Nr. 303 Drittes Blatt Sietzener Anzeiger Oeneral-Anzeiger für Gberheffen)Mittwoch, 2^. vezemder |924
Herrschaft über
em modernen Pilgerturn
Flachdruck verboten.)
26 Fortsetzung.
2'uch p lil sch^ Kre.se. Zillen zustr ben. s.llten sarnntontreffen können: den Frieden tun will,
«Kordon Mi-rray schlug eine
auLgehung» rtsagte er. ^In zum letzten Male anftänöic Pardon, tote war gleich Ihr
sorgte für Zufuhr, tapfere ftlingc.
„Ich bin total Tsingtau habe ich gegessen, Herr — Qlame?"
die Weihnachtsbotschaft nicht ohne Bitterkeit entgegen. Dafür mit Herz und Hand zu wirken, dah alle deutschen Volksgenossen wieder die Weih- nachtsbotschaft bejahen, das ist eine Ausgabe des Schweißes der Edeln wert. Erst wenn diese Arbeit getan ist. kann die frohe Botschaft in allen deutschen Herzen wiederklingen: , Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!"
der, wo ein blauer Himmel wie in glücklichere Weiten weist, da., Summen und Gi.igciL Da weih die Christenheit: jcni. jetzt schlaat goldenem Hamme, der Statthalter Christi an die vermauerte Türe der klangdurchdröhnten PeterSklrche, es öffnet sich die Porta Santa, es beginnt das heilige 3ahr!
Dao Zudeljahr der Kirche, das Segensjahr, das mir alle 25 Iahre miederkehrende Anno Santo.
Das Iahr der allgemeinen Sündenvergebung für alle, Du nach Rom pi.'gern.
Schon sind die ersten Pilgerzüge eingetroffen, jeder Tag bringt neue, sie kommen aus Rah und Fern, aus verlorenen W.ltwin- keln, wo nur einem Missionar eS glückt?, ein kleines Bimmelkirchlein 'u crrich.en. U .d da) dauert zwölf Monat?, bis am 21. Dezember 1925 die haillg.n Türen der v.er großen Basiliken wiederum sür 25 Gahre ücrmiu.rttoerben.
ES liegt etwas von Kreuzzügen und Zug- vogelwanderungcn. von SchMarmgeifterci und tiefinnerfter Gl lUJigtc.L ein Hau ch von mil» telalterlicher Abla,-zeit und päpstlicher Welt-
„«Straf Hora-Geisbach."
„Sehr angenehm. Schwede?"
„Deutscher."
„Sehr angenehm. Sie fpredven ein fo aus gezeichnetes Englisch, dah ich sie für einen Land? mann hielt. Im übrigen: sonderlich liebenswüroia zeigen sich meine Landsleute nicht. Ich tzab<> wunder geglaubt, tr-ie dankbar man mir für meine Meldungen sein würde. Es wäre doch auch anständig getoe<en. wenn man mir hier in bei Gesandtschaft ein Quart-er angeboten hätte!"
„Sind Sie im Hotel nicht aut untcracTom« men?“
„Miserabel."
„Wenn Sie bei mir mit einem Schlassosa vorlieb nehmen wollen —"
(Fortsetzung folgt)
Die rote Kaschgar
Roman von Fedvr von Zobeltih.
Das heilige Jahr.
Bon unserem römischen S-Korrespondentern
Rom, 24. Dez. 1924.
Heute Hingen die Glocken der PeterSkirche feierlicher als sonst und mit Halleluja fallen ein die erzenen Stimmen der Iohauneökirche im Lateran, der PaulSkirche vor den Mauern und der größten der über achtzig Marienkirchen Roms, S. Maria Maggiore.
Wo immer heute in der weiten Welt die Weibnachtsglocken lauten und die Kerzen l)ia- ausschimmern in die eindämmernde heilige Rackr. da hört das gläubige Ohr fern von Rom
in der Überzeugung zu- Wer irgend etwas für muh seine ganze Kraft andern Friedens- und
rück! Die Gesellschaft wird unruhig geworden sein wir wollen die begreifliche Erregung dämpfen. Schon aus Rücksicht auf unsere Da- mer . .
Gert nahm den Reisenden schsankwrg unter den Arm. „Wir suchen uns ein stilles Plätzchen, Sir," sagte er. „unh dann stecke tav mich hinter den Kammerdiener Seiner Exzellenz, der must das halbe Düsett zu uns herübericylepd-'n. Es ist alles da. Kaviar, Langustensalat, Austern in Aspik, getrüffektcs Rebhubn — Sie sollen auf Ähre Kosten kommen . .
Dar Spiestrulenlausen durch die Zimmar machte beiden Svast. Der ruppige Tourist erregte abermals Aufsehen. Blicke und Flüstern folgten ihm. Aus einer kleinen Gruppe Damen neigte ein gepudertes Mädchrng'ficht mit roten Lippen sich ein wenig vor. Eine Fächerfpitzr berührte flüchtig Gerts Arm. Ein dunkler Brick suchte verständnis- voll feine Augen.
Aun sahen die beiden in einem Aebenzimmer des Speisesaals hinter einen’ goldacf: ^ren Wandschirm und freuten sich ihres Alleinseins. Der erste Kammerdiener war ein gefälliger Herr vn?
daransehen, vor allem Einigunasarbeit im eigenenBolk zu leisten. Weite Schichten unseres Bolles nehmen heute
hen einen Gegensatz, über dessen Unlösbarkeit die ve fd)i b nf‘en Auffüllungen miteinand r ringen. - -- ' die hie- vrs.h.eden.n
der l)-Zügr zu erm higtrn Preisen.
Es ist wie ein Klopfen ans Tor der Ewigkeit, wenn der Papst den gold.nen Hammer schwingt, wie im Spieaelbilde gefolgt von anderen drei hohen Kirch Nsürsten in den anderen drei Basck.ken. Denn wie viele Papste erleben ein zw.iteS Anno Santo? Die gerne hte Hand weih, dah der Fischerring an ihrem Finger ein Symbol ist des flücht gen Lebens. Ein anderer wird ihn das nächste.nal tragen, wenn man Weihnachten 19 Ä sch eibt. Beide Bog' g r d.s»eg . w rttgen ja; ft S Pius X. sow5t)l wie der Kriegspapst Benedikt, erieb:en überhaupt E.in heiliges Bahr a if dem Swh.e Petri. Der letzte, der die heilige Türe zumauerte, war Leo XIII. Dcrs Ib?, dessen Leiche erst in diesen Tagen nächtlich-heimlich von der Peterskirche zum Lateran überführt wurde, wo sie endlich in dem prunkvollen, bei Lebzeiten nach den Entwürfen t>?6 letzten bauenden Papstes errichteten prunkvollen G.abmal, dicht nebm dem Marmor- und Gold- und Farbenrausch der neuen ApsiS, M.ieS Werke?, Ruhe fand. Senes vorige heilige Bahr war überschattet durch die Ermordung deZ Königs Humbert und die zahlreichen katastrophalen Überschwemmungen des nun durch hohe Mauern g^bii nbij.cn Tibers.
Das aber ist auch wie ein Klopfen an die Türe der Geschichte und wenn sie aufgeht, Steine und Mörtel fallen, auf welche glück- b irgenbe R liquien sich das Volk st irzt, dann sieht man auf Iah hruderte weit hinein. Zuerst steht alle 25 Iahre ein Zeitenstein, das geht so weiter, bis wir vor Alexander VI. stehen und lesen MD, das Iahr 1500. Dann, weiterwandernd, stohen wir — schau, die Peterskirche verändert ihre Gestalt! — auf den apostolischen Brief Ineffabiii?. Der ist datiert vom 19. April 1470, als Paul II. auf dem Heiligen Stuhle sah, und bestimmt zum erstenmal die Zeitspanne von einem Bietteljihrhun- dert. Weiter, weiter! Das nächstfolgende Heilige Iahr liegt schon 33 Iahre zurück, dann müssen wir ohne zu rasten fünfzig Iahre wandern, schließlich hundert. Bleiben wir hier, denn weiter hinaus verliert sich die Straße bis in die graue Borzeit, bis in dibl'sche Tage, da der Herr zu Moses am Berge Sinai sprach, er solle die Posaunen blasen durchs Land und feiern das fünfzigjährige Iubeljahr. D e Ety- molcgen leiten von dieser Stelle aus der Heiligen Schrift nicht nur den Urgtdauken des Anno (Santo ab, sondern auch das Wort Iu-- biläum — guingagesimus — 50 Iahre.
Hundert Iahre! Warum gerade hundert Iahre? Warum überhaupt tauchte plötzlich im
Bolte die Legende auf, immer nach einem Säkulum könne die Kirche von ollen Sünden erlösen? Die Theologen, so eifrig sie auch suchten, janben nichts Schriftliches Darüber, aber das Bolt begehrte stürmisch fein UiWcr« brieftes Recht. Ein steinalter, um genau -,:i sein, 107 Iahre alter savohardischer Bergl)hi e behauptete, und er muhte eS aus Verlang i der Kirche beschwüren, sich genau erinnern vi können, wie ihn fein Baier als siebenjähriges Bübletn mit nach Rom genommen habe, um dort „des auhcrorbciuUchen Legens teilhaftig zu werden". Also Gewohnheitsrecht. Mm dem Streit ein Ende zu machen, entsprach Bonisa- cius VIII. durch seine berühmt? Ablahbulle dem Drängen der Gliiubigen. Der Erfolg war ein ungeahnter. In solchen Massen walzt n V b von allen Himmelsrichtungen reuige Sünder nach Rom, doh sie die Strafen verstopften wie Heuschreckenschwarme und zu Hunderten und Taufenden an Mühsal und Seuchen zugrunde gingen, von Räubern auSgtpl indert und erschlagen, von der Bision der fernen Peters- kuppel wie von einer Fata morgana bis zur Berzweislung genarrt wurden.
Immerhin, sie waren unter den Bevor» zugten, diese lurz vor einer Iabrhundertw en de geborenen Pilger. Aoer die Mischen Säkulum und Säkulum Geborenen? TBarum soll.en gerade sie nicht der Gnade tcllnftig werden? Aus dieser ilebcrlegung heraus lam c* zu der fortschreitenden Herabsetzung bei Zeitspanne bis auf das jetzt übliche Bier-teljahrhundert.
1900, im letzten heiligen Iahr?, war der Besuch der ewigen Stadt ein schwacher. W.nn. man von den Tibergeschädigten absieht, so hatte es bu Welt gut, sie lebte in Wohlstand und Sicherheit. In diesem Rachkriegsjahre aber werden Hunderttau sende und Millionen nach -Rom pilgern. Sterndeuter mögen ihre Kreise ziehen.
So ist das Anno Santo vor allem ein Gnadenjahr und der Papst hat deshalb auch finngemäh die Romfahrer ermahnt, bescheiden aufzutreten. Das wird natürlich und soll auch kein Grund für die Masse der BergnügungS- reisenden sein, diesmal die ewige Stadt zu umgehen. In Rom kommt jeder auf feine Rechnung, w.lchcu Glaubens er auch sei. Die Ki.che s Iber wird aus durchaus verständlichen psychologischen Gründen graften Pruitt entfalten. Schon di? Werkzeuge für die Ausmauerung der heiligen Türen. Hammer und Kelle, verraten es. Seit Iahrh änderten hat kein Papst mehr ein Derart kostbares Instrument in Händen gehabt, wie das von den katholischen Bistümern der ganzen Well gegiftete. Der Hammer ist aus lauterem Gold, übersät mit Rubinen und Smaragden und Lapislazuli. Die Iungkatholiien Frankreichs schenkten das Werkzeug für die IohanneSkirche, „aller Kirchen der Stadt und des Erdkreis?s Mutter und Haupt", die italienischen Gläubigen das für die Pauluskirche und der König von Spanien stiftele es, als Ehrendomherr dieser herrlichen Basilika, für Maria Maggiore.
Fünfmal in diesem Iahre wird der Papst fünf Altäre im PeterSdom besuchen, an Ostern den groften Segen über Stadt und Erdkreis erteUen, an Pfingsten die Heilige Messe zelebrieren. Eine Kette von Festen und Feiern schlingt sich durch den IahresireiS, die Plätze und Höfe um St. Peter werden schwarz sein von Pilgern, die vatikanischen Gärten stehen ihnen offen. Dort ist die grafte MissionS-2luS- stellung, die Laien und Gelehrten viel zu erzählen weift.
Anno Santo! In den Wechnachtsglocken schwingt nichts mit von Politik, dem Gifthanch unserer Zeit. Gebm wir uns einmal im Leben wenigstens dem Willen hin, einfach zu glauben und sei es auch die köstliche Naivität eines
bic man nicht vor der Sür stehen lassen konnte, die man gelegentlich auch gesellschaftlich heranzog. immer in der Hoffnung, sie bald wieder los zu werden.
Gert hatte rasch die Gesandten ^ufammen- getrommelt. Aur der Spanier hatte sich bereits empfohlen, und der Oesterreiche.' hatte aus irgendeinem Grunde abgesagt. Gert spielte den Kammerdiener. er stellte Stühle im Halbkreise auf unö maeftte sich beliebt und erreichte damit auch, was er wollte. Als er sich bescheiden zurück- zuziehen gedachte, rief dec brllifche Gewaltige chm freudig zu'
„Aber bleiben Sic doch hier. Graf Hora!"
Im Kreise der befrackten Herren faß Gordon Murray in seiner Schäbigkeit. Aller Augen hasteten auf dem aus der Aaht gerissenen Rock- ätmcl. Er war im Augenblick zum Symbol geworden.
Der Reisende hatte zu seiner Auffrischung einen groben Becher Champagner geleert und sich dann die Zigarre angesteckt, die der Gesandte ihm reichte. Hieraus begann er zu erzählen, troden und sachlich, mit etwas belegter Stimme, die lediglich in Momenten der Erregung heller Hang.
Gr gab nur eine kurze Einleitung. Er hätte eine .Vergnügungsreise" vor, so drückte er llch aus. er wollte ganz Men von Peking bis zum Kafpitchen Meere durchqueren — dabei tonnte natürlich mancherlei für die Forschung abfallen. In Kiautschou stellte er seine kleine Ervedttion zusammen und wollte auch gleich losziehen. trotz aller Warnungen der Deutschen, denn aus «Schanghai marai bereits die ersten Aachnchten von gröberen Unruhen eingetrvfsen. In der Provinz Schantung kam der Redende denn auch nupt tociter Im Steinwhlengebiet von Po-'chan wurde er zum ersten Male von einer bewaffneten Bande überfallen die ihn völlig Eplunderie. ferne Leute aber am Leben ließen. Aun gedachte er!ich bis Peking durchzuschlagen, um twrt bas? <Snbc der Unruhen ob^warten, und hoffte bu euftan- babn zu erreichen, von der er frccktch wußte, daß sie noch nicht fertig war. die ihn aber unmerhm streckenweise weiterbrmgen konnte. Donnun ab war jeder Tag mit ungeheuren Gefahren ver-
politische Weihnachtsgedanten. Bon Otto Thiel. M.d.R.. Borst, d. Gesamt- eeti>anbe6 deutscher Angestellten-Gewertschaften.
Run zum sechsten Male vecnehmen wir Deutschen den Klang der Weihnachtsglocken in banger Sorge um die Zukunft unseres Bolles. Zum fechsten Male feit dem deutschen Zusammenbruch erklingt unS wieder die Christbotschaft. „Friede auf Erden, und den Menschen ein Dohl- gesollen!"
Mehr alS irgendeine andere Zeit zuvor, die das heutige Geschlecht iroch miterlebt hat, sind unsere Tage erfüllt von Gegensätzen. Kampf und Streit. Siinnen und draußen dasselbe Blld. Wir stehen wieder mitten in einer Regierungskrise, von der kein Mensch weiß, wann und wie sie ondcn wird. Rur allzu deullich verrät die Zersplitterung unseres BotteZ in über zwei Dutzend Parteien, daß wirtschaslliche und andere große und kleine Interessentämpfe am Marl des beut» schm Bolles fressen. Dio Magenfrag<m haben so große Gewalt über uns gewonnen, daß ihnen gegenüber das Bewußtsein der gemeinsamen großen Rot, gemeinsamer banger Sorge des ganzen Dolles bei den meisten deutschen Menschen verkümmert ist. Zehn Iahre Rot und Eleyd. zehn Iahre wllder Wirbel aller wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse haben immer und immer wieder unser Doll in den Bann rein wirtschaftlicher Existenzfragen und Röte hineingezwungen. So stark haben diese zehn Iahre die Rerven zermürbt, daß es heute nur noch wenige Menschen gibt, die in wirklicher Ruhe großen Gedanken über die Lebensfragen unseres Dolles nachzugehen vermöchten.
Außenpolitisch sehen wir, wie Wett- trieg und Wettk i'psfrlgcn die ganze Welt politisch und wirtschaftlich in eine Gärung gebracht haben, die noch Lange nicht abgeschlossen ist. Stein Staat traut dem anderen. Der Mund redet von Abrüstung, und die Hand schmiedet neue Kriegs- wafsen zu Lande, zu Wasser und in der Luit non Tag zu Tag. Die Flottenmanöver im Pazisic lassen nichts gutes vermuten. Die japanische Flotte brachte fast 200 Kriegssahi^euge dazu heran. Die Anlage der Manöver läßt erkennen. daß Japan sich auf den Zweimächte- Angrifs «England Amerika) einrichtet. Auch die Manöver der japanischen Landmacht waren auf die kommenden Auseinandersetzungen eingestellt. Bei den inneren Wirren in Ehina war deullich zu sehen, wie Iapan, Rußland. England und Amerika sich in diesem Riefenreich von 300—400 Millionen arblltskrä>riZ'n und bedürfnislosen Menschen Ei'sluß zur otärlung ihrer politischen und wirtschaftlichen Macht zu verschaffen trachten. Der Kamps der Spanier in Marokko hätte nicht die firoftm Ausmaße annehmen können, wenn nicht m Stillen Frankreich an der Schwächung des spanischen Einflusses in Rordafrika snstematisch gearbeitet hätte. Wie denn auch dasselbe Fraitk- t'-id) offenbar Japan ermutigt, sich auf die grnße Auseinanders tzung mit den anglo-amer.karnschen Mächten einzurichten. Die ganze mohammedanische Welt befindet sich in gefahrdrohender Wallung. Das britische Imperium gerät ins Wanten, wenn es nicht gelingt, dieser «Strömungen Herr zu werden, zumal die neue Luftwaffe dem auf afrikanischem Boden erfolgreich arbeiten» h$n Frankreich neue Kampfes- und Bertehrs- möglichkeiten in die Hand gegeben hat. die schlietzliey neue Gefahren für die Verbindung Englands mit seinen Dominions im Osten bedeuten.
So ist am außenpolttischen Weihnachts- Himmel wenig Klarheit, aber viel schwarzes, gefahrdrohendes Gcwolt zu sehen. Die Christbot- fchaft. „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!" Hingt in eine wilde, aufgeregte Welt hinein, cklnd um die innerpolitische Lage ist es nicht erfreulicher bestellt. Roch ist der la um beenodc Wahltampf in lebendigster Erinnerung. Hoch gingen die Wogen der Leidenschaft. ..Hie Republik!, hie Monarchie!: hie schtoarz-weitz-rot!, hie schwarz-rot-gold! - so gellte der Kampfruf durch die Straßen, ilnb das Ende <* Weder die Marxisten noch die Anti- Marristen haben ihre Machtposition wesentlich verstärken können. Sozialdemokraten und Storni muniften erhielten vorher 33 und jetzt 34,8 Proz. her abgegebenen Stimmen, während die bürger
Gerade da trat der Hausherr in das Zimmer, und Gerl machte ihn mit einer Handbewegung auf den seltsamen Besucher aufmetffam. Der Gesandte wurde ftuftig. der Fremde aber halte sich bereits zu ihm durchgedrängt und nannte feinen Ramen.
Gordon. Murray. Erzettenz. Ich bitte um Verzeihung, daß ich es wage, in diesem Aufzmw hei Ihnen einzudringen. Aber ich mußte Sie sprechen und konn-e mich vorher nicht einmal umtieiben, denn ich bin vöMg ausgeplundert worden." „ _ £. .
Der Gesandte reichte ihm die Hand. .,üte sind mir schon vor längerer Zett angekündigt worden, Sir" erwiderte er, „ich freue mich. Sie kennen zu lernen, und bebaute lebhaft, daß Sie anscheinend in die Hände von Stratzenräubern gefallen sind.
„So ist cs. Erzellenz. von Räubern, aber sozusagen konzessionierten — nämlich in die Hande der Borer."
Ein Kreis von schwarzen Fracken und bellen Damentoiletten umgab die beiden. Eine wallende Bewegung ging durch diesen Kreis.
Die ‘Oll cnc des Gesandten blieb hofttch-emst. Des englische Gelicht veränderte sich kaum. Gert stand neben ihm.
„Lieber Gro> Hora," sagte die Eizellenz. ..be- nachrichtigen Sic doch, bitte, die Ehefs der Missionen. Ich möchte die Herren in meinem Il.vcits- ,Ummer sprechen. Die Gesellschaft muß mich auf zehn Minuten entschuldigen.'
Die Gesellschaft entschuldigte ungern. Den Herren von der Diplomatie war es zwar ziemlich gleichgültig, ob sie den Bericht des Reisenden beute oder morgen hörten, aber die Damen waren neugierig, cklnd noch viel neugieriger waren die anwesenden Rich«diplomaten, die kaufmännischen Kommissare und 'Bertret-r großer Handelshäuser und der Agentenschwarm, der immer auf den Deinen war, um Konzessionen $u ergattern, vornehme Leute darunter mit klingenden Ramen,
knüpft. Gordon Murray mit feinen fünf getreuen Kulis konnte nur abseits der großen Straften auf entlegenen Landwegen vora>ärts kommen. Aber durch seine Begleiter, die in den Dörfern nach Lebensmitteln suchten, erfuhr er doch aller* Hand Wisfesnwertes. Auch die anftaltenbe Diirre und die slchcr bevorsteh:nde Miftrrnte wurd^ den fremden Teufeln zugcschoben, und über die verdorrten Ebenen schwärmten die Borerscharen, zum Teil noch altchinesisch, zum Teil mit gana modernen Waffen ausgerüstet, brannten die chen nieder, zerstörten die Ansiedlungen, mordeten und sengten. Ilnb überall fanden sie Hnter- stühung bei Örn Behörden, die Präfetten ermutigten sie, die wilden Kansittruppen ‘.r-arai berells zu ihnen übergeganaen. Unweit der Stadt Tschau- tschu. schon in der Rähe der Bahn, wurde Murray auf das Geheift eines Mandarinen gefangengenommen. Man wagte zwar noch nidil. sich an einem Europäer zu vergreifen dock, von feinen Begleitern wurden vier zurückbehalteii. nur ein sechzehnjähriger Iunge durfte bei ihm bleiben, mit dem er unweit Pautingfu die Bahnlinie erreichte Aber- die Geleise bis ßulufiau, also fast bis zu den Toren von Peking, waren bereits zerstört, die Stationen niebergebrannt, die Ingenieure geflohen. Die letzten Tage waren ein unbeschreiblicher Leidensweg gewesen. Kofaken, die in geringer Zahl von der ruffi'chm Gesandtschaft herangezogen worden waren und die oft ®cü bis über die Stadtmauern hinausschwärmten. hatten den Reisenden endlich glücklich nach Peking geleitet —
Ser englische Bevollmächtigte dankte feinem Landsmann für den ausführlichen Bericht
Er war uns immerhin w-ertvoll," sagte er — dies immerhin« klang verblüffend „er ttar auch höchst interessant. Haben Sie schon ein Quartier gefunden?"
3m Hotel Peking. E^>ellenz. Aber trenn ich mir eine Bitte erlauben darf, kann ich etwas zu essen bekommen?"
Der hohe Herr lachte. „Selbswerstämdsich — baä Glas Sekt wird Sie nicht satt gemacht haben! ßieber Graf Hora, würden Sie wohl die Güte haben Herrn Murray an daS Büfett zu führen.. Meine Herren, kehren Wir in die Salons zu-
lichen Paileien alter Schattierungen ihren Slim- mcnanlcil von 63,ö auf t?4 Proz. erhöhen konnten.
Auf Grund dieses Ergebnisses «oll nun eine Regierung g-bildet werden, welche dir Ausgabe hat, dic Folgerungen aus der Annahme des Londoner Alk-mmens zu ziehen. Eine höchst schwierige Ausgabe, die ganz gewiß nicht gelöst werden kann, wenn beim Ringen um die LebenS- rnöglichkeilen unseres Bolles alle Kräfte ause'n- ar.baft) eben, wenn die einzllnen DolkSteile sich schroff in Feindschaft gegenüberstehen. Wohin wir auch blicken: Gegensätze über Gegensätze, zur Kluft verbreitert durch Groll und Bitterkeit. Partei.zerklüftung. Gegensätze des Drkenntnisfes. Gegensätze zwischen Stadt und Land! Am schlimmsten aber von allem der Widerstreit der sozialen Klassen, der das ganze Bott hoffnungslos auseinanderzureif-en droht, wenn ihm nicht Einhalt geboten wird.
Hier wird alle Arbeit chre Ansatzpunkte suchen müssen, die eß sich zum Ziele seht, das ganze deutsche Boll zu freuOigei Bejahung der Weihnachtsbotschaft zu führen. Keine noch fo starke und ganz au's Bottswohl eingestellte Politik wird es vermögen, diese «3egcnfä!'c in ab,s"hbarer Zeit ganz zum Schweigen zu bringen. Wohl aber müssen alle nationalen Aufbaukräfte sich zusammenfinden, um Brücken zu schlagen dort, wo der Gegensatz zur hoffnungslosen Kluft zu werden droht.
Mit kleinen und nur taktischen Mitteln kann zumal die soziale Zerllüstung nicht überwunden werden. Gerade hier wird die schöpferische Kunst des echten Führer« sich bewähren müssen. Die Ersah ungen des l'ften Iihrzehnts haben eindringlich genug gcl'ftrt. daß radikale Doktrinen wohl eine alte Ordnung zu zerschlagen, aber keinen neuen und besseren sozialen Bau auf» zuführen imstande sind. Die Sozialisierungsidee ist gescheitert; die dringende Aufgabe der sozialen Entspannung und CB.fri^hung blieb aber ungelöst. Um des gesamten Bolles willen muß sie der Lösung entginget ^t werden. Gebieterisch verlangt unsere Zeit nach einer neuen Ordnung des Berhiltni s 's von Kapital und Arbeit auf den W"gen. die von Der ch istlich-nationalen Gewerkschaftsbewegung vorge'eichnet und ton weitblickenden Wirtschafts- führein bejaht worden sind. Ob wir dazu, ob wir zu wirklicher Arbeitsgemeinschaft ii Der Wirtschaft lommen. das ist die Frage an das Schi.lsal urf res Bolles. Denn Acbeiisgemein- schast im Sinne geg^nfeiriger gleichberechtigter An-rlmnung und sta t r Bejahung untrennbarer Zusammengeh^rigt ü ist Boraussehu"g und Vorstufe für das Werden und Wachten wahrer deutscher Bollsgemeinschaft
W Itu'-rufte und Wll friede-'sideal um«chlie-


