nur aus unförmlichen liebetteflen besteht, hat keinerlei Anhaltspunkte ergeben. Jetzt werden die Koffer, die in einem anderen Wagen lagen, einer erneuten Prüfung unterzogen: vielleicht wird daraus etwas greifbares zu ermitteln fein. 3m Verlaufe des Donnerstag vormittag wurden die Heberte ft e von 13 Reisenden geborgen; unter den Trümmern der zerstörten Wagen befinden sich aber immer noch Leichen, fo daß deren Zahl noch höhet ist.
Der italienisch« Gesandte Della Torre gerettet.
B e l l i n z o n a, 24. April. (Wolff.) Wie jetzt festfteht, ist der italienische Gesandte in Kopenhagen, Graf della Torre, den man unter den Opfern der Eisenbahnkatastrophe vermutete, heil in Basel eingetroffen und passierte am Mittwoch die Schweizer Grenze mit der Bestimmung nach Berlin.
'Ausschluß der Wagen mit Gasbeleuchtung in der Schweiz.
Rach einer Meldung der „Basler Qlational» zeitung" haben die schweizerischen Bundesbahnen beschlossen, in Zukunft fein eW a- gen mehr mit Gasbeleuchtung in Schweizer Züge einzustellen.
Eine halbamtliche deutsche Erklärung.
Berlin, 24.Aprll. (WTD.) Don unterrichteter Seite hören wir zu dem Unfall in Bellinzona: In der Presse wurde mehrfach der Umstand besonders hervorgehoben, daß der erste der so schwer verunglückten Personenwagen ein deutscher Wagen mit Gasbeleuchtung gewesen sei. Hierdurch wurde teilweise der Eindruck erweckt, als ob die ungeeignete Beschaffenheit dieses Wagens die Schwere des Anglücks hervorgerufen habe, während sich die Zerstörung der GaSbeleuch- tungSanlage lediglich eine Folge des Zusammenstoßes ist, dessen Arsache und Schuldfrage im übrigen noch nicht aufgeklärt zu sein scheint. Rach dem maßgebenden Aebereinkom- men über die gegenseitige Benutzung von Personen- und Gepäckwagen im internationalen Verkehr (Reglements Internationale Carossa — R.J.C.) find
Gas- und elektrische Beleuchtung gleichmäßig zugelassen.
Allerdings suchen die Eifenbahnverwaltungen in internationalen Zügen möglichst Wagen mit elektrischer Beleuchtung zu verwenden, da die Füllung der Gasbehälter außerhalb der einzelnen HeimatSverwaltungen vielfach schwierig ist und zweckmäßige Anlagen ost fehlen. Seit 1912 bereits hat man in Deutschland O-Zug- wagen nur noch mit elektrischer Beleuchtung hergestellt; heute haben bereits zwei Drittel aller deutschen l)-Zugwagen diese Beleuchtung. Der Ambau des ganzen deutschen Personenwagenparks auf elektrische Beleuchtung würde einen Aufwand von rund 300 Millionen erfordern und außerdem sind die Betriebskosten für Steinkohlengas nur ein Sechstel der Kosten der elektrischen Batterie- oder Ma- schinenbeleuchtunq. Daß auch bei elekttischer Beleuchtung furchtbare Anfallfolgen eintreten können, hat ein Anfall in Frankreich gezeigt, bei dem Reisende durch die Schwefelsäure dec Batteriebeleuchtung verbrüht wurden. Auch die Behauptung, dah der verunglückte deutsche Wagen le ick ter als die ausländischen gewesen sei, uno dadurch besonders schlimm zer- tümmert wurde, ist unwahrscheinlich; das Durchschnittsgewicht des deutschen Schnellzug- agens ist 44 Tonnen, während es im Auslande mit Gebirgsstrecken nur 36 Tonnen ist. Zudem führen die Schnellzüge in Deutschland grundsätzlich nur 4-achsige Wagen, ausnahmsweise in Eilzügen 3-achsige, während im Auslande auch zweiachsige Wagen in Schnellzügen fahren. Es dürfte zweckmäßig sein, das Ergebnis der amtlichen Untersuchung der Schweizer Bundesbahnen abzuwarten, bevor man sich in weiteren Mutmaßungen über den bedauerlichen Anfall ergeht.
falen-Rord hier gestern abend in einer demokratischen Wahlversammlung sprechen wollte, wurde von französischen Kriminalbeamten verhaftet und im Auto nach Gelsenkirchen gebracht. Auf Grund von Vorstellungen des Oberbürgermeisters von Recklinghausen bei dem hiesigen französischen Stadtkommandanten erfolgte noch am gleichen Abend feine Freilassung, so daß er mit einiger Verspätung in Recklinghausen eintraf und feine Wahlrede halten konnte. Wie der Versammlungsleiter mitteilte, war die Verhaftung erfolgt, weil die französische Kriminalbehörde in Gelsenkirchen angenommen hatte, es handle sich um einen Reichsmini st er.
Gutachten und deutscheIndustrie.
B e r I i n, 24. April. (WTD.) Vom Reichsverband der Deutschen Industrie wird uns folgende Resolution der Sachverständigen mitgeteilt:
Präsidium und Vorstand des ReichSverban- des der Deutschen Industrie erkennen an, daß das Gutachten bes 1. Sachverständlgenkomiters, das auf Volkswirtschaft! chen Erkenntnissen aufgebaut ist, eine geeignete Grünblaue »ar Lo
sung des Reparationsproblems bar- stellt, unb billigen den Standpunkt der Reichsregierung, auf der Grundlage dieses Gutachtens zu verhandeln. Sie sehen davon ab, die vielfachen Einzelpunkte aufzuzählen, die noch einer Aufklärung bedürfen und beschränken sich darauf, als fundamentale Voraussetzungen für die Annahme der Durchführung des Gutachtens zu bezeichnen:
1. die Wiederherstellung der vollen administrativen und w rischastl chen Souveränität des Deutschen Reiches über die besetzten Teile Deutschlands:
2. daß die AusfÜh rung des Gutachtens in demselben Geiste erfolgt, der die Gutachter bei der Abfassung ihrer Berichte beseelt hat, insbesondere insoweit, als es sich um den unerläßlichen Schutz der deutschen Währung bei den sog. »Tranzfers" aus den Reparationsfonds im Ausland handelt.
Der amerikanische Reparations- Kredit.
Washington, 25.April. (WTB.) Os- fizielle Persönlichkeiten im Schatzamt sind
der Ansicht, dah es leicht sein werde, in deq Vereinigten Staaten die für Deutschland geplante Anleihe unterzubringen. Sie glauben, daß die Regierung, obwohl sie keinen offiziellen Anteil daran. nehme, von den Bankiers konsultiert werde, wie das der Brauch sei und daß diese ihre Zustim- mungen erteilen werde. Sobald General Dawes in Washington angekommen sei, werde er mit offiziellen Persönlichkeiten verhandeln, namentlich mit Schatzsekretär Mellon.
In Erwartung der alliierten Antworten.
Paris, 24. April. Di« Re-
parationskommisfion, die am 10. April den alliierten Regierungen ihre Entscheidung mit dem Bericht der Sachverständigen übermittelt hat, erwartet für morgen vormittag di« Antworten des engllschen, des belgischen und des französischen Kabinetts. Bekanntlich hat P o i n c a r 6 schon anDarthou einen Dries gerichtet, der die Antwort der französischen Regierung enthält Die Reparationskommission wird morgen eine offiziöse Sitzung abhalten, in deren Verlauf sie von den verschiedenen Antworten Kenntnis nehmen wirb. SS wird zur Prüfung dieser Antworten keine offizielle Sitzung abgehalteu, bevor die Antwort der italienischen Regierung gleichfalls eingetroffen ist. Die ReparationSkommission wird dann zu entscheiden haben, ob diese Dokumente veröffentlicht werden sollen.
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Die Belgische Telegraphenagentur hat heute vormittag berichtet, die belgischen Minister T h e u n l s und Hymans würden sich am Montag nach Paris begeben, um mit Ministerpräsident Poincars zu verhandeln. Wie die Ha- vasagentar hierzu feststellt, hat die französische Regierung noch keine offizielle Bestätigung dieser Rachncht erhalten. Es fei aber klar, daß die ge- plante Reise französischerselts auf keinen Widerstand ftotzen werde. 3m Anschluß an die Pariser Steife werden die belgischen Minister Ende bei wachsten Woche eine Begegnung mit Rarnsah M acdonald haben. Rach der belgischen Tele- graphenagentur wird im Laufe der Besprechungen in Paris ein einfacher Meinungsaustausch über die Lage erfolgen, tote sie sich nach der Aebergabe der Sachverständigenberichte an die Reparationskommission ergebe. Der „Temps" schreibt in seinem Leitartikel, der Besuch der belgischen Minister werde, ob man es wolle oder nicht, den Beginn der direkten Verhandlungen zwischen den alliierten Ministerpräsidenten bedeuten, aber es genüge nicht, daß man sich ausspreche, man müsse das auch in nützlicher Weife tun.
Kleine politische Nachrichten.
Die Mainzer Volkszeitung ist von der Desatzungsbeyörde ab heute auf 3 Tage verboten worden.
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Wie man uns mitteilt, verzichtet im Einverständnis mit dem Vorstand des Hess. De- amtenbundes und dem Landesverband der Deutschen Volkspartei Dr. Claß auf sein Mandat.
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Sell dem 1. April hat sich die Zahl der V o l l- erwerbslosen in Sachsen wiederum um etwa 38 000 vermindert. Während es am 1. Dezember v. Js. in Sachsen noch etwa 309 000 Vollerwerbslose gab, werden jetzt nur noch 72 000 gezählt.
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Das Rohetsenshndikat hat beschlossen, keine Transporte mehr über die Regiebahnen zu leiten, weil die Transportdauer zu unregelmäßig und die Verschleppung von Wagen an« dauert. Die Eisenbahnsendungen werden zu Schiff von Duisburg nach Mannheim überführt und hier auf die Eisenbahn verladen. Sendungen von Drebach und Völklingen rollen über Wintersdorf nach den deutschen Stationen.
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Wie die „Münchener Reuesten Rachrichten^ aus Ludwigshafen erfahren, soll in den nächsten Tagen ein Aufruf sämtlicher Gewerk- schaftsvorstände herauskommen, in dem die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter der D a d i- schen Anilin- und Sodafabrik aufgefor- dert werden sollen, die Arbeit unverzüglich wieder aufzunehmen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 25. April 1924.
Die Gastrvirte-Tagung in Gietzen<
Der 41. 03er banbS tag des Ahein- Main-Gaflteirteverbandes wurde am Dieristag abend im „ Felsenkeller" mit einer Begrüßungsfeier für die auswärtigen Gäste eröffnet Der Vorsitzende Körner vom hiesigen Gasttolrteverein bewillkommnete die Gäste, der VerbandSpräsldent Schnauber-Darmstadt Lankte dem Gießener Verein mit herzlichen Worten und brachte ein Hoch auf das Vaterland aus dem der gemeinsame Gesang des Deutschlandliedes folgte. Ra mens der Kollegen sprachen nrch RHanefeld-Gießen und Jaskvtoskh-Of- fenbach Degrüßiungsteorte.
Am Mittwoch vormittag begann die geschäftliche Tagung
im großen Saale des Gesellschaftsvereins (5ttub). Rach d-r Begrüßung durch den Bor-sitzenden Korner sprach namens des Verbandes Schnauder - Darmstadt. Er gÄtachte dabei des vierzigjährigen JublläumS des Gießener Vereins. Hierauf begrüßte er die Vertreter der Behörden i]Jto., und zwar Oberregierungdrat Welcker, Polizeichef R^ierungsrat v. Gemmingen, Bürgermeister K r e n z i e n , Kommerzienrat Kling spvr als Vertreter der Handelskammer, die Vertreter der Stadtverordnetenversammlung, des Finanzamtes, der Bäcker- und Wetzgc r-3nnuug. Abgesandte von Bad-Rauhe im und Darmstadt und schließlich den Vorsitzenden des Deutschen Gastwirte^>erbandes Köster- Derlin. Der Verband h'f e, so betonte er, auf wohlwollende Berücksichtigung seiner Wünsche fettens der Behörden. Oberrrglerungsrat Weicker versicherte namens des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft und des terfiiriberten Provinzialdirektors, daß die staatlichen Behörden allezeit ein offenes Ohr und Auge für das Gast- toTrtcgetoerbc haben werden. 3n gleichem Sinne


